Kolloquium Straßenbau in der Praxis
kstr
expert Verlag Tübingen
21
2023
31
Zukunft der Bundesautobahnen gestalten
21
2023
Bastian Wacker
Derya Guran
Nach zwei intensiven Jahren der Transformation hat die Autobahn GmbH des Bundes am 01.01.2021 ihre Tätigkeiten in den Kernbereichen Planung, Bau und Betrieb für die Bundesautobahnen aufgenommen. Mit insgesamt 10 Niederlassungen, 41 Außenstellen und 189 Autobahnmeistereien wurde ein lückenloses, bundesweite Kompetenznetz aufgebaut. Die Abteilung Innovation hat mit der Innovationsstrategie „Vorfahrt für Innovation – Innovationsmanagement in der Autobahn GmbH des Bundes“ eine strukturierte Vorgehensweise für Innovationsprojekte etabliert, um die Trends sowie Zukunftsthemen zügig in die Umsetzung zu bringen und mit allen internen wie externen Partnern zusammenarbeiten zu können. Durch die zentrale Herangehensweise und die Bündelung der vorhandenen Erfahrungen können Themen wie Building Information Modelling (BIM) und der Ausbau der Schnelladeinfrastruktur bundesweit einheitlich umgesetzt werden.
kstr310019
3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 19 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten Die Autobahn GmbH des Bundes bietet neue Möglichkeiten des Fortschritts Dr.-Ing. Bastian Wacker Die Autobahn GmbH des Bundes, Berlin Derya Guran Die Autobahn GmbH des Bundes, Berlin Zusammenfassung Nach zwei intensiven Jahren der Transformation hat die Autobahn GmbH des Bundes am 01.01.2021 ihre Tätigkeiten in den Kernbereichen Planung, Bau und Betrieb für die Bundesautobahnen aufgenommen. Mit insgesamt 10-Niederlassungen, 41-Außenstellen und 189-Autobahnmeistereien wurde ein lückenloses, bundesweite Kompetenznetz aufgebaut. Die Abteilung Innovation hat mit der Innovationsstrategie „Vorfahrt für Innovation - Innovationsmanagement in der Autobahn GmbH des Bundes“ eine strukturierte Vorgehensweise für Innovationsprojekte etabliert, um die Trends sowie Zukunftsthemen zügig in die Umsetzung zu bringen und mit allen internen wie externen Partnern zusammenarbeiten zu können. Durch die zentrale Herangehensweise und die Bündelung der vorhandenen Erfahrungen können Themen wie Building Information Modelling (BIM) und der Ausbau der Schnelladeinfrastruktur bundesweit einheitlich umgesetzt werden. 1. Einführung Die Autobahn GmbH des Bundes (kurz: Die Autobahn GmbH) übernahm zum 1. Januar 2021, nach zwei intensiven Jahren des Auf baus, die Gesamtverantwortung für Planung, Bau, Betrieb, Verkehrsmanagement, Erhalt, Finanzierung und vermögensmäßige Verwaltung aller Bundesautobahnen in Deutschland. Damit werden die jahrzehntelangen Erfahrungen aus 16 Bundesländern gebündelt und gleichzeitig neue technologische Entwicklungen genutzt, um ein modernes und innovatives Unternehmen zu gestalten sowie die Bundesautobahnen zu noch sichereren, leistungsfähigeren und nachhaltigeren Verkehrswegen auszubauen. Der Auf bau der neuen Gesellschaft hat Mitte 2019 begonnen und konnte den Betrieb mit dem Zwischenziel der „Tag 1-Bereitschaft“ am 01.-Januar-2021 sicherstellen. Diese Betriebsbereitschaft wird aktuell noch durch Kooperationsvereinbarungen mit den Bundesländern sichergestellt, die allerdings bis zum 31.-Dezember-2023 beendet werden. Bis dahin sind alle IT-Systeme sowie Datenbestände ins Autobahn Netz überführt und werden konsolidiert. Einen wesentlichen Beitrag soll die Entwicklung, Erprobung und die zügige Implementierung neuer, aber auch bewährter Technologien und Geschäftsmodelle mit innovativem Charakter für die Autobahnen leisten. Hierzu nehmen die 10-Niederlassungen, 41-Außenstellen und 189-Autobahnmeistereien eine entscheidende Rolle ein. Die Abteilung Innovation hat mit der Innovationsstrategie „Vorfahrt für Innovation - Innovationsmanagement in der Autobahn GmbH des Bundes“-[1] eine strukturierte und transparente Vorgehensweise für Innovationsprojekte etabliert, um gemeinsam die Trends sowie Zukunftsthemen in die Umsetzung zu bringen. Dabei werden die Ziele Verfügbarkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit