eJournals Kolloquium Parkbauten12/1

Kolloquium Parkbauten
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2026
121 Technische Akademie Esslingen

Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung – Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung

0224
2026
Sebastian May
Die dauerhafte Instandsetzung bestehender Tiefgaragen und Parkbauten mittels Carbonbeton stellt einen vielversprechenden Ansatz im Kontext des nachhaltigen und resilienten Bauens im Bestand dar. Durch den Einsatz nicht-metallischer Bewehrungssysteme, insbesondere aus Carbon, eröffnen sich neue Möglichkeiten zur signifikanten Reduktion der Betonschichtdicken auf wenige Millimeter. Dank der hohen Zugfestigkeit, der Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen und der speziellen Gitterstruktur der Carbonmatten können Verstärkungs- und Instandsetzungsmaßnahmen mit Carbonbeton besonders effizient und schonend durchgeführt werden – deutlich wirtschaftlicher als herkömmliche Methoden mit verdübelten Aufbetonschichten. Ein weiterer Vorteil ist die Leitfähigkeit der Carbonfasern. Beim kathodischen Korrosionsschutz mittels Carbonbeton werden die Carbonfasern mit Gleichstrom gespeist und der Korrosionsvorgang von unlegierten oder niedriglegierten Stählen (z. B. Betonstahl) wird gestoppt. Durch die genannten Vorteile des Carbonbetons können die geschädigten Parkhäuser und Tiefgaragen schon jetzt dauerhaft instandgesetzt werden. Die Planung und Ausführung einer Instandsetzung mittels Carbonbeton ist jedoch noch nicht umfassend in normativen Regelwerken verankert und birgt daher neben Chancen auch Risiken. Der nachfolgende Beitrag soll dies veranschaulichen.
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12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 27 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung Dr.-Ing. Sebastian May Ed. Züblin AG Direktion Bauwerkserhaltung, Stuttgart Zusammenfassung Die dauerhafte Instandsetzung bestehender Tiefgaragen und Parkbauten mittels Carbonbeton stellt einen vielversprechenden Ansatz im Kontext des nachhaltigen und resilienten Bauens im Bestand dar. Durch den Einsatz nicht-metallischer Bewehrungssysteme, insbesondere aus Carbon, eröffnen sich neue Möglichkeiten zur signifikanten Reduktion der Betonschichtdicken auf wenige Millimeter. Dank der hohen Zugfestigkeit, der Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen und der speziellen Gitterstruktur der Carbonmatten können Verstärkungs- und Instandsetzungsmaßnahmen mit Carbonbeton besonders effizient und schonend durchgeführt werden - deutlich wirtschaftlicher als herkömmliche Methoden mit verdübelten Auf betonschichten. Ein weiterer Vorteil ist die Leitfähigkeit der Carbonfasern. Beim kathodischen Korrosionsschutz mittels Carbonbeton werden die Carbonfasern mit Gleichstrom gespeist und der Korrosionsvorgang von unlegierten oder niedriglegierten Stählen (z. B. Betonstahl) wird gestoppt. Durch die genannten Vorteile des Carbonbetons können die geschädigten Parkhäuser und Tiefgaragen schon jetzt dauerhaft instandgesetzt werden. Die Planung und Ausführung einer Instandsetzung mittels Carbonbeton ist jedoch noch nicht umfassend in normativen Regelwerken verankert und birgt daher neben Chancen auch Risiken. Der nachfolgende Beitrag soll dies veranschaulichen. 