Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis
ktw
expert verlag Tübingen
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2025
81
Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern
0922
2025
Stefan Schmalfuß
Die Sanierung von Trinkwasserbehältern besteht nicht nur daraus, ein geeignetes Beschichtungsmaterial zu bestimmen und die Untergrundvorbehandlung festzulegen. In vielen Fällen wird häufig bereits bei der Erstbesichtigung innen eine farbige Beschichtung oder außen eine schwarze Abdichtung festgestellt. Dies kann auf eine mögliche Schadstoffbelastung hinweisen. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme mit der Sichtung der alten Dokumente ist genauso wichtig wie die Abstimmung der richtigen betontechnologischen Untersuchung mit der Erkundung von Schadstoffen. In den folgenden Kapiteln werden die gängigsten Schadstoffe betrachtet und das Vorkommen in und an Trinkwasserbehältern praxisnah erläutert.
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8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 131 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern Stefan Schmalfuß, M. Sc. Dr. Born - Dr. Ermel GmbH, Achim Zusammenfassung Die Sanierung von Trinkwasserbehältern besteht nicht nur daraus, ein geeignetes Beschichtungsmaterial zu bestimmen und die Untergrundvorbehandlung festzulegen. In vielen Fällen wird häufig bereits bei der Erstbesichtigung innen eine farbige Beschichtung oder außen eine schwarze Abdichtung festgestellt. Dies kann auf eine mögliche Schadstoffbelastung hinweisen. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme mit der Sichtung der alten Dokumente ist genauso wichtig wie die Abstimmung der richtigen betontechnologischen Untersuchung mit der Erkundung von Schadstoffen. In den folgenden Kapiteln werden die gängigsten Schadstoffe betrachtet und das Vorkommen in und an Trinkwasserbehältern praxisnah erläutert. 1. Ausgangzustand in der Praxis Bevor die Planung der Sanierung eines Trinkwasserbehälters beginnen kann, steht an erster Stelle der Betreiber, der den notwendigen Bedarf einer Sanierung feststellt, definiert und meldet. In der Praxis wird größtenteils im Betrieb des Trinkwasserbehälters festgestellt, dass ein Problem wie bspw. eine Verkeimung des Trinkwassers oder Blasenbildung an alten Beschichtungen vorliegt. Falls im Unternehmen keine internen Fachleute zur Verfügung stehen, wird empfohlen, sich zunächst an ein erfahrenes Ingenieurbüro zu wenden, damit eine nachhaltig sinnvolle Planung der Sanierung ausgearbeitet werden kann. Viele Aspekte, wie die Grundlagenermittlung, die betontechnologische Untersuchung, das Feststellen von Schadstoffen oder das Instandsetzungskonzept erfordern eine sorgfältige und zeitintensive Bearbeitung. Die Schadstoffbeseitigung ist dabei nur ein Aspekt, welcher in der Planung berücksichtigt werden muss. Die folgende Grafik erläutert die wesentlichen Schritte bis zur Planung der Schadstoffbeseitigung: Abbildung 1: Vorgehen bis zur Schadstoffentfernung Auf die Aspekte der Schadstoffidentifizierung und -beseitigung wird in den folgenden Abschnitten in chronologischer Reihenfolge im Detail eingegangen. Weiterhin werden praxisnahe Beispiele aufgezeigt. 