eJournals Kolloquium Parkbauten12/1

Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121 Technische Akademie Esslingen

Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton?

0224
2026
Frank Halm
Die Entwicklung der Betoninstandsetzung ist geprägt durch eine ständige Veränderung in den Regelwerken. In den letzten 40 Jahren haben sich die Vorschriften für den Hochbau, für den konstruktiven Ingenieurbau und den Wasserbau gravierend verändert. Hinzu kam eine europäische Reglementierung für die Betoninstandsetzung. Durch die „neuen EN-Vorschriften“ ergaben sich aber auch neue Einsatzmöglichkeiten für Betonersatzsysteme. Neben Beton und Spritzbeton ist es nun möglich auch mit Betoninstandsetzungssystemen, händisch oder spritzbar verarbeitet, statisch relevante Sanierungen auszuführen. Das war vorher rechtlich nicht möglich. Durch die Einführung der neuesten deutschen Regelwerke (TR IH) ist auch eine differentere Auswahl der Instandsetzungsprinzipien und -verfahren gegeben. Auch die Bedeutung des sachkundigen Planers hat sowohl für die Planung als auch für die Begleitung von Baustellen zugenommen und wird detailliert in den Vorschriften beschrieben. Bei den Instandsetzungssystemen gab es in den 1990er Jahren eine Entwicklung zu einkomponentigen Reparaturmörtelsystemen. Dadurch erfolgte die Kunststoffmodifizierung nicht mehr durch Mischung mit einer Dispersion, sondern in Pulverform durch redispergierbares Kunststoffpulver. Weitere Entwicklungen waren das Zusammenführen von Korrosionsschutz und Zementhaftbrücke in ein Kombiprodukt durch diverse Anbieter. Es gibt auch Hersteller von Betonersatzsystemen, die den Reparaturmörtel und den Feinspachtel als ein Produkt anbieten. Seit einigen Jahren gibt es für die flächige Instandsetzung auf dem Boden hoch fließfähige Betonersatzsysteme, die sich durch maschinelle Verarbeitung mit hohen Flächenleistungen und Bauzeitverkürzungen auszeichnen. Durch die Entwicklung in den Vorschriften haben sich die charakteristischen Bezeichnungen der Betonersatzsysteme komplett geändert. Dass diese Veränderungen der Begrifflichkeiten nicht immer zeitnah umgesetzt werden, erleben Baubeteiligte jeden Tag. Neben Altbezeichnungen werden aber auch Stoffsysteme und Anwendungen vermischt. In dem Vortrag sollen nicht mehr zutreffende, aber auch die neuen Termini erläutert werden. Weiterhin wird der Unterschied zwischen Instandsetzungssystemen und Anwendungen selektiert, dabei sollen zulässige und unzulässige Stoffsysteme erklärt werden. Der Vortrag ist in 4 Teile gegliedert. Im ersten Teil (Einleitung) werden typische tägliche Anfragen aufgezeigt. Dabei zeigt die kleine Auswahl schon den Umfang an Vermischung zwischen Systemen und Anwendungen. Der Teil 2 geht auf die Schadensmechanismen auf einer unbeschichteten Parkfläche ein. Neben der Karbonatisierung ist das Einwirken von eingefahrenen Tausalzen die Hauptursache von Stahlbetonschäden in Tiefgargaragen und Parkhäusern. Bei Decken haben diese Schäden noch eine größere statische Relevanz. Im dritten Abschnitt des Vortrages werden die Unterschiede zwischen Baustoffsystemen und Anwendungen erklärt. Hier werden alte (nicht mehr zulässige), aber immer noch verwendete Bezeichnungen und die neuen Betonersatzsysteme und Stoffsysteme besprochen, die in Tiefgaragen und Parkhäuser eingesetzt werden. Bei den Anwendungen werden die stofflichen und rechtlichen Möglichkeiten ausgelotet. Der 4. Teil beinhaltet die fachgerechte Instandsetzung mit Beispielen.
