Schmierstoff + Schmierung
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expert verlag Tübingen
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SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG 2 26 Schwerpunktthemen: Warum die Schmierstoffpreise steigen - die globale Grundölversorgungskrise 2026 / Spritzgießmaschinen im Wandel / Kunststoffe und Schmierstoffe - ist ein Vergleich sinnvoll? Leader in High Performance Specialty Oil Solutions. Unrivaled consistency, global smart logistics and dedicated technical experts for base oils you can trust. Explore all of Ergon’s specialty oil solutions at ergonspecialtyoils.com. NOR TH & S O U TH AME R ICA I E U ROPE I MIDDLE E AS T I A FR ICA I AS IA 1 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 JULI 2026 7. JAHRGANG Rubriken 3 Editorial 31 20 Minuten mit … 36 Termine 39 Neues aus dem Verband 49 Neues aus der Branche 51 Neues aus der Normung Inhalt INHALT 3 Schmierstoff UND Schmierung 5 Warum die Schmierstoffpreise steigen - die globale Grundölversorgungskrise 2026 7 CO 2 -neutrale Mobilität - Herausforderungen an Motorenöle für den Einsatz in Wasserstoffmotoren bei Off-Highway-Anwendungen 13 Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich? 18 Kunststoffe und Schmierstoffe - ist ein Vergleich sinnvoll? 20 Spritzgießmaschinen im Wandel 28 Vom Produktschutz zur Produktidentität 31 20 Minuten mit … Diana Schneider über Lebensmittelschmierstoffe: Wenn Technik unter Produktsicherheitsvorbehalt steht 36 Termine 39 Neues aus dem Verband 49 Neues aus der Branche 51 Neues aus der Normung HIGH-TECH SCHMIERSTOFFE MADE IN GERMANY www.oestgroup.com 3 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Editorial Schmierstoff UND Schmierung Zwischen Versorgungssicherheit, Regulierung und Innovationskraft Liebe Leserinnen und Leser, die Schmierstoff branche startete in das Jahr 2026 in einem anspruchsvollen und zugleich richtungsweisenden Umfeld. Themen wie die Verfügbarkeit von Basisölen und Additiven, steigende Komplexität entlang der globaler Lieferketten sowie der zunehmende regulatorische Anspruch prägen die aktuelle Entwicklung der Branche. Für Hersteller, Anwender und Entwickler bedeutet dies, sich parallel auf mehreren Ebenen anzupassen - technisch, organisatorisch und strategisch. Insbesondere die Versorgung mit Schlüsselrohstoffen und funktionalen Additiven ist ein zentrales Thema. Volatile Märkte, strukturelle Abhängigkeiten und geopolitische Einflüsse wirken sich unmittelbar auf Verfügbarkeit, Preisentwicklung und Planungssicherheit aus. Gleichzeitig wächst der Druck, bestehende Formulierungen weiterzuentwickeln und alternative Rohstoffquellen zu erschließen. Schmierstoffe als Schlüsseltechnologie industrieller Wertschöpfung sind dabei in nahezu allen technischen Anwendungen präsent - von der Mobilität über die industrielle Fertigung bis hin zur Energieerzeugung und -verteilung. Auch das globale Umfeld wirkt zunehmend auf die Branche ein. Geopolitische Spannungen, verschobene Handelsströme und eine stärkere Fragmentierung internationaler Märkte beeinflussen die Verfügbarkeit vieler Vorprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für die Schmierstoffindustrie, deren Produkte in einer Vielzahl kritischer Anwendungen eingesetzt werden, sind diese Entwicklungen besonders relevant. Schmierstoffe sind unverzichtbarer Bestandteil von Energieinfrastrukturen - etwa in Windkraftanlagen, Turbinen, Transformatoren, Kompressoren oder Netzanlagen - ebenso wie in der Mobilität, der industriellen Fertigung, der Rohstoffgewinnung und der Prozessindustrie. Einschränkungen in Lieferketten, regulatorische Divergenzen zwischen Regionen sowie zunehmende Anforderungen an Dokumentation und Herkunftsnachweise erhöhen die Komplexität deutlich. In der Folge steigen nicht nur Kosten und Planungsaufwand, sondern auch die Anforderungen an Resilienz, Flexibilität und technologische Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Parallel dazu bestimmen stetig wachsende politische und regulatorische Rahmenbedingungen zunehmend die Entwicklung der Branche. Während Reformen und Entlastungen angekündigt sind, bleibt deren konkrete und zeitnahe Umsetzung für viele Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Ein wettbewerbsfähiges, verlässliches Marktumfeld ist Voraussetzung dafür, Investitionen zu ermöglichen, Innovationskraft zu sichern und industrielle Wertschöpfung in Europa zu halten. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 4 Editorial Herausgeber: UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e.V. Jägerstraße 6 · 10117 Berlin redaktion: Stephan Baumgärtel Petra Bots Elisabeth Götze Manfred Jungk Rüdiger Krethe Ulrich Sandten-Ma © 2026 expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe nur mit Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie die Inhalte von Interviews geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Verlag: expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5, 72070 Tübingen Telefon: +49 (0)7071 97 97 0 www.expertverlag.de Geschäftsführer: Robert Narr Programmleitung: Ulrich Sandten-Ma Telefon: +49 (0)7071 9 75 56 56 eMail: sandten@verlag.expert anzeigenverwaltung: Oliver Solbach Telefon: +49 (0)7071 97 97 12 eMail: solbach@narr.de anzeigenverkauf: Stefanie Richter Telefon mobil: +49 171 2034663 eMail: richter@narr.de Erscheinungsweise: 4 Hefte pro Jahr druck: Elanders Waiblingen GmbH Anton-Schmidt-Str. 15 71332 Waiblingen titelfoto: © Maryna - stock.adobe.com Bildrechte Inhaltsverzeichnis: © DEUTZ AG ▪ © Maryna - stock.adobe.com ▪ © Corona Borealis - stock.adobe.com ▪ © bird_saranyoo - stock.adobe.com 7. Jahrgang 2026, Heft 2 ISBN 978-3-381-14951-3 ISSN 2699-3244 Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich bestehende Verlagerungstendenzen weiter verstärken. Die Schmierstoffindustrie stellt sich diesen Herausforderungen mit hoher Innovationskraft. Die Entwicklung alternativer Rohstoffe, neuer Additivsysteme sowie angepasster Formulierungen gewinnt weiter an Bedeutung. Forschung und Entwicklung werden damit noch stärker zum zentralen Erfolgsfaktor - nicht nur zur Sicherstellung technischer Leistungsfähigkeit, sondern auch zur Anpassung an sich wandelnde regulatorische und marktseitige Anforderungen. Gleichzeitig gilt: Innovation benötigt verlässliche Rahmenbedingungen, um nachhaltig Wirkung entfalten zu können. Die vorliegende Ausgabe greift zentrale Aspekte dieser Entwicklungen auf - von regulatorischen Fragestellungen über neue technologische Ansätze bis hin zu aktuellen Einordnungen aus der Praxis. Wir wünschen Ihnen eine spannende und erkenntnisreiche Lektüre. Mit freundlichen Grüßen Ihr Redaktionsteam der Schmierstoff + Schmierung »« © Ivan Uralsky - stock.adobe.com / Olivier Le Moal - stock.adobe.com 5 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 FacHartikEl Angespannte Grundölversorgung erhöht den Druck auf die Schmierstoffindustrie Dr. Stephan Baumgärtel Die Versorgung mit Grundölen für die Schmierstoffindustrie hat sich seit dem Frühjahr 2026 deutlich verschärft. