eJournals Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis 8/1

Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis
ktw
expert verlag Tübingen
ktw81/ktw81.pdf0922
2025
81

Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern

0922
2025
Martin Bolesta
Trinkwasserbehälter in Deutschland werden überwiegend mit zementgebundenen Materialien instandgesetzt. Dass nicht alle sanierten Behälter die gewünschte Restnutzungsdauer erreichen, liegt daran, dass zumindest ein maßgeblicher Faktor für Qualität und Dauerhaftigkeit (Planung, Ausführung. Material) nicht ausreichend war. Bei der Auswahl des Planers und der ausführenden Firma sollte daher auf Fachwissen und Qualität geachtet werden. Seit Einführung technischer Anforderungen für Hydrolysebeständigkeit und Dauerhaftigkeit, ist die Qualität mineralischer Beschichtungen insgesamt gestiegen, dennoch lohnt es sich, im Sanierungsfall objektbezogene Materialvorgaben zu definieren. Aus Gründen der Versorgungssicherheit ist es nicht verkehrt, bewährte Systeme, für die langjährige Referenzen vorliegen, bevorzugt einzusetzen. Auch sollte die Nachhaltigkeit, insbesondere die Reduzierung von Treibhausgasen, zunehmend Beachtung finden.
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8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 155 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern Dipl.-Ing. Martin Bolesta P-&-T-Technische Mörtel GmbH & Co. KG, Neuss Zusammenfassung Trinkwasserbehälter in Deutschland werden überwiegend mit zementgebundenen Materialien instandgesetzt. Dass nicht alle sanierten Behälter die gewünschte Restnutzungsdauer erreichen, liegt daran, dass zumindest ein maßgeblicher Faktor für Qualität und Dauerhaftigkeit (Planung, Ausführung. Material) nicht ausreichend war. Bei der Auswahl des Planers und der ausführenden Firma sollte daher auf Fachwissen und Qualität geachtet werden. Seit Einführung technischer Anforderungen für Hydrolysebeständigkeit und Dauerhaftigkeit, ist die Qualität mineralischer Beschichtungen insgesamt gestiegen, dennoch lohnt es sich, im Sanierungsfall objektbezogene Materialvorgaben zu definieren. Aus Gründen der Versorgungssicherheit ist es nicht verkehrt, bewährte Systeme, für die langjährige Referenzen vorliegen, bevorzugt einzusetzen. Auch sollte die Nachhaltigkeit, insbesondere die Reduzierung von Treibhausgasen, zunehmend Beachtung finden. 1. Instandsetzung von Trinkwasserbehältern Bei etwa 12.000 Trinkwasserbehältern in Deutschland (die Angaben in der Literatur variieren von 10.000 bis 15.000) und einer gewünschten Standzeit von 40 bis 50-Jahren sind jedes Jahr statistisch etwa 250-Trinkwasserbehälter instand zu setzten. Immer dann, wenn das Speichervolumen aufgrund geänderter Einwohnerzahlen oder eines geänderten Wasserbedarfs durch die Industrie zu gering (oder auch zu hoch) ist, kann anstelle einer Instandsetzung ein Ersatzneubau die bessere Lösung sein. Auf der einen Seite führt dieses statistisch zunächst zu einer geringeren Anzahl an jährlichen Behälterinstandsetzungen. Auf der anderen Seite gibt es aber leider nicht wenige Behälter, die eine Standzeit von 40 bis 50-Jahren nicht erreichen, so dass trotz diverser Neubauten von etwa 200 bis 250-jährlichen Behälterinstandsetzungen ausgegangen werden kann. Wird die gewünschte Restnutzungsdauer nicht erreicht, liegt es, bis auf wenige Ausnahmen, daran, dass bei einem der maßgeblichen Faktoren für Qualität und Dauerhaftigkeit etwas „schief gegangen“ ist. Diese drei maßgeblichen Faktoren sind Planung, Ausführung und Material, siehe Abbildung-1. Abb.