kpb1210055
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 55 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? Dipl.-Ing. Frank Halm Saint-Gobain Weber GmbH Zusammenfassung Die Entwicklung der Betoninstandsetzung ist geprägt durch eine ständige Veränderung in den Regelwerken. In den letzten 40 Jahren haben sich die Vorschriften für den Hochbau, für den konstruktiven Ingenieurbau und den Wasserbau gravierend verändert. Hinzu kam eine europäische Reglementierung für die Betoninstandsetzung. Durch die „neuen EN-Vorschriften“ ergaben sich aber auch neue Einsatzmöglichkeiten für Betonersatzsysteme. Neben Beton und Spritzbeton ist es nun möglich auch mit Betoninstandsetzungssystemen, händisch oder spritzbar verarbeitet, statisch relevante Sanierungen auszuführen. Das war vorher rechtlich nicht möglich. Durch die Einführung der neuesten deutschen Regelwerke (TR IH) ist auch eine differentere Auswahl der Instandsetzungsprinzipien und -verfahren gegeben. Auch die Bedeutung des sachkundigen Planers hat sowohl für die Planung als auch für die Begleitung von Baustellen zugenommen und wird detailliert in den Vorschriften beschrieben. Bei den Instandsetzungssystemen gab es in den 1990er Jahren eine Entwicklung zu einkomponentigen Reparaturmörtelsystemen. Dadurch erfolgte die Kunststoffmodifizierung nicht mehr durch Mischung mit einer Dispersion, sondern in Pulverform durch redispergierbares Kunststoffpulver. Weitere Entwicklungen waren das Zusammenführen von Korrosionsschutz und Zementhaftbrücke in ein Kombiprodukt durch diverse Anbieter. Es gibt auch Hersteller von Betonersatzsystemen, die den Reparaturmörtel und den Feinspachtel als ein Produkt anbieten. Seit einigen Jahren gibt es für die flächige Instandsetzung auf dem Boden hoch fließfähige Betonersatzsysteme, die sich durch maschinelle Verarbeitung mit hohen Flächenleistungen und Bauzeitverkürzungen auszeichnen. Durch die Entwicklung in den Vorschriften haben sich die charakteristischen Bezeichnungen der Betonersatzsysteme komplett geändert. Dass diese Veränderungen der Begrifflichkeiten nicht immer zeitnah umgesetzt werden, erleben Baubeteiligte jeden Tag. Neben Altbezeichnungen werden aber auch Stoffsysteme und Anwendungen vermischt. In dem Vortrag sollen nicht mehr zutreffende, aber auch die neuen Termini erläutert werden. Weiterhin wird der Unterschied zwischen Instandsetzungssystemen und Anwendungen selektiert, dabei sollen zulässige und unzulässige Stoffsysteme erklärt werden. Der Vortrag ist in 4 Teile gegliedert. Im ersten Teil (Einleitung) werden typische tägliche Anfragen aufgezeigt. Dabei zeigt die kleine Auswahl schon den Umfang an Vermischung zwischen Systemen und Anwendungen. Der Teil 2 geht auf die Schadensmechanismen auf einer unbeschichteten Parkfläche ein. Neben der Karbonatisierung ist das Einwirken von eingefahrenen Tausalzen die Hauptursache von Stahlbetonschäden in Tiefgargaragen und Parkhäusern. Bei Decken haben diese Schäden noch eine größere statische Relevanz. Im dritten Abschnitt des Vortrages werden die Unterschiede zwischen Baustoffsystemen und Anwendungen erklärt. Hier werden alte (nicht mehr zulässige), aber immer noch verwendete Bezeichnungen und die neuen Betonersatzsysteme und Stoffsysteme besprochen, die in Tiefgaragen und Parkhäuser eingesetzt werden. Bei den Anwendungen werden die stofflichen und rechtlichen Möglichkeiten ausgelotet. Der 4. Teil beinhaltet die fachgerechte Instandsetzung mit Beispielen. 