Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121
Technische Akademie EsslingenBaulicher Brandschutz im Neubau und Bestand – Probleme bei Abschottungen von Installationen
0224
2026
Andreas Sonnenschein
Bei vielen Neu- und Bestandsparkbauten gibt es immer wieder Probleme mit der fach- und sachgerechten Ausführung von brandschutztechnischen Abschottungen der verschiedensten Installationen im Gebäude. Mangelhafte, falsche oder gar fehlende Brandabschottungen können im Schadensfalle zu erheblichen Schäden führen, die vermeidbar wären. Von daher möchte dieser Vortrag auf die wichtige Bedeutung und auf die Möglichkeiten in diesem Bereich hinweisen.
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12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 225 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- Andreas Sonnenschein Sachverständiger für baulichen Brandschutz, Leonhard Weiss GmbH & Co. KG- Einführung- Bei vielen Neu- und Bestandsparkbauten gibt es immer wieder Probleme-mit der fach- und sachgerechten Ausführung von brandschutztechnischen Abschottungen-der verschiedensten Installationen im Gebäude. Mangelhafte, falsche oder gar fehlende Brandabschottungen können im Schadensfalle zu erheblichen Schäden führen, die vermeidbar wären. Von daher möchte dieser Vortrag auf die wichtige Bedeutung und auf die Möglichkeiten in diesem Bereich hinweisen. - Probleme bei Abschottungen von Installationen- „Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss! “ Oberverwaltungsgericht Münster, 10 A 363/ 86 vom 11.12.1987. Foto: Andreas Sonnenschein Was ist baulicher Brandschutz: Baulicher Brandschutz umfasst-alle baulichen Maßnahmen, die Brände verhindern, ihre Ausbreitung verzögern und Menschen und Tiere im Brandfall retten sollen.-Dazu gehören die Unterteilung von Gebäuden in Brandabschnitte mittels feuerbeständiger Wände und Türen, die Verwendung geeigneter Baustoffe sowie die Sicherstellung von rauchfreien Flucht- und Rettungswegen.- - Brandschutzwände/ Decken - Brandschutztüren - Brandabschottungen - Brandschutzklappen - Löschanlagen - Notlicht - Brandabschnitte - Funktionserhalt - etc. Gesetzliche Grundlagen Für Tiefgaragen sind insbesondere die Anforderungen an den Brandschutz von Bedeutung, die in der Muster- Garagenverordnung beschrieben sind. Diese zielen darauf ab, die Entstehung und die Ausbreitung von Bränden zu verhindern, wirksame Löscharbeiten zu ermöglichen sowie Mensch und Tier zu retten. Brandrisiken in Tiefgaragen Tiefgaragen sind aus vielerlei Gründen brandgefährdet: • Fahrzeuge: Sie enthalten brennbare Materialien und Kraftstoffe. • Elektrische Anlagen: Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge, Beleuchtung und andere elektrische Installationen können Brände verursachen. • Bauliche Besonderheiten: Enge Zufahrten und begrenzte Fluchtwege erschweren bei einem Brand die Rettung und Brandbekämpfung. 226 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- Aus diesen Brandrisiken ergeben sich u. a. die Anforderungen an den Brandschutz. Bauliche Anforderungen Die-MBO-legt fest, dass Tiefgaragen so zu gestalten sind, dass der Ausbreitung von Feuer und Rauch wirksam entgegengewirkt wird. Wichtige bauliche Maßnahmen umfassen unter anderem: • Wände, Pfeiler und Decken: Sie müssen feuerbeständig sein; das heißt, sie müssen einem Feuer mindestens 90 Minuten standhalten können. • Bekleidungen und Dämmschichten an Wänden, Pfeilern sowie unter Decken und Dächern müssen bei Großgaragen aus nichtbrennbaren und bei Mittelgaragen aus mindestens schwerentflammbaren Baustoffen bestehen. • Trennwände zu anderen Räumen müssen in unterirdischen Garagen feuerbeständig sein und aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. • Rauchabzugsanlagen: Sie sollen bei geschlossenen Großgaragen bei einem Brand eine effektive Rauchabführung sicherstellen, um Sicht und Atmungsbedingungen für die Rettungskräfte zu verbessern. • Türen und Tore, die als Feuerschutzabschlüsse dienen, müssen selbstschließend und in der Regel mind. feuerhemmend (T30) sein. • Türen zu Schleusen müssen dichtschließend sein. • Die Schleusentüren zum Treppenraum müssen