eJournals Kolloquium Parkbauten12/1

Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121 Technische Akademie Esslingen

Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik

0224
2026
Dirk Dalichow
Jil Blaschke
Gerd Wilsch
André Molkenthin
Tobias Völker
Die laserinduzierte Plasmaspektroskopie (LIBS) gewinnt zunehmend an Bedeutung für die zerstörungsarme Untersuchung und Bewertung von Stahlbetonbauwerken. Durch die simultane Multielementanalyse und die hohe räumliche Auflösung ermöglicht das Verfahren die detaillierte Erfassung von Ionentransportprozessen, lokalen Schädigungen und Eindringfronten. In diesem Beitrag werden praxisnahe Anwendungsbeispiele vorgestellt, darunter die Analyse von Chlorid- und Sulfateintrag sowie der Karbonatisierung in unterschiedlichen Anwendungsszenarien wie Rissbereichen, Abwasserbauwerken, Magnesiaestrichen und elektrochemischen Vorgängen. Die Ergebnisse zeigen, dass LIBS insbesondere dort einen entscheidenden Mehrwert bietet, wo klassische Bohrmehlanalysen durch Unsicherheiten beim Zementanteil, begrenzte Ortsauflösung oder störende Ionen beeinträchtigt sind. Die bildgebende Darstellung der Messwerte erleichtert die Interpretation und liefert belastbare Eingangsdaten für eine bedarfsgerechte Instandsetzungsplanung. Trotz des höheren Aufwands bei der Probenahme und moderat höherer Kosten bietet LIBS durch seine hohe Aussagekraft und die direkte Bewertung der Zementmatrix ein deutlich erweitertes diagnostisches Potenzial.
kpb1210247
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 247 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik Dipl.-Ing. Dirk Dalichow Barg Baustofflabor GmbH & Co. KG, Berlin Jil Blaschke, B. Sc. Barg Baustofflabor GmbH & Co. KG, Berlin Dipl.-Phys. Gerd Wilsch Barg Baustofflabor GmbH & Co. KG, Berlin Dr.-Ing. André Molkenthin SKP Specht Kalleja + Partner Beratende Ingenieure GmbH, Berlin Dr. Tobias Völker Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Berlin Zusammenfassung Die laserinduzierte Plasmaspektroskopie (LIBS) gewinnt zunehmend an Bedeutung für die zerstörungsarme Untersuchung und Bewertung von Stahlbetonbauwerken. Durch die simultane Multielementanalyse und die hohe räumliche Auflösung ermöglicht das Verfahren die detaillierte Erfassung von Ionentransportprozessen, lokalen Schädigungen und Eindringfronten. In diesem Beitrag werden praxisnahe Anwendungsbeispiele vorgestellt, darunter die Analyse von Chlorid- und Sulfateintrag sowie der Karbonatisierung in unterschiedlichen Anwendungsszenarien wie Rissbereichen, Abwasserbauwerken, Magnesiaestrichen und elektrochemischen Vorgängen. Die Ergebnisse zeigen, dass LIBS insbesondere dort einen entscheidenden Mehrwert bietet, wo klassische Bohrmehlanalysen durch Unsicherheiten beim Zementanteil, begrenzte Ortsauflösung oder störende Ionen beeinträchtigt sind. Die bildgebende Darstellung der Messwerte erleichtert die Interpretation und liefert belastbare Eingangsdaten für eine bedarfsgerechte Instandsetzungsplanung. Trotz des höheren Aufwands bei der Probenahme und moderat höherer Kosten bietet LIBS durch seine hohe Aussagekraft und die direkte Bewertung der Zementmatrix ein deutlich erweitertes diagnostisches Potenzial. 