1. Einleitung In der täglichen Arbeit als Anbieter von Sanierungssystemen muss man als beratender Ingenieur E-Mail-Anfragen, Anrufe und Beratungsgespräche auf Baustellen führen. Als Referent für SIVV-Lehrgänge und sachkundigen Planer ist man ständig gezwungen auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung und auch auf dem aktuellen Stand der Regelwerke zu sein. Vielleicht haben deshalb Anfragen mit nicht mehr geltenden Bezeichnungen, das Vermischen von Instandsetzungssystemen und Anwendungen, sowie technisch nicht mögliche Anforderungen an Lösungen für Bodeninstandsetzungen in Tiefgaragen und Parkhäusern zu der Auseinandersetzung mit den Anfragen und schlussendlich zu diesem Vortrag geführt. Eine kleine Auswahl aus unzähligen Anfragen der letzten 3 Jahre soll diese Situation verdeutlichen. Auch wenn der Eine oder Andere eine ähnliche Nachricht an uns gesendet hatte, alle aufgeführten Anfragen bleiben anonym. Die nachfolgenden Beispiele sind ohne Wertung: „Hallo Herr Halm, wir benötigen für unsere Tiefgarage einen PCC I. Was kostet der bei ihnen? “ „Für die Planung einer Tiefgarage in … brauchen wir einen Beton als Gefällemörtel zwischen 1cm und 10 cm, Was können sie empfehlen 56 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? „Bitte einen Preis für Position: Hoch fließfähiger Betonersatzmörtel R4 und Ausgleichsmasse 30 mm“ „Ich habe eine komplett gerissene Tiefgaragenplatte, der Stahl ist leicht gerostet. Haben sie einen Estrich, der darauf hält? Kann der die Risse überbrücken? “ Allein die vier ausgewählten Nachrichten zeigen, dass Altbezeichnungen wie PCC I weiter in Verwendung sind und es auch noch einige Jahre als Vergleichsbezeichnung geben wird. Wer 2 Wochen einen SIVV-Lehrgang erfolgreich durchlebt hat, ist mit den Bezeichnungen und Begriffen verwachsen. Auch notwendige Weiterbildungen zur Beibehaltung des Status SIVV-Schein bringen in der zweitägigen Auffrischung nicht immer die notwendige Wissensveränderung. Im Teil 3 werden die aktuellen Systeme und Anwendungen detailliert besprochen. 2. Schadensmechanismen auf einer Parkfläche Zahlreiche Veröffentlichungen haben sich schon mit den Schadensmechanismen auf einer Parkfläche beschäftigt. Der Vorgang der Karbonatisierung durch die Umwandlung von Calciumhydroxid in Calciumcarbonat sollte hinreichend bekannt sein. Durch die Absenkung des pH-Wertes im Zementstein verliert der Bewehrungsstahl seinen alkalischen Schutz. Bild 1: Nachweis der Karbonatisierungstiefe mit Phenolphthaleinlösung (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Auf Verkehrsflächen in Tiefgaragen und Parkhäusern ist das Einbringen von Tausalzen durch parkende Fahrzeuge im Winter eine weitere signifikante Schadensursache. Bei jedem regenbedingten Feuchteeintrag werden die Salze wieder gelöst und tiefer in den Stahlbeton transportiert. Auch bei ausreichend hohem pH-Wert kann durch Chloride die Passivschicht um den Stahl aufgehoben werden. Bei entsprechendem Feuchtezustand des Betons, der Sauerstoffzufuhr über die nicht beschichtete Oberfläche und entsprechend hohe Chloridkonzentration wird sich ein Teilbereich am Bewehrungsstahl in einen anodischen Bereich umwandeln, der restliche Teil wirkt dann als Kathode. Die daraus resultierenden Korrosionsvorgänge beginnen mit einer Lochfrasskorrosion. Erst nachfolgend ergeben sich flächenhafte Korrosionsvorgänge mit abplatzenden Betonoberflächen. Bild 2: Typische Tiefgaragenflächen ohne Oberflächenschutzsystem (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Durch den nicht vorhandenen Schutz der Betonüberdeckung beschleunigen sich die Korrosionsvorgänge am