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Schmierstoff + Schmierung
2699-3244
expert verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/sus63/sus63.pdf1028
2025
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Eine Zeitschrift des Verband Schmierstoff-Industrie e. V. Schwerpunktthema: Nachhaltigkeit/ Logistik SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG 3 25 BUCHTIPP Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Der Studien- und Karriereplaner Maschinenbau bietet angehenden Studierenden einen Überblick über Studieninhalte im Fach Maschinenbau und die Bachelor- und Masterstudiengänge in diesem Bereich in Deutschland. Verschiedene Verbände stellen die Branche vor und zeigen auf, wie sie die zukünftige Entwicklung einschätzen. Wie der konkrete Berufsalltag einer Maschinenbauingenieurin beziehungsweise eines Maschinenbauingenieurs aussieht, machen die zahlreichen Praktiker-Porträts in lebendiger Weise deutlich. Ein detaillierter Überblick über den aktuellen Arbeitsmarkt zeigt, welche Spezialisierungen sich besonders lohnen könnten und welche Gehälter realisierbar sind. Viele Tipps zum Studium, zur Bewerbung und weiteren Entwicklung der Karriere runden das Buch ab. Inhalt Maschinenbau: ein Überblick - Verbände stellen sich vor - Praktiker-Porträts - Bachelor- und Masterstudiengänge - Der Arbeitsmarkt in Zahlen - Tipps für Studium und Karriere Grit Zacharias (Hrsg.) Studien- und Karriereplaner Maschinenbau 1. Au age 2025, 140 Seiten €[D] 19,90 ISBN 978-3-8252-6245-7 (print) ISBN 978-3-8385-6245-2 (eBook) DOI 10.36198/ 9783838562452 1 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 OKTOBER 2025 6. JAHRGANG Rubriken  3 Editorial 24 20 Minuten mit … 28 Termine 30 Neues aus dem Verband 31 Neues aus der Branche Inhalt INHALT 3 Schmierstoff UND Schmierung 4 Vom Dampfross zum ICE: Zur Schmierung von Eisenbahngetrieben 10 Mit der Bayerischen Regiobahn klima- und umweltfreundlich unterwegs 12 Nachhaltigkeit bei Bio-Schmierfetten 17 Mineral Oil - von der Pipeline auf die Schiene 20 Seilschmierstoffe für Stahldrahtseile-- Lebensader für Trag- und Förderseile im Güter- und Personentransport 24 20 Minuten mit … Iris Zerfaß 28 Termine 30 Neues aus dem Verband 31 Neues aus der Branche BOOK RECOMMENDATION expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de This monograph takes a new look at tribology with its basic concepts of friction and wear using the example of lubricating greases. The consideration of the phenomenon of occurring instabilities and the introduction of the entropy concept into lubricating grease tribology provide a new perspective on known phenomena. The second part of this book presents a wide range of experimental possibilities for investigating lubricating greases. Contents Introduction to Instability and Postmodern Tribology - On the Phenomenon of Self - Organization - Postmodern Grease Tribology - Lubricating Grease - Rheological behavior of Lubricating greases - A Selected Traditional Wear Model - The Extension of the Wear Concept Erik Kuhn On the Tribology of Lubricating Greases An energetic approach to post-modern tribology Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 1st edition 2025, approx. 210 p. €[D] 118,00 ISBN 978-3-381-14171-5 eISBN 978-3-381-14172-2 Editorial Schmierstoff UND Schmierung Zwischen Vorschrift und Verantwortung - Nachhaltigkeit braucht machbare Regeln Wie gelingt nachhaltige Schmierstofflogistik in einem Markt voller regulatorischer Hürden? Iris Zerfaß, Vorständin der FRAGOL AG, bringt es in den „20min mit …“) auf den Punkt: „Wir wären längst weiter, wenn die rechtlichen Bedingungen die technologische Entwicklung nicht ausbremsen würden.“ Viele kleine und mittelständische Unternehmen aus der Schmierstoff branche setzen auf digitale Prozesse, partnerschaftliche Logistikstrukturen und konsequente Qualitätssicherung. Doch zwischen Halal-Vorgaben (für Spezialschmierstoffe in möglichem Kontakt mit Lebensmitteln), Gefahrgutrecht und REACH-Bürokratie geraten selbst ausgereifte, nachhaltige Lösungen ins Stocken. Wenn recycelte Verpackungen verboten und bewährte Inhaltsstoffe plötzlich als kritisch eingestuft werden, steht nicht nur der Fortschritt, sondern die Zukunftsfähigkeit ganzer Produktgruppen auf dem Spiel. Praxisnahe Regeln statt wachsender Verbote sind nötig. Das viele Firmen in den USA inzwischen schneller und flexibler agieren können als in Europa, ist ein klares Signal: Herausgeber: Verband Schmierstoff-Industrie e. V. Hermannstr. 16, 20097 Hamburg redaktion: Stephan Baumgärtel Petra Bots Elisabeth Götze Manfred Jungk Rüdiger Krethe Ulrich Sandten-Ma © 2025 expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe nur mit Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie die Inhalte von Interviews geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Verlag: expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5, 72070 Tübingen Telefon: +49 (0)7071 97 97 0 www.expertverlag.de Geschäftsführer: Robert Narr Programmleitung: Ulrich Sandten-Ma Telefon: +49 (0)7071 9 75 56 56 eMail: sandten@verlag.expert anzeigenverwaltung: Oliver Solbach Telefon: +49 (0)7071 97 97 12 eMail: solbach@narr.de anzeigenverkauf: Stefanie Richter Telefon mobil: +49 171 2034663 eMail: richter@narr.de Erscheinungsweise: 4 Hefte pro Jahr druck: Elanders Waiblingen GmbH Anton-Schmidt-Str. 15 71332 Waiblingen titelfoto: © PickOne - stock.adobe.com Bildrechte Inhaltsverzeichnis: generiert mit Chat GPT ▪ © Siemens Mobility GmbH ▪ © imagepocket-- stock.adobe.com ▪ © michoff - stock.adobe.com 6. Jahrgang 2025, Heft 3 ISBN 978-3-381-13881-4 ISSN 2699-3244 Wer Nachhaltigkeit will, muss sie ermöglichen - und nicht im Paragraphendickicht ersticken lassen. Komplex wird dadurch auch die Schmierstofflogistik: unterschiedlichste Etiketten, je nach Region, Verfügbarkeit von Rohstoffen und Additiven in Abhängigkeit nationaler Regulierungen machen die Produktion und Auslieferung zu einer logistischen Herausforderung, die den Mittelstand an seine Grenzen bringt. Apropos Lieferung: Für den Transport gibt es nicht nur 2 bzw. 4 Räder, denn Seilbahnen werden nicht nur in den Bergen, sondern auch in Städten gebaut, um den Verkehr umweltfreundlich zu entlasten, zum Beispiel die spektakuläre Seilbahn über den Rhein in Köln. Was kaum jemand weiß: Auch die Drahtseile müssen geschmiert werden, um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, denn innere Reibung und Korrosion würden sie ohne Schmierung rasch unbrauchbar machen. Auch über diese wenig bekannten Schmierstoffe finden Sie einen Fachbeitrag. Der Transportklassiker ist natürlich die Bahn, genauer die bayerische Regionalbahn, über die wir auch einen Beitrag im Heft haben. Wir wünschen eine neugierige Lektüre! » « © Ivan Uralsky - stock.adobe.com / Olivier Le Moal - stock.adobe.com 3 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 4 FacHartikEl FacHartikEl Vom Dampfross zum ICE: Zur Schmierung von Eisenbahngetrieben Rüdiger Krethe, OilDoc GmbH Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur Dampflokomotiven in der Lage, die immens hohen Leistungen aufzubringen, um einen schweren Güterzug von A nach B zu ziehen. Heute sind die imposanten Dampfrösser aus dem Alltag verschwunden und das nicht nur aus Umweltgründen. Ihrem sehr überschaubaren Wirkungsgrad (anfangs ca. 10 %) standen immens hohe Wartungs- und Betriebskosten gegenüber. Kein Wunder, dass sie heute nur noch in Museen oder als Touristenattraktion zu bewundern sind. Der Antrieb mittels Dampfs, im Eisenbahnjargon „Dampftraktion“ genannt, ist seit Ende der 70-er Jahren im Bereich des planmäßigen Verkehrs („Plandampf “) der Deutschen Bundesbahn vollständig abgelöst worden. In punkto Aufmerksamkeit schlägt die Dampflok jedoch den ICE-Triebwagen, wenn sie bei selten gewordenen Sonderfahrten wahre Besucherströme anzieht. Wer sich anhand dieser nostalgisch anmutenden Fortbewegungsweise auf eine persönliche Zeitreise begeben möchte, kann das beispielsweise auf der Insel Rügen mit der berühmten „Molli“ -Schmalspurbahn tun, die noch heute einen täglich dampfenden Linienverkehr anbietet (www. molli-bahn.de). Schienenfahrzeuge sind vielfältig Schienenfahrzeuge gehören zum Bereich der spurgeführten Fahrzeuge und werden systematisch in folgende Bereiche unterteilt: > Eisenbahnfahrzeuge Rüdiger Krethe Rüdiger Krethe ist Geschäftsführer der OilDoc GmbH, der Akademie für Weiterbildung rund um Schmierstoffanwendung, Ölanalysen und proaktive Instandhaltung. Nach seinem Studium des Maschinenbaus und der Tribotechnik war er im Produktmanagement für Industrieöle einer Mineralölgesellschaft tätig. Anschließend leitete er 15 Jahre das Diagnose-Team von OELCHECK. Seit mehr als 30 Jahren gibt Rüdiger Krethe als IHK-zertifizierter Trainer in Seminaren sein Know-how zu Tribologie, Schmierstoffen und Ölanalysen erfolgreich weiter. Außerdem ist er seit der ersten Ausgabe aktives Mitglied des Redaktionsteams der Schmierstoff+Schmierung. 5 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 Fachartikel-|-Vom Dampfross zum ICE > Stadtverkehrsfahrzeuge > Sonstige Schienenfahrzeuge Während Eisenbahnfahrzeuge hauptsächlich dem Personen- und Gütertransport in Nah- und Fernverkehr dienen, kommen Stadtverkehrsfahrzeuge wie beispielsweise Straßen- und S-Bahnen überwiegend im Öffentlichen Personennahverkehr zum Einsatz. Sonstige Schienenfahrzeuge sind all die, die nicht zu den ersten beiden Gruppen gehören, z. B. Fahrzeuge für Standseilbahnen oder Materialbahnen. So unterschiedlich die Anforderungen in diesen Gruppen sind, so verschieden ist auch seine technische Umsetzung. Eines haben alle Lösungen gemeinsam: Der Schienenverkehr stellt höchste Anforderungen an > Sicherheit > Verfügbarkeit bei hoher Laufleistung > Fahrkomfort (Personenverkehr) > geringe Unterhalts- und Wartungskosten > niedrige Emissionen, incl. Lärm > Nachhaltigkeit Der Antrieb (Traktion) Heute dominieren im Schienenverkehr die Traktion mittels moderner Elektro- oder Dieselmotoren, auch Gasturbinen kommen zum Einsatz. Nicht nur in Bezug auf Zugkraft und Leistung haben sie die Dampftechnik überholt. Neben diesen zwei Parametern, die zudem in verschiedenen Anwendungsbereichen nicht immer auf gleichem Niveau und im Dauerstress verfügbar sein müssen, bieten moderne Antriebe eine ganze Reihe anderer Vorteile, werden jedoch auch durch den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Transportsystemen immer wieder hinterfragt und weiter vervollkommnet. So müssen moderne Dieselmotoren auch im Schienenverkehr hohe gesetzliche Vorgaben an die Emissionsarmut erfüllen. Auch die Elektromotorentechnik entwickelt sich stetig weiter, Hybrid-Antriebe gehören zum heutigen technischen Portfolio ebenso dazu, wie auch die Brennstoffzelle den Eingang in den Schienenverkehr gefunden hat. Brennstoffzellen sind heute in Pilotprojekten im Einsatz. In diesen wird Wasserstoff zu Elektroenergie umgewandelt und auf diese Weise die Vorteile beider Welten miteinander kombiniert: Hohe Reichweite auf Schienenwegen ohne elektrische Versorgungsleitung und ohne schwere Batteriespeicher auf der einen Seite, die smarte Verteilung und Steuerung der elektrischen Antriebsenergie auf der anderen Seite. Angesichts der im Vergleich zum Privat-PKW immens hohen Laufleistung bei vielfach höheren Drehmomenten spielen Eisenbahnanwendungen „in einer eigenen Liga“. Robustheit und technischer Fortschritt müssen Hand in Hand gehen, um die Herausforderungen von heute bestmöglich zu erfüllen. Why do leading formulators worldwide trust TC ® ? Learn more and visit us at LUBRICANT EXPO EUROPE, Düsseldorf 16.-18. September BOOTH #541 Reliable Additives. Custom Solutions. Trusted Partner. 