1. Einführung Die laserinduzierte Plasmaspektroskopie (Laser Induced Breakdown Spectroscopy, LIBS) ist ein modernes analytisches Verfahren, das zunehmend an Bedeutung für die Untersuchung und Bewertung von Stahlbeton-bauwerke gewinnt. Insbesondere in den vergangenen Jahren hat sich LIBS als leistungsfähige Methode zur simultanen, ortsaufgelösten Erfassung chemischer Eigenschaften von Beton etabliert - ein wesentlicher Baustein für Dauerhaftigkeitsanalysen und Lebensdauerprognosen. Ein zentrales Merkmal der Technologie ist die hohe räumliche Auflösung, mit der Ionentransportprozesse innerhalb der Zementsteinmatrix präzise detektiert werden können. Dadurch lassen sich Prozesse wie Chlorideintrag, Sulfatangriff oder Karbonatisierung detailliert kartieren. Die Fähigkeit zur Multielementanalyse ermöglicht zudem die Untersuchung komplexer Wechselwirkungen, etwa der Ko-Migration verschiedener Ionen. Besonders wertvoll ist die Methode bei der Identifikation lokaler Anomalien, die konventionellen Verfahren häufig entgehen. So können beispielsweise erhöhte Ionenkonzentrationen in Rissen oder anderen potenziell kritischen Bereichen zuverlässig erfasst werden - Informationen, die für die Bewertung der strukturellen Integrität eines Bauwerks entscheidend sind. LIBS unterstützt damit sowohl die zielgerichtete Planung und Umsetzung von Instandsetzungsmaßnahmen als auch das langfristige Monitoring im Sinne einer zustandsorientierten Erhaltungsstrategie. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber der klassischen Bohrmehlanalyse liegt in der direkten Bewertung der Transportvorgänge in der Zementsteinmatrix. Da durch die LIBS-Analyse Messpunkte verschiedenen Betonkomponenten sicher zugeordnet werden können, werden Unsicherheiten minimiert, die bei einer Bulkanalyse durch unbekannte Anteile von Zement im Probevolumen entstehen. Gleichzeitig ermöglicht die hohe Ortsauflösung von typischerweise 0,25 mm (bei Bedarf bis 0,1 mm) eine zuverlässige Erfassung lokaler Konzentrationsmaxima, die detaillierte Abbildung des Ioneneintrags u. a. im Bereich von Rissen und die Darstellung scharf abgegrenzter Eindringfronten. Die hohe Ortsauflösung ermöglicht präzise Eingangs-parameter für Lebensdauerberechnungen. Die schnelle automatisierte Durchführung der Messung und der Auswertung ermöglicht bei Bedarf die Bereitstellung der Ergebnisse innerhalb weniger Stunden. 248 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik Während LIBS seit Jahren erfolgreich im universitären und außeruniversitären Forschungsumfeld eingesetzt wird, findet das Verfahren zunehmend Einzug in die praktische Bauwerksdiagnostik. In der Schweiz und in Deutschland nutzen erste Baustofflabore LIBS bereits routinemäßig als Ergänzung zu etablierten chemischen Verfahren. Seit 2023 beschreibt das Merkblatt B14 der DGZf P („Quantifizierung von Chlorid in Beton mit der laserinduzierten Plasmaspektroskopie“) die standardisierte Bestimmung des quantitativ auf den Zement bezogenen Chloridgehaltes. Im zugehörigen Unterausschuss LIBS arbeiten Gerätehersteller, Anwender und Forschungseinrichtungen gemeinsam an der Weiterentwicklung der Methode. Der vorliegende Artikel stellt aktuelle Anwendungsbeispiele aus der Praxis vor und zeigt, welches Potenzial LIBS für die Analyse zementgebundener Baustoffe bietet. 