2. Feststellung Ist- und Sollzustand Im ersten Schritt wird der Ist- und Sollzustand festgestellt. Die Feststellung des Ist- und Sollzustandes ist auch der Arbeitsschritt, in dem der Behälter physisch begutachtet wird. Auch können in diesem Arbeitsschritt bereits die ersten Vermutungen zur Bausubstanz getätigt werden. Während der Vor-Ort-Besichtigung des Trinkwasserbehälters lässt sich bereits vermuten, ob mit Schadstoffen bei einer Sanierung gerechnet werden muss. Am auffälligsten sind farbige Anstriche oder Beschichtungen, welche auf den Wänden, der Sohle oder der Decke appliziert worden sind. Die folgende Abbildung 2 zeigt ein Beispiel aus der Praxis von einer Besichtigung eines Behälters aus Norddeutschland. Gut zu erkennen ist, dass der Behälter im Inneren komplett mit einer blauen Beschichtung beschichtet worden ist. Abbildung 2: Blaue Beschichtung in einem Trinkwasserbehälter in Norddeutschland (eigene Aufnahme) Die Farbe allein stellt keinen eindeutigen Hinweis auf das Vorhandensein eines Schadstoffs dar. Zudem kann anhand der Farbe kein spezifischer Schadstoff identifiziert werden. Es ist lediglich ein Hinweis auf eine mögliche Schadstoffbelastung. Sollte der Betreiber noch alte Bestandsunterlagen für das Bauwerk vorliegen haben, können alte Materialnachweise 132 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern Hinweise darauf geben, welcher Hersteller vorliegt und ggf. was für Inhaltsstoffe in der Beschichtung verarbeitet wurden. Aber auch das sollte nur als Hinweis verstanden werden und nicht als eindeutiger Beweis, ob eine Schadstoffbelastung vorhanden ist. In der Praxis wurden teilweise alte Materialnachweise gefunden, wo in der Verarbeitung der damaligen Materialen Zusatzstoffe wie Stellmittel beigefügt wurden, welche aber nicht in den Unterlagen erwähnt worden sind. Weiterhin ist das Alter des Behälters oder der Beschichtung ein wichtiger Aspekt, welcher Aufschluss auf verarbeitete Schadstoffe geben kann. Auch kann die „Handschrift des Verarbeiters“ Rückschlüsse auf Schadstoffe vermuten lassen. Aus der Praxis ist bekannt, dass regional oft dieselben Beschichtungen oder Bauweisen vorzufinden sind. Dies lässt darauf schließen, dass ein Bauunternehmen mehrere Behälter im gleichen Baustil errichtet hat. Damit können aus vorherigen Sanierungen bereits Rückschlüsse auf Schadstoffe gezogen werden. Für eine Schadstoffdeklaration ist immer ein Beweis notwendig. Dieser kann durch eine betontechnologische Untersuchung erlangt werden. 3. Betontechnologische Untersuchung Es ist die Aufgabe der Planung die betontechnologische Untersuchung qualitativ zu beschreiben. Neben Parametern wie Haftzugwerten oder Druckfestigkeiten muss dem Untersuchenden auch mitgeteilt werden, welche Schadstoffe in der Bausubstanz vermutet werden. Die Information, welche Schadstoffe vermutet werden, lässt sich aus der Grundlagenermittlung, der Vor-Ort-Besichtigung und Erfahrung aus vergleichbaren Projekten ableiten. Es empfiehlt sich außerdem, die betontechnologische Untersuchung fachlich zu begleiten. Oftmals lässt sich erst während der Untersuchung eine versteckte Schadstoffquelle aufdecken. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn eine mehrlagige Beschichtung festgestellt wird. So ist es vor Ort möglich, weitere Untersuchungen und ggf. eine größere Probenmenge abzustimmen, um Schadstoffe im Trinkwasserbehälter festzustellen. 