eJournals Kolloquium Parkbauten12/1

Kolloquium Parkbauten
kpb
2510-7763
expert verlag Tübingen
kpb121/kpb121.pdf0224
2026
121 Technische Akademie Esslingen

Unsichtbare Gefahren sichtbar machen – Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer

0224
2026
Christian Steffes
Korrosion, Feuchte, Risse – viele der gefährlichsten Schäden an Parkbauten und Tiefgaragen beginnen unsichtbar. Konventionelle Sichtprüfungen reichen oft nicht aus, um rechtzeitig reagieren zu können. Hier setzt kabelloses Bauwerksmonitoring an: Durch den Einsatz digitaler Sensorik lassen sich kritische Veränderungen frühzeitig erkennen – bevor sie zu sicherheitsrelevanten oder wirtschaftlich gravierenden Problemen führen. Dieser Beitrag bietet einen praxisnahen Einblick in die Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten und planerischen Anforderungen kabelloser Monitoring-Systeme mit besonderem Fokus auf das CorroDec®2G-System von Infrasolute. Er beleuchtet technische Hintergründe, zeigt Markttrends, gibt konkrete Empfehlungen zur Integration in Planungsprozesse und stellt reale Anwendungsbeispiele aus Tiefgaragenprojekten vor. Besonderes Augenmerk liegt auf der frühzeitigen Zustandsbewertung und deren Bedeutung für die Lebensdauerverlängerung, Nachhaltigkeit und Instandhaltungseffizienz.
kpb1210265
12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 265 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Einblicke in die Nutzung kabelloser und batterieloser Korrosions- und Feuchtesensoren zur Überwachung von Betonbauwerken. Christian Steffes Infrasolute GmbH, Boppard Zusammenfassung Korrosion, Feuchte, Risse - viele der gefährlichsten Schäden an Parkbauten und Tiefgaragen beginnen unsichtbar. Konventionelle Sichtprüfungen reichen oft nicht aus, um rechtzeitig reagieren zu können. Hier setzt kabelloses Bauwerksmonitoring an: Durch den Einsatz digitaler Sensorik lassen sich kritische Veränderungen frühzeitig erkennen - bevor sie zu sicherheitsrelevanten oder wirtschaftlich gravierenden Problemen führen. Dieser Beitrag bietet einen praxisnahen Einblick in die Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten und planerischen Anforderungen kabelloser Monitoring-Systeme mit besonderem Fokus auf das CorroDec®2G-System von Infrasolute. Er beleuchtet technische Hintergründe, zeigt Markttrends, gibt konkrete Empfehlungen zur Integration in Planungsprozesse und stellt reale Anwendungsbeispiele aus Tiefgaragenprojekten vor. Besonderes Augenmerk liegt auf der frühzeitigen Zustandsbewertung und deren Bedeutung für die Lebensdauerverlängerung, Nachhaltigkeit und Instandhaltungseffizienz. Abb. 1: Tiefgarage mit Messstellen 1. Einführung Die Lebensdauer und Gebrauchstauglichkeit von Parkbauten - insbesondere Tiefgaragen und Parkhäusern - wird maßgeblich durch Umwelteinflüsse, Nutzungshäufigkeit und die bauliche Ausführung bestimmt. Durch Chlorideintrag aus Tausalzen, hohe Feuchtelasten sowie wechselnde klimatische Bedingungen sind diese Bauwerke besonders anfällig für schleichende Schadensprozesse wie Betonkorrosion, Rissbildung oder Karbonatisierung. Die Herausforderung: Viele dieser Vorgänge verlaufen im Verborgenen, sind visuell nicht erfassbar und schreiten lange unbemerkt fort. 266 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Traditionell basiert die Instandhaltung auf zyklischen Inspektionen, bei denen Schäden visuell detektiert und punktuell durch zerstörende Prüfverfahren, wie Bohrkernentnahme oder Potenzialfeldmessungen, bewertet werden. Diese Prüfintervalle liegen typischerweise bei drei bis sechs Jahren. Solche Maßnahmen liefern jedoch nur Momentaufnahmen und bergen das Risiko, dass relevante Veränderungen im Materialgefüge zwischen den Inspektionszeitpunkten unentdeckt bleiben. Zudem sind zerstörende Verfahren nicht flächendeckend durchführbar, verursachen Eingriffe in die Bausubstanz und liefern nur punktuelle Aussagen. Angesichts steigender Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Bauwerkssicherheit rückt das Konzept des kontinuierlichen Monitorings zunehmend in den Fokus. Bauwerksmonitoring beschreibt die langfristige, automatisierte Erfassung von physikalischen, chemischen oder mechanischen Zustandsgrößen mittels eingebetteter Sensorik - etwa zur Erfassung von Feuchte, Temperatur, Chloridfortschritt oder Korrosionsbeginn. Durch diese kontinuierliche Datenbasis können Veränderungen in Echtzeit