freiliegenden Stahl. Bild 3: Oberflächenschäden mit freiliegender korrodierter Bewehrung (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Bei Korriosionsvorgängen infolge von Chloriden kann häufig das gesamte Schadensausmaß erst nach der Untergrundvorbereitung erkannt werden. Besonders bei Deckenkonstruktionen ist eine fachgerechte Einschätzung mit Nachweis der Tragfähigkeit unumgänglich. Moderne Untersuchungsmethoden können Chlorideindringtiefen und Chloridgehalte auf Parkflächen sicher dedektieren. Diese ermittelten Werte müssen in eine entsprechende Untergrundvorbereitung mit Abtrag des chloridhaltigen Betons münden. Der sachkundige Planer muss das entsprechende Instandsetzungsprinzip bzw. - verfahren festlegen. Dabei ist neben dem Kostenfaktor auch die prognostizierte Restnutzungsdauer und die Nachhaltigkeit der Sanierung mit dem Bauherrn zu klären. Bild 4: Nach Fräsen sichtbare großflächige Chloridinduzierte Korrosionsvorgänge (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 57 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? Die oben aufgeführten Schäden verdeutlichen die Bedeutung der richtigen Auswahl von Instandsetzungslösungen durch den sachkundigen Planer. Neben der Wiederherstellung des Verbundes zum Bewehrungsstahl muss zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit das gewählte Instandsetzungssystem über ein hohes alkalisches Potential verfügen. Um eine volle Tragfähigkeit wieder herzustellen, kann es notwendig werden, bei hohem Korrosionsverlust Zusatzbewehrungen zu implementieren. Eine statische Bemessung ist hier unerlässlich. Die Entwicklung der letzten Jahre ermöglicht auch den Einsatz moderner Instandsetzungslösungen mit, alternativ zu Bewehrungsstahl, geeigneten und geprüften Carbonmatten. Diese Lösungen haben sich auch als kathodischer Korrosionsschutz gut etabliert. Durch Einsatz von hoch fließfähigem Betonersatzsystemen und einer maschinellen Mischung und Förderung können zusätzlich die Einbauzeiten wesentlich verkürzt werden. Gleichzeitig erfolgt der Einbau im Stehen. 3. Unterschiede Systeme und Anwendungen Wie oben schon beschrieben, gibt es eine Vermischung zwischen Instandsetzungssystemen und Anwendungen bei den Arbeiten in Parkhäusern oder Tiefgaragen. In der Vergangenheit, bis zur Überarbeitung der ZTV- ING [1] im Jahr 2017, waren händisch zu verarbeitende Betonersatzsysteme als PCC I bis PCC III gegliedert. Da PCC II und PCC III mit gleichen Produkten ausgeführt wurde, gab es nur noch die Unterscheidung in PCC I und PCC II. Als PCC I wurden kunstoffmodifizierte Mörtel- oder Betonersatzsysteme für waagerechte oder schwach geneigte Oberseiten bezeichnet. Parkflächen und Brückentafeln waren der Haupteinsatzbereich. Der Betonersatzmörtel oder -beton wurde frisch-in-frisch in eine Zementhaftbrücke eingearbeitet. In Ausnahmefällen kamen Epoxidharzbrücken zum Einsatz. Bei dem PCC II handelt es sich in den meisten Fällen um einen Betonersatzmörtel als Reparatursystem für senkrechte oder Überkopfflächen. Damit sollten kleinere Schadstellen, ggf. lagenweise, verschlossen werden. Die Mörtelsysteme waren standfest und gut spachtelbar. Eine hohlraumfreie Ummantelung des freigelegten Bewehrungsstahls konnte sicher ausgeführt werden. Grundsätzlich sind die möglichen Instandsetzungssysteme heute in den aktuellen Regelwerken reglementiert. Die Technische Regel Instandhaltung vom DIBT [2] in Verbindung mit der RiLi-SIB vom DAfStb [3] führt Betonersatzsysteme mit bekannter und unbekannter Zusammensetzung auf. Betonersatzsysteme mit bekannter