Schmierstoff + Schmierung
2699-3244
expert verlag Tübingen
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SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG Ein Fachmagazin des 4 25 Schwerpunktthema: Metallbearbeitung Sie wünschen eine persönliche Beratung? Kontaktieren Sie uns gern. Oemeta Chemische Werke GmbH Ossenpadd 54 25436 Uetersen Deutschland T +49 4122 924-0 E info@oemeta.com W oemeta.com Mehr Informationen finden Sie auf: oemeta.com Oemeta ist ein zertifiziertes Familienunternehmen in der vierten Generation. Seit über 100 Jahren sind wir auf die Entwicklung und Produktion innovativer Kühlschmierstoffe für die zerspanende Fertigung spezialisiert. Von Universalschmierstoffen bis hin zu digitalen Lösungen - Oemeta-Produkte stehen für Qualität, Effektivität, Prozesssicherheit und Nachhaltigkeit. Persönliche Beratung, professionelles Fluidmanagement und kundenspezifische Lösungen runden unser einzigartiges Angebot ab. 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Persönliche Beratung, professionelles Fluidmanagement und kundenspezifische Lösungen runden unser einzigartiges Angebot ab. Großes Produktsortiment an wassermischbaren KSS, Großes Produktsortiment an wassermischbaren KSS, Bearbeitungsölen, Reinigern u. v. m. Weltweite Standorte und hohe Verfügbarkeit Herausragende Schmierleistung, verlängerte Standzeit, minimierter Verbrauch und exzellente Verträglichkeit Spitzenprodukte für jede Anwendung und jedes Bearbeitungsmaterial - egal, ob Metall, Glas oder Namhafte Referenzen u. a. in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik Jetzt beraten lassen! Ihr Experte & Partner für Kühlschmierstoffe 1 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 DEZEMBER 2025 6. JAHRGANG Rubriken 2 Editorial 40 20 Minuten mit … 43 Termine 46 Neues aus dem Verband 47 Neues aus der Branche Inhalt INHALT 2 Schmierstoff UND Schmierung 4 Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS: Testverfahren für synthetische und Bio-Emulgatoren 11 EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen 20 HYCUT: Spart Kosten. Steigert Leistung. 22 Biostabilität: «Was man darunter versteht und in welchen Produkten sie notwendig ist» 26 Perspektiven in der Metallbearbeitung zwischen Transformation und Zukunftschancen 30 Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken 38 Castrol SmartCoolant: intelligente Kontrolle für maximale Effizienz in der Fertigung 40 20 Minuten mit … Prof. Ruben Bauer 43 Termine 46 Neues aus dem Verband 47 Neues aus der Branche Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 2 Editorial Editorial Schmierstoff UND Schmierung Ein starkes Zeichen für die Zukunft - neue Strukturen, vertraute Stärke Liebe Leserinnen und Leser, es ist vollbracht: Mit der Eintragung in das Vereinsregister Ende September 2025 ist die Fusion von UNITI und uns dem Verband Schmierstoff-Industrie e. V. (VSI) zum UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. nun auch formal abgeschlossen. Damit vereinen sich unter einem Dach nahezu 95 Prozent des gesamten deutschen Schmierstoffmarkts - von mittelständischen Unternehmen bis zu international agierenden Konzernen. Eine stärkere Bündelung von Know-how, Marktkompetenz und gemeinsamer Stimme hat es in unserer Branche so bislang nicht gegeben. Mit dieser neuen Allianz wächst nicht nur organisatorisch zusammen, was inhaltlich längst zusammengehört. Die Fusion verleiht den Themen unserer Anzeige Call for Papers 2026 Wir freuen uns über Ihre Beitragsvorschläge. Die Zeitschrift SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG bietet einen umfassenden Überblick über alle Themen der Schmierstoffbranche. Dabei werden neueste Trends und Technologien ebenso behandelt, wie grundlegendes Basiswissen und wirtschaftliche Entwicklungen. Schwerpunktthemen: Kühlschmierstoffe - Metallbearbeitung - E-Fuel - Wasserstoff - Erneuerbare Energien - Kompressoren - Schmierung von Werkzeugmaschinen - E-Mobilität - Ölüberwachung - Turbinen und Turbokompressoren - Öl-Systemreinigung - Schmierfette - Wälzlager Verdickerstysteme - Gasreinigung - Fluidmanagement - Grundöle - Ölwechsel - Mischbarkeit - Ablagerungen - Ölalterung - Nachhaltigkeit - Ölwechselintervalle - Schmieranlagen - Lagerung - Hydrauliköl - Bioschmierstoffe - Schmierungsmanagement ERSCHEINT VIERMAL IM JAHR Hier können Sie die Zeitschrift kostenlos abonnieren. www.sus.expert SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG Ein Fachmagazin des 3 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Editorial Herausgeber: UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e.V. Jägerstraße 6 · 10117 Berlin redaktion: Stephan Baumgärtel Petra Bots Elisabeth Götze Manfred Jungk Rüdiger Krethe Ulrich Sandten-Ma © 2025 expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe nur mit Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie die Inhalte von Interviews geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Verlag: expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5, 72070 Tübingen Telefon: +49 (0)7071 97 97 0 www.expertverlag.de Geschäftsführer: Robert Narr Programmleitung: Ulrich Sandten-Ma Telefon: +49 (0)7071 9 75 56 56 eMail: sandten@verlag.expert anzeigenverwaltung: Oliver Solbach Telefon: +49 (0)7071 97 97 12 eMail: solbach@narr.de anzeigenverkauf: Stefanie Richter Telefon mobil: +49 171 2034663 eMail: richter@narr.de Erscheinungsweise: 4 Hefte pro Jahr druck: Elanders Waiblingen GmbH Anton-Schmidt-Str. 15 71332 Waiblingen titelfoto: © PickOne - stock.adobe.com Bildrechte Inhaltsverzeichnis: © kaliel-- stock.adobe.com ▪ © andov-- stock. adobe.com ▪ © Stefan Schurr-- stock.adobe.com ▪ © VISUALPOINT - stock.adobe.com 6. Jahrgang 2025, Heft 4 ISBN 978-3-381-13901-9 ISSN 2699-3244 Industrie neue Schlagkraft - in der politischen Kommunikation ebenso wie in technischen und wirtschaftlichen Fragen. Das technische Know-how und die Marktkompetenz unserer Branche sind künftig in einem Verband vereint, der die drei Kernkompetenzen Kraftstoffe, Brennstoffe und Schmierstoffe abbildet. Auch optisch trägt UNITI dieser Erweiterung Rechnung: Das angepasste Logo mit dem Zusatz VSI Lubes signalisiert die gewachsene Bedeutung des Schmierstoff bereichs im Gesamtverband. Für uns als Redaktion von Schmierstoff + Schmierung bedeutet der Zusammenschluss zugleich Aufbruch und Kontinuität. Das Fachmagazin wird unverändert fortgeführt - mit klarem Fokus auf fachliche Tiefe, technische Relevanz und Praxisnähe. Unser Ziel bleibt der Wissens- und Know-how-Transfer innerhalb der Schmierstoff- und Tribologiebranche. Schmierstoff + Schmierung richtet sich an Fachleute aus Forschung und Entwicklung, Labor, Anwendung und Industrie - an alle, die tribologische Systeme verstehen, optimieren und weiterdenken. Im Mittelpunkt stehen technische Innovationen, neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis sowie Lösungen, die Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit in der industriellen Anwendung fördern. Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe - Metallbearbeitung - zeigt eindrucksvoll, wie eng Zukunftsfragen unserer Branche mit industriellen Transformationsprozessen verbunden sind. Die Metallbearbeitung steht vor einer Zeitenwende: Der beschlossene Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ab 2035, die Transformation der Fahrzeug- und Zulieferindustrie, geopolitische Unsicherheiten und steigende regulatorische Anforderungen wirken als Katalysatoren für strukturelle Veränderungen. Doch zugleich zeigen Innovationen in der Kühlschmierstoff- und Prozessentwicklung, wie stark das Potenzial dieser Industrie bleibt. Wir blicken in dieser Ausgabe auf die wirtschaftlichen Perspektiven der metallbearbeitenden Industrie, beleuchten, wie Digitalisierung, KI und nachhaltige Schmierstoffe Produktionsprozesse verändern, und zeigen auf, wo die Branche ihre Stärken ausspielen kann. Besonders spannend sind die Einblicke in aktuelle Forschungs- und Entwicklungsfelder: etwa in das Wälzschälen, das als moderne Verzahnungs- und Fertigungstechnologie neue Maßstäbe bei Präzision und Prozesssicherheit setzt - und das auch hinsichtlich Schmierstoffauswahl und Fluidmanagement anspruchsvolle Lösungen verlangt. Besonders hinweisen möchten wir Sie in diesem Zuge auf das 33. KühlSchmierstoff Forum vom 18.11.- 19.11.2026 in Fellbach. Merken Sie sich diesen Termin schon heute vor: Es erwartet Sie erneut ein hochkarätiges Programm aus Kongress, Fachausstellung und Postersessions - eine ideale Gelegenheit, neueste Entwicklungen rund um Schmierstoffe, Tribologie und Metallbearbeitung im direkten Austausch mit Fachkolleginnen und -kollegen zu erleben. Die Botschaft dieser Ausgabe ist klar: Unsere Branche befindet sich im Wandel - aber sie ist stark, engagiert und bereit, die Zukunft aktiv zu gestalten. Schmierstoffe sind mehr denn je Schlüsseltechnologien in einer industriellen Welt, die Effizienz, Präzision und Nachhaltigkeit miteinander verbinden will. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre - mit fachlicher Tiefe, spannenden Einblicken und der Zuversicht, dass diese neue, vereinte Branche auf einem starken Fundament steht. Mit herzlichen Grüßen Ihre Redaktion Schmierstoff + Schmierung » « © Ivan Uralsky - stock.adobe.com / Olivier Le Moal - stock.adobe.com Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 4 FacHartikEl FacHartikEl Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS: Testverfahren für synthetische und Bio-Emulgatoren Dr. rer. nat Volker R. Stoldt, Diplombiologe; Dr. Stoldt BiSafe Emulgatoren sind mehr als Stabilisatoren - sie können Kühlschmierstoffe aus dem Engpass der Biozidverordnung (BiozidV) weisen. Als neutrale, hemmende oder Booster-Additive beeinflussen sie entscheidend die Mikrobiologie. Bioaktive Typen wie Alasan und Emulsan sind biofilm-aktiv und hemmen Mikroben. Tests wie Impfzyklus und Biomonitoring zeigen ihre Wirkung - Letzterer vor allem auch beim Biofilm. 1. Einleitung Die Havarie der Deepwater Horizon im April 2010 stellte einen bedeutenden Impuls für die mikrobiologische Forschung im Bereich oberflächenaktiver Substanzen (Surfactants) dar. Der Einsatz des Dispergiermittels Corexit 9500/ 9527 in den Tagen nach dem Unfall lenkte die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf die darin enthaltenen Emulgatoren, insbesondere auf das anionische Dioctyl-Natrium-Sulfosuccinat (DOSS) sowie auf nichtionische Sorbitanester und Polysorbate (Span- und Tween-Typen). In den Folgejahren wurde das Spektrum der untersuchten Emulgatoren erheblich erweitert.[1] Ein zentrales Ergebnis der Forschung ist, dass die Emulgierung von Öl zu fein verteilten Tröpfchen die spezifische Oberfläche erhöht und dadurch das Potenzial für mikrobielle Besiedlung und so das Wachstum von Mikroorganismen deutlich steigert. Gleich- Dr. Volker R. Stoldt Nach seinem Abschluss Diplombiologie 1991 promovierte Volker Stoldt bis 1995 in der Molekular- und Mikrobiologie in Düsseldorf. Dann schlossen sich die PostDoc- Jahre in der Immunologie und der Hämostaseologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) bis 2016 an. Seit 2017 leitet Dr. Stoldt das mikrobiologische Labor der Allgemein Chirurgie am UKD. Dort beschäftigt ihn im Schwerpunkt das Thema der bakteriellen Unempfindlichkeit gegenüber klinikrelevanten Bioziden - speziell bei den nosokomialen Infektionserreger. 2011 gründete er „Dr. Stoldt BiSafe“. Hier beschäftigt er sich vorrangig mit Fragen der mikrobiellen Zerstörung und der Entwicklung antimikrobieller Strategien in diversen industriellen Systemen. FORSCHUNG ENTWICKLUNG mit modernster Labortechnologie EFFIZIENTE PRODUKTION als vielseitiger Systemlieferant FLEXIBLE DISTRIBUTION mit servicestarker Logistik METALLBEARBEITUNGSFLUIDS DER NEUESTEN GENERATION www.oestgroup.com Free from critical co mponents LONG-TE RM SAFE FORM ULA future future proof proof Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 6 Fachartikel | Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS zeitig ist jedoch auch belegt, dass bestimmte Emulgatoren eine wachstumshemmende Wirkung auf Mikroorganismen entfalten können - ein Aspekt, der insbesondere im Zusammenhang mit konservierten Kühlschmierstoffen (KSS) von Relevanz ist. Die Wirkung von Emulgatoren auf das mikrobielle Wachstum ist jedoch nicht binär im Sinne eines klaren „fördernd“ oder „hemmend“ zu bewerten. Vielmehr ist sie kontextabhängig und wird durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren moduliert, darunter der chemische Typ des Emulgators, die Art des verwendeten Öls, die Konzentration, physikochemische Rahmenbedingungen wie Temperatur und pH- Wert sowie die Beschaffenheit der vorhandenen mikrobiellen Gemeinschaft, die selbst hochdynamisch und komplex ist. 2. Modulation der Mikrobiologie durch Additive Zur systematischen Bewertung des Einflusses von Additiven - insbesondere Emulgatoren - auf das mikrobielle Wachstum oder die Wirksamkeit von Bioziden in KSS lassen sich drei funktionale Kategorien unterscheiden, wie die Abbildung 1 durch das Modell einer „Additiv-Waage“ visualisiert: I. Neutrale Additive Diese Substanzen beeinflussen das Wachstum oder die Wirkung des Biozids nicht. Das Biozid kann seine zu erwartende antimikrobielle Aktivität entfalten. II. Inhibitor-Additive Diese Substanzen zeigen eine antagonistische Wirkung gegenüber dem Biozid. Entweder fördern sie das mikrobielle Wachstum aktiv oder sie beeinträchtigen die Wirksamkeit des Biozids negativ. Dies kann zu einer verkürzten Standzeit des KSS führen. III. Booster-Additive Hierbei handelt es sich um Additive, die die Wirkung von Bioziden synergistisch unterstützen, ohne selbst biozidale Eigenschaften aufzuweisen. Sie fördern die Wirkung des Biozids entweder durch eine Wachstumshemmung der Mikroorganismen oder durch Erhöhung der Biozidverfügbarkeit bzw. Steigerung der Wirkweise. Ihr Einsatz kann signifikant zur Verlängerung der Standzeit konservierter KSS beitragen. Vor diesem Hintergrund ist es ein vorrangiges Ziel der Formulierungsentwicklung, potenzielle Booster-Additive zu identifizieren und gezielt in die Konservierungsstrategie einzubinden. 3. Bedeutung mikrobieller Biofilme auf Wirkung von Bioziden Die Abbildung 2 illustriert die sukzessive Etablierung mikrobieller Gemeinschaften in einer Anlage nach Erstbefüllung mit einem KSS. Ausgangspunkt dieses Prozesses sind planktonische Einzelzellen, die z. B. regelhaft durch verunreinigtes Anmischwasser eingetragen werden, und sich im KSS vermehren, um dann an den inneren Oberflächen der Anlage zu adhärieren und nachfolgend dort eine geschlossene, monolagige Zellschicht zu bilden. Im weiteren Verlauf kommt es infolge zellulärer Differenzierungs- und Gestaltveränderungen zur Ausbildung kleiner mikrobieller Mikrokolonien. Innerhalb dieser Mikrokolonien etabliert sich eine hochregulierte Form der interzellulären Kommunikation, z. B. das sogenannte Quorum Sensing. Dieses Dichtesignalmechanismus-basierte Kommunikationssystem ermöglicht eine populationsweite Koordination physiologischer Prozesse und induziert unter anderem die verstärkte Synthese und Ablagerung einer extrazellulären polymeren Matrix (EPM). Die Bildung dieser Matrix stellt einen zentralen Schritt in der Reifung des Biofilms dar, da sie sowohl strukturelle Stabilität als auch eine funktionelle Schutzbarriere gegenüber physikalischen und chemischen Stressoren gewährleistet. Im Zuge der Biofilmentwicklung verändert sich die Empfindlichkeit der eingebetteten Mikroorganismen gegenüber antimikrobiellen Substanzen bzw. Strategien signifikant. In Abb. 1: „Additiv-Waage“ der Biozidwirkung - in Ampelfarben dargestellte Varianten des Wirkprinzips der Additive. Während beim „Booster“-Additiv das Absterben der Mikroorganismen überwiegt und so für lange Standzeit sorgt (grün), vermittelt ein „Inhibitor“-Additiv ein besseres Wachstum und verkürzt so die Standzeit des KSS in einer Anlage (rot). 7 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS reifen Biofilmen kann die Unempfindlichkeit gegenüber biotischen und abiotischen Einflüssen um den Faktor 10 bis 1000 im Vergleich zu planktonischen Zellformen erhöht sein. Diese ausgeprägte Toleranz erklärt, warum der Biofilm die bevorzugte Lebensform zahlreicher Mikroorganismen darstellt: Er ermöglicht nicht nur einen effizienten Schutz vor Umwelteinflüssen, sondern auch eine optimierte und kontinuierliche Nährstoffversorgung innerhalb der mikrobiellen Gemeinschaft. Sowohl das Quorum Sensing als auch die extrazelluläre Matrix des Biofilms stellen daher vielversprechende Angriffspunkte für die Entwicklung innovativer antimikrobieller Strategien dar. Besonders Additive mit sogenannter „Booster-Wirkung“ bieten ein hohes Potenzial, um biofilmbasierte mikrobiologische Prozesse gezielt zu modulieren oder deren Etablierung effektiv zu unterbinden, ohne selbst eine biozidale Wirkung zu entfalten. 