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern treffen mehrere Entwicklungen gleichzeitig aufeinander: die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten, eingeschränkte Raffineriekapazitäten in Asien sowie eine wirtschaftlich bedingte Verlagerung der Raffinerieproduktion zugunsten von Diesel und Flugkraftstoffen. Besonders betroffen sind Grundöle der API-Gruppen II und III, die für moderne Hochleistungsschmierstoffe unverzichtbar sind. Steigende Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette Da Grundöle den weitaus größten Anteil in Schmierstoffformulierungen ausmachen und auch als Trägermedium für fertig formulierte Additivpakete dienen, wirken sich Preissteigerungen unmittelbar auf die Herstellungskosten aus. Hinzu kommen höhere Ausgaben für Transport, Verpackung und Logistik als folge gesteigerter Kraftstoffkosten sowie Rohstoffkosten für Verpackungen. Je nach Produkt, Rezeptur und Lieferkette können sich dadurch längere Lieferzeiten oder auch eine eingeschränkte Verfügbarkeit ergeben. Mehrere Ursachen verstärken sich gegenseitig Die derzeitige Marktlage ist nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. Vielmehr verstärken sich mehrere Faktoren gegenseitig: eingeschränkte Lieferungen aus dem Persischen Golf, begrenzte Ausweichmöglichkeiten durch asiatische Produzenten und eine reduzierte Verfügbarkeit alternativer Grundölqualitäten. Dadurch steigt die Unsicherheit in den internationalen Lieferketten. Unternehmen setzen auf flexible Beschaffung Hersteller beobachten die Marktentwicklung aufmerksam und prüfen alternative Bezugsquellen sowie - soweit technisch zulässig - geeignete Ersatzprodukte. Welche Auswirkungen die Situation auf Preise, Lieferzeiten oder einzelne Produktgruppen hat, hängt jedoch von den jeweiligen Beschaffungsstrukturen und technischen Anforderungen ab. Ausblick Eine rasche Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich von der geopolitischen Situation, der Verfügbarkeit von Transportwegen und der Auslastung internationaler Raffinerien abhängen. Experten gehen davon aus, dass die Versorgungslage in den kommenden Monaten volatil bleiben dürfte. Für ihre Mitglieder hat die UNITI dazu ein Informationspapier erstellt, welches das Thema etwas ausführlicher beleuchtet. »« Eingangsabbildung: © Corona Borealis - stock.adobe.com 5 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 FacHartikEl Dr. Stephan Baumgärtel Nach dem Studium der Chemie war Dr. Baumgärtel in verschiedenen Positionen in Frankreich, Deutschland und England in Forschung und Entwicklung von Schmierstoffen für einen internationalen Konzern tätig, bevor er 2010 die Position des Geschäftsführers beim beim Verband Schmierstoff-Industrie übernommen hat. Seit 2025 ist er Leiter Schmierstoffe bei der UNITI. MEDIENTIPP Grit Zacharias (Hg.) Studien- und Karriereplaner Maschinenbau 1. Auflage 2025, 186 Seiten ISBN print 978-3-8252-6245-7 ISBN eBook 978-3-8385-6245-2 DOI 10.36198/ 9783838562452 Ladenpreis print €[D] 19,90 Ladenpreis eBook €[D] 18,99 + Orientierung bei der Wahl des Studienfachs und des Schwerpunkts + mit Brancheninsider-Informationen zu Karrierewegen und Gehalt + berufliche Orientierung Der Studien- und Karriereplaner Maschinenbau bietet angehenden Studierenden einen Überblick über Studieninhalte im Fach Maschinenbau und die Bachelor- und Masterstudiengänge in diesem Bereich in Deutschland. Verschiedene Verbände stellen die Branche vor und zeigen auf, wie sie die zukünftige Entwicklung einschätzen. Wie der konkrete Berufsalltag einer Maschinenbauingenieurin beziehungsweise eines Maschinenbauingenieurs aussieht, machen die zahlreichen Praktiker-Porträts in lebendiger Weise deutlich. Ein detaillierter Überblick über den aktuellen Arbeitsmarkt zeigt, welche Spezialisierungen sich besonders lohnen könnten und welche Gehälter realisierbar sind. Viele Tipps zum Studium, zur Bewerbung und weiteren Entwicklung der Karriere runden das Buch ab. Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de 7 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 FacHartikEl CO 2 -neutrale Mobilität - Herausforderungen an Motorenöle für den Einsatz in Wasserstoffmotoren bei Off-Highway-Anwendungen Markus Winkler und Felix Georgi Die DEUTZ AG hat sich in den letzten Jahren vom Hersteller klassischer Antriebe zum Systemanbieter innovativer und nachhaltiger Mobilitäts- und Energielösungen entwickelt. 1864 gegründet gilt das bis heute in Köln ansässige Unternehmen als älteste Motorenfabrik der Welt. Kern der Geschäftstätigkeit ist weiterhin die Entwicklung, Produktion und Vermarktung leistungsstarker Antriebssysteme für Off-Highway-Anwendungen, ergänzt durch alternative Antriebslösungen sowie dezentrale Energie- und Stromerzeugungssysteme, mit denen DEUTZ zur Transformation der Mobilitäts- und Energieversorgung beiträgt. DEUTZ-Lösungen kommen unter anderem in Bau- und Landmaschinen, Material-Handling-Anwendungen wie Gabelstaplern oder Hebebühnen, stationären Anlagen wie Stromerzeugungsaggregaten sowie Nutz- und Schienenfahrzeugen zum Einsatz. Ein umfassendes Serviceangebot, das sich von der Wartung und Reparatur über den Ersatzteilehandel bis hin zum Remanufacturing erstreckt und durch digitale, datenbasierte Services kontinuierlich erweitert wird, komplettiert das breit aufgestellte Produktportfolio. Mit rund 1.000 Vertriebs- und Servicestandorten in über 120 Ländern bietet DEUTZ seinen Kunden damit ein integriertes Angebot aus einer Hand. Dipl.-Ing. (FH) Markus Winkler Nach seinem Studium des Chemieingenieurwesens an der Hochschule Niederrhein in Krefeld ist er seit 1996 bei DEUTZ im Bereich Forschung & Entwicklung tätig. Heute ist er als Betriebsstoffreferent für Motorenöle, Kraftstoffe, alternative Kraftstoffe sowie Wasserstoff verantwortlich. M. Sc. Felix Georgi Nach Beendigung seines Master- Studiums der Materialwissenschaften an der Hochschule Bonn-Rheinbach-Sieg im Jahr 2022 ist er bei DEUTZ in der Forschung & Entwicklung tätig. Dort bearbeitet er Projekte im Bereich der Abteilung „Abgasnachbehandlung und Betriebsstoffe“. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 8 Fachartikel | CO2-neutrale Mobilität Ein geeigneter Ansatz zur Einsparung von CO 2 ist die Verwendung von Wasserstoff in verbrennungsmotorischen Applikationen, deren Entwicklung seit 2019 in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten bei DEUTZ intensiviert wurde. Hier sind insbesondere die Projekte H2-MAM und HyCet zu nennen. [1] [2] Ein bedeutender Meilenstein war die Zertifizierung und Einführung des wasserstoff betriebenen Motors TCG 7.8 H₂ für stationäre und mobile Off- Highway-Anwendungen im Jahr 2025. [3] Spezifikationen des TCG 7.8 H2 Zylinder Reihensechszylinder Hubraum 7.755 l Bohrung/ Hub 110 / 136 mm Max. Leistung 220 kW @ 2,200 U/ min Max. Dreh moment 1000 Nm (1400-1600 U/ min) H 2 -Einspritzung Port Fuel Injection Verbrauch ~ 19 kg/ h bei max. Leistung (~ 12 kg/ h Stromgenerator) H 2 -Qualität min. 98 % oder höher (ISO 14687) Zertifizierung EU Stufe V | CO 2 -emissionsfrei ( max. 1 g CO 2 / kWh) [4] Tabelle 1 Spezifikationen des TCG 7.8 H2 Mit der Entwicklung von Wasserstoffmotoren (engl. „H2-ICE“) verfolgt DEUTZ das Ziel, CO₂-freie Antriebslösungen für Einsatzbereiche bereitzustellen, in