Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
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2026
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Technische Akademie EsslingenBetoninstandsetzung einer Tiefgarage – und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit?
0224
2026
Bernd Beer
kpb1210191
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 191 Bild 3 Bild 4 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Dipl.-Ing. (FH) Bernd Beer AMP Parking Europe GmbH, Karlsruhe Die meisten Parkhäuser und Tiefgaragen, bei denen aktuell eine Betoninstandsetzung ansteht, stammen noch aus den 60er, 70er und 80er Jahren und hatten meist weder ein Gefälle noch einen Oberflächenschutz. Chloride und Karbonatisierung haben ihnen im Laufe der Jahre mehr oder weniger stark zugesetzt und in der Regel steht dann das volle Programm der Instandsetzungstechnik vor der Tür, so beispielsweise auch bei der Parkgarage Zentrum/ Schloss in Ettlingen bei Karlsruhe. Die 2-geschossige Tiefgarage mit bisher rund 400 Stellplätzen wurde im Jahre 1976 errichtet. 2004 wechselte der Besitzer von der Stadt Ettlingen zur Sparkasse Ettlingen und nach der Fusion dann schließlich zur Sparkasse Karlsruhe. Letztere stand nun vor der Aufgabe, eine längst überfällige umfangreiche Betoninstandsetzung nebst großflächiger Erhöhung der Betondeckung und vollständiger Erneuerung der technischen Anlagen durchzuführen. Nach erfolgter Betoninstandsetzung wurde auf der Zwischendecke ein Oberflächenschutzsystem OS 10 aufgetragen und auf der Bodenplatte OS 8. Auf den Deckenunterseiten, Wänden und Stützen wurde die Betonüberdeckung mit Spritzmörtel erhöht und anschließend ein Oberflächenschutzsystem OS 4 aufgetragen. Schließlich wurden auf der Grundlage eines neuen Brandschutzkonzeptes die Elektroinstallationen, die Lüftung und die Feuerlöschanlagen erneuert. Aber neben der reinen Pflichtaufgabe stellte sich auch die Frage, was man im Zusammenhang mit der Betoninstandsetzung auch zur Erhöhung der Kundenfreundlichkeit tun könnte und natürlich stand da das Thema Stellplatzbreite als erstes auf dem Programm. Zwar war trotz mehrgeschossiger Überbauungen u.a. durch ein Kaufhaus von Anfang an ein kundenfreundliches stützenfreies Tragwerk ausgeführt worden, aber die Stellplätze waren, wie damals üblich, leider nur 2,30 m breit. Bei einem 1,90 m breiten Fahrzeug bleiben zwischen zwei Fahrzeugen nur 40 cm Zwischenraum, von denen rund 25 cm von der Tür selbst in Anspruch genommen werden. Daher wurde entschieden, die Stellplatzbreite, trotz der daraus resultierenden Verringerung der Stellplatzzahl auf 320 St., auf 2,50 m zu erhöhen. Durch die stützenfreie Konstruktion brauchte man dafür nur die ohnehin zu erneuernden Bodenmarkierungen anpassen. (Bilder 1 - 4) Bild 1 Bild 2 192 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Bild 5 Aufgrund der Überbauung mit verschiedenen Gebäuden unterschiedlicher Bauherren hat die Tiefgarage außerdem einen sehr unübersichtlichen Grundriss. Im Grunde besteht dieser aus zwei separaten Garagenkörpern, die an einer Stelle miteinander verbunden sind. Daher bot es sich an, die Garagennutzer mit einem Leitsystem zu den freien Stellplätzen zu führen. Dies wurde durch eine kamerabasierte Einzelplatzüberwachung realisiert. Ergänzt wurde diese Maßnahme durch beleuchtete Hinweistransparente in unterschiedlichem design für fahrende und gehende Besucher. (Bilder 5 - 9) Bild 6 Bild 7 Bild 8 Bild 9 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 193 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Bild 10 Bild 11 Bild 12 Bild 13 Die Parkhausabfertigung wurde ebenfalls modernisiert und erfolgt seit der ersten Teileröffnung im November 2023 ticketlos über Kennzeichenerkennung. Auf diese Weise konnten die Schranken so positioniert werden, dass, im Gegensatz zu früher, nun auch eine Wiederholeinfahrt möglich ist, falls man im ersten Anlauf keinen passenden Parkplatz gefunden haben sollte. (Bilder 10 - 14) Bild 14 194 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Bild 15 Bild 16 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 195 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Darüber hinaus wurde durch ein neues Farbkonzept auch die Orientierung für Fußgänger erheblich verbessert. Die Ausgänge, auf die jetzt durch Fußbodenmarkierungen und innenbeleuchtete Hinweistransparente hingewiesen wird, wurden farblich hervorgehoben und die zwei unterschiedlichen Garagenkörper mit unterschiedlichen Leitfarben gestaltet. (Bilder 15 - 17) Bild 17 Schließlich wurden an allen Publikumstüren Feststellanlagen eingebaut, welche die Türen ständig offenhalten und nur im Brandfall automatisch schließen. Dadurch müssen die schweren Türen nicht mehr von Hand geöffnet werden, was insbesondere bei Schleusen mit zwei kurz hintereinanderliegenden Türen oft sehr umständlich ist. (Bilder 18 - 19) Bild 18 Bild 19 196 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Die Aufzugvorräume waren für Menschen mit Mobilitäteinschränkungen viel zu eng und mit Installationen vollgepackt. Diese wurden baulich vergrößert und mit Festverglasungen kundenfreundlich und transparent gestaltet. Die Installationen wurden im Trockenbau verkleidet. (Bilder 20 - 24) Bild 20 Bild 21 Bild 22 Bild 23 + 24 Alle Treppenhäuser, die zuvor komplett unterschiedliche Bodenbeläge aufweisen, erhielten einen einheitlichen Fliesenbelag. (Bilder 25 - 33) Bild 25 Bild 26 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 197 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Bild 27 Bild 28 Bild 29 Bild 30 Bild 31 Bild 32 Bild 33 198 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Betoninstandsetzung einer Tiefgarage - und was ist mit der Benutzerfreundlichkeit? Und schließlich wurden die teilweise chaotischen Installationen geordnet und in der jeweiligen Hintergrundfarbe gestrichen, so dass diese optisch weniger in Erscheinung treten. (Bilder 34 - 36) Bild 34 Bild 35 Bild 36 Im Ergebnis konnte die Kundenfreundlichkeit der Parkgarage im Rahmen einer millionenschweren Betoninstandsetzung durch genaues Hinsehen mit vergleichsweise geringen Mehrkosten signifikant gesteigert werden.