beobachtet, Trends erkannt und Maßnahmen zielgerichtet geplant werden. Im Unterschied zur klassischen reaktiven Instandhaltung erlaubt Monitoring einen zustandsorientierten, vorausschauenden Ansatz. Planer und Betreiber erhalten frühzeitig Hinweise auf sich entwickelnde Schadensmechanismen - noch bevor diese an der Oberfläche sichtbar werden. Das verbessert nicht nur die Planungssicherheit und reduziert Sanierungskosten, sondern ermöglicht auch eine gezielte Steuerung von Wartungsintervallen, verlängert die Nutzungsdauer und schützt die Nutzer. Die zunehmende Verfügbarkeit kabelloser Sensorik senkt dabei die Einstiegshürden erheblich. Die Systeme lassen sich ohne Verkabelung in Ortbeton oder bestehende Bauwerke integrieren, sind langzeitstabil und senden kontinuierlich Messdaten. Besonders für exponierte oder schwer zugängliche Bereiche in Parkbauten bietet das einen entscheidenden Mehrwert - sowohl in technischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. 2. Markttrends Warum gewinnt Monitoring an Bedeutung? Mehrere Entwicklungen treiben diesen Trend. Erstens führt der Klimawandel zu extremeren Umweltbedingungen - häufigere Frost-Tau-Zyklen, Temperaturschwankungen und Feuchten erhöhen die Beanspruchung von Betonbauwerken. Zweitens rücken die enormen Kosten für Instandhaltung und Sanierung in den Fokus von Eigentümern und Kommunen. Viele Parkbauten stammen aus den 1960erbis 1980er-Jahren und nähern sich dem Ende ihrer geplanten Nutzungsdauer, teure Sanierungen werden häufiger notwendig. Ein sensorgestütztes Monitoring kann hier helfen, Schäden früh zu erkennen und Sanierungskosten in Millionenhöhe zu verhindern, indem rechtzeitig gegengesteuert wird. Drittens verlangen Nachhaltigkeitsziele, die Lebensdauer bestehender Bauwerke zu maximieren. Jede vermiedene Neubau-Maßnahme spart Ressourcen und CO₂; daher setzt man verstärkt auf Erhalt und zustandsorientierte Instandsetzung statt Abriss und Neubau. Parallel dazu hat die Digitalisierung im Bauwesen enorme Fortschritte gemacht. IoT-Sensorik und Datenanalyse revolutionieren die Bauwerksüberwachung. Alternde Infrastrukturen, steigende Sicherheitsanforderungen und Nachhaltigkeitsbestrebungen führen dazu, dass Bauwerksmonitoring heute als Teil moderner Bauwerkserhaltung betrachtet wird. Sensoren und Big- Data-Tools erlauben präzise Echtzeit-Analysen des Bauwerkszustands und eröffnen neue Perspektiven für eine effiziente Erhaltung. Anomalien werden durch permanente Messung sofort erkannt, was ein frühzeitiges Eingreifen ermöglicht. Dadurch sinkt nicht nur das Risiko von Ausfällen, sondern auch die Kosten, denn präventive Eingriffe sind meist günstiger als umfangreiche „Spät- Reparaturen“. Als state-of-the-art etablieren sich Monitoring-Systeme bereits in sensiblen Bereichen. Bei Brücken und Tunneln mit hohen Sicherheitsauflagen sind kontinuierliche Überwachungssysteme teils schon Standard. Doch auch in Parkhäusern und Tiefgaragen, die durch Tausalz, Abgase und Feuchtigkeit stark beansprucht werden, steigt das Interesse. Erste Städte und Betreiber haben begonnen, Neubauten direkt mit Sensorik auszustatten, um teure Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Regelwerk zieht nach: In der 2019 veröffentlichten Technischen Regel Instandhaltung (TR IH) des DAfStb/ DIBt ist der Einsatz moderner Verfahren wie hydrophober Beschichtungen in Kombination mit Bauwerksüberwachung verankert (Verfahren 8.3). Diese Entwicklungen zeigen: Bauwerksmonitoring avanciert vom nice-to-have zum integralen Bestandteil einer vorausschauenden, nachhaltigen Bauwerkserhaltung. 3. Funktionsweise und Messprinzip 3.1 Passiver Sensorbetrieb Die Sensoren von Infrasolute (CorroDec2G) basieren auf der indirekten Messmethode. Die CorroDec2G-Sensoren zeichnen sich durch ihre passive Betriebsweise aus. Im Gegensatz zu aktiven Sensoren benötigen sie keine Kabel oder Batterien, um Messwerte zu erfassen. Die notwendige Energie wird von außen mittels RFID-Technologie (Radio-Frequency Identification) induziert. RFID ist eine Technologie, die auch beim kontaktlosen Bezahlen mit Kreditkarten im Alltag zum Einsatz kommt. Diese Methode ermöglicht eine wartungsfreie Lebensdauer der Sensoren von mehr als 80 Jahren. Entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut, sind die Sensoren so konzipiert, dass sie über die gesamte Lebensdauer (80 + Jahre) eines Bauwerks hinweg vollständig im Beton eingeschlossen bleiben und Daten (Feuchtigkeit, Temperatur, Korrosion) aus dem Inneren des Bauwerks übertragen können. 