Kolloquium Bauen in Boden und Fels
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2026
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BIM-Fachmodell Baugrund – Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen
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Oliver Bernecker
Pascal Geisert
Der Einsatz der BIM-Methodik im Bereich der Geotechnik wird seitens der institutionellen Auftraggeber gerade in Projekten für große Infrastrukturmaßnahmen angestrebt. Mehr und mehr ist die Anwendung der BIM-Methodik Voraussetzung zur Erfüllung der Eignungskriterien im Rahmen der VgV-Verfahren. Geotechnische Ingenieurbüros stehen damit vor der Aufgabe die BIM-Methodik im Büro zu implementieren. Damit verbunden sind, je nach Bürogröße, große wirtschaftliche Herausforderungen in Form von Investitionen in Personal und Software. Mit dem Bericht sollen erste Erfahrungen zur Anwendung der Methodik, den damit verbundenen veränderten Workflows im Unternehmen sowie dem Nutzen diskutiert werden.
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15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 273 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen Oliver Bernecker GrundWerk GmbH & Co.KG, Stuttgart Pascal Geisert GrundWerk GmbH & Co.KG, Stuttgart Zusammenfassung Der Einsatz der BIM-Methodik im Bereich der Geotechnik wird seitens der institutionellen Auftraggeber gerade in Projekten für große Infrastrukturmaßnahmen angestrebt. Mehr und mehr ist die Anwendung der BIM-Methodik Voraussetzung zur Erfüllung der Eignungskriterien im Rahmen der VgV-Verfahren. Geotechnische Ingenieurbüros stehen damit vor der Aufgabe die BIM-Methodik im Büro zu implementieren. Damit verbunden sind, je nach Bürogröße, große wirtschaftliche Herausforderungen in Form von Investitionen in Personal und Software. Mit dem Bericht sollen erste Erfahrungen zur Anwendung der Methodik, den damit verbundenen veränderten Workflows im Unternehmen sowie dem Nutzen diskutiert werden. 1. Einleitung Die Methode des Building Information Modelling (BIM) ist seit Januar 2021 für die Vergabe öffentlicher Aufträge im Infrastrukturbau des Bundes verpflichtend. Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen [1] gibt hierfür seit 2025 flächendeckend die BIM-Anwendung vor. Seit Ende 2022 ist die Nutzung der BIM-Methodik im Bundeshochbau ein Muss [2]. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) will damit das digitale Bauen in den Bereichen Straßen-, Wasserstraße und Schienenprojekten voranbringen. Während die planenden Ingenieurbüros schon weitergehende Erfahrungen mit der Umsetzung der BIM-Methodik gesammelt haben, hat für die Fachingenieurdisziplin der Geotechnik der Start mit Verzögerung begonnen. Aus Wahrnehmung des Ingenieurbüros ist erst in jüngster Zeit die Forderung nach dem Fachmodell Baugrund verstärkt über VgV-Verfahren gefordert. Für Geotechnische Ingenieurbüros bedeutet dies, dass eine Teilnahme an interessanten Infrastrukturprojekten der Zukunft ohne die sichere Anwendung der BIM-Methodik in der Geotechnik kaum oder gar nicht mehr möglich ist. Während für die planenden Fachdisziplinen die Erweiterung der 3D-Planungsprozesse bzw. zur BIM-Methodik womöglich einen „einfachen“ Evolutionsschritt darstellen, ist die Ausgangssituation in den meisten geotechnischen Büros eine andere. Hier erfolgt die Datenerfassung, -auswertung und Darstellung der Ergebnisse im Regelfall analog. Vielfach werden eher einfache Darstellungsmethoden eingesetzt. Die Umstellung auf die notwendigen digitalen Prozesse führt zu wesentlichen Veränderungen des Arbeitsprozesses und erfordert die notwendigen Kompetenzen