4. Booster-Emulgatoren: Synthetische und biologische Emulgatoren mit antimikrobieller oder wachstumshemmender Wirkung 4.1 Synthetische Emulgatoren Synthetische Emulgatoren können durch gezielte chemische Modifikationen so angepasst werden, dass sie neben ihrer Hauptfunktion als Grenzflächenvermittler auch antimikrobielle Eigenschaften aufweisen. Solche Funktionserweiterungen erfolgen in der Regel durch die Einführung spezifischer funktioneller Gruppen, insbesondere kationischer Strukturen wie quartären Ammoniumverbindungen. Diese kationischen Verbindungen, die häufig auch als Tenside klassifiziert werden, besitzen die Fähigkeit, mit bakteriellen Zellmembranen zu interagieren und deren Integrität zu stören, was letztlich zur Zerstörung mikrobieller Zellen führt. Gleichzeitig können sie auch als Emulgatoren wirken. Die antimikrobielle Wirksamkeit dieser modifizierten Emulgatoren lässt sich durch strukturelle Variationen gezielt optimieren. So beeinflussen beispielsweise Länge und Verzweigung der Alkyl- Abb. 2: Entwicklung der Mikrobiologie in einer Anlage und Steigerung der Unempfindlichkeit gegenüber z. B. Bioziden (modifiziert nach Otter et al. [2]). Anzeige rhenus FU 855 - Kühlschmierstoffe für die Aluminiumbearbeitung WIR LIEBEN FLECKEN - Aber nicht auf Aluminium. Sprechen Sie uns an: +49 2161 5869 0, vertrieb@rhenusweb.de, www.rhenuslub.de Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 8 Fachartikel | Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS seitenketten die Fähigkeit, in mikrobielle Membranen einzudringen, und erhöhen gleichzeitig die Resistenz gegenüber mikrobiellen Abbauprozessen. Auch die gezielte Integration hydrophiler oder hydrophober Segmente kann die Wechselwirkung mit Mikroorganismen und damit die bioaktive Wirkung steigern. Typische chemische Grundstrukturen solcher Emulgatoren umfassen sulfonierte oder sulfierte Fettsäurederivate, ethoxylierte Fettalkohole sowie Amin- und Amid-Derivate von Fettsäuren. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle dieser Substanzklassen per se antimikrobiell wirken. Erst durch geeignete funktionelle Modifikationen kann eine bioaktive Wirkung erzielt oder verstärkt werden. Die Anlagerung von Ethylenoxid- und Propylenoxid-Gruppen trägt zur Steuerung des hydrophilen Anteils bei und kann je nach Struktur auch die chemische Stabilität verbessern. Zusätzlich können sulfonierte Gruppen oder bestimmte Esterbindungen die Resistenz gegenüber hydrolytischem oder enzymatischem Abbau erhöhen. [3 und 4] Bei der Anwendung solcher multifunktionalen Emulgatoren ist neben der technischen Kompatibilität mit anderen Formulierungskomponenten auch eine sorgfältige rechtliche Bewertung unerlässlich. Insbesondere muss geprüft werden, ob eine Einstufung als Biozid gemäß der europäischen Biozidverordnung (Verordnung (EU) Nr. 528/ 2012, revidiert am 1. Januar 2025) erforderlich ist. 4.2 Bioemulgatoren (Biosurfactant) Bioemulgatoren sind oberflächenaktive Verbindungen biologischen Ursprungs, die dank ihrer amphiphilen Molekülstruktur Emulsionen stabilisieren. Neben dieser physikalisch-chemischen Funktion zeigen viele Bioemulgatoren eine ausgeprägte antimikrobielle bzw. wachstumshemmende Wirkung, die sie zu multifunktionalen Wirkstoffen in pharmazeutischen, kosmetischen und technischen Anwendungen macht. Eine Übersicht zeigt Tabelle 1. Ein prominentes Beispiel sind Rhamnolipide, die hauptsächlich von Pseudomonas aeruginosa produziert werden. Sie zählen zu den effektivsten bekannten Bioemulgatoren und weisen eine breite wachstumshemmende Wirkung gegenüber Bakterien und Pilzen auf, indem sie die Zellmembranen mikrobieller Zellen destabilisieren. Ebenfalls von großer Bedeutung sind Sophorolipide, die von der Hefe Starmerella bombicola synthetisiert werden. Diese Substanzen sind biologisch gut abbaubar, verfügen über ein hohes Emulgiervermögen und zeigen wachstumshemmende Effekte insbesondere gegenüber pathogenen Hefen wie Candida albicans . Zu den strukturell und funktionell vielseitigsten Bioemulgatoren zählt das Lipopeptid Surfactin, das von Bacillus subtilis gebildet wird. Es zeichnet sich durch eine starke Schaumbildung sowie eine breit gefächerte antimikrobielle Aktivität aus, die antibakterielle, antimykotische und sogar antivirale Eigenschaften umfasst. Die Wirkweise basiert auf der Bildung von Poren in biologischen Membranen, wodurch der intrazelluläre Stoffaustausch gestört wird. Weitere Lipopeptide aus B. subtilis , wie Iturin A und Fengycin, zeigen vor allem antimykotische Effekte, wobei Fengycin bevorzugt gegen filamentöse Pilze wirkt. Ein weiteres hochwirksames Lipopeptid ist Lichenysin, produziert von Bacillus licheniformis , das strukturelle Ähnlichkeit zu Surfactin aufweist und sowohl bakterizide als auch fungizide Eigenschaften besitzt. Ebenfalls erwähnenswert sind die Mannosylerythritol-Lipide (MELs), gebildet durch Pseudozyma -Arten, Biosurfactant Produzent Strukturtyp Emul. funktion Hemmung von Rhamnolipide Pseudomonas aeruginosa Glykolipid +++ Bakt./ Pilze Sophorolipide Starmerella bombicola Glykolipid ++ Bakt./ Hefe Surfactin Bacillus subtilis Lipopeptid +++ Bakt./ Pilzee Iturin A Bacillus subtilis Lipopeptid + Pilze Fengycin Bacillus subtilis Lipopeptid +/ - Pilze Lichenysin Bacillus licheniformis Lipopeptid +++ Bakt./ Pilze MEL (Mannosylerythritol-Lipide) Pseudozyma spp. Glykolipid ++ Pilze Trehalose-Lipide Rhodococcus, Mycobacterium Glykolipid +++ Bakt./ Pilze Alasan Acinetobacter radioresistens Glyko-Lipopeptid ++ Biofilm, Bakt. Emulsan Acinetobacter calcoaceticus Polysacch. Lipid-Komplex +++ Biofilme, Bakt./ Pilze Tabelle 1: Beispiele wichtiger Bioemulgatoren (Biosurfactant) die neben einem guten Emulgierverhalten auch gezielte antimykotische Aktivitäten zeigen. Trehalose-Lipide, synthetisiert von Bakterien wie Rhodococcus oder Mycobacterium , zeichnen sich durch starke oberflächenaktive Eigenschaften sowie kombinierte antibakterielle und antimykotische Wirkungen aus. Ein weiterer innovativer Bioemulgator ist Alasan, ein glyko-lipopeptidischer Komplex von Acinetobacter radioresistens , der insbesondere durch die Hemmung von Biofilmbildung eine antibakterielle Wirkung entfaltet. Abschließend ist Emulsan zu nennen, ein Polysaccharid-Lipid-Komplex, der von Acinetobacter calcoaceticus produziert wird. Emulsan ist ein besonders starker Emulgator mit indirekter antimikrobieller Wirkung, die sich primär durch Störungen mikrobieller Oberflächenstrukturen sowie der Kompetition um Biofilmnischen manifestiert. [5 und 6] 5. Gängige Testverfahren für KSS 5.1 Impfzyklen-Test Der Impfzyklen-Test gemäß ASTM E2275-24 dient der Bewertung, wie beständig ein Kühlschmierstoff (KSS) gegenüber Bakterien und Pilzen ist. Dazu wird im Labor eine KSS-Probe mit typischen Mikroorganismen aus dem KSS-Umfeld beimpft und unter definierten Bedingungen inkubiert. Nach jeweils einer Woche erfolgt eine erneute Beimpfung mit frischen Keimen. Dieser Vorgang wird über mehrere Wochen hinweg wiederholt, um eine mikrobielle Belastung zu simulieren, wie sie auch im praktischen Einsatz auftreten kann. Während des Tests wird die Probe regelmäßig auf folgende Parameter untersucht: > Ge ruchsentwicklung > pH-Wert-Veränderungen > Stabilität der Emulsion > Korrosionsverhalten an eingelegten Metallstreifen > Bestimmung der Koloniebildenden Einheiten pro ml (KBE/ ml) Bleibt der Kühlschmierstoff auch nach mehreren Beimpfungen stabil, gilt er als mikrobiologisch beständig und somit als langlebig. Zeigen sich jedoch bereits nach kurzer Zeit negative Veränderungen - etwa unangenehmer Geruch, pH-Wert-Abfall oder Entmischung der Emulsion -, ist von einer verkürzten Standzeit im praktischen Einsatz auszugehen. In der Praxis werden in verschiedenen Laboren modifizierte Varianten des Verfahrens eingesetzt. So kommen andere Keime oder Mischkulturen aus gebrauchten KSS zum Einsatz. Während die ASTM 2275-24 eindeutig Vorteile bei der Simulation der Anwendung hat, sind der Aufwand und die lange Inkubationszeit ein Nachteil. Auch wird die Biofilmbildung nicht quantitativ erfasst. Salvo, Taurus, Trebor drei geschützte Marken überzeugen beim Schleifen und Zerspanen von Kunststoff, Keramik, Composite, Stahl, Alu und Buntmetall Natürlich gibt es auch andere, aber wer will das schon wenn er haben kann. Think different! Think different! www.gogreen.co.at 0043 664/ 1644217 office@gogreen.co.at Nur wo „unser“ drauf steht ist auch „unser“ drin! Kühlschmierstoffe von GoGreen die Problemlöser bei Hautreaktionen. Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 10 Fachartikel | Emulgatoren als Booster antimikrobieller Strategien in KSS 5.2 Biomonitoring Das Biomonitoring von Kühlschmierstoffen wird als schnelles Screening-Verfahren zur Bewertung des antimikrobiologischen Potentials eingesetzt. Die Abbildung 3 illustriert das Ergebnis des Biomonitorings. In quadratischen Agarplatten wird hierzu ein linearer Konzentrationsgradient des zu prüfenden Kühlschmierstoffs hergestellt. Auf die Agaroberfläche werden Vorkulturen verschiedener Bioindikatoren, d. h. definierter Referenzkeime, aufgetragen. Neben den standardgemäß verwendeten acht Bioindikatoren können zusätzlich gebrauchte Lösungen oder Emulsionen sowie Isolate aus laufenden Anlagen (sogenannte „Hauskeime“) in das Verfahren integriert werden, um praxisrelevante mikrobiologische Unempfindlichkeiten zu erfassen und richtig zu bewerten. Nach einer Inkubationszeit von 24 Stunden bei Bakterien bzw. 48 Stunden bei Pilzen/ Hefen bei 30 °C bilden die Bioindikatoren sichtbare Wachstumsstreifen längs zum KSS-Gradienten auf der Agaroberfläche aus. Innerhalb dieser vorgegebenen Zeit werden reife Biofilme ausgebildet. Das Wachstum endet dort, wo die wachstumshemmende bzw. biozidale Wirkung des KSS zu wirken beginnt. Das Wachstum wird anschließend mithilfe eines Lineals quantitativ erfasst. Aufgrund der hohen Reproduzierbarkeit und Standardisierung des Verfahrens können Kühlschmierstoffe mit unterschiedlichen Additivformulierungen parallel untersucht und miteinander verglichen werden. Insgesamt ist die Bearbeitung von bis zu 100 Proben pro Woche möglich. Literatur [1] Dierk-Steffen Wahrendorf. Deepwater Horizon - Erkenntnisse aus der Havarie und den Maßnahmen für die nationale Vorsorge- und Bekämpfungsstrategie Umweltexpertengruppe „Folge von Schadstoffunfällen“, Projektgruppe „Deepwater Horizon“, Bundesanstalt für Gewässerkunde Bf R Koblenz/ Hamburg, 2011, DOI: 10.5675/ PG_Deepwater_Horizon_2011_1 [2] Otter JA, Vickery K, Walker JT, deLancey Pulcini E, Stoodley P, Goldenberg SD, Salkeld JA, Chewins J, Yezli S, Edgeworth JD. Surface-attached cells, biofilms and biocide susceptibility: implications for hospital cleaning and disinfection. J Hosp Infect. 2015, 89(1): S. 16- 27, DOI: 10.1016/ j.jhin.2014.09.008 [3] Zan P, Mecozzi F, Wessel S, Fieten B,Driesse M, Woudstra W, Busscher HJ, van der Nei HC, and Lontjens TJA. Preparation and Evaluation of Antimicrobial Hyperbranched Emulsifiers for Waterborne Coatings. Langmuir 2019, 35,17, S. 5779-5786, DOI: 10.1021/ acs.langmuir.8b03584 [4] Crnčević D, Krce L, Brkljača Z, Cvitković M, Babić Brčić S, Čož-Rakovac R, Odžak R, Šprung M. A dual antibacterial action of soft quaternary ammonium compounds: bacteriostatic effects, membrane integrity, and reduced in vitro and in vivo toxicity. RSC Adv. 2025 ; 15(2): S. 1490-1506. doi: 10.1039/ d4ra07975b. [5] Banat IM, Franzetti A, Gandolfi I, Bestetti G, Martinotti MG, Fracchia L, Smyth TJ, Marchant R. Microbial biosurfactants production, applications and future potential. Appl Microbiol Biotechnol. 2010; 87(2): 427-44. doi: 10.1007/ s00253-010-2589-0. [6] Dini S, Bekhit AEA, Roohinejad S, Vale JM, Agyei D. The Physicochemical and Functional Properties of Biosurfactants: A Review. Molecules. 2024 May 28; 29(11): 2544. doi: 10.3390/ molecules29112544. PMID: 38893420; PMCID: PMC11173842. »« Eingangsabbildung: © kaliel - stock.adobe.com Abb. 3: Biomonitoring mit schematisierter Darstellung und Auswertung des Wachstums. KSS-Gradient beginnt bei 2 cm mit 0 % und endet mit 4 % bei 12 cm. Neben den acht Bioindikatoren sind drei gebrauchte Emulsion aufgetragen. Die roten Balken markieren das Ende des Wachstums. Der verwendete KSS ist, das zeigen die Bioindikatoren und Keime der zwei gebrauchten Emulsionen, sehr gut konserviert. Die Diffusion der Biozide in den KSS-freien Bereich oberhalb der grünen Linie hemmt dort bereits das Wachstum der Bioindikatoren. Bei der dritten gebrauchten Emulsion liegen Unempfindlichkeiten vor. Die antimikrobielle Strategie des KSS wirkt hier nicht. 4 % Standard Bioindikatoren (Bakterien/ Hefen oder Pilze) 0 % FacHartikEl EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen Wilhelm Rehbein, LANXESS Deutschland GmbH EP-Additive Nahezu alle modernen Kühlschmierstoffe enthalten EP-Additive, um Werkzeuge und Werkstücke unter den extremen Bedingungen der Metallbearbeitung vor adhäsivem Verschleiß zu schützen. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei allen Zerspanungs- und Umformverfahren, bei denen eine starke Reibung, hohe Flächenpressungen und Temperaturen auftreten. Ohne EP-Additive würden sich Werkzeuge deutlich schneller abnutzen, die Oberflächengüte der bearbeiteten Werkstücke würde sich verschlechtern und die Produktivität sinken. Die Hauptfunktion der EP-Additive besteht darin, einen Schutzfilm auf den Metalloberflächen zu bilden, der den direkten Metall-auf-Metall-Kontakt verhindert. Dieser Film reduziert Reibung und Verschleiß, insbesondere im Grenzreibungsbereich, in dem der Schmierfilm zu dünn ist, um die Oberflächen vollständig zu trennen. Die gängigsten EP-Additiven sind Chlorparaffine (CLP) und schwefelhaltige Verbindungen (Schwefelträger). Auch phosphorhaltige Verbindungen werden gelegentlich als EP-Additive bezeichnet, jedoch verhindern diese primär den abrasiven Verschleiß und werden daher meist zu den Verschleißschutzadditiven gezählt. Chlorparaffine Chlorparaffine sind gesättigte, polychlorierte Kohlenwasserstoffe mit einer Kettenlänge von etwa 10 bis 30 Kohlenstoffatomen und einem Chlorgehalt von etwa 35 bis 70 %. Seit fast 100 Jahren werden chlorierte Paraffine als EP-Additive in Kühlschmierstoffen eingesetzt, um adhäsiven Verschleiß insbesondere bei der Metallbearbeitung zu reduzieren. Chlorierte Paraffine werden nach der Anzahl der Kohlenstoffatome in ihren Molekülen klassifiziert: kurzkettig (SCCPs, C 10 - C 13 ), mittelkettig (MCCPs, Wilhelm Rehbein Senior Manager Application Technology LANXESS Deutschland GmbH, BU Lubricant Additives Business (LAB), Mannheim, Germany Education: Reutlingen University, Graduate Engineer, Applied Chemistry University of Leipzig, Specialist Engineer, Chemical Analysis and Spectroscopy Career: 1988-2011: R&D Manager at a medium sized lubricant manufacturer, Germany Since 2011: Senior Manager Application Technology, LANXESS Deutschland GmbH, Germany Work profile: Application Technology Manager at LANXESS LAB. Development of guideline formulations and additive packages for metalworking applications. Research projects. Technical support for Southeast Asia, Japan and South Korea. More than 35 years of experience in formulation and maintenance of metalworking fluids and industrial lubricants. 