2. Beispiele aus der Praxis Für die bildgebende Darstellung der Elementverteilungen werden in der Regel Bohrkerne mit einem Durchmesser von 50 mm verwendet. Vor der Analyse werden diese durch einen Trockenschnitt halbiert, die Schnittfläche gereinigt und anschließend in das concreteLIBS-System (Secopta Analytics GmbH) eingelegt. Die Messung erfolgt automatisiert mit einer lateralen Auflösung von 0,25 mm entlang der Messlinien. Der vertikale Abstand der Linien, also die Tiefenauflösung, beträgt üblicherweise 0,50 mm. Bei einer typischen Messfläche von 40 mm Breite und 80 mm Tiefe entstehen so insgesamt 25600 Einzelwerte pro Element, dessen Verteilung anschließend farbcodiert dargestellt wird. Die gesamte Messdauer beträgt etwa zehn Minuten. Für die Umrechnung der quantifizierten Gehalte vom Zementsteinauf den Zementgehalt wird in allen dargestellten Beispielen ein w/ z-Wert von 0,5 angenommen (siehe DGZf P B14). Die Hauptanwendung des Verfahrens ist die quantitative Bestimmung der Chloridverteilung über das Element Chlor, bezogen auf den Zement. Hierfür wird das Messsystem vorab mit Referenzproben bekannter Zusammensetzung kalibriert. Weitere häufige Einsatzfelder sind die Erfassung der Sulfatverteilung über das Element Schwefel sowie die Detektion der Karbonatisierung über das Element Kohlenstoff. Zusätzliche Informationen, beispielsweise zu den Elementen Sauerstoff, Calcium oder Silizium, werden genutzt, um die Messpunkte der Zementsteinmatrix, der Gesteinskörnung oder Mischbereichen zuzuordnen. Abb. 1: Prinzip einer LIBS-Messung und ein typisches Ergebnis (farbcodierter Elementgehalt). Messpunkte, welcher nicht der Zementsteinphase zugeordnet werden können werden in Schwarz dargestellt. 2.1 Chlorid Ein typisches Ergebnis, ermittelt an einem Bohrkern, welcher am Fuße einer Stütze entnommen wurde, zeigt Abbildung 1. Es sind ein Foto der Messfläche (links) und die farbcodierte quantitative Verteilung der Chloride in der Zementmatrix (rechts) dargestellt. Abb. 2: Foto der Messfläche (links). Farbcodierte quantitative Verteilung der Chloride in der Zementmatrix (rechts). Zusätzlich sind das Tiefenprofil und die Mittelwerte über einen Tiefenbereich von jeweils 20 mm als blaue Balken dargestellt. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 249 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik Die identifizierte Gesteinskörnung, Mischbereiche und Messpunkte außerhalb der Probenoberfläche sind schwarz eingefärbt und gehen nicht ins Ergebnis ein. Zusätzlich sind das Tiefenprofil und die Mittelwerte jeweils über einen Tiefenbereich von 20 mm als blaue Balken dargestellt. Es sind deutlich erhöhte Chlorid-Werte bis zu einer Tiefe von 60 mm und eine klare Eindringfront zu erkennen. 2.2 Chlorid-Eintrag durch einen karbonatisierten Riss Die Vorteile der bildgebenden Darstellung und der hohen örtlichen Auflösung werden besonders deutlich, wenn die Chloridverteilung im Bereich von Rissen untersucht wird. Abbildung 3 zeigt die Ergebnisse der LIBS-Analyse an der Querschnittsfläche eines Bohrkerns, der aus einer Bodenplatte im Bereich eines sichtbaren Risses entnommen wurde. Die Analyse verdeutlicht, dass im eigentlichen Rissverlauf geringere Chloridkonzentrationen auftreten, während gleichzeitig deutlich erhöhte Kohlenstoffgehalte vorliegen - ein Hinweis auf eine fortgeschrittene Karbonatisierung innerhalb des Risses. Die höchsten Chloridwerte, mit bis zu 2 M-% bezogen auf den Zement, befinden sich in unmittelbar Nähe zum karbonatisierten Bereich. Diese kritischen Zonen reichen bis zur Bewehrung. Abb. 3: Foto der Querschnittsfläche eines Bohrkernes der aus einer Bodenplatte im Bereich eines Risses entnommen wurde (links). Die Chloridverteilung ist in der Mitte und die Kohlenstoffverteilung rechts dargestellt. 