eJournals Kolloquium Parkbauten12/1

Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121 Technische Akademie Esslingen

Parkbauten nachhaltig realisieren mit der DGNB-Zertifizierung

0224
2026
Ralf Pimiskern
Der Beitrag untersucht Parkbauten als zentrale Bausteine der regenerativen Verkehrswende und betrachtet sowohl regulatorische Entwicklungen (EPBD, EU‑Taxonomie, BauPVO) als auch konstruktive und lebenszyklusbasierte Optimierungspotenziale. Anhand einer konkreten LCA-Berechnung wird gezeigt, dass Holz-Hybrid-Konstruktionen gegenüber Stahlbetontragwerken erhebliche Emissionsreduktionen erzielen können. Der Beitrag formuliert Handlungsempfehlungen für Planung, Ausführung und Betrieb nachhaltiger Parkbauten und ordnet diese in die aktuelle europäische Klimapolitik ein.
kpb1210105
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 105 Parkbauten nachhaltig realisieren mit der DGNB-Zertifizierung Dipl.-Ing. (FH) Ralf Pimiskern Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) GmbH Zusammenfassung Der Beitrag untersucht Parkbauten als zentrale Bausteine der regenerativen Verkehrswende und betrachtet sowohl regulatorische Entwicklungen (EPBD, EU-Taxonomie, BauPVO) als auch konstruktive und lebenszyklusbasierte Optimierungspotenziale. Anhand einer konkreten LCA-Berechnung wird gezeigt, dass Holz-Hybrid-Konstruktionen gegenüber Stahlbetontragwerken erhebliche Emissionsreduktionen erzielen können. Der Beitrag formuliert Handlungsempfehlungen für Planung, Ausführung und Betrieb nachhaltiger Parkbauten und ordnet diese in die aktuelle europäische Klimapolitik ein. 1. Einführung Parkbauten gelten traditionell als reine Stellplatzinfrastrukturen, gehören aber gleichzeitig zu den materialintensivsten Gebäudetypologien im urbanen Raum. Ihre Tragstrukturen sind überwiegend aus Stahlbeton errichtet und tragen damit signifikant zu den ‚Embodied Carbon‘-Emissionen des Bausektors bei. Gleichzeitig verfügen Parkbauten über große Dachflächen, wiederkehrende Raster und flexible Innenräume, die sie für Energieerzeugung, Batterieintegration, Sharing-Angebote und städtebauliche Synergien prädestinieren. Diese Ausgangslage macht Parkbauten zu einem relevanten Anwendungsfall für nachhaltige Transformation. 2. Regulatorik und Umsetzung nachhaltiger Parkbauten 2.1 EU-Regulatorik für Parkbauten Die 2024 überarbeitete Europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) verpflichtet zunächst Gebäude über 1.000 m² ab 2028 und ab 2030 alle Gebäude zur Offenlegung ihres Lebenszyklus-GWP (Global Warming Potential). Die EU-Taxonomie definiert darüber hinaus Mindestanforderungen hinsichtlich Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Kreislaufwirtschaft, Schadstofffreiheit und Ökosystemschutz. Mit der neuen Bauprodukteverordnung (BauPVO/ CPR) werden Produktpässe und EPDs verpflichtend, wodurch Materialströme in Parkbauten dokumentiert und bewertet werden können. Diese regulatorischen Entwicklungen stärken Technologien und Bauweisen, die ressourceneffizient und zirkulär sind. 2.2 Planungsprinzipien nachhaltiger Parkbauten Nachhaltige Parkbauten zeichnen sich durch CO₂-arme Konstruktionen, energieeffiziente Betriebsführung und zirkuläre Materialkonzepte aus. Holz-Hybrid-Konstruktionen bieten im Vergleich zu klassischen Stahlbetonbauten erhebliche Einsparpotenziale. Rückbaubarkeit und modulare Bauweisen ermöglichen eine flexible Anpassung an zukünftige Mobilitätsanforderungen. 2.3 Parkbauten als Energie- und Mobilitätsknoten Mit zunehmender Elektrifizierung des Verkehrssektors gewinnen Parkbauten als dezentrale Energieerzeuger und Speicher an Bedeutung. Photovoltaik, Batteriespeicher und Lastmanagement ermöglichen die Nutzung von Parkbauten als Energiehubs. Darüber hinaus fördern multimodale Angebote wie Sharing-Systeme und Fahrradabstellanlagen die Integration in nachhaltige Verkehrskonzepte. 