25 years reliable service in corrosion protection The Home of TC ® i n f o @ m c c h e m i e . c o m Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 6 Fachartikel | Vom Dampfross zum ICE Eisenbahn-Getriebe Bei einer Dampflokomotive wurden die vom Dampfzylinder erzeugten Kräfte über einen Kurbeltrieb auf das Rad und die Schiene übertragen. Um den verschiedenen Anforderungen des modernen Personen- Nah- und Fernverkehrs, Güterverkehrs oder des Rangierbetrieb zu genügen, kommen sehr unterschiedliche technische Lösungen zum Einsatz. Je nach Transportaufgabe und Einsatzbedingungen werden Motortyp, Getriebe und Kupplungen ausgewählt und dimensioniert. Während der Güterverkehr hohe Lasten bei mittleren Geschwindigkeiten zu transportieren hat und dabei Beschleunigung, Bremsverhalten und Fahrkomfort eher eine untergeordnete Rolle spielen, ist es im Personenverkehr praktisch umgekehrt: Relativ niedrige Lasten bei hohen Geschwindigkeiten, mit hohem Beschleunigungs- und Bremsvermögen und entsprechendem Fahrkomfort. Dazu ist es auch im Personenverkehr ein erheblicher Unterschied, ob es sich um einen ICE-Triebwagen handelt, einen Nahverkehrszug oder eine Straßenbahn. Rangierlokomotiven oder Sonderfahrzeuge, z. B. für Gleisbau oder Reparaturarbeiten haben wiederum ein sehr spezielles Anforderungsprofil. Nicht nur Leistung, Wirkungsgrad und Emissionen einer Antriebsquelle sind wichtig. Der gesamte Antriebsstrang muss mit der Antriebsquelle und den Einsatzbedingungen bestmöglich harmonieren. Passt beispielsweise für eine dieselgetriebene Lokomotive ein hydrodynamisches Turbo-Getriebe mit integriertem Retarder und einem hydrodynamischen Drehmomentwandler, um die Traktion über das Getriebe auf eine einzelne Antriebsachse zu übertragen, kann ein elektrisch angetriebener Triebwagen im Nah- oder Fernverkehr die von der Fahrleitung aufgenommene Elektroenergie ohne großen Aufwand gleichzeitig über mehrere Antriebsachsen auf die Schiene bringen. Das kann wiederum über ein auf der Achse „Huckepack“ sitzendes Getriebe pro Antriebsachse erfolgen oder direkt an einem Rad über eine E-Motor- Getriebe-Kombination. Turbogetriebe In Lokomotiven, Triebwagen und Sonderfahrzeugen mit Dieselmotor kommen Turbogetriebe zum Einsatz. Diese hydrodynamischen Mehrkreislaufgetriebe bestehen aus den Baugruppen > Hydrodynamischen Kupplung > Drehmomentwandler (einer oder zwei) > Hydrodynamischen Bremse (Retarder). Je nach Anforderung sind sie mit zwei oder drei Kreisläufen ausgelegt. Zwei Drehmomentwandler erlauben die Trennung von Anfahrbereich und Streckenbetrieb. Es werden je nach Einsatzzweck Nennleistungen von einigen Hundert Kilowatt und Drehmomente von mehreren Tausend Newtonmetern abgedeckt. Automatikgetriebe Hauptsächlich in dieselgetrieben Triebzügen kommen hydromechanische Automatikgetriebe zum Einsatz. Diese sind vergleichbar mit Automatikgetrieben, die in Bussen zum Einsatz kommen, jedoch den erhöhten Anforderungen des Eisenbahnbetriebs angepasst. Eisenbahn-Turbogetriebe (J.M. Voith SE) 7 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 Fachartikel-|-Vom Dampfross zum ICE Radsatzgetriebe Radsatzgetriebe übertragen die Antriebsmomente des Traktionsmotors auf Rad und Schiene. Je nach Anwendung und Einsatzbedingungen haben sich verschiedene Varianten etabliert: > Quer- oder Längseinbau (Motor- und Getriebeachse parallel oder im rechten Winkel zueinander) > Mechanisch und/ oder hydrodynamische Kraftübertragung > Ein- oder zweistufig, Stirnradsätze, je nach Einbau mit oder ohne Kegelradstufe > Motor und Getriebe in getrennter Bauweise, mit Kardanwelle oder Kupplung „dazwischen“, auch den Bewegungsausgleich übernehmend > Achsreitend (dominierend) oder nicht > Ungefedert („Tatzlager“), teil- oder vollabgefedert Eines haben die Radsatzgetriebe jedoch gemeinsam: Im Vergleich zu den klassischen Fahrzeuggetrieben liegt eine deutlich höhere mechanische Beanspruchung vor: Dazu kommen sehr hohe jährliche Laufleistungen und vor allem im Fernverkehr sehr hohe Betriebstemperaturen bei unterschiedlichsten Einsatzbedingungen. Der ICE Bei einem ICE-Triebwagen ist die Antriebseinheit, bestehend aus dem elektrischen Traktionsmotor und dem Getriebe, mit spezieller Kardan-Hohlwelle miteinander verbunden in einer Einheit untergebracht. Diese Antriebseinheit ist etwa in Fahrzeugmitte in einer vollgefederten Aufhängung am Drehgestellt befestigt. Die Schmierung Ohne die zuverlässige Schmierung kann selbst das beste Antriebskonzept die gestellten Erwartungen nicht erfüllen. Schmierstoffe werden deshalb zunehmend ebenso als Konstruktionselement gesehen wie beispielsweise ein Lager oder ein Zahnrad. Gerade im Eisenbahnverkehr liegt die Messlatte für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz sehr hoch. Deshalb werden Schmierstoffe für Eisenbahngetriebe von den jeweiligen Getriebeherstellern geprüft und namentlich freigegeben. Es ist zu berücksichtigen, dass im Eisenbahnverkehr besondere Gesetze und Vorschriften hinsichtlich Sicherheit und Gefährdungspotenzial greifen. Dazu kommt, dass die Getriebe, den Schmierstoff eingeschlossen, in Eisenbahnanwendungen im Vergleich zum klassischen Straßenverkehr > Deutlich höheren Beanspruchungen (Drehmoment, Leistung) bei ungünstigen Einbauverhältnissen unterliegen > Vielfach höhere Laufleistungen pro Jahr erreichen > Unter extremen Einsatzbedingungen (Temperaturen, Feuchtigkeit, …) arbeiten > Lange Lebensdauer und sehr hohe Ausfallsicherheit zu garantieren sind > Wartungs- und Energiekosten extremen Anforderungen unterliegen Schmieröle für Turbogetriebe In hydrodynamischen Getrieben treffen hoch-dynamische Volumenströme auf hohe Öltemperaturen, vor allem im Dauerbzw. Langstreckeneinsatz aber auch in Sonderanwendungen. Blick ins Innere eines Radsatzgetriebes (GGT Gmeinder Getriebetechnik GmbH) Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 8 Fachartikel | Vom Dampfross zum ICE Das Getriebeöl muss ein exzellentes Luft- und Wasser-Abscheidevermögen haben, schaumarm im Betrieb sein und neben den Fließeigenschaften ausrechende Schmierwirkung aufweisen. Dazu sind sehr gute Alterungsstabilität auch bei erhöhten Öltemperaturen und eine geringe Neigung zur Ablagerungsbildung wichtig. Zum Einsatz kommen ausschließlich von dem Getriebehersteller freigegebene, niedrigviskose Spezialgetriebeöle (z. B. ISO VG 32) auf der Basis moderner, hoch raffinierter Mineralöle der API- Gruppe II oder besser. Schmieröle für Automatikgetriebe Wie in einem klassischen Automatikgetriebe muss das eingesetzte Getriebeöl sowohl den hydrodynamischen Anforderungen genügen, die dem eines Turbinenöls nahekommen, jedoch gepaart mit den Schmier- Anforderungen des mechanischen Getriebeteils (Stirnbzw. Planetenräder) und der Schalteinrichtungen (Reibeigenschaften für Lamellenkupplungen). Des Weiteren ist eine exzellente oxidative und thermische Stabilität vonnöten, um den sehr langen Ölwechselintervallen gerecht zu werden. Auch hier ist darauf zu achten, dass das Getriebeöl den erhöhten Anforderungen des Bahnbetriebs Rechnung trägt. Zum Einsatz kommen ATF’s (ATF = Automatic Transmission Fluid) mit OEM-Freigabe, meist auf der Basis teil- oder vollsynthetischer Grundöle. Schmieröle für Radsatzgetriebe An die Getriebeöle für Radsatzgetriebe werden höchste Anforderungen an die Schmiersicherheit und Langlebigkeit auch unter extremen Einsatzbedingungen gestellt. Im Fernverkehr in Flächenländern wie beispielsweise China kann ein Zug durchaus 6 Stunden oder mehr ohne Pause bei hoher Reisegeschwindigkeit unterwegs sein und das bei hoher Luftfeuchtigkeit, die beim Abkühlen zur gefährlichen Kondensatbildung führen kann. Daher sind auch an die Abdichtung der Getriebe höchste Anforderungen gestellt, Zum Einsatz kommen überwiegend vollsynthetische Getriebeöle, z. B. der SAE-Klasse 75W-90 mit Schmiereigenschaften nach API GL-5 „LS“ mit OEM- Freigabe. An die Scherstabilität und Alterungsbeständigkeit sind sehr hohe Anforderungen gestellt, um auch bei den extremen Einsatzbedingungen und Laufzeiten des Eisenbahnbetriebs die Schmiersicherheit zu gewährleisten. Diese Anforderungen übertreffen die die des allgemeinen Fahrzeugeinsatzes erheblich. Daher sind auch hier nur vom Getriebehersteller für den Eisenbahnbetrieb namentlich freigegebene Öle zulässig. Ölüberwachung Den hohen Anforderungen des Eisenbahneinsatzes Rechnung tragend, gewinnt die regelmäßige Überwachung des Getriebeöls zunehmend an Bedeutung. Anhand der regelmäßigen Überwachung des Alterungszustandes, des Abriebs und des Eintrags von Verunreinigungen können Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt und anstehende Inspektionsbzw. Wartungsarbeiten besser geplant werden, da die Verbringung der Schienenfahrzeuge in die Reparaturbetriebe in der Regel mit sehr hohem Aufwand verbunden ist. Außerdem kommen so Betriebssicherheit, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz zusammen. Denn nicht nur hier gilt: „Wer gut schmiert, der gut fährt.“ »« Eingangsabbildung: generiert mit Chat GPT Das Getriebeöl im Einsatz (Adobe Stock…) IHR SPEZIALIST FÜR BORNITRID-PRODUK TE Henze BNP AG Grundweg 1 87493 Lauben Phone +49 8374 589 97-0 www.henze-bnp.de WIRTSCHAF TLICH Senkung des Kraftstoff-/ Energieverbrauchs durch verringerte Reibung, Verlängerung des Produktlebenszyklus durch Verschleißschutz auf den Oberflächen SICHER physiologisch unbedenklich und sehr gut verträglich mit Dichtungen und Materialien aus Kunststoffen. Auch unter extremen Bedingungen bleibt die Wirkung von Bornitrid erhalten LEISTUNGSFÄHIG Schmierfähigkeit dank Trockenschmierfilm, selbst bei höchsten Belastungen konstant, sehr gute Kriech- und Benetzungseigenschaften HeBoLub ® Das Schmierstoff-Additiv Für besseres Schmierverhalten, höhere Wärmeleitfähigkeit, höheres Lastaufnahmevermögen. HeBoLub ® innovatives und leistungsfähiges Schmierstoff- Additiv für Motoren, Getriebe und Anlagen. Die hochfeine Bornitrid-Öl-Dispersion minimiert als Additiv in Schmierstoffen nachweisbar Reibung und Verschleiß. Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 10 FacHartikEl FacHartikEl Mit der Bayerischen Regiobahn klima- und umweltfreundlich unterwegs Petra Bots (OELCHECK GmbH) Die Bayerische Regiobahn (BRB) fährt in die schönsten Regionen Bayerns - und trägt dazu bei, dass sie es auch bleiben. In einigen Bereichen ihres großen Liniennetzes ist sie bereits mit elektrischen Triebwagen umweltfreundlich unterwegs. Auf noch nicht elektrifizierten Streckenabschnitten kommen überwiegend „leichte innovative Nahverkehrstriebwagen“ (LINT) zum Einsatz. Diese werden zwar mit Dieselkraftstoff betrieben, doch stoßen Fahrzeuge der neuesten Generation bis zu 90 % weniger Stickoxide und Partikel aus als ihre Vorgänger. Der Kühlkreislauf eines LINT-Triebwagens ist essenziell für die Funktion von Motor und Getriebe. Damit diese Aggregate langfristig störungsfrei arbeiten, sorgen Kühlmittelanalysen für die Überprüfung der Systemfunktion und sichern so den zuverlässigen Betrieb. Meilensteine der BRB: Elektrisch im Chiemgau, modernisiert im Oberland Ohne die Eisenbahnverkehrsunternehmen kann weder die Verkehrsnoch die Klimawende gelingen - denn die Bahn ist das umweltfreundlichste motori- Petra Bots Petra Bots ist Geschäftsführerin der OELCHECK GmbH. Nach einer Ausbildung im Bereich Mediendesign übernahm sie 2013 zunächst die Leitung der OilDoc Akademie und organisierte dort Seminare, Webinare und die internationale OilDoc-Konferenz. Gemeinsam mit ihrem Bruder führt sie seit 2024 das traditionsreiche Familienunternehmen OELCHECK in die nächste Generation. Der Wasserstoffzug Mireo Plus H startete offiziell im Dezember 2024 in den Fahrgastbetrieb (Copyright: Siemens Mobility GmbH). 