Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121
Technische Akademie EsslingenInstandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten – Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb
0224
2026
Axel Greim
Richard Taffertshofer
Das Parkhaus Kronenstraße ist das zentrale Parkhaus in Kempten. Es verfügt über 499 Stellplätze auf 12 Ebenen. Die schadhafte Abdichtung des 57 Jahre alten Gebäudes hat zu einem teilweise erheblichen Chlorideintrag in den Konstruktionsbeton und zu der damit verbundenen Bewehrungskorrosion geführt. Da davon auch in großem Maße die Stützbewehrung der Deckenfelder betroffen ist, führt die Korrosion zu Einbußen in der Tragsicherheit und es ist dringender Sanierungsbedarf gegeben. Im Vorfeld der Betoninstandsetzung wurden die kritischsten Bereiche bereits mit Stahlrahmen unterstützt. Die Sanierung soll zur Kostenoptimierung lediglich eine Restnutzdauer von ca. 20 Jahren sicherstellen und daher mit Augenmaß erfolgen. Gleichzeit muss während der Sanierung der Parkbetrieb aufrechterhalten werden, um die zahlreichen Dauerparker als Kunden zu behalten. Der Sperranteil im Parkhaus soll im Regelfall nicht mehr als 25 % betragen.
kpb1210041
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 41 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten - Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb Dr.-Ing. Axel Greim Dr. Schütz Ingenieure Beratende Ingenieure Im Bauwesen PartG mbB, Kempten Dipl.-Ing. (TUM) Richard Taffertshofer Dr. Schütz Ingenieure Beratende Ingenieure Im Bauwesen PartG mbB, Kempten Zusammenfassung Das Parkhaus Kronenstraße ist das zentrale Parkhaus in Kempten. Es verfügt über 499 Stellplätze auf 12 Ebenen. Die schadhafte Abdichtung des 57 Jahre alten Gebäudes hat zu einem teilweise erheblichen Chlorideintrag in den Konstruktionsbeton und zu der damit verbundenen Bewehrungskorrosion geführt. Da davon auch in großem Maße die Stützbewehrung der Deckenfelder betroffen ist, führt die Korrosion zu Einbußen in der Tragsicherheit und es ist dringender Sanierungsbedarf gegeben. Im Vorfeld der Betoninstandsetzung wurden die kritischsten Bereiche bereits mit Stahlrahmen unterstützt. Die Sanierung soll zur Kostenoptimierung lediglich eine Restnutzdauer von ca. 20 Jahren sicherstellen und daher mit Augenmaß erfolgen. Gleichzeit muss während der Sanierung der Parkbetrieb aufrechterhalten werden, um die zahlreichen Dauerparker als Kunden zu behalten. Der Sperranteil im Parkhaus soll im Regelfall nicht mehr als 25 % betragen. 1. Baubeschreibung Das mehrstöckige Parkhaus Kronenstraße stammt aus dem Jahr 1968 und wurde ca. 1993 durch Anbauten erweitert. Abbildung 1 zeigt eine Außenansicht des Parkhauses, welche durch die Anbauten der 90er Jahre geprägt ist. Abb. 1: Ansicht des Parkhauses Kronenstraße während der Sanierung. Die 499 Stellplätze sind auf insgesamt 12 Parkebenen (10 Oberschosse und 2 Untergeschosse, siehe Abb. 2) angeordnet. Das Erdgeschoss wird von Geschäftsbetrieben (Gastronomie-/ Verkaufsflächen) genutzt. Die Ebenen im Parkhaus sind jeweils um eine halbe Geschosshöhe zueinander versetzt und werden durch die Rampen miteinander verbunden. Die Einfahrt befindet sich im EG. Die Ausfahrt erfolgt über eine Rampe von Ebene 1 aus. Die Untergeschosse sind Stellplatzmietern vorbehalten. Abb. 2: Schematische Übersicht über die Ebenen des Parkhauses mit gesperrten Flächen während der Sanierung der Ebenen 9 und 10. Der Ursprungsbau wurde als Stahlbetonskelettkonstruktion mit einem Primärtragwerk aus Stützen und Unterzügen mit biegesteifen Rahmenverbindungen hergestellt. Die Stahlbetondecken (Sekundärtragwerk) spannen einachsig zwischen den Unterzügen und sind monolithisch mit