-1: Hauptfaktoren, die tragenden Säulen, für eine erfolgreiche Instandsetzung 1.1 Planung Bei Trinkwasserbehältern handelt es sich um Ingenieurbauwerke und somit sollte bzw. muss allen Beteiligten klar sein, dass ein „wir machen da mal was“ nicht ausreichend ist. Vielmehr muss die Instandsetzung eines Trinkwasserbehälters sorgfältig geplant bzw. der erforderliche Instandsetzungsbedarf nach einer Zustandsanalyse und einem Soll-Ist-Vergleich festgestellt werden, bevor das Leistungsverzeichnis erstellt bzw. die Leistung ausgeschrieben wird. Hierbei sind die Ende 2024 überarbeiteten DVGW Arbeitsblätter W-300 und insbesondere die Teile-1 und 3 zu berücksichtigen [1,-2]. Insofern ein Wasserversorger die Planung nicht im eigenen Haus erbringen kann oder möchte, ist der Verzicht auf eine Planung (z.-B. aus Kostengründen) keine gute Wahl, vielmehr sollte dann ein externer Planer bzw. ein externes Ingenieurbüro beauftragt werden. Hier sollte bevorzugt auf Qualität und Fachwissen geachtet werden, denn ein auf Tief bau spezialisiertes Ingenieurbüro muss nicht unbedingt für den Bereich Trinkwasser geeignet sein. 1.2 Ausführung Betoninstandsetzung wird bzw. muss in vielen Bereichen durchgeführt werden und folglich gibt es schier unzählige Firmen, die sich hiermit beschäftigen. Ähnlich wie bei den Ingenieurbüros, ist aber nicht jeder Betonsanierer gleich gut für den speziellen Bereich der Instandsetzung von Trinkwasserbehältern geeignet. So liegen in Behältern der Trinkwasserversorgung besondere Umgebungsbedingungen (z.-B. Temperatur und Feuchtigkeit) vor, was bei der Applikation des Instandsetzungsmaterials und auch bei der Nachbehandlung zur Herstellung einer hydrolysebeständigen Oberfläche zu beachten ist. Zusätzlich erfordert der Einsatz in einem Bauwerk der „Lebensmittelversorgung“ spezielles Fachwissen, um eine hygienisch einwandfreie Arbeit sicherzustellen. Dass es sich bei Trinkwasserbehältern um „besondere“ Bauwerke handelt, kann auch der Technischen Regel In- 156 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern standhaltung von Betonbauteilen (TR Instandhaltung [3]) entnommen werden - hier wird explizit darauf hingewiesen, dass es im Trinkwasserbereich ergänzende Regelwerke gibt, die selbstverständlich zu beachten sind. Wie bei der Planung sollte auch bei der Ausführung auf Qualität und Fachwissen geachtet werden, denn ein auf z.- B. Kläranlagen spezialisierter Betonsanierer muss nicht unbedingt für die Sanierung von Trinkwasserbehältern geeignet sein. Bei den vom DVGW CERT nach W 316 [4] zertifizierten Fachbetrieben wurde das Fachwissen über die Umgebungsbedingungen, die besonderen hygienischen Belangen im Trinkwasserbereich und die Regelwerkskunde nachgewiesen. 