im Team. Der Geotechnische Fachingenieur wird Bestandteil des Gesamtprozesses und hat seine Arbeitsmethodik an die Struktur des geforderten BIM- Datenaustausches anzupassen. Im vorliegenden Beitrag soll nicht auf alle Grundbegriffe der BIM-Methodik eingegangen werden. Hierzu liegen verschiedene allgemeine Veröffentlichungen zum Thema, u. a. der Bundesingenieurkammer [3] vor. 2. Der Modellaufbau und seine Herausforderungen Wie die übrigen Fachmodelle wird auch das Fachmodell Baugrund über den gesamten Lebenszyklus des Projektes fortgeschrieben. So ist es notwendig, die einzelnen Entwicklungsschritte oder -stufen über die Projektentwicklung festzuhalten. Kein Schritt wird aus dem Modell entfernt oder gelöscht. So lässt sich das entstehende Modell in dessen Entwicklung und Historie archivieren. Eine einheitliche Festlegung für die einzelnen zu durchlaufenden Entwicklungsstufen des Fachmodells Baugrund liegt nicht vor. Der Arbeitskreis 2.14 der DGGT gibt, in Anlehnung an VDI 2552 Blatt 4 [4] mögliche Entwicklungsstufen, einzelnen Leistungsphasen der HOAI folgend, an. Im Wesentlichen kennzeichnen die Entwicklungsstufen die Fortschreibung vom ersten Vorplanungsmodell bis zur Fertigstellung des Bauprojektes und schließlich dem Dateneingang aus Betriebserfahrungen (z. B. Setzungsbeobachtungen). Das Modell der Stufe „Vorplanung“ wird auf Basis grober Untergrundinformationen wie Literatur- und Kartenstudien sowie Altaufschlüssen entwickelt. Ergänzend zu den Empfehlungen des AK 2.14 ist es sinnvoll, dieses der Planung der Baugrundaufschlüsse sowie der Planung von Trassenvarianten dienende Modell, um die Informationen zu Altablagerungen, Kampfmittelverdachtsflächen, Schutzgebiete etc. zu erweitern. Die Datenerfassung kann zwar auch in den gängigen GIS-Anwendungen erfolgen, wird aber sinnvollerweise bereits im BIM-Modell (zusätzlich) angelegt. Mit Durchführung der Baugrundaufschlüsse können die Schichten unter Berücksichtigung von Diskontunitä- 274 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen ten (z. B. Abgrenzung von Auffüllungen, auslaufen oder auskeilen einzelner Schichten, Störungszonen) abgeleitet werden. Daraus lassen sich die Modelle der Entwurfs- und Genehmigungsplanung geotechnisch entwickeln. Mit der Entwicklung der ersten Stufe sind bereits die ersten Herausforderungen an die Abläufe und die Organisation im Ingenieurbüro verbunden. Stellt die Datenrecherche zu den einzelnen Themen noch eine Arbeit der analogen Routine dar, so ist der Auf bau des Modells, zu dem auch ein übernahmefähiges Digitales Geländemodell (DGM) gehört mit den notwendigen Abstimmungen zur einheitlichen Modellbildung verbunden. Nicht selten treffen dabei Planungen auf Basis (veralteter) Gauß-Krüger-Koordinatenbasis auf ein DGM, dass auf dem aktuell gültigen UTM-Standard auf baut. Eine gesicherte Grundlage ist jedoch Voraussetzung für ein zielgerichtetes Erkundungsprogramm. Bei Infrastrukturmaßnahmen müssen z. B. im Trassenbereich Dammlagen der Straße oder Schiene sowie Einschnittsituationen in Ausdehnung und Höhe bzw. Tiefe klar zu entnehmen sein. Dann lassen sich die erforderlichen Mindestaufschlusstiefen planen. Dies wird nur erreicht, wenn das Vorplanungsmodell Straße oder Schiene lage- und höhenmäßig eindeutig innerhalb des DGM verortet werden kann. Abbildung 1: DGM-Darstellung der Topografie im BIM-Modell Ist die Hürde der Grunddaten in Form eines DGM und der Erfassung der Planungsinformationen (Trassenverlauf, Höhenlage, ggf. Orthofotos etc.) genommen, sind neben den Daten aus Literatur- und Kartenrecherche auch Altbohrungen zu erfassen. Diese liegen üblicherweise aus vorangegangenen