dem Primärtragwerk verbunden (Durchlaufdecken). Die Decken weisen dabei eine teils sehr große Schlankheit auf (Dicke 20 cm bei 8 m Stützweite). An den Gebäu- 42 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb destirnseiten kragen die Decken ca. 3,0 m je Seite über den Randunterzug hinaus. An einer Stelle (in Achse 11) besitzt das Gebäude eine durchgehende Bauwerksfuge in Querrichtung (Lage feldmittig zwischen zwei Unterzügen). Dort kragen die Decken ebenfalls von den Unterzügen zur Fuge hin frei aus. Die Gebäudeaussteifung erfolgt über die über alle Geschosse durchlaufenden Rampenwände und den Aufzugsbzw. Treppenhauskern. Als Bodenbelag ist im Altbau ein ca. 4,0 cm dicker Gussasphaltbelag vorhanden, der größtenteils ohne Abdichtung zum Untergrund, nur mit einer Trennschicht aus Pappe, auf den Betonoberflächen der Decken aufliegt. Dieser Gussasphalt ist sehr rissig und hat seine Abdichtungsfunktion nahezu komplett verloren. Im Altbestand sind 384 Stellplätze untergebracht. Die Bruttogrundfläche aller Ebenen des Altbaus beträgt ca. 12.300 m². Pro Doppelebene entfallen somit ca. 1.900-m². Die jüngeren Anbauten mit 115 Stellplätzen wurden ebenfalls in Stahlbetonbauweise (Skelettbau, ähnlich wie Altbau) hergestellt. Zur Aussteifung sind die Anbauten mit dem Ursprungsbau, über Edelstahlstäbe die die Bauwerkfugen kreuzen, verbunden. Die Oberflächen sind mit einer Epoxidharz-Beschichtung beschichtet. Die Bruttogrundfläche der Anbauten beträgt ca. 3.900 m², wobei sich die Fläche der Anbauten in den Ebenen aufgrund der steilen Dachneigung nach oben hin verringert. 1.1 Bisherige Maßnahmen und vorgesehene weitere Nutzung Das Parkhaus wird seit dem Jahr 2003 intensiv statisch betreut und in regelmäßigem Turnus überwacht. Auf verschiedenen Ebenen wurden in der Vergangenheit teils umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Das bisherige Instandhaltungskonzept sah vor, die Standsicherheit des Bauwerks bis zu einer vorgesehenen Erneuerung des Parkhauses aufrecht zu erhalten. Herkömmliche Betonerhaltungsmaßnahmen wurden daher nur in begrenztem Umfang durchgeführt. Stattdessen wurde das Tragwerk in regelmäßigen Abständen durch externe Stahlkonstruktionen (Unterstützung der Stahlbetondecken durch unterseitig, zwischen den Unterzügen angebrachte Stahlrahmen) verstärkt. Mittlerweile muss aber davon ausgegangen werden, dass sich die statisch relevanten Schäden nicht mehr nur auf die Deckentragwerke (Sekundärtragwerk) beschränken, sondern sich zunehmend auch auf das Primärtragwerk (z. B. Einspannungen der Unterzüge in den Rahmenecken) ausweiten, wodurch sich die Sanierbarkeit des Parkhauses zunehmend erschwert. Eine Weiterführung des bisherigen Instandhaltungskonzepts konnte daher nicht mehr empfohlen werden. Durch den Bauherrn wurde im Herbst 2024 entschieden, das bisherige Instandhaltungskonzept nicht mehr weiter zu verfolgen, aber auch keinen Neubau anzustreben. Das Parkhaus soll stattdessen mit konzentrierten Maßnahmen so instandgesetzt werden, dass eine Nutzung des Parkhauses für die nächsten 15 bis 20 Jahre mit herkömmlichen Wartungsaufwand möglich ist. 1.2 Wesentliche Ergebnisse bisheriger Bestandsuntersuchungen Die in den letzten Jahren regelmäßig durchgeführten Bestandsuntersuchungen ergaben folgende wesentliche Erkenntnisse: - Die Stahlbetondecken sind hinsichtlich Korrosion der tragenden Bewehrung gefährdet, insbesondere in den Stützbereichen über den Unterzügen und im Bereich von Rissen. Statisch besonders relevant ist dies in Kragbereichen und an den Stützbereichen der 8-Meter Felder. - Die Stützbewehrung der Unterzüge ist noch in zufriedenstellendem Zustand, jedoch wurden in jüngerer Zeit auch beginnende Schäden