11 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 12 Fachartikel | EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen C 14 - C 17 ), langkettig (LCCPs, C 18 - C 20 ) und sehr langkettig (VCCPs, C> 20 ). Chlorparaffine sind schlecht biologisch abbaubar; SCCPs und MCCPs sind sowohl akut als auch chronisch sehr giftig für Wasserorganismen, bioakkumulierbar und persistent in der Umwelt. Sie reichern sich in der Nahrungskette von Mensch und Tier an und sind mittlerweile in Wasser, Boden, Klärschlamm sowie in vielen Lebewesen, im menschlichen Fettgewebe und in Muttermilch nachweisbar. Da SCCPs zudem potenziell krebserregend und fortpflanzungstoxisch sind, ist ihre Verwendung in Kühlschmierstoffen in der EU seit 2002 verboten. Aktuelle Bestrebungen, etwa von der ECHA und der UN-Stockholm-Konvention, zielen darauf ab, auch die Verwendung von MCCPs stark einzuschränken. Auch Behörden in Südkorea, Japan und Kanada planen Verbote oder Einschränkungen. Langfristig werden ähnliche Maßnahmen auch für LCCPs erwartet. Eine Bewertung von VCCPs ist derzeit nicht absehbar. Aufgrund ihrer hohen Viskosität und begrenzten Löslichkeit in Basisölen sind sie jedoch nur bedingt als Additive in Kühlschmierstoffen geeignet. In vielen Negativlisten der verarbeitenden Industrie sind Chlorparaffine nur dann in Kühlschmierstoffen erlaubt, wenn sie technisch unbedingt notwendig sind (z. B. bei der Umformung von Edelstahl). Chlorparaffine in der Metallbearbeitung CLPs werden in Kühlschmierstoffen als EP-Additive eingesetzt, um adhäsiven Werkzeugverschleiß unter hoher mechanischer Belastung zu verhindern. Im ersten Schritt lagern sich die polaren Moleküle der Chlorparaffine an der Metalloberfläche an und bilden einen reibungsmindernden Film. Eine verbreitete Theorie besagt, dass sich in einem zweiten Schritt bei ausreichender mechanischer oder thermischer Belastung durch eine chemische Reaktion zwischen den Chloratomen und der Metalloberfläche eine sehr dünne Schicht aus Metallchloriden (siehe Abb. 1) bildet. Aufgrund ihrer salzartigen Struktur ist diese Schicht deutlich weniger scherstabil als das eigentliche Metallgefüge. Somit wird Kaltverschweißung oder das Anhaften des Werkstückmaterials am Werkzeug verhindert, was sonst zum Ausbrechen größerer Partikel aus den Oberflächen von Werkzeug und Werkstück führen würde. Chlorparaffine wirken in der Metallbearbeitung insbesondere bei niedrigen Bearbeitungsgeschwindigkeiten. Bei höheren Geschwindigkeiten, die meist auch zu höheren Temperaturen an Werkzeug und Werkstück führen, zersetzen sie sich und bilden Chlorwasserstoff, wodurch der Werkzeugverschleiß erhöht wird. In Gegenwart von Wasser oder hoher Luftfeuchtigkeit besteht die Gefahr der Hydrolyse. Die dabei entstehende Salzsäure kann Werkzeuge, Werkstücke und die gesamte Werkzeugmaschine korrodieren. Im Vergleich zu anderen EP-Additiven ist der Einkaufspreis für chlorierte Paraffine relativ gering. Die Entsorgungskosten sind jedoch in vielen Regionen hoch, da sie in speziellen Hochtemperaturverbrennungsanlagen verbrannt werden müssen, um die Bildung giftiger Dioxine zu verhindern. Schwefelträger Als lang bewährte Alternative zu chlorierten Paraffinen werden geschwefelte Kohlenwasserstoffe sowie geschwefelte synthetische oder natürliche Ester als EP-Additive eingesetzt. Diese sogenannten Schwefelträger enthalten 2 bis 5 Schwefel-atome, die eine Brücke zwischen den Kohlenwasserstoff- oder Esterstrukturen der Moleküle bilden (Abb. 2). Sind 3 oder mehr Schwefelatome in der Schwefelbrücke vorhanden, so wird der Schwefelträger als „aktiv“ be- Abb. 1: Bildung von Adsorptions- und Reaktionsschichten durch EP-Additive CONSISTENT SOLUTIONS FROM A TRUSTED PARTNER Performance and consistency are more important than ever. And so is Ergon’s long-term commitment to reinvesting in technologies and integrated logistics — especially as the industry evolves and chemistries shift. You can rely on the consistency of our HyGold Solutions to meet your naphthenic and paraffinic base oil needs. Give us a call to learn more about how Ergon is refining the definition of service for the base oil industry. ergonspecialtyoils.com North & South America +1 601 933 3000 Europe, Middle East, Africa + 32 2 351 23 75 Asia + 65 6329 8040 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 14 Fachartikel | EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen zeichnet. Aktiver Schwefel wird bei 150°C aus dem Schwefelträgermolekül freigesetzt und kann mit Metalloberflächen wechselwirken. Sein Anteil im Schwefelträger wird gemäß ASTM D1662 bestimmt. Ähnlich wie Chlorparaffine bilden Schwefelträger in der Theorie eine Schutzschicht aus Metallsulfiden, die Kaltverschweißung zwischen Werkzeug und Werkstück effektiv verhindert. Aufgrund ihrer hohen Polarität können geschwefelte Ester zusätzlich, auch bei geringer mechanischer oder thermischer Belastung, die Reibung zwischen Metalloberflächen reduzieren. Schwefelträger sind in verschiedenen Molekülstrukturen verfügbar, die sich in Polarität und Aktivität unterscheiden und so gezielt an die Anforderungen spezifischer Bearbeitungsprozesse angepasst werden können. Ihre Leistung erstreckt sich über einen weiten Temperaturbereich, von langsamen Bearbeitungen bis hin zu Hochgeschwindigkeitsprozessen. Ihre Wirksamkeit kann durch synergetische Kombinationen mit überbasischen Calciumsulfonaten, Polycarboxylaten oder anderen polaren Verbindungen weiter verbessert werden. Bei schweren Zerspanungsprozessen wie Räumen oder Tief bohren verhindern Schwefelträger die Bildung langer Späne, die das Werkzeug beschädigen oder blockieren könnten. Dies wird erreicht, indem sich Metallsulfidschichten auf den Spanoberflächen bilden, die die Späne spröder machen und leichter brechen lassen. Moderne Schwefelträger sind hell in der Farbe, geruchsarm und mit nahezu allen in Schmierstoffen verwendeten Additiven kompatibel. Für ihre Entsorgung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Hinsichtlich der Toxizität für Mensch und Umwelt sind sie deutlich günstiger als chlorierte Paraffine. Im Gegensatz zu chlorierten Paraffinen unterliegen Schwefelträger keinen Kennzeichnungspflichten gemäß GHS oder Gefahrstoffverordnung. Viele Schwefelträger bestehen tatsächlich zu über 50 % aus nachwachsenden Rohstoffen wie pflanzlichen Ölen oder deren Methylestern. Viele von ihnen eignen sich sogar für den Einsatz in Schmierstoffen, die die Anforderungen des EU-Umweltzeichens und des USamerikanischen Vessel General Permit erfüllen. Tribologische Prüfungen Die Leistungsfähigkeit von Schwefelträgern und Chlorparaffinen wurde mit Hilfe von tribologischen Prüfmethoden und Feldversuchen an Werkzeugmaschinen verglichen. Tapping Torque Test Bei diesem Labortest werden Gewinde geschnitten oder geformt. Das dabei aufgewendete Drehmoment wird in Abhängigkeit von der Prüfdauer aufgezeichnet und zur Evaluierung der Kühlschmierstoffformulierungen verwendet (Abb. 3). Da es sich bei diesem Test um reale Gewindeschneidbzw. -formprozesse handelt, sind die Ergebnisse sehr gut auf die reale Metallbearbeitung übertragbar. Abb. 3: Gewindeschneiden in Edelstahl mit verschiedenen KSS-Formulierungen Abb. 2: Strukturen von Schwefelträgern 15 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen Versuche zum Gewindeschneiden in Edelstahl V4A (1.4401) wurden mit einem unbeschichteten Gewindeschneider mit einem Durchmesser von 4 mm bis zu einer Tiefe von 6 mm bei einer Umdrehungsgeschwindigkeit von 800 U/ min durchgeführt. Die zu prüfenden Additive waren in einem Gruppe I, ISO VG 46 Mineralöl gelöst. Beim Test eines Gewindeschneidöles, welches 5 % mittelkettiges Chlorparaffin mit einem Chlorgehalt von 50 % enthielt, wurden ein mittleres Drehmoment von 152 N/ cm sowie ein maximales Drehmoment von 261 N/ cm registriert. Das Gewindeschneiden in Edelstahl mit den beschriebenen Parametern war nicht möglich mit einem Versuchsschmierstoff, welcher 5 % langkettiges Chlorparaffin mit einem Chlorgehalt von 42 % enthielt. In gleicher Weise kam es zu Werkzeugbrüchen bei der Erprobung von Formulierungen, die 5 % überbasisches Calciumsulfonat bzw. 5 % inaktives, geschwefeltes Olefin mit einem Schwefelgehalt von 20 % enthielten. Mit 5 % eines aktiv geschwefelten Olefins mit 40 % Schwefelgehalt hingegen war das Gewindeschneiden möglich, das resultierende mittlere Drehmoment betrug 166 N/ cm, das maximale Drehmoment 255 N/ cm. Mit einer für die Zerspanung von Edelstahl gebräuchlichen Kombination von 2,5 % überbasischem Calciumsulfonat und 2,5 % aktiv geschwefeltem Olefin konnte das Drehmoment weiter auf 148 N/ cm bzw. 232 N/ cm reduziert werden. Eine weitere Verringerung von mittlerem und maximalem Drehmoment wurde mit einer Formulierung erzielt, welche 5 % eines speziellen Schwefelträgers enthielt, basierend auf einer geschwefelten Mischung von Olefinen und Triglyceriden. Gegenlauffräsen Beim Gegenlauffräsen bewegen sich die Schneiden des Fräsers beim Zerspanungsprozess entgegen der Vorschubrichtung. Der Kraftaufwand der Werkzeugmaschine und damit die Anforderungen an die EP- und Verschleißschutzeigenschaften eines Metallbearbeitungsöles sind signifikant höher als beim Gleichlauffräsen. In einem ersten Versuch wurde ein Metallbearbeitungsöl mit einer kinematischen Viskosität von 16 mm²/ s, welches 15 % mittelkettiges Chlorparaffin mit 50 % Chlorgehalt enthielt, bei verschiedenen Schnittgeschwindigkeiten geprüft (Abb. 4). Bei ansteigender Schnittgeschwindigkeit nimmt die Standzeit des Fräsers drastisch ab. Dieser Effekt wird durch die thermische Zersetzung des Chlorparaffins bei den mit steigender Schnittgeschwindigkeit ansteigenden Temperaturen an Werkstück und Werkzeug verursacht. Der dabei entstehende Chlorwasserstoff korrodiert die Werkzeugoberfläche und führt so zu gesteigertem Werkzeugverschleiß. In einem zweiten Schritt wurde der Einfluss verschiedener Schwefelträger auf die spezifische Schnittkraft und den Werkzeugverschleiß, zunächst bei einer Schnittgeschwindigkeit von 28 m/ min. getestet (Abb. 5). Die Konzentration der Schwefelträger betrug dabei mit 5 % nur 1/ 3 der beim Chlorparaffin verwendeten Dosierung. Die beste Balance zwischen Schnittkraft und Kolkverschleiß wurde bei diesem Test mit einem speziellen EP-Additiv, basierend auf einer geschwefelten Mischung von Olefinen und Triglyceriden, erzielt. Anschließend wurde das Verschleißverhalten des MCCP-haltigen Öles der Formulierung mit 5 % des speziellen Schwefelträgers gegenübergestellt (Abb. 6). Da der Werkzeugverschleiß beim Test des den speziellen Schwefelträger enthaltenden Metallbearbeitungsöls bei niedriger Schnittgeschwindigkeit etwas höher war, wurde zusätzlich noch eine Formulierung getestet, welche neben den Schwefelträger 1 % eines Verschleißschutzadditives enthielt. Bei höheren Schnittgeschwindigkeiten kam die Reaktivität des Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 16 Fachartikel | EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen Schwefelträgers voll zum Tragen und übertraf auch ohne weitere Zusätze deutlich die Leistung des Chlorparaffins. Einpresstest Der Einpresstest simuliert die tribologischen Bedingungen von Feinschneid- oder Massivumformprozessen. Ein überdimensionierter Stempel aus Wälzlagerstahl mit einem Durchmesser von 30,1 mm wird mit einer Normalkraft von bis zu 300 kN in eine Matrize aus Vergütungsstahl mit einem inneren Durchmesser von 30,0 mm gepresst (Abb. 7). Dabei entsteht eine radiale Flächenpressung von bis zu 180 MPa. Der Verlauf der effektiv aufgewendeten Presskraft wird aufgezeichnet und dient der Beurteilung der Schmierstoffe bzw. ihrer Fähigkeit, Reibung und Adhäsion zu verringern. Je geringer die effektive Reibkraft ist, umso besser ist die Leistung der geprüften Schmierstoffe bei Massivumform- oder Feinschneidprozessen. Auch in diesem Versuch wurde zunächst ein Umformöl auf der Basis eines Gruppe I, ISO VG 220 Mineralöls geprüft, welches 40 % mittelkettiges Chlorparaffin mit einem Chlorgehalt von 50 % enthielt (Abb. 8). Nach Versuchsende wurden adhäsive Anlagerungen des Matrizenmaterials am Stempel gefunden. Ein weiterer Test erfolgte mit einer Mischung, die 20 % eines schwefelvernetzten, öllöslichen Polymers enthielt, welches neben EP-Eigenschaften auch einen extrem druckstabilen Schmierfilm bildet. Zusätzlich wurden noch 3 % eines metallfreien Dithiophosphates zugegeben. Mit dieser Formulierung wurde die bei der Prüfung des chlorparaffinhaltigen Umformöls Abb. 4: Gegenlauffräsen mit einem chlorhaltigen Metallbearbeitungsöl Abb. 5: Test verschiedener Schwefelträger beim Gegenlauffräsen Abb.6: Vergleich MCCP mit Schwefelträger basierend auf Triglycerid/ Olefin 17 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen aufgewendete maximale Presskraft um ca. 25 % unterschritten. Nach dem Einpressversuch wurde keine Adhäsion am Stempel oder an der Matrize festgestellt. Zusammenfassung Schwefelträger wirken als EP-Additive bei der Metallbearbeitung in ähnlicher Weise wie Chlorparaffine, zeigen im Vergleich zu diesen aber eine Reihe von Vorteilen: > Sie bewirken exzellente Ergebnisse selbst in Metallbearbeitungsprozessen mit hohen Bearbeitungsgeschwindigkeiten. Diese Leistung kann durch synergistische Kombinationen mit anderen Additiven oftmals weiter gesteigert werden. > Schwefelträger sind mit unterschiedlichen Reaktivitäten und molekularen Strukturen erhältlich und dadurch optimal anpassbar an die Anforderungen unterschiedlicher Anwendungen. > Sie verursachen keinen erhöhten Werkzeugverschleiß bei hohen Bearbeitungs-geschwindigkeiten bzw. Temperaturen. > Die Leistung von Chlorparaffinen als EP-Additive hingegen verschlechtert sich mit steigender Bear- Abb. 7: Schema des Einpresstests Mit Motorenölen, Getriebeölen und Mehrbereichsölen von TotalEnergies reduzieren Sie langfristig Ihre Betriebskosten. Lassen Sie sich von unserem Außendienst vor Ort zum kostensparenden Einsatz von TotalEnergies Schmierstoffen beraten. Ihr persönlicher Ansprechpartner: Mathias Krause · (0162) 1333 458 mathias.krause@totalenergies.com totalenergies.de Erhöhen Sie Ihre Energieeffizienz Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 18 Fachartikel | EP-Additive verbessern die Nachhaltigkeit von Kühlschmierstoffen beitungsgeschwindigkeit, bedingt durch ihre chemische Zersetzung. > Schwefelträger haben ein deutlich günstigeres toxikologisches und ökotoxikologisches Profil als Chlorparaffine, ihre Entsorgung erfordert keine über die Entsorgung von Altölen hinausgehenden Maßnahmen. Viele Schwefelträger basieren darüber hinaus zu mehr als 50 % auf nachwachsenden Rohstoffen und tragen damit zu einer gesteigerten Nachhaltigkeit von Schmierstoffformulierungen bei. Daher ist es möglich, durch die Verwendung optimal geeigneter Schwefelträger und durch ihre Kombination mit anderen Additiven, die Eigenschaften von Kühlschmierstoffen exakt an die Bedürfnisse der jeweiligen Metallbearbeitungsprozesse anzupassen und die Leistung chlorhaltiger Schneid- und Umformöle noch zu übertreffen. »« Eingangsabbildung: © andov - stock.adobe.com Abb. 8: Prüfung zweier Umformöle im Einpresstest Buchtipp UVK Verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Im Buch wird die Frage erörtert, wie sich die moderne, globale Gegenwartsgesellschaft und damit auch das Alltagsleben von Individuen sowie institutionalisierter Politik, Wirtschaft und Bildung bei zunehmender Entkopplung von Intelligenz und individuellem Bewusstsein verändert und weiter verändern wird. Dabei wird die sich beschleunigende technologische Entwicklung nicht einfach nur als Ursache gesehen, sondern es wird der Druck der multiplen Gegenwartskrisen auf soziale Systeme und ihre weitere Entwicklung berücksichtigt. Frank H. Witt Künstliche Intelligenz: Transformation und Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft 1. Au age 2025, 222 Seiten €[D] 24,90 ISBN 978-3-381-13071-9 (print) ISBN 978-3-381-13072-6 (eBook) DOI 10.24053/ 9783381130726 Anzeige IHR SPEZIALIST FÜR BORNITRID-PRODUK TE Henze BNP AG Grundweg 1 87493 Lauben Phone +49 8374 589 97-0 www.henze-bnp.de HeBoLub ® Das Schmierstoff-Additiv Für besseres Schmierverhalten, höhere Wärmeleitfähigkeit, höheres Lastaufnahmevermögen. HeBoLub ® innovatives und leistungsfähiges Schmierstoff- Additiv für Motoren, Getriebe und Anlagen. Die hochfeine Bornitrid-Öl-Dispersion minimiert als Additiv in Schmierstoffen nachweisbar Reibung und Verschleiß. Unsere Produkte HeBoFill ® LL-SP 010 und HeBoFill ® LL-SP 050 sind NSF zertifiziert. Beide Pulver haben das Zertifikat in der Kategorie HX-1 bekommen und dürfen nun in Schmierstoffen mit unbeabsichtigten Lebensmittelkontakt eingesetzt werden. Somit ist ein Einsatz im und um den Bereich der Lebensmittelverarbeitung möglich. Sie wollen schon vor einem PFAS Verbot reagieren? PTFE-ALTERNATIVE GESUCHT? BORNITRID GEFUNDEN! NSF-ZERTIFIZIERUNG Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 20 adVErtorial adVErtorial HYCUT: Spart Kosten. Steigert Leistung. Jan-Timo Jez Kühlschmierstoffe (KSS) gehören zu den entscheidenden Faktoren in der modernen Metallbearbeitung. Sie beeinflussen Werkzeugstandzeiten, Bearbeitungsqualität und Prozesssicherheit maßgeblich. Gleichzeitig verursachen sie Kosten für Beschaffung, Lagerung, Pflege und Entsorgung. Viele Betriebe arbeiten deshalb kontinuierlich an der Optimierung ihrer KSS-Systeme, stoßen dabei aber oft an Grenzen: Eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte für verschiedene Materialien und Prozesse, Zusatzstoffe zur Stabilisierung und Probleme mit Fremdölen sind bis heute verbreitete Herausforderungen. Einen alternativen Ansatz bietet die Technologie der Zweikomponenten-Kühlschmierstoffe (2K-KSS). Entwickelt wurde dieses Konzept vor mehr als drei Jahrzehnten von Oemeta - einem Unternehmen, das sich seit über 100 Jahren ausschließlich auf Kühlschmierstoffe spezialisiert hat und bis heute zu den wenigen Anbietern zählt, die diese Technologie industriell etabliert haben. Das bekannteste 2K-System von Oemeta trägt den Namen HYCUT und wird heute in unterschiedlichsten Branchen weltweit eingesetzt. Flexibilität durch individuelle Einstellung Herkömmliche wassermischbare KSS sind fest formuliert. Wer Stahl, Aluminium und Buntmetalle in einem Betrieb bearbeitet oder unterschiedliche Bearbeitungsschritte von Bohren bis Schleifen abdecken muss, braucht häufig mehrere Produkte. Das macht das Fluidmanagement komplex und teuer. Das HYCUT-2K-Prinzip setzt hier an: Basisöl und Additivkomponente werden getrennt vorgehalten und erst im Mischprozess so kombiniert, dass die Schmierleistung exakt auf die jeweilige Bearbeitung abgestimmt ist - von einfachen Standardoperationen bis hin zu hochpräzisen Prozessen. Dadurch entfällt in vielen Fällen die Notwendigkeit, für verschiedene Materialien oder Bearbeitungsschritte unterschiedliche Kühlschmierstoffe einzusetzen. Unternehmen können so mit deutlich weniger Produktvarianten auskommen, was Beschaffung, Lagerhaltung und Handhabung vereinfacht und mehr Flexibilität in der Fertigung ermöglicht. Stabile Prozesse ohne Stellmittel Die externe Zugabe von Stellmitteln wie Fungiziden, Bioziden, Bakteriziden, etc. sind weit verbreitet, um die Emulsion langfristig stabil zu halten. Diese Zusätze müssen beschafft, gelagert und überwacht werden und können zusätzliche Kosten verursachen. Das 2K-System HYCUT bleibt auch über lange Zeiträume ohne die Zugabe von externen Stellmitteln stabil. Dies nur durch die gezielte Steuerung der Additivkomponente. Gleichzeitig kann das Medium mehrfach wiederverwendet und - im Unterschied zu vielen klassischen Emulsionen - einfach gereinigt, gefiltert oder zentrifugiert werden, ohne dass zusätzliche Stabilisatoren erforderlich sind. Das reduziert nicht nur den Verbrauch, sondern auch den Aufwand für Maschinenpflege und Reinigungsarbeiten, was weitere Kosten spart. 