4. Schadstoffe im Trinkwasserbehälter 4.1 Belastung und Schadstoffgruppen Um zu erläutern, warum viel Aufwand und Zeit in die Untersuchung und Deklaration von Schadstoffen bei der Sanierung von Trinkwasserbehältern investiert wird, folgt zunächst die Definition: „Schadstoffe: sind Substanzen, die in bestimmten Mengen oder Konzentrationen negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesundheit von Menschen, Tieren oder Pflanzen haben können“ [1]. Einer der wichtigsten Punkte für Betreiber und Planer ist demnach, dass bei der Sanierung Menschen geschützt werden müssen, wenn Sie mit den Schadstoffen in Kontakt kommen. Sollten wissentlich Schadstoffe vermutet werden und Menschen kommen bei der Sanierung zu Schaden, steht der Betreiber/ Planer in der Verantwortung. Der nächste wichtige Punkt ist, dass wenn man Eigentümer und Besitzer von schadstoffbelastetem Material ist, sorgetragen werden muss, dass die Verwertung ordnungsgemäß durchgeführt wird und keine unzulässige Exposition in die Umwelt gelangt. Aus der Praxis sollte erwähnt werden, das fachkundige Firmen, welche Sanierungen durchführen sich größtenteils auch mit Schadstoff belastetem Material auskennen. Sollte somit eine mangelhafte Planung und betontechnologische Untersuchung durchgeführt worden sein und Schadstoffe nicht oder ungenügend nachgewiesen worden sein, so ist im Bauablauf mit Nachträgen und erheblichen Kostensteigerungen zu rechnen, welche gleichzeitig Terminpläne nichtig machen und sprengen können. In der Praxis kommen folgende Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen regemäßig vor: • Polychlorierte Biphenyle (PCB) • Asbest • Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) Auf diese drei Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen wird im Nachfolgenden mit Praxisbezug näher eingegangen. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass nicht alle Schadstoffe in Trinkwasserbehältern damit abgedeckt sind. Eine Schadstoffbelastung kann z. B. auch durch Schimmelpilze verursacht werden. Auch können Fremdstoffe wie Chloride das Strahlgut und die Bausubstanz belasten, wenn z. B. mit chloridhaltigen Mitteln gereinigt wurde. Um die Schadstoffbelastung zu bewerten, müssen die Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV (§ 6) und die Technischen Regeln für Gefahrenstoffe (TRGS) angewandt werden. Es handelt sich dabei jeweils um eine gesetzlich vorgeschriebene Bewertung, bei der ermittelt wird, ob Beschäftigte bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gefährdet sind und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Sie ist unter anderem Pflicht bei Arbeiten mit Asbest, PCB und PAK [2]. 4.2 Polychlorierte Biphenyle Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind künstlich hergestellte chemische Verbindungen, die aus zwei miteinander verbundenen Benzolringen bestehen, auf denen unterschiedlich viele Chloratome sitzen. Sie wurden früher in elektrischen Geräten, Farben und Dichtungen verwendet, weil sie sehr stabil und hitzebeständig sind. Heute sind PCB wegen ihrer giftigen, umweltgefährdenden und gesundheitsschädlichen Eigenschaften weltweit verboten [3]. In der Praxis lassen sich noch immer beschichtete Behälter vorfinden, in welchem PCB vorhanden ist. Anders als PAK ist PCB ein künstlich hergestelltes Produkt aus Chemikalien. PCB wurde früher in die Beschichtungen gemischt, damit die Verarbeitung einfacher ist. Damit wurden Anstriche streichfähiger und die Materielaien wurden beständiger. Praxisbeispiel zu PCB: Die Abbildung 3 zeigt einen Bohrkern aus einem Vorlagebehälter. Der Behälter ist aus den 70-iger Jahren und wurde mit einer blauen Farbe vollständig beschichtet. Eine Untersuchung der Beschichtung ergab einen Wert von PCB in Summe von 8,8 mg/ kg, womit die Schadstoffbelastung nachgewiesen ist. 