an der tragenden Einspannbewehrung vorgefunden. - Die Stützen- und teilweise die Wandsockel, welche in der Vergangenheit teilweise bereits durch herkömmliche Betoninstandsetzungen saniert wurden zeigen stellenweise Risse und Abplatzungen aufgrund von Korrosion an der Bewehrung. - Der kritische korrosionsauslösende Chloridgehalt liegt in diesem Parkhaus ab einem Chloridgehalt von ca. > 0,7 M % (bezogen auf den Zementgehalt) vor. Unterhalb dieser Grenze wurden bisher kaum Schäden an der Bewehrung vorgefunden. - Zum Auffinden von Korrosion innerhalb des Betons hat sich die Potentialfeldmessung als zielführende Methode herausgestellt. Die bisherigen Messungen ergaben, dass ab Potentialwerten ca. < - 300 mV mit Korrosion an der Bewehrung gerechnet werden muss. - Hinsichtlich der Karbonatisierung des Betons sind die Stahlbetonbauteile der Tiefgarage noch in einem zufriedenstellenden Zustand. 1.3 Betriebliche Anforderungen an die geplante Instandsetzung Aufgrund der zentralen Lage des Parkhauses und der zahlreichen Dauermieter kann dieses Parkhaus nicht gesperrt werden. Die Sanierung muss also im laufenden Betreib stattfinden. Der Bauherr hat das Ziel vorgegeben möglichst nie mehr als 25 % der Parkplätze zu sperren. Somit muss abschnittsweise (Doppelebene für Doppelebene) vorgegangen werden. Es wird dabei von oben nach unten gearbeitet. Ab der Sanierung der Ebene 8 werden dabei auch Autos durch die Baustelle fahren, um die bereits sanierten darüberliegenden Ebenen erreichen zu können. Zudem führt die innerstädtische Lage zu erheblichen Beeinträchtigungen durch die extrem lärmintensiven Höchstdruckwasserstrahlarbeiten. Es sind also wegen des Verkehrs und des Lärms umfangreiche Schutzmaßnahmen erforderlich. Die Sanierung des gesamten Parkhauses wird sich über ca. 4,5 Jahre erstrecken. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 43 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb 2. Instandsetzungskonzept 2.1 Instandsetzungsziele Das Parkhaus soll einer Instandsetzungsmaßnahme unterzogen werden, welche eine Restnutzungsdauer von ca. 20 Jahren unter gewöhnlichem Wartungsaufwand ermöglicht. Folgende Instandsetzungsziele wurden, auf Grundlage der vorhandenen Schäden, definiert. - Widerherstellung der Tragsicherheit durch Ersatz von querschnittsgeschwächten bzw. vollständig aufgelösten Bewehrungseisen. - Wiederherstellung des durch Chloride geschädigten Korrosionsschutzes der Bewehrung. - Herstellung des dauerhaften Korrosionsschutzes der Bewehrung bei unzureichender Betondeckung - Erneuerung des Betons im oberflächennahen Bereich durch tragenden Betonersatz, wo dieser infolge von Bewehrungskorrosion oder im Bereich von sonstigen Schadstellen (Kiesnester, Hohllagen, Risse, erhöhte Chloridgehalte, etc.) geschädigt ist. 2.2 Instandsetzung der Decken und Unterzüge Zur Sanierung der Decken und Unterzüge werden die Verfahren 7.1 und 7.2 der TR-Instandhaltung [1] angewendet. Zur Identifikation und Festlegung des Betonabbruchs finden umfangreiche Voruntersuchungen statt, welche zum Teil baubegleitend durchgeführt werden. Diese Voruntersuchungen beinhalten: - Die Entnahme von Bohrmehlproben in unterschiedlichen Tiefenstufen zur Bestimmung des vorhandenen Chloridgehalts im Beton. - Die Durchführung einer vollflächigen Potentialfeldmessung an der Deckenoberseite zur Lokalisierung korrosionsaktiver Bereiche (Abb. 3, baubegleitend nach dem Rückbau des bestehenden Gussasphaltbelags). - Die Untersuchung der Betoneigenschaften durch die Entnahme von Bohrkernen (Bestimmung der Betondruckfestigkeit, etc.), Messungen der Karbonatisierungstiefen und Bestimmung der Oberflächenzugfestigkeit, sowie Haftzugfestigkeit. - Das Anlegen von