denen batterieelektrische Systeme aufgrund hoher Leistungsanforderungen, langer Betriebszeiten oder infrastruktureller Einschränkungen aktuell noch begrenzt geeignet sind. Gleichzeitig ermöglicht diese Technologie die weitgehende Nutzung bestehender Motorenarchitekturen, Produktionsanlagen und Wartungsstrukturen. Damit positioniert sich DEUTZ als Technologieanbieter für eine klimaneutrale Transformation der Antriebstechnik unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und industrieller Realisierbarkeit. Schmierstoffe für Wasserstoffmotoren Der Einsatz von Wasserstoff in Verbrennungsmotoren stellt Motorenöle vor besondere tribologische und chemische Herausforderungen. Die Entwicklung und Abstimmung eines geeigneten Brennverfahrens und die gleichzeitige Erprobung von speziell ausgelegten Komponenten müssen parallel zu der Abstimmung auf geeignete motorische Schmierstoffe betrachtet werden. In der nachfolgenden Abbildung 1 sind die wesentlichen Herausforderungen an das Motorenöl abgebildet. Wassereintrag und Emulsionsbildung Die Wasserstoffverbrennung über die Knallgasreaktion (2 H 2 + O 2 → 2 H 2 O + Energie) führt stöchiometrisch zu einer nahezu vollständigen Umwandlung des Brennstoffs in Wasserdampf. Ein Teil dieses Wasserdampfes kann - insbesondere im Kaltstartbetrieb, bei Teillast oder bei häufigem Kurzstreckenbetrieb - kondensieren und in das Öl gelangen. Dies birgt das Risiko einer Emulsionsbildung, welche sich zunächst als milchige „Mayonnaise“ oder in weiterer Folge als hochviskose, gelartige Masse im Ölabscheider, Ventildeckel oder Kurbelgehäuse finden lässt. Die Ablagerung dieser „Mayonnaise“, die teilweise auch als Weißschaum bezeichnet wird, findet vor allem an thermisch kalten Stellen statt (vgl. Abbildung 2). Diese Emulsionsbildung beeinträchtigt unter anderem die hydrodynamische Schmierung, verschlechtert die Filtrierbarkeit und kann die Funktion dispersiver Additive erheblich reduzieren. Konstruktive Optimierungen seitens DEUTZ konnten das Problem weitgehend eliminieren. Applikation des TCG 7.8 H2 in einer Baumaschine (H2-MAM) 9 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Fachartikel-|-CO2-neutrale Mobilität Korrosion und Werkstoffverträglichkeit Der erhöhte Wassergehalt begünstigt zudem oxidative Prozesse durch den Abbau von Antioxidantien. Dadurch steigt das Risiko von Korrosionseffekten auf Lagern, Lauf buchsen und metallischen Oberflächen insbesondere nach längeren Stillstandzeiten (vgl. Abbildung 3). Darüber hinaus ist die Auslegung motorischer Komponenten für den Einsatz von Wasserstoff in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Metallische Werkstoffe sind anfällig für Versprödungsprozesse, welche auftreten, wenn sich atomarer Wasserstoff bei geeigneten Temperaturen und Drücken auf Oberflächen anlagern und in die Gefügestruktur dissoziieren kann. [5] Klassischerweise sind insbesondere Versprödungsprozesse in hochfesten, martensitischen Stählen durch das atomare Eindringen von Wasserstoff in die Gitterstruktur und dem dortigen Rekombinieren zu atomarem Wasserstoff mit einhergehendem Druckspannungen ein Problem. Hier kann vor allem durch die Wahl von austenitischen Stählen und solchen mit geeignetem Nickelgehalt eine konstruktive Barriere gegen die wasserstoff bedingte Versprödung geschaffen werden. [6] Abb. 1 Herausforderungen an Öle für Wasserstoffmotoren Abb. 2: Ausbildung von Weißschaum Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 10 Fachartikel | CO2-neutrale Mobilität Als Kontaktfläche zwischen metallischen Werkstoffen und Ölen sind im besonderen Maße Zylinderwandung und -lauf bahnen betroffen. Dort muss ein starker Grenzschmierschutz vorhanden sein, weshalb vor allem Öle mit sehr gutem Anti-Wear-Vermögen genutzt werden sollten. Gegenstand aktueller Forschungen sind darüber hinaus der Einfluss von Sauerstoff auf Versprödungsprozesse und die Ölformulierungen. Oxidation und Abbau basischer Additive Die klassischen Dispersionsherausforderungen an Motorenöle, wie sie aus dem Bereich der Heavy Duty- Dieselmotoren bekannt sind, treten bei der rußfreien Verbrennung von Dieselmotoren in den Hintergrund. Beeinträchtigungen können durch die gleichzeitig erhöhten Temperaturen bei hoher Verfügbarkeit von Sauerstoff auftreten. Hierdurch wird der Verbrauch von Oxidationsinhibitoren beschleunigt und es kann zu einem verfrühten Absinken des i-pH-Wertes kommen. Obwohl die Säurebildung geringer ist als bei Dieselmotoren, kann man bei Ölanalysen über die Motorenlaufzeit oft einen signifikanten Abfall der Basenzahl (TBN) beobachten. Ursache dafür ist der hohe Verbrauch alkalischer Additive, die zur Neutralisierung wasserbedingter Korrosion an Metalloberflächen benötigt werden. Davon sind Lager, Ventiltrieb und Stillstandflächen besonders betroffen, zu dessen Schutz leistungsfähigere Korrosionsinhibitoren erforderlich sind. Diesen Einflüssen lässt sich durch optimierte Ölformulierungen und Wahl geeigneter Ölwechselintervalle effektiv entgegenwirken. Ölwechselintervalle Für Heavy-Duty-Wasserstoffmotoren werden Ölwechselintervalle wie bei vergleichbaren Dieselmotoren angestrebt (500/ 1000 Bh), um sowohl Servicekosten als auch Ausfallzeiten zu minimieren. Gleichzeitig können Wassereintrag, oxidative Alterung und Additivabbau zu einer potenziell verkürzten Ölstandzeit führen. Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit. Vorentflammung und Ablagerungsbildung Wasserstoff zeichnet sich vor allem durch eine sehr niedrige Mindestzündenergie aus und ist somit prädestiniert für das Erzeugen von Vorentflammungsevents, welche vermehrt bei niedrigen Drehzahlen und hoher Last auftreten können (LSPI). Einem ersten Vorentflammungsevent, ausgelöst durch unkontrolliert in den Brennraum gelangende Öltropfen, folgen weitere geringfügigere Vorentflammungen. Diese Events werden vor allem durch die heißen Verbrennungsrückstände des ursprünglichen Öltropfens ausgelöst. Der initiale Eintrag kann durch verschiedene Quellen, beispielsweise vom Turbolader, den Zylinder-Linern oder der Kurbelgehäuseentlüftung erfolgen. Bei der Kontrolle von Vorentflammung ist es hilfreich, Öle zu nutzen, die durch Abb. 3 Korrosion nach motorischem Testbetrieb und nachfolgender Lagerung des Motors Wasserstoffmotor TCG 7.8 H2 Fachartikel-|-CO2-neutrale Mobilität entsprechende Additivpakete der initialen Entzündung der Tropfen entgegenwirken. Aus entsprechender Fachliteratur ist bekannt, dass die gezielte Reduktion und Anpassung metallorganischer Additive das Risiko für Vorentflammungsevents minimiert. Zusätzlich können Basisöle in Kombination mit VI-Verbesserern Einfluss auf die Art und Anzahl der Vorentflammungsevents haben. Entsprechend wurden im ersten Entwicklungsschritt bei der DEUTZ AG aschearme Öle (engl. Low- SAPS) mit höchsten Performancefreigaben bei den motorischen Untersuchungen eingesetzt (DEUTZ DQC IV-18 LA). [7] [8] Abgasnachbehandlung, Emissionen und EAT-Verträglichkeit Wasserstoff, als kohlenstofffreier Kraftstoff, bietet das Potenzial für einen „emissionsfreien“ Motor, da kohlenstoff basierte Verbrennungs-Emissionen (CO, HC, CO 2 ) weitestgehend eliminiert sind. Schadstoffe wie Kohlenstoffmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe entstehen lediglich durch die Verbrennung beziehungsweise den Verbrauch des Schmieröls. Geringste, auf das Öl zurückzuführende Mengen an Partikeln können jedoch auch bei H2-ICEs auftreten. Durch geeignete Formulierungen von Ölen kann eine deutliche Reduktion des Ölverbrauchs und somit der Partikelemissionen erzielt werden. Generell sind die Partikelemissionen hierbei stark durch die Konfiguration und Betriebssituation des Motors bestimmt, aber scheinen auch durch Ölmodifikationen reduziert werden zu können. [9] Generelle Anpassungsmöglichkeiten sind vor allem der Anteil an aschebildenden Komponenten und die Auswahl bestimmter Basisöle. Unterschiedliche Viskositätsmodifikatoren scheinen nur geringen Einfluss, insbesondere auf die PN10-Partikelemissionen, zu haben. Wasserstoffmotoren können trotz des kohlenstofffreien Kraftstoffs nicht gänzlich auf Abgasnachbehandlungssysteme verzichten. Zur Reduktion der beim Verbrennungsprozess durch Sauerstoff und Stickstoff erzeugten Stickoxide werden im Regelfall bekannte Systeme, bestehend aus SCR- und ASC Katalysatoren eingesetzt. Diese, sowie weitere im Abgasstrang potenziell vorgelagerte Katalysator- und Filtersysteme, profitieren ebenfalls positiv von Ultra- Low-SAPS-Ölen. Die verbrennungstechnische Abstimmung des TCG 7.8 H2 ist im CO 2 -emissionsfrei, wie es in der aktuellen CO 2 -Gesetzgebung der EU für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen ist. Zusammenfassung Mit der erfolgreichen Zertifizierung und Markteinführung eines Wasserstoff-Verbrennungsmotors für mobile Arbeitsmaschinen hat DEUTZ als erstes Unternehmen weltweit einen Schritt zur Dekarbonisierung des Off-Highway-Sektors vollzogen. Der Wasserstoffmotor stellt dabei keine rein inkrementelle Weiterentwicklung konventioneller Antriebskonzepte dar, sondern führt zu veränderten physikalischen, chemischen und tribologischen Herausforderungen im Motorbetrieb. Aus tribologischer Sicht eröffnet der Wasserstoffmotor ein eigenständiges Anwendungsfeld für Schmierstoffe. Im Fokus stehen dabei insbesondere Korrosionsschutz, Wasserverträglichkeit, Oxidationsstabilität sowie die Wirksamkeit von Verschleißschutzadditiven unter wasserstoffspezifischen Betriebsbedingungen. Die Betrachtung des Schmieröls „WAS MAN NICHT SIEHT, ENTSCHEIDET ALLES “ SPEZIAL-SCHMIERFETTE VON RHENUS LUB Schmierfette wirken im Verborgenen - doch genau dort entstehen Verschleiß, Reibung und Ausfälle. Rhenus Lub entwickeln Spezialschmierfette für die kritischen Bereiche - präzise abgestimmt auf Ihre Anwendung. www.rhenuslub.de Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 12 Fachartikel | CO2-neutrale Mobilität als Konstruktionselement und die gezielte Anpassung der Schmierölformulierungen ist daher unabdingbar. Die Marktdurchdringung von Wasserstoffmotoren und damit auch die Etablierung entsprechender Schmierstoffkonzepte ist maßgeblich von politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, Fördermechanismen sowie der Anerkennung des Wasserstoff-Verbrennungsmotors als klimaneutrale Antriebslösung abhängig. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, im Rahmen der ACEA über die Entwicklung eines einheitlichen Prüf- und Bewertungskonzepts für Schmierstoffe in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren nachzudenken. Ein standardisiertes Prüfprogramm könnte die Vergleichbarkeit von Wasserstoffmotorenölen somit erhöhen, Entwicklungsaufwände reduzieren und einen wichtigen Beitrag zur technischen Absicherung und Markteinführung dieser Antriebstechnologie leisten. Abkürzungen ASC engl. Ammonia slip catalyst ACEA engl. Association des Constructeurs Européens d’Automobiles DQC DEUTZ Quality Class (DEUTZ Öl Spezifikation) EAT engl. Exhaust aftertreatment LSPI engl. Low Speed pre ignition SCR engl. Selective catalytic reduction Literatur [1] Verbundvorhaben: H2-MAM - Wasserstoffverbrennungsmotor für mobile Arbeitsmaschinen | Förderkennzeichen: 03EN4028A [2] Verbundvorhaben: Forschungsprojekt HyCET (Hydrogen Combustion Engine Trucks) | Förderkennzeichen: 03B20274 [3] [online] | https: / / www.deutz.com/ de/ produkte/ wasserstoffmotoren/ [4] VERORDNUNG (EU) 2024/ 1610 [5] Non-combustion related impact of hydrogen admixture - material compatibility / Lisa Blanchard , Laurent Briottet / June 2020 [6] Michler, T.; Schweizer, F.; Wackermann, K. Review on the Influence of Temperature upon Hydrogen Effects in Structural Alloys. Metals 2021, 11, 423. [7] [online] Infineum Insight: https: / / www.infineuminsight. com/ en-gb/ articles/ minimising-h2ice-pre-ignition/ ? utm_ campaign=Infineum+Insight+Mar26+email&utm_medium=email&utm_source=Infineum+Insight [8] SAE Technical Paper: Formation Mechanisms and Characterization of abnormal Combustion Phenomena of Hydrogen Engines; Grabner P., Schneider M., Gschiel K. [9] Obrecht, Nicolas & Griffaton, Bruno & Chapelot, Pierre & Faure, Steve. (2025). Development of Lubricant for Hydrogen Combustion Engines - Challenges and Opportunities »« Eingangsabbildung: © DEUTZ AG Nutzung des TCG 7.8 H2 in einem Stromerzeugungsaggregat 13 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 NacHGEFraGt Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich? Benedikt Fuchs, OELCHECK GmbH Im Internet werden von verschiedenen Herstellern Schnelltests für Schmieröle angeboten. Dabei soll ein einziger Tropfen für eine Diagnose des Öls ausreichen. Das Testergebnis zeigt, ob das Öl noch fit für den weiteren Einsatz ist oder gewechselt werden muss. Angeblich sind auch noch etwaige Schäden frühzeitig erkennbar. Können diese Versprechungen wirklich stimmen? Der Tüpfeltest - schnelle Infos auf den ersten Blick Die meisten dieser Do-it-yourself-Checks basieren auf dem Prinzip eines klassischen „Tüpfeltests“. Dieser wird bereits seit mehr als 50 Jahren als zwar schnelles, aber grobes Verfahren zur Beurteilung von Ölen verwendet. Eine geringe Menge des im Einsatz befindlichen Öls wird auf ein spezielles Papier aufgebracht, auf dem sich nach einer vorgegebenen Einwirkzeit der „Tüpfel“ ausbildet. Anschließend wird das Aussehen des Tüpfels, vom Zentrum beginnend nach außen bis zum Rand, betrachtet. Der Tüpfeltest kommt auch in vielen Schmierstofflaboren zum Einsatz - allerdings beinahe nur für Motoröle und als Teil der visuellen Begutachtung. Ein erfahrener Laborant kann vom Aussehen des Tüpfels durchaus Rückschlüsse auf die Benedikt Fuchs (CLS) - OELCHECK GmbH Tribologe und Handwerksmeister Benedikt Fuchs ist Tribologe und Spezialist für Motoren- und Getriebeöle bei OELCHECK, Deutschlands führendem Labor für Schmier- und Betriebsstoffanalysen. Als Schmierstoffexperte mit Meisterqualifikation vereint er tiefgehendes Know-how in der Fluidanalytik mit umfangreicher Erfahrung in der Fahrzeug- und Maschinentechnik. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 14 Nachgefragt | Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich Beschaffenheit des Öls ziehen. Für das geübte Auge zu erkennen sind dabei z. B. Hinweise auf hohe Einträge von Kraftstoff, Kühlerfrostschutzmittel oder Verbrennungsruß sowie die Fähigkeit des Öles, letzteren möglichst gleichmäßig bis zum äußeren Rand des Tüpfels zu tragen (Dispergierfähigkeit). Fallen dem Profi beim schnellen Check mit dem Tüpfeltest Unregelmäßigkeiten auf, wird diesen immer in nachfolgenden Untersuchungen im Labor auf den Grund gegangen. Für Ungeübte oftmals wie Lesen aus dem Kaffeesatz Beim Blick auf einen kleinen Rest Kaffee in der ausgetrunkenen Tasse erkennen Sie vielleicht die Farbe, kleine Reste der gemahlenen Bohnen, nicht aufgelösten Zucker oder auch, ob Milch im Kaffee war. So ähnlich wird es Ihnen vermutlich ergehen, wenn Sie sich einen Öltüpfel auf dem Papier genauer anschauen. Was erkennen Sie außer der Größe, dem Umriss und der Farbe wirklich genau? Bei der Bewertung mit dem DIY-Tüpfeltest stehen zum Vergleich Abbildungen anderer Tüpfel zur Verfügung. Doch können Sie mit bloßem Auge etwaige feinste Ablagerungen im Inneren des Tüpfels erkennen? Wenn Sie solche Teilchen überhaupt sehen, handelt es sich um Ruß, um Metallpartikel oder anderes? Muss das Öl vielleicht nur gewechselt werden oder droht ein kapitaler Schaden? Um diese Fragen zu beantworten, bieten einige Lieferanten der schnellen Tüpfeltests mittlerweile auch die Bewertung mittels KI an. Diese KI-gestützte Begutachtung soll noch zuverlässigere Ergebnisse als die Selbstauswertung vor Ort liefern. → Zugegeben: Wir als Labor für die Analytik von Schmier- und Betriebsstoffen mit langjähriger Erfahrung haben da so unsere Zweifel. Oder sind dies vielleicht nur Vorurteile? Wir wollten es genauer wissen und haben ein Experiment gemacht! Das Experiment: Do-it-yourself vs. Analysen aus dem OELCHECK Labor Tests für Selbstanwender waren schnell im Internet bestellt. Sie sind ansprechend aufgemacht, auch an begleitenden Erklärungen fehlt es nicht. Jeder Testbogen für Kraftfahrzeuge kann zur Prüfung von Motoröl, Getriebeöl, Bremsflüssigkeit oder Öl aus der Servolenkung verwendet werden. Ein spezieller Test für Industrieöle war bei dem von uns ausgewählten Lieferanten leider nicht erhältlich. Für unser Experiment wählten wir fünf Ölproben aus, die zuvor bereits im OELCHECK-Labor untersucht worden waren. Anschließend führten wir mit denselben Ölen die im Internet erworbenen Tüpfeltests durch. Die Tüpfel von zwei Ölen schickten wir zudem an den Anbieter zurück, um sie dort KI-gestützt auswerten zu lassen. > Hydrauliköl HLP 46 aus einem Mobilbagger ! OELCHECK Labor: Dringender Handlungsbedarf! Die Probe ist stark verunreinigt. Auch ohne Mikroskop sind Partikel (> 40µ) deutlich erkennbar. + Erhöhter Anteil von magnetisierbaren Eisenpartikeln (PQ-Index). + Unkorrekte Probenentnahme könnte die ermittelten Werte eventuell beeinflusst haben. Empfehlung: Lassen Sie das Öl in Kürze nochmals prüfen. Sind Sie allerdings sicher, dass die Probenentnahme korrekt durchgeführt wurde und die Probe repräsentativ für die Ölfüllung ist, sollten Sie das Öl umgehend wechseln. BYK Additive steigern die Performance von Schmierstoffen: • Entschäumer für Kühlschmierstoffe sowie nicht-wässrige Schmierstoffe • Verdicker für Schmierfette • Dispergieradditive für Trockenschmierstoffe • Wachse für Trockenfilm-Schmiermittel Mit zuverlässiger technischer Performance - weltweit. www.byk.com | Lubricants.BYK@altana.com BYK Additive Und es läuft wie geschmiert Anzeige Nachgefragt-|-Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich Ergebnis Tüpfeltest mit Selbstauswertung: Unklar Da kein gesonderter Test für Industrieöle erhältlich war, wurde uns als Alternative die Untersuchung für Öle von Servolenkungen empfohlen. Bei der Begutachtung des Tüpfels konnten wir keine Fremdpartikel erkennen und ihn farblich auch nicht eindeutig zuordnen. War er unproblematisch hell? Oder schon etwas dunkel und lieferte damit einen Hinweis auf etwaige Ablagerungen, die einen Ölwechsel erforderlich machten? Das Ergebnis des Tests war leider nicht eindeutig. > Getriebeöl aus dem Schaltgetriebe eines Ferrari Daytona 365 ! OELCHECK Labor: Dringender Handlungsbedarf! Die Analyse der Verschleißelemente (Chrom! ) liefert eindeutige Hinweise auf einen erhöhten Lagerund/ oder Zahnradverschleiß. + Das Öl zeigt eine leichte Trübung. Verdacht auf Wasser. Das FTIR-Spektrum bestätigt den erhöhten Wasseranteil. Empfehlung: Führen Sie möglichst bald einen Ölwechsel durch und beseitigen Sie die Fehlerursache. Kontrollieren Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen durch eine erneute Analyse. Ergebnis Tüpfeltest mit Selbstauswertung: Öl uneingeschränkt weiterverwendbar Der Tüpfel war so hell, dass auch gegen Licht kaum etwas Genaues zu erkennen war. Erhöhter Verschleiß und deutlich erhöhter Wassergehalt waren nicht erkennbar. Gemäß Farbzuordnung zeigte der Test eine normale Betriebsfähigkeit an. > Motoröl aus dem Ottomotor eines VW T5 3.2 V6 ! OELCHECK Labor: Dringender Handlungsbedarf! Obwohl Ölwechsel erst vor 7 Monaten und 18.000 km: Wassergehalt deutlich erhöht. + Motoröl mit Kühlmittel kontaminiert. + Fortgeschrittene Ölalterung. + Leicht erhöhter Kraftstoffeintrag. + Erhöhter Motorverschleiß. + Leicht erhöhter Nitrationswert (NOx) aufgrund von Durchblasegasen. Empfehlung: Ihren Angaben zufolge wurde das Öl nach Probennahme bereits gewechselt. Prüfen Sie auf jeden Fall das Kühlsystem. Lassen Sie die Motoreinstellung kontrollieren! Ergebnis Tüpfeltest mit Selbstauswertung: Ölwechsel empfohlen Entdeckt wurden der erhöhte Gehalt an Kraftstoff und Wasser. Nicht erkannt wurden allerdings der Eintrag von Kühlmittel und Anzeichen von Motorverschleiß. > Motoröl SAE 0W-20 aus dem Ottomotor eines Jaguar XJ 3.0 l ! OELCHECK Labor: Dringender Handlungsbedarf! Deutlicher Motorverschleiß + Starke Ölalterung + Gefahr von Angriff auf Buntmetalle + Leicht erhöhter Wassereintrag im Öl + Hinweis auf Kompressionsmangel + Durchblasgase/ Blow-Bys (erhöhte Nitration) Empfehlung: Sofortiger Ölwechsel! Ergebnis Tüpfeltest mit KI-Auswertung: Weiterer Test nach 5.000 km Erkannt wurden: Verbrennungsrückstände, schlechter Ölzustand, Wassergehalt erhöht. Falsch erkannt: Kraftstoffgehalt erhöht. Nicht erkannt: Hoher Motorverschleiß, starke Ölalterung, mangelhafte Brennraumabdichtung, Kraftstoffeintrag nicht hoch, sondern leicht und noch im normalen Bereich. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 16 Nachgefragt | Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich > Motoröl aus dem Dieselmotor eines Audi Q7 3.0-l TDI ! Motoröl aus dem Dieselmotor eines Audi Q7 3.0 l TDI Stark erhöhter Motorverschleiß! + Deutlich erhöhter Kraftstoffeintrag! Mögliche Ursache eventuell unverbrannter Kraftstoff im Motoröl durch Kaltstarts, Kurzstreckenfahrten, fehlerhafter Kraftstoffeintrag. + Öl kann nicht mehr ausreichend Säuren aus dem Verbrennungsprozess neutralisieren. (Die Basenzahl BN ist deutlich gesunken.) Empfehlung: Sofortiger Ölwechsel mit vorhergehender Spülung! Ergebnis Tüpfeltest mit KI-Auswertung: Weiterer Test nach 5.000 km Erkannt wurden: Rußbildung, schlechte Verbrennung, eventuell Schaden/ Vorschaden wegen Gemischbildung, schlechter Ölzustand, erhöhter Kraftstoff- und Wassergehalt. Nicht erkannt: Stark erhöhter Motorverschleiß, starke Ölalterung inklusive „Versauerung“ des Öls. UNSER FAZIT > Ein DIY-Tüpfeltest kann Hinweise zu Auffälligkeiten bei Motorölen liefern. Allerdings kann er auch mit KI-unterstützter Auswertung weder das genaue Ausmaß der Auffälligkeiten, noch deren mögliche Ursachen ermitteln. Der Lieferant der von uns genutzten DIY-Tüpfeltests schließt für die- 17 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Nachgefragt-|-Do-it-yourself aus dem Internet - Was kann so ein schneller Öltest wirklich se im Kleingedruckten auch jegliche Haftung und Ansprüche an ihn aus. Außerdem empfiehlt er selbst für präzise Analysen ein Labor zu nutzen. > Eine umfassende Analyse im Labor kann ein DIY- Tüpfeltest nicht ersetzen. Er ist nur für eine schnelle, aber grobe Orientierung geeignet. In einigen Fällen führt er jedoch regelrecht in die Irre! > Der Labor-Tüpfeltest spielt dagegen in einer ganz anderen Liga. OELCHECK überprüft damit alle Motoröle unter Beachtung der Prüfnorm ASTM D7899.Dabei wird ein Öltropfen auf ein Filterpapier getropft. Nach einstündigem Erwärmen des Papiers hat sich das Öl gleichmäßig verteilt und wird anschließend mit einer computergestützten Kamera ausgewertet. Aus der Fläche, dem gleichmäßigen Aussehen und der Schwarzfärbung des Tüpfels wird auf das Schmutztragevermögen (Dispergierfähigkeit) und den Rußgehalt von Motorölen geschlossen. Das Schmutztragevermögen von Motorenölen,dasRückschlüsseaufdieMotorensauberkeit zulässt, verschlechtert sich durch Additivabbau, Oxidation und saure Reaktionsprodukte aus der Kraftstoff-Verbrennung. Neben der IR-Spektroskopie zeigt der Tüpfel durch eine gleichmäßige Verteilung der Rußpartikel, ob das Öl noch in der Lage ist, Verunreinigungen so in Schwebe zu halten, dass sie zum Ölfilter transportiert und von diesem ausgefiltert werden können. Die Intensität der Dunkelfärbung zeigt den Rußgehalt. Ein transparenter Außenring verweist auf Kraftstoffanteile. Bei Frostschutz-Glykol verteilt sich der Öltropfen nicht. Durch das unbestechliche Auge der Kamera kann das subjektive Empfinden einer persönlichen visuellen Betrachtung objektiv und reproduzierbar in Zahlenwerte umgesetzt werden. > In jedem OELCHECK Laborbericht für Motoröle führen wir unter der Rubrik „Ölzustand“ das verbleibende Schmutztragevermögen des Motoröls in % auf. Außerdem finden Sie im Bericht immer das Foto des im Labor angelegten und ausgewerteten Tüpfels! Und: Bei der Analyse eines Motoröls im OEL- CHECK-Labor betrachten wir das Ergebnis eines Tüpfeltests niemals isoliert, sondern immer nur im Zusammenspiel mit den über 30 zusätzlichen Werten, die bei der Laboranalyse gemessen werden! Kontaktieren Sie uns per E-Mail (info@oelcheck.de) oder Fax +49 8034/ 9047-47. »« Eingangsabbildung: © Maryna - stock.adobe.com www.narr.de MEDIENTIPP Sierk A. Horn Intercultural Leadership Humanistic Perspectives 1. Auflage 2024, 552 Seiten ISBN print 978-3-8252-6186-3 ISBN eBook 978-3-8385-6186-8 DOI 10.36198/ 9783838561868 Ladenpreis print €[D] 44,90 Ladenpreis eBook €[D] 43,99 For many of us, connecting with people across the world is now easy and commonplace. But coming into contact with different ways of doing things means losing our superpower of giving meaning to what is happening around us, interacting skilfully and building rapport. In the first part of this book, Sierk Horn shows how intercultural interactions set in motion psychological processes. The second part deals with the behavioural determinants of intercultural communication. The third part examines our social environment and how we deal with cultural differences. The book wants to make you curious about intercultural leadership. It invites you to explore humanistic perspectives in everyday communication. A wealth of exercises will accompany you on your learning journey. An extensive range of online resources and learning and teaching materials accompany the textbook. Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 18 FacHartikEl FacHartikEl Kunststoffe und Schmierstoffe - ist ein Vergleich sinnvoll? Manfred Jungk Mikroplastik und PFAS kommen sofort in den Sinn, wenn der Begriff Kunststoff erwähnt wird. Antwortet man auf die Frage in welcher Branche man tätig ist mit dem Wort Schmierstoff, so werden direkt Bemerkungen über Bestechlichkeit fallen gelassen. Als Schmierungstechniker weiß man dann gerne zu berichten, dass unsere Branche den Planeten legal am Laufen hält. Kunststoffe haben gerade wegen Mikroplastik und PFAS ein negatives Image, obwohl sie in vielen Bereichen durch Gewichtsreduzierungen gegenüber anderen Materialien positive Effekte haben. Das Image des technischen Schmierstoffes existiert in der Öffentlichkeit gar nicht. Das ist Grund genug die beiden „Stoffe“ einmal gegenüberzustellen. Gerne werden Zahlen zu Umsatz, Gewinn, Tonnage Verbrauchten Materials, Anzahl der Beschäftigten etc. aufgeführt, um verschiedene Industrien miteinander zu vergleichen. Was aber Kunststoffe und Schmierstoffe gemeinsam haben ist Düsseldorf als Austragungsort ihrer jeweiligen Branchentreffs. K 2025 Vom 8.-15. Oktober 2025 fand die alle 3 Jahre stattfindende weltgrößte Fachmesse für Kunststoffe und Kautschuk statt. Unter dem Motto „The Power of Plastics! Green - Smart - Responsible“ präsentierten 3.275 Aussteller aus 66 Nationen in den 18 Messehallen und auf dem Freigelände zukunftsweisende Technologien, Produkte und Verfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Über 175.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus rund 160 Ländern reisten nach Düsseldorf. Damit blieb die Besucher- Dr. Manfred Jungk Als Chemiker begann Manfred Jungk 1988 bei Dow Corning’s Molykote Spezialschmierstoff Entwicklung, wo er an den Standorten München, Plymouth Michigan und Wiesbaden in verschiedene Positionen ausfüllte. Seit 2017 ist er freiberuflich im Feld der Tribologie tätig. Neben seiner Herausgeberschaft der „Tribologie und Schmierungstechnik“ ist er auch Redakteur dieser Zeitschrift. 19 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Fachartikel-|-Kunststoffe und Schmierstoffe - ist ein Vergleich sinnvoll zahl der K auf stabilem Niveau. Ihre Position als globalste Fachmesse der Branche konnte sie eindrucksvoll unter Beweis stellen: 73 Prozent aller Besucherinnen und Besucher reisten aus dem Ausland an, mehr als 1/ 3 davon aus Übersee. Besonders stark vertreten waren China (6.300 Besuchende) und Indien (6.400 Besuchende). Aus den USA und Brasilien reisten insgesamt 10.000 Besuchende zur K 2025. Erneut zeichnete sich die Messe durch eine überdurchschnittliche Entscheider Quote aus (67 Prozent).“ Die Austeller verteilten sich auf die Produktgruppen Rohstoffe, Hilfsstoffe mit 936 Ständen, Kunststoffwaren und -verarbeitung mit 424, Maschinen und Ausrüstung für die Kunststoff- und Kautschuckindustrie mit 1902 und Dienstleistungen für die Kunststoff- und Kautschuckindustrie mit 194. Unter den Zielgruppen der Anwender befinden sich Fahrzeugbau/ Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik/ Feinmechanik/ Optik, Elektronik/ Elektrotechnik, Bau/ Bauen und Wohnen, Landwirtschaft und Energietechnik/ Photovoltaik. Das begleitende Veranstaltungsprogramm enthielt 5 Events zum Klimaschutz, 17 zu Young Talents, 14 zur Digitalisierung, 63 zur Kreislaufwirtschaft und nur 8 zu Innovative Materialien. Hier zeigt sich, dass in der Kreislaufwirtschaft die größten Herausforderungen bestehen und eine Versendung der gelben Säcke von Deutschland nach Südostasien nicht die Lösung ist. Lubricant EXPO 2025 Knapp einen Monat vor der K 2025 gastierte die Lubricant Expo Europe für 3 Tage in Düsseldorf. Im Gegensatz zur K, welche schon seit 1952 veranstaltet wird, ist die Lubricant Expo eine junge Veranstaltung. 