1.3 Material Der dritte für Qualität und Dauerhaftigkeit maßgebliche Faktor ist das verwendete Material bzw. der eingesetzte Instandsetzungsmörtel. Dass es hinsichtlich der hygienischen Eignung einer Zulassung bzw. Prüfung nach DVGW W-347 (und bei organischen Inhaltsstoffen zusätzlich nach W- 270) bedarf, ist hinreichend bekannt [5,- 6]. Für hydrolysebeständige und damit dauerhafte Oberflächen werden an die verwendeten Materialen aber nicht nur hygienische, sondern auch technische Anforderungen gestellt, die im DVGW Arbeitsblatt W-300-5 aufgeführt sind [7]. Auch sind in diesem Arbeitsblatt die Zementsorten benannt, die für die Herstellung einer hydrolysebeständigen Oberfläche geeignet sind. In Europa gibt es über 30 verschiedene genormte Zementsorten und in den kommenden Jahren werden neue Zementsorten hinzukommen [8], um die politischen Vorgaben zur Reduzierung der CO 2 Emissionen einzuhalten. Auch wenn die Absenkung der CO 2 Emissionen eine wichtige Aufgabe ist, müssen auch Qualität und Dauerhaftigkeit weiterhin im Fokus bleiben. Eine Instandsetzungsmaßnahme, bei der die CO 2 Emissionen um 10-% reduziert werden, die aber nicht nach 50 Jahren, sondern bereits nach 20-Jahren wieder saniert werden muss, hilft keinem, weder dem Bauherren noch dem Klima, und verursacht zusätzliche Kosten. Nicht zuletzt aus Gründen der Versorgungssicherheit ist daher der Einsatz „neuer“ Produkte, damit sind insbesondere neue Zementsorten gemeint, sorgfältig abzuwägen bzw. es empfiehlt sich, zunächst mehrjährige Erfahrungen in Bereichen zu sammeln, die nicht der versorgungsrelevanten bzw. kritischen Infrastruktur angehören. Ein weiterer Punkt im Bereich Materialauswahl ist das Speicherwasser selber. Auch wenn die im Arbeitsblatt W-300-5 genannten hydrolysebeständigen Zementsorten grundsätzlich geeignet sind, sollte für jeden einzelnen Instandsetzungsfall überprüft werden, ob das Bindemittel bzw. das Instandsetzungsmaterial für das konkrete Wasser geeignet ist. Insbesondere gilt das für Rohwasserbehälter und andere Bauwerke der Wasserversorgung, in denen sich das Wasser womöglich nicht im Gleichgewicht befindet. Aber auch weiches Trinkwasser mit Calcitlösekapazitäten bis 10-mg/ l kann spezielle mineralische Beschichtungen erforderlich machen. Auch wenn es für den Bereich Instandsetzung von Behältern zur Trinkwasserversorgung (noch) kein anerkanntes Prüfverfahren zum Beständigkeitsnachweis mineralischer Mörtel bei calcitlösenden Wässern gibt, gibt es verschiedene Veröffentlichungen und auch Normen, die bei der Entscheidungsfindung behilflich sein können [9,-10,-11,-12]. Nicht zuletzt ist bei der Materialauswahl (bzw. schon bei der Planung) auch zu berücksichtigen, dass durch eine Instandsetzungsmaßnahme nicht alleine die Beständigkeit der wasserberührten Oberflächen und deren hygienische Unbedenklichkeit hergestellt werden soll, vielmehr ist auch die Standsicherheit des Bauwerks bzw. der Konstruktion für dessen Restnutzungsdauer sicherzustellen. Hierzu gehören insbesondere der Erhalt bzw. die Wiederherstellung des Korrosionsschutzes der Bewehrung und des Bewehrungsverbundes. Anders, als bei den Produkten für die alleinige Oberflächenverbesserung (Instandsetzungsverfahren A2 gemäß DVGW-W-300-3), ist bei „statisch relevanten“ Instandsetzungsverfahren (A1.1 bis A1.3 gemäß DVGW-W 300-3) zwingend Betonersatz zu verwenden. Die verwendeten Materialien oder Materialsysteme müssen für diesen Anwendungsfall zugelassen sein [2]. 