Erkundungskampagnen und Bohrarchiven vor. Dabei handelt es sich im besten Falle um pdf-Dateien der Bohrprofile, teilweise auch um handschriftliche Schichtenverzeichnisse. Die Digitalisierung der oft großen Datenmengen erfolgt dann händisch und/ oder unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz (KI). Abhängig vom Zeitpunkt, zu dem sich der Auftraggeber zur Umsetzung der BIM-Methode entscheidet, liegen wenige bis teilweise erhebliche Datenmengen aus Altbohrungen bzw. vorangegangener Erkundungskampagnen vor. In einem durch die Verfasser bearbeiteten Infrastrukturprojekt müssen in der ersten Stufe insgesamt ca. 800-lfm Altbohrungen aus der Trassenvorerkundung in das BIM- Modell übernommen werden. Wie bei Planungsprojekten oder komplexen FEM-Berechnungen, stellt auch für BIM-Projekte der erste Schritt, also das Initialmodell einen erheblichen Bearbeitungsaufwand dar. Mit der Datenerhebung im Zuge der Erkundungsphase(n) und der laufenden Durchführung von Feld- und Labortests wächst die Datenmenge, gerade bei großen Infrastrukturprojekten rasch stark an. Dies erfordert eine kontinuierliche Erweiterung des BIM-Modells die der Datenerhebung unmittelbar folgt. Abbildung 2: Baugrundaufschlüsse im wachsenden BIM-Modell 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 275 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen Die Datensätze sind dem BIM-Programm, bei GrundWerk Leapfrog Works, über gängige csv-Dateien zur Verfügung zu stellen. Da die Daten im Feld derzeit noch analog erzeugt werden, sind Zwischenschritte zur Datenaufbereitung erforderlich. Für Ausgabe von Schichtenverzeichnissen bieten manche Programmhersteller den Datenexport bequem als csv-Dateien an. Komfortabel ist es, wenn dabei nicht für jede Bohrung eine einzelne Datentabelle entsteht, sondern der Export aller Bohrungen möglich ist. Im anderen Falle ergeben sich weitere Bearbeitungsschritte des Zusammenführens der Vielzahl von Bohrdaten. Da die Übergabe digitaler Datensätze aus den bodenmechanischen und umweltchemischen Labors ebenfalls noch nicht durchgängig stattfindet, ist auch für diese Daten meist die händische Nachbereitung zur Überführung in csv-Daten erforderlich. Die benannten Arbeitsgänge stellen mögliche Fehlerquellen dar und erfordern ein intern stringent organisiertes Qualitätsmanagement. Für ein Straßen-Infrastrukturprojekt mit einer Streckenlänge von ca. 10-km entstand so eine Arbeitsmappe mit 12.870 datenbefüllter Zellen und 1.266 Formeln. Abbildung 3: Ausschnitt Arbeitsmappe zur Datenbevorratung Abbildung 4: Ausschnitt Tabelle zur Datenbevorratung 276 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen Die Arbeitsmappe für die Laborversuche enthält in diesem Projekt 77.110 datenbefüllte Zellen und 14.422 Formeln. Selbstverständlich entstehen diese Datenmengen nicht deswegen, weil die BIM-Methode angewendet wird. Die Datenmenge fällt auch bei der herkömmlichen, analogen Bearbeitungsmethode an. Die BIM-Methodik ermöglicht es nun, die entstehenden großen Datenmengen jeder einzelnen Bohrung zuzuordnen, diese übersichtlich in 3D darzustellen und innerhalb des Programms eine Auswahl an Daten vorzunehmen. Somit stehen diese Informationen dem bearbeitenden geotechnischen Ingenieur rasch und übersichtlich bereits während der laufenden Kampagne zur Verfügung. So lassen sich auf der einen Seite Lücken der Erkundung erkennen und auf der anderen Seite unnötige Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Die anschließende 3D-Bearbeitung der Schichtverläufe kann gerade bei großen Infra-Projekten der Straße oder Schiene nur dann gelingen, wenn auch die Datenerhebung