des Autobahnnetzes verfolgt. Fortschrittliche Entwicklungen zur Verkehrs- und Energiewende, der Digitalisierung sowie der Klimaschutzmaßnahmen sind dabei wesentliche Treiber. Um den Gründungsgedanken der Autobahn GmbH - schneller und effizienter Planen, Bauen, Betreiben und Erhalten - mit Leben zu füllen, werden innovative Ansätze im Straßenwesen, dem konstruktiven Ingenieurbau, der intelligenten Verkehrssteuerung und dem effizienten Betrieb unterstützt. Durch diese Maßnahmen wird eine Infrastruktur der Zukunft gestalten, die eine Nutzung neuer Mobilitätsformen und erneuerbarer Energien ermöglicht und höhere Sicherheit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Nutzerinnen und Nutzer bietet. Mit der Gründung der Autobahn GmbH eröffnen sich auch neuen Chancen, um die vorhandenen und entstehenden Herausforderungen aufzugreifen und in Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik anzugehen. Hierzu will die Autobahn GmbH ein Umfeld „pro Innovation“ schaffen und fördern. Durch Aktivitäten, wie z.-B. den Rundentisch Baumanagement, werden aktuelle Entwicklungen von allen Beteiligten aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt, zudem können durch die frühzeitige Einbeziehung Hürden und Vorbehalte abgebaut werden. Durch die zentrale Herangehensweise und die Bündelung der vorhandenen Erfahrungen können Themen wie Building Information Modelling (BIM) und der Ausbau der Schnelladeinfrastruktur bundesweit einheitlich umgesetzt werden. Des Weiteren werden Pro- 20 3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten jekte umgesetzt, die unmittelbar Einfluss auf Prozesse nehmen, um z.-B. gesetzte Anforderungen mit neuen Entwicklungen erreichen zu können. Hier sind unter anderem Projekte im Bereich des Lärmschutzes zu nennen. Andererseits können Entwicklungen den Arbeitsalltag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Autobahnen revolutionieren. Hier können Technologien wie z.-B. die Drohnentechnologie weitere Einsatzfelder eröffnen und einen attraktiven wie sicheren Arbeitsplatz gestalten. 2. Innovationsstrategie der Autobahn GmbH Als Basis für die Innovationsstrategie dienen drei übergeordnete Trendfelder, in den die Autobahn GmbH neue Technologien nutzt, um eine Weiterentwicklung zu erreichen. Zu diesen Trendfeldern gehören die Digitalisierung, die Nachfrage nach mehr individueller Mobilität und die Nachhaltigkeit. Mit der Anwendung von Zukunftstechnologien sollen Verbesserungen in den Kernaufgaben aber auch dem Klimaschutz sowie im Verkehrs- und Energiesektor erreicht werden. Hierzu werden wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt, um den aktuellen Stand der Technik weiterentwickeln zu können. Eine leistungsfähige und sichere Infrastruktur kommt den Nutzerinnen und Nutzern aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute, daher werden alle Maßnahmen hieran ausgerichtet. Im Rahmen der Bewertungsschritte werden einheitliche und transparente Kriterien angewendet, die durch weitere regionale Erfahrungen angereichert werden können. Im Fokus stehen anwendungsreife Innovationen, die den Sprung in das reale Verkehrssystem erreichen können. Hierzu wird ein aktives Netzwerkmanagement betrieben, um Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu begleiten und ggf. zu unterstützen aber auch eigene Projekte zu initiieren, um Erfahrungen im realen Umfeld auf bauen zu können. Das Zusammenspiel dieser Faktoren bringt für alle Beteiligten die optimalen Rahmenbedingungen. Die Auswahl aber auch die zielgerichtete Umsetzung von Ideen können durch entsprechende Schnittstellen und Netzwerke im Rahmen eines partnerschaftlichen Zusammenarbeitens erreicht werden. Dies kann autobahnintern aber auch mit externen Partnern erfolgen, um die langfristigen Ziele gemeinsam erreichen zu können. Diese Ziele befassen sich mit der bestmöglichen Mobilität und Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes (Verfügbarkeit), der effizienten Verkehrssteuerung in potenziellen Gefahrensituationen (Sicherheit) und den Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Soziales (Nachhaltigkeit). Zur Erreichung dieser Ziele wurden acht Innovationsschwerpunkte für die Kerntätigkeiten (Planung, Bau, Betrieb und Verkehr) definiert (Abb. 1). Abb. 1: Innovationsschwerpunkte der Autobahn GmbH Mit dem Innovationsschwerpunkt „Bauweisen“ sollen langlebige und wartungsarme Bauweisen in den Fokus genommen werden, dabei stehen neue Fertigungsmethoden und Bauverfahren sowie alternative Roh- und Baustoffe besonders in der Betrachtung. Der Innovationsschwerpunkt „Smart Data“ beschäftigt sich insbesondere mit der Etablierung von Geodateninfrastrukturen und der Verarbeitung von dynamischen und statischen BigData-Ansätzen, zudem wird auch die BIM@Autobahn Strategie diesem Schwerpunkt zu geordnet. Im Innovationsschwerpunkt „intelligenter Verkehr“ werden die Möglichkeiten zur optimalen und sicheren Nutzung der vorhandenen Infrastruktur verortet, hierzu zählt die Vernetzung von Fahrzeugen mit der Infrastruktur aber auch ein intelligentes Baustellenmanagement. Mit dem Innovationsschwerpunkt „Konnektivität“ wird die Autobahn durch die digitale Vernetzung mit allen Beteiligten zur Kommunikationsplattform, dies beinhaltet das vollautomatisierte Fahren, den Auf bau neuer Serviceangebote verschiedener Verkehrsträger aber auch die direkte Bereitstellung von Informationen an die Nutzerinnen und Nutzer. Familien- und nutzerfreundliche Rast- und Parkplätze sowie moderne, energieeffiziente und klimaneutrale Technik in den Autobahnmeistereien der Zukunft werden im Innovationsschwerpunkt „Service“ aufgenommen. Die Themen der alternativen Antriebe inkl. der erforderlichen Ladeinfrastruktur und die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen aber auch Themen rund um die Lärmreduzierung und der Verknüpfung von Lebensräumen werden im Innovationsschwerpunkt „Energie und Umwelt“ verortet. Innerhalb des Innovationsschwerpunkt „Sicherheit“ werden technologische Entwicklungen zur Erhöhung der Sicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Nutzerinnen und Nutzer beleuchtet, dabei spielen angepasste Parksysteme, zukunftsweisende Straßenausstattungen aber auch modernen Absicherungsfahrzeugen eine wesentliche Rolle. Für innovationsfreundliche Rahmenbedingungen ist der Innovationsschwerpunkt „Vergabe“ ein wesentlicher Baustein, um Qualitätsverbesserungen, Baubeschleunigungen und Umweltschutzmaßnahmen schneller in die Praxis zu integrieren. Der Innovationsprozess der Autobahn GmbH ist in drei Phasen aufgebaut und ermöglicht einen praxisnahen, transparenten und zielorientierten Entscheidungs- 3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 21 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten weg. Dabei werden in der ersten Phase durch ein aktives Netzwerkmanagement vorhandene Ideen und Bedarfe gemeinsam entwickelt, eingesammelt und ggf. vorsortiert. In der zweiten Phase erfolgen verschiedene Prüfschritte, die sich auf formale und fachliche Kriterien stützen. Hier wird eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Fachexperten in den Niederlassungen sowie zu externen Partnern gesucht. Die Umsetzung von Projekten durch die Niederlassungen erfolgt in der dritten Phase und wird regelmäßig einem Monitoring unterzogen. 3. Aktuelle Projekte in der Umsetzung In den folgenden Unterkapiteln wird eine Auswahl an Projekte aufgeführt, die sich derzeit in der Umsetzung befinden. Weitere Projekte beschäftigen sich beispielsweise mit dem Thema des Brückenmonitorings aber auch der Verschneidung von Informationen zur Bewertung von Streckenabschnitten, zudem werden Projekte im Bereich des Verkehrsmanagements umgesetzt. Andere Projekte sind im Planungsstadium und werden im Jahr 2023 weiter vorangetrieben. 3.1 Lärmschutzmaßnahmen Durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen wird es immer schwieriger die hohen Anforderungen zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner mit konventionellen Maßnahmen (z.