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 133 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern Abbildung 3: Bohrkern aus einem Vorlagebehälter mit blauer Beschichtung (eigene Aufnahme) 4.3 Asbest Asbest ist ein Sammelbegriff für natürlich vorkommende, faserartige Minerale, die früher wegen ihrer Hitzebeständigkeit, Isolierfähigkeit und Reißfestigkeit weit verbreitet in der Bauindustrie eingesetzt wurden. Intensiv verbaut wurde Asbest vor allem zwischen 1950 und 1980 [4]. Asbest ist ein natürlicher Baustoff, welcher für Meschen und Tiere gefährlich ist. Diese Fasern sind lungengängig und können z. B. bei Stahlarbeiten in die Luft übertragen werden. Bereits eine einzelne Asbestfaser kann nachweislich eine Asbestose auslösen. Asbestose ist eine chronische Lungenerkrankung, die durch das Einatmen von Asbestfasern verursacht wird. Die eingeatmeten Asbestfasern reizen und schädigen das Lungengewebe, was zu einer fortschreitenden Vernarbung (Fibrose) der Lunge führt. [5] Die folgende Abbildung 4 zeigt Asbest in seiner natürlichen Form. Die Aufnahme wurde vergrößert damit die Fasern erkenntlich sind. Abbildung 4: Asbest in seiner natürlichen Form (Aufnahme erworben bei I-Stock Photo) In der Praxis sind Asbestfasern unter anderem als Stellmittel bei Beschichtungen eingesetzt worden, um die Konsistenz der Beschichtung zu ändern. Stellmittel - auch Thixotropiermittel, Verdickungsmittel oder Rheologieadditive genannt - sind Zusatzstoffe, die die Viskosität oder das Fließverhalten einer Beschichtung gezielt verändern, ohne die Endhärte oder Optik zu beeinträchtigen. Untersuchungen in der Praxis haben ergeben, dass der Asbestgehalt in Beschichtungen in der Regel bei ca. 1-5-% liegt, auch höhere Konzentrationen sind möglich. Asbestfasern, welche als Stellmittel verwendet wurden, sind mit dem bloßem Auge nicht direkt sichtbar. Das Vorkommen der Fasern kann nur im Labor nachgewiesen werden. Gängige Methoden sind Polarized Light Microscopy (PLM) oder Rasterelektronen-Mikroskopie mit energiedispersiver Röntgenspektroskopie (REM/ EDX). 1. Praxisbeispiel zu Asbest: In der Abbildung 5 ist ein dreischichtiger Auf bau einer Beschichtung dargestellt. Dieser Auf bau stammt aus einem Behälter aus Norddeutschland, der 1970 gebaut wurde und 1993 saniert/ beschichtet wurde. Die drei Schichten bestehen aus einer blauen Deckschicht ca. 1000- mm dick, einer Egalisierungsschicht ca. 1500- mm dick und einer hellen gelblichen Ausgleichsschicht ca. 5000-mm dick. Appliziert wurde diese auf einem Beton mit sehr hohen Druckfestigkeiten. Der Beton wies zudem ein sehr großes Größtkorn auf mind. 36 mm auf. Abbildung 5: Asbestkonterminiert Beschichtung (Bild bereitgestellt von bsm²) In diesem Fall lag eine Bestandsdokumentation der Beschichtung vor. Es wurde ein KTW zugelassenes Material ausgewiesen, ohne Hinweis auf Asbest. Es wurde im Labor festgestellt, dass sich in der Egalisierungsschicht (Schicht 2) Asbest befindet. Dieses wurde als Stellmittel beigefügt. Der Zeitraum der Beschichtung lag zwischen 1992 und 1993. An diesem Beispiel wird deutlich, dass obwohl eine Dokumentation der Beschichtung vorlag und das Jahr eher nicht auf den Einsatz von Asbest hindeutet bzw. in der Übergangszeit liegt, Asbest festgestellt wurde. Auch ist in der mikroskopischen Aufnahme kein optischer Hinweis auf Asbestfasern zu erkennen. Asbestfasern können jedoch auch in Einbauteilen vorkommen. Ein Beispiel dafür sind verlorene Schalungen von runden Stützen. Hier wurden in der Vergangenheit Faserzementrohre verwendet, welche als Schalung für die Bewehrung dienten. Die Rohre wurden dann je nach Konstruktion als Pendelstützen im Bauwerk ausbildet. Das Rohr wurde aufgestellt und die Bewehrung wurde als Korb in das Rohr gesetzt. Im Anschluss wurde das Rohr ausbetoniert. In so einem Fall ist der Asbestgehalt sehr hoch und mit bloßem Auge sichtbar. 