2. Beispiele dauerhafter mineralischer Beschichtungen Bei den mit mineralischen Systemen instandgesetzten Behältern gibt es welche (wie bei anderen Auskleidungen und Beschichtungen auch), die die angestrebte Standzeit nicht erreichen. Der Regelfall, wenn die drei maßgeblichen Qualitätsfaktoren für Qualität und Dauerhaftigkeit stimmen, sind aber Standzeiten von 40 bis 50-Jahre und auch länger. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die technischen Anforderungen an zementgebundene Beschichtungen (z. B. Porosität ≤-12-Vol.-%, Wasserzementwert (w/ z) eq -≤-0,5) erstmalig im Anhang- 10 des DVGW- Arbeitsblattes W-300 - Ausgabe Juni 2005 festgelegt wurden [13]. Das bedeutet, dass vor der Jahrtausendwende auch zementgebundene Produkte verbaut worden sind, die aufgrund hoher Porosität und hoher Wasserzementwerte keine ausreichende Hydrolysebeständigkeit haben. Es darf daher unterstellt werden, dass diese nicht ausreichend hydrolysebeständigen mineralischen Beschichtungen für etliche zu kurze Standzeiten verantwortlich waren bzw. sind. Bereits in den 1990’er Jahren gab es aber auch schon mineralische Beschichtungen, die den heutigen technischen Anforderungen entsprachen. 2.1 Beispiel 1 In den Jahren 1994 bis 1996 wurden die Kammern des Hochbehälters Wickede (Gesamtspeichervolumen 10.000-m 3 ) mit einem rein mineralischen Nassspritzmörtel (Typ-1) saniert. In dem damals gültigen technischen Datenblatt wurden für das Produkt Kerasal ANS-14-B bei einer Prüftemperatur von 20-°C nachfolgende Werte aufgeführt: • (w/ z) eq ≤-0,5 • Druckfestigkeit ≥-45-N/ mm 2 • Biegezugfestigkeit ≥-7,5-N/ mm 2 • Haftzugfestigkeit 1,5---3,0-N/ mm 2 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 157 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern Die technischen Materialeigenschaften entsprachen somit den heutigen Anforderungen für die Hydrolysebeständigkeit und Dauerhaftigkeit zementgebundener Beschichtungen. Auch der verwendete Zement, ein CEM III (Hochofenzement), entspricht den aktuellen Vorgaben des DVGW- Arbeitsblattes-W 300-5. Abb. 2: Mineralische Beschichtung Hochbehälter Wickede (Aufnahme nach 25 Betriebsjahren) Aktuell ist die mineralische Beschichtung immer noch vollständig intakt, siehe Abbildung-2. Dass es lokal geringfüge Veränderungen an der Glättschicht gibt, soll dabei nicht verschwiegen werden, siehe Abbildung-3. Da es zu keinem erhöhten Abtrag gekommen ist, bei den regelmäßig stattfindenden Begehungen keine Auffälligkeiten festgestellt wurden und insbesondere das Trinkwasser vollständig unauffällig ist, kann sicher davon ausgegangen werden, dass die Beschichtung noch viele Jahre (oder mehrere Jahrzehnte) funktionieren wird. Abb. 3: Lokale Veränderungen an der Glättschicht mit Risslupe zum Größenvergleich 2.2 Beispiel 2 In den Jahren 1993 bis 1997 wurden die Kammern des Hochbehälters Wilhelmshöhe (Gesamtspeichervolumen 23.500-m 3 ) mit einem rein mineralischen Nassspritzmörtel (Typ-1) saniert, technische Daten siehe Beispiel-1. Auch in diesem Behälter ist die mineralische Beschichtung, abgesehen von geringfügigen Veränderungen an der Glättschicht, intakt und es kann sicher davon ausgegangen werden, dass eine Standzeit von 50-Jahren nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen werden wird, siehe Abbildung 4. Abb. 4: Mineralische Beschichtung Hochbehälter Wilhelmshöhe (Aufnahme nach 30-Betriebsjahren - Foto: GELSENWASSER AG) Dadurch, dass sowohl im Jahr 2018 und auch in 2025 Kernentnahmen aus den Wandflächen möglich