1. Einleitung und Hintergrund Die Instandsetzung von Parkhäusern und Tiefgaragen stellt Ingenieure und Bauherren zunehmend vor große Herausforderungen. Besonders die Korrosionsschäden der Stahlbewehrung infolge Chlorideintrag führen bei Stahlbetonkonstruktionen häufig zu kostenintensiven und aufwändigen Sanierungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Carbonbeton als innovativer Verbundwerkstoff zunehmend an Bedeutung. Carbonbeton besteht i. d. R. aus einem höherfesten Beton und einer Bewehrung aus Carbonfasern. Die Carbonbewehrung ist dabei korrosionsbeständig gegenüber äußeren Medien (z. B. Chloride), ermöglicht dadurch geringere Schichtstärken bei der Instandsetzung und führt so zu einem schnelleren Baufortschritt. Zudem erlaubt Carbonbeton eine verlängerte Nutzungsdauer und reduziert langfristig die Instandhaltungskosten - ein wesentlicher Vorteil gerade im feuchte- und chloridbelasteten Umfeld von Tiefgaragen. Neben der besseren Dauerhaftigkeit bietet Carbonbeton auch ökologische Vorteile; so können durch den reduzierten Materialverbrauch und die längere Lebensdauer sowohl CO₂-Emissionen als auch der Ressourcenverbrauch signifikant gesenkt werden. Weiterhin können durch die Beständigkeit der Carbonfasern CO₂-reduzierte Zemente/ Betone angewendet werden, da die nicht-metallische Bewehrung kein alkalisches Milieu im Beton benötigt. Diese Aspekte machen den Werkstoff zu einem wichtigen Baustein im nachhaltigen Bauen und in der zukunftsorientierten Bestandserhaltung. Trotz der genannten Vorteile bestehen aktuell jedoch noch rechtliche und normative Herausforderungen beim Einsatz von Carbonbeton. So sind die normativen Regelungen an vielen Stellen noch nicht abschließend geklärt bzw. entsprechen nicht dem Anwendungsgebiet von konventionellen Baustoffen. Der Einsatz ist (vereinzelt) jedoch über zugelassene Systeme möglich. Bei Abweichungen zu den Zulassungen werden häufig Zustimmungen im Einzelfall (ZiE) oder vorhabenbezogene Bauartgenehmigungen (vBG) notwendig. Des Weiteren müssen gelegentlich statische Bemessungsgrundlagen und Nachweisverfahren ingenieurtechnisch und projektspezifisch angepasst sowie mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden. Dieser Prozess ist von den Projektbeteiligten anzuerkennen und transparent im Laufe der Maßnahme zu behandeln. So können bereits jetzt entsprechende Instandsetzungsmaßnahmen erfolgreich und wirtschaftlich umgesetzt werden. Ergänzend dazu sind die allgemein anerkannten Regeln der Technik im Bereich der Betoninstandsetzung für die Dauerhaftigkeitsbemessung einzuhalten; hier gilt die TR-IH [2]. 2. Normen und Regelwerke Der vorliegende Abschnitt soll einen kurzen Überblick zu den aktuellen Regelungen im Bereich des Carbonbetons geben. Bedingt durch die verhältnismäßige Neuartigkeit des Carbonbetons, im Vergleich zur konventionellen Betoninstandsetzung, wird jedoch keine Garantie auf Vollständigkeit gegeben. Die Landesbauordnungen regeln die allgemeinen Anforderungen an bauliche Anlagen und die Verwendung von Bauprodukten. Durch Technische Baubestimmungen werden die allgemeinen Vorgaben konkretisiert. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) veröffentlicht 28 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung regelmäßig im Auftrag der Länder die „Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen“ (MVV TB). Die Vorschrift dient als Grundlage für die Umsetzung ins Landesrecht. Die MVV TB [1] nennt die im Rahmen einer Baumaßnahme anzuwendenden technischen Regeln im Abschnitt A-1.2.3 für Bauliche Anlagen im Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonbau. 