-B. Lärmschutzwände und -wälle, offenporige Deckschichten) wirtschaftlich aber vor allem technisch erfüllen zu können. Aus diesem Grund ist es wichtig neue Entwicklungen im realen Einsatzbereich zu erproben und Erkenntnisse für die zukünftigen Anwendungsfälle zu gewinnen. Neben gezielte Oberflächenbehandlungen der Deckschicht können spezielle Elemente (z.-B. Diffraktoren) im Verkehrsraum die vorhandenen Maßnahmen unterstützen. Abb. 2: Diffraktorsystem auf einer Lärmschutzwand montiert Diffraktorsysteme sollen den Schall (Verkehrslärm) nach oben ablenken und durch die damit einhergehende Streuung zu einer Reduzierung des Verkehrslärms für die Anwohnerinnen und Anwohner führen. Die Elemente bestehen aus verschiedenen tiefen Kammern und können so verschiedene Frequenzanteile des Verkehrslärms möglichst vollständig ablenken (Abb. 2). Das Wirkprinzip ist dabei keine neue Erfindung, sondern vielmehr ist es gelungen das Wirkprinzip in ein standardisiertes Produkt zu überführen. Die Autobahn GmbH führt hierzu in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) Maßnahmen an verschiedenen Standorten im Bundesgebiet durch. Dabei werden unterschiedlichste Anwendungsfälle beleuchtet, um die Möglichkeiten und Grenzen der Systeme ausloten zu können. Ziel ist es, dass anhand der Erfahrungen weitere Empfehlungen für die Anwendung aber auch der Aufnahme in Regelwerke erfolgen können. Hierzu werden Messkonzepte angewendet, die es ermöglichen einen direkten Vergleich zwischen den Referenzabschnitten und den Abschnitten mit den neuen Maßnahmen durchzuführen. 3.2 BIM@Autobahn Die Autobahn GmbH hat durch den Neuauf bau der Gesellschaft die Möglichkeit, die kollaborative Arbeitsmethode Building Information Modeling (BIM) nach dem BIM-Masterplan [2] anhand vorhandener Erfahrungen aus den Bundesländern, weiterer nationaler und internationaler Infrastrukturbetreiber und den aktuellen technischen Entwicklungen auf Basis der Open-BIM-Philosophie und Cloud-First-Strategie aufzusetzen. Hierbei werden die drei Phasen des BIM-Masterplans durchlaufen und Vorbereitungen für den Regelprozess ab 2025 mit einem optimierten Informationsfluss gelegt. Wesentlich bei der Arbeitsmethode ist es, dass die Datenverluste während der Übergabe von (Zwischen-)Ergebnissen bzw. während der Nutzungszeit verhindert wird und sich der Informationsstand während der gesamten Nutzungsdauer stetig auf baut. Zu Erreichung dieser Ziele setzt die Autobahn GmbH auf den engen Austausch mit allen relevanten Stakeholdern und hat die Leitung der Pflegestelle Bundesfernstraßen im BIM-Portal übernommen. Bei der BIM@Autobahn- Strategie wird die zentrale Datenmanagement Plattform (Enterprise Information Management System-=-EIM) der Autobahn genutzt, um allen beteiligten Partnern denselben und aktuellen Planungsstand der einzelnen Modelle zur Verfügung stellen zu können. Hierzu ist es erforderlich eine solide fachliche Basis innerhalb der Gesellschaft aufzubauen und die vorhandenen Erfahrungen nutzbar zu machen. Dies geschieht durch aktuell fünf Arbeitsgruppen, in denen Ansprechpartner aus den einzelnen Niederlassungen und des zentralen BIM-Managements die Themen „Methoden- Daten- und Kommunikationsmanagement“, „Informationsmanagement“, „Anwendungsfälle, Umsetzung und Pilotierung“, „Organisatorisches und Rahmenbedingungen“ sowie „Personalentwicklung und BIM-Schulungen“ bearbeiten und die erforderlichen Grundlagen für die Autobahn GmbH erstellen. Im Regelprozess sollen lokale Ansprechpersonen in den Niederlassungen zur Verfügung stehen, um als direkte Unterstützung in den Projekten die aktuellen, unternehmensweiten Entwick- 22 3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten lungen einzubringen und die Projekte begleiten zu können. Damit dies zusammen mit den externen Partnern funktionieren kann, sind bestimmte Regeln und Pflichten zu vereinbaren. Hierzu wurde eine Auftraggeber-Informationsanforderung (AIA) in der ersten Version erstellt und in ersten Projekten eingebracht. Durch diese klaren Rollenverteilungen werden die Ressourcen auf allen Seiten optimal genutzt und die Vielzahl der Projekte