Sondierungsöffnungen zur Verifizierung der Ergebnisse der Potentialfeldmessung in Verbindung mit den vorhandenen Chloridgehalten und den gemessenen Betondeckungen. Identifikation/ Eingrenzung eines kritischen Potentialbereichs und kritischen Chloridgehalts, ab welchen mit aktiver Korrosion an der Bewehrung gerechnet werden muss. Abb. 3: Potentialfeldmessung (Beispiel Ebene 8) 44 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb Der Betonabbruch wird anhand der Ergebnisse dieser Voruntersuchungen, sowie der statischen Anforderungen an das Tragwerk im jeweiligen Bereich individuell festgelegt. Auf aus statischer Sicht besonders wichtige Bereiche, wie die Deckenstützbereiche der Kragarme und der 8-Meter Felder, sowie die Einspannstellen der Unterzüge, wird hierbei besonderes Augenmerk gelegt. In statisch eher untergeordneten Bereichen können die Anforderungen an die Instandsetzung, je nach vorhandenem Schadensumfang reduziert werden. Bereiche, wo bereits aktive Korrosion an der Bewehrung stattfindet, werden aber in jedem Fall gemäß dem Verfahren 7.2 nach TR- Instandhaltung [1] saniert. Auch in Bereichen mit erhöhten Chloridgehalten (über dem jeweiligen kritischen korrosionsauslösenden Chloridgehalt) kommt das Verfahren 7.2 zur Anwendung. Die zu erwartende Betonabbruchtiefe beim Verfahren 7.2 beträgt im Mittel ca. 8 cm und wird im vorliegenden Fall mittels maschinellem und handgeführten Betonabtrag durch Höchstdruckwasserstrahlen durchgeführt (Abb. 4). Abb. 4: Betonabbruch mit Höchstdruckwasserstrahlen Vor der Reprofilierung werden je nach Erfordernis Vernadelungen mit dem Untergrund (eingeklebte Bewehrungseisen), sowie Bewehrungsergänzungen, je nach vorhandenem Umfang der Korrosionsschäden (Abb. 5), eingebaut. Abb. 5: Nahaufnahme Korrosion an der Bewehrung Als Betonersatz für die Reprofilierung kommt herkömmlicher Beton nach DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 in der Druckfestigkeitsklasse C30/ 37 zum Einsatz. Die Reprofilierung erfolgt an allen größeren zusammenhängenden Abbruchflächen mit einer Mehrdicke/ einem Mehrauftrag von ca. 2,5 cm gegenüber der bestehenden Deckenoberkante (OK RFB), um so die im Bestand teils zu geringen Betondeckungen zu erhöhen (Abb. 6 und 7). Abb. 6: Fertig vorbereitete Betonoberfläche mit ergänzten Eisen vor dem Einbringen des Betonersatzes 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 45 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb Abb. 7: Nach dem Betonieren (Bereich ca. 2,5 cm höher betoniert) Nach Durchführung der Betoninstandsetzungsarbeiten gemäß Verfahren 7.2 der TR-Instandhaltung [1] erfolgt auf allen Restflächen der Decken (dort wo kein Betonabbruch mit anschließend höher eingebautem Betonersatz stattfand) der Einbau eines ca. 2,5 cm dicken Auf betons mittels Betonersatz (RM/ RC gemäß TR-Instandhaltung [1] Teil 2, Anhang C, Tabelle C.2, im Betonierverfahren), nach entsprechender Untergrundvorbereitung mit HDW. Hierdurch wird eine geschlossene, ebene Fläche bündig zu den bereits höher betonierten Bereichen hergestellt (Abb. 8). Dies entspricht dem Verfahren 7.1 gemäß TR-Instandhaltung [1]. Die Passivität wird dadurch auch an den nicht korrosionsaktiven Bereichen mit moderaten Chloridgehalten verbessert bzw. erhalten. Außerdem werden auch hierdurch die im Bestand teils zu geringen Betondeckungen erhöht. Abb. 8: Einbau des Auf betons mit Glättwalze An den Deckenunterseiten sind die vorhandenen Schäden deutlich geringer als an den Deckenoberseiten. Diese beschränken sich meist auf lokale Schadstellen. Die Decken sind im Bestand zudem bereichsweise durch externe Stahlkonstruktionen unter den Decken unterstützt, bzw. verstärkt (Abb. 9). Diese Stahlrahmen bleiben