waren, konnte die Beschichtung weiterführend untersucht werden. Wie bereits aufgrund der sehr geringfügigen Veränderungen an der Glättschicht zu erwarten war, war die aufgebrachte Mörtelschicht noch vollständig erhalten. Da sowohl nach 24-Betriebsjahren (Kernbohrung in 2018) als auch nach 30-Betriebsjahren (Kernbohrung in 2025) weder Hohlstellen noch irgendwelche anderen Schäden erkennbar waren, wurde ausschließlich die mineralische Beschichtung weiterführend untersucht. Die Überprüfung der Karbonatisierungstiefe mittels Phenolphthalein (einer Indikatorflüssigkeit) ergab, dass nur die äußerste Mörtelrandzone (<-1mm ) von einer pH-Wert Absenkung betroffen war. Aus dem violetten Farbumschlag über die fast komplette Beschichtung kann auf den nach wie vor ausreichend hohen pH-Wert und nicht geschädigten Mörtel geschlossen werden. at. Beeindruckend waren insbesondere die an den Bohrkernen ermittelten Porositätswerte. Die im Regelwerk für hydrolysebeständige Oberflächen geforderten 12-Vol.-% [7] wurden mit 5,2-% nach 24-Jahren bzw. mit 2,8-Vol.-% nach 30-Jahren weit untertroffen, siehe Abbildung-5. 158 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern Abb.-5: Porosität der mineralischen Beschichtung nach 30-Jahren [14] Auf die Porositäten hat sich positiv ausgewirkt, dass bei dem für die Sanierungen ausgewählten Beschichtungen Hochofenzement als Bindemittel zum Einsatz gekommen ist. CEM III wird nicht nur als ein hydrolysebeständiger Zement in dem DVGW Arbeitsblatt W 300-5 aufgeführt, vielmehr ist es ein Zement, der durch eine extreme und über Jahre andauernde Nachkristallisation gekennzeichnet ist [15]. Dieses führt auf der einen Seite zu zunehmenden Festigkeiten - was für den Anwendungsfall als Beschichtung unerheblich ist - auf der anderen Seite führt das zu einem immer dichteren Gefüge und somit zu immer geringeren Porositätswerten. Auch wenn die im Regelwerk geforderten Porositätswerte von ≤-12 Vol.-% für eine hydrolysebeständige Oberfläche durchaus ausreichend sind [7], ist es sicher nicht von Nachteil, wenn eine Beschichtung ein noch dichteren Gefüge aufweist. Aufgrund dessen, dass bei den Beispielen und auch bei etlichen anderen Trinkwasserbehältern ein Material zum Einsatz gekommen ist, dessen Rezeptur seit über 30-Jahren unverändert ist, gibt es zudem belastbare Porositätswerte über diesen langen Zeitraum. Auch wenn diese Porositätswerte aus verschiedenen Behältern stammen, ist die Abnahme der Porosität aufgrund der angesprochenen Nachkristallisation offensichtlich. Bis auf zwei Ausnahmen liegen die ermittelten Werte nahezu auf einer Linie und die bekannte Eigenschaft der langandauernden Nachkristallisation des Hochofenzementes wird bestätigt, siehe Abbildung-6. Abb.-6: Porositätsentwicklung über 30-Jahre von Kerasal mit CEM-III als Bindemittel 3. Nachhaltigkeit Mit einer Instandsetzung sollte nicht der Altzustand der Behälteranlage wiederhergestellt werden, vielmehr ist ein Zustand zu schaffen, der die im Arbeitsblatt DVGW-W-300-1 genannten Anforderungen erfüllt. Der Instandsetzungsbedarf bei in die Jahre gekommenen Trinkwasseranlagen kann somit relativ hoch sein, wenn zusätzlich zu den Oberflächen in den Trinkwasserkammern auch noch die Verrohrungen (Zulauf, Entnahme, Überlauf, Entleerung), der Treppenzugang, die lüftungs- und elektrotechnischen