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Schmierstoff + Schmierung
2699-3244
expert verlag Tübingen
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SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG 1 26 Schwerpunktthemen: DIN5102 - Die Mutter der Schmierstoffnormen Mikroplastik in Schmierstoffen SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV Leader in High Performance Specialty Oil Solutions. Unrivaled consistency, global smart logistics and dedicated technical experts for base oils you can trust. Explore all of Ergon’s specialty oil solutions at ergonspecialtyoils.com. NOR TH & S O U TH AME R ICA I E U ROPE I MIDDLE E AS T I A FR ICA I AS IA Visit us at the Ergon-sponsored Hospitality Lounge at UMTF 2026, April 21-22. 1 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 APRIL 2026 7. JAHRGANG Rubriken  2 Editorial 25 20 Minuten mit … 30 Termine 35 Neues aus dem Verband 37 Neues aus der Branche Inhalt INHALT 2 Schmierstoff UND Schmierung 5 SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV 10 Schmierfette: Neue Generation von Verdickern - Polyamid 12 Mikroplastik in Schmierstoffen - Technische Funktion, industrielle Anwendung und europäische Regulierung 15 DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen: Brandneu und komplett überarbeitet 20 DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung - Technische Normung für Kraftstoffe, Brennstoffe und Schmierstoffe 22 Kühlmittel für E-Autos - Neue Maßstäbe für die Sicherheit der Batteriesysteme 25 20 Minuten mit … Prof. Oliver Kuhn 30 Termine 35 Neues aus dem Verband 37 Neues aus der Branche Braun Fluidservice GmbH Osterholten 23 46348 Raesfeld Fon: +49 (0) 2865 26699 66 info@bfs-fluidservice.de www.bfs-fluidservice.de SAUBERES ÖL — PROFESSIONELLER SERVICE WIR BIETEN INDIVIDUELLE LÖSUNGEN! Ölanalytik Ölfiltration Öltrocknung Varnishbehandlung Systemoptimierung oder Revision kompletter Ölsysteme #OIL IS AN ASSET 3 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Editorial Schmierstoff UND Schmierung Zwischen Regulierung, Innovation und technischer Verantwortung Liebe Leserinnen und Leser, das Jahr 2026 beginnt für die Schmierstoff branche mit einer Vielzahl technischer, regulatorischer und wirtschaftlicher Fragestellungen. Während Schmierstoffe seit jeher als Schlüsseltechnologie moderner Industrie- und Mobilitätsanwendungen gelten, verändert sich ihr Umfeld derzeit schneller und komplexer als in vielen Jahren zuvor. Neue regulatorische Anforderungen, technologische Entwicklungen sowie sich wandelnde Märkte verlangen von Herstellern, Anwendern und Entwicklern gleichermaßen hohe Anpassungsfähigkeit und technische Expertise. Ein Beispiel hierfür ist die aktuelle Diskussion um „Substituierte DiPhenylAmine“ (SDPAs) und deren mögliche Neubewertung im Rahmen der Gefahrenklassifizierung. Als zentrale Komponenten u. a. moderner Motorölformulierungen könnten sie ggf. ab 2027 oder 2028 unter deutlich strengeren regulatorischen Rahmenbedingungen stehen. Für die Schmierstoffindustrie wäre dies von erheblicher Tragweite - nicht nur aus formulierungstechnischer Sicht, sondern auch mit Blick auf nationale Anforderungen an Handel, Distribution und Produktkommunikation. Ein Beitrag in dieser Ausgabe gibt einen kompakten Überblick über die möglichen Entwicklungen und ihre potenziellen Auswirkungen auf die Branche. Auch in der Schmierfetttechnologie zeigen sich derzeit deutliche Veränderungsprozesse. Lithiumseifen dominieren nach wie vor den globalen Schmierfettmarkt, doch steigende Rohstoffpreise und regulatorische Diskussionen um Lithiumverbindungen erhöhen den Druck, alternative Verdickersysteme zu entwickeln. Neue Ansätze, etwa auf Basis von Polyamid-Verdickern, zeigen, wie intensiv an Lösungen gearbeitet wird, die sowohl technologische Anforderungen als auch zukünftige Rahmenbedingungen berücksichtigen. Ein weiteres zentrales Thema dieser Ausgabe ist die Überarbeitung der zentralen Klassifikationsnorm für Schmierstoffe und verwandte Stoffe DIN 51502 Teil 1 bis 8. Diese wurde grundlegend überarbeitet und im März 2026 neu veröffentlicht. Die neue Ausgabe der Norm, die erstmals aus 8 Teilen besteht, bringt eine modernisierte, logisch strukturierte Bezeichnungssystematik mit sich. Ziel ist es, die Klassifikation von Schmierstoffen klarer, einheitlicher und anwenderfreundlicher zu gestalten. Gerade für Betreiber, Schmierstoff berater und Instandhalter, die im Alltag schnelle und sichere Entscheidungen treffen müssen, stellt eine verständliche Normstruktur einen wichtigen Beitrag zur Betriebssicherheit und Effizienz dar. Auch die europäische Diskussion um Mikroplastik erreicht zunehmend die Schmierstoffindustrie. Während feste Polymermikropartikel als Materialien gezielt in vielen Anwendungen eingesetzt werden - etwa als Festschmierstoffe oder strukturgebende Komponenten - wächst gleichzeitig der regulatorische Druck, ihren möglichen Eintrag in die Umwelt zu begrenzen. Die aktuelle EU-Verordnung bringt daher neue Informations- und Dokumentationspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 4 Editorial Herausgeber: UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e.V. Jägerstraße 6 · 10117 Berlin redaktion: Stephan Baumgärtel Petra Bots Elisabeth Götze Manfred Jungk Rüdiger Krethe Ulrich Sandten-Ma © 2026 expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe nur mit Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie die Inhalte von Interviews geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Verlag: expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5, 72070 Tübingen Telefon: +49 (0)7071 97 97 0 www.expertverlag.de Geschäftsführer: Robert Narr Programmleitung: Ulrich Sandten-Ma Telefon: +49 (0)7071 9 75 56 56 eMail: sandten@verlag.expert anzeigenverwaltung: Oliver Solbach Telefon: +49 (0)7071 97 97 12 eMail: solbach@narr.de anzeigenverkauf: Stefanie Richter Telefon mobil: +49 171 2034663 eMail: richter@narr.de Erscheinungsweise: 4 Hefte pro Jahr druck: Elanders Waiblingen GmbH Anton-Schmidt-Str. 15 71332 Waiblingen titelfoto: © David Zarzosa - stock.adoba.com Bildrechte Inhaltsverzeichnis: © bidala-- stock.adobe.com ▪ © manassanant-- stock.adobe.com ▪ © Arsenii-- stock.adobe.com ▪ © Alexander Limbach - stock.adobe.com 7. Jahrgang 2026, Heft 1 ISBN 978-3-381-14941-4 ISSN 2699-3244 sich. Ein Beitrag dieser Ausgabe ordnet die technischen Hintergründe, regulatorischen Entwicklungen und praktischen Konsequenzen für die Schmierstoffbranche ein. Besonders spannend ist in dieser Ausgabe erneut unsere Interviewreihe „20 Minuten mit …“. Im Gespräch mit Oliver Kuhn, Leiter Anwendungstechnik bei Liqui Moly, wird deutlich, wie stark sich der Automotiveschmierstoffmarkt derzeit im Wandel befindet. Elektrifizierung, Hybridisierung, regionale Marktunterschiede sowie zunehmende regulatorische Anforderungen führen dazu, dass sich der Schmierstoffmarkt nicht linear verändert, sondern in mehreren parallelen Transformationsprozessen. Für Hersteller bedeutet dies vor allem eines: steigende technische und strategische Komplexität. Auch das globale Umfeld trägt zu dieser Situation bei. Geopolitische Spannungen, verschobene Handelsstrukturen und eine zunehmende Fragmentierung internationaler Märkte stellen die europäische Industrie vor zusätzliche Herausforderungen. Für die Schmierstoff branche kommt dies zu bestehenden regulatorischen Anforderungen und steigenden Dokumentationspflichten hinzu - Faktoren, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht einfacher machen. Umso wichtiger bleibt der kontinuierliche Austausch von Wissen, Erfahrungen und technischen Entwicklungen innerhalb unserer Branche. Genau hierzu möchte die Schmierstoff + Schmierung auch in dieser Ausgabe wieder einen Beitrag leisten. Ich wünsche Ihnen eine spannende und erkenntnisreiche Lektüre. Herzliche Grüße Ihr Redaktionsteam der Schmierstoff + Schmierung »« © Ivan Uralsky - stock.adobe.com / Olivier Le Moal - stock.adobe.com 5 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 FacHartikEl SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV Dr. Stephan Baumgärtel Hinter den beiden Begriffen verbergen sich erhebliche Konsequenzen für die Schmierstoffunternehmen. Als zentraler Bestandteil moderner Schmierstoffformulierungen könnten SDPAs ab 2027 oder 2028 einer verschärften Gefahrenklassifizierung unterliegen. Damit geriete ein zentraler Bestandteil moderner Motoröle unter massiven regulatorischen Druck. Ein kurzer Überblick mit Fokus auf die potenziellen nationalen Folgen für Schmierstoffhandel und -distribution. Die Europäische Union steht vor einer regulatorischen Entscheidung mit weitreichenden Folgen für die globale Schmierstoffindustrie. Sogenannte „Substituierte DiPhenylAmine“ (SDPA), seit Jahrzehnten als Antioxidantien genutzte Additive und zentrale Bestandteile moderner Schmierstoffformulierungen, könnten ab 2027 oder 2028 einer deutlich verschärften Gefahreneinstufung unterliegen. Damit geraten wichtige Komponenten zur Verbesserung der Alterungsbeständigkeit in Motorölen und anderen Schmierstoffen unter massiven regulatorischen Druck. Ohne diese Antioxidantien wären Schmierstoffe deutlich kurzlebiger oder sogar völlig unbrauchbar. Häufig wird dies als vor allem europäisches Thema wahrgenommen. Tatsächlich dürften die praktischen Auswirkungen in Deutschland jedoch deutlich früher und spürbarer eintreten - insbesondere durch das Zusammenspiel mit der nationalen Chemikalien- Verbotsverordnung (ChemVerbotsV). Für Hersteller, Dr. Stephan Baumgärtel Nach dem Studium der Chemie war Dr. Baumgärtel in verschiedenen Positionen in Frankreich, Deutschland und England in Forschung und Entwicklung von Schmierstoffen für einen internationalen Konzern tätig, bevor er die Position des Abteilungsleiters Schmierstoffe beim VSI übernommen hat. Seit 2010 ist er Geschäftsführer des VSI. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 6 Fachartikel | SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV Händler und Anwender von Schmierstoffen zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen entlang der gesamten Vertriebskette ab. ChemVerbotsV verstärkt EU-Regulierung Die ChemVerbotsV regelt in Deutschland den Verkauf, die Abgabe und den Umgang mit besonders gefährlichen Stoffen und Gemischen. Sie greift automatisch, sobald Produkte z. B. als reproduktionstoxisch der Kategorien 1A oder 1B eingestuft sind, d. h. die menschliche Gesundheit durch Kontakt mit diesen Stoffen beeinträchtigt werden könnte. Sollte die geplante Einstufung von SDPA als „Reproduktionstoxisch, Kategorie 1B“ („CMR 1B“) erfolgen, hätte dies unmittelbare nationale Konsequenzen - unabhängig davon, ob ein später erfolgendes EU-weites Abgabeverbot an Verbraucher ausgesprochen wird. Schmierstoffe oder Additivpakete mit einem SDPA-Gehalt von ≥ 0,3 Prozent würden damit in Deutschland unter die strengen Abgaberegeln der ChemVerbotsV fallen. Für viele Produkte bedeutet dies faktisch das Ende des freien Verkaufs an private Endkunden. Auswirkungen auf den Schmierstoffhandel Von einer nationalen Anwendung der Chemikalien- Verbotsverordnung im Zuge einer möglichen Neueinstufung von SDPA wäre insbesondere der Schmierstoffhandel betroffen - vor allem dort, wo entsprechende Produkte bislang breit und niedrigschwellig verfügbar sind. Dazu zählen Autohäuser und Werkstätten, Tankstellen, der Kfz-Teilehandel, Baumärkte, der Onlinehandel sowie Großhändler mit direktem Endkundengeschäft. Mit einer Einstufung als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B würden für zahlreiche Schmierstoffe automatisch die Abgabevorschriften der ChemVerbotsV greifen. Diese sehen unter anderem Abgabeverbote an Verbraucher vor, sofern keine Ausnahmeregelungen bestehen, sowie verpflichtende Sachkundenachweise für das abgebende Personal - etwa in Autohäusern, Werkstätten oder Tankstellen. Hinzu kommen umfangreiche Dokumentations- und Meldepflichten, Einschränkungen bei der Selbstbedienung sowie verbindliche Beratungspflichten beim Verkauf. Für viele Händler würde dies einen erheblichen organisatorischen und wirtschaftlichen Mehraufwand bedeuten, der insbesondere bei geringem Produktumschlag kaum darstellbar ist. In der Praxis ist daher davon auszugehen, dass zahlreiche Verkaufsstellen den Vertrieb betroffener Schmierstoffe einstellen würden, anstatt in Schulungen, Dokumentationssysteme und angepasste Prozesse zu investieren. In der Folge zeichnet sich eine Fragmentierung der Produktverfügbarkeit ab. Wahrscheinlich ist eine Zweiteilung des Marktes in einen „professionellen“ Bereich (Werkstätten etc.) und den privaten Endkundenmarkt. Während Werkstätten, Industrie und Flottenbetreiber weiterhin - wenn auch unter strengeren Auflagen - über spezialisierte Vertriebswege beliefert werden könnten, würden viele klassische Motoröle und Schmierstoffe mit SDPA-Gehalten oberhalb der relevanten Schwellenwerte für private Verbraucher faktisch nicht mehr verfügbar sein. Für Endkunden hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf Ölwechsel, Nachfüllungen und Wartungsarbeiten, die nur noch mit speziell reformulierten Produkten durchgeführt werden könnten - vorausgesetzt, diese stehen rechtzeitig in ausreichender Menge zur Verfügung und erfüllen die technischen Anforderungen. Neben der Abgabeproblematik ist zudem mit verschärften Anforderungen an Lagerung und Transport zu rechnen. Schmierstoffe mit höheren SDPA-Gehalten könnten unter zusätzliche Gefahrgutvorschriften fallen, was Anpassungen von Lagerkonzepten, getrennte Lagerhaltung, neue Kennzeichnungs- und Verpackungsvorgaben sowie steigende Transportkosten nach sich ziehen würde. Gerade kleinere und mittelständische Handelsunternehmen wären von diesen zusätzlichen Anforderungen überproportional betroffen. Auch Autohäuser, Werkstätten und Servicebetriebe geraten mittelbar unter Druck, selbst wenn sich die ChemVerbotsV formal auf die Abgabe an Verbraucher konzentriert. Eine eingeschränkte Marktverfügbarkeit gängiger Motoröle führt zu Unsicherheiten bei der Produktauswahl im Rahmen von Wartungen, bei der Einhaltung von OEM-Freigaben und Gewährleistungsanforderungen sowie bei Haftungsfragen im Falle von Substitutionen. Hinzu kommt der organisa- Bedeutung von SDPA für moderne Schmierstoffe SDPA gehören zu den leistungsfähigsten Antioxidantien in der Schmierstoffchemie. Sie unterbrechen radikalische Oxidationsketten bei hohen Temperaturen, verlängern die Ölstandzeit, stabilisieren die Viskosität und ermöglichen verlängerte Ölwechselintervalle. Aus diesem Grund sind C4-, C8- und C9-SDPA heute in rund 90 bis 95 Prozent aller Motoröle weltweit enthalten - sowohl im Automotiveals auch im Industriebereich. Ihre Bedeutung reicht weit über Pkw-Anwendungen hinaus: Marine-, Bahn-, Luftfahrt- und Industrieschmierstoffe sind gleichermaßen auf die hohe thermische Stabilität und Systemverträglichkeit dieser Antioxidantien angewiesen. Der globale Verbrauch geht in die Zehntausende Tonnen pro Jahr, bei einer weltweiten Diphenylamin-Produktion von rund 580.000 Tonnen. MEDIENTIPP Walter Holweger, Joachim Schulz Wechselwirkung von Additiven mit Metalloberflächen Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 2022, 249 Seiten ISBN print 978-3-8169-3543-8 ISBN eBook 978-3-8169-8543-3 DOI 10.24053/ 9783816985433 Ladenpreis print €[D] 88,00 Ladenpreis eBook €[D] 70,40 + kritische Auswertung vorhandener Literatur und bestehender Modelle + hilft Probleme des Arbeitsalltags besser zu verstehen + Grundlage zu weiteren Arbeiten und Diskussionen In der Ausbildung von Maschinenbauer: innen und Fertigungstechniker: innen wird auf die Schmierstoffe nur so weit eingegangen, als diese existieren und einen Einfluss auf die Tribosysteme haben. Eine tiefergehende Beschäftigung findet mit Hinweis auf die komplexen chemischen Zusammenhänge nicht statt. Das vorliegende Buch bringt Licht in die „dunkle“ Seite der Tribologie und erklärt die Funktion des „Zwischenstoffs“. Dazu wird die bestehende Literatur kritisch ausgewertet. Ergänzend werden Modelle vorgestellt. Die Monografie verhilft den Lesenden zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkungen auf der Metalloberfläche und in der Randschicht von Bauteilen. expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 8 Fachartikel | SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV torische Aufwand, mehrere Produktlinien parallel vorzuhalten. Besteht keine technisch gleichwertige Alternative, steigt zudem das Risiko, dass Schmierstoffe eingesetzt werden, die nicht optimal auf moderne Motoren abgestimmt sind - mit möglichen Folgen für Motorhaltbarkeit, Emissionen und Wartungskosten. Vor diesem Hintergrund kommt der nationalen Umsetzung besondere Bedeutung zu. Der deutsche Markt nimmt innerhalb Europas eine Schlüsselrolle ein, und eine konsequente Anwendung der ChemVerbotsV hätte über Deutschland hinaus Signalwirkung für andere Mitgliedstaaten mit vergleichbaren nationalen Regelwerken. Deutschland würde damit faktisch zum Testfeld für die praktische Umsetzung der SDPA-Regulierung - mit potenziell richtungsweisenden Auswirkungen auf Handel, Distribution und Produktverfügbarkeit im gesamten europäischen Schmierstoffmarkt. Die Umsetzung der durch Chem- VerbotsV erzwungenen Maßnahmen wären auch das Technische und industrielle Konsequenzen Ein Verbot oder eine starke Einschränkung von SDPA würde die Schmierstoffindustrie vor eine der größten Umbruchphasen der vergangenen Jahrzehnte stellen. Nahezu alle betroffenen Produkte müssten reformuliert und anschließend über zeit- und kostenintensive OEM-Freigabeprogramme neu qualifiziert werden. Besonders kritisch ist die Tatsache, dass bislang keine „Drop-in“-Alternativen existieren, die das Leistungsprofil von SDPA vollständig abdecken. Versuche mit gehinderten Phenolen, anderen alkylierten Diphenylaminen oder hybriden Antioxidantien zeigen bislang Defizite bei Hochtemperaturstabilität, beim Oxidationsschutz oder in der Langzeitverträglichkeit - insbesondere in Kombination mit modernen Abgasnachbehandlungssystemen. Industrieverbände wie der europäische Automobilherstellerverband ACEA warnen zudem vor funktionalen Risiken. SDPA sind entscheidend, um anspruchsvolle Oxidationstests wie den CEC L-109 zu bestehen, der als Schlüsselprüfung für moderne Heavy-Duty-Motoröle gilt. Ein Wegfall dieser Antioxidantien könnte zu beschleunigtem Ölabbau, höherem Verschleiß, steigenden Wartungskosten und letztlich zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen führen. MEDIENTIPP Frank H. Witt Künstliche Intelligenz: Transformation und Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft 1. Auflage 2025, 222 Seiten ISBN print 978-3-381-13071-9 ISBN eBook 978-3-381-13072-6 DOI 10.24053/ 9783381130726 Ladenpreis print €[D] 24,90 Ladenpreis eBook €[D] 19,99 + analysiert die moderne, globale Gegenwartsgesellschaft + berücksichtigt die multiplen Gegenwartskrisen + zeigt Szenarien für eine Krisenbewältigung auf Sicht von einem Jahrzehnt auf Im Buch wird die Frage erörtert, wie sich die moderne, globale Gegenwartsgesellschaft und damit auch das Alltagsleben von Individuen sowie institutionalisierter Politik, Wirtschaft und Bildung bei zunehmender Entkopplung von Intelligenz und individuellem Bewusstsein verändert und weiter verändern wird. Dabei wird die sich beschleunigende technologische Entwicklung nicht einfach nur als Ursache gesehen, sondern es wird der Druck der multiplen Gegenwartskrisen auf soziale Systeme und ihre weitere Entwicklung berücksichtigt. www.uvk.de Anzeige 9 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-SDPA-Einstufung und ChemVerbotsV Ende des harmonisierten Marktes in der EU, zumindest für die meisten Motoröle. Fazit Die geplante EU-Neueinstufung von SDPA und ihre möglichen Folgen durch die Chemikalien-Verbotsverordnung werfen für den deutschen Schmierstoffmarkt eine Reihe offener Fragen auf. Sollten SDPA tatsächlich als CMR 1B eingestuft werden, könnten sich die Auswirkungen insbesondere im Handel frühzeitig bemerkbar machen - etwa durch eingeschränkte Abgabemöglichkeiten an private Endkunden, erhöhte Dokumentationspflichten oder eine Verlagerung des Vertriebs hin zu professionellen und industriellen Anwendern. Gleichzeitig ist absehbar, dass nicht alle betroffenen Produkte kurzfristig durch technisch gleichwertige Alternativen ersetzt werden können, da Reformulierungen, Prüfprogramme und OEM-Freigaben Zeit benötigen. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich unterschiedliche Handlungsoptionen ab. Einige Marktteilnehmer dürften frühzeitig beginnen, SDPA-Gehalte zu überprüfen, Produktportfolios zu segmentieren oder alternative Rezepturen zu erproben. Andere könnten abwarten, bis regulatorische Entscheidungen final vorliegen, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Beide Ansätze bergen Chancen und Risiken: Ein vorschnelles Handeln kann zu unnötigem Aufwand führen, ein zu langes Zögern hingegen zu Lieferengpässen oder Marktverlusten, falls nationale Regelungen kurzfristig greifen. Für Händler stellt sich weniger die Frage einer vollständigen Neuausrichtung als vielmehr die der Vorbereitung. Transparenz über betroffene Produkte, Kenntnis der eigenen Rolle in der Lieferkette und ein realistischer Blick auf die Anforderungen der Chem- VerbotsV können helfen, spätere operative Brüche zu vermeiden. Hersteller wiederum stehen vor der Herausforderung, technische Entwicklung, regulatorische Bewertung und Markterwartungen miteinander zu synchronisieren. Ob und wann konkreter Handlungsbedarf besteht, hängt letztlich vom weiteren Verlauf des EU- Verfahrens und von der nationalen Auslegung ab. Klar ist jedoch: Die SDPA-Diskussion ist kein kurzfristiges Einzelthema, sondern Teil einer längerfristigen regulatorischen Entwicklung. Unternehmen, die sich frühzeitig mit möglichen Szenarien befassen, schaffen sich Handlungsspielräume - unabhängig davon, wie schnell und wie weitreichend die Regulierung am Ende umgesetzt wird. »« Eingangsabbildung: © bidala - stock.adobe.com „STARK BEI FROST. STABIL IM EINSATZ.“ EIN PARTNER FÜR ALLE SPEZIAL-SCHMIERFETTE Profitieren Sie von unserer Forschungs- und Entwicklungskompetenz bei den anspruchsvollsten Anwendungen der Industrie. Rhenus Lub. www.rhenuslub.de Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 10 FacHartikEl FacHartikEl Schmierfette: Neue Generation von Verdickern - Polyamid Manfred Jungk Über 70 % aller weltweit produzierten Schmierfette sind mit Lithiumseifen verdickt. Der Anstieg der Elektromobilität sorgte für eine drastische Verteuerung von Lithium. Ein Bestreben einiger ECHA-Mitglieder, unter anderen Salzen auch Lithiumhydroxid (eine Komponente für die Herstellung von seifenverdickten Schmierfetten) als toxisch einzustufen, erhöhte außerdem den Druck, alternative Verdicker einzusetzen. Die Mehrkosten für Lithium mit bis zu einer zehnfachen Verteuerung haben sich inzwischen wieder auf ein erträglicheres Niveau eingependelt und konnten zum Teil an die Anwender weitergegeben werden. Schwieriger ist es mit der drohenden toxischen Einstufung von Lithium, wie ein von ELGI-ATIEL-UEIL veröffentlichtes Positionspapier zeigt. Trotz der beiden genannten kritischen Punkte wurden kurzfristig nur wenig alternative Verdicker eingeführt, was unter anderem an den aufwendigen Freigabeprozeduren in der Schmierstoffindustrie liegt. Neben den schon bestehenden Verdickertechnologien von Calciumseifen und Polyharnstoff wird nun auch Polyamid als Alternative zu Lithiumseifen in Betracht gezogen. Hintergrund und Historie Die Verwendung von Polyamid als Verdicker für Schmierfette wurde erstmals 1958 eingeführt. Anfängliche Versuche konzentrierten sich auf die direkte Zugabe von Nylon 6,6 und 6,10 zu einem Grundöl. Diese Versuche erwiesen sich aufgrund der hohen Temperaturen, die zum Schmelzen des Nylons erforderlich waren, und Kompatibilitätsproblemen, die zu Manfred Jungk Manfred Jungk schloss 1986 sein Chemiestudium mit der Promotion ab und hat mittlerweile fast 40 Jahre Erfahrung in der Schmierstoffindustrie, davon 29 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller. Als freiberuflicher Technologieberater ist er Teil des Redaktionsteams dieser Zeitschrift und Herausgeber der Zeitschrift „Tribology - Lubrication Friction Wear, Tribologie und Schmierungstechnik“. 11 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-Schmierfette: Neue Generation von Verdickern - Polyamid einer Materialtrennung führten, als erfolglos. Die Umstellung auf die Herstellung des Verdickers im Grundöl führte zur Entwicklung des ersten Polyamidfetts. Die hohen Temperaturen, die für den Abschluss der Reaktion erforderlich waren, der hohe Anteil an Verdicker, die geringe Scherstabilität und die niedrigen Tropfpunkte machten Polyamidfette jedoch im Vergleich zu den nächstbesten Alternativen, wie beispielsweise Lithiumfetten, unattraktiv. Insgesamt war die Technologie weder hinsichtlich Leistung noch Wirtschaftlichkeit wettbewerbsfähig und konnte sich gegenüber den Alternativen nie durchsetzen. Entwicklung eines vorgeformten Verdickers INVISTA, als Pionier in der Nylon Technology mit 80 Jahren Erfahrung, hat kürzlich einen vorgeformten Verdicker für Schmierfette entwickelt und zum Patent (WO202342722A1) angemeldet. Terephthalsäure und Hexamethylendiamin werden im Lösungsmittel zu einem Oligomer reagiert, wobei für die Endgruppen aliphatische, cyclo-aliphatische oder aromatische Monocarbonsäuren eingesetzt werden. Die anschließende Reinigung und Vermahlung führen dann zu dem im Bild links gezeigten Pulver. Einfluss der Prozessführung Für die Herstellung eines Polyamidschmierfettes, Beispiel Bild rechts, bedarf es keiner zusätzlichen Prozessschritte als bei herkömmlichen Schmierfetten. Der Anteil an Verdicker ist ähnlich wie bei Lithiumkomplex- und Polyharnstofffetten. Es lassen sich alle herkömmlichen Grundöle wie paraffinbasische Mineralöle, Polyalphaolefine, Ester, alkylierte Naphthene und auch perflourierte Polyester verdicken. Leistungsdaten von polyamidverdickten Schmierfetten Bei der Scherstabilität brachte die Anwendung eines Hochdruckhomogenisators keine Verbesserung, wohingegen die Einarbeitung von 3 % Polymeren zu einer signifikanten Verbesserung der Penetration bei 10.000 Hüben führte. Die Verschleißmessung mit dem Vierkugelapparat zeigt für nicht additivierte paraffinbasische Schmierfette für das Polyamid kleinere Werte als für Polyharnstoff und Lithiumkomplex. Erste Prüfergebnisse auf dem Schrägkugellagertest FAG FE9 zeigen im Vergleich ähnlich formulierter Schmierfette mit synthetischem Grundöl längere Laufzeiten beim Polyamid gegenüber dem Polyharnstoff. Bei den Prüf bedingungen nach DIN 51821 bei 140 °C/ 6000 Umdrehungen per Minute/ 1.5 kN Last erreicht das Polyamidfett eine F[50]-Laufzeit von 330 Stunden gegenüber dem Polyharnstofffett mit seinen 200 Stunden. Einfluss von Additiven Einem mit 15 % Polyamid verdickten paraffinbasischen Mineralölschmierfett wurden je 0,5 % einiger gebräuchlicher Additive zugesetzt, darunter Antioxidantien wie sterisch gehindertes Phenol, butyliertes, octyliertes Diphenylamin und alkyliertes PANA, die EP/ AW-Additive Zinkdialkyldithiophosphat und Zinkalkyldithiophosphat, der Reibwertreduzierer Molybdendibutyldithiocarbamat und der Korrosionsinhibitor N-Oleoyl-Sarcosid. Mit Ausnahme des Korrosionsinhibitors haben alle Additive zu einer Verbesserung der rheologischen Eigenschaften gegenüber dem nicht additivierten Schmierfett geführt. Die Proben wurden frisch zubereitet, nach Wärmebehandlung (72 Stunden bei 100 Celsius) und Lagerung (150 Tage) gemessen. »« Eingangsabbildung: © manassanant - stock.adobe.com Bild links: Polyamid Pulver Bild rechts: Mit Polyamid verdicktes Schmierfett Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 12 FacHartikEl FacHartikEl Mikroplastik in Schmierstoffen - Technische Funktion, industrielle Anwendung und europäische Regulierung Elisabeth Götze, Dr. Stephan Baumgärtel Die europäische Debatte um Mikroplastik und dessen potenzielle Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Was in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit Konsumgütern wie etwa Kosmetik verknüpft wird, betrifft zunehmend auch technisch hochspezialisierte Industriebereiche. Für die Schmierstoffindustrie ist diese Entwicklung von besonderer Relevanz, da synthetische Polymere hier seit Jahrzehnten als gezielt entwickelte funktionelle Komponenten eingesetzt werden. Ihre chemische Struktur, physikalische Form und tribologische Wirkweise sind präzise auf an- Elisabeth Götze Elisabeth Götze, 37, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit einem besonderen Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Zuvor war sie Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e. V., der zum 1. Oktober 2025 im Zuge der Verbandsfusion in die UNITI integriert wurde. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum KorrosionsExpert an der Montanuniversität Leoben, Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer Tätigkeit im Verband war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in verschiedenen Führungspositionen tätig und erwarb dort umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe. Dr. Stephan Baumgärtel Nach dem Studium der Chemie war Dr. Baumgärtel in verschiedenen Positionen in Frankreich, Deutschland und England in Forschung und Entwicklung von Schmierstoffen für einen internationalen Konzern tätig, bevor er die Position des Abteilungsleiters Schmierstoffe beim VSI übernommen hat. Seit 2010 ist er Geschäftsführer des VSI. 13 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-Mikroplastik in Schmierstoffen spruchsvolle Anwendungsfelder wie Wälz- und Gleitlager, Getriebe, Führungsbahnen, industrielle Antriebssysteme oder Zentralschmieranlagen abgestimmt. Vor diesem Hintergrund ist eine sachlich differenzierte, chemisch fundierte Betrachtung von Mikroplastik zwingend erforderlich. Unter synthetischen Polymermikropartikeln - im fachlichen und regulatorischen Kontext häufig als Mikroplastik bezeichnet - versteht die europäische Gesetzgebung feste, nicht lösliche, aus synthetischen Polymeren bestehende Partikel mit einer Größe kleiner als 5 Millimeter. Chemisch handelt es sich bei den Mikroplastikpolymeren um hochmolekulare Werkstoffe, die aufgrund ihrer Zusammensetzung gegenüber chemischem, thermischem und biologischem Abbau äußerst widerstandsfähig sind. Erfasst werden durch die Regulierung ausschließlich feste Partikel. Wasserlösliche oder flüssige Polymere oder solche, die vollständig im Grundöl oder in der Fettmatrix gelöst sind - etwa Viskositätsindex-Verbesserer auf Polymerbasis oder polyharnstoff basierte Verdickersysteme in Schmierfetten - fallen nicht unter diese Definition. Diese Abgrenzung ist notwendig, da gelöste Polymere und feste Polymerpartikel sowohl stofflich als auch hinsichtlich ihres Emissions- und Umweltverhaltens grundlegend unterschiedlich sind. In der Schmierstofftechnik werden feste Polymermikropartikel gezielt eingesetzt. Ein Beispiel ist Polytetrafluorethylen (PTFE). PTFE ist ein vollständig fluoriertes Polymer, dessen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen eine außergewöhnliche thermische und chemische Stabilität sowie eine extrem niedrige Affinität zu anderen Oberflächen bewirken. Diese Eigenschaften führen zu einem sehr geringen Reibkoeffizienten und machen PTFE zu einem der effektivsten bekannten Festschmierstoffe. In Schmierstoffen wird PTFE in fein dispergierter Partikelform eingesetzt, wobei Partikelgröße, Oberflächenbeschaffenheit und Dispergiergrad gezielt eingestellt werden, um reproduzierbare tribologische Effekte zu erzielen. Unter realen Betriebsbedingungen dominieren in vielen Maschinen Grenz- und Mischreibungszustände, da ein stabiler hydrodynamischer Schmierfilm nicht dauerhaft gewährleistet ist. Dies gilt beispielsweise für hoch belastete Wälz- und Gleitlager, Zahnradkontakte mit wechselnden Lasten oder oszillierende Bewegungen in Führungsbahnen. In solchen Systemen übernehmen PTFE-Partikel eine schützende Funktion, indem sie sich in mikroskopische Oberflächenrauheiten einlagern und unter Druck und Temperatur sogenannte Transferfilme ausbilden. Diese wirken als physikalische Barriere zwischen MEDIENTIPP Paul Gümpel, Alexandra Bauer, Torsten Bogatzky, Lazar Boskovic, Benedikt Henkel, Arnulf Hörtnagl, Matthias Sorg, Jörg Straub Rostfreie Stähle Grundwissen, Konstruktions- und Verarbeitungshinweise 6., überarbeitete und erweiterte Auflage 2025, 342 Seiten ISBN print 978-3-8169-3540-7 ISBN eBook 978-3-8169-8540-2 DOI 10.24053/ 9783816985402 Ladenpreis print €[D] 68,00 Ladenpreis eBook €[D] 54,99 + aktuell, anschaulich und übersichtlich + Grundlagenbuch auf dem Gebiet der nichtrostenden Stähle + auch als Nachschlagewerk geeignet Das Buch gibt einen Überblick über die metallkundlichen Grundlagen auf dem Gebiet der nichtrostenden Stähle und über das Einsatzverhalten dieser Werkstoffe. Es werden die notwendigen Hinweise für die Konstruktion und Verarbeitung von nichtrostenden Stählen gegeben. Einen Schwerpunkt stellt hierbei das Korrosionsverhalten dieser Werkstoffe dar. www.verlag.expert Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 14 Fachartikel | Mikroplastik in Schmierstoffen metallischen Kontaktpartnern, reduzieren adhäsive Wechselwirkungen, stabilisieren den Reibwert und senken den Verschleiß deutlich. Zusätzlich tragen PTFE-haltige Schmierstoffe zur Dämpfung von Schwingungen und Geräuschen bei, was insbesondere in Präzisionsanwendungen, elektromechanischen Antrieben oder geräuschsensitiven Baugruppen von hoher Bedeutung ist. Aufgrund ihrer chemischen Stabilität kommen solche Systeme auch in aggressiven oder thermisch hoch belasteten Umgebungen zum Einsatz, etwa in der Prozess- oder Chemieindustrie. Neben PTFE werden in Schmierstoffen auch Polyamid- und Polyethylen-Partikel eingesetzt, deren Wirkmechanismus weniger tribologisch, sondern primär rheologisch und strukturmechanisch geprägt ist. In Schmierfetten und pastösen Systemen beeinflussen diese Partikel gezielt die innere Struktur der Matrix und erhöhen die mechanische Stabilität, verbessern die Scherstabilität und tragen zur kontrollierten Einstellung des Fließverhaltens bei. Praktisch relevant ist dies beispielsweise bei Schmierfetten für zentrale Schmieranlagen, bei denen sowohl eine gute Pumpbarkeit bei niedrigen Temperaturen als auch eine ausreichende Standfestigkeit unter Last erforderlich ist. Auch in Dämpfungs- und Montagefetten ermöglichen Mikropartikel definierte viskoelastische Eigenschaften, die für reproduzierbare Montagekräfte, Schwingungsdämpfung oder Geräuschreduktion entscheidend sind. Einige Mikropartikel stehen jedoch im Verdacht, negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu haben. Daher wird durch die Verordnung (EU) 2023/ 2055, die am 17. Oktober 2023 in Kraft getreten ist, die Verwendung synthetischer Polymermikropartikel streng geregelt, um den Eintrag persistenter Polymerpartikel in die Umwelt zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Konsumentenprodukte, die synthetische Mikropartikel mit absehbarem Eintrag in die Umwelt enthalten (z. B. Kosmetika), sind verboten. Gleichzeitig erkennt die EU an, dass bestimmte Mikropartikel in industriellen Anwendungen technisch derzeit unverzichtbar sind. Entsprechend gelten Ausnahmen und Übergangsregelungen für Industrieanwendungen, geschlossene technische Systeme oder fest eingebundene Partikel, da hier kein relevanter Umwelteintrag zu erwarten ist. Diese Ausnahmen sind jedoch an klar definierte Informations- und Transparenzpflichten geknüpft. Ab Oktober 2025 müssen Lieferanten von Schmierstoffen, die synthetische Polymermikropartikel enthalten, Angaben zur Identität, Menge und Verwendung dieser Stoffe machen und Hinweise zur sachgerechten Anwendung und Entsorgung bereitstellen, um eine Umweltfreisetzung zu vermeiden. Diese Informationen sind im Sicherheitsdatenblatt und auf dem Etikett zu anzugeben. Die European Chemicals Agency (ECHA) stellt die notwendigen IT-Werkzeuge zur Meldung von Mikroplastikverwendung gemäß REACH seit Januar 2026 zur Verfügung. Ab 2027 folgen dann weitergehende Meldepflichten, insbesondere zu Verwendungszwecken und eingesetzten Mengen. Damit steigen die Anforderungen an chemische Rückverfolgbarkeit, Dokumentation und Kommunikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette erheblich. Damit ist klar: Es gibt für industrielle Anwendungen in geschlossenen Systemen kein Verwendungsverbot für Mikroplastik. Wo nötig, können Schmierstoffe, welche Mikroplastikpartikel enthalten, weiter unter Auflagen verwendet werden. Unabhängig von der Regelung für Mikroplastik gilt ein mögliches Verwendungsverbot für PTFE-Partikel, welche neben der hier zitierten Verordnung in Zukunft noch durch die PFAS-Regulierung für per- und polyfluorierte Stoffe reguliert werden. Wann und in welchem Umfang die PFAS/ PTFE-Regulierung in Kraft tritt, ist aber derzeit noch offen. Eine fachlich fundierte Einordnung dieser Anforderungen für die Schmierstoff branche bietet das Informationspapier der UEIL (www.ueil.org). Es erläutert die regulatorischen Hintergründe, grenzt flüssige Polymersysteme klar von festen Mikroplastikpartikeln ab, beschreibt typische Einsatzfelder polymerer Partikel in Schmierstoffen und konkretisiert die kommenden Informations- und Berichtspflichten. Dieses Papier dient ausdrücklich der Sensibilisierung und fachlichen Orientierung und versteht sich als praxisnahe Interpretation der aktuellen Rechtslage, nicht als rechtliche Beratung. Für die Schmierstoffindustrie stellt die Mikroplastik-Regulierung damit nicht nur eine Compliance- Aufgabe dar, sondern auch einen Impuls, polymerchemische Systeme noch stärker hinsichtlich Funktion, Emissionspotenzial und Nachhaltigkeit zu bewerten. Vor diesem Hintergrund arbeitet die UNITI im Facharbeitskreis „PFAS & Mikroplastics“ an einer „UNITI informiert“-Broschüre, die regulatorische Entwicklungen, technische Hintergründe und branchenspezifische Fragestellungen strukturiert zusammenführt. »« Eingangsabbildung: © Arsenii - stock.adobe.com FacHartikEl DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen: Brandneu und komplett überarbeitet Rüdiger Krethe, OilDoc GmbH Dem Betreiber einer Maschine fehlen in der Regel sowohl die Sachkenntnis auf dem Gebiet der Schmierung als auch die notwendigen Detailinformationen (z. B. Belastung, Drehzahlbereich, Lagertemperatur, …), um anhand der auf einem technischen Datenblatt angegebenen Kennwerte wie Viskosität, Pourpoint, Verschleißschutzverhalten, der Alterungsstabilität etc. den richtigen Schmierstoff auszuwählen. Maschinen- und Schmierstoffhersteller geben die zur Schmierstoffauswahl notwendigen Informationen deshalb in vereinfachter Form heraus, beispielsweise anhand von Schmierstoffeinsatztabellen, standardisierten Schmierstoffklassifizierungen oder namentlichen Freigaben. Eine zentrale Rolle bei der Klassifikation von Schmierstoffen spielt die DIN 51502. Schmierstoff beratern und vielen Anwendern sind die auf der DIN 51502 basierenden Buchstaben- und Zahlenkombinationen gegenwärtig und vertraut, beispielsweise „HLP 46“ oder „CLP 320“. Diese Klassifizierung ist hilfreich bei der Auswahl des zu verwendenden Schmierstoffs, aber auch bei der sinnvollen Reduzierung der im Lager vorzuhaltenden Schmierstoffsorten. Rüdiger Krethe Rüdiger Krethe ist Geschäftsführer der OilDoc GmbH, der Akademie für Weiterbildung rund um Schmierstoffanwendung, Ölanalysen und proaktive Instandhaltung. Nach seinem Studium des Maschinenbaus und der Tribotechnik war er im Produktmanagement für Industrieöle einer Mineralölgesellschaft tätig. Anschließend leitete er 15 Jahre das Diagnose-Team von OELCHECK. Seit mehr als 30 Jahren gibt Rüdiger Krethe als IHK-zertifizierter Trainer in Seminaren sein Know-how zu Tribologie, Schmierstoffen und Ölanalysen erfolgreich weiter. Außerdem ist er seit der ersten Ausgabe aktives Mitglied des Redaktionsteams der Schmierstoff+Schmierung. 15 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 16 Fachartikel | DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen DIN-Normen (nicht nur) für Industrieschmierstoffe Die DIN 51502 teilt Schmierstoffe in typische Hauptgruppen und Anwendungsklassen ein. Gleichzeitig verweist die Norm, falls vorhanden, auf Anforderungsnormen. Die 2026 neu herausgegebene Norm wurde grundlegend überarbeitet. Es war das Ziel, eine einheitliche, logisch gegliederte Bezeichnungsstruktur für Schmierstoffe zu schaffen, die soweit möglich auf den etablierten Bezeichnungen basiert, und diese, wo notwendig, mit zusätzlichen, wichtigen Informationen zu erweitern. Die Norm DIN 51502, Ausgabe 2026-03 besteht aus 8 Teilen (die vorangegangene Ausgabe von 1990 nur aus einem 8-seitigen Dokument). Ein kurzer Vorgeschmack: > Die „neue“ DIN-Bezeichnung wurde in mehrere, durch ein Leerzeichen getrennte Blöcke aufgeteilt, um Verwechslungen zu vermeiden und die Lesbarkeit zu erhöhen. > Die Kennzeichnung typischer Grundöle wurde harmonisiert und in die DIN-Bezeichnung integriert. > In einzelnen Bereichen gibt es sinnvollerweise Ausnahmen, z. B. im Bereich der schwerentflammbaren Hydraulikflüssigkeiten. > Für Schmierfette sind der Verdickertyp und die Grundölviskosität Bestandteil der DIN-Klassifizierung. > Im Teil 8 werden Regelungen für Schmierstoffeinsatztabellen gegeben, um die Einheitlichkeit und damit Anwenderfreundlichkeit zu erhöhen und Missverständnisse zu vermeiden. Nachfolgend werden die wichtigsten Neuerungen des 1. Teils erläutert und anschließend das Prinzip ihrer Anwendung anhand einer Auswahl der anderen Normteile demonstriert. DIN 51502, Teil 1 Der 1. Teil der Norm trägt den Titel: „Schmierstoffe und verwandte Stoffe - Klassifizierung von Schmierstoffen - Teil 1: Allgemeine Angaben“. Die offizielle und vollständige Kurzbezeichnung ist DIN 51202-01: 2026-03, wobei der letzte Teil das Datum der Veröffentlichung ist. Die Norm teilt den Bereich der Schmierstoffe und artverwandten Produkte in 6 Hauptgruppen ein, die dazugehörigen Festlegungen sind in den Teilen 2 bis 7 der DIN 51502 beschrieben. Im 8. Teil sind die normativen Festlegungen für Schmierstoffeinsatztabellen geregelt: > DIN 51502-01: Allgemeine Angaben > DIN 51502-02: Schmierstoffe für den Industriebereich > DIN 51502-03: Schmierstoffe für den Automobilbereich > DIN 51502-04: Schmierfette und Pasten > DIN 51502-05: Bearbeitungsmedien > DIN 51502-06: Druckflüssigkeiten > DIN 51502-07: Sonstige Medien > DIN 51502-08: Inhalt und Auf bau einer Schmierstoffeinsatztabelle Des Weiteren sind in Teil 1 folgende allgemeinen Festlegungen getroffen: > Die Bezeichnung nach DIN 51502 besteht aus mehreren, höchstens 3 Blöcken: ■ Block A Art und Anwendung des Schmierstoffs (hauptgruppenspezifisch), bei Fetten zusätzlich der Verdickertyp ■ Block B Angaben zu den enthaltenen Wirkstoffen (Additive), bei Fetten zusätzlich die Konsistenzklasse nach NLGI sowie die obere und untere Gebrauchstemperatur, auf Angaben zur Wasserbeständigkeit wurde an dieser Stelle verzichtet ■ Block C Angaben zum Hauptbestandteil des Schmieröles, inklusive der ISO-Viskositätsklasse, bei Fetten beziehen sich diese Angaben auf den Hauptbestandteil des Grundöles und die ISO VG des Grundöles > Welche Bausteine und Codes in den einzelnen Blöcken verwendet werden, regelt die Norm der jeweiligen Hauptgruppe (DIN 51502-02 bis -07) > Zwischen den einzelnen Bezeichnungsblöcken ist zwingend ein Leerzeichen vorzusehen > Innerhalb eines jeden Kennzeichnungsblockes darf kein Leer- oder Trennzeichen stehen > Wird einer Bezeichnung in den entsprechenden Teilen 2-7 der Norm eine Anforderungsnorm zugeordnet, so sind die darin enthaltenen Grenzwerte mit den darin angegebenen Prüfmethoden zu messen Welche weiteren Angaben in den einzelnen Kennzeichnungsblöcken notwendig und zulässig sind, ist in den Normteilen der entsprechenden Hauptgruppe geklärt. Kennbuchstaben für Grundöle Die je nach Hauptgruppe zu verwendende Codierung der Grundflüssigkeiten ist, soweit möglich und sinnvoll, normübergreifend harmonisiert worden. Einen informativen Überblick dazu gibt Tabelle 1. Es ist zu beachten, dass nicht jeder der darin aufgeführten Grundöltypen in jeder Hauptgruppe Anwendung findet. Im Zweifelsfall sind die Details der jeweiligen Norm heranzuziehen. 17 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen Kennbuchstaben für Wirkstoffe (Additive) Die in Schmierstoffen und verwandten Stoffen verwendeten Typen von Wirkstoffen (Additive) variieren je nach Hauptgruppe und Anwendungsbereich sehr stark. Dem folgend, sind die den verwendeten Wirkstoffen zugeordneten Codes je Hauptgruppe spezifisch geregelt. Tabelle 2 gibt auszugsweise die Codes der wichtigsten Wirkstoff-Typen wieder. Beispiele Es würde den Umfang dieses Artikels sprengen, alle Teile der DIN 51502 gebührend zu berücksichtigen. In der geplanten Fortsetzung dieses Artikels wird dann auf ausgewählte Hauptgruppen, d. h. Teile der DIN 51502 näher eingegangen. An dieser Stelle sollen Beispiele für die neuen Kurzbezeichnungen genügen (Tabelle 3). Die sich aus der Überarbeitung der DIN 51502 ergebenden Änderungen der zitierten Anforderungsnormen werden in nächster Zeit umgesetzt und veröffentlicht. Klassifikationen für Automotive- Schmierstoffe In diesem Bereich kommen z. B. für Motoren- und Getriebeöle auch andere Klassifikationssysteme, z. B. gemäß ACEA oder API zur Anwendung, die hier aus Platzgründen nicht detailliert aufgeführt sind. Die Klassifizierung von Automotiv-Schmierstoffen nach DIN 51502 ist möglich und beispielsweise in Schmierstoffeinsatztabellen sinnvoll, da Verbrennungsmotoren und Fahrzeuggetriebe auch im industriellen Bereich zum Einsatz kommen. Des Weiteren kommen Schmierstoffe aus dem Automotiv-Bereich auch in anderen industriellen Anwendungen zum Einsatz. Daher besteht auch die Notwendigkeit, deren Klassifizierung in die DIN 51502 zu integrieren. Schmierstoffeinsatztabellen Eine Schmierstoffeinsatztabelle dient zur schmierstellenbezogenen Dokumentation der Mindestanforderungen an die einzusetzenden Schmierstoffe, um die Maschine störungsfrei zu betreiben und die prognostizierte Lebensdauer der geschmierten Kompo- Kennbuchstaben Grundöltyp (Hauptbestandteil) M Mineralöle PR Polyalphaolefine und verwandte Kohlenwasserstoffe PG Polyglykole TG Triglyceride (natürliche Ester) ES Synthetische Ester SI Silikonöle PE Phosphorsäureester FK Perfluor-Flüssigkeiten Y Sonstige Tabelle 1: Kennbuchstaben für Grundöltypen in verschiedenen Teilen der DIN 51502, Ausgabe 2026-03 kennbuchstaben* Additiv-Typ (Kurzbeschreibung) V Wirkstoff zur Verbesserung des Viskosität-Temperatur-Verhaltens