2.1 Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen In MVV TB [1] wird dabei das allgemein bekannte Regelwerk „Technische Regel Instandhaltung“ (TR-IH) [2] vom DIBt zum Schutz und zur Instandhaltung von Betonbauwerken genannt. Ergänzend dazu gilt der Teil 3 der DAfStb-Richtlinie „Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“ samt Berechtigungen [3], siehe auch [4]. Hinsichtlich der Dauerhaftigkeit müssen die Anforderungen der Betoninstandsetzung nach TR-IH [2] eingehalten bzw. nachgewiesen sein, z. B. das frisch alkalische Milieu beim Verfahren 7.4 „Realkalisierung von carbonatisiertem Beton“. Die Realkalisierung erfolgt hierbei bekanntermaßen durch Diffusion der Hydroxidionen aus dem aufgebrachten Betonersatz und dem nicht carbonatisierten Altbeton in den carbonatisierten Altbeton, dadurch wird der pH-Wert erhöht und die Bestandsbewehrung repassiviert [2]. Dabei sind die Vorgaben hinsichtlich der geforderten Mindestschichtstärken und Anwendbarkeitsnachweise an die Betonprodukte einzuhalten. Die TR-IH [2] nennt bzw. verweist mit Verfahren 4.3 „Verstärken durch geklebte Bewehrung“ zwar auf die DAfStb-Richtlinie „Verstärken von Betonbauteilen mit geklebter Bewehrung“ [6], in dieser Richtlinie ist jedoch der Carbonbeton als nachträgliche Applikation zur Verstärkung nicht enthalten. Des Weiteren ist die Richtlinie [6] nicht Bestandteil der MVV TB [1] und somit nicht eingeführt. Die Bemessung und Planung einer konstruktiven Bewehrungsergänzung muss somit entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik erfolgen (z. B. nach DIN EN 1992-1-1 [5] oder mit zugelassenen Bausätzen des DIBt). Die Planung, Bemessung und Ausführung von Verstärkungsmaßnahmen mit Carbonbeton ist über allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) / allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG) des DIBt geregelt. Im Bereich des Neubaus gibt es seit Januar 2024 eine DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ [7]. 2.2 Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung Die DAfStb-Richtlinie [7] ist zum aktuellen Zeitpunkt des Beitrages noch nicht Bestandteil der MVV TB [1]. Eine transparente Kommunikation der Projektbeteiligten (Planer, Bauherr, Baufirma, Behörde, etc.) untereinander ist daher zwingend nötig. Abb. 1: Deckblatt der DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ [7]; Quelle: DAfStb Die Richtlinie [7] erlaubt dabei Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung, welche eine abZ/ aBG des DIBt besitzen. Dies sind zum aktuellen Zeitpunkt des Beitrages der „Bewehrungsstab Schöck ComBAR aus glasfaserverstärktem Kunststoff“ sowie die „Carbon-Bewehrungsgitter solidian GRID zur Bewehrung von Betonbauteilen mit nichtmetallischer Bewehrung“ [11]. 2.3 Allgemein bauaufsichtlichen Zulassungen/ Allgemeine Bauartgenehmigung - Neben dem zuvor genannten Regelwerk für den Neubau sowie den beiden Bauprodukten sind auch Verfahren zum nachträglichen Ertüchtigen/ Instandsetzen mit Carbonbeton beim DIBt zugelassen. Eine Auflistung hierzu ist u. a. dem C³-Verband [8] zu entnehmen. Dies betrifft u. a. die Verfahren (keine Garantie auf aktuelle Gültigkeit der nachfolgenden abZ/ aBG): - CARBOrefit ® -Verfahren zur Verstärkung von Stahlbeton mit Carbonbeton (CARBOCON GmbH), - Verfahren zur Rissbreitenreduzierung in Betonkonstruktionen mit oberflächennah eingelegten Carbontextilien (Quinting Zementol GmbH), - LAU-Carbonbetonsystem 1 der Koch GmbH zur Wiederherstellung der Flüssigkeitsundurchlässigkeit in LAU-Anlagen. In den jeweiligen Zulassungen wird der Anwendungsbereich der dazugehörigen Produkte bzw. Bauart geregelt. Eine Anwendung der abZ/ aBG außerhalb des Anwendungsbereiches ist in der Regel nicht zulässig und sollte mit dem Antragsteller der abZ/ aBG abgestimmt werden. Eine Anwendung dieser Produkte bzw. Verfahren kann dann mittels Zustimmung im Einzelfall (ZiE) / vorhabenbezogenen Bauartgenehmigung (vBG) geregelt werden. Des Weiteren sollten bei Maßnahmen die nicht im Anwendungsbereich der jeweiligen abZ/ aBG liegen und ggf. nicht standsicherheitsrelevant sind (z. B. „konstruktive Verbesserung der Rissbreite“), die Projektbeteiligten sich über den rechtlichen Rahmen der Ausführung und Gewährleistung austauschen. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 29 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung 2.4 Zustimmung im Einzelfall/ Vorhabenbezogene Bauartgenehmigung Sobald die Planung, Bemessung und Ausführung nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen und/ oder vom Anwendungs-/ Verwendungsbereich einer abZ/ aBG abweichen, ist bei der relevanten Bauaufsichtsbehörde eine ZiE/ vBG einzuholen. In der Regel ist hierfür ein Gutachten von einem Experten im Bereich des Carbonbetons zur späteren Erteilung der benötigten ZiE/ vBG nötig. Ob und inwieweit zusätzliche experimentelle Versuche erforderlich sind, ist mit dem Gutachter, der Bauaufsichtsbehörde und dem Zulassungsinhaber abzustimmen. Häufig besitzen die Zulassungsinhaber bereits vorliegende Ergebnisse und Erkenntnisse im Bereich von abweichenden Maßnahmen/ Projekten. Ein nachträglicher kathodischer Korrosionsschutz (KKS) von Stahlbetonbauteilen mit Carbonbeton ist bereits möglich, hierfür wird jedoch aktuell eine ZiE/ vBG nötig, siehe u. a. [13]. 2.5 Weitere Merkblätter/ Leitfäden Seitens der Bundesanstalt für Wasserbau gibt es seit 2019 ein BAW-Merkblatt für die „Flächige Instandsetzung von Wasserbauwerken mit textilbewehrten Mörtel- und Betonschichten (MITEX)“ [9]. Das Merkblatt [9] gilt für die flächige Instandsetzung gerissener Wasserbauwerke aus Beton/ Stahlbeton. Die Carbonbetonschicht wird dabei aus textilbewehrtem Spritzmörtel/ Spritzbeton hergestellt. Der zementgebundene Betonersatz (mit oder ohne Polymermodifizierung) muss ein Größtkorn ≤-6-mm aufweisen und darf in dünnen Schichten (30 bis 40 mm) ohne zusätzliche Verankerung im Spritzverfahren auf den Altbetonuntergrund appliziert werden. Mit dem Ansatz aus [9] können Bodenplatten oder Wände von Tiefgaragen instandgesetzt werden. Weitere Informationen und Randbedingungen sind [9] zu entnehmen. Von der DB InfraGO AG wurde Ende 2024 ein Leitfaden [10] zum „Planen, Bauen und Betreiben“ von Brücken mit Instandsetzung/ Verstärkung bzw. Abdichtung mittels Carbonbeton erstellt. Die beiden genannten Dokumente [9] und [10] können als Planungshilfe und Argumentation im Projekt helfen. Inwieweit diese jedoch rechtlich bindend sind, ist im jeweiligen Projekt zu klären. 3. Ausführungsprojekte 3.1 Parkhaus Ludwigshafen Im Zuge von vorgelagerten Bauwerksuntersuchungen wurde festgestellt, dass es in einer Parkebene eines viergeschossigen Parkhauses zu umfangreichen Zerstörungen der oberen Bewehrungslage infolge chloridinduzierter Lochfraßkorrosion kam. Zur Wiederherstellung der Standsicherheit der betroffenen Deckenebene entschied sich der Bauherr „Q-Park“ und Planer „SBU Ingenieure GmbH“ für eine einlagige (im Bereich der Stützenreihen für eine zweilagige) Carbonbeton-Ertüchtigung. Die Carbongitterlage dient dabei der statischen Wiederherstellung der erforderlichen Bewehrung. Da anschließend ein KKS-System zum Schutz der Stahlbewehrung geplant war, wurde zunächst überlegt, ein zweites Carbongitter simultan als KKS-System zu verwenden. Da hierfür allerdings eine ZiE/ vBG erforderlich gewesen wäre und dies zu einer erheblichen Bauzeitverzögerung geführt hätte, entschied man sich für ein konventionelles KKS-System mittels Gitteranoden. Die Bohrungen für die 15.000 Befestigungsdübel der Gitteranoden durften lediglich eine Bohrtiefe von max. 2 cm