3.2 RFID-Technologie RFID ermöglicht eine kontaktlose und kabellose Datenübertragung. Bei einer Reichweite von bis zu 30 cm im Beton können die Sensoren zuverlässig ausgelesen wer- 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 267 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer den. Durch eine spezielle Antennenkonstruktion lässt sich die Reichweite auf bis zu 100 m erweitern. Hierbei wird die Messeinheit im Beton installiert, bspw. in der Mitte der Fahrbahn, während die Ausleseeinheit an einer strategisch günstigen Stelle außerhalb des Verkehrsflusses platziert wird, um die Daten abzurufen, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen. Auch bei dieser Variante verlässt keine Systemkomponente das Medium Beton, was ansonsten eine potentielle Schwachstelle für das Bauwerk darstellen könnte. 4. Einbaumethoden 4.1 Neubau und Instandsetzung Der Einbau der Sensoren kann sowohl im Neubau als auch bei der Instandsetzung erfolgen. Im Neubau werden die Sensoren direkt mittels Rödeldrähten an der Bewehrung befestigt. Bei der Instandsetzung, wenn beispielsweise ein HDW-Abtrag (Hochdruckwasser) erfolgt ist, können die Sensoren ebenfalls an der freigelegten Bewehrung angebracht werden. So wird sichergestellt, dass die Sensoren während des Betonierprozesses nicht aufschwimmen oder ihre Position verändern. Abb. 2: Feuchtesensor beim Einbau mittels Rödeldraht direkt an der Bewehrung 4.2 Nachträglicher Einbau Nachträglich ist der Einbau per Kernlochbohrung möglich. Mit einem Kernlochdurchmesser von 100 mm können die Sensoren in den Beton eingefügt werden. Ein spezieller, mineralisch und offenporiger Ankoppelmörtel umgibt den Sensor mit einer dünnen Schicht, sodass nach Erreichen der Ausgleichsfeuchte der Ankoppelprozess an den Altbeton beginnen kann. Dieses Verfahren hat sich in der Praxis bewährt und ermöglicht präzise Aussagen über das umgebende Milieu, ohne das bestehende Bauwerk zu schwächen. Abb. 3: Kernlochbohrung mit einem Durchmesser von 100 mm und Einbau des Sensors mittels Ankoppelmörtel 5. Sensoren und Datenübertragung im Detail 5.1 Korrosionssensor Der Korrosionssensor ist an seinem roten Gehäuse und den umlaufenden vier Drahtebenen zu erkennen. Die Messmethodik basiert auf dem Prinzip der Stellvertreterkorrosion. Die um den Sensor laufenden Drahtebenen wurden so gewählt, dass sie den Eigenschaften des Betonstahls entsprechen. Bei Korrosion der Drähte erhält man Informationen über das Vorhandensein und den Fortschritt der Korrosion. Über die Tiefenstaffelung der Drähte wird ermittelt, auf welcher Höhe die Passivierungsfront verläuft und wie schnell sie in Richtung der Bewehrung voranschreitet. Dabei handelt es sich um ein redundantes System, bei dem zwei umlaufende Drähte eine Messebene bilden. Zudem misst der Korrosionssensor die Temperatur im Beton. Abb. 4: Korrosionssensor 5.2 Feuchtesensor Der Feuchtesensor misst die Feuchtigkeit und die Temperatur im Beton. Diese Messwerte werden nach der Datenerfassung in der Cloud-Plattform von Infrasolute auf bereitet und referenziert. Der Feuchtigkeitszustand im Beton ist ein entscheidender Parameter für die Korrosionsbildung. Durch die Kombination der Feuchtigkeits- und Temperaturdaten können detaillierte Aussagen über die Feuchteentwicklung im Beton getroffen werden. Eine frühzeitige Erkennung von Feuchtigkeitsschwankungen ermöglicht es, Schäden zu minimieren und die Lebensdauer der Bauwerke zu verlängern. 268 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Abb. 5: Feuchtesensor Durch den Einsatz eines Korrosionssensors und eines Feuchtesensors, die in einem Abstand von ca. 15 cm zueinander platziert werden, können frühzeitig Informationen zu korrosiven Prozessen und Anomalien bereitgestellt werden. Zudem ermöglicht die Überwachung verschiedener Parameter eine Beobachtung des Korrosionsprozesses im Beton. 