21 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Advertorial-|-HYCUT: Spart Kosten. Steigert Leistung Fremdölproblematik reduziert Eine der häufigsten Ursachen für Emulsionsprobleme ist das Eindringen von Fremdölen, insbesondere Hydraulik- und Gleitbahnölen. Diese können die Stabilität und Schmierleistung herkömmlicher KSS stark beeinträchtigen und aufwendige Reinigungsmaßnahmen erforderlich machen. Das 2K-System HYCUT nutzt kompatible Öle, die sowohl als Hydraulik- und Gleitbahnöle als auch in der Emulsion selbst eingesetzt werden können. Auf diese Weise lassen sich Fremdölverunreinigungen weitgehend vermeiden. Das reduziert Reinigungsintervalle der Maschinen, senkt die Gefahr von Produktionsunterbrechungen und vereinfacht den gesamten Fluidkreislauf. Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil Neben Wirtschaftlichkeit spielt die ökologische Bilanz von KSS eine immer größere Rolle. Viele konventionelle Produkte basieren auf Mineralöl und enthalten Biozide, die sowohl Entsorgung als auch Arbeitsschutz aufwendig machen. HYCUT setzt hier andere Maßstäbe: Das System nutzt nachwachsende Rohstoffe, verzichtet auf kritische Biozide, produziert weniger Abfall und kann vielfach recycelt werden. Dadurch sinken nicht nur die Umweltbelastung und der Entsorgungsaufwand, sondern auch die laufenden Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus des Kühlschmierstoffs hinweg. Betriebe können ihre Prozesse damit gleichzeitig effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher gestalten. Ein Spezialgebiet mit begrenztem Wettbewerb- Zweikomponenten-Kühlschmierstoffe sind trotz ihrer Vorteile bis heute nur von wenigen Anbietern verfügbar. Oemeta zählt zu den Pionieren dieser Technologie und hat sie in enger Zusammenarbeit mit führenden Industrieunternehmen - etwa aus der Automobil- und Luftfahrtbranche - über viele Jahre hinweg zur Serienreife gebracht. Unternehmen, die auf HYCUT setzen, profitieren nicht nur von den Produkten selbst, sondern auch vom umfangreichen Know-how eines erfahrenen Partners: von der Auswahl und Anpassung des Systems bis zur Integration in bestehende Fertigungsprozesse und den zugehörigen Reinigungskonzepten. So lassen sich die technischen Vorteile der 2K-Technologie sicher und wirtschaftlich in den Alltag der Produktion übertragen. »« Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 22 FacHartikEl FacHartikEl Biostabilität «Was man darunter versteht und in welchen Produkten sie notwendig ist» Volker Westrup, Chemische Werke Kluthe GmbH Biostabilität ist die Fähigkeit von chemischen Stoffen, der Zersetzung durch Mikroorganismen zu widerstehen. Diese Kleinstlebewesen übernehmen wichtige Aufgaben im natürlichen Stoffkreislauf. Durch ihre Ernährung recyceln sie die unterschiedlichsten Substanzen und stellen die Bestandteile anderen Lebewesen zur Verfügung. Vermehren sie sich jedoch in Kühlkreisläufen, wasserbasierenden Reinigungsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Prozessflüssigkeiten der Oberflächentechnik, stören sie die technologischen Abläufe. Wirkung von Mikroorganismen auf Prozesschemikalien der Oberflächentechnik Mikroorganismen sind allgegenwärtig. Sie schweben in der Luft, besiedeln unsere Haut, machen den Erdboden fruchtbar und leben in Gewässern. Die Pilze, Bakterien und Algen vermehren sich durch Zellteilung oder durch Sporen. Die Sporen stellen ein Ruhestadium dar, das lange Zeiträume überdauert und bei günstigen Umgebungsbedingungen zum Leben erwacht. Mit der Luft gelangen die Mikroorganismen oder ihre Sporen auch in die Prozesschemikalien für die Oberflächenbehandlung. Finden sie dort Nahrung und Wärme, vermehren sie sich. Gefährdet sind vor allem wässrige Lösungen und Wasserkreisläufe. Die Mikroorganismen setzen zwangsläufig die Wirksamkeit der eingesetzten Stoffe herab. Außerdem bilden sie Kolonien, die sich auf den Oberflächen ablagern und Rohrleitungen verstopfen können. Maßnahmen zur Verbesserung der Biostabilität sollen das verhindern. Volker Westrup Volker Westrup ist Laborleiter Chemische Werke Kluthe GmbH UNITI Services GmbH Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 info@uniti.de UNITI Services GmbH Academy | Events | Media Schwabenlandhalle Fellbach Ausstellung | Postersession | Kongress 18. und 19. November 2026 Bei Interesse an einer Ausstellungsfläche oder eines Sponsorings nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. save the date! © Andrei Zonenko/ Adobe Stock KSSF 2026 33. Kühlschmierstoffforum Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 24 Fachartikel | Biostabilität Maßnahmen zur Verbesserung der Biostabilität Einsatz von Bioziden in der Oberflächentechnik Um den Befall von Reinigungsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Prozesschemikalien durch Mikroorganismen zu verhindern, werden sehr oft Biozide eingesetzt. Diese Stoffe töten Bakterien, Pilze oder Algen ab, bevor sie sich vermehren können. Da von vielen Bioziden Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen ausgehen, unterliegt ihre Verwendung den strengen gesetzlichen Auflagen der Biozid-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 528/ 2012). Sie regelt die Verfahren zur Zulassung und zur Genehmigung von Biozid-Produkten. Außerdem enthält sie Vorgaben zur Verpackung und Kennzeichnung, die beim Handel mit Bioziden zu befolgen sind. In der EU zugelassene Wirkstoffe und Biozid-Produkte sind in einer Liste im Anhang zur Biozid-Verordnung zusammengestellt. Je nach Einsatzbereich und Wirkmechanismen werden verschiedene Gruppen von Biozid- Produkten unterschieden. Die Einteilung umfasst Desinfektionsmittel, Schutzmittel für unterschiedliche Materialien, selektiv wirkende Schädlingsbekämpfungsmittel und sonstige Biozid-Produkte. Die Desinfektion dient der Beseitigung von Krankheitserregern. In der Oberflächentechnik sind vor allem Schutzmittel für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen und Topf- Konservierungsmittel von Bedeutung. Sie wirken gegen Umweltkeime, von denen in der Regel keine Gefahren für die menschliche Gesundheit ausgehen. Mit Schutzmitteln für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen wird unter anderem die Bekämpfung von Mikroorganismen in Reinigern und Kühlschmierstoffen Abb. 1 Topf-Konservierungsmittel machen zum Beispiel Farben, Lacke und Reinigungsmittel haltbar. Biozide sind Gifte. Beim Kontakt mit der Haut können sie langfristig zu Allergien und Hautschäden führen. Deshalb soll ihr Einsatz in der Oberflächentechnik nur dort erfolgen, wo sich keine anderen Lösungen anbieten, die Vermehrung von Mikroorganismen zu verhindern. Möglichkeiten, die Biostabilität biozidfrei zu gewährleisten Einige Möglichkeiten, Mikroorganismen abzutöten, orientieren sich an der Haltbarmachung von Lebensmitteln. Dazu zählen das Erhitzen und der Entzug von Wasser aus den Zellen. In Warmwasserkreisläufen hilft das regelmäßige Aufheizen bis auf Temperaturen in der Nähe des Siedepunktes, die Keimzahlen gering zu halten. Der Entzug von Wasser aus den Zellen beruht auf einem Vorgang, der als Osmose bezeichnet wird. Dabei tritt das Wasser aufgrund von Konzentrationsunterschieden durch die Zellwände und führt einen Konzentrationsausgleich herbei. Bei der Konservierung von Lebensmitteln ziehen Salz, Zucker oder Alkohol Wasser aus den Zellen. Moderne Produkte für die industrielle Teilereinigung werden ebenfalls ohne Biozide formuliert. Diese Reiniger weisen - auch bei für Mikroorganismen optimalen Bedingungen - trotzdem eine hohe Biostabilität auf. Ein Beispiel hierfür ist HAKUPUR 740. Dieser Reiniger wurde ohne Biozide formuliert und weist trotzdem eine sehr hohe Biostabilität auf. Wie funktioniert das? Die Zusammensetzung von HAKUPUR 740 ist so konzipiert, dass alle im Produkt enthaltenen Komponenten eine hohe Biostabilität aufweisen. Mikroorganismen finden in der Folge keine Nahrung und werden so daran gehindert, sich zu vermehren. Weitere Eigenschaften von HAKUPUR 740 HAKUPUR 740 ist hochdruckfähiger Mulitimetall-Reiniger.Die möglichen Anwendungstemperaturen liegen zwischen 20 und 60 °C. Der Reiniger ist stark demulgierend. Dadurch schwimmen von den Metallteilen abgewaschene Öle schnell auf der Flüssigkeitsoberfläche auf und können von dort leicht mit Abscheidern aus dem System entfernt werden. Weil der Reiniger nicht zur Schaumentwicklung neigt, lässt er sich in Hochdruck-Verfahren wie beispielsweise dem Wasserstrahlentgraten mit Drücken über 100 bar einsetzen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten von HAKU- PUR 740 sind Niederdruckspritzverfahren und Fluten. HAKUPUR 740 weist eine gute Verträglichkeit für Aluminium und einen sehr guten Korrosionsschutz für Stahl auf. Außerdem eignet es sich als Reiniger für Guss, verzinktes Material, Edelstahl, Buntmetall und Kunststoff. 25 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Biostabilität Kontrolle der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Gewährleistung der Biostabilität Die Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen zur Gewährleistung der Biostabilität erfolgt durch die Keimzahlbestimmung. Dafür stehen Eintauchprobeträger (Dip-Slides) zur Verfügung. Sie bestehen aus einer Trägerplatte, die auf einer Seite mit einem Nährboden für Bakterien und auf der anderen Seite mit einem Nährboden für Pilze ausgestattet sind. An der Trägerplatte ist ein Schraubverschluss angebracht, der einen durchsichtigen Kunststoff behälter aufnimmt. Zur Keimzahlbestimmung wird die Trägerplatte einige Sekunden in den Kühlschmierstoff, die Reinigungsmittel-Lösung oder eine andere zu prüfende Flüssigkeit getaucht. Nachdem die überschüssige Flüssigkeit abgelaufen ist, wird der Kunststoff behälter wieder aufgeschraubt und der Probeträger bei einer Temperatur von 30 °C bebrütet. Jeder Keim auf dem Nährboden vermehrt sich und bildet eine sichtbare Kolonie. Für die Auswertung werden Bilder von unterschiedlich stark besiedelten Nährböden verwendet, die den Dip-Slides beiliegen. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, muss die Gebrauchsanleitung bei der Anwendung der Dip-Slides genau eingehalten werden. Zum Beispiel dürfen die Nährböden nicht mit den Händen berührt oder durch aufschwimmende Öle verunreinigt werden. Die Zeit, in der der Probeträger der Luft ausgesetzt ist, muss möglichst kurz gehalten werden, damit keine zusätzlichen Keime auf die Nährböden gelangen. »« Eingangsabbildung: © Stefan Schurr - stock.adobe.com Abb. 2 Buchtipp expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Das Buch gibt einen Überblick über die metallkundlichen Grundlagen auf dem Gebiet der nichtrostenden Stähle und über das Einsatzverhalten dieser Werkstoffe. Es werden die notwendigen Hinweise für die Konstruktion und Verarbeitung von nichtrostenden Stählen gegeben. Einen Schwerpunkt stellt hierbei das Korrosionsverhalten dieser Werkstoffe dar. Paul Gümpel, Alexandra Bauer, Torsten Bogatzky, Lazar Boskovic, Benedikt Henkel, Arnulf Hörtnagl, Matthias Sorg, Jörg Straub Rostfreie Stähle Grundwissen, Konstruktions- und Verarbeitungshinweise 6., überarbeitete und erweiterte Au age 2025, ca. 342 Seiten €[D] 68,00 ISBN 978-3-8169-3540-7 eISBN 978-3-8169-8540-2 Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 26 FacHartikEl FacHartikEl Perspektiven in der Metallbearbeitung zwischen Transformation und Zukunftschancen Elisabeth Götze, Rope Technology Aachen, SKF Group Die metallbearbeitende Industrie befindet sich im Herbst 2025 in einer Phase der tiefgreifendsten Umbrüche seit ihrer Entstehung. Das politisch festgelegte „Verbrennerverbot“, die weitgehende Transformation der Automobilindustrie, globale Wettbewerbsverschiebungen, geopolitische Spannungen und zunehmende regulatorische Anforderungen wirken wie ein Katalysator, der das Wachstum der Strukturprobleme beschleunigt. Für die hochvernetzten Lieferketten bedeuten neue Handelsbarrieren, protektionistische Tendenzen und ein sich abkühlendes Weltwirtschaftswachstum erhebliche Risiken - besonders für exportorientierte Segmente der Metallverarbeitung. Die Konsequenzen sind bereits heute spürbar: Wertschöpfungsketten geraten ins Wanken, Investitionen werden zurückgestellt oder gänzlich verschoben, und ganze Industrieregionen, die über Jahrzehnte eng mit der Fahrzeugproduktion verbunden waren, sehen ihre wirtschaftliche Basis in Gefahr und blicken in eine ungewisse Zukunft. Prognosen zufolge könnten bis 2030 Zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze entlang der automobilen Zulieferkette verloren gehen. Mit jedem Stellenabbau droht nicht nur der Rückgang an Produktionskapazitäten, sondern auch der Verlust von gewachsenem Know-how, speziali- Elisabeth Götze Elisabeth Götze, 37, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit einem besonderen Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Zuvor war sie Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e. V., der zum 1. Oktober 2025 im Zuge der Verbandsfusion in die UNITI integriert wurde. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum Korrosions- Expert an der Montanuniversität Leoben, Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer Tätigkeit im Verband war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in verschiedenen Führungspositionen tätig und erwarb dort umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe. 27 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Perspektiven in der Metallbearbeitung sierten Fertigungskompetenzen und innovationsrelevantem Erfahrungswissen - Ressourcen, die für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts von zentraler Bedeutung sind. Die Folgen sind längst spürbar. Produktionsrückgänge, Werksschließungen und Insolvenzen im Zuliefersektor sind Realität. Konjunkturdaten bestätigen die schwierige Lage: Das Geschäftsklima in der Zulieferindustrie hat sich im Sommer 2025 deutlich eingetrübt, die Produktion in der Stahl- und Metallverarbeitung ging im ersten Quartal um 4,1 Prozent zurück. Viele mittelständische Betriebe, die über Generationen hinweg präzise Bauteile für Motoren, Getriebe und Abgassysteme fertigten, stehen vor der Frage: Wohin mit dem Know-how, wenn die Nachfrage für klassische Verbrennerkomponenten versiegt? Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass der Nachwuchs diese Entwicklung längst vorwegnimmt. Fahrzeugtechnik-Studiengänge verzeichnen sinkende Einschreibungen, ähnlich wie einst die Kerntechnik, nachdem die Politik diese Energieform in Frage gestellt hatte. Damit droht nicht nur ein Verlust an Arbeitsplätzen, sondern auch ein Rückgang an Knowhow und Innovationskraft in einem Bereich, in dem Deutschland traditionell führend ist. Hinzu kommt ein zunehmend schwieriges Umfeld: hohe Energiekosten, komplexe Berichtspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren und eine wirtschaftsfeindliche Regulierungsdichte, die Investitionen hemmt. Während deutsche Unternehmen gebremst werden, drängen internationale Wettbewerber mit aggressiven Strategien in die Märkte. Ausländische Produzenten sichern sich durch Batterie- und Komponentenwerke in Europa entscheidende Marktanteile. Für viele Betriebe in Deutschland ergibt sich derzeit eine paradoxe Lage: Sie sind technologisch solide aufgestellt und verfügen über leistungsfähige Fertigungs- und Entwicklungsstrukturen, doch reicht dies im internationalen Vergleich nicht aus, um den Vorsprung zu halten. Gleichzeitig agieren sie in einem Umfeld, das dringend notwendige Investitionen eher verhindert als fördert. Die Sorge wächst daher, in zentralen Schlüsseltechnologien den Anschluss zu verlieren und in kritischen Bereichen dauerhaft von ausländischen Anbietern abhängig zu werden. Dennoch ist die Bedeutung der Stahl- und Metallwirtschaft ungebrochen. Deutschland ist nach wie vor größter Stahlproduzent der EU und zählt weltweit zu den Top Ten. Rund 70 Prozent der heimischen Stahlerzeugung erfolgen in integrierten Hüttenwerken, die restlichen 30 Prozent über die Elektrostahlroute. Mit einer Jahresproduktion von 31 Millionen Tonnen warmgewalzter Erzeugnisse bleibt Stahl eine Stütze der deutschen Volkswirtschaft. Zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt von stahlintensiven Branchen ab - vom Fahrzeugbau über die Elektrotechnik bis hin zum Maschinenbau. Hier zeigt sich: Auch in einer Welt nach dem Verbrenner bleibt Metallbearbeitung unverzichtbar. Die Weltleitmesse für Produktionstechnologie, die EMO in Hannover, hat 2025 eindrucksvoll gezeigt, dass die Branche längst an den Technologien arbeitet, die zukünftig noch stärker gefragt sein werden: Automatisierung, Digitalisierung und KI-gestützte Fertigung sind nicht länger Vision, sondern gelebte Praxis. Kühl- und Schmierstoffkonzepte werden zunehmend unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit entwickelt, mit Fokus auf Energieeffizienz und geringeren CO₂-Emissionen. Die Metallbearbeitung erweist sich damit als Treiber der Transformation - ob beim präzisionsgefertigten Gehäuse für E-Motoren, bei Komponenten für Batteriepacks oder bei Hochdruckkomponenten für die Wasserstoffwirtschaft. Entscheidend wird sein, dass die Branche über den traditionellen Rahmen hinausdenkt. Die Abhängigkeit von der Automobilindustrie war in der Vergangenheit Stärke, wird nun aber zur Achillesferse. Andere Branchen eröffnen erhebliche Chancen: In der Medizintechnik wächst der Bedarf an hochpräzise bearbeiteten Implantaten, chirurgischen Instrumenten und hygienisch anspruchsvollen Gehäusen. In der Luft- und Raumfahrt werden komplexe Leichtbaustrukturen, Turbinenbauteile und Hochtemperaturlegierungen nachgefragt, die ohne leistungsfähige Kühlschmierstoffe nicht bearbeitet werden können. www.oelheld.com Machen Sie kein Fass auf! Ihr Kühlschmierstoff für jede Herausforderung in der Metallbearbeitung! ein ein Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 28 Fachartikel | Perspektiven in der Metallbearbeitung Die Rüstungs- und Sicherheitstechnik verlangt robuste Präzisionsteile für Land-, Luft- und Seesysteme - mit höchsten Anforderungen an Zuverlässigkeit und Materialfestigkeit. Auch die Halbleiter- und Elektronikindustrie bietet Potenzial: Träger, Gehäuse und hochpräzise Kühlkörper für Leistungselektronik oder Sensorik erfordern metallische Präzisionsbearbeitung in Reinraumqualität. Und nicht zuletzt bleibt der klassische Maschinen- und Anlagenbau ein Kernmarkt - von Werkzeugmaschinen über Energietechnik bis hin zur Chemie- und Verfahrenstechnik. Daher kommt den Kühlschmierstoffen (KSS) eine Schlüsselfunktion zu. Sie sind nicht nur Prozessbegleiter, sondern integraler Bestandteil von Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit. Zunehmend gefragt sind nachhaltige Formulierungen, die Standzeiten verlängern, Energieverbrauch senken und die Prozesssicherheit erhöhen. Moderne Sensoren ermöglichen heute die kontinuierliche Überwachung der KSSbzw. Schmierstoffqualität - von pH-Wert über Leitfähigkeit bis hin zu Partikelgehalt und Additivzustand. Damit entsteht ein neues Geschäftsfeld: die datenbasierte Schmierstoffüberwachung und die proaktive Prozessbetreuung. Hier zeigt sich ein grundlegender Wandel: Die Metallbearbeitung endet nicht mehr mit der Auslieferung eines Bauteils. Entscheidend wird die ganzheitliche Betreuung über den gesamten Lebenszyklus - vom Condition-Monitoring über vorausschauende Wartung bis hin zu Pay-per-Performance-Modellen. Anbieter, die nicht nur Liter an Schmierstoffen verkaufen, sondern hohes fachliches Know-How mitbringen, zudem Verfügbarkeit, Prozessqualität und Energieeffizienz garantieren, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile. Für die nächsten Jahre lassen sich drei Szenarien skizzieren. Im Negativszenario der „Erosion“ verharren Energiepreise auf hohem Niveau, Bürokratie und Regulierungsdichte bleiben bestehen und internationale Handelskonflikte verschärfen sich. In diesem Fall drohen weitere Verlagerungen, Investitionen brechen ein und der Absatz von Schmierstoffen stagniert oder schrumpft in der Folge. Das Basisszenario der „Stabilisierung“ geht von schrittweisen Entlastungen aus. Getragen durch Investitionen in Medizintechnik, Infrastruktur, Halbleiterfertigung und Instandhaltung erfährt die Metallbearbeitung ab 2026 jedoch leichte Erholung nach einer Stagnationsphase in 2025/ 26. Hier wachsen Anbieter, die Monitoring und Servicekompetenz ausbauen. Im Chancenfall der „beschleunigten Transformation“ gelingt die entschlossene UmsetzungvonEnergiepreis-und Bürokratieentlastungen, verbunden mit massiven Investitionen in Digitalisierung, KI und klimaneutrale Produktionsprozesse. In diesem Fall erlebt die Metallbearbeitung eine deutliche Effizienzsteigerung durch geringeren Medienverbrauch pro Teil bei höherer Wertschöpfung, sinkenden Betriebskosten und steigender internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Schmierstoffanbieter entwickeln sich zu ganzheitlichen Prozesspartnern, die mit datenbasierten Services und modularen Geschäftsmodellen neue Märkte erschließen. Eines ist klar: Wenn wir nichts tun, droht die schleichende Deindustrialisierung. Regionen verlieren ihre industrielle Basis, Fachkräfte wandern ab, und Know-how geht unwiederbringlich verloren. Doch wenn wir handeln, ergeben sich enorme Chancen. Die technische Basis ist (noch) vorhanden, die Märkte sind da, die Lösungen liegen bereit. Wie es eine Branchenstimme treffend formulierte: „Lösungen gibt es genug, wir müssen sie nur nutzen.“ Die Stahl- und Metallverarbeitung bleiben das Rückgrat der Industrie, ob im Automobilbau, in der Medizintechnik, in der Luft- und Raumfahrt, in der Rüstung, in der Halbleiterindustrie oder im Maschinenbau. Wenn wir Technologieoffenheit verteidigen, Bürokratie und Energie entlasten, Digitalisierung und Automation konsequent nutzen und das Monitoring- und Dienstleistungsgeschäft als neue Kernkompetenz begreifen, wird unsere Industrie nicht kleiner, sondern besser - präziser, effizienter und resilienter. Entscheidend ist, dass die Industrie jetzt Mut beweist, die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt und die Unternehmen die Transformation als Chance begreifen. Die Botschaft ist klar: Ohne Metallbearbeitung wird es keine Zukunftstechnologien geben - sie ist ein Schlüssel der Transformation, auch jenseits des klassischen Verbrennungsmotors. »« Eingangsabbildung: © VISUALPOINT - stock.adobe.com save the date! 21.-22. April 2026 in Stuttgart Simultanübersetzung Simultaneous translation Informationen über: Kraft- und Biokraftstoffe Schmierstoffe Additive Grundöle + Get-together - Abendevent Information about: Fuels and Biofuels Lubricants Additives Base Oils + Get-together UNITI Services GmbH Academy | Events | Media Veranstalter / Organizer: UNITI Services GmbH · Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 · info@uniti.de · www.umtf.de Weitere Informationen More Information: www.umtf.de Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 30 FacHartikEl FacHartikEl Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken Schaeffler Technologies AG & Co. KG In der dynamischen und anspruchsvollen Welt der industriellen Fertigung stehen Betreiber vor der Herausforderung, Maschinen und Anlagen unter Bedingungen des maximalen Wirkungsgrades zu betreiben. Ein oft übersehener, aber entscheidender Faktor bei der Optimierung der Maschinenleistung ist die Auswahl und der Einsatz von hochwertigen Wälzlagerfetten. Diese Schmierstoffe erfüllen mehrere kritische Funktionen: Sie minimieren die Reibung und reduzieren den Verschleiß, vermeiden Korrosion und verlängern dadurch die Lebensdauer der Maschinenkomponenten signifikant. Die richtige Auswahl des Schmierfetts kann den Unterschied zwischen unerwarteten Maschinenstillstandszeiten und einem hochgradig effizienten Betrieb ausmachen. Konsequenzen unzureichender Schmierung Unzureichende Schmierung als kritisches Problemfeld in der Industrie kann folglich erheblich zur Reduzierung der Lebensdauer von Maschinen beitragen und die Effizienz von Produktionsprozessen stark beeinträchtigen. Hier einige Beispiele: > White Etching Cracks (WEC) stellen eine komplexe Herausforderung in der Welt der Wälzlagertechnologie dar, insbesondere in Anwendungen, bei denen hohe Belastungen und wechselnde Betriebsbedingungen herrschen. WEC ist gekennzeichnet durch mikroskopische Risse. Im Gefüge der Laufflächen von Lagerringen und Wälzkörpern erscheinen netzartig oder verzweigt ausgebildete Risse. Entlang dieser Risse lässt sich eine weißlich schimmernde Veränderung („White Etching“) im Gefüge metallographisch nachweisen. Die Risse erstrecken sich oft einige Mikrometer bis einige Millimeter tief und können ringförmige Bereiche, sogenannte Flitterstellen („Flakes“) ablösen. > Micropitting: Subtile Oberflächenschäden mit ernsthaften Konsequenzen Micropitting entsteht, wenn ein Schmierfilm nicht ausreichend ist, um den Kontakt zwischen Wälzkörpern und Lauf bahnen zu verhindern. Es führt zu lokalen Druckspitzen und einer damit verbundenen Beschädigung der Oberflächenintegrität. 31 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken „Die beste Zeit für ein neues Schmierfett ist jetzt.“ Philipp Weippert, Schaeffler Anwendungstechnik „Qualität ist kein Zufall.“ Franziska Schulz, Schaeffler Schmierstofftechnik Diese kleinen, aber folgenreichen Schädigungen können sich entlang der Materialoberfläche ausbreiten und langfristig zu Ermüdungsbrüchen führen, die Betriebssicherheit gefährden und die Wartungskosten erhöhen. > Materialermüdung: Die Herausforderung zyklischer Belastungen Materialermüdung ist eine weitere Auswirkung unzureichender Schmierung, die durch zyklische Belastungen deutlich beschleunigt wird. Ohne ausreichende Schmierung entstehen Abplatzungen und andere kritische Schäden, die die Betriebseffizienz und Maschinenlebensdauer erheblich mindern können. Solche Ermüdungserscheinungen führen letztlich zu außerplanmäßigen Stillstandszeiten und erfordern umfassende Wartungsmaßnahmen. Schaeffler hat erkannt, dass jede industrielle Anwendung ihre eigenen Herausforderungen bietet, und deshalb ein beeindruckendes Portfolio von 18 spezialisierten Lagerfetten unter dem Namen „Arcanol“ entwickelt. Schaefflers Ruf als Motion Technology Company und weltweiter Innovationsführer im Bereich der Wälzlagerschmierung beruht auf einem integrierten Ansatz, der sich durch drei zentrale Kompetenzfelder auszeichnet: Anwendungstechnik, Schmierstofftechnik und Prüftechnik. Diese Felder bilden die Grundlage für eine umfassende Lösungsstrategie, die herkömmliche Industriestandards weit übertrifft. Anwendungstechnik: Maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Anforderungen Die Anwendungstechnik bildet die Grundlage für die Entwicklung spezifischer Schmierstofflösungen, die genau auf die Anforderungen der unterschiedlichen Industriezweige zugeschnitten sind. Anwendungstechniker bei Schaeffler verfügen über umfangreiches Fachwissen und sind in der Lage, die Feinheiten der jeweiligen Maschinen und Prozesse zu verstehen. Ihre Arbeit beginnt mit einer gründlichen Analyse der Betriebsbedingungen und Einsatzanforderungen, um sicherzustellen, dass die ausgewählten Schmierstoffe optimal auf die spezifischen Gegebenheiten abgestimmt sind. Ein zentraler Aspekt ihrer Tätigkeit ist die enge Zusammenarbeit mit Kunden, um maßgeschneiderte Schmierstofflösungen zu entwickeln, die die Maschinenleistung maximieren und Betriebsunterbrechungen minimieren. Anwendungstechniker beraten bei der Produktauswahl und unterstützen bei der Integration des Schmierstoffs in bestehende Systeme. Sie überwachen die Leistung über die Zeit und passen gegebenenfalls Empfehlungen an, um angesichts sich ändernder Bedingungen oder technischer Weiterentwicklungen die optimale Performance sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten die Anwendungstechniker eng zusammen mit der Forschung und Entwicklungssowie den Produktionsabteilungen, um sicherzustellen, dass neue Anforderungen schnell und effizient in nutzbare Produkte umgesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, den Innovationsprozess zu fördern und darauf zu achten, dass die Schmierstofflösungen stets den hohen technischen Standards entsprechen, die Schaeffler von seinen Produkten erwartet. Dadurch tragen sie erheblich zur Entwicklung und ständigen Verbesserung der Schmierstoffpalette bei. Die Arbeit der Anwendungstechniker ist entscheidend für die proaktive Identifizierung von potenziellen Betriebshindernissen und die Bereitstellung von Lösungen, die diese Herausforderungen vorwegnehmen. Dies ist eine Schlüsselrolle in der Sicherung der Maschinenzuverlässigkeit und in der Reduzierung der Wartungs- und Betriebskosten. Schmierstofftechnik: Chemische Präzision und fortlaufender Fortschritt Die Schmierstofftechnik ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung fortschrittlicher Wälzlagerfette, die zuverlässige Leistung und eine verlängerte Ma- Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 32 Fachartikel | Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken schinenlebensdauer bieten. Durch die gezielte Auswahl hochwertiger Basisöle, Verdicker und Additive werden bei Schaeffler Schmierstoffformulierungen verwendet, die für die extremen Anforderungen verschiedenster industrieller Anwendungen optimiert sind. Basisöle als Schlüsselkomponente Die Wahl des richtigen Basisöls ist entscheidend für die Festlegung der Viskosität und der oxidativen Stabilität eines Schmierstoffes. Schaeffler setzt auf hochwertige mineralisch Öle der API Gruppe II und III, sowie fortschrittliche synthetische Öle, wie Polyalphaolefins (PAO), die gegenüber herkömmlichen Mineralölen eine überlegene Oxidationsbeständigkeit bieten. Diese synthetischen Öle sind darauf ausgelegt, die Schmierstoffe selbst bei extremen Temperaturbedingungen effizient arbeiten zu lassen, indem sie die physikalischen und chemischen Eigenschaften stabil halten. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig in Branchen wie der Schwerindustrie oder bei Anwendungen, wo hohe Temperaturen vorherrschen, da sie sicherstellen, dass die Maschinen auch unter den schwierigsten Bedingungen reibungslos laufen. Die Rolle von Verdickern und mechanischer Stabilität Verdicker sind eine zentrale Komponente der Schmierstofftechnik und tragen wesentlich zur mechanischen Stabilität und der strukturellen Integrität des Fetts bei. Schaeffler entwickelt Schmierfette mit Verdickern, die in Synergie mit den Basisölen arbeiten, um die Konsistenz des Schmierstoffes zu kontrollieren und eine gleichmäßige Verteilung der Additive sicherzustellen. Die richtige Wahl und das Herstellungsverfahren der Verdicker sind entscheidend, um die Struktur des Schmierstoffs unter hohen Belastungen oder variierenden Geschwindigkeiten zu stabilisieren, und sie tragen dazu bei, die Lebensdauer und Funktionalität des Schmierstoffs zu verlängern. Additive zur Verbesserung der Schmierstoffleistung Additive spielen eine entscheidende Rolle in der Verbesserung von Schmierstoffeigenschaften und bieten zusätzlichen Schutz und Leistungsvorteile. Schaeffler prüft spezielle Antioxidantien, Anti-Wear-Additive (AW-Additive) und Korrosionsschutzbestandteile in der Schmierstoffformulierung auf Effektivität und Wirksamkeit, um die Maschinen vor unerwünschten chemischen Reaktionen zu schützen und die oxidative Haltbarkeit zu verlängern. Diese Additive sind homogen in die Schmierstoffmatrix eingebunden, um sicherzustellen, dass der Schmierstoff auch unter wechselnden und anspruchsvollen Betriebsbedingungen seine Wirksamkeit behält, und um den Verschleiß auf ein Minimum zu reduzieren. Innovative Verwendung von Festschmierstoffen zur Leistungssteigerung Ein weiteres Element in Schaefflers Schmierstofftechnologie ist die gezielte Modifikation durch funktionelle Festschmierstoffe. Im Mikro- und Submikrometerbereich bieten sie einzigartige physikalische und chemische Eigenschaften, die das tribologische Verhalten der Schmierfette wesentlich beeinflussen. Ihre Integration in die Schmierstoffmatrix bietet erhebliche Vorteile bei der Reibungsminderung, dem Verschleißschutz, der Oberflächenmodifikation und der Verbesserung des Wärmetransports. Metallische Festschmierstoffe tragen dazu bei, Mikrorisse zu füllen und eine tragfähige Schutzschicht zu bilden, die als Tribofilm bekannt ist. Diese Schutzschicht hilft, den Verschleiß zu reduzieren und die Lebensdauer von Komponenten bedeutend zu verlängern. Darüber hinaus bietet die Einbeziehung von polymeren Festschmierstoffen, wie Polytetrafluorethylen (PTFE) und ultrahochmolekularem Polyethylen (UHMWPE), bemerkenswerte gleitfördernde und dämpfende Eigenschaften, die zur weiteren Optimierung der Schmierung beitragen. Diese Partikel bieten insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten effiziente „trockene Schmierung“, was eine innovative Lösung darstellt, um Vibrationen zu dämpfen und die Geräuschentwicklung zu reduzieren, womit ein insgesamt ruhigerer Betrieb ermöglicht wird. Herausforderungen der Festschmierstofftechnologie Obwohl Festschmierstoffe zahlreiche Vorteile bieten, sind sie auch mit technischen Herausforderungen verbunden, die es zu adressieren gilt, um ihre volle Leistungsfähigkeit auszuschöpfen: 1. Stabilität und Sedimentation: Eines der Hauptprobleme bei der Verwendung von Festschmierstoffen ist ihre Neigung zur Agglomeration und Sedimentation. Diese Tendenz kann die Effektivität der Schmierstoffe erheblich einschränken und die Homogenität des Schmiermittels beeinträchtigen. Spezielle Verdicker oder rheologische Modifikatoren werden eingesetzt, um die Partikel gleichmäßig verteilt zu halten, wodurch die Langlebigkeit und Funktionalität des Schmierstoffs erhalten bleibt. BOOK RECOMMENDATION expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de This monograph takes a new look at tribology with its basic concepts of friction and wear using the example of lubricating greases. The consideration of the phenomenon of occurring instabilities and the introduction of the entropy concept into lubricating grease tribology provide a new perspective on known phenomena. The second part of this book presents a wide range of experimental possibilities for investigating lubricating greases. Contents Introduction to Instability and Postmodern Tribology - On the Phenomenon of Self - Organization - Postmodern Grease Tribology - Lubricating Grease - Rheological behavior of Lubricating greases - A Selected Traditional Wear Model - The Extension of the Wear Concept Erik Kuhn On the Tribology of Lubricating Greases An energetic approach to post-modern tribology Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 1st edition 2025, approx. 210 p. €[D] 118,00 ISBN 978-3-381-14171-5 eISBN 978-3-381-14172-2 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 34 Fachartikel | Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken 2. Filtergängigkeit und Partikelgröße: Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Filtergängigkeit der Schmiermittel. Festschmierstoffe von über fünf Mikrometern können in Filtrationssystemen Blockaden verursachen, was insbesondere in zentralen Schmiersystemen problematisch sein kann. Die richtige Auswahl der Partikelgrößen und die Anpassung der Filtrationssysteme sind entscheidend, um reibungslose Abläufe und eine optimale Performance sicherzustellen. 3. Chemische Reaktivität und Kompatibilität: Metallpartikel können mit den Additiven oder dem Basisöl des Schmierstoffs interagieren und das Risiko von Korrosion oder Oxidation erhöhen. Diese Reaktionen können die Lebensdauer von Maschinenkomponenten beeinträchtigen und die Wirkung des Schmierstoffs verringern. Eine umfassende Kompatibilitätsprüfung und die Entwicklung nicht-reaktiver Partikelbeschichtungen sind notwendig, um diesen Risiken entgegenzuwirken. 4. Verarbeitung und Homogenität: Zuletzt ist die gleichmäßige Dispergierung der Partikel entscheidend für die Performance des Schmierstoffs. Eine ungleichmäßige Verteilung kann die Wirksamkeit verringern und zu inhomogenen Schmiereigenschaften führen. Dementsprechend müssen Produktionsverfahren wie der Einsatz eines Dreiwalzenstuhls sorgfältig auf die Partikelgröße abgestimmt sein, um eine gleichmäßige Dispergierung zu gewährleisten. Trotz der Herausforderungen bieten Festschmierstoffe erhebliche Vorteile in der Praxis. Sie ermöglichen unter anderem die Verbesserung der technischen Leistungsfähigkeit und die Senkung der Betriebskosten in verschiedenen Industriesektoren. In der Lebensmittelindustrie setzt Schaeffler beispielsweise PTFE mit FDA-Zulassung für Hochtemperaturbzw. Trockenschmierung ein. In Schaefflers Montagepaste sind metallische Festschmierstoffe enthalten, die bei Gleitkontakten während der Montage die Reibung reduzieren und die Oberflächen zuverlässig trennen. Zukunftsaussichten der Schmierstofftechnologie Die Zukunft der Schmierstofftechnologie liegt in der stetigen Weiterentwicklung und Integration intelligenter Partikelsysteme, die in der Lage sind, auf Umweltreize zu reagieren. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf Nanopartikel (<100 nm), die großes Potenzial bieten, jedoch hinsichtlich der Stabilität und Umweltverträglichkeit besondere Anforderungen stellen. Aufgrund ihrer geringen Größe können Nanopartikel die tribologischen Eigenschaften von Schmierstoffen deutlich optimieren und bisher unerreichte Effizienzgewinne ermöglichen. Insbesondere Kombinationssysteme, bei denen Festschmierstoffe mit Additiven synergistisch wirken, versprechen, zukünftige Herausforderungen innovativ zu lösen. Die Einführung von Tribopolymeren in Verbindung mit Nanopartikeln könnte neue Standards in der Verschleißreduktion und Reibungsminimierung setzen. Qualitätssicherung und Produkttests Schaeffler arbeitet eng mit ausgewählten Partnern zusammen, die ebenso hohe Standards verfolgen und die Produkte gemäß strengen Vorgaben produzieren. Bevor Schmierstoffe an Kunden ausgeliefert werden, durchläuft jede Charge umfassende Tests und Prüfungen, um höchste Qualitätsanforderungen sowie zuverlässige Funktionalität auch unter extremen Bedingungen sicherzustellen. Die Anwendung präziser chemischer und technischer Prinzipien garantiert, dass Schmierstoffe nicht nur im Testlabor, sondern auch unter realen Betriebsbedingungen eine herausragende Leistung erbringen. Die Validierung dieser Leistungsfähigkeit erfolgt durch strenge Prüfverfahren. Prüftechnik: Erspart Ihnen kostspielige Experimente und garantiert Zuverlässigkeit Um sicherzustellen, dass Schmierstoffe den alltäglichen sowie extremen Anforderungen moderner Maschinen gerecht werden, hat Schaeffler eine umfassende Prüftechnik implementiert. Diese Verfahren liefern entscheidende Einblicke in die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Schmierstoffe. Die weltweit anerkannten FE8- und FE9-Prüfstände spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie die Verschleißschutzfähigkeit und die thermische Belastbarkeit von Wälzlagerfetten unter realistischen Betriebsbedingungen bewerten. „Hinter jeder langlebigen Maschine steht ein hochwertiges Schmierfett.“ Daniel Merk, Schaeffler Prüftechnik 35 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken FE8-Testverfahren: Verschleißschutz auf höchstem Niveau Das FE8-Testverfahren ist ein spezifischer Test, der die Verschleißschutzfähigkeit von Schmierfetten in verschiedenen Lagerarten bewertet. In diesem Test werden die Schmierstoffe unter festgelegten Last- und Geschwindigkeitsbedingungen geprüft, die praktische Anwendungen in industriellen Umgebungen simulieren. Besonders entscheidend ist der FE8-Test für die Beurteilung der Fähigkeit eines Schmierstoffs, Reibung und Verschleiß in einer kontrollierten Umgebung zu reduzieren. Die Ergebnisse werden anhand detaillierter Metriken präsentiert, wie zum Beispiel dem Grad des Verschleißes an den Wälzkörpern, und setzen strengste Normen, die nur Schmierstoffe mit Spitzenleistung erreichen. Laut DIN 51819 ist für den FE8-Test ein maximaler Wälzkörperabrieb von ≤ 35 mg gefordert, um als bestanden zu gelten. Die FE8-Tests an Arcanol Wälzlagerfetten zeigen beeindruckend, dass diese Schmierstoffe einen bis zu dreifach besseren Schutz gegen Verschleiß bieten. Die Ergebnisse unterstreichen die Fähigkeit der Schaeffler-Schmierstoffe, weit über den Sicherheitsanforderungen der Branche zu liegen und eine verlängerte Lebensdauer der Maschinenteile zu sichern. FE9-Testverfahren: Lebensdauer und thermische Belastbarkeit Das FE9-Testverfahren hingegen konzentriert sich auf die Fettgebrauchsdauer und die Hochtemperaturbeständigkeit. Indem Schmierstoffe unter definierten Bedingungen, wie spezifischen axialen Lasten und Drehgeschwindigkeiten, getestet werden, wird geschätzt, wie lange ein Schmierstoff seine Wirksamkeit bei extremer Hitze aufrechterhalten kann, bevor seine Leistung abnimmt. Die FE9-Ergebnisse liefern wertvolle Daten über die Haltbarkeit von Schmierstoffen und stellen sicher, dass sie den thermischen Anforderungen standhalten können, die häufig mit Hochtemperaturanwendungen verbunden sind. Die meisten Arcanol Wälzlagerfette demonstrieren in FE9-Prüfverfahren eine erstaunliche Verdopp- Umfangreiche Testeinrichtungen und Qualitätsprüfung Schaeffler’s zertifizierte Testzentren in Deutschland (Schweinfurt), Rumänien (Brasov), China (Anting) und Indien (Vadadora) sind hochmoderne und innovative Einrichtungen, die sich auf die Prüfung und Analyse von Wälzlagern und verwandten Produkten spezialisiert haben. Als zentraler Bestandteil ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unterstützen sie die Entwicklung fortschrittlicher industrieller Lösungen. Ausgestattet mit über 60 verschiedenen Prüfstandstypen und diversen Analysemethoden auf 4100 Quadratmetern, führen die Zentren jährlich hunderte Wälzlagerversuche durch, viele davon im unmittelbaren Schmierstoffkontext. Diese Kapazitäten ermöglichen es Schaeffler, dessen internationale Qualitätsführerschaft auszubauen und sicherzustellen, dass unsere Produkte die Industriestandards erfüllen und übertreffen sowie neue Standards zu setzen. Schaefflers starke globale Präsenz ist dabei die Basis, um diese hohen Anforderungen weltweit zu erfüllen. Im Bild: Montage des Prüfkopfs in der FE8 Prüfmaschine Im Bild: Nach der korrekten Befettung des Lagers erfolgt die Montage im Prüfkopf der FE9 Prüfmaschine Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 36 Fachartikel | Die Bedeutung von Wälzlagerfetten in industriellen Produktionswerken lung der Fettgebrauchsdauer im Vergleich zu den Anforderungen der hier greifenden DIN 51821-02. Diese herausragende Leistung bietet Kunden die Möglichkeit, Wartungs- und Servicetermine präzise zu planen und die betriebliche Effizienz zu maximieren, da unvorhergesehene Stillstände deutlich reduziert werden. Der intensive Prüfprozess bei Schaeffler bedeutet, dass jeder Schmierstoff, der die Kunden erreicht, mit validierten Leistungsversprechen ausgestattet ist. Diese strenge Prüfprozedur bietet den Kunden Sicherheit und Vertrauen in die Produktqualität und -leistung, die für den Erfolg und die Langlebigkeit ihrer Systeme wesentlich sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schaefflers Vorreiterrolle im Bereich der Wälzlagerschmierung erhebliche Fortschritte bei der Maschinenlebensdauer und -effizienz bietet. Ihre technologischen Entwicklungen unterstützen sowohl bestehende als auch zukünftige Anwendungen und tragen dazu bei, die Herausforderungen der industriellen Produktion nachhaltig zu adressieren. Schaefflers robustes Portfolio von spezialisierten Wälzlagerfetten stellt sicher, dass die Industrien weltweit von zuverlässiger Leistung und überlegener Anpassungsfähigkeit profitieren. Durch die kontinuierliche Forschung und Entwicklung bietet Schaeffler innovative Lösungen, die den sich wandelnden Anforderungen der Industrie gerecht werden und eine optimierte Maschinenperformance garantieren. Arcanol Schmierstoffe sind Teil des Schaeffler Lifetime Solutions Portfolio, das ein umfassendes Angebot and Produkten, Services und Lösungen für die industrielle Instandhaltung bietet. Es ist darauf ausgelegt, Instandhalter über die gesamte Lebensdauer einer Maschine zu unterstützen. »« Eingangsabbildung: © Schaeffler Technologies AG & Co. KG Anzeige Buchtipp Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Nachhaltigkeit ist in aller Munde - das Thema umfasst viele Dimensionen. Dieses Handbuch beinhaltet v.a. Ziele, Klimawandel und die Politikebene. Der Autor spannt in diesem Handbuch den Bogen von den begrif ichen Grundlagen über die wichtigsten weltweiten Vereinbarungen, einer entsprechenden Bestandsaufnahme und Prognosen zur Nachhaltigkeit bis hin zu den konkreten Maßnahmen für eine nachhaltige Welt. Hierbei werden die internationalen Maßnahmen (Vereinte Nationen und Europäische Union) als auch nationale Politik behandelt und bewertet. Das Buch schließt mit einem Ausblick in die ferne Zukunft. Der Autor zielt auf eine grundlegende Sensibilisierung für notwendige Maßnahmen im Rahmen der Nachhaltigkeit ab. Damit können künftige Generationen auf einer ökonomisch, ökologisch und sozial intakten Umwelt aufbauen. Andreas Fieber Handbuch Nachhaltigkeit Ziele, Klimawandel, Politik 1. Au age 2024, 347 Seiten €[D] 34,90 ISBN 978-3-8252-6297-6 eISBN 978-3-8385-6297-1 Tribologie und Schmierungstechnik Tribology—Lubrication Friction Wear The scientific journal Tribologie und Schmierungstechnik (TuS) is one of the leading publications for tribological research in Germany, Austria and Switzerland. As the official journal of the Society for Tribology (GfT) in Germany, the Austrian Tribological Society (ÖTG) and Swiss Tribology, the issues provide information on research from industry and science, current events and developments in the specialist community. Subscription service: phone: +49 (0)89 85 85 38 81 eMail: abo-service@narr.de Further information on the journal and publication: www.narr.digital/ tus 2 starke Komponenten für die Tribologie Damit alles läuft, wie geschmiert! Die Zeitschrift SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG bietet einen umfassenden Überblick über alle Themen der Schmierstoffbranche. Dabei werden neueste Trends und Technologien ebenso behandelt, wie grundlegendes Basiswissen und wirtschaftliche Entwicklungen. SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG richtet sich insbesondere an Leser: innen aus der Praxis. Anwender von Schmierstoffen und Hersteller von Schmiermitteln erhalten durch unsere Zeitschrift ebenso fundierte Fachinformationen wie Dienstleister im Bereich Öl sowie jene, die in Schmierstofflaboren und Industrieservice-Unternehmen tätig sind. Auch Tätige des Handels und des Außendienstes in der Schmierstoffbranche finden hier eine aufschlussreiche Lektüre. Hier können Sie die Zeitschrift kostenlos abonnieren: www.sus.expert SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG Ein Fachmagazin des Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 38 adVErtorial adVErtorial Castrol SmartCoolant: intelligente Kontrolle für maximale Effizienz in der Fertigung Castrol Germany GmbH Castrol, ein weltweit führender Schmierstoffhersteller, präsentiert mit Castrol SmartCoolant eine moderne Lösung für die Echtzeit-Zustandsüberwachung und Automatisierung des Kühlschmierstoff-Managements. SmartCoolant wird ab 2026 europaweit erhältlich sein. Die Anforderungen an moderne Fertigungsprozesse in der Metallbearbeitung steigen stetig. Bauteilhersteller stehen wachsenden Herausforderungen hinsichtlich der zu fertigenden Qualität und der Wirtschaftlichkeit in der spangebenden Fertigung gegenüber. Stückzahlen, Qualität und Fertigungstiefe bei definierten Taktzeiten sind dabei maßgeblich. Gleichzeitig müssen die Standards zur Kostenoptimierung und Prozesssicherheit umfassend eingehalten werden. Die bei der Zerspanung eingesetzten Prozessmedien, wie Kühlschmierstoffe (KSS) und Reinigungslösungen, sowie deren Leistungsfähigkeit sind mitentscheidende Faktoren für die Effizienz der gesamten Prozesskette. Mit den XBB-Kühlschmierstoffen, den XBC-Reinigern und dem dazugehörigen digitalen SmartCoolant Kühlschmierstoffmanagement hat Castrol ein aufeinander abgestimmtes System entwickelt, das Fertigungsbetrieben deutliche Vorteile und Prozesssicherheit bietet. SmartCoolant ist das neueste Angebot im Bereich der intelligenten Schmierstoff- und Prozesslösungen von Castrol. Es vereint hochentwickelte, wassermischbare Kühlschmierstofftechnologien mit technischem und prozessorientiertem Know-how zu smarten Gesamtlösungen, die ein modernes und intelligentes Kühlschmierstoffmanagement ermöglichen. Das System überwacht kontinuierlich zentrale KSS-Parameter wie Konzentration, pH-Wert, Temperatur und Leitfähigkeit, und sorgt bei Bedarf selbstständig für KSS-Volumenausgleich bei definierter KSS-Einsatzkonzentration. Durch die Automatisierung des KSS-Managements kann die Effizienz der spanabhebenden Bearbeitung gesteigert und der manuelle Aufwand deutlich reduziert werden. Darüber hinaus liefert SmartCoolant präzise Systemdaten