Zusammensetzung sind: - Beton nach DIN EN 206/ DIN 1045-2 - Spritzbeton nach DIN EN 14487/ DIN 18551 - Vergussmörtel und Vergussbeton nach DAfStb-Richtlinie „Vergussbetonrichtlinie des DAfStb…“ Betonersatzsysteme mit unbekannter Zusammensetzung sind: - RC (Repair Concrete) Beton als Betonersatz im Handauftrag/ Betonierverfahren mit und ohne Kunstoffmodifizierung - RM (Repair Mortar) Mörtel als Betonersatz im Handauftrag/ Betonierverfahren mit und ohne Kunstoffmodifizierung - SRC (Sprayable Concrete) Spritzbarer Beton als Betonersatz mit und ohne Kunstoffmodifizierung - SRM (Sprayable Mortar) Spritzbarer Mörtel als Betonersatz mit und ohne Kunstoffmodifizierung - PRM (Polymer Repair Mortar) und - PRC (Polymer Repair Concrete) - Mischungen von reaktiven Polymerbindemitteln und abgestufte Gesteinskörnungen Bei den Betonersatzsystemen RM, RC, SRM und SRC ist der Einsatz mit statischer Relevanz als geprüftes R4-System nach EN 1504-3 möglich. In der Tabelle 3 „Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit für statisch und nicht statisch relevante Instandsetzungsprodukte“ der EN 1504-3 [4] sind die 12 Prüfkriterien für die Einstufung in die Klasse R4 aufgeführt. Durch diese Einstufungsmöglichkeit haben sich für Bauherren und Planer neue Instandsetzungsmöglichkeiten mit dünneren Schichtdicken gegenüber früheren Aufträgen mit Beton oder Spritzbeton ergeben. Auch die rechtliche Konformität ist nun bei Einsatz von geprüften Betonersatzsystemen abgesichert. Wichtig ist an dieser Stelle noch einmal hervorzuheben, dass eine Stahlbetonreparatur nur mit den zugelassenen Betonersatzsystemen zulässig ist. Eine Stahlbetoninstandsetzung mit Estrichsystemen oder ternären Ausgleichsmassen entspricht nicht den Vorgaben der TR-IH. Sogenannte „ternäre“- Estrich-Spezialbindemittel, bestehen ihrem Namen entsprechend aus einem Dreistoffgemisch (Portlandzement, Aluminatzement, Calciumsulfat) sowie weiteren Additiven und verfügen so über eine hohe kristalline Wasserbindung. Das Überschusswasser wird hierbei weitestgehend chemisch gebunden. [5] Ein alkalischer Schutz ist nicht gewährleistet und die ternären Ausgleichsmörtel sind häufig quellgefährdet gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Welche Anwendungen ergeben sich für die einsetzbaren Instandsetzungssysteme? Die Beantwortung dieser Frage ist abhängig vom Schädigungsgrad der Parkflächen. Bei hohem Schädigungsfortschritt inklusive korrodiertem und freiliegenden Stahl muss eine klassische Betoninstandsetzung nach Instandsetzungsprinzip 7.2 nach TR-IH erfolgen. 58 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? Bild 5: Instandsetzungsverfahren 7.2 (Quelle: TR IH) Hier ist der Bewehrungsstahl einzubetten und der fehlende Beton zu ersetzen. Dadurch kommt es wieder zum Alkalischen Korrosionsschutz als eine Anwendung. Bei Stahlbetondecken kann durch diese Reparaturarbeiten auch eine statische Ertüchtigung erreicht werden. Bild 6: Einbettung des Bewehrungsstahls mit hoch fließfähigen Instandsetzungsmörtel R4 (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Grundsätzlich werden anschließend die Bodenflächen mit einem Oberflächenschutzsystem überarbeitet. Eine Auswahl findet sich in der TR-IH, „Tabelle 12: Verwendung von Oberflächenschutzsystemen“. Ein tragfähiger Untergrund für Oberflächenschutzsysteme wäre eine weitere Anwendung. Verkehrsflächen unterliegen, besonders bei gewerblich genutzten Tiefgaragen und Parkhäusern, erhöhten mechanischen und chemischen Einflüssen. Eine gute Dauerhaftigkeit der gesamten Oberfläche wird