2022 startete der jährlich stattfindende Branchentreff in Essen, bevor er 2024 nach Düsseldorf umzog. Die Zahlen mit knapp 300 Ausstellern in einer Halle und ca. 3500 Besuchern liest sich sehr bescheiden. Jedoch sind unter den Besuchern ähnliche Zielgruppen vertreten mit dem Unterschied, dass auch die Energiebranche stärker vertreten war. Die Aussteller verteilen sich auf Dienstleister, Schmierstoffhersteller und Vermarkter, sowie Rohstofflieferanten. Das Veranstaltungsprogramm beinhaltete Podiumsdiskussionen zu den Themen Marktausblick, Innovationen, Grund Öle, Nachhaltigkeit, Ökologischer Fußabdruck, Standardisierung und Regulierungen. Die Themen der Fachvorträge umfassten Beiträge zur Metallbearbeitung, Veränderungen im Verbrennungsmotor, Anforderungen an zukünftige Schmierstoffe für die Elektromobilität und Energieeinsparungspotentiale bei Optimierung der Schmierstoffauswahl. 2026 zieht die Lubricant Expo Europe von Halle 9 in die größere Halle 10 und erwartet über 5000 Besucher, 320 Aussteller und 100 Vorträge. Überschneidungen bei Kunst- und Schmierstoffen Bezogen auf die beiden Branchentreffs ist die Kunststoffindustrie zwischen 12 und 50fach (gemessen and Ausstellern und Besuchern) grösser als die Schmierstoff branche. Die eingangs erwähnten Betriebswirtschaftlichen Kennzahlen dürften auch in dieser Größenordnung liegen. Technische Gemeinsamkeiten der beiden liegen bei dem Bezug der Rohstoffe die stark von der Mineralölwie der Chemischen Industrie abhängen. Der Maschinenbau ist ebenfalls für beide wichtig, bei den Kunststoffen aber mehr zur Herstellung von Kunststoffteilen, hingegen bilden Schmierstoffe ein integraler Bestandteil von Maschinenelementen. Bei Maschinenelementen die Kunststoffe als Bauteil enthalten, wie z. B. Gleitlagerschalen, Dichtungen und Wälzlagerkäfigen spielt die Verträglichkeit zwischen Kunst- und Schmierstoff eine sehr wichtige Rolle für die langfristige Verwendung. Oft werden kleine Änderungen bei den Kunststoffen nur auf die mechanischen Eigenschaften des Bauteils abgeprüft, nicht aber der Einfluss auf den Schmierstoff mit den dann einhergehenden Veränderungen aufgrund von Weichmacherwechselwirkungen. Die Kunststoff- und Kautschukindustrie hat eine andere Größenordnung gegenüber den Schmierstoffen, steht aber bezüglich Kreislaufwirtschaft vor großen Herausforderungen. Schmierstoff und Schmierung wird in der öffentlichen Wahrnehmung übersehen und damit wird die Ausschöpfung ihres Potenzials, den ökologischen Fußabdruck erheblich zu verbessern, erschwert. Quellen: www.k-online.de, www.lubricantexpo.com »« Eingangsabbildung: © KI-generiert Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 20 FacHartikEl FacHartikEl Spritzgießmaschinen im Wandel Elisabeth Götze, Rope Technology Aachen, SKF Group Markttrends, Elektrifizierung und steigende Anforderungen an Schmierstoffe in der Kunststoffverarbeitung Die industrielle Kunststoffverarbeitung gehört zu den bedeutendsten Produktionssektoren der globalen Fertigungsindustrie. Kunststoffe sind heute aus nahezu allen technischen Anwendungen nicht mehr wegzudenken - von einfachen Verpackungen über hochpräzise medizinische Bauteile bis hin zu komplexen Strukturkomponenten im Fahrzeugbau, in der Elektronik oder in der Energietechnik. Innerhalb der verschiedenen Kunststoffverarbeitungsverfahren hat sich das Spritzgießen als dominierende Technologie etabliert. Das Verfahren ermöglicht die wirtschaftliche Serienfertigung komplexer Bauteile mit hoher Maßhaltigkeit und reproduzierbarer Qualität. Weltweit werden jährlich Milliarden Kunststoffteile im Spritzgießverfahren produziert. Typische Produkte reichen von Verpackungen und Konsumgütern über technische Bauteile bis hin zu sicherheitsrelevanten Komponenten in Fahrzeugen oder medizintechnischen Anwendungen. Durch seine hohe Automatisierbarkeit, kurze Zykluszeiten und große Materialvielfalt hat sich das Spritzgießen zu einem Schlüsselverfahren moderner Industrieproduktion entwickelt. Gleichzeitig befindet sich die Branche in einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Neue Ma- Elisabeth Götze Elisabeth Götze, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit einem besonderen Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Zuvor war sie Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e. V., der zum 1. Oktober 2025 im Zuge der Verbandsfusion in die UNITI integriert wurde. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum Korrosions- Expert an der Montanuniversität Leoben, Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer Tätigkeit im Verband war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in verschiedenen Führungspositionen tätig und erwarb dort umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe. MEDIENTIPP Gerhard Puhlmann Wirtschaftsethik und Corporate Governance 1. Auflage 2026, 264 Seiten ISBN print 978-3-381-15461-6 ISBN eBook 978-3-381-15462-3 DOI 10.24053/ 9783381154623 Ladenpreis print €[D] 34,90 Ladenpreis eBook €[D] 27,99 Unternehmen agieren in globalen Märkten, in denen Innovationen, ökologische Herausforderungen, gesellschaftliche Erwartungen und eine zunehmende Regulierung aufeinandertreffen. Zugleich verschärfen geopolitische Konflikte und Kriege die Risiken vor allem für die direkt betroffenen Menschen, aber auch für die weltweite Wirtschaft. Gleichzeitig wachsen die Forderungen an ein verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen. Entscheidungen, die sich allein an Effizienz oder kurzfristigen Erfolgskennzahlen orientieren, gelten als nicht mehr ausreichend. Dieses Buch zeigt, dass Wirtschaft, Ethik und Corporate Governance untrennbar miteinander verbunden sind. Denn sie bilden das Fundament einer modernen, zukunftsfähigen Unternehmensführung. Wer verstehen will, wie Unternehmen heute geführt werden sollten, muss alle drei Perspektiven berücksichtigen. Gerhard Puhlmann Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement 1. Auflage 2026, 296 Seiten ISBN print 978-3-381-16111-9 ISBN eBook 978-3-381-16112-6 DOI 10.24053/ 9783381161126 Ladenpreis print €[D] 34,90 Ladenpreis eBook €[D] 27,99 Das Buch „Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsmanagement“ zeigt im ersten Teil, wie sich Nachhaltigkeit historisch entwickelt hat, welche ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen sie umfasst, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und wie globale Herausforderungen die Anforderungen im internationalen Vergleich verändern. Im zweiten Teil steht das Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen selbst im Mittelpunkt, dessen strategische Verankerung, die operative Umsetzung, die Messung und Berichterstattung, nationale