11 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 Fachartikel-|-Mit der Bayerischen Regiobahn klima- und umweltfreundlich unterwegs sierte Verkehrsmittel. Bis 2030 soll der Verkehrssektor seine Emissionen um insgesamt 48,5 % senken. Die BRB leistet bereits heute einen konkreten Beitrag: Im Netz Chiemgau-Inntal fahren derzeit 28 elektrische Triebwagen emissionsarm durch die Region. Im Netz Oberland wurden die alten Integral-Fahrzeuge bereits im Jahr 2020 - und damit rund fünf Jahre früher als geplant - durch neue Triebwagen (LINT 54) ersetzt. Diese Reduzierung der Stickoxid- und Partikelemissionen um 90 % ist ein beachtlicher Fortschritt. Die zweiteiligen Züge bieten 125 Fahrgästen Komfort auf hohem Niveau. Bei höherem Fahrgastaufkommen lassen sich mehrere Einheiten kuppeln. Drei 390-kW-Dieselmotoren treiben die LINT 54 bei Bedarf auf bis zu 140 km/ h an. Je nach Streckenprofil lassen sich Motoren gezielt abschalten - in der Ebene reicht die Leistung zweier Motoren aus, was den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen deutlich senkt. Auch bei der täglichen Betriebsaufnahme setzt die BRB auf Effizienz: Die Druckluft für die Bremsanlagen wird morgens nicht mehr über die Motoren erzeugt, sondern durch eine stationäre Versorgungsanlage. Das spart Diesel, reduziert Emissionen - und minimiert Lärm. Kühlmittel im Fokus: Kleine Proben, große Wirkung Technische Probleme sollen gar nicht erst entstehen. Deshalb achtet die BRB auf eine vorausschauende Wartung. Bereits vor einigen Jahren führten unerwartete Störungen in den Kühlsystemen neuer LINT- Züge zur Zusammenarbeit mit OELCHECK. Seitdem setzt die BRB auf All-inclusive-Analysesets für Kühlmittel. Obwohl der Kühlmittelwechsel gemäß Hersteller alle drei Jahre vorgesehen ist, traten bereits zuvor Korrosion, Verschleiß und Undichtigkeiten auf. Im Labor analysierte OELCHECK daraufhin systematisch Kühlmittelproben, um unter anderem Alterung, Wasserqualität, Additivveränderungen und mögliche Verunreinigungen zu prüfen. Das Ergebnis: Kupferionen aus den Leitungen führten zu Korrosion an Getriebe-Wärmetauschern aus Aluminium. Nach Rücksprache mit dem OEM wurden diese durch korrosionsbeständige Edelstahl- Modelle ersetzt. Ergänzend verwendet die BRB nun ein silikatfreies Kühlerschutzmittel mit organischen Salzen als Korrosionsschutz. Auch ältere Fahrzeuge werden sukzessive auf diese Lösung umgestellt. Regelmäßige Laboranalysen sichern die Funktion der Kühlsysteme dauerhaft ab. Nicht nur Kühlmittel im Blick Neben den Kühlsystemen überwacht die BRB auch die Schmierstoffe in Dieselmotoren und Bahngetrieben mithilfe professioneller Ölanalysen. So wird der zuverlässige Betrieb der gesamten Fahrzeugflotte sichergestellt - nachhaltig, effizient und vorausschauend. Weitere Informationen unter www.brb.de und www.oelcheck.de. »« Eingangsabbildung: © Siemens Mobility GmbH Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 12 FacHartikEl FacHartikEl Nachhaltigkeit bei Bio-Schmierfetten Carbon Utilisation und andere Innovationen: Warum den Renewables die Zukunft gehört Dipl.-Phys. Ulf Gardenier, KAJO GmbH und Dr. rer. pol. Thomas Köller Die wirtschaftliche und industrielle Aktivität des Menschen darf die natürlichen Kreisläufe der Erde und des Lebens nicht zerstören. Das ist der Grundgedanke der Nachhaltigkeit, den bekanntlich ein deutscher Förster bereits 1713 formulierte: Hans Carl von Carlowitz forderte damals, immer nur so viel Holz einzuschlagen, wie auch nachwachsen kann. Tatsächlich wurde der deutsche Wald daraufhin gerettet, doch insgesamt sägt die Menschheit den sprichwörtlichen Ast, auf dem sie sitzt, nach wie vor fleißig ab. Teilweise unterstützt durch neue oder drohende Regulierungen sowie entsprechende Anforderungen ihrer Kunden, diskutiert denn auch die Schmierstoff branche längst über den richtigen Weg zu nachhaltiger Schmierung. Ulf Gardenier Ulf Gardenier ist 56 Jahre alt und lebt mit seiner Frau in Düsseldorf. In den 1990er Jahren studierte er Physik und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Aachen und schloss beide Studiengänge mit Diplomarbeiten über Laseroptik und Wartungsprozesse an Güterwagen ab. Nach 25 Jahren in der Beratung unter anderem bei SIEMENS in der SAP-Implementierung, beschloss Ulf Gardenier Anfang 2022, seine bisherige Karriere komplett zu ändern und wechselte zu KAJO, einem deutschen Hersteller von Schmierfetten und -ölen. Die Herausforderung, mit neuen innovativen Produkten in den nordamerikanischen Markt einzusteigen, war die Hauptmotivation für diesen Schritt. Heute leitet er als Geschäftsführer die KAJO North America Inc. mit Sitz in Charlotte. Dr. Thomas Köller Dr. Thomas Köller studierte Psychologie, Sozialwissenschaften und Mathematik in Bochum, Duisburg, Catania (Italien) und Hagen. Abschluss als Diplom-Sozialwissenschaftler, Studienrichtung Politikwissenschaft, in Duisburg. Promotion unter anderem am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld. Selbständig tätig als Dozent, Forscher, Autor, Verleger und Übersetzer. „Bio-Schmierstoffe“: Vom Boden- und Gewässerschutz zum Schutz des Klimas Freilich bietet ein Teil der Hersteller bereits seit Jahrzehnten sogenannte Bio-Schmierstoffe an. Im weitestgehenden Fall sind sie vollständig biologisch abbaubar („mineralölfrei“, bezogen auf die verwendeten Rohstoffe und Vorprodukte), „minimal-toxisch“ und „nich♥t bio-akkumulativ“ und stammen die in ihnen enthaltenen Kohlenstoffe komplett aus erneuerbaren Rohstoffen (was heißt, dass jene Kohlenstoffe ausschließlich biogenen Ursprungs im Sinne der C14-Methode sind) - und das alles bei so hervorragenden Schmier- und Hafteigenschaften, dass der Geräteverschleiß verringert, die Standzeiten verlängert und der geringfügig höhere Preis dadurch überkompensiert werden. Ein Beispiel für ein solches umfassendes Bio- Produkt ist der erste jemals mit dem EU-Ökolabel ausgezeichnete Schmierstoff überhaupt, das Sägekettenhaftöl BIO 2050 des deutschen Familienunternehmens Kajo GmbH. Doch können die Bio-Schmierstoffe - deren Beitrag angesichts umfangreicher, häufig unvermeidlicher Verlustschmierungen lange primär im Boden- und Gewässerschutz gesehen wurde - auch einen Beitrag zur heute so dringenden Rettung des Klimas leisten? CO 2 als Rohstoff für die (weniger energieintensive) Produktion eines lithiumfreien Kalziumsulfonat-Verdickers Jedenfalls lässt eine weitere, aktuelle Innovation des Bio-Pioniers Kajo vor diesem Hintergrund aufhorchen: Die Sauerländer haben ein Verfahren entwickelt, das CO 2 als Rohstoff für die Produktion eines lithiumfreien Kalziumsulfonat-Verdickers - also eines Schmierfettes (Kajo-Bio-Grease CASX-2) - verwendet. Insofern wird hier der Atmosphäre - gemäß dem allgemeinen Konzept der Carbon Capture and Utilisation - CO 2 entzogen. Zudem reduziert das Verfahren die für die gesamte Fettherstellung benötigte Prozessenergie, da sich Salvo, Taurus, Trebor drei geschützte Marken überzeugen beim Schleifen und Zerspanen von Kunststoff, Keramik, Composite, Stahl, Alu und Buntmetall Natürlich gibt es auch andere, aber wer will das schon wenn er haben kann. Think different! Think different! www.gogreen.co.at 0043 664/ 1644217 office@gogreen.co.at Nur wo „unser“ drauf steht ist auch „unser“ drin! Kühlschmierstoffe von GoGreen die Problemlöser bei Hautreaktionen. Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 14 Fachartikel | Nachhaltigkeit bei Bio-Schmierfetten die nötige Prozesswärme durch exotherme Reaktion teilweise selbst bildet und die maximal erforderliche Temperatur geringer ist als bei vergleichbaren Prozessen der Fettherstellung. Da die Produktion von Schmierfetten durchaus energieintensiv ist, verbessert dies die Energie- und insofern auch die CO 2 -Bilanz des neuen Schmierstoffs weiter. Schließlich: Indem der Verdicker - der das Grundöl am Wegfließen hindert und es damit zu einem Schmierfett im Gegensatz zu einem Schmieröl macht - Kalziumsulfonat statt Lithium enthält, ersetzt er nicht nur das jüngst stark verteuerte und auch unter ökologischen Gesichtspunkten zunehmend kritisch diskutierte Lithium, sondern verringert er darüber hinaus auch den Bedarf an ihrerseits problematischen Additiven. Carbon Capture and Utilisation: Überschaubarer Effekt Richtig ist freilich auch: Das in der Produktion verwendete CO 2 wird - wie bei Carbon Capture and Utilisation allgemein üblich - zum größeren Teil früher oder später wieder freigesetzt. Zwar ist es zunächst in der Kalziumkarbonatverbindung eingeschlossen, die an der Luft stabil und nur schlecht wasserlöslich ist. Bei hohen Temperaturen und in Säuren (auch manche Böden sind leicht sauer) bricht das Kalziumkarbonat jedoch auf, wodurch das CO 2 entweicht. Geht man von 100 % Verlustschmierung bzw. der Verbrennung des alten Fetts aus, beschränkt sich die Menge des der Atmosphäre entnommenen CO 2 also nahezu auf das in dem bereits produzierten, aber noch nicht verbrauchten Schmierfett eingeschlossene Kohlendioxid. Da ein Kilogramm des neuen Schmierfetts ca. 20 Liter (oder 40 Gramm) CO 2 „bunkert“, wären das selbst hochgerechnet auf den gesamten deutschen Schmierfettmarkt nur sehr überschaubare Mengen von höchstens einigen wenigen Tausend Tonnen CO 2 (die CO 2 -Emissionen Deutschlands lagen laut Umweltbundesamt im Jahr 2024 bei 572 Millionen Tonnen). CO 2 -Gesamtbilanz: Renewables klar im Vorteil Doch wie fällt die CO 2 -Gesamtbilanz aus? Was lässt sich über den „CO 2 -Fußabdruck“ des Produkts, den Product Carbon Footprint (PCF) - unter Berücksichtigung der gesamten Liefer- und Produktionskette - sagen? Angesichts methodischer Schwierigkeiten (gerade bei Schmierfetten; s. Jungk in SuS 2/ 2023, S. 11) und unzureichender Daten ist es derzeit noch schwierig, hier wirklich brauchbare eindeutige, quantitative Aussagen zu machen. Zwar gibt es inzwischen diverse zertifizierte PCF aus unterschiedlichen Datenerhebungen, doch kommen diese in Bezug auf ein und denselben Rohstoff (z. B. mineralische Grundöle) zu stark abweichenden Ergebnissen. Umso wichtiger erscheint aber eine qualitative Betrachtung, die zunächst von der folgenden Tatsache auszugehen hat: Anders als mineralölbasierte Schmierstoffe sind biologisch abbaubare und in Bezug auf ihre Kohlenstoffe biogene Bio-Alternativen nicht erst über Jahrmillionen, sondern kurzfristig in den Kohlenstoffkreislauf eingebunden. > Die mineralölbasierten Schmierstoffe führen deshalb unweigerlich zur Freisetzung zuvor tief in der Erde gespeicherten Kohledioxids. Dies kann in vielen Fällen durch Recycling und entsprechende Zweit- oder Drittverwendung hinausgezögert und damit in der Summe vermindert werden. Andererseits ist bereits die Mineralölförderung mit der Freisetzung erheblicher Mengen an Treibhausgasen und anderen Umweltschäden verbunden. > Auf erneuerbaren Rohstoffen basierende Schmierstoffe hingegen sind wegen des deutlich kurzfristigeren Kohlenstoffkreislaufs in dem Maße CO 2 neutral, da ihr Anbau nicht auf Flächen erfolgt, auf denen zuvor deutlich mehr CO 2 gespeichert war, insbesondere wenn für den Ölsaatanbau erst Urwälder gerodet wurden. Dass das Palmöl, das in den von Kajo für seine Schmierfette verwendeten Estern häufig noch enthalten ist, nicht von solchen Flächen stammt, lässt sich der Mittelständler durch Zertifikate des auf Initiative des WWF gegründeten Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) garantieren. Ansonsten nutzt das Unternehmen vor allem auf europäischem Rapsöl basierende Ester, bei denen die Problematik des Land Use Change keine große Rolle spielt, zumal der Schmierstoffmarkt insgesamt zu klein ist, um selbst bei einer kompletten Umstellung große Flächennutzungskonflikte auszulösen. Damit scheint die Situation der Schmierstoffindustrie vergleichbar mit der vieler anderer Teilbereiche der chemischen Industrie: Angesichts der Klimaproblematik und der daraus