L Wirkstoff zur Erhöhung des Korrosionsschutzes und/ oder der Alterungsbeständigkeit P Wirkstoff zur Herabsetzung der Reibung und des Verschleißes im Mischreibungsgebiet und/ oder zur Erhöhung der Belastbarkeit X Wirkstoff mit zusätzlichen Eigenschaften zur verstärkten Herabsetzung der Reibung und des Verschleißes (Graufleckentragfähigkeit) und zur erhöhten Alterungsbeständigkeit D Wirkstoff mit detergierender Wirkung F Festschmierstoff (z. B. Graphit, Molybdändisulfid) ZF Wirkstoff oder Wirkstoffkombination ist zinkfrei Tabelle 2: Kennbuchstaben für Wirkstofftypen (Auszug) Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 18 Fachartikel | DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen Bezeichnung Alt Bezeichnung Neu Beschreibung / Anmerkung Anmerkung HLP 46 H LP 46 Hydraulikflüssigkeit mit Antioxidantien, Korrosionsschutz- und Verschleißschutz-Additiven Grundöl: Mineralöl Gemäß DIN 51502-01: 2026-06 kann der Grundöltyp angegeben werden, für Mineralöle erfolgt keine Angabe des Grundöltyps. Die DIN 51524 gilt nur für Mineralöle. HLP 46 H LP 46 ZF Hydraulikflüssigkeit mit Antioxidantien, Korrosionsschutz- und Verschleißschutz-Additiven Grundöl: Mineralöl, Wirkstoffe zinkfrei Gemäß DIN 51502-01: 2026-06 kann der Grundöltyp angegeben werden, für Mineralöle erfolgt keine Angabe des Grundöltyps. Die DIN 51524 gilt nur für Mineralöle. HFC 46 HFC 46 Schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit, wässrige Polymerlösung, Wassergehalt >35 %, ISO VG 46 Aus historischen Gründen bleibt die Bezeichnung im Block A unverändert (HFA, HFB, HFC, HFD). Wenn notwendig, wird die Grundölart explizit angegeben. HFDU 46 HFD ES46 Schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit, wasserfrei, Grundöl synthetische Ester, ISO VG 46 CLP 220 C LP 220 Inhibiertes Umlaufgetriebeöl mit Antioxidantien, Korrosionsschutz- und Verschleißschutz-Additiven. Grundöl: Mineralöl Gemäß DIN 51502-01: 2026-03 kann der Grundöltyp angegeben werden. In der Vergangenheit waren teilweise andere Codes dafür üblich, z. B. „HC“ für ein PAO, heute „PR“. CLP PG 460 C LP PG460 Inhibiertes Umlaufgetriebeöl mit Antioxidantien, Korrosionsschutz- und Verschleißschutz-Additiven, Grundöl: Polyglykol, ISO VG 460 CLP HC 320 C LP PR320 Inhibiertes Umlaufgetriebeöl mit Antioxidantien, Korrosionsschutz- und Verschleißschutz-Additiven, Grundöl: Poly-Alpha-Olefin, ISO VG 320 HFC 46 HFC 46 Schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit, wässrige Polymerlösung, Wassergehalt >35 %, ISO VG 46 Aus historischen Gründen bleibt die Bezeichnung im Block A unverändert (HFA, HFB, HFC, HFD). Wenn notwendig, wird die Grundölart explizit angegeben. HFDU 46 HFD ES46 Schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeit, wasserfrei, Grundöl synthetische Ester, ISO VG 46 KP 2 K-20 KL P2- 20+120 M220 Lithiumverseiftes EP-Fett für Wälz-, Gleitlager und Gleitflächen, NLGI 2, Grundöl Mineralöl, ISO VG 220 Temperatureinsatzbereich von -20°C bis +120 °C In der bisherigen Bezeichnung für Schmierfette waren weder Verdicker noch Grundölviskosität angegeben. Die obere Temperatur-Einsatzgrenze wurde bisher durch Buchstaben kodiert, jetzt durch die entsprechende Celsius-Temperatur ersetzt. Angaben zur Wasserbeständigkeit sind nicht mehr enthalten. KP 1 R-30 KU P1- 30+190 PR220 Polyharnstoff-verdicktes EP- Schmierfett für Wälz-, Gleitlager und Gleitflächen, NLGI 1, Grundöl PAO, ISO VG 220, Temperatureinsatzbereich von -30 °C bis +190 °C Tabelle 3: Beispiele zur Bezeichnung gemäß DIN 51502, im Vergleich „bisher - neu“ 19 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-DIN 51502 - Die „Mutter“ der Schmierstoffnormen nenten sicherzustellen. Deshalb ist es zu begrüßen, dass auch die Mindestanforderungen an den Auf bau einer Schmierstoffeinsatz-Tabelle selbst genormt ist, um Missverständnisse oder Fehler zu vermeiden. Auf Schmierstoffe spezialisierte Mineralölunternehmen, Fachverbände und Dienstleister unterstützen die Maschinenhersteller sowohl bei der Beschreibung der Mindestanforderungen als auch bei der schmierstellenspezifischen Auswahl der zur Anwendung vorgesehenen Schmierstoffe und Funktionsflüssigkeiten. Ausgangspunkt der Beschreibung von Schmierstofftypen ist dabei oftmals die DIN 51502. Daher ist es logisch, dass die Norm zu den Mindestanforderungen an Schmierstoffeinsatztabellen ebenso Bestandteil der DIN 51502 ist. In Teil 8 der DIN 51502 sind die dafür mindestens erforderlichen Angaben geregelt: > Anwendungsbereich der Schmierstoffeinsatztabelle wie beispielsweise Maschinentyp, -hersteller und ggf. Einsatzbereich > Angaben zur Schmierstelle, z. B. den zu schmierenden Komponenten oder Baugruppen und die Kennzeichnung des empfohlenen Schmierstoffs nach dem entsprechenden Teil der DIN 50502 > Temperatureinsatzbereich Sinnvoll ist die Ergänzung von Angaben zur Ölwechselbzw. Nachschmierfrist, Regelungen zu besonderen Einsatzbedingungen oder zusätzlich zur DIN-Bezeichnung notwendigen Prüfungen oder Kennzahlen. In der Praxis wird die Tabelle in der Regel durch die Angabe der empfohlenen Schmierstoffsorten verschiedener Schmierstoffunternehmen erweitert. Die in der Tabelle einer Schmierstelle zugeordneten Schmierstoffe verschiedener Hersteller sollten mindestens miteinander mischbar oder besser grundsätzlich miteinander verträglich sein. Andernfalls sollte dies als Bestandteil der Schmierstoffeinsatztabelle dokumentiert und darin Hinweise zur Umstellung bzw. Durchführung des Ölwechsels gegeben sein. Schmierstoffe gleicher DIN-Bezeichnung - wirklich gleich? Laien sind nicht selten der Meinung, dass zwei Schmierstoffe „gleich“ sind, weil z. B. deren dem Technischen Datenblatt entnommene DIN-Bezeichnung gleich ist. Das ist unzutreffend, weil > Anforderungsnormen Mindest anforderungen definieren, die von verschiedenen Schmierstoffen mehr oder weniger deutlich übertroffen werden, und zwar von jedem Schmierstoff möglicherweise in anderen Bereichen (ob Alterungsstabilität, Verschleißschutz, eingesetzte Additiv-Technologie, …). > nicht für jede DIN-Bezeichnung eine Anforderungsnorm existiert. Und nicht nur das: Selbst wenn die beiden betrachteten Schmierstoffe in derselben Schmierstoffeinsatztabelle für dieselbe Komponenten empfohlen sind, erfüllen beide die dafür definierten Mindestanforderungen, können jedoch in ihrer Performance sehr wohl unterschiedlich sein. Schlussendlich sei den an dem gut gelungenen „Mammut-Projekt“ der Überarbeitung dieser Norm Beteiligten an dieser Stelle ein „Dankeschön“ spendiert, da diese Aktivitäten allermeist zusätzlich zu dem alltäglichen Arbeitspensum erledigt werden müssen. Zugleich soll es dazu dienen, Fachkräfte aus den verschiedenen Anwendungsbereichen zu motivieren, sich an der Aktualisierung der in Zusammenhang mit den einzelnen Teilen der DIN 51502 stehenden Anforderungsnormen aktiv zu beteiligen. »« Eingangsabbildung: © Alexander Limbach - stock.adobe.com FacHartikEl DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung - Technische Normung für Kraftstoffe, Brennstoffe und Schmierstoffe Elisabeth Götze Einordnung und Rolle des DIN-FAM Der Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) ist das im Deutschen Institut für Normung (DIN) verankerte Gremium für die nationale, europäische und internationale Normung von flüssigen Energieträgern wie Kraft-, Brenn- und Gaskraftstoffen sowie Schmierstoffen und verantwortet die Entwicklung, Pflege und Weiterentwicklung der zugehörigen Prüf-, Spezifikations- und Terminologiestandards. Normung als technische und regulatorische Schlüsselinstanz Die Leistungsfähigkeit moderner Antriebs- und Energiesysteme ist unmittelbar an die Qualität und Prüfbarkeit der eingesetzten Medien gekoppelt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen aus Gesetzgebung, Umwelt- und Klimapolitik sowie aus der internationalen Harmonisierung technischer Regelwerke. Normung bildet in diesem Kontext die Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit, analytischer Belastbarkeit und regulatorischer Umsetzbarkeit. Verlässliche Normen schaffen reproduzierbare Prüf bedingungen, ermöglichen technische Vergleichbarkeit und sichern die internationale Akzeptanz von Produkten und Verfahren. Struktur, Arbeitsweise und fachliche Verankerung Mit rund 700 Normen und Normentwürfen verantwortet der Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) einen der umfangreichsten Normungsbereiche im DIN. Etwa 45 Prozent der Arbeiten entfallen auf Kraft- und Brennstoffe, weitere 45 Prozent auf Schmierstoffe und rund 10 Prozent auf gasförmige Energieträger. Die Normungsarbeit erfolgt in einem differenzierten Gremiensystem aus Arbeitsausschüssen, Unterausschüssen und Arbeitskreisen, getragen von mehreren hundert Expertinnen und Experten aus Industrie, Verbänden, Behörden, Forschung und Prüflaboren. Ziel ist eine konsensbasierte, technisch fundierte und anwendungsorientierte Normung, die sowohl den Stand der Technik als auch absehbare technologische Entwicklungen abbildet. Technologische Entwicklung als Treiber der Normungsarbeit Inhaltlich spiegelt die Arbeit des Gremiums die tiefgreifenden Veränderungen im Energie- und Antriebsbereich wider. Neben der kontinuierlichen Pflege eta- FacHartikEl Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 20 Elisabeth Götze Elisabeth Götze, 37, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit einem besonderen Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Zuvor war sie Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e. V., der zum 1. Oktober 2025 im Zuge der Verbandsfusion in die UNITI integriert wurde. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum KorrosionsExpert an der Montanuniversität Leoben, Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer Tätigkeit im Verband war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in verschiedenen Führungspositionen tätig und erwarb dort umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe. 21 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung blierter Normen für Ottokraftstoffe, Dieselkraftstoffe und klassische Schmierstoffe rücken alternative und regenerative Energieträger wie Wasserstoff, paraffinische Kraftstoffe, Methanol, DME oder OME zunehmend in den Fokus. Parallel dazu entwickelt sich die Schmierstoffnormung weiter in Richtung neuer Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Materialverträglichkeit, elektrische Eigenschaften sowie analytische Nachweisgrenzen. Die Überarbeitung zentraler Normreihen für Getriebeöle, Hydrauliköle, Schmierfette und die Schmierstoffnomenklatur verdeutlicht den Anspruch, bestehende Regelwerke systematisch an neue technische Rahmenbedingungen anzupassen. Ringversuche als methodische Grundlage belastbarer Normen Ein zentrales Instrument der Normungsarbeit sind Ringversuche, insbesondere in der Kraftstoff- und Schmierstoffanalytik. Ringversuche dienen der experimentellen Ermittlung von Präzisionsdaten, indem identische Proben von einer Vielzahl unabhängiger Labore nach definierten Prüfverfahren analysiert werden. Die statistische Auswertung dieser Ergebnisse ermöglicht Aussagen zur Wiederhol- und Vergleichbarkeit analytischer Methoden und bildet die Grundlage für die Festlegung von Präzisionskennwerten, Grenzwerten und Akzeptanzkriterien. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Normungsarbeit ein. Dabei ist insbesondere die ISO 4259-Reihe von zentraler Bedeutung, die weltweit als Referenz für Präzisionsdaten und Schiedsverfahren in der Mineralöl- und Schmierstoffanalytik herangezogen wird. Ergänzend hierzu wird 2026 ein Workshop zu Grundlagen, Durchführung und statistischer Auswertung von Ringversuchen angeboten. Informationen und Anmeldung sind bis zum 31. Juli 2026 unter https: / / dgmk.de/ Veranstaltungen/ Normung möglich. Von der analytischen Datenerhebung zur normativen Festlegung Im Rahmen von Leistungsüberprüfungen, sogenannter Proficiency Tests, werden repräsentative Proben, beispielsweise aus dem Bereich der Motoren-, Getriebe- oder Hydrauliköle, ausgewählt, homogenisiert und an die teilnehmenden Labore verteilt. Nach Durchführung der Analysen erfolgt eine statistische Auswertung gemäß ISO 4259. Die resultierenden Datensätze werden in den zuständigen Gremien fachlich diskutiert und bewertet. Auf dieser Basis werden Prüfverfahren und Präzisionsangaben validiert oder der Anpassungsbedarf von bestehenden Normen eruiert. Damit bilden Proficiency Tests das Bindeglied zwischen analytischer Praxis und normativer Festschreibung. Mehrwert für Analytik, Industrie und Anwender Für Prüflabore stellen Proficiency Tests ein zentrales Instrument der externen Qualitätssicherung und des analytischen Benchmarkings dar. Abweichungen lassen sich systematisch identifizieren, Messunsicherheiten besser quantifizieren und interne Qualitätsmanagementsysteme gezielt weiterentwickeln. Für produzierende Unternehmen, Additiv- und Basisölhersteller, OEMs und Anwenderindustrien erhöhen belastbare Präzisionsdaten die Planungssicherheit, reduzieren Interpretationsspielräume und stärken das Vertrauen in analytische Ergebnisse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nationale Verantwortung und internationale Harmonisierung Die nationale Normungsarbeit ist eng mit der europäischen und internationalen Normung verzahnt. Zahlreiche Themen werden parallel auf DIN-, CEN- und ISO-Ebene diskutiert, um eine möglichst konsistente und international anschlussfähige Normenlandschaft zu gewährleisten und doppelte Arbeit zu vermeiden. Insbesondere in der Schmierstoffnormung, die überwiegend auf ISO-Ebene angesiedelt ist, ist eine aktive Beteiligung nationaler Expertinnen und Experten entscheidend, um technische Kompetenz, industrielle Praxis und regulatorische Anforderungen wirksam einzubringen. Mitwirkung als Voraussetzung leistungsfähiger Normung Die Qualität und Zukunftsfähigkeit der Normungsarbeit im Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) hängt maßgeblich vom kontinuierlichen Engagement der Fachwelt ab. Gesucht werden fortlaufend Obleute, fachliche Expertinnen und Experten sowie Unterstützende für Ringversuche und Proficiency Tests. Ebenso über die ordentliche Mitgliedschaft in der UNITI erhalten Unternehmen der Kraftstoff-, Brennstoff- und Schmierstoffindustrie Zugang zu den relevanten Gremien und können aktiv an der Weiterentwicklung von Normen und Prüfmethoden mitwirken. Normung ist damit kein Selbstzweck, sondern ein kooperativer Prozess, der technische Exzellenz, regulatorische Sicherheit und industrielle Innovationsfähigkeit miteinander verbindet. Weiterführende Informationen finden Sie auch unter www.fam-hamburg.de. »« Eingangsabbildung: © Auraclicks - stock.adobe.com Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 22 FacHartikEl FacHartikEl Kühlmittel für E-Autos - Neue Maßstäbe für die Sicherheit der Batteriesysteme Matthias Aßmann, OELCHECK GmbH BYD, der weltweit größte Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden aus China, möchte alle in Europa verkauften E-Autos innerhalb von drei Jahren vor Ort produzieren und damit auch mögliche EU-Zölle umgehen. Im Bau sind bereits Werke in Ungarn und der Türkei. Als Standort für ein drittes Werk 1 ist Spanien im Gespräch. Im österreichischen Graz laufen bei Auftragsfertiger MAGNA Steyr bereits Fahrzeuge der chinesischen Marken GAC und XPeng vom Band. In die Autoproduktion in Europa werden jeweils auch lokale Zulieferer eingebunden. Nahezu sämtliche Produkte europäischer Zulieferer müssen allerdings den GB-Standard (Guobiao) der Standardization Administration of the People’s Republic of China erfüllen. Davon sind auch Betriebsmittel betroffen. Ab 01. Oktober 2025 sollen alle Kühlmittel für den Einsatz in Lithium-Ionen-Akkus der E-Autos von BYD und anderen Herstellern der neuen Norm GB 29743.2-2025 entsprechen. Und diese fordert vor allem eine extrem niedrige elektrische Leitfähigkeit von unter 100 µS/ cm (Mikrosiemens) sowie mit einem zulässigen Anstieg auf 300 µS/ cm im Laufe der Nutzung. Mit der verschärften Norm soll das Risiko von Kurzschlüssen und thermischem Durchgehen (Thermal Runaway) deutlich reduziert werden. Kühlmittel gemäß GB 29743.2-2025 werden nicht nur von chinesischen Herstellern geliefert. Sie werden z. B. auch schon von Dober, einem namhaften USamerikanischen Hersteller, sowie von BASF in einem ihrer Werke in China produziert. Und mittlerweile 1 Handelsblatt, 15.10.2025 sogar in Deutschland bei einer Niederlassung der japanischen Firma CCI in Dormagen. Die Forderung nach einer noch niedrigeren Leitfähigkeit für Kühlmittel in E-Autos ist nicht aus der Luft gegriffen. Es ist daher durchaus möglich, dass Chinas neue Standards für Kühlmittel für E-Fahrzeuge auch von der westlichen Welt übernommen werden. Immerhin sollen Produkte gemäß GB 29743.2- 2025 die Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit von Lithium-Ionen-Akkus und anderen Batterien erhöhen. Vor allem bei Leckagen oder Unfällen, bei denen Kühlmittel mit Hochvoltkomponenten in Kontakt kommen können, soll mit der neuen Norm das Risiko eines Thermal Runaways, das thermische Durchgehen, von Akkus in E-Autos deutlich reduziert werden. Matthias Aßmann Matthias Aßmann ist Tribologe und Spezialist für Motorenöle und Kühlmittel bei OELCHECK dem führenden Labor für Schmierstoffanalysen in Deutschland. Er ist Ingenieur für Verkehrswesen und verfügt über eine breitgefächerte Erfahrung in der Anwendungstechnik aus der Tätigkeit bei unterschiedlichen Unternehmen im Bereich Verkehr, Motorenbau und Instandhaltung. 