Ausrüstungen und womöglich auch noch die Außenabdichtung inklusive Wärmedämmung erneuert werden müssen. Schnell können die Kosten für eine vollumfängliche Instandsetzung bei 60, 70 oder sogar 80-% der Kosten liegen, die für einen Neubau anfallen würden. Der Wunsch nach einem Neubau - kostet ja nur 20-% mehr - ist daher zunächst einmal nachvollziehbar. Insbesondere in Städten gibt es zum Teil aber keinen Platz für einen adäquaten Neubau und was bei ersten Überlegungen gelegentlich vergessen wird ist, dass im Falle eines Neubaus der „alte“ Behälter auch noch zurückgebaut werden muss. Die hierbei anfallenden Kosten vergrößern die auf den ersten Blick geringe Kostendifferenz zwischen Neubau und Komplettinstandsetzung. Aber bei der Endscheidungsfindung - Instandsetzung oder Neubau - sollten nicht nur die Kosten, sondern auch die im Regelwerk W-300-1 und W-300-3 geforderte Nachhaltigkeit beachtet werden. Dass Beton bzw. der hierfür benötigte Zement für etwa 8-% der globalen CO 2 Emissionen verantwortlich ist, ist kein Geheimnis mehr [8]. Und dass für einen Neubau mehr Zement benötigt wird als für eine Instandsetzung, ist aufgrund des unterschiedlichen Mengenbedarfs an Beton für einen Neubau bzw. an Instandsetzungsmörtel für eine Sanierung gut nachvollziehbar. 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 159 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern Hierzu ein Beispiel: Für den Neubau eines Trinkwasserspeichers mit 1.000-m 3 Nutzvolumen (Rundbehälter, Durchmesser 18-m, Höhe-4-m, mit mittiger Trennwand, so dass zwei Kammern mit je 500- m 3 entstehen, siehe Abbildung- 7, werden bei einer Wandstärke von 30-cm in Summe etwa 250-m 3 Beton benötigt. Ausgehend von der Expositionsklasse XTWB liegt der Zementgehalt bei etwa 320-kg/ m 3 - das sind bei 250-m 3 Beton somit 80-t Zement. Insofern ein klassischer Portlandzement (CEM-I) verwendet wird, werden bei der Zementherstellung etwa 60-t CO 2 freigesetzt. Durch den Einsatz eines Portlandkompositzementes (CEM-II), können die herstellungsbedingten Emissionen um etwa 10-t auf dann ca. 50-t CO 2 reduziert werden. Abb.-7: Skizze (Fallbeispiel) eines Behälters mit D-=-18-m und H-=-4-m Auch durch die bei einem Neubau verwendete Bewehrung bzw. bei deren Herstellung wird CO 2 emittiert. Für eine Rissbreitenbegrenzung von 0,15-mm werden etwa 150-kg Bewehrung je m 3 benötigt, was bei dem ausgeführten Beispiel etwa 38- t Stahl sind. Bei der Herstellung der Bewehrung werden folglich 56-t CO 2 freigesetzt. Durch die Herstellung der Baustoffe Beton und Stahl werden bei dem beschriebenen Behälter mit 1.000-m 3 Speichervolumen in Summe etwa 110-t CO 2 emittiert. Wird ein Behälter mit identischen Maßen komplett neu beschichtet, werden für die ca. 900-m 2 Fläche (Decke, Wände, Boden) bei einer mittleren Schichtdicke von 20-mm inkl. Rautiefenausgleich etwa 20-m 3 Betonersatz/ Instandsetzungsmörtel benötigt. Aufgrund der feineren Körnung liegt hier der Zementgehalt je Kubikmeter höher als bei einem XTWB - Beton, es werden etwa 11-t Zement benötigt. Wird als Bindemittel CEM-I verwendet, liegt die zementabhängige CO 2 Emission bei etwa 8,5-t. Durch die Verwendung eines Instandsetzungsmaterials mit Hochofenzement (CEM-III) als Bindemittel, liegt die zementbedingte CO 2 Emission bei „nur“ ca. 4,5-t. Bei diesem