Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121
Technische Akademie EsslingenHerausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkgaragen und Ladeinfrastruktur
0224
2026
Theo Grünewald
Die Herausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkbauten sind nicht die Häufigkeit von Bränden dieser Fahrzeuge. Die Herausforderungen bestehen in Form von hohen Temperaturen, dem Brandverlauf und der Freisetzung von Gefahrstoffen. Diese Herausforderungen können jedoch in der Planung neuer Parkbauten sowie bei der Ertüchtigung bestehender Parkbauten berücksichtigt und angemessen bewertet werden. Für jedes Konzept muss individuell die Gefahr benannt und bewertet werden. Aus dieser Bewertung können dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden.
kpb1210223
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 223 Herausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkgaragen und Ladeinfrastruktur Theo Grünewald, M. Eng. VB-Grünewald, Kaiserslautern Zusammenfassung Die Herausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkbauten sind nicht die Häufigkeit von Bränden dieser Fahrzeuge. Die Herausforderungen bestehen in Form von hohen Temperaturen, dem Brandverlauf und der Freisetzung von Gefahrstoffen. Diese Herausforderungen können jedoch in der Planung neuer Parkbauten sowie bei der Ertüchtigung bestehender Parkbauten berücksichtigt und angemessen bewertet werden. Für jedes Konzept muss individuell die Gefahr benannt und bewertet werden. Aus dieser Bewertung können dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden. 1. Grundlagen Parkbauten Rechtlich sind Parkbauten, in den jeweiligen Landesbauordnungen, als Sonderbauten eingeordnet. In den VVTB`s der Bundesländer ist meist die Muster-Garagenverordnung benannt. Des Weiteren sind die Forderungen des Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz einzuhalten. Grundlegend sind ebenfalls die Konkretisierungen in Normen, die Betriebssicherheitsverordnung, zutreffende VDE-Vorschriften sowie die Vorgaben der Versicherer (GDV, VdS). 2. E-Fahrzeug Brand Grundsätzlich ist die Brandhäufigkeit bei E-Fahrzeugen nicht relevant höher als bei herkömmlichen Antrieben mit Verbrennermotoren [2]. Nach den Schadenserfahrungen passieren die Meisten Brandereignisse mit E-Fahrzeugen aber beim Ladevorgang oder kurz danach bzw. bei einem Schaden am Akku. Die Problematik liegt wohl eher im Verlauf diese Brände. Während bei Verbrenner Bränden die Temperaturen bei 800 - 1000 °C liegen und es ca. 20 min bis zu einem Vollbrand dauert, ist es beim Brand von E-Fahrzeugen ein anderer Verlauf. Hier werden Temperaturen bis 1200 °C erreicht (punktuell bis 1500 °C) und das für mehrere Stunden. Beim Brand von Verbrennern entstehen CO, CO 2 , Nox sowie unverbrannte Kohlenwasserstoffe (Ruß). Bei E-Fahrzeugen sind es zusätzlich CO, CO 2 , HF (Flusssäure), P- F-, Li-Verbindungen, metallische Aerosole (Nickel, Kobalt, Mangan) welche teilweise giftiger als die Verbrennungsprodukte bei einem herkömmlichen KFZ sind. Jedoch sind die Brände und der Ablauf eines E-Fahrzeugbrandes sehr stark vom Ladestand des Akkus abhängig [1]. Es gibt keine aussagefähigen Statistiken, welche die Ursachen von E-Fahrzeug Bränden genauer aufschlüsseln würde, jedoch brennen diese Fahrzeuge häufiger beim Laden oder kurz nach dem Laden, bzw. bei einem Schaden am Akku. Was einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Brand hat sind die genannten, wesentlich höheren Temperaturen und die lange Einwirkdauer auf das Gebäude. Hier kann es zu statisch relevanten Schäden am Gebäude kommen. 3. Brandverlauf und Folgen Der Brandverlauf eines E-Fahrzeugs weicht also vom Verlauf eines Verbrenners ab. Erschwerend kommt hinzu, dass kein wirksames Schaummittel zur Verfügung steht, nur ein Löschmittelzusatz, welcher die Kühlwirkung verbessert. Die hohen Wärmemengen müssen effektiv abgeführt werden, um Schäden am Gebäude zu vermeiden (Stahlbeton oder Stahl). Die Entrauchung muss das sichere Verlassen des Gebäudes für anwesende Personen gewährleisten und eine sichere Brandbekämpfung ermöglichen. Nach einem Brand sind oftmals die Dekontamination und die Folgeschäden durch Löschwasser zu beklagen. Nicht selten kommt es daher zu einer längeren Sperrung eins Parkbaues (Betriebsunterbrechung, Ausfallkosten). 