2.3 Unplausible Ergebnisse der Photometrie In der Praxis wird bei der Chloridanalyse von Bohrmehl üblicherweise zunächst nur die Probe aus dem oberflächennahen Bereich (0 mm - 15 mm) untersucht. Die Analyse der zweiten Tiefe (30 mm - 45 mm) erfolgt aus Kostengründen meist nur dann, wenn in der ersten Probe erhöhte Chloridgehalte festgestellt werden. Im vorliegenden Fall ergab die photometrische Analyse der ersten Probe einen Chloridgehalt von 0,70 M-% bezogen auf den Zement. Darauf hin wurde auch die zweite Tiefe untersucht und ein deutlich höherer Wert von 1,37 M-% bestimmt. Dieses Ergebnis erschien dem Auftraggeber nicht plausibel, sodass zur Klärung ein Bohrkern entnommen und eine LIBS-Analyse beauftragt wurde. Die mit LIBS bestimmte quantitative Chloridverteilung (Abbildung 4, links) zeigt ausschließlich unkritische Werte von ≤ 0,2 M-% bezogen auf den Zement. Die qualitative Eisenverteilung (Abbildung 4, rechts) weist hingegen erhöhte Eisenanteile in der Gesteinskörnung auf. Zur Absicherung der LIBS-Ergebnisse wurde das Bohrmehl aus dem Bereich 30 mm - 45 mm zusätzlich mittels potentiometrischer Titration untersucht. Der dabei ermittelte Wert von 0,17 M-% bezogen auf den Zement bestätigt die LIBS-Analyse. Als mögliche Ursache für die unplausiblen photometrischen Werte nennen das Heft 401 des Deutschen Ausschuss für Stahlbeton erhöhte Sulfid- (CEM III) oder Eisenanteile, die sowohl aus dem Zement als auch aus der Gesteinskörnung stammen können. 250 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik Abb. 4: Mittels LIBS ermittelte quantitative Chlorid-Verteilung bezogen auf den Zement (links). Tiefenprofil des Chlorid-Gehaltes mit Mittelwerten über drei Tiefenbereiche (Mitte, blaue Balken). Zum Vergleich sind die mittels Photometrie ermittelten Werte (grüne Balken) eingezeichnet. Das Ergebnis der potentiometrischen Titration ist als dunkler Balken dargestellt. Darstellung der Eisenverteilung (rechts). 2.4 Abwasserbauwerk Zur Klärung der Ursache einer Schädigung in einem Abwasserbauwerk wurde ein Bohrkern entnommen und eine LIBS-Untersuchung beauftragt. Frühere Bohrmehlanalysen hatten den Verdacht eines erhöhten Sulfatgehaltes nicht bestätigen können. Das LIBS-Ergebnis (Abbildung 5, Mitte) zeigt ebenfalls keine Hinweise auf das Eindringen von Sulfaten. Stattdessen liegen die Schwefelwerte lediglich im braun verfärbten Bereich etwas niedriger und im Randbereich leicht über den Volumenwerten. Mit den ermittelten Messdaten wurde auch die Chloridverteilung ausgewertet. Die quantitativen Chlorid-gehalte bezogen auf den Zement sind in Abbildung 5 rechts dargestellt und zeigen Werte von über 2 M-% bis in den Bereich der Bewehrung. Damit liegt der Verdacht einer chloridinduzierten Bewehrungskorrosion nahe. Dies wird durch die Analyse der Eisenverteilung (hier nicht gezeigt) bestätigt, die im Bereich der bräunlichen Verfärbung deutlich erhöhte Eisenwerte aufweist - ein typisches Anzeichen für die Auflösung der Bewehrung. Dieses Beispiel verdeutlicht das besondere Potenzial des LIBS-Verfahrens: Durch die simultane Erfassung aller relevanten Elemente können unterschiedliche Schädigungsmechanismen in einem einzigen Messdurchlauf sicher identifiziert und voneinander abgegrenzt werden. Abb. 5: Foto der Querschnittsfläche des Bohrkernes (links), mit farbcodierter quantitativer Schwefelverteilung (Mitte) und quantitativer Chloridverteilung (rechts). 