zum Produkt- und Anlagenzustand an die Anlagenbetreuer und das Kühlschmierstoffmanagement. SmartCoolant ermöglicht es, die gegebenen Potenziale von Industrie 4.0 umfänglich und sinnvoll zu nutzen, indem es ein automatisiertes, datenbasiertes und proaktives Kühlschmierstoffmanagement in das bestehende Arbeitsumfeld beim Kunden integriert. Über ein Onlineportal können Betreiber auf Kühlschmierstoffdaten zugreifen, diese visualisieren und auswerten. Die KSS-Zustandskontrolle und die Systemverfügbarkeit der Kühlschmierstoffe können dabei auch standortübergreifend skaliert werden. Nach erfolgreichen Praxistests im Jahr 2025 zeigen zahlreiche Rückmeldungen von zufriedenen Kunden, 39 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Advertorial-|-Castrol SmartCoolant: intelligente Kontrolle für maximale Effizienz dass SmartCoolant das Potenzial hat, den operativen manuellen Aufwand innerhalb der Produktionsstätten zu verringern und die Effizienz im Kühlschmierstoffmanagement zu steigern. Die Intensität der automatisierten KSS-Steuerung kann vom Kunden definiert und auf die individuellen Anforderungen angepasst werden. Zufriedene Anwender aus der Automobil-, Luftfahrt- und Zulieferindustrie berichten, dass sich die Investition durch diese Prozessoptimierung erwartungsgemäß innerhalb des vorgegebenen Zeitraums amortisiert haben. XBB-Kühlschmierstoffe: Stabilität und Vielseitigkeit Die XBB-Technologie steht für eine Produktreihe wassermischbarer Kühlschmierstoffe, die auf maximale Prozesssicherheit und Effizienz ausgelegt ist. Ein wesentliches Merkmal ist die definierte Schmier- und Kühlleistung, sowie die gute pH-Stabilität, die in der Praxis zu deutlich verlängerten Standzeiten führen kann. Vom universell einsetzbaren Produkt, das eine breite Werkstoffpalette zuverlässig abdeckt, bis hin zu Spezialformulierungen für hochfeste Legierungen und besonders anspruchsvolle Anwendungen steht für jede Bearbeitungsaufgabe eine passende Lösung zur Verfügung. Zahlreiche Anwender vertrauen auf XBB-Kühlschmierstoffe, sowohl in Standardprozessen als auch in komplexen Präzisionsanwendungen - etwa in der Luft- und Raumfahrtindustrie - und können stets das richtige Produkt auswählen. Die neueste Ergänzung der KSS-Produktpalette ist CareCut SL 10 XBB. Dieser mineralölfreie Kühlschmierstoff basiert auf synthetischer Estertechnologie und vereint die Vorteile vollsynthetischer Produkte mit den positiven Eigenschaften klassischer Mikro-Emulsionen. CareCut SL 10 XBB zeigt seine Leistungsfähigkeit und Stabilität in unterschiedlichen Anwendungsbereichen und Wasserhärten. Vom Schleifen über Drehen und Bohren bis hin zu anspruchsvollen Zerspanungsverfahren wie Räumen und Verzahnen überzeugt das wassermischbare Hochleistungsprodukt auch anspruchsvolle Kunden. XBC-Reiniger: Kompatibilität und nahtlose Integration Während Kühlschmierstoffe die Bearbeitung sichern, tragen Techniclean-XBC-Reiniger zur nachgelagerten Qualitätssicherung bei. Mit den Techniclean XBC- Reinigern bietet Castrol eine Produktserie, die nicht nur zuverlässig Kühlschmierstoffreste, Partikel und Späne entfernt und den erforderlichen temporären Korrosionsschutz der Bauteile und Komponenten gewährleistet, sondern sich auch nahtlos in den Medien-Gesamtkreislauf integriert. Techniclean XBC Reiniger sind vollständig mischbar und kompatibel mit den bewährten Castrol XBB- Kühlschmierstoffen. Gebrauchte XBC-Reinigerflüssigkeit kann nach dem Einsatz wieder in das Castrol Kühlschmierstoffsystem zurückgeführt werden, ohne die Leistungsfähigkeit der KSS-Emulsion zu beeinträchtigen. Dadurch entfällt die externe Entsorgung des Reinigerbades, und zugleich kann der Bedarf an Frischwasser für den KSS-Nachsatz reduziert werden. Neben den bewährten Produkten ist mit Techniclean M XBB ein weiteres Mitglied im Castrol Produktportfolio hinzugekommen. Es handelt sich um einen wassermischbaren System- und Wartungsreiniger, der auf der bewährten XBB-Technologie basiert und speziell für die Reinigung und Stabilisierung laufender Kühlschmierstoffsysteme entwickelt wurde. Dank geringer Schaumneigung und der abgestimmten Verträglichkeit mit Castrol wassermischbaren Kühlschmierstoffen ist Techniclean M XBB besonders wertschöpfend bei ausgezeichneter Effizienz - ein echter Mehrwert für die Kunden. Effizienz durch Zusammenspiel: XBB, XBC und SmartCoolant Die volle Stärke entfaltet sich in der Kombination: XBB-Kühlschmierstoff-Emulsionen gewährleisten stabile Bearbeitungs- und Zerspanungsprozesse, XBC-Reinigerlösungen sichern saubere Komponenten und eine zuverlässige Systempflege, während Smart- Coolant als digitales Bindeglied das Gesamtsystem überwacht, steuert und visualisiert. SmartCoolant- Geräte sind für alle Castrol KSS-Emulsionen ausgelegt und lassen sich entweder mit einer Zentralanlage oder mit mehreren einzeln befüllten CNC-Maschinen verknüpfen. Die intelligente Vernetzung dieser drei Castrol-Komponenten schafft eine aufeinander abgestimmte, wirtschaftliche und leistungsstarke Prozesskette, die KSS- und Werkzeugstandzeiten verlängern, den Ressourceneinsatz optimieren und langfristig zur Effizienzsteigerung beitragen kann. »« Abbildungen: © Castrol Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 40 20 MInUTEn MIT … Prof. Ruben Bauer über die Chancen des Wälzschälens Prof. Dr.-Ing. Ruben Bauer ist Leiter des Lehrstuhls Ressourceneffiziente Fertigungstechnik an der Hochschule Mittweida. Seit vielen Jahren forscht er intensiv am Thema Wälzschälen - einem hochmodernen Verfahren zur Herstellung von Verzahnungen, das zunehmend Einzug in die Praxis hält. Im Gespräch mit Elisabeth Götze vom Verband Schmierstoff-Industrie e. V. erklärt er, wie das Verfahren funktioniert, welche Herausforderungen bestehen, welche Rolle Kühlschmierstoffe spielen, und wie Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz die Entwicklungen beeinflussen. Götze: Herr Prof. Bauer, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Verfahren des Wälzschälens. Können Sie unseren Lesern zunächst einmal erklären, was genau Wälzschälen ist, und warum es so spannend ist? Prof. Bauer: Sehr gern. Wälzschälen, international oft auch als Skiving bezeichnet, ist ein Verfahren zur Herstellung von Verzahnungen. Es kombiniert Elemente des klassischen Wälzfräsens mit Werkzeugen, die eher an das Verzahnungsstoßen erinnern. Das Werkzeug sieht auf den ersten Blick wie ein Zahnrad aus, ist aber ein präzises Zerspanungswerkzeug, meist aus Hartmetall oder Schnellarbeitsstahl. Durch eine schräge Achsstellung zwischen Werkzeug und Werkstück kommt es zu einer Überlagerung von Abwälz- und Schnittbewegung, wodurch die Zahnflanken praktisch aus dem Werkstück „herausgeschält“ werden. Besonders bei Innenverzahnungen, wo konventionelle Verfahren wie Stoßen oder Räumen an ihre Grenzen stoßen, hat das Wälzschälen große Vorteile: hohe Flexibilität, Genauigkeit und deutlich kürzere Bearbeitungszeiten. Welche besonderen Herausforderungen bringt dieses Verfahren mit sich? Die große Herausforderung liegt in der Kinematik. Werkzeug und Werkstück drehen sich beide sehr schnell und müssen präzise synchronisiert werden - quasi wie ein elektronisches Getriebe. Diese hohe Dynamik führt zu komplexen Belastungen der Schneiden. Während beim Fräsen oder Drehen meist nur das Werkzeug oder das Werkstück hohe Drehzahlen hat, bewegen sich beim Wälzschälen beide Partner schnell. Dadurch entstehen extreme Schnittbedingungen, die wir nur mit modernen 3D-Simulationsmodellen vorhersagen können. Ich habe dafür ein Modell entwickelt, das ursprünglich aus der Computerspielprogrammierung stammt - dort, wo man Bewegungen und Kollisionen in Echtzeit berechnen muss. Genau solche Methoden helfen uns heute, Werkzeugverschleiß besser zu verstehen und Prozesse zu optimieren. Damit sind wir schon beim Thema Werkzeuge. Wie beurteilen Sie die Rolle der Werkzeugmaterialien? Sehr entscheidend. Schnellarbeitsstahl ist robust und verzeiht kleine Fehler, wird aber zunehmend durch Hartmetall ersetzt. Hartmetall ermöglicht höhere Schnittgeschwindigkeiten und kann die hohen Temperaturen sowie negativen Spanwinkel, die beim Wälzschälen auftreten, besser ertragen. Allerdings Ruben Bauer > Studium Maschinenbau 1996 bis 2002 an der TU Chemnitz > Danach 5 Jahre Projektingenieur in der Automobilindustrie > Danach 15 Jahre Forschungstätigkeit am Fraunhofer IWU > 2018 Promotion zum Thema Wälzschälen > Seit 2022 Professor an der Hochschule Mittweida 41 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 20 Minuten mit …-|-Prof. Ruben Bauer über die Chancen des Wälzschälens verzeiht es keine Fehlbelastung - ein falscher Eingriff kann zum sofortigen Werkzeugausfall führen. Deshalb ist die präzise Auslegung der Werkzeuge, von Profilen bis hin zu Freiwinkeln, ein zentraler Bestandteil unserer Forschung. Welche Rolle spielt der Kühlschmierstoff bei diesem Verfahren? Eine enorm wichtige. Grundsätzlich erfüllt der Kühlschmierstoff drei Hauptfunktionen: Kühlen, Schmieren und Spülen. Gerade die Spülwirkung ist beim Wälzschälen entscheidend, insbesondere bei Innenverzahnungen. Durch die hohen Drehzahlen bleiben Späne aufgrund der Zentrifugalkräfte in den Zahnräumen hängen - ohne gezielte Spülung würden sie nicht abtransportiert. Mit steigenden Drehzahlen wird zusätzlich die Kühlleistung immer wichtiger, um die enorme Wärmeentwicklung im Griff zu behalten. Und bei sehr hohen Schnittgeschwindigkeiten spielt dann auch die Schmierung eine zunehmend große Rolle. Die Auswahl des geeigneten Mediums - Emulsion, Öl oder sogar Druckluft - hängt stark von Maschine, Werkzeug und Anwendung ab. Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob Öl, Emulsion oder andere Medien besser geeignet sind? In Universaldrehmaschinen setzt man häufig Emulsionen ein, weil sie vielseitig nutzbar sind und eine sehr gute Spülwirkung bieten. Spezialmaschinen hingegen, die aus der Verzahnungstechnik stammen, arbeiten oft mit niedrigviskosen Ölen. Diese ermöglichen eine sehr stabile Bearbeitung und sind besonders im Hochpräzisionsbereich vorteilhaft. Spannend sind auch alternative Ansätze: Wir haben gute Erfahrungen mit Druckluftspülung gemacht, da sie die Pflege der Maschinen erleichtert und Späne zuverlässig entfernt. Kryogene Kühlung mit CO₂ oder Stickstoff ist beim Wälzschälen derzeit noch kaum im Einsatz, könnte aber künftig eine Rolle spielen - vorausgesetzt, man kombiniert sie mit einer wirksamen Spülstrategie. Wie beurteilen Sie den Verschleiß an den Werkzeugen in der Praxis? Das ist tatsächlich ein zentrales Thema. Beim Wälzschälen kommt es durch die komplexe Kinematik häufig zu sehr ungünstigen Prozesswinkeln. Die Folge: hohe Temperaturen, negative Spanbedingungen und in der Praxis nicht selten Ausbrüche an den Schneiden. Wir arbeiten deshalb an präzisen Berechnungsmodellen, um vorherzusagen, wie sich der Verschleiß entwickelt. Nur wenn diese Grundlagen sauber gelöst sind, kann der Kühlschmierstoff seine volle Wirkung entfalten und die Standzeit verlängern. Wo kommt Wälzschälen heute am häufigsten zum Einsatz? In erster Linie in der Getriebefertigung, zum Beispiel bei Planetengetrieben für die Elektromobilität, aber immer stärker auch für Roboterachsen oder Ähnliches. Dort ist die Innenverzahnung eine der größten Herausforderungen - und genau hier ist Wälzschälen unschlagbar. Aber auch für Außenverzahnungen mit schwierigen Störkonturen bietet das Verfahren klare Vorteile. Im Vergleich zu Stoßen oder Räumen ist es schneller, präziser und flexibler. Wohin entwickelt sich die Methode in Zukunft? Der Trend geht klar in Richtung höherer Schnittgeschwindigkeiten, kombiniert mit intelligenter Prozessüberwachung. Bei Hartmetall kommt man hierbei in Bereiche ab 100 m/ min. Und es gibt tatsächlich Werkzeuge und Maschinenhersteller, die in Richtung 200-300 m/ min kommen. Das sind auch solche Schnittgeschwindigkeiten, die man eigentlich erwarten würde. Maschinen werden immer leistungsfähiger, und durch KI-gestützte Auswertung von Maschinendaten können wir Verschleiß oder Abweichungen künftig in Echtzeit erkennen. So lassen sich Prozesse optimieren und Werkzeugstandzeiten verlängern. Gleichzeitig steigt die Bedeutung integrierter Fertigung: Wälzschälen wird verstärkt in Universaldrehmaschinen eingebunden, sodass komplette Bearbeitungen - Drehen, Fräsen, Honen und Verzahnen - in einer Maschine möglich werden. Das spart Zeit, Energie und Ressourcen. Das Stichwort Ressourcen bringt uns direkt zum Thema Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt Ressourceneffizienz beim Wälzschälen? Eine sehr große. Ressourceneffizienz bedeutet nicht nur, weniger einzusetzen, sondern auch mit den- Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 42 20 Minuten mit … | Prof. Ruben Bauer über die Chancen des Wälzschälens selben Mitteln mehr zu erreichen. Wälzschälen ist hier ein Musterbeispiel: Durch die Kombination von Arbeitsschritten entfallen Transport- und Rüstzeiten. Zudem kann der richtige Kühlschmierstoff Werkzeugstandzeiten deutlich verlängern und Energieeinsatz reduzieren. Das Verfahren ist also nicht nur technologisch interessant, sondern auch ökologisch ein Gewinn. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen Maschinenbau und Schmierstoffindustrie? Aus meiner Sicht gibt es hier noch viel Potenzial. In Arbeitskreisen zur Verzahnungstechnik oder Antriebstechnik sitzt oft nur ein einzelner Vertreter der Schmierstoffindustrie - das ist zu wenig. Schmierstoffe sind kein Randthema, sondern ein zentrales Konstruktionselement. Je enger wir die Zusammenarbeit zwischen Maschinenbau, Werkzeug- und Schmierstoffherstellern gestalten, desto schneller können wir Innovationen vorantreiben. Nachhaltigkeit, Standzeit und Effizienz sind gemeinsame Themen, die wir nur zusammen erfolgreich bearbeiten können. Prof. Bauer abschließend: „Ohne Schmierstoffe läuft die Welt nicht. Beim Wälzschälen kann der richtige Kühlschmierstoff den entscheidenden Unterschied machen - zwischen erhöhtem Verschleiß und begrenzter Produktivität einerseits und einem effizienten, ressourcenschonenden Verfahren andererseits.” »« Eingangsabbildung: © istock.com/ Comeback Images 43 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 TErMInE datum ort Veranstaltung 30.9.-1.10.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul2/ 07.-08.10.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierfette/ 21.-23.10.2025 Maschinenüberwachung durch Ölanalysen für Einsteiger MLT I/ MLA I- Zertifikatskurs OilDoc Akademie Brannenburg oder Online https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ zertifikatskurs-mlamlt/ 05.-06.11.2025 Fa. OEST LUBRICANTS GmbH & Co. KG, Freudenstadt VSI TSA-Herbsttagung 2025 13.-14.11.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-infrarotspektroskopie/ 18.-25.11.2025 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ grundlagen-derschmierstoffanwendung/ 01.-04.12.2025 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-cls-zertifikat-vorbereitungskurs/ 13.-15.01.2026 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierung und Ölüberwachung für Getriebe https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-getriebe/ 03.-04.02.2026 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung II (Modul II Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul2/ 04.-05.02.2026 Schwabenlandhalle in Fellbach Schleiftagung 10.02.2026 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Kühlmittel - das unterschätzte Betriebsfluid https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-kuehlmittel/ 11.-12.02.2026 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierung und Ölüberwachung für stationäre Gasmotoren https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-gasmotoren/ 23.-26.02.2026 OilDoc Akademie Brannenburg Maschinenüberwachung durch Ölanalysen (für Fortgeschrittene) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-zertifikatskurs-mla2/ 15.-17.03.2026 München UNITI Wintertagung 17.-18.03.2026 OilDoc Akademie Brannenburg Zertifizierter Hydrauliköl-Spezialist https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-hydraulikoel-spezialist/ 11.-14.04.2026 Rom (Italien) ELGI - Annual General Meeting 20.-23.04.20226 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-cls-zertifikat-vorbereitungskurs/ Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 44 TErMInE datum ort Veranstaltung 21.-22.04.2026 Stuttgart UNITI Mineralöltechnologie-Forum (UMTF) 08.-12.09.2026 Messe Frankfurt a. M. Automechanika 15.-17.09.2026 Messe Düsseldorf Lubricant Expo 15.-19.09.2026 Messe Stuttgart AMB Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung 18.-19.11.2026 Schwabenlandhalle in Fellbach 33. Kühlschmierstoffforum (KSSF) Oktober 2025 Webinar 07. Oktober 2025 Auffrischungskurs REACH, CLP & SDB Webinar 08. Oktober 2025 Refresher Course REACH, CLP & SDS Lehrgang 14.