134 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern 2. Praxisbeispiel zu Asbest: Die folgende Abbildung 6 stammt von einem Haftzugversuch, welcher auf einem Faserzementrohr durchgeführt wurde. Auf dem Bild sind die Fasern deutlich zu erkennen, welche sich von der Oberfläche des Rohres gelöst haben. Der Behälter, in dem das Faserzementrohr eingebaut wurde, wurde im Jahr 1975 gebaut. Eine Bestandsdokumentation lag nicht vor. Auf den Oberflächen war eine weiße Beschichtung appliziert. Das Rohr war nicht als Fertigteil erkennbar. Aufgefallen war das Asbestrohr im Zuge der betontechnologischen Untersuchungen. Abbildung 6: Gezoomtes Bild aus einem Haftzugversuch an einem Faserzementrohr, eingebaut in einem Behälter in Norddeutschland (eigene Aufnahme) In der Praxis gibt es jedoch auch Bereiche, welche nicht direkt untersucht werden können. So wurde während einer Sanierung asbesthaltiges Dämmmaterial bei Kernbohrungen zwischen zwei Wänden festgestellt. Das Material wurde als Trennsicht zwischen der Wand einer Schieberkammer und der Wand der Wasserkammer verwendet. Diese Bereiche sind während einer betontechnologischen Untersuchung schwer zu untersuchen bzw. der Aufwand dahinter ist sehr hoch. Aufgefallen ist dies bei einer Behältersanierung, eines Trinkwasserbehälters aus 1940. Eine Bestandsdokumentation lag nicht vor. 4.4 Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind chemische Verbindungen, die aus mehreren, miteinander verbundenen Benzolringen bestehen. Sie entstehen vor allem bei unvollständiger Verbrennung von organischen Stoffen wie Kohle, Öl, Holz oder Tabak. Viele PAKs sind giftig, können die Umwelt belasten und einige gelten als krebserregend [6]. Ein wichtiger Leitparameter ist unter anderem Naphthalin. Dieser Parameter kommt in PAK haltigen Beschichtungen häufig vor und ist gut nachweisbar [7]. PAK-Schadstoffe kommen selten im Inneren von Behältern vor, konnten aber auch schon in verschieden Beschichtungen nachgewiesen werden. Dies entsteht dann, wenn die einzelnen Bestandteile verunreinigt sind. So wurden in einer Beschichtung eines PCB-Schadstoff belasteten Behälters auch PAKs nachgewiesen. Relativ häufig kommen stark belastete Bauteile jedoch außerhalb von Behältern vor. Die Wasserstoffverbindungen sind früher ein Bestandteil von steinteerhaltigen oder teeröligen Anstrichen gewesen. Sie wurden aufgrund der Langlebigkeit und der gut abdichtenden Eigenschaften eingesetzt. Die Anstriche wurden bis hin in die 80-iger Jahre verwendet. Anfang 1990 wurden diese Anstriche dann in Deutschland verboten. Praxisbeispiel zu PAKs: In der nachfolgenden Abbildung 7 ist die freigelegte Behälterdecke eines Trinkerwasserbehälters aus 1970 dargestellt. Die Freilegung erfolgte, um zu prüfen, ob eine Außenabdichtung vorliegt. Vorgefunden wurde eine teerhaltige Abdichtung, welche als Anstrich außen auf dem Tragwerk appliziert wurde. Abbildung 7: Kratztest an einer teerhaltigen Beschichtung (eigene Aufnahme) Es sollte beachtet