5.3 Systemnachweis Das CorroDec2G-System wurde im Rahmen von Entwicklung und Pilotprojekten umfassend getestet (u. a. Beschleunigte Alterung, Reichweitentests, Vergleichsmessungen mit Laborverfahren, etc.). Die Nachweise dokumentieren beispielsweise, dass die Funktechnik auch nach 100 Jahren simulierten Betriebs noch sicher kommuniziert und die Sensoren im Alkaliporenwasser des Betons funktionsfähig bleiben. Ferner wurde nachgewiesen, dass die Sensoren im Beton keinen schädlichen Einfluss (z. B. auf die Bewehrung oder das Gefüge) haben - sie erfüllen damit die Anforderungen an Dauerhaftigkeit und Verträglichkeit. In deutschen Regelwerken sind solche Sensoren als Bestandteil von Überwachungskonzepten anerkannt. So kann gemäß TR Instandhaltung im Rahmen des Verfahrens 8.3 (Erhöhung des elektrischen Widerstands durch Beschichtung) der Erfolg der Maßnahme durch Einbau und Messung von Korrosionssensoren überwacht werden. Das bedeutet: Wenn z. B. eine hydrophobierende Beschichtung als Korrosionsschutz aufgetragen wird, lässt sich ihre Wirksamkeit und die Abwesenheit neuer Korrosionsvorgänge im Inneren mittels Sensorsystem objektiv nachweisen - ein wichtiger Fortschritt gegenüber bloßen optischen Kontrollen. 5.4 Datenerfassung und -übertragung Es gibt zwei Methoden, die Daten der Sensoren aus dem Beton zu ermitteln. Einerseits besteht die Möglichkeit, die Daten dauerhaft zu übertragen, sodass diese jederzeit remote abruf bar sind. Hierfür wird ein Gateway in der Nähe des Sensors installiert, das einerseits die Funktion hat, den Sensor mit Energie zu versorgen und andererseits die Daten direkt an die Cloud von Infrasolute via NB-IoT (Narrowband Internet of Things) zu übertragen. Das Gateway wird je nach Gegebenheit mit Feststrom, einer Langzeitbatterie oder per Solar mit Strom versorgt. Abb. 6: Solarbetriebenes NB-IoT Gateway Alternativ besteht die Möglichkeit mit einem Handlesegerät manuell die Auslesung vor Ort am Bauwerk durchzuführen. Der Vorgang, den Messwert eines Sensors zu erfassen, dauert wenige Sekunden und wird oftmals im Rahmen der Bauwerksprüfung durchgeführt. Die vom Handlesegerät erfassten Daten werden ebenfalls direkt per NB-IoT an die cloudbasierte Datenplattform übertragen. Damit sind eine Überprüfung und Visualisierung noch vor Ort am Bauwerk möglich. Abb. 7: IoT-Handlesegerät zur manuellen Auslesung von Sensoren Das Gateway sowie das Handlesegerät übertragen ihre Daten nach der Sensorauslesung kabellos mittels NB-IoT an die Cloud-Plattform von Infrasolute. Diese Technologie ist für niedrige Datenübertragungsraten, geringen Stromverbrauch und hohe Gebäudedurchdringung optimiert. Die Sensordaten werden in der Cloud gespeichert, visualisiert und analysiert. Grenzwerte können definiert werden, bei deren Überschreitung automatische Alarmierungen ausgelöst werden. Die Daten können in bestehende Systeme integriert und Berichte proaktiv per E-Mail an Projektbeteiligte gesendet werden. Abb. 8: Auswertung Messergebnisse Korrosionssensor (Korrosion 1. Messdrahtebene) Die auf der Plattform generierten Daten sind benutzerfreundlich auf bereitet, sodass sie leicht verständlich sind. 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 269 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Diese Klarheit ermöglicht es allen Beteiligten, unabhängig von ihrem technischen Hintergrund, die Daten zu interpretieren. 6. Die Planung Bereits in der Planungsphase eines Neubaus oder einer Sanierung sollten Fachplaner die Integration eines Monitoring-Systems mitdenken. Zunächst ist die Zielsetzung zu klären: Sollen kritische Bauteile dauerhaft überwacht, die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen geprüft oder die Restnutzungsdauer prognostiziert werden? Danach richtet sich die Auswahl der Messstellen. Empfohlen wird ein risikobasiertes Vorgehen: Die Sensoren kommen dort zum Einsatz, wo entweder bereits Schäden festgestellt wurden oder aufgrund von Schadenspotenzialen besondere Risiken bestehen. In einem Sanierungsprojekt (Instandsetzung) bedeutet das beispielsweise: Instandsetzungsbereiche: Direkt in oder neben den reparierten Stellen werden Sensoren platziert, um den Erfolg der Maßnahme zu überwachen. Zeigt z. B. ein Feuchtesensor an, dass der Beton nach der Sanierung austrocknet, ist das ein Nachweis für die Wirksamkeit der Abdichtung. Größere Flächen: In großflächigen Sanierungsarealen (z. B. Parkdecksohle) sollten Sensoren auch innerhalb der Fläche verteilt werden, um flächige Phänomene zu erfassen. Hier gilt es eine statistisch relevante Mindestanzahl festzulegen, damit aus den Messwerten zuverlässige Schlüsse zum Gesamtzustand gezogen werden können. Hotspots mit Restrisiko: Bereiche, in denen trotz Sanierung ein Restrisiko verbleibt - z. B. aufgrund exponierter Lage oder nicht vollständig entfernter Schadstoffe - erhalten ebenfalls