aufweisen, damit das Carbongitter nicht beschädigt wird. Abschließend erfolgte die Applikation einer OS10 Beschichtung. Als wesentliche Vorteile im Projekt sprachen auch hier wieder der minimale Schichtauf bau von ca. 40 mm mit einem geringen Betonabtrag vorab sowie die nicht erforderliche Verdübelung mit dem Untergrund (statische Nachweis mit „verzahnter Fuge“). Da sowohl das Regelwerk [7] als auch die Zulassung [11] ein direktes Begehen der Carbon-Bewehrung ausschließen sowie eine Fixierung der Carbon-Bewehrung untereinander und im Untergrund mit herkömmlichen, metallischen Einbauteilen (z. B. Rödeldraht) wegen Kontaktkorrosion verbieten, musste durch das örtliche Baupersonal ein Ausführungskonzept erstellt und Musterflächen umgesetzt werden. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen dies. Abb. 2: Musterfläche mit Tritthilfe (Foto: Ed. Züblin AG) Abb. 3: Kunststoff-Abstandshalter und -Fixierung zum Untergrund (Foto: Ed. Züblin AG) Die Carbongitter wurden als Rollenware geliefert, so konnten sowohl Übergreifungsstöße reduziert als auch 30 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung ein schneller Baufortschritt garantiert werden. Die Instandsetzungsarbeiten wurden durch den Standort Frankfurt/ M. der Ed. Züblin AG - Direktion Bauwerkserhaltung ausgeführt. Abb. 4: Carbongitter als Rollenware (Foto: Ed. Züblin AG) Abb. 5: Gitteranoden-Installation (Foto: Ed. Züblin AG) 3.2 Industrieboden Hamburg Bedingt der Rissaufnahme im Bereich der Bodenplatte (siehe nachfolgende Abbildung), wurden Messungen und Bauteilöffnungen zur Kontrolle der Bewehrungslage vor Ausführungsbeginn durchgeführt. Hierbei wurde festgestellt, dass die 20 cm dicke Bodenplatte entgegen den Bestandsunterlagen unbewehrt ausgeführt wurde. Abb. 6: Risskartierung (Quelle: Ed. Züblin AG) Aufgrund des eingestellten Rissbildes und der unwirtschaftlichen flächigen Ergänzung der vollen Rissbreitenbewehrung, wurde in Rücksprache mit dem Bauherrn und dem beteiligten Planer „Ingenieurbüro DREWS GmbH“ eine Alternativlösung im Rahmen der Ausführung vorgeschlagen. Der Vorschlag setze sich aus dem kraftschlüssigen Verpressen der Risse, einem Enthaftungsstreifen im Bereich der Risse nach [9] sowie einer Carbonbeton-Ergänzung mit einer Lage Carbonbewehrung zusammen. Das Carbongitter wurde dabei ausschließlich für die Ortbetonergänzung dimensioniert. Als Carbongitter wurde die Bewehrung „Anticrack Q85- CCE-21“ von solidian verwendet. Die Kennwerte des Gitters wurden dabei [11] entnommen. Durch eine zusätzliche Besandung des Gitters (Bez. „Anticrack“) wird ein besseres/ feineres Rissbild mit geringeren Rissbreiten erzeugt. Für flächige Instandsetzung wurde der weber.floor 4640 Outdoor RepFlow-als Betonersatzmörtel angewendet. Die zu bearbeitende Fläche des Hallenbodens mit ca. 1.200 m² wurde an einem Arbeitstag mit Hilfe eines MixMobil betoniert. Abb. 7: Betonage (Foto: Ed. Züblin AG) Abb. 8: Kontrolle Schichtstärke und Einbaulage (Foto: Ed. Züblin AG) Als finale Deckschicht wurde eine zementgebundene Industriebodenbeschichtung (weber.floor 4610) aufgebracht. Die Maßnahme wurde durch die Standorte Hamburg und Kreuztal der Ed. Züblin AG - Direktion Bauwerkserhaltung umgesetzt. 