eine räumliche Modellbildung ermöglicht. Die für den Straßenbau anzuwendenden Vorgaben sind dem FGSV-Merkblatt 511, M GUB [5] zu entnehmen. Darin wird u. a. vorgegeben, dass direkte Aufschlüsse als Stichproben so umfangreich durchzuführen sind, dass ein räumliches Bild als Baugrundmodell erstellt werden kann. Für die Linienbauwerke Straße, Schiene werden in der Praxis, analog den Vorgaben der DIN 1997-2: 2010-10 im Regelfall mittlere Aufschlussabstände von ca. 150-m realisiert. Im besten Falle entsteht so ein mäandrierendes 2D-Modell. Eine räumliche Interpolation ist damit nicht gesichert möglich. Gemäß den Vorgaben der DB AG [6] sind die Modellgrenzen an den Bohrungen zu orientieren. Extrapolationen sind nicht zulässig und aus Sicht der Verfasser fachlich auch nicht vertretbar. Abbildung 5: Unzulässige Extrapolation [6] Zum Auf bau eines gesicherten räumlichen Modells über den Bereich des geländegleichen Straßenkörpers ist es deshalb notwendig das Untersuchungsprogramm den Anforderungen an die Anwendungsfälle des Fachmodells Baugrund anzupassen. Dies setzt voraus, dass diese bereits mit Projektbeginn, spätestens zur Durchführung der Baugrundhauptuntersuchung festgelegt sind. Dient das Fachmodell z. B. der späteren Mengenermittlung und Zuordnung zu Homogenbereichen, ist das räumliche Erfassen der Schichtgrenzen bzw. Homogenbereichsgrenzen unabdingbar. Das Verdichten des Aufschlussrasters im Bereich von Erd- und Ingenieurbauwerken ist unter Beachtung erforderlicher Hilfsbauwerke wie z. B. Verbauten, Rückverankerungen, Traggerüste, Brunnenanlagen etc. so vorzunehmen, dass die Grundlagen einer gesicherten räumlichen Planung und Ausschreibung der Baumaßnahmen zur Verfügung stehen. Dies erfordert zum einen ein hohes Maß an bautechnischer Kompetenz beim geotechnischen Fachingenieur sowie ein Verständnis der Anwendungsmöglichkeiten des Fachmodells Baugrund bei den Auftraggebern und übrigen Planungsbeteiligten. 3. BIM-Workflow vs. analoger Bearbeitung ... oder die Frage, wie beeinflusst die BIM-Arbeitsweise die herkömmlichen Abläufe im Geotechnischen Büro. Für das klassische geotechnische Ingenieurbüro bedeutet die Einführung der BIM-Methodik, dass sämtliche Arbeitsprozesse zu hinterfragen und klar zu strukturieren sind. Die für die meisten Büros gewohnte analoge Bearbeitung findet meist weitgehend isoliert vom übrigen Planungsprozess statt. Das „Geologische Gutachten“ wird durch den Auftraggeber beim Baugrundgutachter bestellt. Nach der Festlegung des Erkundungsprogrammes auf Basis der vorliegenden (analogen) Planungsunterlagen der Trasse und der Erd- und Ingenieurbauwerke, die oftmals aus Lageplänen und wenigen Querschnitte besteht, folgt die Ausarbeitung der zugehörigen Berichte. Mit Einführung der BIM-Methodik rückt die Fachdisziplin Geotechnik näher an den Planungsprozess und wird integraler Bestandteil. Dies führt dazu, dass die Arbeitsprozesse auf den in Planungsbüros bereits seit vielen Jahren üblichen digitalen Workflow umzustellen sind. Es ist neben der digitalen bürointernen Infrastruktur wie Server, Internetverbindungen, Softwareausstattung, IT-Sicherheit auch für dafür zu sorgen, dass die Datenhistorie und -bevorratung klar strukturiert organisiert wird. Zudem stellen sich neue Fragen: Wie werden Daten Dritter, z. B. externer Labore übermittelt und intern weiterverarbeitet, wie sind Daten der Felderkundung zu erfassen, zu katalogisieren und auf die Anforderungen der BIM-Software aufzubereiten? Wie und wann werden die erforderlichen Qualitätssicherungsprozesse zwischen geschaltet? Ein zentrales Charakteristikum der BIM-Modellierung besteht darin, dass die Daten nicht nur erfasst, sondern für die Weiterverarbeitung im jeweiligen BIM-System strukturiert auf bereitet werden müssen. Sämtliche Datensätze sind hierzu in Bezug auf Datentyp, Struktur und Semantik an die Vorgaben des eingesetzten BIM-Programms anzupassen. Um eine konsistente und effiziente Formatierung zu gewährleisten, ist die Automatisierung der entsprechenden Arbeitsschritte erforderlich. Dies setzt die Entwicklung standardisierter Masken bzw. Vorlagen voraus, die auf einheitlich definierten Grundlagen basieren. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, diese Formatierung sowohl an projektspezifische Rahmenbedingungen als auch an die vom Auftraggeber formulierten Anforderungen (z. B. hinsichtlich Nomenklatur und Semantik) anzupassen. Die Bearbeitung des BIM-Modells erfordert im Vergleich zur analogen 2D-Planerstellung deutlich vertiefte Kenntnisse der verwendeten Modellierungssoftware. Geringfügige Anpassungen, wie sie in klassischen CAD-Programmen häufig auch von wenig geschulten Anwenderinnen 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 277 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen und Anwendern vorgenommen werden können, sind im BIM-Modell nur in eingeschränktem Umfang möglich. Demgegenüber lässt sich die Ableitung zweidimensionaler Planunterlagen (z. B. geotechnischer Schnitte) aus dem dreidimensionalen Modell mit vergleichsweise geringem Aufwand generieren. Die nachgelagerte Bearbeitung dieser Pläne in der vertrauten Zeichnungssoftware - etwa zum Einfügen eines Trassenbands bei Infrastrukturprojekten, zur anforderungs- und normgerechten Darstellung von Bohrprofilen oder lediglich zur Anpassung an das unternehmensspezifische Layout - bleibt jedoch weiterhin erforderlich. Abbildung 6: Geotechnischer Schnitt aus dem BIM-Modell Abbildung 7: Geotechnisches Trassenband Während geotechnische Ingenieurbüros in konventionellen 2D-Planungsprozessen weitgehend autonom arbeiten konnten, erfordert die Anwendung von BIM-Methoden einen deutlich engeren Austausch mit dem Auftraggeber (AG). IFC-Modelle besitzen eine hohe Informationsdichte, deren Bearbeitung in der Regel spezialisierte Software voraussetzt. Der AG definiert hierfür Anforderungen an Attribuierung und Semantik des Modells, die mit Standardfunktionen der BIM-Autorensysteme meist nicht vollständig abgebildet werden können und daher eine Nachbearbeitung mittels Drittsoftware oder im IFC-Quellcode erfordern. Einheitliche, allgemein akzeptierte Vorgaben liegen derzeit nicht vor. Die AG-seitige Qualitätssicherung erfolgt in der Regel über ein Issue-Management innerhalb einer vom Auftraggeber vorgegebenen Kollaborationssoftware. Da die eingesetzten Systeme variieren, ist jeweils eine separate Einarbeitung erforderlich. Entsprechendes gilt für die jeweilige gemeinsame Datenumgebung (Common Data Environment, CDE), über die die Projektunterlagen verwaltet werden. Zusammengefasst benötigt der BIM-Bearbeiter Kenntnis über BIM-Modellierungssoftware (Firmenintern), CAD- Software (Firmenintern), Kollaborationssoftware (variiert je Projekt), CDE (variiert je Projekt) und Kenntnisse über den IFC-Quellcode. Nicht zuletzt ist auch das übrige Personal an der verwendeten Software zu schulen und mit den (neuen) Projektabläufen vertraut zu machen. Dies erfordert neben der klaren Erfassung der einzelnen Schritte auch das Bewusstsein darüber, dass nicht alles beim Alten bleiben kann. Hier erzwingt der Einsatz moderner digitaler Technik die Digitalisierung des Büroalltags. 