erhalten und stellen statisch äquivalente lokale Ersatztragwerke für die Decken dar. Dadurch können dort die statischen Anforderungen an die Betoninstandsetzungsmaßnahmen reduziert werden. Abb. 9: Vorhandene Stahlrahmen im Bestand (ehem. Verstärkung) Meist sind an den Deckenunterseiten lokale Instandsetzungsmaßnahmen mit Betonersatz nach dem Verfahren 7.2 der TR-Instandhaltung [1] ausreichend. An den seltenen, besonders stark geschädigten Bereichen, stehen verschiedene Möglichkeiten, wie ein Teilaustausch der Decken bei flächigen Schäden oder Durchschüsse (Betonabbruch mit HDW über die gesamte Deckendicke), z. B. an linienförmigen Schadstellen (statisch relevante Trennrisse, Bauwerksfugen, etc.), zur Verfügung. Solche Maßnahmen werden im Zuge der oberseitigen Bearbeitung der Decken mit ausgeführt (Abb. 10). Abb. 10: Lokaler Durchschuss der Decke aufgrund eines Schadens an der Deckenunterseite 46 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb Ein wesentliches Kriterium zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit der Instandsetzungsmaßnahme und zur Gewährleistung der festgelegten Restnutzungsdauer, stellt aus Sicht des Planers, die Herstellung einer dichten Oberfläche auf den Parkdecks dar. Die Parkdecks werden zum Abschluss der Maßnahme daher mit einer flächigen, Beschichtung versehen. Aufgrund der teils hohen Deckenschlankheiten (λ ≤ 26) wurde eine rissüberbrückende Beschichtung gewählt (Abb. 11). Abb. 11: Einbau einer rissüberbrückenden Beschichtung Auf der nachfolgenden Skizze (Abb. 12) sind die Instandsetzungsmaßnahmen an den Decken schematisch zusammengefasst. Flächige Betoninstandsetzung mit Betondeckungsergänzung (Verfahren 7.2, TR-Instandhaltung) Niveauausgleich und Betondeckungserhöhung durch Aufbeton (Verfahren 7.1, TR-Instandhaltung) Lokale Betoninstandsetzung an Schadstellen Betoninstandsetzung (Durchschuss) (z.B. an Trennrissen) Erhalt vorhandener Stahlrahmen Flächige Bodenbeschichtung (rissüberbrückend) Schemaskizze: Abb. 12: Schemaskizze Übersicht über die Instandsetzungsmaßnahmen 2.3 Instandsetzung der Wand- und Stützensockel An den Stützen und Wandsockeln des Parkhauses wurden in der Vergangenheit bereits kontinuierliche Betoninstandsetzungsarbeiten an Schadstellen durchgeführt. Insofern ist dort mit einem geringeren Instandsetzungsaufwand als an den Decken zu rechnen. Außerdem sind die Sockelbereiche des Parkhauses jederzeit und ohne wesentliche Auswirkungen auf den Parkbetrieb zugänglich, weshalb die Sockelinstandsetzung im Vergleich zur Sanierung der Decken eine eher untergeordnete Rolle einnimmt. Die Festlegung der Sanierungsstellen an den Sockeln erfolgt bei eher geringer statischer Relevanz (z. B. Wandsockel in den oberen Stockwerken) durch Abklopfen der Sockelbereiche in Verbindung mit einer handnahen, visuellen Bestandsaufnahme nach dem Abtrag des vorhandenen Sockelanstrichs. An statisch eher relevanten Bereichen (z. B. Fußpunkte der eingespannten Stützen, Wandsockel der unteren Stockwerke, etc.) entspricht das Vorgehen der Instandsetzung dem der Deckenoberseiten (Verfahren 7.2 [1] inkl. Voruntersuchungen durch Bohrmehlprobenentnahme, Potentialfeldmessungen, etc.). Als Betonersatz kommt an den Sockeln Spritzbeton nach DIN EN 14487 und DIN 18551 zum Einsatz. Die Reprofilierung erfolgt querschnittsgleich. Alternativ ist der Einbau von Betonersatz (RC) im Handauftrag möglich. Vor der Reprofilierung sind Vernadelungen mit dem Untergrund (eingeklebte Bewehrungseisen) einzubauen. Der Spritzbeton wird nach dem Auftrag über Lehren abgezogen. Die Glättung der gespritzten Oberflächen erfolgt durch einen im zweiten Schritt aufzubringenden Feinspachtel. Nach den Betoninstandsetzungsmaßnahmen werden die Sockelbereiche umlaufend mit einer Dreieckskehle versehen und ebenfalls beschichtet. Dies erfolgt je nach Örtlichkeit, Schadensbild und statischer Relevanz entweder durch eine einfache Grundierung und Hochzug der Bodenbeschichtung, oder durch den Einbau einer OS5b-Beschichtung inkl. Kratz- und Lunkerspachtelung. 