Beispiel eines 1.000-m 3 Behälters werden somit über 100-t bzw. über 90 % CO 2 eingespart, wenn anstelle eines Neubaus die Entscheidung zu Gunsten einer Instandsetzung getroffen wird. Unter der Annahme, dass der Materialeinsatz für die Verrohrungen, die lüftungs- und elektrotechnischen Ausrüstungen, die Außenabdichtung inklusive Wärmedämmung und alle anderen Maßnahmen bei einer Komplettinstandsetzung und einem Neubau in etwa gleich sind, hat das somit keine Auswirkung auf die Differenz der CO 2 Emissionen. Auswirkungen auf die CO 2 Emissionen hat aber der Transportaufwand. Da bei einem Neubau inkl. Rückbau des „Altbehälters“ viel größere Massen (Beton, Bewehrung, Bauschutt) bewegt werden müssen, wird die Differenz der CO 2 Emissionen zwischen Neubau und Instandsetzung ganz sicher noch einmal größer. Auch wenn es Fälle gibt, bei denen ein Neubau unvermeidbar ist (z.-B. wenn das Speichervolumen nicht mehr ausreicht) spricht Vieles dafür, sich für eine Instandsetzung und nicht für einen Neubau zu entscheiden. Zum einen liegen die Kosten, auch bei einer sehr umfangreichen Instandsetzung, unterhalb derer eines Neubaus; insbesondere dann, wenn auch die Rückbaukosten mit berücksichtigt werden. Zum anderen liegt das bei der Materialproduktion freigesetzte CO 2 (Treibhausgas Nr.-1) bei den Materialien für eine Instandsetzung nur bei einem Bruchteil von dem der Neubaumaterialien. Und wird bei einer umfassenden Instandsetzung des Trinkwasserbehälters auf eine hohe Qualität alle drei maßgeblichen Faktoren (Planung-Ausführung-Material) geachtet, kann dieselbe Restnutzungsdauern (50-Jahren) wie bei einem Neubau angesetzt werden. 4. Ausblick Dass mit rein mineralischen Produkten lange Standzeiten möglich sind, haben bereits die Römer bewiesen so manche Wasserleitung oder auch Aquädukt bzw. dessen Oberfläche ist noch heute in einem erstaunlich guten Zustand. Auch gibt es genügend Beispiele für lange Standzeiten von rein mineralischen Trinkwasserspeicher. Hier kann stellvertretend der Hauptbehälter der Stadt Wien genannt werden, dessen 6-Kammern in der Zeit von 1873 bis 1896 errichtet und mit einem mineralischen Mörtel beschichtet wurden. Eine vollflächige Sanierung hat bis heute noch nicht erfolgen müssen - die Nutzungsdauer liegt bereits jetzt schon bei 130-Jahren. Aber auch die im Kapitel-2 vorgestellten Behältersanierungen sind gute Beispiele, dass bei einer guten Qualität (bei Planung, Ausführung und beim Material) Restnutzungsdauern von 50-Jahren und darüber hinaus möglich sind. Nicht zuletzt - hier gibt es ein gewaltiges Potential zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen - sollten „alte“ Bauwerke und insbesondere Trinkwasserbehälter, wenn immer es möglich ist, instandgesetzt werden. Viel zu oft entscheidet man sich immer noch für den Neubau, obwohl eine umfassende Instandsetzung gemäß W-300 auch Standzeiten von über 50-Jahre ermöglichen. Das Thema Nachhaltigkeit beinhaltet aber nicht nur die Dauerhaftigkeit von Bauwerken, sondern auch eine „Risikobetrachtung“ der verwendeten Baustoffe (siehe W- 300-1, Kap. 6.8 und Kap. 7.8 sowie W 300-3, Kap.