3.3 Tiefgarage Sachsen-Anhalt Bei der Nachrechnung der Bodenplatte einer Tiefgarage in Sachsen-Anhalt wurde eine unzureichende Bewehrungsfläche zur Begrenzung der Rissbreite infolge späten 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 31 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung Zwangs festgestellt. Die konventionelle Ertüchtigung des Defizites hätte eine bewehrte Auf betonschicht mit 10,75 cm²/ m Betonstahl erfordert. Die Umrechnung und Planung auf eine äquivalente Querschnittsfläche eines Carbongitters erfolgte durch das Planungsteam der Ed. Züblin Ag - Direktion Bauwerkserhaltung. Dabei wurden die Richtlinie [7] sowie die Kennwerte der Zulassung [11] verwendet. Bedingt der höheren Zugfestigkeit des Carbongitters waren drei Lagen des Gitters „Q85-CCE-21“ [11] erforderlich. Die anschließende Ausführung erfolgte durch den Standort Erfurt der Ed. Züblin AG - Direktion Bauwerkserhaltung. Ein wesentlicher, wirtschaftlicher Vorteil der Instandsetzung mit Carbonbeton im Projekt war, dass durch den gewählten Schichtauf bau von nur ca. 25 mm eine Untergrundvorbereitung mittels HDW-Verfahren ohne zusätzlichen Betonabtrag ausreicht. Der Verbund über die Fuge Alt-Neubeton erfolgt mittels Adhäsion in der Fläche sowie einzelnen Ankern (Betonschrauben) im Bereich vom Bewehrungsanfang/ -ende. Die vorhandenen Risse im Bereich der Bodenplatte wurden vorab nach [9] bearbeitet. Bei einer konventionellen Stahlbetonergänzung hätten mehrere Zentimeter vom Bestand abgefräst werden müssen, da die lichte Höhe nicht ausreichte, um die ca. 60 mm dicke Stahlbetonergänzung applizieren zu können. Die Stahlbetonlösung setzte sich aus einer ca. 2-cm dicken Bewehrungslage (direkt auf den aufgerauten Untergrund gelegt) und einer 4 cm Betonüberdeckung entsprechend Variante B nach [12] zusammen. Des Weiteren hätten bei der konventionellen Lösung zusätzliche Verbundanker flächig gesetzt werden müssen. 3.4 Parkhaus Berlin In Berlin-Pankow wurde durch die Torkret GmbH (Standort Berlin) und die iCOR INTELLIGENT CORROSION CONTROL GmbH, kurz iCOR, (Mönchengladbach) ein Kathodisches Korrosionsschutz System an der Stahlbewehrung der Bodenplatte, der Stützen und der Wandsockel appliziert. Das KKS-System wurde dabei an 1.850 m² Bodenflächen durch ein eingebettetes Carbongitter und an 180 m² Stützen/ Wandsockel mittels Stabanoden installiert. Als Vorteil stellte sich hier die Kombination von dezentraler und zentraler Schutzstromeinspeisung ein. Abb. 9: KKS mittels Carbongitter im Bereich der Bodenplatte (Foto: iCOR) Abb. 10: KKS mittels Stabanode im Bereich der Stützen (Foto: iCOR) 4. Zusammenfassung Die Anwendung von Carbonbeton in der Tiefgarageninstandsetzung erfordert Transparenz in allen Prozessschritten sowie einen klaren Überblick über geltende Regelwerke und Anwendungsbereiche. Eine fundierte ingenieurtechnische Bewertung bildet dabei die Grundlage für sichere und dauerhafte Lösungen. Die Technologie bietet zudem zukünftig die Möglichkeit, zementreduzierte und CO₂-arme Betone einzusetzen, wodurch ökologische und ökonomische Vorteile erzielt werden können. Neben der signifikanten Verlängerung der Lebensdauer bestehender Bauwerke müssen die spezifischen Randbedingungen der vorhandenen Bausubstanz berücksichtigt werden. Dazu zählen insbesondere Aspekte der Dauerhaftigkeit - etwa infolge fortgeschrittener Carbonatisierung oder Chloridbelastung - sowie statisch-konstruktive Anforderungen wie die Begrenzung von Rissbreiten. Die genannten Aspekte einer Betoninstandsetzung sind stets mit den geltenden normativen Vorgaben abzustimmen, um die Sicherheit und Funktionalität der instandgesetzten Bauwerke über die Restnutzungsdauer zu gewährleisten. Die erfolgreiche Umsetzung solcher innovativen Instandsetzungskonzepte setzt ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit, Vertrauen und Innovationsbereitschaft aller Beteiligten voraus. Nur durch partnerschaftliches Handeln lassen sich Risiken minimieren und neue Technologien wirtschaftlich und praxisnah etablieren. Die gezeigten