23 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-Kühlmittel für E-Autos - Neue Maßstäbe für die Sicherheit der Batteriesysteme Statistisch 2 gesehen, brennen E-Autos nicht häufiger als solche mit Verbrennermotoren. Doch wenn der Akku eines E-Fahrzeugs involviert ist, kann ein Brand nur äußerst schwer gelöscht werden. Brandursache ist in den meisten Fällen ein Thermal Runaway. Überhitzen einzelne Zellen eines Lithium-Ionen-Akkus z. B. durch kleine Kurzschlüsse, erhitzen sie benachbarte Zellen. In Folge bilden sich aus dem Elektrolyten brennbare Gase und Sauerstoff. So kann die aus Lithium-Kohlenstoffverbindungen bestehende anodische Seite der Batteriezelle in Brand geraten. Explodieren die entstandenen Gase dann auch noch, nimmt das Brandgeschehen richtig Fahrt auf und wird unkontrollierbar. Um das Risiko eines Thermal Runaways auf ein Minimum zu beschränken, ist der Einsatz eines geeigneten, überaus niedrig leitenden Kühlmittels für 2 www.gdv.de den Akku essenziell. Schließlich können alle höher leitfähigen Produkte bei Kontakt mit Hochvoltkomponenten schnell zum Sicherheitsproblem werden. Für die Akkus von E-Autos: Lowbrid- OAT-Kühlmittel Die Kühlsysteme von E-Autos werden überwiegend mit sogenannten Lowbrid-OAT-Kühlmittel betrieben. Sie enthalten einen kleinen Anteil an Silikat oder Phosphat, sind nur schwach elektrisch leitfähig und enthalten zudem auf organischen Säuren basierende Korrosionsschutzinhibitoren. Auch Kühlmittel gemäß GB 29743.2-2025 basieren auf dieser Technologie. Doch ihre ausgesprochen niedrige Leitfähigkeit ist nur eines der Kriterien, an Die Grafik zeigt die Häufigkeit verschiedener Korrosionsschutz-Inhibitoren. Die Farbe des Balkens verweist auf das OELCHECK Analysenset, ab dem diese Inhibitoren messbar sind. Vier der sieben häufigsten Komponenten werden nur mit dem Analysenset Premium ermittelt. Darunter die zwei Top-Inhibitoren, Tolytriazole und Benzotriazole. Farbschlüssel: orange = Set Premium, türkis = Set Advanced, schwarz = Set Basic Die Grafik verdeutlicht das deutlich niedrigere Additivniveau im Vergleich zu ausgewählten Vertretern von Kühlmitteln aus anderen Anwendungsbereichen. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 24 Fachartikel | Kühlmittel für E-Autos - Neue Maßstäbe für die Sicherheit der Batteriesysteme denen sie für ihren Einsatz in den Akkus von E-Autos gemessen werden. Sie müssen z. B. auch über eine ausgezeichnete Langzeitstabilität sowie einen ausreichenden Korrosionsschutz für Aluminium und Buntmetalle, wie Kupfer, verfügen. Außerdem sollen sie gut mit den Materialien sämtlicher Bauteile sowie mit Dichtungswerkstoffen verträglich sein. Um Schäden durch etwaige Flussmittelreste 3 aus Lötprozessen im Kühlsystem zu verhindern, werden ihnen teilweise noch Flussmittelinhibitoren zugesetzt. OELCHECK Analysenset Premium: Für gebrauchte und neu entwickelte Kühlmittel Für die Beurteilung von Lowbrid-OAT-Kühlmitteln für E-Autos ist das OELCHECK all-inclusive Analysenset Premium erste Wahl. Mit ihm werden die entscheidenden Parameter von gebrauchten Kühlmitteln betrachtet aber auch die Zusammensetzung neuer Produkte beleuchtet und Veränderungen bei Entwicklungsversuchen sichtbar gemacht. Im Rahmen des all-inclusive Analysensets Premium bewertet OELCHECK u. a.: > Den Zustand des Kühlmittels, seine Alterung bzw. Abbauprodukte. Dazu zählen bei Kühlmitteln vor allem Glycolat, Oxalat und Formiat. > Die elektrische Leitfähigkeit bei 25 °C in µS/ cm. > Veränderungen der Additive, inklusive der auf organischen Säuren basierenden Korrosionsschutzinhibitoren. > Verunreinigungen und Elemente, die auf korrosiven Verschleiß hindeuten. Die Zusammensetzung der Additive-Packages von Lowbrid-OAT-Kühlmitteln für den Korrosionsschutz ist nicht erst seit Inkrafttreten der neuen chinesischen Norm GB 29743.2-2025 besonders interessant. Eine ganze Reihe von Untersuchungen verschiedener EV-Kühlmittel mit dem OELCHECK Analysenset Premium haben aufschlussreiche Ergebnisse gebracht. In den Proben konnte ein breites Spektrum an Korrosionsschutzinhibitoren in verschiedensten Konzentrationen und Kombinationen nachgewiesen werden. Wobei Tolytriazole und Benzotriazole am häufigsten vertreten waren. Diese beiden organischen Verbindungen schützen vor allem Kupfer und dessen Legierungen vor Korrosion. Im Rahmen unserer umfassenden Untersuchungen mit dem Analysenset Premium haben wir im OELCHECK Labor zusätzlich einen Vergleich von Additivtypen und deren Konzentrationen in EV-Kühl- 3 Mehr unter „Fluss- und Kühlmittel - keine ziemlich besten Freunde“, OELCHECKER Winter 2023 mittel mit solchen in Produkten für andere, klassische Anwendungen durchgeführt. Dabei wurde sehr deutlich, welch geringen Gehalt an Additiven typische EV-Kühlmittel aufweisen! Kühlung von E-Fahrzeugen: Wo geht die Reise hin? EV-Kühlmittel mit ihrer geringen Additivierung und den hohen Anforderungen an ihre niedrige elektrische Leitfähigkeit sind teilweise für einen Einsatz über die gesamte Lebensdauer eines E-Fahrzeugs vorgesehen. Einige Hersteller planen jetzt schon mit einem regelmäßigen Austausch des Fluids nach wenigen Jahren. Hier könnten langfristig eventuell Sensoren, die etwaige Veränderungen der Leitfähigkeit detektieren, für mehr Sicherheit sorgen. Auch die OELCHECK Laboranalysen der gebrauchten Kühlmittel werden zu einem besseren Verständnis und zur Sicherheit der E-Fahrzeuge beitragen. Mit der neuen Norm GB 29743.2-2025 für Kühlmittel hat China neue Maßstäbe für die Sicherheit von Batteriesystemen in E-Fahrzeugen gesetzt. Andere internationale Normungsgremien werden sich mit ihren Richtlinien vermutlich an den chinesischen Vorgaben orientieren. Europäische Fahrzeughersteller und Zulieferer richten ihre Kühlmitteltechnologien und -strategien bereits jetzt darauf aus, den verschärften Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. Die Entwicklung und die Produktion von Kühlmitteln sollen jedoch weiterhin lokal erfolgen. Die Hersteller werden dabei aktiv von Unternehmen wie OELCHECK unterstützt. So verbleibt auch in Zukunft das Know-how in Europa und zugleich wird die Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt abgesichert. »« Eingangsabbildung: © Arsenii - stock.adobe.com 25 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 20 MInuTen MIT … Prof. Oliver Kuhn über Automotive-Schmierstoffe 20 Minuten mit Oliver Kuhn (Liqui Moly): Schmierstoffe im Strukturwandel: Anforderungen, Märkte und Risiken zwischen Hybridisierung, Regulierung und Produktsicherheit Der globale Schmierstoffmarkt befindet sich nicht in einem linearen Transformationsprozess, sondern in einer Phase struktureller Überlagerung: Elektrifizierung, Hybridisierung, klassische Verbrennungstechnologien, regionale Marktdivergenzen sowie eine zunehmende regulatorische Fragmentierung existieren parallel. Für Schmierstoffhersteller bedeutet dies nicht weniger, sondern mehr Komplexität - technisch, organisatorisch und strategisch. Im Gespräch mit Oliver Kuhn, Leiter Anwendungstechnik bei Liqui Moly, wird deutlich: Die zentralen Herausforderungen liegen weniger in der grundsätzlichen technischen Machbarkeit als vielmehr in Planungssicherheit, Marktzugang, Regulierung und operativer Umsetzbarkeit. Regulierung als Treiber von Unsicherheit und Standortrisiken - SDPAs im regulatorischen Fokus E Götze: Herr Kuhn, die Schmierstoffindustrie in Europa und insbesondere in Deutschland sieht sich derzeit einem erheblichen regulatorischen und technologischen Veränderungsdruck ausgesetzt. Vor allem die Diskussion um eine mögliche strengere Einstufung von SDPAs (Substituted diphenylamine antioxidants) sorgt branchenweit für große Verunsicherung. Welche konkreten Auswirkungen hätte eine solche Entwicklung aus Ihrer Sicht auf Ihr Unternehmen? O Kuhn: Die Tragweite dieser Diskussion wird aus meiner Sicht bisher unterschätzt. Es geht hier nicht um einen einzelnen Rohstoff oder eine isolierte Formulierung, sondern um eine Additivkomponente, die eine zentrale Funktion in nahezu allen Produktbereichen von Schmierstofflösungen übernimmt - insbesondere in einem sehr großen Teil moderner Motoröle. Diese Stoffe sind existenziell für Oxidationsstabilität, Alterungsbeständigkeit und damit auch für Ölstandzeiten und Produktsicherheit. Die derzeit bekannten Informationen basieren überwiegend auf frühen regulatorischen Dossiers, die sich in der Regel zunächst auf den Reinstoff beziehen. Dieses Vorgehen kennen wir aus der Vergangenheit. Solche Bewertungen werden zunächst rein rechnerisch auf alle Anwendungen übertragen, unabhängig davon, in welcher Konzentration der Stoff tatsächlich im Schmierstoff eingesetzt wird oder unter welchen Betriebsbedingungen er wirksam ist. Im Kontext von Sicherheitsdatenblättern ist die Gefahr dann zu- Oliver Kuhn Leiter Anwendungstechnik Liqui Moly Oliver Kuhn begann seine berufliche Lauf bahn 1988 bei Meguin im Labor. Über rund zwei Jahrzehnte war er dort schwerpunktmäßig in der Schmierölanalytik tätig - sowohl in der Qualitätskontrolle als auch in der Serviceanalytik, etwa bei der Untersuchung von Gebrauchtölen. Darüber hinaus war er eng in die Produktentwicklung sowie in eine Vielzahl weiterer fachlich relevanter Fragestellungen rund um Schmierstoffe eingebunden. Vor etwa 15 Jahren wirkte Oliver Kuhn maßgeblich am Auf bau der Anwendungstechnik innerhalb des Labors mit und leitet diesen Bereich seither. Sein Verantwortungsbereich umfasst unter anderem die Betreuung und Sicherstellung von Herstellerfreigaben, die technische Beratung sowie die Durchführung nationaler und internationaler Kundenschulungen. Zudem ist er intensiv in internationale Prozesse eingebunden, beispielsweise bei Länderregistrierungen, und verantwortet das Thema Local Blending mit besonderem Fokus auf Qualitätskontrolle und die entsprechenden Prozesse an den jeweiligen Standorten. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 26 20 Minuten mit … | Prof. Oliver Kuhn über Automotive-Schmierstoffe nächst formell vorhanden, auch wenn sie unter praxisnahen Einsatzbedingungen möglicherweise deutlich geringer ausfällt. Frühphase der Regulierung als Unsicherheitsfaktor entlang der Wertschöpfungskette Die Auswirkungen beginnen also bereits sehr früh im regulatorischen Prozess? Absolut. Diese Unsicherheit entsteht nicht erst bei einem formalen Verbot, sondern bereits in der Phase der Vorabinformationen. Wir kennen das aus zahlreichen Fällen der vergangenen 20 Jahre - insbesondere seit Einführung von REACH. In der Regel bezieht sich die erste Bewertung auf den Rohstoff in Reinform. Das führt dann zunächst zu strengeren Einstufungen, die sich unmittelbar auf Sicherheitsdatenblätter, Transport- und Lageranforderungen sowie auf interne Prozesse auswirken. In der Vergangenheit hat die Additivindustrie in solchen Situationen häufig umfangreiche Prüfungen unter realistischen Einsatzbedingungen nachgeschoben. Das bedeutet: nicht 100 % Reinstoff, sondern Prüfungen in typischen Einsatzkonzentrationen, etwa als 8-10 %-ige Additivlösung oder in der tatsächlichen Dosierung im Motor- oder Getriebeöl. In mehreren Fällen konnte dadurch gezeigt werden, dass Wassergefährdung oder toxikologische Effekte deutlich geringer ausfallen als zunächst angenommen, was später zu Rückstufungen geführt hat. Das Problem ist jedoch: Bis zu einer solchen Neubewertung vergeht Zeit. Und diese Zeit ist geprägt von Unsicherheit - für Hersteller, für Logistik, für Produktion und für den Markt. Konkrete betriebliche Konsequenzen am Produktionsstandort Was würde eine strengere Einstufung konkret für Ihren Produktionsstandort bedeuten? Die Auswirkungen wären erheblich. Wir arbeiten nicht erst am fertigen Produkt, sondern eine Stufe davor - mit Additivpaketen. Eine veränderte Einstufung von SDPAs wirft unmittelbar praktische Fragen auf: > Wie müssen diese Additivpakete gelagert werden? > Welche Anforderungen gelten für den innerbetrieblichen Umgang? > Welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen sind für Mitarbeitende erforderlich? Hinzu kommt die genehmigungsrechtliche Ebene. Wir betreiben hier am Standort ein Tanklager mit einer Vielzahl von Additivtanks. Aktuell bewegen wir uns immissionsschutzrechtlich unterhalb kritischer Schwellenwerte. Eine veränderte Einstufung könnte jedoch dazu führen, dass wir plötzlich über relevante BImSch-Grenzen hinausgehen. Das hätte Genehmigungsverfahren, bauliche Anpassungen und erhebliche Investitionen zur Folge. Im ungünstigsten Fall stellt sich dann die grundsätzliche Frage der Standorttragfähigkeit. Diese Diskussion ist keineswegs theoretisch. Allein die Vorabinformationen und die damit verbundenen Szenarien erzeugen bereits heute einen spürbaren Handlungsdruck. Chemikalienverbotsverordnung als deutscher Sonderfaktor Welche Rolle spielt dabei die besondere regulatorische Situation in Deutschland? Eine sehr große. Sollte es zu einer Einstufung beispielsweise als reproduktionstoxisch 1B kommen, wären die Auswirkungen auf europäischer Ebene zunächst möglicherweise begrenzt. In Deutschland greift jedoch unmittelbar die Chemikalienverbotsverordnung. Das hätte zur Folge, dass entsprechende Produkte nicht mehr im Einzelhandel an Endverbraucher abgegeben werden dürften. Damit wäre der gesamte SB- Markt faktisch blockiert. Das betrifft nicht nur den klassischen Einzelhandel, sondern auch Werkstätten, Autohäuser, Tankstellen und Baumärkte - also den gesamten Bereich des sogenannten Mitnahmeöls. In der Praxis würde das zu einer massiven Marktverzerrung führen. Grenznahe Verbraucher könnten ihre Motoröle weiterhin in Nachbarländern erwerben, während der deutsche Binnenmarkt praktisch zusammenbricht. Für Hersteller, die stark auf diesen Markt ausgerichtet sind, hätte das unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen. Existenzieller Charakter für Kerngeschäft und Lieferfähigkeit Welche Bedeutung hätte das für Ihr Produktportfolio? Eine sehr grundlegende. Rund 80 bis 85 Prozent unserer Jahrestonnage entfallen auf Motoröle. Weitere etwa 10 Prozent sind Getriebeöle, der Rest verteilt sich auf Industrieschmierstoffe. Sollten diese Produkte regulatorisch nicht mehr frei im Endverbraucherbereich vermarktbar sein, würde das nicht einen Randbereich treffen, sondern den Kern unseres Geschäfts. Hinzu kommt, dass wir den überwiegenden Teil unserer globalen Versorgung über den Standort Saarlouis abwickeln. Zwar produzieren wir nach dem Prinzip „Local for Local“ auch in den USA und in Thailand, dort jedoch überwiegend für regionale Märkte und in klassischen API-Qualitäten. Das Gros - rund 99 Prozent der globalen Jahrestonnage - stammt aktuell aus Saarlouis. Wenn der deutsche Markt wegbricht und gleichzeitig die Produktion regulatorisch massiv erschwert wird, entsteht eine Situation, in der nicht nur einzelne Produkte, sondern der gesamte Standort unter Druck gerät. 