-8.6). Immer mehr Stoffe werden als gesundheitsgefährdend oder besorgniserregend eingestuft und so kann es vorkommen, dass im Fall einer Instandsetzung oder eines Rückbaus die Entsorgungskosten in die Höhe schnellen. Das ist z. B. dann der Fall, wenn z. B. PCB 160 8. Kolloquium Trinkwasserspeicherung in der Praxis - September 2025 Dauerhafte mineralische Instandsetzung von Trinkwasserbehältern (Polychlorierte Biphenyle) oder PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) in Altbeschichtungen nachgewiesen werden und als „Sondermüll“ entsorgt werden müssen. Weitere Stoffe, wie z. B. BPA (Bisphenol-A) oder PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), werden mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen. Auch das ist ein Grund, vermehrt auf bewährte, rein mineralische Werkstoffe im Bereich der Trinkwasserversorgung zu setzten. Literatur [1] Technische Regel - Arbeitsblatt - DVGW W-300-1; Trinkwasserbehälter; Teil 1: Planung und Konstruktion; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; November 2024. [2] Technische Regel - Arbeitsblatt - DVGW W-300-3; Trinkwasserbehälter; Teil-3: Instandsetzung und Verbesserung; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; November 2024. [3] Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken (TR Instandhaltung); Deutsches Institut für Bautechnik; Teil 1 - Anwendungsbereich und Planung der Instandhaltung; Mai 2020. [4] DVGW- Arbeitsblatt W 316; Qualifikationsanforderungen an Fachunternehmen für Planung, Bau, Instandsetzung und Verbesserung von Trinkwasserbehältern; Fachinhalte; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; April 2018. [5] DVGW-Arbeitsblatt W 347; Hygienische Anforderungen an zementgebundene Werkstoffe im Trinkwasserbereich - Prüfung und Bewertung; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; November 2023. [6] Technische Regel DVGW-Arbeitsblatt W 270; Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen für den Trinkwasserbereich - Prüfung und Bewertung; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; Nov. 2007. [7] DVGW-Arbeitsblatt W-300-5; Trinkwasserbehälter; Teil 5: Bewertung der Verwendbarkeit von Bauprodukten für Auskleidungs- Beschichtungssysteme; und Instandsetzung und Verbesserung; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; August 2020. [8] Ökologisch nachhaltige Bindemittel für die Sanierung von Trinkwasserbehältern; M. Bolesta; Fachzeitschrift gwf; 07-08-2016; DIV Deutscher Industrieverlag. [9] DIN 4030; Beurteilung betonangreifender Wässer, Böden und Gase - Teil 1; Grundlagen und Grenzwerte; Beuth Verlag GmbH; 07 2024. [10] Beton nach 20jähriger Einwirkung von kalklösender Kohlensäure; Locher, Rechenberg, Sprung; Fachzeitschrift Beton; 1984. [11] Dauerhaftigkeitsnachweise chemisch beanspruchter Betone: Angriff durch kalklösende Kohlensäure; Nebel, Ramler, Palm, Matschei; Fachzeitschrift Beton; Verlag: concret content UG; 06/ 2022. [12] DIN 2880: Anwendung von Zementmörtel-Auskleidung für Gußrohre, Stahlrohre und Formstücke; Beuth Verlag GmbH; Januar 1999. [13] Technische Regel Arbeitsblatt-W-300: Wasserspeicherung - Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Wasserbehältern in der Trinkwasserversorgung; Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH; Bonn; Juni 2005. [14] Prüfbericht P-0479-02; bsm 2 ; Untersuchung an Mörtelprobe Kerasal-ANS-14-B; 10.04.2025. [15] Hochofenzement - Eigenschaften und Anwendungen im Beton; Weber, Bilgeri, Kollo, Vißmann; Beton Verlag GmbH; Düsseldorf, 1991.