2.4 Weitere Maßnahmen im Zuge der Instandsetzung Folgende weitere Maßnahmen werden im Zuge der Instandsetzungsmaßnahme mit ausgeführt: - Abdichtung von Bauwerksfugen mit einer Abdichtungsbandage und Schlaufenausbildung, die in die Beschichtung der Bodenfläche eingebunden ist. - Erneuerung von Entwässerungseinrichtungen (Bodeneinläufe und Leitungsführung). - Instandsetzungsmaßnahmen an der Dachhaut, sowie an der Gebäudefassade. - Erneuerung/ Sanierung sonstiger technischer Anlagen im Parkhaus (Aufzüge, TGA, etc.) je nach Bedarf. - Erneuerung des Farbanstrichs als OS 2-Beschichtung an allen sonstigen Betonoberflächen im Parkhaus. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 47 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb 3. Statische Berechnungen/ Abstützungskonzept Für die Betoninstandsetzungsarbeiten sind Abstützungsmaßnahmen erforderlich. Das Parkhaus bleibt während der Instandsetzung in den nicht zu sanierenden Ebenen weiter in Betrieb, mit möglichst geringen Stellplatzverlusten. Daher entfällt die einfache Möglichkeit des Durchstützens über mehrere Ebenen. Für den Entwurf eines wirtschaftlichen, sicheren und möglichst von Ebene zu Ebene wiederverwendbaren Abstützungskonzepts wurden daher umfangreiche statische Untersuchungen durchgeführt. 3.1 Statische Berechnungen Das Parkhaus wurde als Stahlbetonskelettkonstruktion, mit einem Primärtragwerk aus Stützen und Unterzügen mit biegesteifen Rahmenverbindungen hergestellt. Die Stahlbetondecken (Sekundärtragwerk) spannen einachsig zwischen den Unterzugsachsen und sind monolithisch mit dem Primärtragwerk verbunden (Durchlaufdecken). Aufgrund des Deckeneigengewichts, den Frischbetonlasten, sowie den Nutzlasten im Bauzustand wäre es bei herkömmlicher, flächiger Abstützung statisch erforderlich, über mindestens zwei darunterliegende Ebenen durchzustützen, was für diese Ebenen ebenfalls eine Vollsperrung, mit zu hohen Stellplatzverlusten für den Parkbetrieb, zur Folge hätte. In den statischen Berechnungen wurden verschiedene Szenarien, mit welchen während der Instandsetzung gerechnet werden muss, untersucht. Hierbei wurden auch lokale Belastungen aus dem Bauablauf (z. B. Nutzlasten aus Baufahrzeugen, etc.) berücksichtigt. Nachfolgende wesentliche Erkenntnisse konnten dabei u. a. gewonnen werden. - Die Unterzüge sind im Abbruchzustand (Plattenbalken mit reduzierter Plattendicke), selbst bei deaktivierten Rahmeneckeinspannungen mit moderaten Ausnutzungen standsicher und müssen somit nicht abgestützt werden. Lasten aus den Decken, außerhalb der mitwirkenden Plattenbreite sind jedoch abzustützen. - Eine Deaktivierung der Rahmeneckeinspannungen der Unterzüge führt ohne Abstützung der Deckenfelder zu Überbeanspruchungen der Unterzug-Feldbewehrung. - Das Primärtragwerk (mehrstöckiger Rahmen aus Stützen und Unterzügen) der unteren Stockwerke kann die Abstützungslasten aufnehmen, wenn mindestens zwei darunterliegende Ebenen aktiviert werden. 