erwachsenden, zunehmenden Nachhaltigkeitsanforderungen gilt es, den Übergang zu einer „fossilfreien Chemie“ zu bewerkstelligen - zu einer Chemie also, die nicht nur in Bezug auf die Deckung ihres allgemeinen Energiebedarfs, sondern auch in Bezug auf ihre Prozesse und Vorprodukte von Kohle, Öl und Gas unabhängig geworden ist. Tatsächlich bietet Kajo bereits seit einigen Jahren Schmierfette mit bis zu 85 % biogenen Kohlenstoff bestandteilen an (zur Erinnerung: die EU verlangt für einen „Bio-Schmierstoff “ nur 25 % biogenen Anteil). Im hier vorliegenden Fall werden Werte zwischen 60 % und 80 % erreicht, und Grundöle und Verdicker sind vollständig mineralölfrei (biologisch abbaubar). Zudem wird sich der biogene Kohlenstoffanteil des Gesamtprodukts durch entsprechende Innovationen bei den Rohstoffen (Ester) in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter erhöhen. Wer mit Schmierstoffen arbeitet, übernimmt Verantwortung: für die Lebensdauer von Maschinen, die Verfügbarkeit von Anlagen und die Betriebssicherheit. Mit dem neuen Zertifikatslehrgang „Geprüfter Schmierstoff-Techniker“ eröffnet die OilDoc Akademie jetzt allen Praktikern die Möglichkeit, sich fundiertes Wissen anzueignen und dies mit einer anerkannten Prüfung zu belegen. Zwei Zertifizierungswege - abgestimmt auf Ihre Praxis Mit der neuen Struktur haben Sie die Wahl! ® Geprüfter Schmierstoff-Techniker *NEU* Diese Zertifizierung können Sie bereits nach erfolgreicher Teilnahme an den Modulen 1 und 2 ablegen. Sie richtet sich an Instandhalter, Maschinenbediener und technische Mitarbeiter, die in ihrem Arbeitsalltag unmittelbar mit Schmierstoffen umgehen. Ziel ist es, praxisorientiertes Basiswissen aufzubauen und zu vertiefen. ® Geprüfter Schmierstoff-Experte Wer sein Wissen noch weiter vertiefen möchte, kann zusätzlich die Module 3 und 4 absolvieren. Nach Abschluss aller vier Module besteht wie bisher die Möglichkeit zur Prüfung zum „Geprüften Schmierstoff- Experten“. Diese Zertifizierung bietet sich besonders für Fach- und Führungskräfte an, die strategisch mit Schmierstoffen arbeiten und übergreifende Verantwortung tragen. GEPRÜFTER SCHMIERSTOFF-EXPERTE GEPRÜFTER SCHMIERSTOFF-TECHNIKER DIE NEUE ZERTIFIZIERUNG FÜR PRAKTIKER xx.xx.2025 Rüdiger Krethe | Geschäftsführer OilDoc GmbH Grundlagen und Praxis der Schmierstoffanwendung I + II GEPRÜFTER SCHMIERSTOFF-TECHNIKER DIESES ZERTIFIKAT WIRD ÜBERREICHT AN Hier könnte Ihr Name stehen! ! ALS ANERKENNUNGFÜR DIE ERFOLGREICHE PRÜFUNG UND TEILNAHME AN DEN MODULEN 1 UND 2 DES OILDOC-ZERTIFIKATSLEHRGANGS "GEPRÜFTER SCHMIERSTOFF-EXPERTE" Der modulare Aufbau im Überblick ■ Modul 1: Grundlagen der Schmierstoff-Anwendung I (3 Tage) Einführung in die wichtigsten Eigenschaften und Funktionen von Schmierstoffen. ■ Modul 2: Grundlagen der Schmierstoff-Anwendung II (2 Tage) Vertiefung mit praxisnahen Fallbeispielen - und Basis für die Schmierstoff-Techniker-Prüfung. ■ Modul 3: Professionelles Schmierstoff-Management (2 Tage) Organisation, Lagerung, Zustandsüberwachung und effizienter Einsatz. ■ Modul 4: Praxisprobleme lösen - Schäden vermeiden (2 Tage) Schadensbilder analysieren, Ursachen erkennen und vorbeugen. Damit können Sie individuell entscheiden, ob Sie Ihre Weiterbildung nach Modul 2 mit der Techniker-Prüfung abschließen oder mit den Modulen 3 und 4 den Weg zum Experten-Zertifikat weitergehen. Ihr Nutzen - praxisnah und anerkannt Die Kurse verbinden fundiertes Fachwissen mit praxisgerechter Vermittlung. Statt abstrakter Theorie erwarten Sie konkrete Anwendungsbeispiele, Checklisten und Tipps für die direkte Umsetzung im Betrieb. Das Beste: Mit der Techniker-Prüfung haben Sie erstmals die Möglichkeit, schon nach wenigen Tagen ein offizielles Zertifikat zu erwerben - ein starkes Signal gegenüber Arbeitgebern, Kunden und Partnern. Für wen ist der Kurs geeignet? ■ Instandhalter und Servicetechniker, die Schmierstoffe im Betrieb anwenden. ■ Maschinen- und Anlagenbediener, die für korrekte Befüllung und Pflege verantwortlich sind. ■ Technische Mitarbeiter, die Wartungspläne erstellen oder überwachen. ■ Fach- und Führungskräfte, die ihr Wissen mit den Expertenmodulen vertiefen wollen. © Adobe Stock - sawitreelyaon Neuer Start der Reihe im Herbst 2025 Die ersten Module des neuen Zertifikatslehrgangs starten bereits im November 2025. Damit ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um sich Ihren Platz zu sichern. Kleine Gruppen und eine persönliche Betreuung sorgen für ein intensives Lernerlebnis. Modul 1: Grundlagen der Schmierstoffanwendung I 18.-20.11.2025 Modul 2: Grundlagen der Schmierstoffanwendung II 03.-04.02.2026 Modul 3: Professionelles Schmierstoff-Management 11.-12.05.2026 Modul 4: Schäden an Lagern, Getrieben und Motoren vermeiden 16.-17.09.2026 Jetzt anmelden und Vorteile sichern! Zur Online-Anmeldung Alle vier Module buchen und 10 % sparen! Anzeige OilDoc GmbH Kerschelweg 29 83098 Brannenburg +49 8034-9047-700 info@oildoc.com www.oildoc.com Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 16 Fachartikel | Nachhaltigkeit bei Bio-Schmierfetten Die Zukunft gehört den „Bio-Schmierstoffen“ Angesichts all dessen, was also bereits erreicht wurde und noch erreicht werden kann, gibt es aus unserer Sicht keinen Grund, das Leitbild der „fossilfreien Chemie“ speziell für die Schmierstoff branche nicht gelten zu lassen und statt dessen zu argumentieren, dass sich doch über verbesserte Schmierstoffe die Reibungsverluste der geschmierten Maschinen so stark verringern ließen, dass die daraus resultierenden Einsparungen der für ihren Betrieb nötigen Energie letztlich eine Überkompensation des CO 2 -Fußabdrucks des (mineralölbasierten) Schmierstoffs bedeuteten („CO 2 -Handabdruck“). In der Tat haben Holmberg/ Erdemir (2017), auf die an dieser Stelle regelmäßig verwiesen wird (vgl. etwa Stapels in SuS 4/ 2023, S. 29; Gesellschaft für Tribologie 2019, S. 10; Wikipedia-Artikel „Tribologie“), entsprechende Einsparpotentiale in beeindruckender Höhe geschätzt. Doch selbst wenn diese Potentiale aus verminderter Reibung (statt langsamerer Abnutzung) resultieren, gehen die beiden Autoren weder davon aus, dass die Reibungsminderung allein Sache besserer Schmierstoffe sei (ein „Sprit schluckendes“ Auto muss nicht nur besser geschmiert, sondern anders konstruiert werden), noch davon, dass es sich bei den vielversprechenden Kandidaten allein um mineralölbasierte Schmierstoffe handele oder nur diese weiteres oder auch nur ein besonderes Entwicklungspotential besäßen (tatsächlich dürfte umgekehrt das unausgeschöpfte Potential der Erneuerbaren deutlich größer sein). Fazit So nützlich und motivierend es sein mag, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Schmierstoff branche nicht nur Teil des Problems, sondern auch dessen Lösung ist: Dass es bei Schmierstoffen immer schon darum geht, Reibung zu vermindern, entlastet nicht von der Verantwortung der Branche, den eigenen CO 2 - Fußabdruck zu verringern, da es hier eben schlicht keinen sachlichen Zusammenhang gibt: Weitere Verbesserungen der Schmiereigenschaften müssen in Zukunft nicht allgemein durch einen schlechteren CO 2 -Fußabdruck erkauft werden. Man muss sich nicht entscheiden. Im Gegenteil haben Unternehmen wie Kajo, in Verbindung mit entsprechenden Freigaben der Gerätehersteller, bereits für viele Bereiche gezeigt, dass die Leistungsmerkmale der Renewables oft sogar besser sind - von Landbis Baumaschinen, von der Bahn bis zur Schifffahrt, von der Lebensmittelbis hin zur Automobilindustrie. Ausnahmen sind hier nur einige Bereiche mit extremen Anforderungen, wie etwa die Luft- und Raumfahrt. Auch Kajos neues Bio-Schmierfett CASX-2 hat seine Pilotphase inzwischen hinter sich gelassen. Gemeinsam mit Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen wurden genauere Produktspezifikationen entwickelt - für Bergbaumaschinen, Schiffsstahlseile, Baggerschwenkgetriebe, hydraulische Hämmer und Meißel, Bahnweichen, offene Getriebe in Zementfabriken. Literatur Gesellschaft für Tribologie e. V. (2019): Tribologie in Deutschland, Querschnittstechnologie zur Minderung von CO 2 -Emissionen und zur Ressourcenschonung, o. O., https: / / www.gft-ev.de/ de/ tribologie-studie-co2-minderung, abgerufen am 13.08.2025. Holmberg, Kenneth/ Erdemir, Ali (2017): Influence of tribology on global energy consumption, costs and emissions. In: Friction 5(3): 263-284, https: / / doi.org/ 10.1007/ s40544-017- 0183-5, abgerufen am 13.08.2025. Jungk, Manfred (2023): ELGI gründet Nachhaltigkeitskonsortium, in: Schmierstoff und Schmierung 2/ 2023, S. 10-12. Stapels, Michaels (2023): Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit - wo steht die Schmiermittelindustrie, in: Schmierstoff und Schmierung 4/ 2023, S. 27-33. »« Eingangsabbildung: © imagepocket - stock.adobe.com 17 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 FacHartikEl Mineral Oil - von der Pipeline auf die Schiene Tatjana Sickl Schon mal an der Zapfsäule überlegt, welchen Weg das Benzin zur Tankstelle zurückgelegt hat? Ob Diesel, Flugtreibstoff oder Schmiermittel - die Rail Cargo Group (RCG) transportiert riesige Mengen an raffinierten Mineralölprodukten und Flüssiggasen quer durch Europa und sorgt dafür, dass die Warenströme nie ins Stocken geraten. Wohin bewegt sich die Branche? Was macht die Logistik so besonders? Antworten geben Thomas Danner, Christian Rossmair und Judith Oberngruber. Kaum eine Branche ist so dynamisch wie die des Mineralöls: Geopolitische Entwicklungen, Marktvolatilität und Nachhaltigkeitstrends prägen das Geschäft und somit auch die Logistikströme. Thomas Danner kennt mit seinen 38 Jahren Eisenbahn-Erfahrung die Branche wie kein anderer. Gemeinsam mit Christian Rossmair, der seit fünf Jahren in der RCG tätig ist, leitet er das Segment Mineral Oil . Judith Oberngruber hat als Key Account Managerin den direkten Draht zu bekannten Großkunden und sorgt für eine reibungslose Planung und Abwicklung der Transporte. Tatjana Sickl Tatjana Sickl ist nicht nur Kommunikationsprofi, sondern auch leidenschaftliche Eisenbahnerin bei der ÖBB Rail Cargo Group. Die komplexe Welt der Logistik verstehen und in einfachen, klaren Worten auf den Punkt bringen - genau das ist die Challenge, die sie jeden Tag antreibt. Mit ihren Artikeln holt sie nicht nur Branchen-Insider ab, sondern begeistert auch Menschen außerhalb der Logistik-Bubble für das nachhaltigste Transportmittel ever - die Bahn. Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 18 Fachartikel | Mineral Oil - von der Pipeline auf die Schiene Wenn ich an Mineralöl denke, kommt mir sofort die Tankstelle in den Sinn … Christian: Stimmt! Aber es begegnet uns praktisch in allen Bereichen unseres Lebens. Vom Lippenbalsam über Kunststoffe in Verpackungen bis hin zu Kerzen und Reinigungsmitteln. Beim Festival nutzt man beispielsweise Gas für den Campingkocher, während jemand anderes mit einem Feuerzeug die Kerze anzündet. Selbst in der Medizin ist es essenziell, etwa bei der Herstellung von Salben oder bestimmten pharmazeutischen Grundstoffen. Man denkt oft nur an Treibstoffe, aber die Palette ist viel breiter. Sehr spannend - und was transportiert die RCG alles? Thomas: Unser Portfolio beginnt beim Rohöl aus österreichischer Förderung und reicht bis zu allen Raffinerie-Produkten. Wir transportieren Zwischenprodukte wie Gasöle oder Mitteldestillate und Endprodukte wie Benzin und Diesel. Zudem befördern wir Flüssiggas in Kesselwagen, das aus dem Raffineriebetrieb verflüssigt wird - nicht zu verwechseln mit verflüssigtem Erdgas, das bei der Bohrung gewonnen wird und auf der Schiene nicht transportierbar ist. Was sind denn die Herausforderungen eurer Branche? Thomas: Die Komplexität ist eine davon. Es gibt eine bestimmte Anzahl an Raffinerien in Europa, und so eine Raffinerie kann man nicht einfach ein- und ausschalten, die Verkehrsströme müssen immer fließen. Außerdem sind die Lagerkapazitäten sehr begrenzt. Judith: Und wir haben es mit Gefahrgütern zu tun. Da ist Sicherheit besonders wichtig. Außerdem wünschen sich unsere Kunden aufgrund des volatilen Marktes, dass sie ihre Transporte meist sehr spontan durchführen können. Wir bedienen unterschiedlichste Relationen und haben kaum festgelegte Fahrpläne. Das ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung. Warum ist der Markt volatil? Christian: Der Ölpreis unterliegt hohen Schwankungen, beeinflusst durch geopolitische Einflüsse. Ein Beispiel ist der Ukraine-Krieg. Die Sanktionen gegen Russland haben die Transportwege deutlich verändert. Früher kam Flüssiggas fast ausschließlich aus dem Osten, heute beziehen wir es über die ARA- Häfen und das Mittelmeer. Auch Treibstoffe, die zuvor aus russischer Raffinerieproduktion stammten, kommen nun vermehrt aus Übersee. Das stellt uns vor neue logistische Herausforderungen, da die Wege länger und komplexer sind. Wie kann man darauf als Logistiker am besten reagieren? Christian: Flexibilität und vorausschauendes Handeln sind das A und O - und das gelingt uns als RCG sehr gut. Wir setzen auf eine Kombination aus Ganzzugs- und Einzelwagenverkehren. Dadurch können wir sowohl große Mengen effizient bewegen als auch individuelle Kundenanforderungen flexibel erfüllen. Zudem haben wir ausgefeilte Back-up-Konzepte mit alternativen Lieferanten, Produktionsstandorten und Routen, um auf unvorhergesehene Entwicklungen schnell reagieren zu können. Besonders in der Mineralölbranche ist eine enge Abstimmung mit den Kunden essenziell - oft planen wir Transporte Woche für Woche neu. Und die Königsdisziplin sind Kerosin- Transporte - hier zählt absolute Präzision. Klingt nach einem sehr spannenden, abwechslungsreichen Job, den ihr da macht. Judith: Das ist er auch. Jeder Tag ist anders und jeder neue Transport spannend, besonders Testverkehre © RCG/ Payr 19 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 Fachartikel-|-Mineral Oil - von der Pipeline auf die Schiene oder neue Relationen. Ein Beispiel ist eine Raffinerie, die ausschließlich pharmazeutische Grundstoffe herstellt - kein einziger Tropfen Treibstoff verlässt dort die Anlage. Das zeigt, wie vielseitig das Segment ist. Die Branche ist extrem dynamisch, und Langeweile gibt es definitiv nie. Gibt es auch einen Wandel in puncto Nachhaltigkeit? Thomas: Ja, definitiv. Zum einen ist es unseren Kunden besonders wichtig, ihre Logistikketten so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Zum anderen entwickelt sich die Branche weg von der Mineralölhin zur Energieindustrie. Die Warenströme verlagern sich, neue Transportwege entstehen - und das wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Das Volumen ist aktuell noch gering, aber der Trend ist klar erkennbar. Christian: Beispiele sind das Hydrotreated Vegetable Oil (HVO), ein mit Wasserstoff behandeltes Pflanzenöl oder Sustainable Aviation Fuel (SAF). Letzteres kommt bei Flugzeugen zum Einsatz. Auch hier gibt es einen großen Wandel, da die Luftfahrt sehr CO2-intensiv ist. Es geht ganz klar in Richtung Alternativen auf Basis erneuerbarer Grundstoffe statt fossiler Brennstoffe. Und auch die Logistik von diesen Produkten soll möglichst nachhaltig sein - da ist die Bahn im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern natürlich unschlagbar. Mineral Oil - auf einen Blick: > 9,4 Mio. Tonnen Gesamtvolumen (65.000 Wagen) pro Jahr, davon: ■ 7,4 Mio. Tonnen Mineralöl ■ 2 Mio. Tonnen Flüssiggas > Organisation europaweiter End-to-end-Logistiklösungen > Professionelles Fracht- und Kesselwagenmanagement > Lauf- und Zulaufsteuerung »« Eingangsabbildung: © RCG/ Kern © RCG/ Payr Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 20 FacHartikEl FacHartikEl Seilschmierstoffe für Stahldrahtseile - Lebensader für Trag- und Förderseile im Güter- und Personentransport Elisabeth Götze, Rope Technology Aachen, SKF Group Von der Seilbahn bis zum Kran: Warum die richtige Schmierung über Sicherheit, Effizienz und Lebensdauer entscheidet Einleitung Drahtseile sind zentrale Bauelemente der Fördertechnik - in Seilbahnen, Kränen, Winden, Offshore-Anwendungen sowie in der Bau- und Schwerindustrie. Sie tragen tonnenschwere Lasten, sichern Menschen in Seilbahnkabinen und ermöglichen den reibungslosen Transport von Gütern in Produktionsanlagen. Ein Drahtseil besteht aus zahlreichen feinen Drähten, die zu Litzen verseilt und anschließend um einen zentralen Kern - meist aus Stahl oder Faser - gewunden werden. Diese komplexe Struktur verleiht dem Seil hohe Flexibilität und Zugfestigkeit, macht es jedoch auch anfällig für innere Schäden. Ungeachtet ihrer Vielseitigkeit haben alle Drahtseile eine gemeinsame Achillesferse: Korrosion und Reibverschleiß. Diese Faktoren beeinträchtigen direkt die Lebensdauer, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit - eine geeignete Schmierung trägt entscheidend dazu bei, diese Risiken zu minimieren. Elisabeth Götze Elisabeth Götze, 37, ist Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e.V. und verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum KorrosionsExpert an der Montanuniversität Leoben - Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer aktuellen Position war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in diversen Führungspositionen tätig, wo sie umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe auf baute. Mehr Informationen und Anmeldung www.tae.de/ 50019 25. Internationales Kolloquium Tribologie Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Industrie - Mit Tribologie in eine nachhaltige Zukunft Nehmen Sie an Europas führender Konferenz über Schmierung, Reibung und Verschleiß teil! Erleben Sie 3 intensive Tage mit 130 Vorträgen von Top-Experten aus Forschung, Industrie und Praxis in 5 parallelen Sitzungen, mit über 400 Teilnehmern aus der ganzen Welt. Verpassen Sie nicht die 25. Jubiläums-Veranstaltung und merken Sie sich den Termin schon heute vor! Ostfildern bei Stuttgart 27. - 29. Januar 2026 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 22 Fachartikel | Seilschmierstoffe für Stahldrahtseile Was sind Drahtseilschmierstoffe? Drahtseilschmierstoffe sind speziell entwickelte Formulierungen, die auf die mechanischen und umweltbedingten Belastungen von Drahtseilen abgestimmt sind. Sie erfüllen primär zwei Funktionen: die Reduzierung von Reibung und Verschleiß zwischen Drähten und Litzen sowie den Schutz vor Korrosion - sowohl im Seilinneren als auch auf der Oberfläche. Technische Herausforderungen in der Praxis Moderne Drahtseile bestehen meist aus hochfestem Kohlenstoffstahl und werden je nach Einsatz in verschiedenen Konstruktionen und Oberflächenausführungen gefertigt. Sie sind komplexen Belastungszyklen wie Biegung, Torsion, Zug- und Druckbeanspruchung sowie stark variierenden Temperaturen ausgesetzt - etwa beim Umlauf über Seilscheiben. Besonders bei Seilbahnanlagen mit Personentransport steht die Betriebssicherheit im Vordergrund. Hier gelten höchste Anforderungen an den Reibwert sowie an die Kompatibilität der Schmierstoffe mit Polymer- und Kunststoffkomponenten - etwa bei Einlagen oder Seilscheibenauskleidungen. Besondere Bedeutung der Nachschmierung Während die sogenannte Primärschmierung - also die Grundschmierung - bereits während der Herstellung des Seils erfolgt, ist die Sekundär- oder Nachschmierung essenziell für den Erhalt der Schutzwirkung im laufenden Betrieb. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass regelmäßig nachgeschmierte Seile eine signifikant längere Lebensdauer erreichen als ungeschmierte. Beispielhafte Versuche mit Kranseilen belegen: Ein entfettetes Seil zeigte nach 500 Biegewechseln eine Reißfestigkeitsminderung von ca. 20 %, während ein regelmäßig nachgeschmiertes Seil lediglich zwischen 3 und 5 % Einbuße aufwies. Entscheidend ist dabei nicht nur die Regelmäßigkeit der Schmierung, sondern auch die Auswahl eines geeigneten Schmierstoffes - u. a. im Hinblick auf: > Verträglichkeit mit Seil- und Fasereinlagen > Penetrierfähigkeit und Additivtechnologie > Anteile von Festschmierstoffen > Flammpunkt und Temperaturverhalten > Materialverträglichkeit mit Rollen- und Treibscheibeneinlagen Auch die Applikationsmethode - sei es manuell, halbautomatisch oder vollautomatisch - hat wesentlichen Einfluss auf die gleichmäßige Verteilung, Eindringtiefe und den wirtschaftlichen Schmierstoffeinsatz. Korrosion und Reibkorrosion - unterschätzte Schäden Besonders bei wechselnden Klimabedingungen, salzhaltiger Luft oder industriellen Emissionen kommt es zur Reibkorrosion - einem kombinierten Effekt aus mechanischem Verschleiß und chemischer Zersetzung. Ohne geeigneten Schmierstoff entstehen mikroskopische Kerben, die als Rissstarter wirken und zum vorzeitigen Drahtbruch führen können - vor allem in den sensiblen Litzengassen. Diese Problematik wird durch moderne Werkstofftrends zusätzlich verstärkt: Kommt etwa sogenannter Green Steel zum Einsatz - also CO₂reduzierter Stahl mit hohem Schrottanteil und niedrigem Schmelzpunkt -, kann dies zu einer veränderten Oberflächengüte führen. Die daraus resultierende erhöhte Rauheit steigert die Bildquelle: Verope AG, Zug Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG \ Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Die Welt verändert sich rasant. Das wirkt sich auch auf Arbeitsformen und -modelle aus. Simon Werther geht auf die Treiber der Entwicklung ein und stellt „New Work“ vor - leicht verständlich im Frage-Antwort-Stil. Auf Aspekte rund um die Organisation und das Management von Unternehmen sowie die Psychologie geht er ein. Auch die Gestaltung der Veränderungsprozesse lässt er nicht außer Acht. Wichtige sowie vertiefende Fragen sind hervorgehoben und Literatursowie Videotipps sind angeführt. Simon Werther, Laura Werther New Work als Normalität? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand 1. Au age 2024, 156 Seiten €[D] 19,90 ISBN 978-3-8252-5810-8 eISBN 978-3-8385-5810-3 Anzeige Fachartikel-|-Seilschmierstoffe für Stahldrahtseile Anfälligkeit gegenüber korrosiven und tribologischen Belastungen. In sicherheitskritischen Anwendungen wie im Personen- oder Schwerlasttransport ist daher der Einsatz hochleistungsfähiger, penetrierender Schmierstoffe mit exzellentem Korrosionsschutz zwingend erforderlich. Praxisbeispiel: Automatische Nachschmierung von Drahtseilen In industriellen Anwendungen - etwa in der Materialförderung oder in Logistikzentren mit seilbasierten Fördersystemen - hat sich die automatische Nachschmierung als wirtschaftliche und effektive Lösung etabliert. Moderne Schmiersysteme umschließen das Seil vollständig und bringen das Schmiermittel unter kontrolliertem Druck gezielt ins Seilinnere ein. Dies reduziert nicht nur den Schmierstoffverbrauch und den Wartungsaufwand, sondern verlängert nachweislich die Seillebensdauer. Auch in der Seilbahntechnik, etwa im urbanen Nahverkehr oder in alpinen Regionen, ist die regelmäßige Nachschmierung ein sicherheitsrelevanter Bestandteil der Instandhaltung. Die OITAF (Internationale Organisation für das Seilbahnwesen) empfiehlt explizit die Applikation im Biegebereich, um die Penetration in die Litzenstruktur zu maximieren. Moderne Schmierstoffe - zwischen Chemie, Ökologie, Nachhaltigkeit und Anwendungssicherheit Neueste Entwicklungen fokussieren sich zunehmend auf synthetische Schmierstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Sie bieten nicht nur exzellente hydrophobe Eigenschaften, biologische Abbaubarkeit und thermische Stabilität, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und Reduzierung der