nach einer Grundsanierung erwartet. Dazu gehören fugenlose Oberflächen, implementierte Verdunstungsrinnen oder/ und fachgerechte dauerhafte Abflusssysteme. Baudehnungsfugen aus dem Gebäude müssen in die Oberfläche als Fugensysteme integriert werden. Für einen langen Lebenszyklus sind weitestgehend fugenlose Oberflächen anzustreben. Bild 7: Fugenloser tragfähiger Untergrund für Oberflächenschutzsysteme (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Eine weitere Fragestellung bei der Planung von instand zu setzenden Parkflächen ist die Ausbildung von Gefälle. Eine Gefälleausbildung erhöht die Dauerhaftigkeit, kann aber auch für die Nutzung besonders im Winter von Bedeutung sein. Ist die Gefälleausbildung mit einem Betonersatzsystem zu realisieren, ergeben sich erhöhte handwerkliche Anforderungen an die Ausführung. Gleichzeitig ist die Ebenheit nach DIN 18202 [6] zu erfüllen. Bei der Gefälleausbildung ist eine enge Abstimmung zwischen Planer und Bauherr notwendig. Bei mangelhafter oder unzureichender Gefälleausbildung durch die Betonage der Parkflächen, können notwendige Flächenaufträge nachträglich mit Betonersatzsystemen ausgeführt werden. Wie schon oben beschrieben erfordert das einen entsprechend hohen handwerklichen Aufwand. Bild 8: Gefälleausbildung mit einem Betonersatzmörtel und implementierten Carbonmatten (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 59 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? Bild 9: Parkflächen mit Gefälleausbildung und mit integrierter Verdunstungsrinne (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Besonders aufwendig wird die Instandsetzung bei noch zusätzlicher KKS-Anwendung als Prinzip 10 aus der „Tabelle 6: Prinzipien und Verfahren zum Schutz oder zur Instandsetzung von Bewehrungskorrosion“ Die oben erwähnten ternären Systeme werden als Ersatz für aufwendige Ausgleichsspachtelarbeiten unter Oberflächenschutzsystemen verwendet. Für den Einsatz müssen die Bewehrungsüberdeckungen ausreichend gegeben sein und es dürfen keine Stahlbetonschäden vorliegen. 4. Fachgerechte Instandsetzung Eine fachgerechte Instandsetzung von Park- und Verkehrsflächen setzt eine detaillierte und genaue Untersuchung der quantitativen und qualitativen Schadensursachen voraus. Bild 10: Typisches Schadensbild nach mehrjähriger Nutzung ohne Oberflächenschutzsystem (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Das nachfolgende Instandsetzungskonzept basiert auf der Wiederherstellung der Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit. Dabei sind die Instandsetzungsprinzipien und - verfahren aus der TR-IH anzuwenden. Sanierungen bedürfen aber auch einer engen Abstimmung mit Auftraggeber und Nutzer der zu sanierenden Immobilen. Bei öffentlichen Gebäuden müssen Lösungen erarbeitet werden, die Stillstandzeiten minimieren. Oft sind Arbeiten in Teilabschnitten notwendig. Die notwendigen Schutzmaßnahmen, wie Staubschutzwände und Arbeitszeitverlagerungen, sind mit in das Sanierungskonzept einzuarbeiten. Wechselschaltungen zwischen Ein- und Ausfahrt ermöglichen einen weiteren störungsfreien Betrieb. Dadurch können Teilflächen durchgehend genutzt werden. Bild 11: Teilflächensanierung mit Wechselverkehr (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Bei der Untergrundvorbereitung müssen die Vorgaben zum Betonabtrag, Entfernen von chroridhaltigem Beton und das fachgerechte Freilegen des Bewehrungsstahls eingehalten werden. Bei nichtausreichender Betondeckung sind nach vorgegebener Entrostung (SA 2,0 früher SA 2,5) die Bewehrungsstähle