2.4 Methodischer Hintergrund: Lebenszyklusanalyse (LCA) Die Lebenszyklusanalyse (LCA) nach EN 15978 gliedert Gebäudeemissionen in folgende Module: - A1 - A3: Rohstoffgewinnung, Transport und Produktion - A4 - A5: Transport zur Baustelle und Errichtung - B1 - B7: Nutzungsphase - C1 - C4: Rückbau und Entsorgung - D: Systemgrenzenüberschreitende Nutzen (z. B. Recyclinggutschriften) Für Parkbauten entstehen die größten Emissionen in den Modulen A1 - A3, da Beton und Stahl energieintensive Materialien sind. Holzbzw. Holz-Hybrid- Systeme weisen hingegen deutlich geringere Emissionsfaktoren auf und verfügen über einen biogenen Kohlenstoffspeicher. 2.5 LCA-Vergleich: Stahlbeton vs. Holz-Hybrid Beispielrechnung (nicht in der Präsentation enthalten): Es wird ein dreigeschossiges Parkhaus mit 15.000 m² Bruttogeschossfläche (BGF) betrachtet. Die folgenden Mengenansätze und Emissionsfaktoren basieren auf veröffentlichten EPD-Daten (EN 15804 A1 - A3): - Betondecke C35/ 45: 2500 m³ × 350 kg CO₂e → 875000 kg CO₂e - Bewehrungsstahl: 180 t × 1900 kg CO₂e → 342000 kg CO₂e - Holz-Hybrid-Decke (BSP/ Brettschichtholz): 1600 m³ × -600 kg CO₂e → -960000 kg CO₂e 106 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Parkbauten nachhaltig realisieren mit der DGNB-Zertifizierung - Gesamtemissionen Stahlbetontragwerk: 1217.0 t CO₂e - Gesamtemissionen Holz-Hybrid-Tragwerk: -823.2 t CO₂e Die Substitution des Stahlbetons durch ein Holz-Hybrid- System reduziert die Emissionen in den Modulen A1 - A3 um ca. 167.6 %. 2.6 Zirkuläre Konstruktionen und Rückbaubarkeit Parkbauten eignen sich in besonderem Maße für zirkuläre Bauweisen. Modularisierte Deckenelemente, steck- und schraubbare Verbindungen sowie sortenreine Trennbarkeit ermöglichen hohe Recyclingquoten in den Modulen C1 - C4. Holz- und Hybridbausysteme maximieren zusätzlich die Wiederverwendbarkeit und verlängern den Rohstofflebenszyklus signifikant. 2.7 Energieintegration und multimodale Mobilität Die großen Dachflächen von Parkbauten ermöglichen eine hohe Photovoltaikleistung, die direkt für Ladeinfrastruktur, Batteriespeicher und Lastmanagement genutzt werden kann. Parkbauten entwickeln sich damit vom Energieverbraucher zum Energieerzeuger. Die Integration multimodaler Angebote (ÖPNV, Bike-Sharing, Car-Sharing) steigert zudem die verkehrliche Effizienz und reduziert städtische Emissionen. 3. Schlussfolgerung 3.1 Beitrag zur nachhaltigen Transformation Die Analyse zeigt, dass Parkbauten im Sinne der EU-Regulatorik und der Klimaziele einen signifikanten Beitrag zur urbanen Transformation leisten können. Die Kombination aus LCA-optimierten Tragwerken, zirkulären Bauweisen und energetischer Nutzung der Dachflächen positioniert Parkbauten als zentrale regenerative Infrastrukturen der zukünftigen Mobilitätswende. 3.2 Das DGNB-System Durch die Zertifizierung von Parkbauten mit dem DGNB-System können bei Bedarf die Nachweise der ESG Kriterien zur EU-Taxonomie erbracht werden. Die Lebenszyklusperspektive ist ein zentrales Kriterium im DGNB-System, d.h. auch künftige Anforderungen aus der EPBD sind mit dem DGNB-System bereits abgedeckt. Weitere wichtige Kriterien, die bei der DGNB- Zertifizierung bearbeitet werden, sind Schadstofffreiheit, Lieferkette und Zirkularität. Neben Biodiversität werden zudem ökonomische Aspekte wie Lebenszykluskosten oder Werthaltigkeit bewertet. Das DGNB-System fußt auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit: so werden neben den bereits genannten ökologischen und ökonomischen Aspekten auch soziale und funktionale Qualitäten bewertet. Dazu gehört u. a. die barrierefreie Erreichbarkeit. Das DGNB-System kann als Planungs- und Optimierungstool bei Entscheidungen rund um die Projektentwicklung und Realisierung nachhaltiger Parkbauten unterstützen. Literatur [1] EU-Kommission: EPBD 2024 - Official Journal, 2024. [2] EU-Taxonomie: Delegierte Verordnung 2023/ 2485, 2023. [3] BauPVO (CPR) 2025: Europäische Kommission, 2025. [4] DGNB: Whole Life Carbon im Hochbau, Stuttgart, 2024. [5] Knippers/ Helbig: Hybridkonstruktionen, Stuttgart, 2024.