lassen sich effizient steuern (Abb. 3). Abb. 3: Auftraggeber Informationsanforderung für ein einheitliches Rollenverständnis in BIM Projekten Ein wesentlicher Punkt für eine ganzheitliche Umsetzung eines objektorientierten Informationsmanagements ist die standardisierte Bearbeitung von Projekten mit einer einheitlichen Attributierung durch einen klaren und schlüssigen Objektkatalog. Diese Vorgehensweise vereinfacht die Zusammenführung und vor allem die automatisierte Kontrolle der einzelnen Teilmodelle im Gesamtmodell. Der Objektkatalog wird für alle Phasen der Nutzung --Planung, Bau, Betrieb-- benötigt, damit während der Nutzungszeit keine Verluste an Informationen auftreten und dieselbe Sprache gesprochen wird. Grundlage ist eine standardisierte Klassifizierung nach Objektgruppe, Objektklasse und ggf. Objekttyp. Weitere Merkmalwerte (z.-B. Materialien, Produktionszeiten) können den jeweiligen Objekten projektspezifisch hinzugefügt werden. Durch den Objektkatalog können verschiedene Partner in den Teilmodellen die eigenen Planungen für das Gesamtmodell erarbeiten. Nur durch diese systematische Arbeitsweise lassen sich die Schnittstellen zwischen den Disziplinen Straßenbau, Landschaft und Umwelt, Geotechnik, Ingenieurbau sowie Tunnelbau optimal nutzen, zusammenführen und die höchste Datenqualität erreichen. 3.3 Drohnentechnologie Die Betrachtung und das Monitoring großer Flächen oder großer Infrastrukturelemente lässt sich häufig besser und flexibler durch die Betrachtung aus der Vogelperspektive ermöglichen. Hierzu bietet die Drohnentechnologie in Kombination mit der Digitalisierung verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Innerhalb der Autobahn-GmbH werden verschiedene Einsatzmöglichkeiten gesehen: Neben der Öffentlichkeitsarbeit können Informationen zu Bauwerken, Vegetationsflächen, Verkehrs- oder Baustellensituationen aus der Luft schnell und unkompliziert gewonnen werden. Abb. 4: Brückenlager Kontrolle durch den Betriebsdienst Ein aktuelles Projekt beschäftigen sich mit der Unterstützung des Betriebsdienst während der täglichen Arbeit. Im Laufe des ersten Projektes werden Einsatzmöglichkeiten in fünf Autobahnmeistereien der Niederlassung West gewonnen. Insbesondere sind dort Einsatzzwecke im Bereich der Sichtprüfung von Brückenlagern (Abb. 4) oder unzugänglichen Bereichen zu nennen. Dies beinhaltet die Bereitstellung von kurzfristigen und kostengünstigen Informationen für Brückenprüfer (ohne Spezialequipment (Brückenuntersichtsgerät)), damit weitere Maßnahmen genauer und umfassender geplant werden 3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 23 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten konnten. Aber auch bei der Kontrolle von Waldgebieten konnten entscheidende Informationen zur Angebotseinholung bzgl. der Grünpflege gewonnen werden, weil eine reine Betrachtung von unten (Waldboden) deutlich weniger Auffälligkeiten gezeigt hatte. Weitere Einsatzbereiche bewegen sich in der Kontrolle von unbewirtschafteten Rastanlagen oder den autobahneigenen Grundstücken und Gebäuden. Abb. 5 Baufortschrittdokumentation mittels Luftbildaufnahmen Je nach Ausstattung der Drohnen können weitere Ergebnisse gewonnen werden. Hier das Projekt „Monitoring von Vegetationsflächen mittels UAV (Drohne)“ zu nennen, bei dem unter anderem Ausgleichsflächen mit einer Spektralkamera beflogen werden und im Anschluss der Zustand des Bewuchses analysiert werden kann. Dabei lässt sich eine Dokumentation durchführen aber auch Stellen ermitteln an denen möglicherweise Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das geplante Ergebnis der Ausgleichsfläche erreichen zu können (Beitrag im Rahmen des 3. Kolloquium Straßenbau in der Praxis). Zudem werden weiterhin Einsatzbereiche für Vermessungszwecke, Baufortschrittdokumentation (Abb. 5) und bei der der Brückenprüfung beobachtet und analysiert. 