27 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 20 Minuten mit …-|-Prof. Oliver Kuhn über Automotive-Schmierstoffe Regulierung als indirekter Markttreiber Manche sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Verbrennerverbot durch die Hintertür“. Wie sehen Sie das? Intern sprechen wir eher von einem indirekten Schub für die Elektromobilität. Unabhängig von der politischen Intention hätte eine solche Regulierung faktisch diese Wirkung. Entscheidend ist jedoch: Der Schmierstoffmarkt ist global. Während Europa und insbesondere Deutschland regulatorisch immer restriktiver werden, wachsen andere Regionen - etwa die USA oder Südostasien - deutlich dynamischer und ohne vergleichbare Einschränkungen. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die nicht technologiegetrieben sind, sondern rein regulatorisch. Für international tätige Unternehmen stellt sich damit zunehmend die Frage, wie lange sich Produktions- und Entwicklungsaktivitäten unter diesen Rahmenbedingungen noch in Europa abbilden lassen. Technologietrends und neue Anforderungen an Schmierstoffe Hybride Mobilität und veränderte Betriebsprofile Lassen Sie uns den Blick weiten. Abseits einzelner regulatorischer Fragestellungen steht die Schmierstoffindustrie vor einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Wie verändern neue Antriebskonzepte - insbesondere Hybridfahrzeuge - die Anforderungen an Motoröle aus technischer Sicht? Der Wandel ist weniger spektakulär, als es von außen manchmal wirkt, aber er ist sehr tiefgreifend. Hybridantriebe verändern vor allem die Betriebsprofile der Verbrennungsmotoren - und damit die Belastung des Schmierstoffs. Wir sehen deutlich mehr Kaltstarts, kürzere Laufzeiten, niedrigere durchschnittliche Öltemperaturen und häufige Lastwechsel. Das sind alles Faktoren, die bekannte Mechanismen verstärken. Konkret bedeutet das: erhöhte Wasseranreicherung durch Kondensation, stärkerer Kraftstoffeintrag ins Öl, höhere Emulsionsneigung und in Summe eine deutlich anspruchsvollere oxidative Belastung. Diese Effekte sind nicht neu, treten im Hybridbetrieb aber häufiger und intensiver auf. Für den Schmierstoff bedeutet das, dass Stabilitätsreserven eine noch größere Rolle spielen als früher. Hybridmotoren: Evolution statt Revolution in der Formulierung Bedeutet das die Notwendigkeit völlig neuer Motorölkategorien? Nein, definitiv nicht. Es braucht kein separates „Hybridöl“ im klassischen Sinne. Moderne Motoröle der letzten fünf bis sieben Jahre sind bereits sehr leistungsfähig aufgestellt. Die eingesetzten Additivsysteme und Basisöle sind grundsätzlich geeignet, auch hybride Betriebsprofile abzudecken. Was wir jedoch sehen, ist eine gezielte Weiterentwicklung. OEMs und Additivhersteller haben Hybridfahrzeuge stärker in ihre Prüfprogramme integriert. Themen wie Emulsionsstabilität, Pumpbarkeit bei niedrigen Temperaturen oder Langzeitstabilität unter wechselnden Lastprofilen werden intensiver getestet. Es geht also um Feinjustierung und Optimierung - nicht um einen vollständigen Paradigmenwechsel. Elektromobilität: Verschiebung statt Widerspruch Elektromobilität wird oft als Bedrohung für klassische Schmierstoffe gesehen. Teilen Sie diese Sicht? In dieser Absolutheit nicht. Natürlich verändert Elektromobilität den Markt. Der klassische Motorölbedarf wird langfristig zurückgehen, zumindest in Europa. Gleichzeitig entstehen aber neue Anforderungen und neue Produktfelder. Auch Elektrofahrzeuge benötigen Schmierstoffe. Sie haben Getriebe, Lager, Achsen und thermisch hochbelastete Komponenten. Gerade der Drivetrain- Bereich gewinnt stark an Bedeutung. Das Problem ist weniger der Bedarf als die enorme Fragmentierung der Spezifikationen. Wir sehen heute eine Vielzahl an Bezeichnungen für Getriebe- und E-Fluide, oft ohne klare technische Abgrenzung. Drivetrain- und Getriebefluide: Spezifikationsvielfalt als Kernproblem Wo sehen Sie bei Drivetrain- und Getriebefluiden ein strategisches Wachstumsfeld und konkret die größten Herausforderungen? Transparenz und Standardisierung fehlen. Früher hatte man API-Klassen und zugängliche OEM-Spezifikationen. Heute existieren hunderte, wenn nicht tausende Einzelbezeichnungen für Getriebefluide - insbesondere im Umfeld von Elektro- und Hybridfahrzeugen. In vielen Fällen handelt es sich technisch um bekannte Fluidtypen, die neu positioniert werden. Für einen Schmierstoffhersteller bedeutet das einen enormen Analyseaufwand: Welche Viskositätsklasse? Welche Reibwertanforderungen? Welche Materialverträglichkeit? Welche thermische Belastung? Wir investieren hier sehr gezielt, weil wir sehen, dass insbesondere in Märkten wie Südostasien und Zentralasien bereits heute eine hohe Nachfrage nach solchen Drivetrain- und Driveline-Produkten besteht. Europa wird zeitverzögert folgen. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 28 20 Minuten mit … | Prof. Oliver Kuhn über Automotive-Schmierstoffe Wasserstoffverbrennung: Technische Machbarkeit versus Marktrelevanz Wie bewerten Sie wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren aus schmierstofftechnischer Sicht? Die Verbrennung von Wasserstoff stellt aus schmierstofftechnischer Sicht eine besondere Herausforderung dar. Die hohe Wasserbildung im Verbrennungsprozess führt zu einer ausgeprägten Emulsionsneigung im Öl. Auch Korrosionsschutz spielt eine wesentlich existenziellere Rolle. Additivsysteme müssen gezielt darauf ausgelegt sein, Wasser zu binden oder kontrolliert zu separieren, ohne die Schmierwirkung zu beeinträchtigen. Hinzu kommt die Problematik der Vorentflammung, da Wasserstoff eine sehr hohe Zündwilligkeit besitzt. Dies beeinflusst nicht nur den Verbrennungsprozess selbst, sondern auch die thermische Belastung des Schmierstoffs. Aus technischer Sicht gelten diese Herausforderungen als lösbar, insbesondere für stationäre Anwendungen. Marktseitig bleibt die Wasserstoffverbrennung für uns jedoch eine Nische. Für den Pkw-Bereich wird sie aus unserer Perspektive als nicht relevant eingeschätzt, während sie im stationären Bereich oder in speziellen Heavy-Duty-Anwendungen punktuell Anwendung finden und sich etablieren kann. Entsprechend bleibt auch der Entwicklungsfokus der Schmierstoffindustrie in diesem Segment begrenzt. Märkte und Wettbewerb: Globalisierung und regionale Divergenz Wachstumsschwerpunkte außerhalb Europas Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund die internationale Marktentwicklung ein? Europa ist aus unserer Sicht ein weitgehend gesättigter Markt, der strukturell kaum noch wächst. Vielmehr erleben wir hier seit Jahren eine zunehmende regulatorische Verdichtung, steigende Komplexität und eine fortschreitende Umverteilung eines ohnehin begrenzten Marktvolumens. Der „Kuchen“ wird nicht größer - er wird lediglich anders verteilt. Für Schmierstoffhersteller bedeutet das: steigender Aufwand bei gleichzeitig stagnierenden oder rückläufigen Volumina. Unser tatsächliches Wachstum generieren wir heute nahezu ausschließlich außerhalb der Europäischen Union. Besonders dynamisch entwickeln sich für uns aktuell die USA, Südostasien sowie zunehmend auch Zentralasien. In diesen Regionen werden Verbrenner- und Hybridfahrzeuge weiterhin in großen Stückzahlen produziert, verkauft und betrieben - mit entsprechend stabilem und langfristigem Bedarf an hochwertigen Schmierstoffen. Ein relevanter Einflussfaktor in mehreren internationalen Märkten ist die veränderte Präsenz großer, global agierender Anbieter im After-Sales- und Werkstattgeschäft. In einzelnen Regionen ist zu beobachten, dass sich der Fokus dieser Unternehmen stärker auf ausgewählte Kernsegmente oder andere Geschäftsbereiche verlagert. Davon ist insbesondere der freie Markt betroffen, während der OEM-Bereich in der Regel weiterhin stabil bedient wird. Diese Entwicklung führt in bestimmten Märkten zu einer Neuordnung bestehender Strukturen. Anwender und Handelspartner, die bislang mit etablierten Premiumprodukten gearbeitet haben, evaluieren verstärkt alternative Anbieter, die vergleichbare technische Leistungsfähigkeit, Produktqualität und Versorgungssicherheit gewährleisten können. In diesem Umfeld ergeben sich für qualitätsorientierte Hersteller neue Möglichkeiten, ihre Position im After-Sales- Markt auszubauen. Unser Anspruch ist dabei klar definiert: Wachstum erfolgt nicht über den Preis, sondern über Produktqualität, technische Kompetenz und langfristige Verlässlichkeit. Ziel ist es, sich im Premiumsegment zu positionieren und den Anforderungen anspruchsvoller Märkte gerecht zu werden. In verschiedenen Regionen - insbesondere in Südostasien, Teilen Mittelamerikas, Afrikas und auch in den USA - zeigt sich aktuell eine stabile Nachfrage nach hochwertigen, technologisch ausgereiften Schmierstofflösungen, was sich in entsprechend positiven Marktentwicklungen widerspiegelt. Europa bleibt für uns ein strategisch wichtiger, jedoch strukturell anspruchsvoller Markt. Nennenswertes Wachstum ist hier kaum noch volumenseitig zu erwarten, sondern eher über Marktanteilsverschiebungen, den Ausbau bestehender Vertriebsstrukturen oder zusätzliche Landesgesellschaften - wie zuletzt in Frankreich. Die wesentlichen Expansionsimpulse kommen derzeit jedoch aus internationalen Märkten, in denen technologische Offenheit, marktwirtschaftliche Dynamik und Investitionsbereitschaft deutlich ausgeprägter sind. Operative Herausforderungen: Innovation, Marktzugang und Anwenderunterstützung Innovationsdruck, Planungssicherheit und Marktzugang Wie gehen Sie mit dem steigenden Innovationsdruck bei gleichzeitig sinkender Planungssicherheit um? Das ist aktuell eine der zentralen strategischen Herausforderungen für die gesamte Branche. Entwicklungszyklen werden spürbar kürzer, technologische Anforderungen verändern sich in immer schnelleren Abständen, und parallel fehlt häufig eine verlässliche regulatorische Perspektive über mehrere Jahre hinweg. Für einen Schmierstoffhersteller bedeutet das, dass Entscheidungen zunehmend unter Unsicherheit getroffen werden müssen - sowohl technisch als auch wirtschaftlich. 29 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 20 Minuten mit …-|-Prof. Oliver Kuhn über Automotive-Schmierstoffe Rein technologisch wären viele neue Produkte und Formulierungen umsetzbar. Der eigentliche Engpass liegt jedoch selten in der Entwicklung selbst, sondern im Marktzugang. OEM-Freigaben, Inhouse- und Feldtests sind zeitaufwendig, kostenintensiv und binden erhebliche Ressourcen. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu, weil immer mehr Anbieter versuchen, sich in zunehmend fragmentierten Segmenten zu positionieren. Unsere Stärke liegt darin, dass wir als Unternehmen vergleichsweise agil aufgestellt sind und seit vielen Jahren sehr eng und partnerschaftlich mit Additivlieferanten zusammenarbeiten. Das verschafft uns technisch einen gewissen Handlungsspielraum. Dennoch bleibt es anspruchsvoll, neue Produkte nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch erfolgreich, nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll im Markt zu etablieren. Orientierung für Anwender: Ölwegweiser und Technical Helpdesk Was raten Sie Werkstätten und Anwendern angesichts der zunehmenden technischen und normativen Komplexität? Die korrekte Produktauswahl gewinnt eine immer größere Bedeutung. Moderne Fahrzeuge reagieren äußerst sensibel auf Abweichungen von den freigegebenen Schmierstoffen. Schon geringe Abweichungen von OEM-Spezifikationen oder Viskositätsvorgaben können direkte Auswirkungen auf Emissionsverhalten, Bauteilschutz, Ölalterung und letztlich auch auf Gewährleistungs- und Haftungsfragen haben. Vor diesem Hintergrund investieren wir gezielt in strukturierte Orientierungshilfen. Unser Ölwegweiser bildet heute mehrere Millionen Fahrzeugverknüpfungen ab und wird kontinuierlich gepflegt und aktualisiert. Er stellt sicher, dass Werkstätten schnell und zuverlässig die technisch korrekte Schmierstoffempfehlung erhalten - auch bei immer differenzierteren Modellreihen, Hybridarchitekturen und Sonderfreigaben. Die kürzlich in Betrieb genommene Version 2.0 bietet viele Verbesserungen und Ergänzungen. 2018 verzeichneten wir täglich 5.000 Zugriffe auf den Wegweiser. Ende vergangenen Jahres lag die Zahl der Nutzer nur in Deutschland bei 14.000 am Tag und weltweit im gesamten Monat November bei 850.000. Anhand der Statistik können wir ablesen, dass das Gros der Zugriffe von Geschäftskunden erfolgt, denn an den Wochenenden sinken die Zahlen immer rapide. Digitale Tools allein reichen jedoch nicht aus. Deshalb legen wir großen Wert auf persönliche technische Unterstützung. Über unseren Technical Helpdesk stehen Werkstätten, Flottenbetreibern und Handelspartnern direkte Ansprechpartner und Fachexperten zur Verfügung, die komplexe Fragestellungen einordnen, Sonderfälle bewerten und bei Unsicherheiten gezielt unterstützen können. Gerade bei Grenzfällen, neuen Fahrzeugkonzepten oder unklaren Herstellerangaben ist dieser direkte fachliche Austausch entscheidend. Unser Ziel ist es, die wachsende Komplexität nicht an den Anwender weiterzugeben, sondern sie intern zu bündeln und in verlässliche, praxisnahe Empfehlungen zu übersetzen. Ohne diese Kombination aus digitalen Systemen und technischer Expertise wäre der sichere und regelkonforme Einsatz moderner Schmierstoffe im Werkstattalltag kaum noch beherrschbar. Produktsicherheit: Fälschungsschutz als Qualitäts- und Wettbewerbsdimension Technische Risiken und Reputationsschäden durch Fälschungen Ein weiteres Thema, das Sie bereits angesprochen haben, ist die Produktsicherheit. Welche Bedeutung hat dieses Thema heute für Ihr Unternehmen und für die Branche insgesamt? Die Bedeutung kann man kaum überschätzen. Produktfälschungen sind längst kein Randphänomen mehr, sondern ein massives, globales Problem. Wir beobachten seit Jahren, dass Fälscher immer professioneller vorgehen. Die äußere Aufmachung der Gebinde wird zunehmend perfektioniert - Etiketten, Verschlüsse, Hologramme oder Seriennummern lassen sich auf den ersten Blick oft kaum noch von Originalprodukten unterscheiden. Das eigentliche Risiko liegt jedoch im Produktinhalt. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei gefälschten Schmierstoffen um einfache Grundöle oder minderwertige Ölformulierungen ohne funktionsfähige Additivierung. Für den Anwender ist das hochkritisch. Solche Produkte bieten weder ausreichenden Verschleißschutz noch Oxidationsstabilität oder thermische Sicherheit. Die Folge können schwerwiegende Motorschäden sein, die dann fälschlicherweise dem Markenhersteller zugeschrieben werden. Der Imageschaden ist entsprechend erheblich. Das betrifft also nicht nur den Markenschutz, sondern auch die technische Sicherheit? Ganz eindeutig. Fälschungen sind kein rein markenrechtliches Problem, sondern ein technisches und sicherheitsrelevantes Risiko. Ein Motor, der mit einem funktionslosen Schmierstoff betrieben wird, ist akut gefährdet. Gleichzeitig geraten Hersteller in eine schwierige Position, weil Endkunden oft nicht erkennen können, dass sie ein gefälschtes Produkt eingesetzt haben. Hinzu kommt eine haftungsrechtliche Dimension. Werkstätten, Flottenbetreiber und Händler tragen ein erhebliches Risiko, wenn sie - wissentlich oder unwissentlich - gefälschte Produkte einsetzen oder vertreiben. Deshalb ist Produktsicherheit heute nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern ein zentraler Bestandteil professioneller Marktteilnahme. »« Eingangsabbildung: © istock.com/ Comeback Images save the date! 21.-22. April 2026 in Stuttgart Simultanübersetzung Simultaneous translation Informationen über: Kraft- und Biokraftstoffe Schmierstoffe Additive Grundöle + Get-together - Abendevent Information about: Fuels and Biofuels Lubricants Additives Base Oils + Get-together UNITI Services GmbH Academy | Events | Media Veranstalter / Organizer: UNITI Services GmbH · Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 · info@uniti.de · www.umtf.de Weitere Informationen More Information: www.umtf.de 31 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 TerMIne datum ort Veranstaltung 11.-14.04.2026 Rom (Italien) ELGI - Annual General Meeting 20.-23.04.20226 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-cls-zertifikat-vorbereitungskurs/ 21.-22.04.2026 Stuttgart UNITI Mineralöltechnologie-Forum (UMTF) 08.-12.09.2026 Messe Frankfurt a. M. Automechanika 15.-17.09.2026 Messe Düsseldorf Lubricant Expo 15.-19.09.2026 Messe Stuttgart AMB Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung 18.-19.11.2026 Schwabenlandhalle in Fellbach 33. Kühlschmierstoffforum (KSSF) 11.-12.05.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul3/ 17.-21.05.26 New Orleans 80th STLE Annual Meeting & Exhibition https: / / www.stle.org/ AnnualMeeting/ call 16.-17.06.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung II (Modul II Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul2/ 30.06.-02.07.26 OilDoc Akademie Brannenburg Maschinenüberwachung durch Ölanalysen für Einsteiger MLT I / MLA I-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-zertifikatskurs-mla-mlt1/ 06.-07.10.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierfette/ 08.-09.10.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-infrarotspektroskopie/ 24.-26.11.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul1/ 30.11.-03.12.26 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-cls-zertifikat-vorbereitungskurs/ Save the date! 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Die Veranstaltungen sind bekannt für hohen Praxisnutzen, gutes Networking und professionelle Abläufe. Ö l k a n n s p r e c h e n . L ernen Sie s eine S prache. Schwerpunkte: Schmierung · Tribologie · proaktive Wartung · Öl- und Zustandsüberwachung · Verschleißkontrolle · Schadensfrüherkennung · Optimierung von Ölwechselintervallen · Ölanalytik & vieles mehr Alle Fortbildungen als Präsenzseminar in der OilDoc Akademie in Brannenburg oder zum SONDERPREIS als Live-Video-Stream. 28.-29.04.26 Schmierung und Ölüberwachung für Verbrennungsmotoren 04.-07.05.26 Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs 11.-12.05.26 Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 16.-17.06.26 Grundlagen der Schmierstoffanwendung II (Modul II Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 30.06.-02.07. Maschinenüberwachung durch Ölanalysen (für Einsteiger) MLA/ MLT I Zertifikatskurs 16.-17.09.26 Schmierstoffschäden an Lagern, Getrieben und Motoren (Modul IV Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 22.-24.09.26 Schmierung und Ölüberwachung für Hydrauliken 29.09.-01.10. Schmierung und Ölüberwachung für Turbinen und Turbokompressoren 06.-07.10.26 Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung 08.-09.10.26 Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren 13.10.226 Kühlmittel - das unterschätzte Betriebsfluid Alle aktuellen Termine und ausführliche Informationen zu den konkreten Seminarinhalten, den Zielen und Zielgruppen finden Sie unter www.oildoc.de. Gerne können Sie uns auch persönlich kontaktieren unter Tel. +49 8034-9047-700. aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ Erleben Sie nach dem Seminar die Freitzeitmöglichkeiten im bayerischen Voralpenland! Egal ob Wandern, Therme, Bowling, Gasthaus, Pub, Kino - wir kennen uns hier aus und beraten Sie gern! Sie können nicht zu uns nach Brannenburg kommen? Kein Problem! Sie können trotzdem live beim Seminar dabei sein - auch kurzfristig! Die Kamera läuft die ganze Zeit während des Seminars mit und Sie sind von Ihrem Arbeitsplatz oder Home-Office live dabei! 33 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Termine April 2026 Kongress 21.-22. April 2026 in Stuttgart UNITI Mineralöltechnologie-Forum Webinar 27.-28. April 2026 Industrieschmierstoffe Juni 2026 Seminar 02.-03. Juni 2026 in Hamburg Basiswissen Schmierstoffe Lehrgang 09.-11. Juni 2026 in Dortmund Technischer Mineralölkaufmann/ Technische Mineralölkauffrau, 2. Modul Seminar 16.-18. Juni 2026 in Kassel Additive für Schmierstoffe September 2026 Seminar 22.-24. September 2026 im Bantleon-Forum in Ulm Kühlschmierstoffe Oktober 2026 Webinar 06. Oktober 2026 Auffrischungskurs REACH, CLP & SDB Webinar 07. Oktober 2026 Refresher Course REACH, CLP & SDS (in englischer Sprache) Tagung 07. Oktober 2026 in Berlin UNITI-Mitgliederversammlung energie + MITTELSTAND | Die Debatte UNITI Sommerfest Lehrgang 13.-15. Oktober 2026 in Berlin, 1. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Seminar 20.-22. Oktober 2026 in Rheine Schmier- und Betriebsstoffe Seminar 27.-29. Oktober 2026 in Berlin Warenkunde für Auszubildende und Junioren der Mineralölbranche November 2026 Webinar 03.-04. November 2026 Schmierfette Lehrgang 10.-13. November 2026 in Berlin, 2. Schulungswoche Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie Seminar 18.-19. November 2026 im Bantleon-Forum in Ulm Schmierstoffe Kompakt Lehrgang 24.-26. November 2026 in Dortmund Technischer Mineralölkaufmann/ Technische Mineralölkauffrau, 3. Modul Januar 2027 Kongress 18.-19. November 2026 in Fellbach KühlSchmierStoff-Forum 2026 (KSSF) Dezember 2026 Seminar 01.-02. Dezember 2026 in Berlin CLP-Einstufung und Kennzeichnung von Gemischen Seminar 09. Dezember 2026 in Berlin Wirtschaftlichkeit und Erfolg im Vertrieb Kongress 20.-21. Januar 2027 in Leipzig nextlub - 3rd International Conference on Tribology and Sustainable Lubrication April 2027 Kongress 20.-21. April 2027 in Stuttgart UNITI Mineralöltechnologie-Forum Änderungen bleiben vorbehalten. Stand: 9. März 2026 UNITI Veranstaltungen UNITI Services GmbH Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 info@uniti.de UNITI Services GmbH Academy | Events | Media Schwabenlandhalle Fellbach Ausstellung | Postersession | Kongress 18. und 19. November 2026 Bei Interesse an einer Ausstellungsfläche oder eines Sponsorings nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. save the date! © Andrei Zonenko/ Adobe Stock KSSF 2026 33. Kühlschmierstoffforum 35 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 neues Aus deM VerBAnd UNITI unterstützt Branchenstandard: Die neue UEIL/ ATIEL-PCF-Methodik schafft eine harmonisierte und zertifizierte Grundlage für die Schmierstoffbranche Die Ermittlung des Product Carbon Footprint (PCF) von Schmierstoffen ist aufgrund der vielschichtigen petrochemischen und industriellen Wertschöpfungsketten mit erheblichen methodischen Herausforderungen verbunden. Vor diesem Hintergrund hat das ATIEL/ UEIL Joint Sustainability Committee eine neue Methodik entwickelt, die erstmals einen europaweit harmonisierten, technisch fundierten und zertifizierbaren Ansatz bietet. Dieser Standard schafft Klarheit hinsichtlich der Datenerhebung, Bearbeitung und Berechnung und erleichtert es Unternehmen, die CO₂-Bilanz von Schmierstoffen konsistent und international vergleichbar abzubilden. Neben zahlreichen Akteuren aus UNITI-Mitgliedsunternehmen waren auch Vertreter des Fachbereichs Schmierstoffe - darunter Dr. Stephan Baumgärtel, Dr. Maren Ohnesorge und Elisabeth Götze - im UEIL/ ATIEL Joint Sustainability Committee fachlich mit eingebunden und haben die Arbeiten aus Sicht der Verbandsmitglieder unterstützt. Die im Jahr 2025 veröffentlichten Ergebnisse umfassen eine umfassende Vergleichsstudie, die die neue Methodik in den Kontext internationaler Standards wie Catena-X, TfS und API einordnet, sowie den Leitfaden „Lubricants & Greases End of Life: Sustainable Best Practices“. Dieser beleuchtet wesentliche Aspekte eines nachhaltigen End-of- Life-Managements und adressiert sowohl regulatorische Entwicklungen als auch strategische Anforderungen an kreislauffähige Schmierstoffportfolios. Ergänzend wurde ein Web-Seminar durchgeführt, das die praktische Umsetzbarkeit der Konzepte vertiefte. Die hohe fachliche Qualität der Methodik wurde zudem im Dezember 2025 zudem durch eine erneute Zertifizierung durch TÜV Rheinland Energy GmbH bestätigt. Damit ist sichergestellt, dass der Ansatz weiterhin den Anforderungen internationaler Normen wie ISO 14067 sowie dem GHG Protocol Product Standard entspricht und den aktuellen Stand von Wissenschaft und Industriepraxis abbildet. Durch die Methodik entsteht für die Schmierstoff branche ein neues Maß an Transparenz und Vergleichbarkeit, das nicht nur für regulatorische Berichtspflichten, sondern auch für unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategien von essenzieller Bedeutung ist. Sie trägt maßgeblich dazu bei, eine fachlich solide Grundlage für die Dekarbonisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken. Weiterer Meilenstein für PCF-Methodik der Schmierstoffindustrie Die gemeinsam von ATIEL und UEIL entwickelte Methodik zur Berechnung von Product Carbon Footprints (PCF) für Schmierstoffe, Fette und Spezialprodukte wurde erfolgreich durch TÜV Rheinland rezertifiziert. Die Methodik stellt einen praxisnahen, ISO 14067-konformen Rahmen dar und unterstreicht das kontinuierliche Engagement der Branche für Transparenz, Vergleichbarkeit und Harmonisierung von CO₂-Daten. Ein weiterer bedeutender Schritt ist die Integration der Methodik in das Catena-X PCF-Regelwerk. Mit der geplanten Veröffentlichung der Version 4.1 im dritten Quartal 2026 wird die ATIEL-/ UEIL-Methodik dort offiziell als zulässig anerkannt - vorausgesetzt, die spezifischen Anforderungen von Catena-X werden vollständig berücksichtigt. Dies ermöglicht künftig einen konsistenten und interoperablen Austausch von PCF-Daten entlang der automobilen Wertschöpfungskette und stärkt die Anschlussfähigkeit der Schmierstoffindustrie an zentrale industrielle Datenökosysteme. Die Entwicklungen verdeutlichen die zunehmende Bedeutung standardisierter CO₂-Bewertungsmethoden als Grundlage für regulatorische Anforderungen, Kundenanforderungen und nachhaltige Produktstrategien. »« MEDIENTIPP Wolfgang Benzel, Peter Bohrer Cimilitary Leadership: Erfolgreich führen mit den Methoden der Profis 2., erweiterte Auflage 2026, 192 Seiten ISBN print 978-3-381-14621-5 ISBN eBook 978-3-381-14622-2 DOI 10.24053/ 9783381146222 Ladenpreis print €[D] 34,90 Ladenpreis eBook €[D] 27,99 Das Buch kann auch als praxisnahes Trainingsbuch genutzt werden. Bedarf es erst politischer Krisen, um auf drastische Weise zu erfahren, dass Führungskräfte auf allen Ebenen vielfach eines nicht sind: hierfür ausgebildet? Nein, diese Erkenntnis ist alles andere als neu. In Unternehmen, Verwaltungen, Verbänden und zahlreichen anderen Organisationen werden immer wieder Personen zu Führungskräften ernannt, ohne eine entsprechende Ausbildung erhalten zu haben. Gerade im Mittelstand entscheidet allzu oft der Verwandtschaftsgrad, wer Führungskraft wird, nicht die Qualifikation; Ausbildung: Fehlanzeige! Komplett anders läuft dies beim Militär! Hier werden zukünftige Führungskräfte sehr früh identifiziert und mit immensem Aufwand zu dem ausgebildet, was sie tun sollen: in einer Welt voller Unwägbarkeiten führen und richtige Entscheidungen treffen! Dieses Buch leitet aus militärischen Führungsgrundsätzen ab, wie gute Führung in einem von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität, kurz VUCA, geprägten zivilen Umfeld gelingen und trainiert werden kann. Die Neuauflage wurde um weitere Trainingseinheiten erweitert. UVK Verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de 37 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 neues Aus der BrAnche 35 Jahre OELCHECK - Schmierstoffanalytik im Dienst von Effizienz und Nachhaltigkeit Jubiläum eines spezialisierten Analyselabors Im Jahr 2026 blickt das süddeutsche Unternehmen OEL- CHECK auf 35 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Seit der Gründung im Jahr 1991 durch Peter und Barbara Weismann hat sich das auf Schmier- und Betriebsstoffanalysen spezialisierte Labor zu einem etablierten Anbieter in Europa entwickelt. Ziel des Unternehmens ist es, mithilfe analytischer Untersuchungen und tribologischer Bewertungen den Zustand von Schmierstoffen sowie der von ihnen geschmierten Maschinenkomponenten zuverlässig zu beurteilen. Nachhaltigkeit durch Zustandsüberwachung Während Nachhaltigkeit heute ein zentrales Thema in Industrie und Wirtschaft darstellt, gehörte der ressourcenschonende Einsatz von Schmierstoffen bereits früh zu den grundlegenden Ansätzen des Unternehmens. Durch regelmäßige Analysen lassen sich Ölwechselintervalle stärker am tatsächlichen Zustand des Schmierstoffs ausrichten und Verschleißprozesse frühzeitig erkennen. Dadurch können Betriebsstoffe länger genutzt sowie Wartungsmaßnahmen gezielter geplant werden - mit positiven Effekten für Kosten, Anlagenverfügbarkeit und CO 2 -Emissionen. Analytik und tribologische Bewertung Im Mittelpunkt der Dienstleistungen stehen Analysensets, mit denen Anwender Proben aus Maschinen, Motoren oder Anlagen untersuchen lassen können. Die ermittelten Laborwerte werden von Tribologen bewertet und mit Grenz- und Warnwerten verglichen, die auf umfangreichen Erfahrungsdaten basieren. Neben der Analyse einzelner Proben spielen auch Trendanalysen eine wichtige Rolle. Werden Schmierstoffe aus einer Anwendung regelmäßig untersucht, lassen sich Veränderungen über längere Zeiträume verfolgen und mögliche Abweichungen frühzeitig erkennen. Datenbasis aus Millionen Proben Die Grundlage der Bewertungen bildet eine umfangreiche Datenbasis aus mehreren Millionen untersuchten Proben. Daraus wurden Grenz- und Warnwerte für eine große Zahl unterschiedlicher Anlagentypen abgeleitet. Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen werden in Berichten zusammengefasst, die neben den Messwerten auch Hinweise zum Zustand des Schmierstoffs enthalten und gegebenenfalls Empfehlungen für Wartungs- oder Instandhaltungsmaßnahmen geben. Unabhängiges Familienunternehmen OELCHECK arbeitet als unabhängiges Labor für Schmier- und Betriebsstoffanalysen und ist nicht an einen Schmierstoffhersteller gebunden. Das Unternehmen mit Sitz in Süddeutschland wird als Familienunternehmen inzwischen in der zweiten Generation von Paul Weismann und Petra Bots geführt. Viele Kunden sind international tätig und nutzen die Laborleistungen unabhängig vom Einsatzort ihrer Anlagen. Die Proben werden zur Analyse nach Deutschland geschickt und dort zentral ausgewertet, wodurch eine einheitliche Analyse und Beurteilung gewährleistet wird. Beitrag zur Ressourcenschonung Schmierstoffe stehen selten im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion über Nachhaltigkeit. Dennoch tragen sie wesentlich zur Effizienz technischer Systeme bei: Sie reduzieren Reibung, schützen vor Verschleiß und Korrosion und ermöglichen längere Einsatzzeiten von Maschinen und Anlagen. Eine gezielte Zustandsüberwachung kann daher einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. neues Aus der BrAnche MEDIENTIPP Werner Gooss Turbinenöle im Kraftwerksbetrieb Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 1. Auflage 2025, 192 Seiten ISBN print 978-3-8169-3542-1 ISBN eBook 978-3-8169-8542-6 DOI 10.24053/ 9783816985426 Ladenpreis print €[D] 149,00 Ladenpreis eBook €[D] 119,99 + umfasst die Turbinenöle in ihrer Komplexität + will Denkanstöße zu Klimaschutz und weiteren Forschungsansätzen geben Dieses Buch bietet einen Überblick über das Thema Mineralöle und speziell über Qualität und Einsatz von Turbinenölen. Die Turbinenöle werden in ihrer Komplexität erfasst - von den Herstellungsverfahren, Qualitätsanforderungen, analytischen Untersuchungsmethoden bis hin zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften, den wichtigsten Bewertungskriterien, Grenzwerten im Betrieb und der Altölentsorgung. Die Öloxidation wird ausführlich behandelt. Verknüpft wird das Thema mit einer Darstellung der alternativen Möglichkeiten der Stromerzeugung und Anstößen zum Klimaschutz. Das Buch soll als Anregung zu Forschungsprojekten bezüglich neuer, rapider Methoden zur Qualitätsbewertung der Turbinenöle, Erstellung neuer Korrelationsmethoden und möglichen Verlängerungen der Öleinsatzzeiten im Betrieb dienen und somit einerseits zur Wirtschaftlichkeitserhöhung beitragen und andererseits zu einem nachhaltigen Einsatz der Öl-Ressourcen anregen. expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de 39 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Neues aus der Branche Gut aufgestellt für die Zukunft Nach 35 Jahren Unternehmensgeschichte sieht sich OEL- CHECK gut für die kommenden Herausforderungen positioniert. Die Nachfrage nach präzisen Analysen, fundierten tribologischen Bewertungen und verlässlichen Zustandsdiagnosen wächst weiter - nicht zuletzt im Zusammenhang mit steigenden Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Anlagenverfügbarkeit. Heute betreut das Unternehmen mehr als 30.000 Kunden aus unterschiedlichen Industriebereichen. Mit der zweiten Unternehmergeneration an der Spitze setzt OEL- CHECK auf Kontinuität und Weiterentwicklung gleichermaßen. Investitionen in moderne Analytik, digitale Auswertungsverfahren und den Ausbau der Datenbasis sollen dazu beitragen, auch künftig professionelle, hochwertige und verlässliche Analysen bereitzustellen und Anwender weltweit bei einem effizienten und nachhaltigen Betrieb ihrer Anlagen zu unterstützen. Neue Wege für mehr Leistung in der Windkraftindustrie Windkraft gilt als ein Schlüsselelement für die widerstandsfähige Zukunft. Die Entwicklung effizienzsteigernder Schmierstoffe kann die Windkraftindustrie auf diesem Weg unterstützen. Wie das funktioniert, zeigt Shell mit seinem Getriebeöl Shell Omala S5 Wind 320. Das synthetische Shell Omala S5 Wind 320 Getriebeöl konnte im Feldeinsatz in Umgebungstemperaturbereichen von +40°C bis -30°C bestehen und durch seine niedrige Kälteviskosität das Anfahren der Turbine bei kalten Umgebungstemperaturen erleichtern. Über die Einsatzzeit zeichnet sich Shell Omala S5 Wind 320 mit geringer Schaumbildung und geringen Verschleiß in Lagern und Getriebeteilen aus. Über den durchschnittlichen Lebenszyklus einer Windturbine von 25 Jahren sind mit solchen Schmierstoffen nur noch zwei Ölwechsel statt wie bisher drei bis fünf nötig. Das Shell Omala S5 Wind 320 Getriebeöl bietet zudem eine hervorragende Filtrierbarkeit 1 und einen ausgezeichneten Korrosionsschutz 2 , insbesondere gegen Buntmetallkorrosion bei Lagerkäfigen und Gleitlagern 3 . Schmierstoffe spielen eine zentrale Rolle, um die Leistungsfähigkeit von Anlagen zu steigern und damit verbundene Kosten zu senken. Laut Untersuchungen erleiden rund 40 Prozent der Anlagen Schäden oder Ausfallzeiten aufgrund von mangelhafter Schmierung 4 . Aus diesem Grund hat die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schmierstoffen, wie dem Shell Omala S5 Wind 320 Getriebeöl, in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, wobei sich deren Entwicklung neben Leistungs- und Effizienzsteige- 1 Das Shell Omala S5 Wind 320 Getriebeöl wurde in einem Hydac Multi-Pass-Prüfstand mit 3 μm Filtermaterial 50.000 Zyklen lang getestet und behielt seine Antischaumleistung bei, länger als jedes andere Konkurrenzöl, die alle nach 5.000 Zyklen versagten. 2 Basierend auf Korrosionstests nach Industriestandard. 3 Based on ASTM D2893 testing 4 Die verwendeten Statistiken basieren auf einer von Shell Lubricants in Auftrag gegebenen und vom Marktforschungsunternehmen Edelman Intelligence durchgeführten Umfrage, die von März bis April 2018 in sieben Ländern (USA, China, Indien, Deutschland, Russland, Indonesien und Großbritannien) auf der Grundlage von 350 Interviews mit Mitarbeitern des Energiesektors durchgeführt wurde, die im Rahmen ihrer Arbeit Schmierstoffe/ Fette kaufen, den Kauf beeinflussen oder verwenden. rungen zunehmend auch auf die Dekarbonisierung fokussiert. Der Entwicklungsprozess der innovativen Schmierstoffe findet im Shell Technology Centre Hamburg (STCHa) unter Einhaltung strenger Qualitätsstandards statt. Das STCHa kooperiert mit Shell Forschungszentren in den Niederlanden, USA, China, Indien, UK und Japan. Als Teil dieser Gemeinschaft von mehr als 3.000 Wissenschaftlern, Forschern und Ingenieuren konzentriert sich das Energieunternehmen auf die Entwicklung und Differenzierung von Produkten für die Mobilitäts- und Industriekundenanforderungen. In vielschichtigen Testverfahren werden hier die Schmierstoffe im Hinblick auf verschiedene Eigenschaften wie die Einsatzdauer kontinuierlich optimiert und dadurch eine bestmögliche Performance sichergestellt. Erst wenn diese Verfahren abgeschlossen sind, wird das Produkt unter realen Bedingungen im regulären Betrieb getestet. Am Ende entstehen von allen Herstellern freigegebene, High-Performance Schmierstoffe, wie das Shell Omala S5 Wind 320 Getriebeöl. So investiert die Branche bereits seit geraumer Zeit intensiv in Forschung und Entwicklung, um die Leistung ihrer Produkte kontinuierlich zu verbessern. Bei Shell, dem weltweit führenden Schmierstofflieferanten (Quelle: Kline, 2024), liegt das Augenmerk dabei auf der Entwicklung von High Performance Schmierstoffen und der Optimierung der Produktionsprozesse. Parallel werden durch enge Zusammenarbeit mit der Industrie maßgeschneiderte Lösungen entwickelt, um die Lebensdauer von Windkraftanlagen zu verlängern. Mithilfe gezielter Maßnahmen wie längerer Ölwechselintervalle und der Verwendung hochwertiger Bauteile können im Ergebnis die Gesamtbetriebskosten gesenkt und die Umweltbelastung verringert werden. Trotz solch beeindruckender Fortschritte ist die Forschung noch lange nicht am Ende angelangt. Je mehr Erfahrungen mit neuartigen Schmierstoffen aus dem laufenden Betrieb über die kommenden Jahre an die Hersteller zurücklaufen, desto weiter können die Formulierungen künftig noch verbessert werden. Experten sind sich einig, dass über Schmierstoffe bei Windkraftanlagen perspektivisch so zusätzliche Optimierungen hinsichtlich Lebensdauer und Verschleiß möglich sind. Zeller+Gmelin präsentiert neues Schmierstoffkonzept für E-Achsen Electronic Transmission Fluid deckt die komplexen Anforderungen moderner elektrischer Antriebe ab Die Elektrifizierung von Fahrzeugantrieben gewinnt weiter an Tempo. Damit steigen auch die Anforderungen an die eingesetzten Schmierstoffe. Klassische Getriebeöle, die für konventionelle Antriebe entwickelt wurden, stoßen bei hochintegrierten E-Achsen an ihre Grenzen. Zeller+Gmelin aus Eislingen hat mit Divinol Synthogear ETF ein Electronic Transmission Fluid entwickelt, das speziell auf die Betriebsbedingungen moderner E-Mobilitätsplattformen zugeschnitten ist. E-Achsen vereinen Elektromotor, Getriebe und Leistungselektronik in einem kompakten Bauteil. In trockenen Systemen sorgt das Fluid ausschließlich für die Schmierung des Getriebes. Hier zählen niedrige Reibung, zuverlässiger Verschleißschutz und thermische Stabilität. In nassen Systemen arbeiten Motor und Getriebe im gemeinsamen Öl- Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 40 Neues aus der Branche bad. Das Fluid übernimmt die elektrische Isolation, unterstützt die Wärmeabfuhr von Wicklungen und Inverter und bleibt dabei mit Materialien wie Kupfer, Elastomeren und Isolierlacken kompatibel. Auch die Getriebearchitektur beeinflusst die Anforderungen. Einstufige Übersetzungen sind vergleichsweise moderat belastet, während mehrstufige Systeme höhere Scherkräfte sowie unterschiedliche Druck- und Temperaturzonen erzeugen. Entwickler benötigen daher ein Fluid, das ein breites Eigenschaftsspektrum abdeckt und sich flexibel an unterschiedliche Einsatzbedingungen anpasst. Leistungsprofil von Divinol Synthogear ETF Das neue E-Axle-Fluid basiert auf vollsynthetischen Grundölen. Die Kombination aus PAO- und Esterkomponenten und einer gezielt abgestimmten Additivtechnologie ermöglicht, die vielseitigen Anforderungen in trockenen und nassen Systemen gleichermaßen zu erfüllen. Divinol Synthogear ETF zeichnet sich durch hohe elektrische Durchschlagsfestigkeit aus, die Wicklungen zuverlässig schützt. Verschleißschutz für Verzahnungen, Lager und Dichtflächen sowie thermische und oxidative Stabilität sichern den Einsatz auch bei Dauertemperaturen über 150 °C. Die niedrige Viskosität verbessert die Energieeffizienz des Systems und unterstützt ein zuverlässiges Kaltstartverhalten.Kontrolliertes Schaumverhalten und geringe Luftaufnahme sorgen dafür, dass Kühlleistung und Schmierung auch unter dynamischen Lastbedingungen stabil bleiben. Gleichzeitig ist das Fluid mit einer Vielzahl von Materialien verträglich, wodurch Dichtungsausfälle oder elektrische Kurzschlüsse reduziert werden. Nutzen für Hersteller und Entwickler Für OEMs und Systementwickler bietet Divinol Synthogear ETF klare Vorteile. Es schützt sämtliche Systemkomponenten, senkt Reibungsverluste und unterstützt die Wärmeabfuhr, wodurch Energieverbrauch und Reichweite optimiert werden. Die universelle Einsetzbarkeit in trockenen und nassen E-Motoren sowie in ein- und mehrstufigen Getrieben erleichtert die Modularisierung von Antriebskonzepten. Hohe Alterungsbeständigkeit verlängert Wechselintervalle und reduziert Wartungsaufwand. „Mit Divinol Synthogear ETF liefern wir ein Fluid, das die Anforderungen trockener und nasser Systeme gleichermaßen abdeckt“, erklärt Andreas Krapf, Produktmanager Automotive/ Kfz-Sonderprodukte bei Zeller+Gmelin. „Wir haben bei der Entwicklung besonderen Wert auf elektrische Eigenschaften und Materialverträglichkeit gelegt, da diese Faktoren für die Sicherheit und Lebensdauer moderner E-Achsen entscheidend sind.“ Breites Anwendungsspektrum Das Fluid eignet sich für diverse Plattformen und Bauformen elektrischer Antriebe. Dazu zählen trockene Getriebe mit separatem Elektromotor ebenso wie integrierte Achssysteme, bei denen Motor und Getriebe ein gemeinsames Ölbad nutzen. Es lässt sich in Fahrzeugen mit Hochvoltarchitekturen von 400 bis 800 Volt einsetzen, einschließlich Systemen mit direkter Ölkühlung des Elektromotors. Bereit für kommende Generationen Divinol Synthogear ETF erfüllt auch künftige Anforderungen. Es ist kompatibel mit Spannungen über 800 Volt, reduziert Lagerströme und Erosion durch gezielte Additivierung und bleibt stabil bei höheren Öltemperaturen, wie sie durch Downsizing und steigende Leistungsdichten entstehen. Die lange Lebensdauer und Energieeffizienz tragen zudem zur Reduktion des CO₂-Footprints bei. „Wir beobachten, dass OEMs zunehmend Fluide nachfragen, die nicht nur heutige, sondern auch zukünftige Anforderungen abdecken“, ergänzt Andreas Krapf. „Mit Divinol Synthogear ETF können wir diesen Bedarf bedienen und gleichzeitig die Entwicklungsarbeit unserer Kunden vereinfachen, da ein Fluid für verschiedene Achs- und Antriebskonzepte einsetzbar ist.“ »« MEDIENTIPP Grit Zacharias (Hg.) Studien- und Karriereplaner Maschinenbau 1. Auflage 2025, 186 Seiten ISBN print 978-3-8252-6245-7 ISBN eBook 978-3-8385-6245-2 DOI 10.36198/ 9783838562452 Ladenpreis print €[D] 19,90 Ladenpreis eBook €[D] 18,99 + Orientierung bei der Wahl des Studienfachs und des Schwerpunkts + mit Brancheninsider-Informationen zu Karrierewegen und Gehalt + berufliche Orientierung Der Studien- und Karriereplaner Maschinenbau bietet angehenden Studierenden einen Überblick über Studieninhalte im Fach Maschinenbau und die Bachelor- und Masterstudiengänge in diesem Bereich in Deutschland. Verschiedene Verbände stellen die Branche vor und zeigen auf, wie sie die zukünftige Entwicklung einschätzen. Wie der konkrete Berufsalltag einer Maschinenbauingenieurin beziehungsweise eines Maschinenbauingenieurs aussieht, machen die zahlreichen Praktiker-Porträts in lebendiger Weise deutlich. Ein detaillierter Überblick über den aktuellen Arbeitsmarkt zeigt, welche Spezialisierungen sich besonders lohnen könnten und welche Gehälter realisierbar sind. Viele Tipps zum Studium, zur Bewerbung und weiteren Entwicklung der Karriere runden das Buch ab. Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Tribologie und Schmierungstechnik Tribology—Lubrication Friction Wear The scientific journal Tribologie und Schmierungstechnik (TuS) is one of the leading publications for tribological research in Germany, Austria and Switzerland. As the official journal of the Society for Tribology (GfT) in Germany, the Austrian Tribological Society (ÖTG) and Swiss Tribology, the issues provide information on research from industry and science, current events and developments in the specialist community. Subscription service: phone: +49 (0)89 85 85 38 81 eMail: abo-service@narr.de Further information on the journal and publication: www.narr.digital/ tus 2 starke Komponenten für die Tribologie Damit alles läuft, wie geschmiert! Die Zeitschrift SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG bietet einen umfassenden Überblick über alle Themen der Schmierstoffbranche. Dabei werden neueste Trends und Technologien ebenso behandelt, wie grundlegendes Basiswissen und wirtschaftliche Entwicklungen. SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG richtet sich insbesondere an Leser: innen aus der Praxis. Anwender von Schmierstoffen und Hersteller von Schmiermitteln erhalten durch unsere Zeitschrift ebenso fundierte Fachinformationen wie Dienstleister im Bereich Öl sowie jene, die in Schmierstofflaboren und Industrieservice-Unternehmen tätig sind. Auch Tätige des Handels und des Außendienstes in der Schmierstoffbranche finden hier eine aufschlussreiche Lektüre. Hier können Sie die Zeitschrift kostenlos abonnieren: www.sus.expert SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG Ein Fachmagazin des