4. Ausblick und Anregung Für große Infrastrukturprojekte der Schiene und Straße liegen bei den Verfassern Projekterfahrungen vor. Mit der bürointernen Einführung der BIM-Methodik wurden viele Prozesse bereits angepasst. Dies erfolgt schrittweise und der Prozess ist ein ständig fortschreitender Lernprozess für alle. Nicht einfach umsetzbar ist die unmittelbare Datenintegration externer Dienstleister wie z. B. bodenmechanischer und umweltchemischer Labore. Hier sind noch vielfach händische Übertragungen der ankommenden Daten in digital weiter verarbeitbare Formate erforderlich. Da dies naturgemäß fehleranfällig ist, sind auch diese Vorgänge in der Zukunft weiter anzupassen. Hierzu bedarf es auch der Mitwirkung der Lieferanten sowie der Softwarehersteller. Aus Sicht der Verfasser ist mit der Entscheidung pro digitale Transformation eben auch die büroeigene Transformation verbunden. Die eingeführten Prozesse werden sinnvollerweise dann auch auf geotechnische Projekte angewendet, die nicht zwingend BIM erfordern. Beispielhaft sei auf die Vorteile der einfachen und schnellen Erfassung öffentlich zugänglicher digitaler Geländedaten hingewiesen. Diese ermöglichen es, die notwendigen Erkundungsprogramme zur Planung der notwendigen Untersuchungen in Lage und Tiefe optimal an die Erfordernisse des Bauwerks anzupassen. Im ersten Modell eingepflegte Altbohrungen oder allgemeine geologische Daten lassen den erwarteten Untergrund bereits in der frühen Projektphase visualisieren. Den Objekt- und Tragwerksplanern und der Bauherrschaft kann das Ergebnis im Anschluss leicht vermittelt werden. 278 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen Abbildung 8: Visualisierung Baugrund Bei der Fachplanung von Lösungen im Spezialtief bau bietet sich GrundWerk, als geotechnischem Ingenieurbüro, mit dem Einsatz der BIM-Methodik die Möglichkeit der direkten Übernahme des Baugrundmodells z. B. innerhalb der 3D-Baugrubenplanung an. Die vorgenannten Fragestellungen und die damit verbundene Neuorganisation der internen Büroabläufe sowie der Einsatz moderner BIM-Software verursachen wiederkehrend erheblichen zeitlichen und monetären Aufwand im Unternehmen. Dieser ist dann sinnvoll und gerechtfertigt, wenn der regelmäßige und durchgängige Einsatz der BIM-Anwendungen im Ingenieurbüro gelingt. Dies setzt, neben eigenen Anstrengungen zur Auftragsbeschaffung, auch die notwendigen Auftragschancen in Form von Projekten voraus. Hier zeichnet sich erst in jüngster Vergangenheit ab, dass zumindest für große Infrastrukturmaßnahmen die Bereitschaft zur stringenten Umsetzung der BIM-Methodik bis in den für Bauwerke maßgebenden Baugrund vorhanden ist. Die Einführung der BIM-Methode in der Geotechnik führt, unabhängig von der Bürogröße, zu erheblichen Kosten. Die Entscheidung darüber, ob die digitale Transformation in der Breite des geotechnischen Marktes gelingt, hängt maßgebend von einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse und der Investitionsbereitschaft der einzelnen Büros auf dem Markt ab. Ausgehend davon, dass ausreichend Kapital nur ab einer Mindestbürogröße zur Verfügung stehen dürfte und dem Umstand, dass der Markt noch durch zahlreiche Kleinunternehmen geprägt ist, ist zu erwarten, dass die digitale Bearbeitung nur durch eine stark begrenzte Anzahl an geotechnischen Ingenieurbüros und Ingenieurkonzernen zur Verfügung gestellt werden kann. Ein sinnvoller BIM-Einsatz im Baugrund ist mit den damit verbundenen erhöhten Projektkosten für den Auftraggeber dann gerechtfertigt, wenn sich daraus ein Mehrwert generiert. Dies ist bereits in Teilen gegeben. So lassen sich Gründungen an die räumliche Modellbildung des Baugrunds anpassen, was bei fachkompetenter Umsetzung zu wirtschaftlich optimierten Lösungen führt. Auf