mit einem zweifachen Korrosionsschutz zu schützen. Bei Aufträgen von mehr als 3 cm von Betonersatzsystemen kann auf den Korrosionsschutz verzichtet werden. Ein Abtrag des Betons kann durch Fräsen oder Höchstdruckwasserstrahlen erfolgen. Anschließend sind die zu reparierenden Flächen nachzureinigen, um einen optimalen Verbund zu sichern. Die zu erbringenden Nachweise der Oberflächenzugfestigkeit sind für Fachfirmen selbstverständlich. Bild 12: Untergrundvorbereitung mit Höchstdruckwasserstrahlen (Quelle: Repenning + Sohn Berlin) Die Betonersatzarbeiten können in Teilflächen oder vollflächig erfolgen. Das Einbetten von Rinnensystemen wird häufig separat nachfolgend ausgeführt, da in der Regel 60 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Was ist zulässig für eine flächige Betoninstandsetzung: PCC I, RM, R4-Mörtel, Estrich, Ausgleichsmörtel, KKS-Einbettmörtel oder Gefällebeton? kurze Gefälleflächen ausgebildet werden müssen. Ob das immer Zeitersparnis bringt und notwendig ist, muss jede Fachfirma für sich entscheiden. Bild 13: Teilflächeninstandsetzung (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Neben der Instandsetzung Ersatz von chroridhaltigen Betonflächen, können auch noch weitere Ursachen für eine flächige Reparatur notwendig werden. Da Risse immer eine Vorgeschichte haben, erhält die Ursachenermittlung bei der Schadensanalyse eine große Bedeutung. Um ein statisch bedingtes Rissbild zu verstehen, ist eine allumfassende Betrachtung des Bauwerkes mit Lage und äußeren Einwirkungen durchzuführen. Rückwärtige Durchfeuchtung, anstehende Grundwasser oder temporärer Wasserdruck auf eine Bodenplatte können schadensursächlich für Oberflächenrisse sein. Eine „normale Risssanierung“ und neue Ausbildung eines Oberflächenschutzsystems kann nach Jahren eine erneute Rissbildung hervorrufen. Hier ist eine statische Ertüchtigung an der Oberseite als Zugzone auszubilden. Moderne Carbonlösungen ermöglichen einen Auftrag mit moderaten Schichtdicken. Bild 14: Mit Carbonmatten sanierte Tiefgaragenflächen (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Eine Nachbehandlung der Betonersatzsysteme sichert eine hohe Dauerhaftigkeit, eine gleichmäßige Festigkeitsentwicklung bis zur Oberfläche und verhindert eine Schwindrissbildung. Die Nachbehandlung mit Folie hat sich als einfache Lösung bewährt. Dadurch ist auch die spätere Applikation eines Oberflächenschutzsystems unproblematisch. Bild 15: Nachbehandlung mit geeigneter Folie (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Mit welchem Oberflächenschutzsystem das Betonersatzsystem beschichtet wird, entscheidet der sachkundige Planer in Abstimmung mit dem Bauherrn. Neben der Dauerhaftigkeit können hier auch immer stärker Aspekte der Nachhaltigkeit einfließen. In der Praxis wird häufig auch Reparaturfähigkeit als Kriterium genannt. Grundsätzlich sind bei der Gesamtkostenbetrachtung einer Sanierungsmaßnahme auch die Nachfolgekosten zu berücksichtigen. Dabei sollten die laufenden Wartungskosten, ein möglicher Reparaturaufwand aber auch die gewünschte Nutzungsdauer berücksichtigt werden. Bild: 16: OS-8 System mit mineralischer Beschichtung (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Bild 17: Tiefgarage mit OS-8 System auf Harzbasis (Quelle: Saint-Gobain Weber GmbH) Literatur [1] ZTV-ING Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten [2] Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (TR IH) vom DIBT [3] Instandsetzungs-Richtlinie: 2001-10 vom DAfStb [4] DIN EN 1504-3 [5] euro-ten.de [6] DIN 18202