rauchdicht und selbstschließend sein. Die Schleuse muss mindestens drei Meter lang sein. Türen zu anderen Räumen, zum Beispiel Lagerräumen, müssen mindestens feuerhemmend, rauchdicht und selbstschließend sein. Der §14 der Musterbauordnung sagt hier eindeutig: Baulichen Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren, sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. In der MBO, bzw. den jeweiligen Landesbauordnungen sind die Vorgehensweisen und die entsprechenden Maßnahmen im baulichen Brandschutz klar geregelt und müssen als solches konsequent umgesetzt werden. Eine Nichteinhaltung dieser wichtigen Maßnahmen können im Schadensfalle erhebliche Schäden bei Menschen und an dem Gebäude bedeuten. In vielen Tiefgaren befinden sich stellenweise sehr komplexe Installationen, die im Schadensfalle zu einer erheblichen Brand- und Rauchweiterleitungen führen können. Allein durch die weiträumige Elektroinstallationen gibt es das Problem der Brandweiterleitung auf den Kabeltrassen, sowie das brennende Abtropfen der Kabelmäntel und eine hohe Rauchkonzentration der verschiedenen Kunststoffanteile (1 kg Kabelkunststoff = ca. 2800 qm hochgiftigen Qualm). Installationen in einer Tiefgarage (Fotos Andreas Sonnenschein) Bei einem Brand entstehen extreme Hitzeeinwirkungen die nicht nur an der Bausubstanz erhebliche Schäden verursachen können. Durch Fehlerhafte oder fehlende Abschottungsmaßnahmen kommt es u. a. auch zu einer Rauchweiterleitung in verschiedene Brandabschnitte, welche im Schadensfalle auch zu weitreichenden negativen Ereignissen führen kann. Erhebliche Schäden nach einem Brand (Fotos Andreas Sonnenschein) 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 227 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- Fehlende oder geöffnete Abschottungen im Neubau und Bestand Abgetrennte Kabel in einer Brandwand Nicht verschlossene Durchführungen in einer Brandwand Zerstörte Abschottungen Falsch montierte Abschottungen (Fotos Andreas Sonnenschein) Durch das Fehlen von entsprechenden zulassungskonformen Abschottungen der Kabelanlagen ist hier im Schadensfalle mit einer erheblichen Brandweiterleitung in abgetrennte Brandabschnitte zu rechnen. Auch abgeschnittene Kabelanlagen innerhalb von Brandabschnitte erhöhen die Gefahr einer Brandweiterleiten um ein Vielfaches. Der Verbau von zugelassenen Brandabschottungen ist durch zertifizierte Fachunternehmen durchzuführen und mit einer entsprechenden Übereinstimmungserklärung und Herstellerzulassung zu bestätigen. Wenn bestehende Abschottungen durch z. B. Nachinstallationen geöffnet werden, müssen diese umgehend wieder zulassungskonform verschlossen werden. Wer das Schott öffnet, übernimmt die Gewährleistung dafür uns ist somit in der Pflicht für den sofortigen Verschluss der Öffnung Sorge zu tragen. Auch sollte die Abnahme der entsprechenden Leistungen durch entsprechend geschulten und zertifizierten Personals erfolgen, um evtl. Missstände sofort anzuzeigen. Welche Abschottungssysteme soll man einsetzen? Bei der Auswahl der nötigen Abschottungssysteme ist neben den gesetzlichen Anforderungen auch die entsprechende Einsatzmöglichkeit innerhalb des Gebäudes zu prüfen und zu beachten. Abschottungssysteme dürfen nur mit entsprechender und gültiger Zulassung des jeweiligen Herstellers eingebaut werden. • ist das jeweilige Abschottungssystem für die entsprechenden Installationen zugelassen? • Ggf. ist auch das Thema Luftfeuchtigkeit bei der Auswahl der Schottsysteme zu beachten • eine max. Belegung von 60 % ist zu beachten (Ausnahme bei bestimmten Systemanbietern z. B. Kabelboxen) • Einbau nur durch zertifizierte Fachunternehmen (z. B. Kombiabschottungen gilt Schulungspflicht durch den Hersteller) Man sollte grundsätzlich auch vorher prüfen, ob man ggf. Abschottungen benötigt, die eine Nachinstallation möglich machen. Viele Hersteller bieten genügend Möglichkeiten an, um die entsprechenden baulichen Situationen vor Ort zulassungskonform und nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben fachgerecht zu verschließen. Das sollte hier immer vorweg durch entsprechendes Fachpersonal/ Brandschutzsachverständige, geklärt und festgelegt werden. Bei der Auswahl der nötigen Abschottungssysteme ist neben den gesetzlichen Anforderungen auch die entsprechende Einsatzmöglichkeit innerhalb des Gebäudes zu prüfen und zu beachten. Abschottungssysteme dürfen nur mit entsprechender und gültiger Zulassung des jeweiligen Herstellers eingebaut werden. • Ist das jeweilige Abschottungssystem für die entsprechenden Installationen zugelassen? • Ggf. ist auch das Thema Luftfeuchtigkeit bei der Auswahl der Schottsysteme zu beachten. 