die zu erwartenden bautechnischen Verfahren abgestellte räumliche Homogenbereichsbildungen führen in der weiteren Kostenbetrachtung zu realitätsnahen Prognosen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Qualität der räumlichen Modelle und somit der Prognosen selbstverständlich und nach wie vor, vom Untersuchungsaufwand abhängig ist. Dieser ist gegenüber der analogen Herangehensweise deutlich erhöht. Nur so lassen sich realistische und einen Mehrwert bildende Baugrundmodelle mit den erforderlichen Attributen erzeugen. Der sukzessive Modellauf bau, der den einzelnen Planungsphasen folgt, bietet den Vorteil der schrittweisen Modellverfeinerung, die dem Planungsfortschritt angepasst ist. Dies ist bei großen Infrastrukturmaßnahmen sinnvoll. Bei herkömmlichen Einzelbaumaßnahmen für Brücken, oder Hochbauten ist es zielführend, die vollständigen Daten bereits mit einem Untersuchungsschritt mit der geotechnischen Hauptuntersuchung zu erfassen. Dies sollte in den Anwendungsüberlegungen der verschiedenen Arbeitskreise bedacht werden. Für die geotechnischen Ingenieurbüros ist die konsequente Anwendung der BIM-Methode erst dann umsetzbar, wenn auch die weiterführenden Werkzeuge eine softwareunabhängige Nutzung der Modelle insbesondere für Berechnungszwecke ermöglicht. Hier zeichnet sich 15. Kolloquium Bauen in Boden und Fels - Februar 2026 279 BIM-Fachmodell Baugrund - Erfahrungen aus Infrastrukturmaßnahmen für die Verfasser auf dem Markt derzeit eher eine gegenteilige Tendenz ab. Auch für die Datenübernahme an der Schnittstelle der Datenerfassung im Feld und Übergabe in die BIM-Anwendung besteht erheblicher Bedarf an open-source Lösungen. 5. Schlussbemerkungen Die Einführung der BIM-Methodik im Baugrund bietet den geotechnischen Ingenieurbüros Chancen, auch künftig an großen Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland mitzuwirken. Da nach eigener Einschätzung davon auszugehen ist, dass auch bei der Planung von größeren Gebäuden oder einzelnen Brückenbauwerken BIM im Baugrund Einzug halten wird, ist es für geotechnische Ingenieurbüros angezeigt, sich der Herausforderung der digitalen Transformation zu stellen. Die Problematik: Bei erheblichen Investitionskosten in diese Technologie bestehen große wirtschaftliche Risiken. Die Übernahme dieser Risiken stellt die meisten Ingenieurbüros im Bereich der Geotechnik vor Herausforderungen. Es ist unternehmerisch abzuwägen, ob man künftig nur noch einen begrenzten, von den großen Büros unabhängigen, Zugang zu Projekten in Kauf nimmt und die Chancen in einem kleiner werdenden Markt sieht oder ob man sich den digitalen Aufgaben der Zukunft stellt und somit auch die Chance auf die eigene Zukunftsentwicklung ergreift. Hierzu sind grundsätzliche Strategieüberlegungen notwendig. „Fortschritt besteht nicht in der Verbesserung dessen, was war, sondern in der Ausrichtung auf das, was sein wird.“ (Khalil Gibran) [7] Für GrundWerk ist die Entscheidung bereits vor einige Zeit gefallen. Quellen: [1] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (2015): Stufenplan Digitales Planen und Bauen. [2] Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (2021): Masterplan BIM für Bundesbauten. [3] Bundesingenieurkammer (2022): BIM-Start für Ingenieurbüros. [4] DGGT (2021): Entwicklungsstufen und Attribuierung des Fachmodells Baugrund, Geotechnik 3/ 21. [5] FGSV 511 (2018): Merkblatt über geotechnische Untersuchungen und Bemessungen im Verkehrswegebau. [6] DB InfraGo (2024): Vorgaben zur Anwendung der BIM-Methodik, Version 3.1. [7] Internet: libanesischer Künstler und Dichter 1883- 1931, Quelle: https: / / beruhmte-zitate.de/ zitate