Sensoren. So ist man gewappnet, falls dort erneut Schäden auftreten sollten. Bei Neubau-Projekten von Parkhäusern und Tiefgaragen verfolgt man ein analoges Konzept: Hier werden Sensoren an den von vornherein kritischen Punkten vorgesehen. Typischerweise sind das technologisch bedingte Schwachstellen wie Dehnfugen, Bodenabläufe, Rampenansätze oder Bereiche mit konzentrierter Belastung (Einfahrten, stark frequentierte Stellplätze). Auch das lokale Klima (offene Parkdecks mit Durchfeuchtung, Tiefgaragen mit schlechter Belüftung) und Tausalzeintrag spielen bei der Auswahl eine Rolle. Wichtig ist, für das jeweilige Bauwerk eine ausreichende Zahl an Sensoren einzuplanen, um statistisch belastbare Aussagen zu erhalten. Pauschale Zahlen (z. B. „ein Sensor pro 100 m²“) sind wenig hilfreich - jeder Anwendungsfall erfordert eine projektspezifische Analyse. Als grobe Orientierung dient: Pro wichtigem Bauteil oder Feld werden mehrere Sensoren eingesetzt, um auch interne Vergleiche (Referenz vs. Belastungsbereich) anstellen zu können. Die Integration in die Bauplanung erfolgt interdisziplinär. Der Planer muss z. B. sicherstellen, dass um den Sensor genügend Betondeckung bleibt (siehe oben) und die Bewehrung an der Einbaustelle passend positioniert ist. Die Sensoren selbst haben standardisierte Abmessungen von 97 mm Durchmesser und 26 mm Höhe. Im Neubau können sie an einem Bewehrungsstab mittels integrierten Drahts befestigt und in der Schalung einbetoniert werden. In dieser Phase sollten die Planer bereits die spätere Auslesung bedenken: Wo kommt ggf. ein Gateway hin (z. B. geschützt an einer Wand oder Decke)? Wie gelangt dessen Antenne nah genug an die Sensoren? Oft lassen sich Gateway-Standorte finden, die mehrere Sensoren im Umkreis von einigen Metern (ca. 10 m²) abdecken. Der Zugang für ein Hand-Auslesegerät sollte ebenfalls berücksichtigt werden - z. B. keine metallischen Abdeckungen oder Einhausungen direkt über dem Sensor vorsehen, damit die RFID-Kommunikation funktioniert. Bei der Planung einer Sanierung (Bestandsbau) gelten ähnliche Grundsätze. Hier kommen Sensoren entweder in freigelegte Bereiche (z. B. an Bewehrung in ausgebrochenen Schadstellen) oder in nachträgliche Bohrlöcher. Ist eine großflächige Betonergänzung geplant, können die Sensoren analog zum Neubau in die frische Reparaturstelle eingesetzt werden. Sind nur Teilbereiche betroffen, wird per Kernbohrung eine passende Öffnung geschaffen. Wichtig: In großflächigen Instandsetzungsfeldern sollten Sensoren mit dem umgebenden Altbeton verbunden werden, indem man sie in Ankoppelmörtel einbettet. Dadurch ist der Sensor fest mit dem Bauteil verbunden und misst dessen Feuchte- und Ionenbewegungen realistisch. Schließlich ist vom Planer ein Mess- und Wartungskonzept zu erstellen. Darin werden die Verantwortlichkeiten, Ausleseintervalle und Schwellenwerte festgelegt. Es hat sich bewährt, direkt nach Fertigstellung eine Baseline- Messung durchzuführen, um den Ausgangszustand festzuhalten. Weitere Messungen folgen dann je nach erwarteter Risikoentwicklung - z. B. ein Jahr nach Sanierung, zwei Jahre nach Sanierung und danach jährlich (für Sanierungsfälle) bzw. fünf Jahre nach Neubau und danach alle 2 Jahre (für Neubauten), jeweils angepasst an das Objekt und dessen Schutzsystem. Diese Intervalle sind Empfehlungen; der zertifizierte sachkundige Planer legt sie final fest, basierend auf seiner Kenntnis der konkreten Situation. Die Planung muss also sicherstellen, dass die Monitoring-Daten in einen sinnvollen Instandhaltungsplan eingebettet werden - nur so entfalten sie ihren vollen Nutzen. 7. Praxisbeispiele 7.1 Neubau Eine Stadt im nördlichen Nordrhein-Westfalen plante den Neubau eines mehrstöckigen Neubaus mit Tiefgarage. Aus früheren Projekten wusste die Stadtverwaltung um die hohen Folgekosten durch Chlorid- und Feuchteschäden in Parkdecks und Tiefgaragen. Daher entschloss man sich, bei diesem Neubau vorsorglich ein Feuchte- und Korrosionsmonitoring zu integrieren. Die Motivation: frühzeitige Erkennung von Schäden und begleitende Überwachung des Bauwerks bereits ab der Bauabnahme und in den ersten Betriebsjahren. Gerade die Anfangsjahre sind kritisch, um eventuelle Bauausführungsfehler (undichte Fugen, unvollständige Beschichtungen etc.) aufzudecken, solange noch Gewährleistungsansprüche bestehen - auch dafür sollte das Sensorsystem dienen. 