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 251 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik 2.5 Magnesiaestrich In einer Industriehalle war bekannt, dass der Boden in einzelnen Bereichen unterschiedlich stark geschädigt war. Die Instandsetzung sollte daher in den am stärksten betroffenen Zonen beginnen und abschnittsweise erfolgen, um die Produktion möglichst wenig zu beeinträchtigen. Durch eine geänderte Nutzung kam der Magnesiaestrich im Laufe der Jahre wiederholt mit Feuchtigkeit in Kontakt, wodurch chloridhaltige Bestandteile mobilisiert wurden. Ziel der Untersuchung war es, jene Bereiche zu lokalisieren, in denen bereits eine erhebliche Gefährdung vorliegt. Die LIBS-Analyse bestätigte zunächst das Vorhandensein von Magnesiaestrich, erkennbar an hohen Chlorid- und Magnesiumgehalten im unbeschädigten Estrichbereich (Abbildung 6). Die Ergebnisse zeigen jedoch eine deutliche Heterogenität der Schädigung: Während in einigen Bereichen kaum Chloride in den Beton eingedrungen sind, gibt es Zonen, in denen durch Feuchtigkeitseinwirkung große Mengen an Chloriden aus dem Magnesiaestrich in den Beton transportiert wurden (Abbildung 7, links), sodass eine akute Gefährdung der Bewehrung vorliegt. Der in Abbildung 7 (rechts) dargestellte Bohrkern zeigt zudem, dass trotz erfolgter Sanierung und vollständiger Entfernung des Magnesiaestrichs erhebliche Chloridmengen im Beton verblieben sind - mit Werten von über 2 M-% bezogen auf den Zement und bis zu einer Tiefe von rund 55 mm. Abb. 6 Chlorid- (links) und Magnesiumverteilung (rechts) in einem Bohrkern aus einem intakten Industrieboden. Abb. 7 Chloridverteilung in einem Bohrkern aus einem geschädigten Bereich (links) und einem Bohrekern aus einem bereits instand gesetzten Bereich (rechts). 252 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik 2.6 KKS - Migration von Cl und Na Ziel war es die Wirkung eines KKS-Systems zu demonstrieren. Einem Beton wurde eine definierte Menge NaCl über das Zugabewasser bei der Herstellung zugesetzt. Der erhärtete Beton wies eine gleichmäßige Verteilung von Chlor und Natrium auf. Dies wurde durch LIBS- Messungen bestätigt. Nach dem Aushärten wurde auf der Ober- und Unterseite des Betons ein Estrich mit eingebettetem Elektrodengitter aufgebracht (Abbildung 8, links). Der Estrich selbst war frei von Chloriden und enthielt nur einen geringen Natriumgrundgehalt. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten wurde an den Elektroden eine elektrische Spannung angelegt. Dadurch migrierten die negativ geladenen Chloridionen zur Anode (Abbildung 8, Mitte), während die positiv geladenen Natriumionen in Richtung Kathode wanderten (Abbildung 8, rechts). Die LIBS-Ergebnisse zeigen diese gegenläufige Ionenbewegung eindeutig und belegen die Wirksamkeit des elektrochemischen KKS-Systems. Abb. 8 Foto der Betonprobe mit aufgebrachtem Estrich mit eingebetteten Elektroden (links, Anode oben und Kathode unten). Quantitative Chlorid- (Mitte) und Natriumverteilung (rechts, qualitativ) nach dem Anlegen eines elektrischen Feldes über einen Zeitraum von mehreren Monaten. 3. Einfluss unsicherer Umrechnungsfaktoren auf die Chloridquantifizierung Ein zentraler Vorteil der LIBS-Analyse besteht in der bildgebenden Darstellung der Messergebnisse. Diese reduziert Interpretationsunsicherheiten deutlich und unterstützt eine sichere Beurteilung des Schadensbildes. Die ortsaufgelöste Messung ermöglicht zudem die Identifikation der Betonphasen und die Angabe der Chloridgehalte bezogen auf die Zementsteinphase. Dadurch werden die Unsicherheiten, die bei Standardverfahren aufgrund des unbekannten Zementanteils auftreten, wesentlich verringert. Für die Umrechnung ist jedoch weiterhin