werden, dass viele Trinkwasserbehälter in Trinkwasserschutzgebieten liegen. Somit besteht immer die Möglichkeit einer Exposition in das Erdreich. Gerade in der Nähe von Brunnengalerien können sich daraus Probleme entwickeln, wenn die Grundwasservorkommen nahe den Oberflächen liegen und nicht durch eine mächtige Lehm- oder Tonschicht geschützt sind. 5. Planung der Schadstoffentfernung 5.1 Anforderungen an die Schadstoffbeseitigung Sind durch den Betreiber/ Planer die Schadstoffe erkannt und deklariert worden, erfolgt die Planung der Entfernung des Schadstoffes. Durch die Technischen Regeln für Gefahrenstoffe (TRGS) wird beschrieben, was dabei beachtet werden muss. Die TRGS regeln zudem, ob ein Sachkundenachweis für die Beseitigung von Schadstoffen vorliegen muss. Ob der Sachkundenachweis bei der Firma, die zur Entfernung beauftragt wird, vorliegt, muss entsprechend sichergestellt werden. Bei der Planung der Schadstoffentfernung der oben genannten Schadstoffe PAK, PCB und Asbest sind unter anderem folgende TRGS in der Anwendung sinnvoll: TRGS 400 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 135 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern (Gefährdungsbeurteilung), TRGS 524 (Sanierung in kontaminierten Bereichen), TRGS 500 (Schutzmaßnahmen), TRGS 551 (PAK/ PCB/ Dioxine/ Furane, TRGS 519 (Asbest), PCB-Richtlinie (für Sanierung und Entsorgung in Gebäuden). Für das belastete Objekt bedeutet dies, dass in den Vergabeunterlagen (Leistungsverzeichnissen) entsprechende Positionen erstellt werden müssen. Die Positionen dienen dabei maßgeblich dem Schutz der Mitarbeiter und der Verhinderung einer Freisetzung der Schadstoffe in der Umwelt. Bei Asbest muss beachtet werden, dass alle Arbeiten nach § 15 Gefahrenstoffverordnung bei dem zuständigen Amt angemeldet werden müssen. Dies muss mindestens sieben Tage vor Beginn der Arbeiten erfolgen. Gleiches gilt für PCB, wenn von einer Gefahrenstofffreisetzung ausgegangen wird [8]. In der Planung sollte zudem eine Deklaration des belasteten Materials erfolgen. Diese ist wichtig, um belastetes Material entsprechend zu verwerten. Im Fall von Asbest, PCB und (PAK) Endlagern nach DepV. Es muss in der Planung auch betrachtet werden, wo sich ggf. Endlagerstätten befinden, damit bei größeren Mengen der Materialtransport in der Kostenberechnung mit betrachtet werden kann. Als Alternative kann in der Planung auch eine thermische Verwertung in Betracht gezogen werden. Dies kann in seltenen Fällen sogar notwendig werden, wenn Grenzwerte massiv überschritten werden. Bei der Entfernung der Stoffe vom Kernbeton ist zudem das Minimierungsgebot anzuwenden. Obwohl die Praxis dem Vorgehen teilweise widerspricht, wenn von der Deponie maximale Grenzkonzentrationen der Stoffe vorgegeben werden und eine Verdünnung des Schadstoffes erfolgen muss. 5.2 Schadstoffentfernung in der Praxis am Beispiel von einem Asbest belasteten Trinkwasserbehälter Bei dem Praxisbeispiel handelt es sich um einen Trinkwasserbehälter in Norddeutschland, welcher eine blaue Beschichtung vorwies. Abbildung 2 und Abbildung 5 stammen aus diesem Praxisbeispiel. In der betontechnologischen Untersuchung wurde Asbest vom Planer als Standarduntersuchungsparameter gefordert. In den Proben, welche untersucht wurden, ist Asbest mit 5-% Masse nachgewiesen worden. In den ausführlichen Bestandsunterlagen wurde das Stellmittel nicht erwähnt oder beschrieben. In der Planung der Behältersanierung wurde deshalb