4. Planung von Parkbauten Wichtige Fragen, die man bei der Planung stellen muss, sei es bei einem Neubau, einer Sanierung oder einem Auf bau eine Ladeinfrastruktur, sind die Abstände zu benachbarten Fahrzeugen, sowie eine sichere Entrauchung und Wärmeableitung. Der Brandschutz, der Statiker und der Versicherer sind meiner Meinung nach bei diesen Planungen unbedingt mit einzubeziehen. Wenn bei einem solchen Brand ein E-Fahrzeug geborgen werden muss, stellt sich die Frage, wie dies möglich ist. Es ist also ein individuelles Konzept für die bauliche Anlage zu entwickeln. In diesem Konzept müssen die grundlegenden Anforderungen an baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutz sichergestellt werden [3]. Das Einbeziehen des Versicherers kann vor unliebsamen Folgekosten schützen. Für einen sicheren Parkbau für E-Fahrzeuge ist es also wichtig, dass die grundlegenden Anforderungen des baulichen Brandschutzes beachtet werden. Hier können in der Planungsphase (für Neubauten oder Bestandsbauten Sanierung) die richtigen Weichen gestellt werden, um den Parkbau für den Gefahrfall sicher auszuführen und die Kosten für die Errichtung, Ertüchtigung und den laufenden Betrieb, im Blick zu haben. 224 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Herausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkgaragen und Ladeinfrastruktur 5. Laufender Betrieb Der laufend Betrieb beinhaltet die gesetzlichen Verpflichtungen für die Wartung, Prüfung und Instandhaltung der baulichen Anlage und deren Ausrüstung, also auch der Ladeinfrastruktur. Es ist vorteilhaft die Feuerwehr einzuladen zu einer Begehung oder sogar eine Übung, um die Ortskenntnis im Brandfall zu verbessern. Eine Früherkennung von Bränden hilft Schäden zu verringern. Für die Räumung des Gebäudes muss eine praktikable Räumungsplanung vorliegen, welche auch in der Praxis zu testen ist. Stellen Sie auch sicher, dass die Löschwasserversorgung zu jeder Zeit gewährleistet ist und die Feuerwehr Zugang zu allen Bereichen hat. Sollten Aufzugsanlagen vorhanden sein müssen auch diese in die Planung mit einbezogen werden. Insgesamt sind nach einen E-Fahrzeugbrand die Kosten für Betriebsausfall und Betriebsunterbrechung um einiges höher einzuschätzen. Dies auch auf Grund der vorhandenen Unsicherheit mit den neuen Technologien. Es stellt sich immer die Frage, inwieweit Einschränkungen für Ladestationen sinnvoll sind. Denn es gibt keine grundsätzliche Beschränkung beim Parken, man kann ein E-Fahrzeug auf jedem beliebigen Parkplatz abstellen. 6. Forschung Die Forschung, und hier möchte ich nur beispielhaft die TH Aschaffenburg nennen, hat wichtige Grundlagen geliefert, wie mit Energiesystem umzugehen ist. Im Brandfall, im Schadenfall und beim Transport. Durch die gewonnenen Erkenntnisse kann man die Planung und den Betrieb von Parkbauten sicherer gestalten. Diese Technologie wird sich weiterentwickeln und die Forschung zum Thema Brandschutz wird diese Anlagen sicherer machen. Dies wird die Schutzkonzepte für Parkbauten positiv beeinflussen. 7. Fazit, Ausblick Die Herausforderungen beim Parken von E-Fahrzeugen in Parkbauten sind nicht die Häufigkeit von Bränden dieser Fahrzeuge. Die Herausforderungen bestehen in Form von hohen Temperaturen, dem Brandverlauf und der Freisetzung von Gefahrstoffen. Diese Herausforderungen können jedoch in der Planung neuer Parkbauten sowie bei der Ertüchtigung bestehender Parkbauten berücksichtigt und angemessen bewertet werden. Für jedes Konzept muss individuell die Gefahr benannt und bewertet werden. Aus dieser Bewertung können dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden. Literatur [1] TU Aschaffenburg (R. Mann) https: / / www.th-ab. de/ hochschule/ organisation/ organisationseinheiten/ labor-fuer-regenerative-elektrische-energiesysteme/ - Stand: 17.11.2025 [2] GDV Gesamtverband der Versicherer https: / / www. gdv.de/ gdv/ medien/ medieninformationen/ e-autosin-tiefgaragen-keine-erhoehte-brandgefahr-feststellbar-66230 - Stand 17.11.2025 [3] AGBF Bund, Deutscher Feuerwehrverband - https: / / www.feuerwehrverband.de/ app/ uploads/ 2020/ 05/ 2018-01_Fachempfehlung_Risikoeinschaetzung- Lithium-Ionen-Speichermedien.pdf - Stand 17.11.2025