270 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Abb. 9: Einbauplan (blaue Punkte = Ein Korrosionssensor + ein Feuchtesensor) Das Parkhaus hat eine spezielle Konstruktion: Es befindet sich eine Bebauung über dem Parkdeck (überbautes Dach). Die Dachabdichtung ist später nicht mehr zugänglich, weshalb hier besonderes Augenmerk auf Feuchtemonitoring gelegt wurde. Dementsprechend wurden mehrere Feuchtesensoren an kritischen Stellen vorgesehen, u. a. am tiefsten Entwässerungspunkt der Deckenkonstruktion (wo sich im Leckagefall Wasser sammeln würde) und im Bereich der Entwässerungsfugen der Rampen. So lässt sich kontrollieren, ob die Dachabdichtung und die Rampenanschlüsse dauerhaft dicht sind oder ob Feuchtigkeit eindringt. Zusätzlich installierte man Korrosionssensoren in konstruktiv wichtigen Bereichen: jeweils in einigen Stützen der Parkdecks sowie in den am stärksten befahrenen Stellplatzbereichen. Diese Zonen sind durch Fahrzeugverkehr und Salzeintrag besonders korrosionsgefährdet; die Sensoren dienen hier als Frühwarnung, falls die Beschichtung (OS 8/ 11 System) versagen sollte. Abb. 10: Einbau der Sensoren im Wandbereich des Parkhaus-Neubaus Die Sensorinstallation erfolgte während der Bauphase. Nach Fertigstellung wurden zunächst Baseline-Messungen mit einem Handheld-Lesegerät vorgenommen. In diesem Projekt entschied man sich, vorerst manuell auszulesen. Ein Sachkundiger erfasst nun turnusmäßig (viertelbis jährlich) die Werte aller Sensoren per Rundgang. Perspektivisch besteht die Option, ein Gateway nachzurüsten und auf vollautomatische Fernauslesung umzurüsten. Abb. 11: Einbau der Sensoren im Stützenbereich des Parkhaus-Neubaus 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 271 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Bereits nach den ersten Betriebsmonaten zeigte das System seinen Mehrwert. Die Visualisierung des Bauwerkszustands auf der Online-Plattform offenbarte z. B., dass alle überwachten Bereiche erwartungsgemäß austrockneten und im Vergleich zueinander konsistente Feuchtewerte aufwiesen - ein Hinweis darauf, dass die Betonausführung und Abdichtung überall geglückt war. Als größter Nutzen gilt die erwartete Kostenreduktion bei zukünftigen Betoninstandsetzungen. Dank Früherkennung von Schädigungen können kleinflächige Reparaturen durchgeführt werden, bevor sich z. B. Chloridschäden großflächig ausweiten. Die Investition in das Sensorsystem - die lediglich ein paar Promille der Bausumme betrug - dürfte sich über die kommenden Jahre durch vermiedene Großreparaturen amortisieren. Zudem wird durch das Monitoring die Nachhaltigkeit der Investition gesichert: Das Parkhaus bleibt länger in einem sicheren, funktionsfähigen Zustand, was letztlich auch im Sinne der Nutzer ist (weniger Sperrzeiten, höherer Komfort). 7.2 Instandsetzung In einem Sanierungsprojekt wurde eine zweigeschossige Tiefgarage aus den 1970er-Jahren instandgesetzt, die erhebliche Chloridschäden aufwies. Risse und Abplatzungen an Decken und Stützen zeugten von Korrosion infolge von Tausalzeintrag über Jahre. Nach einer umfassenden Schadensanalyse entschied man sich für ein kombiniertes Instandsetzungskonzept: Geschädigter Beton an Decken und Wänden wurde großflächig nach Verfahren 8.3 saniert, an besonders belasteten Stützen wendete man ein elektrochemisches Chloridentzugsverfahren an. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen abzusichern, integrierte der sachkundige Planer ein Sensor-Monitoring. Sowohl Feuchteals auch Korrosionssensoren von Infrasolute wurden an repräsentativen Stellen eingebaut. Konkret platzierte man Feuchtesensoren einmal in einem Referenzbereich (einem intakten, unbelasteten Deckenteil) sowie in mehreren instandgesetzten Bereichen. Dadurch lassen sich die Feuchteverläufe im sanierten vs. unsanierten Beton vergleichen. Korrosionssensoren brachte man insbesondere im Bereich einer Arbeitsfuge mit Rissbildung an - hier war das Risiko erneuter Korrosion trotz Abdichtung am höchsten. Die Sensoren wurden in Bohrlöcher eingesetzt und mit dem umgebenden Altbeton über Spezialmörtel verbunden, um realistische Messungen zu gewährleisten. Nach der Sanierung erlaubte das Sensorsystem eine Überwachung des Restschadensrisikos. Die Feuchtesensoren zeigten, dass der instandgesetzte Beton wie geplant austrocknete und die hydrophobierte Oberfläche das Eindringen von Wasser stark reduzierte - ein unmittelbarer Nachweis des