-16. Oktober 2025 in Berlin, 1. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Webinar 27.-28. Oktober 2025 Kühlschmierstoffe November 2025 Webinar 04.-05. November 2025 Schmierstoffe Kompakt in englischer Sprache Lehrgang 11.-14. November 2025 in Berlin, 2. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Seminar 19.-20. November 2025 im Bantleon-Forum in Ulm Schmierstoffe Kompakt Lehrgang 25.-27. November 2025 in Dortmund Technischer Mineralölkaufmann/ Technische Mineralölkauffrau, 4. Modul Dezember 2025 Seminar 02.-03. Dezember 2025 in Berlin CLP-Einstufung und Kennzeichnung von Gemischen Webinar 08.-09. Dezember 2025 Schmierfette in englischer Sprache Januar 2026 27.-28.01.2026 Zertifizierte Fachkraft für Schmierstofftechnologie (ZFS | 1. Woche) März 2026 03.-05.03.2026 Technischer Mineralölkaufmann/ -frau (TMK | 1. Modul) 10.-13.03.2026 Zertifizierte Fachkraft für Schmierstofftechnologie (ZFS | 2. Woche) Juni 2026 09.-11.06.2026 Technischer Mineralölkaufmann/ -frau (TMK | 2. Modul) September 2026 22.-24.09.2026 Kühlschmierstoff-Seminar 24.-26.11.2026 Technischer Mineralölkaufmann/ -frau (TMK | 3. Modul) 01.-02.12.2026 CLP Praxisseminar UNITI Veranstaltungen Infos & Anmeldung unter register.oildoc.com! Seminare Seminare, die als Zertifikatskurse (z. B. CLS, MLA I & II, MLT), Weiterbildungsreihen, offene und maßgeschneiderte interne Schulungen angeboten werden. Präsentiert von erfahrenen Trainern mit praktischem Know-how und technisch aktuellem Wissen. Online-Trainings Lernen im Virtuellen Klassenzimmer - entweder über einen interaktiven Live-Stream oder als ondemand in Videoaufzeichnungen. Möglich auch als individuelles Coaching. Kostengünstig, bequem und von ausgebildeten Online-Trainern gestaltet. Beratung & Gutachten Individuelle Beratung über Video/ Telefon/ E-Mail oder vor Ort sowie Troubleshooting. Außerdem Erstellung von qualifizierten Gutachten durch Rüdiger Krethe (BDSH-geprüfter Sachverständiger für Schmierstoffe und Schmierstoff-Überwachung). Konferenzen OilDoc organisiert Konferenzen und Symposien für erfahrene Ingenieure, Anwendungsexperten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Die Veranstaltungen sind bekannt für hohen Praxisnutzen, gutes Networking und professionelle Abläufe. Ö l k a n n s p r e c h e n . L ernen Sie s eine S prache. Schwerpunkte: Schmierung · Tribologie · proaktive Wartung · Öl- und Zustandsüberwachung · Verschleißkontrolle · Schadensfrüherkennung · Optimierung von Ölwechselintervallen · Ölanalytik & vieles mehr Alle Fortbildungen als Präsenzseminar in der OilDoc Akademie in Brannenburg oder zum SONDERPREIS als Live-Video-Stream. 13.-15.01.26 Schmierung und Ölüberwachung für Getriebe 03.-04.02.26 Grundlagen der Schmierstoffanwendung II (Modul II Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 10.02.26 Kühlmittel - das unterschätzte Betriebsfluid 11.-12.02.26 Schmierung und Ölüberwachung für Gasmotoren 23.-26.02.26 Maschinenüberwachung durch Ölanalysen für Fortgeschrittene MLA II-Zertifikatskurs 03.-05.03.26 Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 10.-11.03.26 *VARNISH-SYMPOSIUM* Ablagerungen im Griff - Effizienz & Nachhaltigkeit im Fokus 17.-18.03.26 Zertifizierter Hydrauliköl-Spezialist OilDoc-Zertifikatskurs 24.-26.03.26 Schmierung und Ölüberwachung für Turbinen & Kompressoren 28.-29.04.26 Schmierung und Ölüberwachung für Verbrennungsmotoren 04.-07.05.26 Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs 11.-12.05.26 Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) Alle aktuellen Termine und ausführliche Informationen zu den konkreten Seminarinhalten, den Zielen und Zielgruppen finden Sie unter www.oildoc.de. Gerne können Sie uns auch persönlich kontaktieren unter Tel. +49 8034-9047-700. aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ Erleben Sie nach dem Seminar die Freitzeitmöglichkeiten im bayerischen Voralpenland! Egal ob Wandern, Therme, Bowling, Rodeln, Skifahren, Gasthaus, Pub, Kino - wir kennen uns hier aus und beraten Sie gern! Sie können nicht zu uns nach Brannenburg kommen? Kein Problem! Sie können trotzdem live beim Seminar dabei sein - auch kurzfristig! Die Kamera läuft die ganze Zeit während des Seminars mit und Sie sind von Ihrem Arbeitsplatz oder Home-Office live dabei! Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 46 nEUEs aUs dEM VErBand Die UNITI Fachabteilung Schmierstoffe war auf der diesjährigen ILMA Annual Meeting vertreten - der wichtigsten Jahreskonferenz der Independent Lubricant Manufacturers Association (ILMA) , dem führenden Verband der unabhängigen Schmierstoffhersteller in Nordamerika. Unsere Teilnahme unterstreicht die hohe Bedeutung des internationalen Austauschs und der engen Zusammenarbeit über europäische Grenzen hinaus - sowohl für unsere Mitglieder als auch für die gesamte Schmierstoffbranche. Im Rahmen des Metalworking Fluids (MWF) Committee informierte Dr. Stephan Baumgärtel als Vertreter der UNITI über aktuelle regulatorische Entwicklungen in der EU und deren Auswirkungen auf die metallverarbeitende Industrie. Im Mittelpunkt standen Themen wie PFAS-Beschränkungen, der Umgang mit chlorierten Paraffinen und die Zukunft formaldehydfreisetzender Biozide. Darüber hinaus stellte UNITI - vertreten durch Dr. Baumgärtel - dem Sustainability Committee der ILMA das gemeinsam von UEIL und ATIEL veröffentlichte „End-of- Life (EOL) Best Practices“-Dokument vor. Dieses Leitpapier bietet praxisnahe Empfehlungen für ein nachhaltiges Management von Schmierstoffen und Fetten am Ende ihres Lebenszyklus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und verantwortungsvoller Entsorgung in der internationalen Schmierstoffindustrie. Unsere Botschaft war klar: ⇒ Überregulierung gefährdet Innovation und behindert die weltweite Nutzung zugelassener, sicherer Produkte. Als Verband sehen wir es als unsere Aufgabe, die Industrie bei der Umsetzung von HSE-Anforderungen zu unterstützen und den sicheren Umgang mit Schmier- und Kühlschmierstoffen aktiv zu fördern. Auch UEIL-Präsident Mattia Adani nahm Stellung zu den aktuellen Herausforderungen der europäischen Industrie im Rahmen des Clean Industrial Deal. Er verdeutlichte das Spannungsfeld zwischen höchsten Umwelt- und Sozialstandards, freiem Handel und industrieller Stärke - ein „Trilemma“, das Europa nur lösen kann, wenn es auf realistische Ziele setzt. Seine Worte fanden große Zustimmung und spiegeln zentrale Anliegen auch unserer Mitglieder wider. Darüber hinaus diskutierten Branchenexperten über die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen und betonten die Bedeutung von Kundenanforderungen sowie alternativen Energieträgern wie erneuerbaren Kraftstoffen, Gas und synthetischen Fuels. Mit unserem Engagement auf der ILMA-Konferenz setzen wir ein deutliches Zeichen: UNITI steht für eine starke, verantwortungsvolle und international vernetzte Schmierstoffindustrie. UNITI beim 60. UEIL Annual Congress 2025 In dieser Woche traf sich die europäische Schmierstoffbranche zum 60. UEIL Annual Congress am Lago Maggiore - dem wichtigsten Branchentreffen für Austausch, Strategie und Zukunftsfragen der Schmierstoffindustrie in Europa. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung, Digitalisierung und KI sowie die neuesten regulatorischen Entwicklungen auf EU-Ebene. Für den UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. nehmen aus dem Kompetenzbereich Schmierstoffe Dr. Stephan Baumgärtel, Leiter Schmierstoffe, und Dr. Maren Ohnesorge, Leiterin Chemikalienrecht und Arbeitssicherheit, teil. Beide bringen die fachliche Expertise und Positionen unserer Mitgliedsunternehmen - vom mittelständischen Spezialisten bis zum internationalen Konzern - aktiv in den europäischen Dialog ein. Dabei geht es nicht nur um den fachlichen Austausch, sondern auch darum, die Interessen unserer Mitglieder auf EU-Ebene sichtbar zu machen, Impulse für praxisnahe Regulierung zu setzen und Netzwerke zu stärken. Ein besonderes Highlight: Das Regulatory Update mit Dr. Stephan Baumgärtel, der einen aktuellen Überblick zu REACH und den Auswirkungen auf die Schmierstoffindustrie gibt. Anwesend waren zudem Vertreter der Kommission (Joint Research Center JRC), die wichtige Einblicke in die zukünftige Gestaltung Vorgaben zu Ecodesign und SSbD („safe and sustainable by design“) gaben und auch ein offenes Ohr für die Betroffenheit unserer Industrie hatten. So trägt UNITI dazu bei, dass die Stimme der deutschen Schmierstoffindustrie auch auf europäischer Ebene Gehör findet - für eine innovative, nachhaltige und wettbewerbsfähige Branche. »« 47 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 nEUEs aUs dEr BrancHE Information zur Neufassung der VDI 3035 Neufassung der VDI-Richtlinie 3035 „Gestaltung von Werkzeugmaschinen, Fertigungsanlagen und peripheren Einrichtungen für den Einsatz von Bearbeitungsmedien (Kühlschmierstoffe, Umformschmierstoffe)“ Die erfolgreiche Konstruktion und Produktion von Fertigungseinrichtungen für den Einsatz von Kühlschmierstoffen erfordert eine gute Kenntnis der Wechselwirkungen zwischen Anlagen und Bearbeitungsmedien. Seit mehreren Jahrzehnten bietet die VDI-Richtlinie 3035 dem interessierten Leser in kompakter Form eine Informationsquelle zum Thema Kühlschmierstoff und Werkzeugmaschine. Die Richtlinie bildet den aktuellen Stand der Technik ab. Sie kann in diesem Sinn die Kommunikation in der Lieferkette verbessern und bietet den Akteuren Rechtssicherheit bei Ihrer Anwendung. Die VDI-Richtlinie 3035 ist vor allem für Konstrukteure und Einkäufer von Werkzeugmaschinen von großem Interesse. Sie wurde grundlegend überarbeitet. In die neue Fassung sind aktuelle Erkenntnisse zur Verträglichkeit von modernen Kühlschmierstoffen mit in der Werkzeugmaschine verwendeten Konstruktions-werkstoffen, sowie zum Thema Energieeffizienz eingebracht worden. Um den Gültigkeitsbereich der Richtlinie auszuweiten und der Terminologie der Definitionsnorm DIN 51 385 - Schmierstoffe; Bearbeitungsmedien für die Umformung und Zerspanung von Werkstoffen Begriffe - anzupassen, wurde der Begriff „Kühlschmierstoff “ durch „Bearbeitungsmedium“ ersetzt. Dadurch gilt die Richtlinie jetzt auch für den Bereich Umformung Um die Richtlinie besser handhabbar zu machen und sie schneller an den jeweiligen Stand der Technik anpassen zu können ist sie in zwei Blätter aufgeteilt worden. Das Blatt 1 der Richtline wurde um den Abschnitt „Energieeffizienz“ ergänzt. Blatt 2 - Materialauswahl bei der Gestaltung von Werkzeugmaschinen, Fertigungsanlagen und peripheren Einrichtungen für den Einsatz von Bearbeitungsmedien (Kühlschmierstoffe, Umformschmierstoffe) - wurde auf das Thema Materialverträglichkeit fokussiert. > VDI 3035 Blatt 1 Gestaltung von Werkzeugmaschinen, Fertigungsanlagen und peripheren Einrichtungen für den Einsatz von Bearbeitungsmedien (Kühlschmierstoffe, Umformschmierstoffe) • Der Weißdruck ist im Februar 2024 offiziell erschienen und ersetzen die Version vom Mai 2008. - Redaktionelle Änderungen, Herausnahme Materialverträglichkeit • Preis: 93,80 EUR > VDI 3035 Blatt 2 Materialauswahl bei der Gestaltung von Werkzeugmaschinen, Fertigungsanlagen und peripheren Einrichtungen für den Einsatz von Bearbeitungsmedien (Kühlschmierstoffe, Umformschmierstoffe) • Der Weißdruck ist im Februar 2024 offiziell erscheinen und ersetzen die Version vom Mai 2008. - Fokussierung auf das kritische Thema der Materialverträglichkeit - Aktuelle Erkenntnisse zur Kunststoffverträglichkeit - Nennung VSI-Prüfmethode, Referenzfluide • Preis 59,70 EUR Information zum aktuellen Stand der VDI 3397 Blatt 1 bis 4 > VDI 3397 Blatt 1 Bearbeitungsmedien (BM) für die Umformung und Zerspanung - Kühlschmierstoffe, Umformschmierstoffe, Minimalmengenschmierstoffe, Multifunktionsöle • Letze Neuerscheinung März 2020 - Wird zurzeit auf Aktualität überprüft • Preis: 101,00 EUR > VDI 3397 Blatt 2 Pflege von Kühlschmierstoffen für spanende und umformende Fertigungsverfahren - Maßnahmen zur Qualitätserhaltung, Prozessverbesserung, Abfall- und Abwasserverminderung • Letzte Neuerscheinung Juni 2014 • Überarbeitung abgeschlossen Gründruck wird demnächst veröffentlicht - Redaktionelle Änderungen, Digitalisierung, Online-Analytik • Preis: 121,20 EUR > VDI 3397 Blatt 3 Entsorgung von Kühlschmierstoffen • Letzte Neuerscheinung Oktober 2016 • In Überarbeitung - Redaktionelle Änderungen, - Neuer Titel: Nachhaltige Wiederverwendung, Aufbereitung und Entsorgung von gebrauchten Bearbeitungsmedien / Kühlschmierstoffen - Überprüfung des Stands der Technik. - Hinweise zum Vermeiden, Wiederverwenden. - Voraussichtliche Fertigstellung in Ende 2025 • Preis: 69,60 EUR > VDI 3397 Blatt 4 Mikrobiologie in wassergemischten Kühlschmierstoffen - Maßnahmen zur Verlängerung der Anwendungsdauer und der Qualitätserhaltung von wassergemischten Kühlschmierstoffen • Letzte Neuerscheinung Juni 2020 • In Überarbeitung - Inhaltliche Überarbeitung - Voraussichtliche Fertigstellung in Mitte 2026 • Preis: 117,10 EUR Die Richtlinien sind zu Beziehen über den DIN Media Verlag unter DIN Media - Normen, Standards & Fachliteratur kaufen - seit 1924 Schmierfette - neue, überlegene Methode im Einsatz OELCHECK ist weltweit eines der wenigen Labore, die gebrauchte Schmierfette untersuchen. Die Bestimmung der Verschleiß- und Additivelemente erfolgt seit 2023 mittels ICP-OES und vorhergehendem Druckaufschluss mit Mikrowelle. Nach über 40.000 analysierten Proben steht nun fest: Die neue Methode ermöglicht vor allem bei der Definition von Trends genauere Ergebnisse und damit eine noch präzisere Früherkennung etwaiger Schäden. Mehr als 40.000 Proben unterschiedlichster Schmierfett- Typen und Einsatzbereiche wurden seit dem Sommer 2023 mittels ICP-OES 1 und mikrowellenunterstütztem Druckaufschluss bei OELCHECK analysiert. Im Labor hat sich 1 Optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma nEUEs aUs dEr BrancHE Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 48 Neues aus der Branche das Verfahren bestens bewährt. Dabei hat sich ein Vorteil besonders herauskristallisiert: Vor allem bei der Betrachtung von Trendverläufen ist eine wesentlich geringere Schwankungsbreite bei den Verschleiß- und Additivelementen zu verzeichnen. Im Endeffekt profitieren die Kunden damit von einem eindeutigeren Trendverlauf und noch präziseren Kommentaren der OELCHECK Tribologen. ICP-OES versus RDE-OES - ein Beispiel verdeutlicht die Unterschiede Untersucht wurde ein synthetisches Lithiumkomplex- Schmierfett aus dem Hauptlager einer Windenergieanlage. Dieses Lager trägt die Rotorwelle der Anlage und ermöglicht der Rotorwelle ihre Drehung. Vier Jahre lang hat OELCHECK Trendverläufe dieses Schmierfetts analysiert - zunächst zwei Jahre mit RDE-OES 2 , anschließend zwei Jahre mit ICP-OES. In den Diagrammen sind die Werte der wichtigsten Verschleißsowie Additivelemente - und zwar in ihrer Schwankungsbreite über vier Jahre - abgebildet. Im Gegensatz zum ICP-OES Verfahren weist die RDE-OES-Methode deutlich höhere Streuungen auf - nicht nur bei Eisen, sondern auch bei weiteren Elementen. Diese Schwankungen sind nicht zufällig aufgetreten. Sie konnten bei vielen vergleichenden Analysen festge- 2 Optische Emissionsspektrometrie nach dem Rotrode-Prinzip stellt werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bei der Untersuchung mittels ICP-OES werden sämtliche Störfaktoren mit dem vorhergehendem mikrowellenunterstützen Druckaufschluss ausgeblendet. Damit haben eine etwaige Inhomogenität der Fettprobe oder Mischungen keine verzerrenden Auswirkungen mehr auf die Bestimmung der Verschleiß- und Additivelemente. Im OELCHECK Labor „schließt“ Salpetersäure in starken Mikrowellengeräten jede Fettprobe erst einmal vor ihrer Untersuchung auf. Dabei wird der Verdicker aus dem Fett entfernt. Erst die so gewonnene klare, wässrige Lösung wird der ICP-OES zugeführt. Für die Durchführung von Fettanalysen gibt es keine verbindlichen Normen. Doch die ICP-OES Methode ermöglicht die Untersuchung der wässrigen, aus den Fetten extrahierten Lösungen gemäß DIN EN ISO 11885. FAZIT: Die Bestimmung der Verschleiß- und Additivelemente in Schmierfetten mittels ICP-OES und vorhergehendem Druckaufschluss mit einer Mikrowelle hat sich im OELCHECK Labor absolut bewährt. Vor allem bei der Definition von Trends ermöglicht sie genauere Ergebnisse und damit eine noch präzisere Früherkennung etwaiger Schäden. »« Vergleich der Schwankungsbreiten der RDE-OES-Methode und ICP-OES-Methode für unterschiedliche Elemente Lubricants for your success + Wassermischbare und nicht-wassermischbare Kühlschmierstoffe + Schmierstoffe für die Umformung + Industrieöle + Hochleistungsindustriefette + Korrosionsschutzmittel + Motoren-, Hydraulik- und Getriebeöle + Bioschmierstoffe + Sägekettenöle EXPERTLY DONE. Zeller+Gmelin GmbH & Co. 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