3.2 Abstützungskonzept Aus den Ergebnissen der statischen Berechnungen wurde ein Abstützungskonzept entwickelt, welches robust, vielseitig und einfach zu erstellen ist und zugleich möglichst viele Stellplätze für den Parkbetrieb zur Verfügung stellt. Die Abstützung der Decke zwischen den Unterzügen erfolgt so, dass nur in der 1. Abstützungsebene (1. Ebene unter der Sanierungsebene) flächige Abstützungen eingebaut werden müssen. Diese flächigen Abstützungen lagern jedoch nicht auf der darunterliegenden Decke auf, sondern werden auf Stahlträgern aufgelagert. Die Stahlträger verlaufen im Raster von ca. 2,50 m linienförmig in Deckenspannrichtung und wurden unter Berücksichtigung der Biegesteifigkeiten der abzustützenden Stahlbetondecke dimensioniert, um die Verformungen des Tragwerks und somit auch ungewollte Umlagerungen von Schnittgrößen im Bauzustand möglichst gering zu halten. Die Auflagerung der Stahlträger erfolgt nur in den Achsen des Primärtragwerks, wodurch erreicht wird, dass die flächigen Abstützungslasten bereits in der 1. Abstützungsebene linienförmig an die 2.-Abstützungsebene weitergeleitet werden (Abb. 13). In der 2. Abstützungsebene sind durch das o.g. Vorgehen statisch nur noch punktförmige Abstützungen in den Unterzugsachsen erforderlich. Hierdurch wird ein Parkbetrieb bereits in der 2. Abstützungsebene ermöglicht (Abb. 14). Für den Parkbetrieb stehen hierdurch ca. 80 Stellplätze mehr zur Verfügung, als bei einer herkömmlichen Durchstützung der Lasten. Abb. 13: Abstützungsmaßnahmen in der 1. Abstützungsebene (Ebene für den Parkbetrieb gesperrt) Abb. 14: Abstützungsmaßnahmen in der 2. Abstützungsebene (Parkbetrieb möglich) Die Abstützungsmaßnahmen werden von unten nach oben, vor Beginn des Betonabtrags eingebaut und bis nach entsprechender Betonerhärtung vorgehalten. Während der Rückbauarbeiten (Ausbau des bestehenden Gussasphaltbelags), des Auf betoneinbaus und während der Beschichtungsarbeiten sind keine Abstützungen notwendig. Das Abstützungsmaterial (insbesondere die Stahlträger) kann in den verschiedenen Bauabschnitten wiederver- 48 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Instandsetzung des Parkhauses Kronenstraße in Kempten -Umfangreiche Betoninstandsetzung im laufenden Betrieb wendet werden. Durch den AG wird das wiederverwendbare Material dem AN zu Beginn der Baumaßnahme zur Verfügung gestellt. Die Zwischenlagerung des Materials (bis zum nächsten Einsatz) erfolgt innerhalb des Parkhauses. Am Ende der Sanierungsmaßnahme werden die Stahlträger zu dauerhaft verbleibenden Unterstützungsrahmen (wie im Bestand bereits vorhanden) umgebaut, um so besonders stark beanspruchte Deckenbereiche des Parkhauses, oder Bereiche mit eingeschränkter Zugänglichkeit, zusätzlich zu verstärken. 4. Fazit und Ausblick Zum Zeitpunkt der Einreichung dieser Veröffentlichung (Anfang Dezember 2025) waren die Ebenen 9 und 10 sowie die Rampen hinunter bis zur Ebene 6 mit dem beschriebenen Konzept erfolgreich saniert und wieder in Nutzung. Der Betonabbruch in Ebene 7 und 8 wurde gerade vorbereitet, d. h. der Gussasphalt war dort ausgebaut und der Schadensumfang durch die flächige Potentialfeldmessung klar eingegrenzt. Da in diesem Bauabschnitt das erste Mal Autos unmittelbar neben dem HDW-Abbruch fahren, wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen (auch zum Lärmschutz) eingebaut. Die Sanierung läuft planmäßig noch drei weitere Jahre, wobei immer Doppelebenen-Weise von oben nach unten vorgegangen wird. Als letztes werden die unteren Rampen saniert. Da zwei Ebenen immer mit zwei Rampen (eine Auffahrts- und eine Abfahrtsrampe) verbunden sind, ist auch dies unter Aufrechterhaltung des Parkbetriebs möglich. Eine Rampe muss dabei, während die andere Rampe für die Sanierung gesperrt ist, im Zweirichtungsbetrieb befahren werden. Dafür ist eine komplexe Verkehrsführung innerhalb des Parkhauses notwendig (Abb. 15). Abb. 15: Exemplarische Visualisierung der Verkehrsströme während der Sanierung einer Rampe. Literatur [1] Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (TR-Instandhaltung), Teil 1 und Teil 2 (Stand Mai 2020)