Instandsetzungsprojekte von Tiefgaragen und Parkhäusern mit Carbonbeton zeigen die praktische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit und das Potenzial dieser Bauweise eindrucksvoll auf. 32 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Carbonbeton im Bereich der Parkhaus-Instandsetzung - Chancen und aktuelle Grenzen bei der Planung und Ausführung 5. Dank Abschließend danken wir allen Projektbeteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit und den gemeinsamen Willen, nachhaltige Innovationen in der Bauwerkserhaltung anzuwenden. Literatur [1] Veröffentlichung der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen 2025/ 1 (MVV TB 2025/ 1) mit Druckfehlerberichtigungen vom 29. Juli 2025 und 22. Oktober 2025; Hrsg.: Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt); 3. Ausgabe (20. Mai 2025); letzter Zugriff 05.11.2025 [2] Instandhaltung von Betonbauwerken (TR Instandhaltung): Teil 1 - Anwendungsbereich und Planung der Instandhaltung; Teil 2 - Merkmale von Produkten oder Systemen für die Instandsetzung und Regelungen für deren Verwendung; Fassung Mai 2020; Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt) [3] DAfStb-Richtlinie - Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen (Instandsetzungsrichtlinie); Ausgabe Oktober 2001; Teil 3: Anforderungen an die Betriebe und Überwachung der Ausführung; Berichtigung 1 (2002-01); Berichtigung 3 (2014-09); DIN Media GmbH [4] DAfStb-Heft- 638: Anwendungshilfe zur Technischen Regel Instandhaltung von Betonbauwerken des DIBt (TR IH) in Verbindung mit der DAfStb Richtlinie Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen (RL SIB); Ausgabe: 2022-09 [5] DIN EN 1992-1-1 Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken - Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau; Deutsche Fassung EN 1992-1-1: 2004 + AC: 2010. → Neu: DIN EN 1992-1-1: 2025-09 [6] DAfStb-Richtlinie „Verstärken von Betonbauteilen mit geklebter Bewehrung“ (2012-03); - Teil- 1: Bemessung und Konstruktion; Teil- 2: Produkte und Systeme für das Verstärken; Teil- 3: Ausführung; Teil- 4: Ergänzende Regelungen zur Planung von Verstärkungsmaßnahmen [7] DAfStb-Richtlinie: „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ (2024-01); Teil- 1: Bemessung und Konstruktion; Teil- 2: Bewehrungsprodukte; Teil- 3: Hinweise zur Bauausführung; Teil- 4: Empfehlungen für Prüfverfahren; Teil- 5: Hinweise zu erforderlichen Nachweisen für die Verwendbarkeit der Bauprodukte (nichtmetallische Bewehrung) und der Anwendbarkeit der Bauart [8] Homepage C³-Verband: https: / / carbon-concrete. org/ carbonbeton/ zulassung/ (letzter Zugriff am 05.11.2025) [9] BAW-Merkblatt „Flächige Instandsetzung von Wasserbauwerken mit textilbe-wehrten Mörtel- und Betonschichten (MITEX)“; Ausgabe 2019; Hrsg.: Bundesanstalt für Wasserbau [10] Gestaltungsleitfaden Carbon- und Textilbeton - Planen, Bauen, Betreiben; Hrsg.: DB InfraGO AG; München, den 20.11.2024 [11] abZ/ aBG Z-1.6-308 Carbon-Bewehrungsgitter solidian GRID zur Bewehrung von Betonbauteilen mit nichtmetallischer Bewehrung; solidian GmbH; Geltungsdauer 01.08.2024 - 31.07.2029 [12] DBV-Merkblatt „Parkhäuser und Tiefgaragen“; 3. überarbeitete Ausgabe, Fassung Januar 2018; Aktualisierter Nachdruck September 2022 [13] Koch, D. (Koch Carbon Consulting GmbH): KKS mit Carbonbeton bei hoher Chlorid- und Sulfatbelastung - Schutzkonzept für den Erhalt eines historischen Königspalasts unter Extrembedingungen, In: Kathodischer Korrosionsschutz (KKS) von Stahlbetonbauwerken Fachtagung zur Zustandserfassung, Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung; TAE Esslingen 20./ 21.11.2025