Instandsetzungserfolgs (Austrocknung). Abb. 12: Feuchteverlauf nach Einbau 272 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer Gleichzeitig überwachten die Korrosionssensoren das Restrisiko: Falls trotz aller Maßnahmen korrosive Bedingungen zurückkehren würden, hätte ein Messdraht angeschlagen. Bislang ist dies nicht passiert, was das Vertrauen in die Sanierung erhöht. Für den Betreiber, eine Immobilienverwaltung, liegt der Mehrwert vor allem in der Transparenz und Risikokontrolle. Durch das Monitoring konnte er gegenüber Gutachtern und Versicherungen belegen, dass die gewählte Sanierungstechnologie erfolgreich ist - objektive Sensordaten untermauern die Wirksamkeit. Sollte sich in Zukunft ein Sensor melden (z. B. durch Feuchteanstieg infolge einer Alterung der Beschichtung), kann gezielt und frühzeitig nachgebessert werden. So werden teure Folgeschäden oder unvorhergesehene Totalsanierungen vermieden. Herausforderung in diesem Projekt war insbesondere die Koordination der Sensorinstallation mit dem Bauablauf. Die Kernbohrungen für die Sensoren mussten vor den Beschichtungsarbeiten erfolgen und erforderten präzises Arbeiten, um keine neuen Schwachstellen zu schaffen. Ein weiterer Lerneffekt war die Bedeutung von Referenzsensoren: Erst der Vergleich eines Feuchtesensors im geschützten Bereich mit denen in sanierten Abschnitten ermöglichte die richtige Interpretation der absoluten Messwerte (z. B. jahreszeitliche Schwankungen von Feuchte sind so erkennbar). Insgesamt bewerteten Planer und Eigentümer das Monitoring als wertvolle Ergänzung der Instandsetzung. Es macht ehemals unsichtbare Faktoren (Restfeuchte, latente Korrosion) sichtbar. Ein weiterer oft unterschätzter, aber wesentlicher Mehrwert liegt auch in der gleichzeitigen Erfassung der Temperatur. Sowohl die Feuchteals auch die Korrosionssensoren zeichnen zusätzlich die lokale Bauteiltemperatur auf. Diese Daten liefern wichtige Hinweise auf thermische Gradienten und Temperaturschwankungen im Beton. Exkurs: Ein ähnliches Vorgehen wurde bei der Sanierung eines Straßentunnels in Ingolstadt angewandt, was als Referenzfall dienen kann. Dort wurden nach teilweiser Chloridsanierung CorroDec2G-Sensoren in den Portalbereichen verbaut, um die verbleibenden Chloridrisiken und die Wirksamkeit der Oberflächenschutzmaßnahmen zu beobachten. Die Feuchtesensoren überwachten den Austrocknungsprozess des Betons und deckten auf, dass sich erneut Feuchte ansammelte. Zugleich überprüften sie die Leistungsfähigkeit der hydrophoben Imprägnierung über lange Zeit. Dank Online-Fernüberwachung (NB-IoT-Gateway) konnten die Betreiber jederzeit den Status abrufen und erhielten Alarmmeldungen bei Auffälligkeiten. Diese Kombination aus manueller Kontrolle und Fernauslesung hat sich bewährt, um Sanierungserfolge sichtbar zu machen und Probleme frühzeitig zu erkennen. Dieses Beispiel unterstreicht, dass die in Parkhäusern genutzte Sensortechnik auch in anderen chloridgefährdeten Betonbauwerken erfolgreich eingesetzt wird - die gewonnenen Erkenntnisse sind übertragbar. 8. Vorteile und Grenzen Vorteile für Planer: Durch den Einsatz von Monitoring- Systemen erhalten Planer ein zusätzliches Werkzeug, um Bauwerke im Lebenszyklus langfristig zu begleiten. Insbesondere ermöglicht es eine objektive Bewertung von Instandsetzungsmaßnahmen. Anstatt nur auf Augenschein oder Prognosemodelle zu vertrauen, liefern Sensoren harte Daten, ob z. B. eine Abdichtung funktioniert oder ob im Beton weiterhin Korrosion stattfindet. Ergänzend ergibt sich für den Planer der Vorteil, dass er im Zuge der routinemäßigen Inspektion durch die Auslesung der Sensordaten belastbare Fakten erhält, die automatisch in einen strukturierten Bericht einfließen können. Dieser Bericht lässt sich unkompliziert in den Wartungs- oder Instandhaltungsbericht integrieren und dem Bauherrn als dokumentierter Nachweis der Zustandsentwicklung übergeben. Neben allen Vorteilen gibt es auch Grenzen und Herausforderungen: Kosten-Nutzen-Abwägung: Die Installation eines Monitoring-Systems verursacht zunächst zusätzliche Kosten (Hardware, Einbau, Datensystem). Bei kleineren Objekten oder sehr geringem Schadenrisiko muss abgewogen werden, ob sich die Investition rentiert. Allerdings zeigen Praxisbeispiele, dass sich solche Investitionen oft innerhalb weniger Jahre amortisieren, wenn nur eine einzige größere Schadeneskalation verhindert wird. Trotzdem bleibt