Umweltbelastung. Besonders in sensiblen Einsatzbereichen - etwa in Offshore-Umgebungen oder im Gebirge - sind umweltfreundliche Schmierstoffe zunehmend gefordert. Nachhaltigkeit umfasst dabei nicht nur ökologische Verträglichkeit, sondern auch die technische Langlebigkeit: Ein effizienter Korrosionsschutz verlängert die Produktlebensdauer, reduziert Materialverbrauch und verringert Entsorgungsaufwand. Trotz aller Innovationen gilt: Die Schmierstoffe müssen kompatibel mit allen eingesetzten Materialien sein - inklusive Kunststoffen, Elastomeren oder Metalllegierungen. Eine Überdosierung kann sicherheitskritisch sein, da sie den Reibwert zwischen Seil und Antriebsscheibe negativ beeinflusst. Fazit: Schmierung - mehr als nur Wartung Die Drahtseilschmierung ist weit mehr als ein routinemäßiger Wartungsschritt - sie ist ein zentrales Element zur Sicherstellung von Funktion, Effizienz und Sicherheit seilgebundener Transportsysteme. Ob Seilbahn, Hafenkran, Offshore-Winde oder Industrieanlage - wer auf die richtige Schmierstoffwahl und Applikation setzt, spart Betriebskosten, reduziert Stillstände und erhöht die Lebensdauer seiner Systeme deutlich. Unterstützende Informationsquellen: Rope Technology Aachen, SKF Group »« Eingangsabbildung: © michoff - stock.adobe.com Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 24 20 MInuten MIt … Iris Zerfaß, Vorstand der FRAGOL AG Fokus: Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit in der Schmierstofflogistik VSI: Frau Zerfaß, Ihr Unternehmen ist seit über 60 Jahren am Markt und arbeitet mit fünf verschiedenen Partnern in Deutschland und Frankreich. Wie begegnen Sie den aktuellen Herausforderungen in der Logistik? Iris Zerfaß: Unsere Logistikstrategie basiert auf einem klaren Prinzip: Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen - die Entwicklung hochwertiger Produkte, den spezialisierten Vertrieb sowie die sichere und rechtskonforme Produktbereitstellung. Für alle logistischen Leistungen - von Produktion über Lagerhaltung und Abfüllung bis hin zum Versand - arbeiten wir mit ausgewählten, langjährigen Partnern zusammen. Diese arbeitsteilige Struktur sichert uns nicht nur Agilität und Resilienz, sondern erlaubt uns auch, unsere Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen. Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle - insbesondere zur Steigerung von Effizienz, Nachverfolgbarkeit und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Gerade im Bereich der Wärmeträgerflüssigkeiten hat eine zuverlässige Logistikstruktur eine enorm wichtige Bedeutung. Unsere Wärmeträgerflüssigkeiten werden weltweit in Maschinen und Anlagen verwendet und in geschlossenen Systemen eingesetzt. Dort verbleiben sie über oftmals sehr lange Zeiträume. Ohne die vollständige Befüllung könnte eine Anlage häufig gar nicht erst in Betrieb genommen werden. Käme es bei einer Erstbefüllung zu verspäteten oder unvollständigen Lieferungen, könnte die Anlage nicht wie geplant in Betrieb genommen werden - das würde unmittelbar zu Produktionsausfällen und teils erheblichen wirtschaftlichen Folgen für unsere Kunden und Partner führen. Deshalb hat absolute Termintreue für uns höchste Priorität. Wir stimmen unsere Lieferprozesse eng mit dem Logistiker und dem Kunden ab, planen vorausschauend und halten auch kurzfristig Kapazitäten vor. Zusätzlich haben wir ein strukturiertes Notfallmanagement etabliert, das es uns ermöglicht, auf ungeplante Anforderungen flexibel und schnell zu reagieren. Nachhaltigkeit ist dabei selbstverständlich ein zentrales Ziel. In der Praxis geraten wir hier jedoch immer wieder in ein Spannungsfeld mit regulatorischen Vorgaben. So schließen Halal-Zertifizierungen den Einsatz recycelter Verpackungen grundsätzlich aus, und auch bei Gefahrgütern sind ökologische Alternativen oft nicht zulässig. Trotzdem suchen wir aktiv nach Lösungen, um unsere Prozesse unter Be- FRAGOL - Spezialist für Wärmeträgerflüssigkeiten und Industrieschmierstoffe Die FRAGOL AG mit Sitz in Mülheim an der Ruhr ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit rund 36 Mitarbeitenden und klarer Fokussierung auf zwei Geschäftsbereiche: Wärmeträgerflüssigkeiten/ Thermalöle sowie Industrieschmierstoffe - letztere insbesondere für sensible Anwendungen in der Lebensmittelproduktion. Das Portfolio umfasst auch maßgeschneiderte Toll- Blending-Lösungen, tiefgehendes Know-how im Bereich Produktsicherheit und regulatorischer Anforderungen sowie ein internationales Vertriebsnetz. Seit 2025 ist FRAGOL mit einer eigenen Tochtergesellschaft in den USA vertreten, um Lieferketten zu diversifizieren und näher am Kunden zu agieren. FRAGOL verfolgt eine konsequente Lean-Asset-Strategie: Produktion, Lagerung und Logistik erfolgen über spezialisierte Partner - mit hohem Anspruch an Qualität, Sicherheit und Flexibilität. Mit einem der umfassendsten Produktportfolios in Europa deckt FRAGOL Wärmeträgerlösungen für Temperaturbereiche von -140 °C bis +450 °C ab - inklusive synthetischer Spezialitäten, Silikonöl- oder Alkylbenzol-basierte Medien. 25 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 20 Minuten mit …-|-Iris Zerfaß - Fokus: Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit rücksichtigung aller Vorschriften möglichst ressourcenschonend zu gestalten. VSI: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell bei der Regulatorik - insbesondere bei REACH und im Spannungsfeld zur Nachhaltigkeit? Iris Zerfaß: Die europäische Chemikalienverordnung REACH stellt für uns nach wie vor eine der größten Herausforderungen dar - mit spürbar negativen Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort. Was ursprünglich als Instrument zur Erhöhung der Produktsicherheit gedacht war, hat sich zu einem kaum noch beherrschbaren bürokratischen Konstrukt entwickelt. Immer mehr Stoffe werden neu eingestuft, in Risikokategorien verschoben oder ganz verboten - selbst dann, wenn diese seit Jahrzehnten sicher verwendet werden. Die Folge: Die Produktentwicklung wird massiv eingeschränkt, etablierte Formulierungen müssen zum Teil vom Markt genommen werden, weil Hersteller die Registrierung aus Kostengründen zurückziehen. Das ist, bildlich gesprochen, als würde man beauftragt, einen exzellenten Kuchen zu backen - und Jahr für Jahr werden einem drei von zehn Zutaten entzogen. Am Ende bleiben nur noch Wasser, Mehl und Zucker - und daraus soll man dann ein Spitzenprodukt kreieren. Für anwendungsorientierte Spezialisten wie uns ist das kaum noch nachvollziehbar - es geht um die Existenzfähigkeit ganzer Produktgruppen, aber auch um den produzierenden Wirtschaftsstandort Europa. Erschwerend kommt hinzu, dass sich dieses System weltweit in Form nationaler REACH-Pendants multipliziert: Korea, Türkei, Großbritannien, Kalifornien - um nur einige zu nennen. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das einen dramatischen Anstieg an Dokumentations-, Melde- und Prüfpflichten. Die Vielzahl der Vorschriften ist weder zeitlich noch wirtschaftlich in vollem Umfang umsetzbar - und führt in der Konsequenz dazu, dass bestimmte Märkte schlicht nicht mehr beliefert werden können. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch volkswirtschaftlich alarmierend. Gleichzeitig bleibt Nachhaltigkeit für uns ein klares Ziel. Wir verfügen über ausgereifte, umweltverträglichere Rezepturen - viele davon sind fertig entwickelt. Die Umsetzung scheitert jedoch häufig an regulatorischen Vorgaben. Bei Halal-zertifizierten Produkten zum Beispiel sind recycelte Verpackungen strikt untersagt. Und auch bei Gefahrgütern machen rechtliche Rahmenbedingungen den Einsatz nachhaltiger Verpackungslösungen nahezu unmöglich. Wir wären längst weiter, wenn die rechtlichen Bedingungen die technologische Entwicklung nicht ausbremsen würden. Besonders irritierend ist, dass durch diese regulatorischen Vorgaben mittlerweile ganze Länder vom Belieferungskreis ausgeschlossen sind - nicht etwa aus technischen oder logistischen Gründen, sondern schlicht aufgrund der Komplexität und Inkompatibilität der Vorschriften. Für ein international agierendes Unternehmen bedeutet das nicht nur erhebliche Einschränkungen, sondern stellt auch die grundsätzliche Frage, wie offen und zukunftsfähig globale Märkte unter solchen Bedingungen überhaupt noch gestaltet werden können. VSI: Wie digital und automatisiert ist Ihre Logistik aufgestellt? Und wie gehen Sie mit dem Spannungsfeld rund um nachhaltige Verpackungen um? Iris Zerfaß: Unsere Logistikprozesse sind heute vollständig digital abgebildet - von der Produktionsbeauftragung über die Lagersteuerung bis hin zur Versandabwicklung. Die Kommunikation mit unseren Logistikpartnern erfolgt über SQL-basierte Schnittstellen, die uns eine durchgängige Datentransparenz und Echtzeitverfügbarkeit ermöglichen. Das schafft nicht nur Sicherheit in der Planung, sondern erhöht auch die Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit im Tagesgeschäft. Durch den Echtzeitzugriff auf Produktions- und Lagerdaten stellen wir zudem sicher, dass ausschließlich bedarfsgerecht produziert wird - ressourcenschonend, marktgerecht und ohne unnötige Vorhaltung. Künstliche Intelligenz ist für uns zur Datenanalyse ein interessantes Thema - perspektivisch sehen wir Potenzial in der Auswertung der Analysen und Produktoptimierung. Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, erleben wir im Bereich Verpackung einen permanenten Zielkonflikt zwischen regulatorischem Anspruch und betrieblicher Realität. Wir wären in vielen Fällen bereit, auf umweltfreundlichere Alternativen umzusteigen - jedoch lassen Vorgaben im Lebensmittelbereich wie bei den Halal-Regularien dies nicht zu. So dürfen wir im Bereich Halal-zertifizierter Lebensmittelschmierstoffe keine Recycling-Gebinde einsetzen. Unsere oberste Priorität lautet: Produktsicherheit und Qualität - auch wenn dies mitunter bedeutet, dass wir an Grenzen stoßen, die von den aktuellen Vorgaben der Verpackungsverordnung nicht ausreichend berücksichtigt werden. Besonders bedauerlich ist, dass Nachhaltigkeit in unserer Branche häufig eindimensional bewertet wird. Wir berechnen den Product Carbon Footprint unserer Produkte auf Basis der eingesetzten Rohstoffe - was jedoch in der Bewertungspraxis oft zu kurz greift. Wärmeträgerflüssigkeiten zeichnen sich durch eine sehr lange Einsatzdauer in geschlossenen Systemen aus. In der Regel verbleiben sie über viele Jahre ohne Austausch im Prozess - das ist in der Summe ein erheblicher Nachhaltigkeitsvorteil. Leider wird dieser Aspekt bislang weder auf regulatorischer Ebene noch in vielen kundenseitigen Bewertungen adäquat berücksichtigt. Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 26 20 Minuten mit … | Iris Zerfaß - Fokus: Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit VSI: Und global betrachtet - wie widerstandsfähig ist Ihre Lieferkette aufgestellt, und wie gehen Sie mit geopolitischen Krisen um? Iris Zerfaß: Momentan ist unsere Versorgungslage stabil, auch rohstoffseitig sehen wir derzeit keine akuten Engpässe. Dennoch beobachten wir geopolitische Entwicklungen sehr aufmerksam - insbesondere potenzielle Eskalationen im Nahen Osten und auf kritischen Transportwegen wie der Straße von Hormus. Eine Blockade solcher strategisch bedeutenden Routen könnte globale Lieferströme abrupt unterbrechen - mit unmittelbaren Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und Lieferzeiten. Um diesem Risiko strukturell zu begegnen, setzen wir gezielt auf regionale Diversifikation. Ein zentrales Element dabei ist unsere im Jahr 2025 gegründete Tochtergesellschaft in den USA. Mit ihr haben wir eine lokale Infrastruktur geschaffen, die es uns ermöglicht, amerikanische Kunden schnell, flexibel und unabhängig von transatlantischen Transportwegen zu bedienen - inklusive dezentraler Lagerhaltung durch etablierte Partner. Diese Investition hat unsere Resilienz deutlich erhöht und ist Teil einer langfristig angelegten internationalen Absicherungsstrategie. Auch den asiatischen Markt behalten wir strategisch im Blick. Langfristig beobachten wir die weiteren Entwicklungen, um unsere globale Aufstellung noch robuster und standortunabhängiger zu gestalten. VSI: Ein Blick auf Ihre Produkte: Was sind aktuelle Entwicklungsschwerpunkte? Iris Zerfaß: Wir arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Wärmeträgerflüssigkeiten, insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeit. Technisch sind diese Systeme hochkomplex, weil sie extreme Temperaturbereiche zuverlässig abdecken müssen. Der Einsatz biobasierter Grundöle aus nachwachsenden Rohstoffen ist aktuell in diesem Segment nicht umsetzbar - die notwendige thermische und oxidative Stabilität fehlt. Wir sehen jedoch Potenzial in synthetisch hergestellten Grundölen, die zukünftig eine Alternative darstellen könnten. Daneben entwickeln wir unser Dienstleistungsmodell weiter: Immer mehr OEMs lagern ihre Schmierstoffversorgung aus - aus haftungsrechtlichen und regulatorischen Gründen. Wir bieten hier neutrale, maßgeschneiderte Logistiklösungen inklusive Etikettierung, Lagerung und Versand. VSI: Was wünschen Sie sich von politischen Entscheidungsträgern? Iris Zerfaß: Wir wünschen uns verlässliche, praxisorientierte Rahmenbedingungen, die Innovation und unternehmerisches Handeln ermöglichen - und nicht durch überbordende Bürokratie behindern. Gerade im Vergleich zur unbürokratischen und lösungsorientierten Gründung unserer US-Tochter zeigt sich, wie groß die Hürden in Europa mittlerweile geworden sind. Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit schließen sich nicht aus - aber sie benötigen realistische, finanzierbare und handhabbare gesetzliche Grundlagen. »« Eingangsabbildung: © istock.com/ Comeback Images UVK Verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de BUCHTIPP Projekte sind komplex und erfordern zielgerichtete Planung und Steuerung - besonders für Führungskräfte, die Projekte leiten oder begleiten. Das Buch vermittelt in kompakter und praxisnaher Form die wichtigsten Methoden und Vorgehensweisen, um Projekte erfolgreich zu planen und durchzuführen. Es bietet einen strukturierten Einstieg ins Projektmanagement und unterstützt Sie dabei, die Qualität der Projektergebnisse zu sichern, Kosten und Termine einzuhalten und Projekte souverän zum Erfolg zu führen. Praktische Übungen und hilfreiche Tools fördern Ihr Lernen, sodass Sie das Gelernte direkt in die Praxis umsetzen können. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf IT-Projekten. Inhalt 1 Projekt-Setup 2 Projektplanung 3 Projektorganisation 4 Projektsteuerung (Ausgewählte PM-Disziplinen) 5 Das Projekt in der Organisation Claus Hüsselmann Projektmanagement für Führungskräfte Ein Grundlagenkurs in 5 Takten 1. Au age 2025, ca. 250 Seiten €[D] 39,90 ISBN 978-3-381-14261-3 (print) ISBN 978-3-381-14262-0 (eBook) DOI 10.24053/ 9783381142620 erscheint: 11/ 2025 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 28 terMIne datum ort Veranstaltung 30.9.-1.10.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ professionelles-schmierstoff-management/ 07.-08.10.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierfette/ 21.-23.10.2025 Maschinenüberwachung durch Ölanalysen für Einsteiger MLT I/ MLA I- Zertifikatskurs OilDoc Akademie Brannenburg oder Online https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ zertifikatskurs-mlamlt/ 05.-06.11.2025 Fa. OEST LUBRICANTS GmbH & Co. KG, Freudenstadt VSI TSA-Herbsttagung 2025 13.-14.11.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren https: / / de.oildoc.com/ infrarot-spektroskopie-in-der-praxis/ 18.-25.11.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ grundlagen-derschmierstoffanwendung/ 01.-04.12.2025 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ cls-zertifikatskurs-expertenwissen-fuer-schmierstoff-profis/ Oktober 2025 Webinar 07. Oktober 2025 Auffrischungskurs REACH, CLP & SDB Webinar 08. Oktober 2025 Refresher Course REACH, CLP & SDS Lehrgang 14.-16. Oktober 2025 in Berlin, 1. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Webinar 27.-28. Oktober 2025 Kühlschmierstoffe November 2025 Webinar 04.-05. November 2025 Schmierstoffe Kompakt in englischer Sprache Lehrgang 11.-14. November 2025 in Berlin, 2. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Seminar 19.-20. November 2025 im Bantleon-Forum in Ulm Schmierstoffe Kompakt Lehrgang 25.-27. November 2025 in Dortmund Technischer Mineralölkaufmann/ Technische Mineralölkauffrau, 4. Modul Dezember 2025 Seminar 02.-03. Dezember 2025 in Berlin CLP-Einstufung und Kennzeichnung von Gemischen Webinar 08.-09. Dezember 2025 Schmierfette in englischer Sprache UNITI Veranstaltungen Infos & Anmeldung unter register.oildoc.com! Seminare Seminare, die als Zertifikatskurse (z. B. CLS, MLA I & II, MLT), Weiterbildungsreihen, offene und maßgeschneiderte interne Schulungen angeboten werden. Präsentiert von erfahrenen Trainern mit praktischem Know-how und technisch aktuellem Wissen. Online-Trainings Lernen im Virtuellen Klassenzimmer - entweder über einen interaktiven Live-Stream oder als ondemand in Videoaufzeichnungen. Möglich auch als individuelles Coaching. Kostengünstig, bequem und von ausgebildeten Online-Trainern gestaltet. Beratung & Gutachten Individuelle Beratung über Video/ Telefon/ E-Mail oder vor Ort sowie Troubleshooting. Außerdem Erstellung von qualifizierten Gutachten durch Rüdiger Krethe (BDSH-geprüfter Sachverständiger für Schmierstoffe und Schmierstoff-Überwachung). Konferenzen OilDoc organisiert Konferenzen und Symposien für erfahrene Ingenieure, Anwendungsexperten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Die Veranstaltungen sind bekannt für hohen Praxisnutzen, gutes Networking und professionelle Abläufe. Ö l k a n n s p r e c h e n . L ernen Sie s eine S prache. Schwerpunkte: Schmierung · Tribologie · proaktive Wartung · Öl- und Zustandsüberwachung · Verschleißkontrolle · Schadensfrüherkennung · Optimierung von Ölwechselintervallen · Ölanalytik & vieles mehr Alle Fortbildungen als Präsenzseminar in der OilDoc Akademie in Brannenburg oder zum SONDERPREIS als Live-Video-Stream. 07.-08.10.25 Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung 14.-16.10.25 Schmierung und Ölüberwachung für Turbinen & Kompressoren 21.-23.10.25 Maschinenüberwachung durch Ölanalysen für Einsteiger MLT I / MLA I-Zertifikatskurs 10.11.25 Kühlmittel - das unterschätzte Betriebsfluid 11.-12.11.25 Schmierung und Ölüberwachung für stationäre Gasmotoren 13.-14.11.25 Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen 18.-20.11.25 Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 25.-26.11.25 Typische Schäden an Lagern, Getrieben und Motoren - Ursachen und Lösungen (Modul IV Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 01.-04.12.25 Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs 13.-15.01.26 Schmierung und Ölüberwachung für Getriebe 03.-04.02.26 Grundlagen der Schmierstoffanwendung II (Modul II Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 11.-12.02.26 Schmierung und Ölüberwachung für Gasmotoren Alle aktuellen Termine und ausführliche Informationen zu den konkreten Seminarinhalten, den Zielen und Zielgruppen finden Sie unter www.oildoc.de. Gerne können Sie uns auch persönlich kontaktieren unter Tel. +49 8034-9047-700. aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ Erleben Sie nach dem Seminar die Freitzeitmöglichkeiten im bayerischen Voralpenland! Egal ob Wandern, Therme, Bowling, Gasthaus, Pub, Kino - wir kennen uns hier aus und beraten Sie gern! Sie können nicht zu uns nach Brannenburg kommen? Kein Problem! Sie können trotzdem live beim Seminar dabei sein - auch kurzfristig! Die Kamera läuft die ganze Zeit während des Seminars mit und Sie sind von Ihrem Arbeitsplatz oder Home-Office live dabei! Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 30 neues aus deM VerBand Verschmelzung von VSI und UNITI Die beiden führenden Schmierstoffverbände UNITI und VSI beschließen die Fusion und repräsentieren mit ihren Mitgliedsunternehmen fast den gesamten Schmierstoffmarkt. Die Mitgliedsunternehmen des UNITI Bundesverbands EnergieMittelstand e. V. und des Verbands Schmierstoff-Industrie e. V. (VSI) haben auf ihren jeweiligen Mitgliederversammlungen einstimmig für einen Zusammenschluss beider Verbände gestimmt. Der Zusammenschluss repräsentiert im Bereich Schmierstoffe zukünftig rund 95 Prozent des Marktes in Deutschland sowie einen Großteil des europäischen Marktes. Damit ist der Weg frei für eine zukunftsgerichtete Allianz, die das technologische Know-how der Schmierstoffindustrie mit der Marktkompetenz des Kraft-, Brenn- und Schmierstoffhandels vereint. Die Bündelung der Fachkompetenzen beider Verbände und damit verbundene Synergien werden den Mitgliedsunternehmen direkt zugutekommen, die wir nun bei der Bewältigung der vielfältigen aktuellen Herausforderungen wesentlich umfassender und effizienter als bislang unterstützen können. Vor allem wird der Zusammenschluss auch unsere Position gegenüber Regulierung und Politik stärken. Die Verschmelzung zum UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. wird voraussichtlich im 4. Quartal 2025 formal abgeschlossen sein. Beide Organisationen arbeiten bereits intensiv an der strukturellen Zusammenführung, um mit vereinten Kräften die Anliegen der Unternehmen der Schmierstoff branche zukünftig noch stärker voranzubringen. Neues von den Fluorpolymeren Fluorpolymere sind chemisch sehr stabile Stoffe, die bei höchstbelasteten Schmierstoffen zum Einsatz kommen. Für die Schmierung bei hohen Temperaturen oder in Gegenwart aggressiver Gase sind diese Stoffe bislang unverzichtbar. Aber auch Schmierstellen beweglicher Teile, welche nur sehr selten bewegt werden, aber dann sofort funktionieren müssen, wie etwa bei Brandschutztüren und Notstromaggregaten, kommen diese zum Einsatz. Eine große Zahl verschiedenster Stoffe wird unter der Bezeichnung „PFAS“ zusammengefasst. Gemeinsam ist diesen Stoffen die hohe Stabilität, daher der Name „Ewigkeitschemikalien“. Längst nicht alle diese Stoffe sind direkt gefährlich für Mensch und Umwelt, trotzdem sollen sie pauschal verboten werden. Die Schmierstoffindustrie ist sich ihrer Verantwortung sehr bewusst und schlägt die Verwendung nur vor, wenn es keine Alternativen gibt; wir informieren auch sehr gerne über sichere Entsorgungsmöglichkeiten. Dies haben nun auch die Experten der europäischen Chemikalienagentur erkannt. Während der Beratungen zum möglichen Verbot von PFAS, bei dem auch Vertreter des VSI anwesend waren, haben die Behördenvertreter im „Ausschuss für sozioökonomische Analyse“ (SEAC) sehr klar dargestellt, dass PFAS-basierte Schmierstoffe unter schwierigen Bedingungen („harsh conditions“) eingesetzt werden und es von diesen Einsatzbedingungen eine große Anzahl gibt, welche unter wechselnden Prioritäten und wechselnden Anwendungen für den gleichen Schmierstoff wichtig sind. Darüber hinaus ist eine genaue Definition dieser „harsh conditions“ nicht möglich, so das SEAC. Es wurde eine Anzahl an Alternativen genannt, wobei klar herausgestellt wurde, dass PFAS in der Summe der Eigenschaften diesen Alternativen überlegen ist. Daher ist es aus Sicht des SEAC notwendig, eine ausreichend lange Übergangsfrist von 13 Jahren bzw. auch unbefristete Ausnahmen zu ermöglichen. Ein „Omnibus“ zur Kennzeichnung von Schmierstoffen Die EU hat sich vorgenommen, die Gesetzgebung zu vereinfachen und zu beschleunigen. Dazu wurde das „Omnibusverfahren“ (lat. „für