228 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- • Eine max. Belegung von 60 % ist zu beachten (Ausnahme bei bestimmten Systemanbietern z. B. Kabelboxen). • Einbau nur durch zertifizierte Fachunternehmen (z. B. Kombiabschottungen gilt Schulungspflicht durch den Hersteller) Weich/ Kombiabschottungen Mörtel/ Kombiabschottungen Brandschutzboxen Rohrdurchführungen Viele Hersteller in Deutschland haben entsprechende zugelassene Systeme, um die bestehenden Bedürfnisse im Abschottungsbereich abzudecken. Wand und Deckendurchführungen sind von den Installationen im Vorfeld so zu prüfen, dass eine geeignete Maßnahme durchgeführt werden kann und ein Verbau nach den aktuellen Hersteller- und Zulassungsbedingungen erfolgen kann. Gerade im Bestandbau kann es aufgrund von fehlender Prüfung zu entsprechenden Problemen kommen, so dass oft die getroffenen Maßnahmen unzureichend oder gar falsch sind, was im Schadensfalle fatale und weitreichende Folgen haben kann. Bestandsabschottungen dürfen nur mit dem Material wieder verschlossen werden, welches auf den Schottschilder gekennzeichnet ist. Fehlende Kennzeichnungsschilder bedeuten, dass man die bestehenden Abschottungen entsprechend neu herstellen muss, Eine Vermischung von verschiedenen Herstellermaterialien ist verboten. Dies kann im Schadensfall dazu führen, dass das eigentliche Schutzziel nicht erreicht wird, und die Maßnahme versagen kann. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 229 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- Abschottungen in der Praxis Weichabschottungen in der Wand für die Brandlastkapselung von Rohrleitungen Mörtel-Deckenabschottungen für verschiedene Installationen Brandverhalten von Abschottungsmaßnahmen nach einem Brandversuch Brandschutz geht uns ALLE an! Praktische Tipps Regelmäßige Begehungen: Führen Sie regelmäßige Begehungen der Tiefgarage durch, um Mängel rechtzeitig zu erkennen und zu beheben. Dokumentation: Halten Sie alle Prüfungen, Wartungen und Schulungen schriftlich fest, um im Ernstfall einen lückenlosen Nachweis führen zu können. Zusammenarbeit mit Brandschutzexperten: Ziehen Sie bei komplexen Fragen oder Unsicherheiten immer einen Brandschutzsachverständigen hinzu. Sicherheitskonzepte für Ladeinfrastruktur: Stellen Sie sicher, dass die Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge fachgerecht installiert und gewartet werden. Entwickeln Sie Notfallpläne für einen Batteriebrand. Sichten Sie alle Genehmigungsunterlagen: Es gilt immer die aktuelle Baugenehmigung gegebenenfalls in Verbindung mit einem Brandschutzkonzept. 230 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Baulicher Brandschutz im Neubau und Bestand-- Probleme bei Abschottungen von Installationen- Fazit Der Brandschutz in Tiefgaragen ist eine komplexe und vielschichtige Aufgabe, die bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen erfordert. Die Musterbauordnung bietet dafür eine solide Grundlage. Mit ihr lassen sich Brandschutzkonzepte entwickeln und umsetzen. Dabei bringt die Integration von Elektrofahrzeugen und deren Ladeinfrastruktur zusätzliche Herausforderungen. Hier gilt es, sorgfältig zu planen. Brandschutz ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein Prozess, der Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert. Regelmäßige Wartung, Schulung und Überprüfung gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit. Betreiber tragen dabei eine große Verantwortung, da sie für die Sicherheit der Nutzer und den Schutz der Immobilie zuständig sind. Sie haben es in der Hand, maßgeblich zum Schutz ihrer Nutzer und ihrer Immobilie beizutragen.