3.4 Schnelladeinfrastruktur Durch das „Gesetz über die Bereitstellung flächendeckender Schnellladeinfrastruktur für reine Batterieelektrofahrzeuge (Schnellladegesetz - SchnellLG)“ [3] und durch den Koalitionsvertrages „Mehr Fortschritt wagen - Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ [4] der akt. Bundesregierung wurde der Aus- und Aufbau der Schnellladeinfrastruktur entlang der Bundesautobahnen in den Fokus gerückt. Die Autobahn GmbH hat vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) den Auftrag erhalten die Schnelladeinfrastruktur für Pkw auf den bewirtschafteten und unbewirtschafteten Rastanlagen auszubauen. Dieser Ausbau findet im Einklang mit dem Ausbau der Schnelladeinfrastruktur im nachgeordneten Netz statt. Ziel ist es, dass alle 10-Fahrminuten eine Schnellladeinfrastruktur zur Verfügung steht und so die Nutzung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen auch für die Langstrecke attraktiv wird. Die Autobahn GmbH setzt den Plan in zwei parallellaufenden Projekten um. Zum einen werden 200 unbewirtschaftete Rastanlagen mit 4, 6 oder 8 Schnellladepunkten ausgestattet. Hierzu findet eine Ausschreibung von insgesamt sechs Losen statt, damit die Auftragnehmer der Autobahn GmbH den Auf bau sowie den Betrieb für die kommenden Jahre sicherstellen. Parallel wird den Konzessionären der bewirtschafteten Rastanlagen ein Angebot unterbreitet die Anforderungen der Nationalen Leitstelle zu den ermittelten Ladepunkte aufzubauen und zu betreiben. Neben den statischen Lademöglichkeiten verfolgt die Autobahn GmbH auch Aktivitäten im Bereich des dynamischen Ladens. Hierzu werden in Deutschland zwei Teststrecken mit Oberleitungssystemen zum Laden von Schwerverkehrsfahrzeugen betrieben (E-Highway: BAB A1 zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck und BAB A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt) aber auch Forschungsaktivitäten bei der BASt zum Thema induktiven Laden verfolgt. Als assoziierter Partner unterstützt die Autobahn GmbH ein Projekt zum prozesssicheren Einbau von Induktionsspulen während des Einbaus des gebundenen Oberbaus. 4. Fazit Mit der Innovationsstrategie hat die Autobahn GmbH des Bundes direkt zu Beginn des Betriebsstart ein strukturiertes und transparentes System aufgebaut, um die Zukunft der Bundesautobahnen aktiv zu begleiten. Für alle Kernbereiche (Planen, Bauen, Betrieb und Verkehr) können Ideen in acht Innovationsschwerpunkten eingebracht werden. Innerhalb der ersten zwei Betriebsjahre wurden verschiedene, anwendungsreife Innovationen zur Bewertung im realen Einsatzbereich angestoßen und durchgeführt. Hierzu zählen Themen rund um den Lärmschutz aber auch Themen für die Erleichterung der täglichen Arbeit im Betriebsdienst oder dem Vegetationsmonitorings mittels Drohnentechnologie. Zudem werden die BIM@Autobahn-Strategie und der Ausbau der Schnelladeinfrastruktur für die gesamte Autobahn-GmbH ge- 24 3. Kolloquium Straßenbau - Februar 2023 Zukunft der Bundesautobahnen gestalten steuert und zusammen mit den Niederlassungen für die Umsetzung vorbereitet. Gemeinsam mit internen wie externen Partnern können Ideen und Anwendungen aus der Forschungs- und Entwicklungsphase in das reale Einsatzgebiet überführt werden und weitere Erkenntnisse liefern. Die Weiterentwicklung der Infrastruktur kann und soll zusammen angegangen und umgesetzt werden. Literatur [1] Die Autobahn GmbH des Bundes, „Vorfahrt für Innovationen - Innovationsmanagement in der Autobahn GmbH des Bundes,“ Berlin, 2021. [2] A. Meister, F. Scholz und S. Banemann, „Masterplan BIM Bundesfernstraßen,“ BMVI - Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Berlin, 2021. [3] „Gesetz über die Bereitstellung flächendeckender Schnellladeinfrastruktur für reine Batterieelektrofahrzeuge (Schnellladegesetz - SchnellLG),“ 2021. [Online]. Available: https: / / www.gesetze-im-internet.de/ schnelllg/ SchnellLG.pdf. [Zugriff am 13 12 2022]. [4] SPD,Bündnis90/ DieGrünen,FDP,„MehrFortschritt wagen - Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit,“ 2021. [Online]. Available: https: / / www.bundesregierung.de/ breg-de/ service/ gesetzesvorhaben/ koalitionsvertrag-2021-1990800. [Zugriff am 13 12 2022].