als zusätzlicher Arbeitsgang das Abfräsen der Beschichtung bei der Untergrundvorbereitung berücksichtigt. Zusätzlich zu einer normalen Baustelleneirichtung müssen aufgrund der Schadstoffbelastung zusätzliche Positionen berücksichtigt werden. Diese beinhaltete unter anderem eine Sauganlage für den Unterdruck, eine 3-Kammer- Personenschleuse, eine 2-Kammer-Materialschleuse, Unterdruckmessungen, Zwischenreinigung und Freimessen des Behälters. Bei der Planung wurde zudem berücksichtigt, dass das entfernte Material abgepackt und für die Endlagerung übernommen werden musste. Weiterhin musste eine große Arbeitshöhe berücksichtigt werden, welche in dem Behälter nur mit Gerüst erreicht werden konnte. Für den Betreiber bedeutetet dieser Aufwand Mehrkosten von ca. 150 €/ m². Die zu sanierende Fläche beträgt ca. 2.300 m². Unter der Berücksichtigung, dass das Stellmittel in der Vergangenheit nur für die bessere Fließfähigkeit und Applikation aufgebracht wurde, führt dies zu erheblichen Kosten. 6. Fazit Es gibt in alten sanierungsbedürftigen Trinkwasserbehältern ein erhebliches Risiko, dass schadstoff belastete Materialien im Bau verwendet wurden. Die Identifikation gestaltet sich häufig schwierig und muss im Rahmen der betontechnologischen Untersuchung abgeklärt werden. Unzureichende Kenntnisse und versäumte Untersuchungen können im Verlauf der Sanierung zu erheblichen Problemen führen und die Kosten unplanmäßig erhöhen. Sorgsam und rechtzeitig nachgewiesene Belastungen können hingegen Planungssicherheit geben. Die Kosten der Entfernung und Entsorgung sind in beiden Fällen hoch. 136 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Planung der Sanierung von schadstoffbelasteten Behältern Literatur [1] Umweltdatenbank (Hrsg.). Schadstoffe. In: Umwelt-Lexikon. Online: https: / / www.umweltdatenbank.de/ cms/ lexikon/ 45-lexikon-s/ 1715-schadstoffe.html [Zugriff: 03.07.2025] [2] BAuA. Technische Regel für Gefahrstoffe - TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“, GMBl 2017 Nr. 36, S. 638 (08.09.2017) [3] Umweltbundesamt (UBA). Polychlorierte Biphenyle (PCB). UBA - Luftschadstoffe. Online: https: / / www.umweltbundesamt.at/ umweltthemen/ luft/ luftschadstoffe/ pops/ pcb [Zugriff: 03.07.2025] [4] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). (2019). TRGS 519 - Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (GMBl Nr. 5, S. 98-162) [5] GILDEMEISTER, D.; LEHNERT, M.: Berufskrankheit Asbestose - Diagnostik, Verlauf und Prävention. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 12, Köln: Deutscher Ärzte-Verlag, 2016, S. A- 532-A-535. [6] UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.): Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - Umweltschädlich! Giftig! Unvermeidbar? Hintergrundpapier. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt, Januar 2016. Online unter: Umweltbundesamt.de; zuletzt abgerufen am 07.07.2025. [7] Umweltbundesamt: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Online im Internet: https: / / www.umweltbundesamt.de/ themen/ chemikalien/ persistente-organische-schadstoffe-pop/ polycyclische-aromatische-kohlenwasserstoffe-pak [Zugriff am 03.07.2025] [8] Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) vom 26.11.2010 (BGBl. I S. 1643), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 22.11.2021 (BGBl. I S. 4900). Online verfügbar unter: https: / / www.gesetze-iminternet.de/ gefstoffv_2010/ __11a.html [Zugriff am 03.07.2025]