der w/ z- Wert erforderlich. Die Problematik der konventionellen Bulkanalyse wird in Abbildung 9 verdeutlicht: Unterscheiden sich die Zementsteinanteile zweier Bohrmehlproben (grün bzw. orange markiert), führt die Verwendung eines einheitlichen Umrechnungsfaktors zwangsläufig zu systematischen Fehlern. Zur Illustration wird ein relativer Fehler von 20 % im maßgeblichen Umrechnungsparameter angenommen 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 253 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik - in diesem Fall im Zementanteil. Dies ergibt beim Standardverfahren für einen gemessenen Chloridgehalt von 0,25 M-% im Beton einen auf den Zement bezogenen Wert von 1,67 M-% (Standardfaktor 6,7) bei Annahme eines Zementanteils von 15 %. Liegt der Zementanteil tatsächlich bei 12 % vor, müsste stattdessen mit einem Faktor von 8,3 gerechnet werden. Dies ergibt für einen gemessenen Chloridgehalt von 0,25 M-% im Beton einen Wert bezogen auf den Zement von 2,08 M-%. Die resultierende Abweichung beträgt rund 20 %. Für LIBS wird derselbe relative Fehler von 20 % auf den w/ z-Wert übertragen, der dort die Umrechnung, vom Wert bezogen auf den Zementstein zum Wert bezogen auf den Zement, bestimmt. Bei einem angenommenen w/ z-Wert von 0,5 und einem tatsächlichen Wert von 0,4 ergibt sich für einen mittels LIBS bestimmten Chloridgehalt im Zementstein von 1,33 M-% eine zementbezogene Konzentration von 2,00 M-% gegenüber 1,86 M-%. Die resultierende Abweichung liegt mit etwa 7 % unter jener der Bulkanalyse. Die vorliegende Gegenüberstellung zeigt die unterschiedlichen Sensitivitäten beider Verfahren gegenüber Unsicherheiten in den Umrechnungsfaktoren. Eine umfassendere Fehleranalyse, die neben Zementsteinanteil und w/ z-Wert auch weitere Einflussgrößen berücksichtigt, befindet sich in Vorbereitung. Diese detaillierten Untersuchungen werden als Teil eines separaten Fachbeitrages veröffentlicht und dort in Hinblick auf ihre Bedeutung für die praktische Anwendung von LIBS und klassischen chemischen Verfahren diskutiert. Abb. 9: Ergebnis der LIBS-Analyse an einem Bohrkern. Die farbigen Quadrate verdeutlichen die Inhomogenität der Zementanteile über den Probenquerschnitt. 4. Zusammenfassung In diesem Beitrag wurden verschiedene Anwendungsbeispiele für den Einsatz von LIBS in der Bauwerksdiagnostik vorgestellt und das Potenzial der Methode aufgezeigt. Die LIBS-Analyse führt nicht in jedem Fall zu geringeren Instandsetzungskosten, liefert jedoch häufig entscheidungsrelevante Daten, die eine bedarfsgerechte und zielgerichtete Instandsetzung ermöglichen. Die wesentlichen Merkmale des LIBS-Verfahrens lassen sich wie folgt zusammenfassen: - Erhöhter Aufwand bei der Probenahme: Entnahme eines Bohrkerns mit 50 mm Durchmesser anstelle von Bohrmehl. + Simultane Multielementanalyse: Mehrere relevante Elemente werden in einem einzigen Messvorgang erfasst, wodurch komplexe Schädigungsmechanismen zuverlässig beurteilt werden können. + Hohe räumliche Auflösung: Lokale Minima und Maxima der Elementgehalte werden eindeutig erkannt. + Direkte Sichtbarkeit der Eindringfront: Auch qualitative Verteilungen liefern zuverlässig Hinweise auf potenziell gefährdete Bereiche. o Umrechnungsfaktor: Die LIBS-Analyse liefert die Gehalte bezogen auf den Zementstein. Für die Umrechnung dieser Werte bezogen auf den Zement ist eine Annahme zum w/ z-Wert erforderlich. Diese Annahme ist grundsätzlich mit einer gewissen Unsicherheit verbunden, jedoch fällt diese im