Monitoring meist ein individuelles Wirtschaftlichkeits-Thema, das vom Bauherrn überzeugt werden will. Begrenzte Sensorabdeckung: Sensoren messen punktuell. Selbst wenn an vielen Stellen Sensoren verbaut sind, können Schäden an nicht bestückten Bereichen auftreten. Monitoring ersetzt also nicht die allgemeine Bauwerksverantwortung. Es ergänzt die klassische Inspektion, macht sie gezielter und effizienter, aber eliminiert sie nicht vollständig. Daher muss ein Überwachungskonzept immer eine Kombination verschiedener Methoden sein (Sensoren, visuelle Kontrollen, Stichprobenprüfungen). Akzeptanz und Regelwerk: Noch steckt das dauerhafte Bauwerksmonitoring in Parkhäusern in einer Übergangsphase zur breiten Akzeptanz. Zwar hat das Regelwerk es erkannt, doch spezifische Normen für Sensorbetrieb, Kalibrierung oder Bewertung der Daten stehen noch am Anfang. Es gibt noch kein vollständiges Normwerk ausschließlich für sensorbasierte Zustandsbeurteilung von Parkbauten - hier schreitet die Entwicklung aber schnell voran. Bis dahin sind Erfahrungswerte und fachübergreifende Zusammenarbeit gefragt, um das Maximum aus den Systemen herauszuholen. Insgesamt jedoch überwiegen die Vorteile deutlich: Für Planer eröffnen sich neue Möglichkeiten der Qualitätssicherung und der Entwicklung intelligenter Instandhaltungsstrategien. Eigentümer erhalten ein Werkzeug, um ihre Bauwerke kosteneffizienter und sicherer zu betreiben. Nutzer können sich auf si- 12. Kolloquium Parkbauten - Februar 2026 273 Unsichtbare Gefahren sichtbar machen - Kabelloses Monitoring für maximale Lebensdauer cherere und besser erhaltene Parkeinrichtungen freuen. Die Grenzen sind bekannt und beherrschbar - sie definieren den Rahmen, in dem Monitoring sinnvoll eingesetzt werden kann. 9. Fazit und Ausblick Die vorgestellten Inhalte haben gezeigt, dass kabelloses Bauwerksmonitoring - speziell die Überwachung von Feuchtigkeit und Korrosion in Beton - ein wirkungsvolles Instrument ist, um die Lebensdauer von Tiefgaragen und Parkhäusern zu maximieren. Moderne Systeme wie CorroDec2G machen unsichtbare Gefahren im Inneren der Konstruktion sichtbar und liefern frühzeitige Warnsignale, lange bevor ein Schaden von außen erkennbar wäre. Dies ermöglicht es, Instandhaltungsmaßnahmen proaktiv und zielgerichtet einzuleiten, anstatt im Nachhinein großen Schadensereignissen hinterherzulaufen. Dadurch können die Sicherheit der Nutzer gesteigert, die Wertsubstanz der Bauwerke erhalten und die Lebenszykluskosten deutlich gesenkt werden. Für Planer bedeutet die Einbeziehung eines Monitoring- Konzepts in ihre Projekte zunächst ein Umdenken gegenüber herkömmlichen Vorgehensweisen. Doch die Praxisbeispiele belegen: Bereits heute lässt sich solche Sensorik reibungslos in Neubau und Sanierung integrieren und generiert greif baren Mehrwert für alle Beteiligten. Planer sollten daher frühzeitig prüfen, an welchen Stellen ihrer Parkbau-Projekte ein Monitoring sinnvoll ist, und die entsprechenden Vorkehrungen treffen. Wichtig ist, die Erwartungen realistisch zu kommunizieren: Monitoring ist kein Wundermittel, das jegliche Schäden verhindert, aber es ist ein sehr effektives Werkzeug der Qualitätssicherung und Zustandsbewertung. In Zukunft wird die Relevanz solcher Systeme weiter wachsen - angetrieben durch den digitalen Wandel im Bauwesen und die Notwendigkeit, nachhaltiger mit unseren Bauwerken umzugehen. Durch KI und datengetriebene Prognosen wird Monitoring noch leistungsfähiger und könnte eines Tages Bestandteil jeder größeren Infrastruktur werden. Wer sich als Planer schon heute mit diesen Technologien vertraut macht, verschafft sich einen Innovationsvorsprung. Im Sinne der Bauherren und der Gesellschaft - die sichere, dauerhafte Parkhäuser erwarten - ist es eine lohnende Aufgabe. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Kabelloses Monitoring macht das Innenleben von Betonbauten lesbar. Es verlängert die Lebensdauer durch wissensbasierte Instandhaltung und zahlt sich langfristig aus. Planer sind gut beraten, diese Entwicklung aktiv mitzugehen. Unsichtbare Gefahren werden so rechtzeitig erkannt - und können entschärft werden, bevor sie zur Bedrohung für Mensch und Bauwerk werden. Die Empfehlung lautet daher, Bauwerksmonitoring als integralen Bestandteil der Planung von Parkhäusern und Tiefgaragen zu betrachten - für maximale Sicherheit und Lebensdauer in einem nachhaltigen Lebenszyklus.