alle“) neu entwickelt, ein Gesetzgebungsverfahren, bei dem mehrere Gesetzesänderungen oder -vorhaben in einem einzigen Gesetz zusammengefasst und gemeinsam beschlossen werden. In diesem Fall sollen umfangreiche Erleichterungen nach Beratungen zusammen mit der Industrie, u. a. auch des VSI für Gebindeetiketten, auf den Weg gebracht werden. So sollen die folgenden Elemente enthalten sein: > Einführung des Konzepts eines „digitalen Kontakts“ anstelle der Telefonnummer auf den Etiketten. > Aufhebung der festen Frist für die Verpflichtung zur Aktualisierung des Etiketts. Etiketten müssen nun unverzüglich geändert werden, nachdem ein Lieferant neue Daten erhalten hat. > Aufhebung der obligatorischen Regeln für die Formatierung von Etiketten, vor allem betreffend Schriftgröße und Zeilenabstand. > Erleichterte Vorschriften für die Werbung von Chemikalien: Werbung für die breite Öffentlichkeit darf die Kunden jetzt nur noch dazu auffordern, das Etikett und die Produktinformationen vor der Verwendung zu lesen, anstatt vollständige Gefahreninformationen aufzulisten. > Ausweitung der Verwendung der mit der Verordnung (EU) 2024/ 2865 eingeführten digitalen Kennzeichnung, die es den Anbietern ermöglicht, anstelle des physischen Etiketts zusätzliche Kontaktinformationen auf digitalen Etiketten anzugeben. > Vereinfachung und Präzisierung der Bestimmungen, welche die Ausnahmen von den Kennzeichnungsvorschriften für kleine Verpackungen und 10-ml-Verpackungen ermöglichen. Damit sollten die Kennzeichnungen auf den Etiketten deutlich einfacher werden, ohne einen Verlust von Informationen zur Sicherheit. Dieser Vorschlag der EU-Kommission wird nun mit dem Rat der Mitgliedsstaaten und dem EU- Parlament beraten. Da sich die EU zum Ziel gesetzt hat, die Industrie zu fördern und Bürokratie abzubauen, sind wir sehr zuversichtlich, dass diese Vorschläge auf Zustimmung treffen werden. »« neues aus deM VerBand 31 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 neues aus der Branche Zeller+Gmelin eröffnet neuen Produktionsstandort in China Feierliche Eröffnung in Huzhou unterstreicht strategisches Engagement im Wachstumsmarkt Asien Mit einer feierlichen Zeremonie hat Zeller+Gmelin am 8. Mai 2025 seinen neuen Produktionsstandort im chinesischen Huzhou offiziell eröffnet. Zahlreiche Kunden, Partner, Mitarbeitende sowie Vertreter der Stadtregierung nahmen an der Eröffnung der Zeller+Gmelin (Huzhou) Co., Ltd. teil. Der neue Standort im wirtschaftlich aufstrebenden Nan Taihu New District (Provinz Zhejiang) markiert einen wichtigen Wegpunkt in der China-Strategie des Unternehmens. Chinesische Löwentänze sorgten für einen festlichen Auftakt der Standorteröffnung in Huzhou. Die moderne Anlage in Huzhou ist auf die Herstellung hochwertiger Schmierstoffe für den chinesischen Markt ausgelegt. Der Fokus liegt auf Anwendungen in der Automobilindustrie, der Drahtzug- und Textilbranche sowie in der Metallverarbeitung. Mit dem neuen Werk bekräftigt Zeller+Gmelin sein langfristiges Engagement in einem der weltweit dynamischsten Wachstumsmärkte - und setzt dabei gezielt auf lokale Nähe, Lieferfähigkeit und Flexibilität. Klares Standortkonzept: Produktion in Huzhou, Vertrieb in Suzhou Der neue Produktionsstandort ergänzt das bereits etablierte Vertriebs- und Kundenzentrum in Suzhou. Während dort weiterhin Beratung, Service und Auftragskoordination stattfinden, konzentriert sich Huzhou künftig auf die Fertigung. Diese klare Aufgabenteilung stärkt das Leistungsportfolio der Gruppe und verbessert die Versorgungssicherheit für Kunden in China. Feierlicher Auftakt mit kulturellem Programm Die Eröffnungsfeier verband wirtschaftliche Bedeutung mit kulturellen Elementen. Traditionelle Löwentänze, der symbolische Banddurchschnitt und Ansprachen von Unternehmens- und Regierungsvertretern verliehen dem Ereignis einen feierlichen und zugleich würdigen Rahmen. Siegfried Müller, Geschäftsführer Vertrieb der Zeller+Gmelin GmbH & Co. KG, betonte in seiner Rede die strategische Bedeutung des Standorts für die internationale Ausrichtung des Unternehmens. Zeller+Gmelin General Manager Marc-Tran Heller würdigte auf Chinesisch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und Behörden und hob die Leistung des engagierten Teams vor Ort besonders hervor. Strategischer Meilenstein für das Asiengeschäft Mit dem neuen Standort in Huzhou stärke Zeller+Gmelin seine Präsenz im asiatischen Raum und setze damit ein klares Zeichen für weiteres Wachstum, heißt es aus dem Headquarter im schwäbischen Eislingen. Die Anlage ist mit modernster Produktionstechnologie ausgestattet und wird von einem qualifizierten, lokal verankerten Team betrieben. Huzhou soll sich künftig zu einem zentralen Knotenpunkt innerhalb der Asienstrategie entwickeln. Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist das Ergebnis einer engen, standortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Teams in Deutschland, Suzhou und Huzhou. Wechsel in der Verwaltung der ELGI Die European Lubricating Grease Institute (ELGI) gibt eine Veränderung in der administrativen Betreuung bekannt. Zu Beginn des Jahres 2024 wurde das ELGI-Büro von Amsterdam nach Den Haag verlegt. Mit dem Umzug ging der Ruhestand der langjährigen Büroleiterin Carol Koopman einher. Seither übernahm NVG die Administration mit Jacqueline Bosman als Hauptansprechpartnerin. Im Juni 2025 entschied NVG jedoch, ihre Tätigkeit im Verbandsmanagement zum Jahresende einzustellen und sich künftig stärker auf Lobbyarbeit zu konzentrieren. Nach sorgfältiger Prüfung hat sich ELGI für Lejeune Association Management als neuen Partner entschieden. Ab dem 1. September 2025 übernimmt Lejeune die Verwaltung und Veranstaltungsorganisation der ELGI. Zur neuen Büroleiterin wurde Celesta Maas ernannt, die über langjährige Erfahrung im Verbandsmanagement verfügt. Lejeune betreut derzeit rund 20 internationale Verbände und blickt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung zurück. Das eingetragene Büro von ELGI bleibt unter folgender Adresse bestehen: ELGI, Bezuidenhoutseweg 12, 2594-AV, Den Haag, Niederlande. Kontaktmöglichkeiten > Celesta Maas: cmaas@elgi.org > Mobil: +31 (0) 6 1736 1962 > Büro: +31 (0) 70 318 0037 Jacqueline Bosman und Carol Koopman werden die Übergangsphase weiterhin unterstützen. Schmierfette - Vorteile der Bestimmung von Verschleiß- und Additivelementen mittels ICP-OES Mehr als 40.000 Proben unterschiedlichster Schmierfett- Typen und Einsatzbereiche hat OELCHECK seit dem Sommer 2023 mittels ICP-OES1 und mikrowellenunterstütztem Druckaufschluss analysiert. Dabei hat sich ein Vorteil besonders herauskristallisiert: Vor allem bei der Betrachtung von Trendverläufen ist eine wesentlich geringere Schwan- 1 Optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma neues aus der Branche Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 3/ 2025 32 Neues aus der Branche kungsbreite bei den Verschleiß- und Additivelementen zu verzeichnen. Im Endeffekt profitieren die Kunden damit von einem eindeutigeren Trendverlauf und noch präziseren Kommentaren der OELCHECK Tribologen. ICP-OES versus RDE-OES - ein Beispiel verdeutlicht die Unterschiede Untersucht wurde ein synthetisches Lithiumkomplex- Schmierfett aus dem Hauptlager einer Windenergieanlage. Dieses Lager trägt die Rotorwelle der Anlage und ermöglicht der Rotorwelle ihre Drehung. Vier Jahre lang hat OELCHECK Trendverläufe dieses Schmierfetts analysiert - zunächst zwei Jahre mit RDE-OES 2 , anschließend zwei Jahre mit ICP-OES. In den Diagrammen sind die Werte der wichtigsten Verschleißsowie Additivelemente - und zwar in ihrer Schwankungsbreite über vier Jahre - abgebildet. Im Gegensatz zum ICP-OES Verfahren weist die RDE-OES-Methode deutlich höhere Streuungen auf - nicht nur bei Eisen, sondern auch bei weiteren Elementen. Vergleich der Schwankungsbreiten der RDE-OES-Methode und ICP-OES-Methode für unterschiedliche Elemente 2 Optische Emissionsspektrometrie nach dem Rotrode-Prinzip Diese Schwankungen sind nicht zufällig aufgetreten. Sie konnten bei vielen vergleichenden Analysen feststellt werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bei der Untersuchung mittels ICP-OES werden sämtliche Störfaktoren mit dem vorhergehendem mikrowellenunterstützen Druckaufschluss ausgeblendet. Damit haben eine etwaige Inhomogenität der Fettprobe oder Mischungen keine verzerrenden Auswirkungen mehr auf die Bestimmung der Verschleiß- und Additivelemente. Im OELCHECK Labor „schließt“ Salpetersäure in starken Mikrowellengeräten jede Fettprobe erst einmal vor ihrer Untersuchung auf. Dabei wird der Verdicker aus dem Fett entfernt. Erst die so gewonnene klare, wässrige Lösung wird der ICP-OES zugeführt. Für die Durchführung von Fettanalysen gibt es keine verbindlichen Normen. Doch die ICP-OES Methode ermöglicht die Untersuchung der wässrigen, aus den Fetten extrahierten Lösungen gemäß DIN EN ISO 11885. OELCHECK ist nicht nur weltweit eines der wenigen Labore, die überhaupt Schmierfette untersuchen, sondern arbeitet auch bei der Bestimmung von Verschleiß- und Additivelementen von Fetten nach einem international anerkannten Standard. Die Bestimmung der Verschleiß- und Additivelemente in Schmierfetten mittels ICP-OES und vorhergehendem Druckaufschluss mit einer Mikrowelle hat sich im OEL- CHECK Labor absolut bewährt. Vor allem bei der Definition von Trends ermöglicht sie genauere Ergebnisse und damit eine noch präzisere Früherkennung etwaiger Schäden. »« Tribologie und Schmierungstechnik Tribology—Lubrication Friction Wear The scientific journal Tribologie und Schmierungstechnik (TuS) is one of the leading publications for tribological research in Germany, Austria and Switzerland. As the official journal of the Society for Tribology (GfT) in Germany, the Austrian Tribological Society (ÖTG) and Swiss Tribology, the issues provide information on research from industry and science, current events and developments in the specialist community. Subscription service: phone: +49 (0)89 85 85 38 81 eMail: abo-service@narr.de Further information on the journal and publication: www.narr.digital/ tus Die Zeitschrift SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG bietet einen umfassenden Überblick über alle Themen der Schmierstoffbranche. Dabei werden neueste Trends und Technologien ebenso behandelt, wie grundlegendes Basiswissen und wirtschaftliche Entwicklungen. SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG richtet sich insbesondere an Leser: innen aus der Praxis. Anwender von Schmierstoffen und Hersteller von Schmiermitteln erhalten durch unsere Zeitschrift ebenso fundierte Fachinformationen wie Dienstleister im Bereich Öl sowie jene, die in Schmierstofflaboren und Industrieservice-Unternehmen tätig sind. Auch Tätige des Handels und des Außendienstes in der Schmierstoffbranche finden hier eine aufschlussreiche Lektüre. Hier können Sie die Zeitschrift kostenlos abonnieren: www.sus.expert Eine Zeitschrift des Verband Schmierstoff-Industrie e. V. SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG 2 starke Komponenten für die Tribologie Damit alles läuft, wie geschmiert! CONSISTENT SOLUTIONS FROM A TRUSTED PARTNER Performance and consistency are more important than ever. And so is Ergon’s long-term commitment to reinvesting in technologies and integrated logistics — especially as the industry evolves and chemistries shift. You can rely on the consistency of our HyGold Solutions to meet your naphthenic and paraffinic base oil needs. Give us a call to learn more about how Ergon is refining the definition of service for the base oil industry. ergonspecialtyoils.com North & South America +1 601 933 3000 Europe, Middle East, Africa + 32 2 351 23 75 Asia + 65 6329 8040