Vergleich deutlich geringer aus als die Unsicherheit, die bei der Bulkanalyse aus dem unbekannten Zementanteil im Bohrmehl resultiert. + Hohe Aussagekraft bei moderaten Mehrkosten: Im Vergleich zur Nasschemie nur leicht erhöhte Kosten (circa Faktor 2), jedoch mit deutlich größerem Informationsgehalt. Literatur [1] G. Wilsch and F. Weritz, „Anwendung der Laserin-duzierten Breakdown Spektroskopie (LIBS) im Bauwesen,“ in Bauphysik-Kalender 2004: Schwerpunkt: Zerstörungsfreie Prüfung, vol. 1, E. Cziesielski, Ed.: Ernst & Sohn, 2004, pp. 386-392. [2] C. Gottlieb, S. Millar, T. Günther, and G. Wilsch, “Revealing hidden spectral information of chlorine and sulfur in data of a mobile Laser-induced Breakdown Spectroscopy system using chemometrics,” Spectrochimica Acta Part B: Atomic Spectroscopy, vol. 132, pp. 43-49, 2017. [3] S. Millar, S. Kruschwitz, and G. Wilsch, “Determination of total chloride content in cement pastes with laser-induced breakdown spectroscopy (LIBS),” Cement and Concrete Research, vol. 117, pp. 16-22, 2019. 254 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Chemische Zustandsanalyse von Beton mit LIBS: Potenziale für die Bauwerksdiagnostik [4] S. Eto, T. Matsuo, T. Matsumura, T. Fujii, and M. Y. Tanaka, “Quantitative estimation of carbonation and chloride penetration in reinforced concrete by laser-induced breakdown spectroscopy,” Spectrochimica Acta Part B: Atomic Spectroscopy, vol. 101, pp. 245-253, 2014. [5] S. Millar, C. Gottlieb, T. Günther, N. Sankat, G. Wilsch, and S. Kruschwitz, “Chlorine determination in cement-bound materials with Laser-induced Breakdown Spectroscopy (LIBS) - A review and validation,” Spectrochimica Acta Part B: Atomic Spectroscopy, vol. 147, pp. 1-8, 2018. [6] N. Omenetto, E. Ewusi-Annan, T. Günther, W. B. Jones, and B. W. Smith, “Research Final Report: Feasibility of atomic and molecular laser induced breakdown spectroscopy (LIBS) to in situ determination of chlorine in concrete,” Florida Department of Transportation, Tallahassee, BDV31-977-32, 2016. [7] D. W. Hahn and N. Omenetto, “Laser-Induced Breakdown Spectroscopy (LIBS), Part II: Review of Instrumental and Methodological Approaches to Material Analysis and Applications to Different Fields”, Applied Spectroscopy, Vol 66, Issue 4, pp 347-419, April 2012. [8] DGZfP-Fachausschuss für Zerstörungsfreie Prüfung im Bauwesen | Unterausschuss LIBS im Bauwesen. Merkblatt B14: Quantifizierung von Chlorid in Beton mit der laserinduzierten Plasmaspektroskopie (LIBS) DGZfP Merkblatt B10 (DGZfP, Berlin, Germany, 2023). [9] Völker, T., Wilsch, G., Gornushkin, I. B., Kratochvilová, L., Pořízka, P., Kaiser, J., Millar, S., Galbács, G., Palásti, D. J., Janovszky, P. M., Eto, S., Langer, C., Kapteina, G., Illguth, M., Götz, J., Licht, M., Raupach, M., Elhamdaoui, I., Sabsabi, M., Bouchard, P., Nagli, L., Gaft, M., Raichlin, Y., Fernández-Menéndez, L. J., Méndez-López, C., Bordel, N., Gottlieb, C., Bohling, C., Finotello, R., L’Hermite, D., Quéré, C. & Lierenfeld, M. B. Interlaboratory comparison for quantitative chlorine analysis in cement pastes with laser induced breakdown spectroscopy. Spectrochimica Acta Part B: Atomic Spectroscopy 202, 106632. doi: 10.1016/ j. sab.2023.106632 (2023). [10] DAfStb Heft 401: Anleitung zur Bestimmung des Chloridgehaltes von Beton, 1989 [11] DIN EN 14629 Produkte und Systeme für den Schutz und die Instandsetzung von Betontrag-werken - Prüfverfahren - Bestimmung des Chlorid-gehaltes in Festbeton, 2007.