und internationale Entwicklungen sowie Erwartungen für die Zukunft. Fallstudien, Aufgaben und ergänzende Erklärvideos ermöglichen eine praxisnahe Vertiefung der theoretischen Grundlagen. UVK Verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 22 Fachartikel | Spritzgießmaschinen im Wandel schinenkonzepte, steigende Anforderungen an Energieeffizienz sowie zunehmende Digitalisierung verändern die technischen Rahmenbedingungen moderner Spritzgießanlagen. Parallel dazu verschieben sich die globalen Marktstrukturen im Maschinenbau deutlich. Während europäische Hersteller lange Zeit eine technologische Führungsrolle einnahmen, gewinnen asiatische Anbieter zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklungen betreffen nicht nur Maschinenhersteller und Kunststoffverarbeiter. Auch die Schmierstoffindustrie steht vor neuen Herausforderungen. Moderne Spritzgießmaschinen stellen steigende Anforderungen an Schmierstoffe, Fluidmanagement und Systemsauberkeit. Schmierstoffe entwickeln sich damit zunehmend von einem klassischen Betriebsstoff zu einem integralen Bestandteil moderner Maschinenkonzepte. (Bild: Maschine? ) Globaler Markt für Kunststoffverarbeitungsmaschinen Der weltweite Markt für Kunststoffverarbeitungsmaschinen wächst weiterhin stabil. Marktforschungsanalysen gehen davon aus, dass das globale Marktvolumen von rund 31 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf etwa 40 Milliarden US-Dollar bis zum Ende dieses Jahrzehnts steigen wird. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 4,5 % (Quelle: Mordor Intelligence, Global Market Insights). Innerhalb dieses Marktes nimmt das Spritzgießen weiterhin den größten Anteil ein, gefolgt von Verfahren wie Extrusion, Blasformen und Thermoformen. Aufgrund seiner hohen Produktivität, guten Automatisierbarkeit und der Möglichkeit, komplexe Bauteilgeometrien wirtschaftlich herzustellen, bleibt das Spritzgießverfahren die dominierende Technologie der industriellen Kunststoffverarbeitung. Regional zeigt sich jedoch eine deutliche Verschiebung der Marktanteile. Der asiatisch-pazifische Raum entwickelt sich zunehmend zum dominierenden Zentrum der Kunststoffverarbeitung. Haupttreiber sind insbesondere die Automobilindustrie, Verpackungsanwendungen sowie Konsumgüter. Besonders die dynamische Entwicklung der Elektromobilität führt zu einer steigenden Nachfrage nach Kunststoffkomponenten für Batteriesysteme, Leistungselektronik, Sensorik und thermische Managementsysteme. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Geschäftszahlen der Maschinenhersteller wider. Während einige europäische Anbieter zuletzt mit konjunkturellen Schwankungen konfrontiert waren, konnten mehrere asiatische Hersteller deutliche Wachstumsraten erzielen. Für europäische Maschinenbauer bedeutet dies eine zunehmende Differenzierung über Technologie, Prozessintegration, Automatisierung und Energieeffizienz. Funktionsprinzip des Spritzgießverfahrens Das Spritzgießverfahren basiert auf dem Prinzip, thermoplastische Kunststoffe aufzuschmelzen und unter hohem Druck in eine Form zu injizieren. Dort erstarrt das Material und bildet das gewünschte Bauteil.Eine moderne Spritzgießmaschine besteht im Wesentlichen aus zwei zentralen Baugruppen: der Spritzeinheit und der Schließeinheit. Die Spritzeinheit übernimmt die Plastifizierung des Kunststoffmaterials. Kunststoffgranulat gelangt über einen Einfülltrichter in einen beheizten Zylinder, in dem sich eine rotierende Schnecke befindet. Diese transportiert das Material nach vorne, plastifiziert es durch Reibung und Wärme und baut gleichzeitig Druck auf. Die aufgeschmolzene Kunststoffmasse wird anschließend über die Düse in das geschlossene Werkzeug eingespritzt. Die Schließeinheit hält das Werkzeug während des Einspritzvorgangs sicher geschlossen und erzeugt die notwendige Schließkraft, um den Einspritzdruck aufzunehmen. Der Produktionszyklus umfasst dabei mehrere Prozessphasen: Schließen des Werkzeugs, Plastifizieren des Kunststoffs, Einspritzen der Schmelze, Nachdruckphase zur Bauteilverdichtung, Abkühlung und Erstarrung sowie Öffnen des Werkzeugs und Auswerfen des Bauteils. (Bild: Funktionsteile? ) Industriezweige und Anwendungen Spritzgussteile finden heute in nahezu allen Industriezweigen Anwendung. Besonders bedeutend ist das Verfahren in der Automobilindustrie. Kunststoffkomponenten werden sowohl im Innenraum als auch im Motorraum eingesetzt, beispielsweise für Armaturenbrettstrukturen, Lüftungssysteme, Gehäuse für Steuergeräte oder Steckverbinder. Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Antriebsstrangs wächst zusätzlich der Bedarf an Kunststoffteilen für Batteriegehäuse, Sensorträger, Stecksysteme und Komponenten des Thermomanagements. Auch die Elektro- und Elektronikindustrie nutzt das Spritzgießverfahren intensiv. Gehäuse für elektronische Geräte, Steckverbinder, Isolatoren und zahlreiche Mikrokomponenten werden im Spritzgießverfahren gefertigt. In diesem Bereich sind enge Toleranzen, geringe Formabweichungen und eine hohe Reproduzierbarkeit entscheidend. In der Medizintechnik werden beispielsweise Einwegspritzen, Diagnosegeräte oder chirurgische Instrumente aus Kunststoff hergestellt. Diese Anwendungen stellen besonders hohe Anforderungen an Prozessstabilität, Materialreinheit und dokumentierbare Produktionsbedingungen. Darüber hinaus spielt das Spritzgießen eine zentrale Rolle in der Verpackungsindustrie sowie bei Kon- 23 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Fachartikel-|-Spritzgießmaschinen im Wandel sumgütern, Haushaltsgeräten und technischen Industriegütern. Das Verfahren bleibt damit in zahlreichen Zukunftsbranchen fest verankert und profitiert von Trends wie Miniaturisierung, Funktionsintegration und Leichtbau. Antriebskonzepte moderner Spritzgießmaschinen Moderne Spritzgießmaschinen lassen sich grundsätzlich in drei Kategorien einteilen: hydraulische Maschinen, vollelektrische Maschinen und Hybridspritzgießmaschinen. Hydraulische Maschinen nutzen Hydraulikpumpen und Zylinder, um die verschiedenen Bewegungen innerhalb der Maschine zu erzeugen. Dieses Konzept ist robust, bewährt und vor allem bei hohen Schließkräften sowie großen Werkzeugen weiterhin weit verbreitet. Elektrische Maschinen verwenden dagegen Servomotoren und mechanische Antriebssysteme wie Kugelgewindetriebe oder Rollengewindetriebe. Sie zeichnen sich durch hohe Präzision, gute Regelbarkeit, niedrige Geräuschemissionen und einen im Vergleich oft geringeren Energieverbrauch aus. Insbesondere in der Elektronik-, Präzisions- und Medizintechnik haben sich vollelektrische Konzepte etabliert. Hybridmaschinen kombinieren beide Technologien. Häufig wird eine elektrische Spritzeinheit mit einer hydraulischen Schließeinheit kombiniert. Damit lassen sich die Präzisionsvorteile elektrischer Antriebe mit den Kraftreserven hydraulischer Systeme verbinden. (Bild-Funktionen des Spritzgussprozesses? ) Tribologische Belastungen im Spritzgießprozess Spritzgießmaschinen arbeiten unter besonders anspruchsvollen tribologischen Betriebsbedingungen. Während des Spritzgießzyklus wirken hohe mechanische Kräfte, starke Temperaturgradienten und dynamische Lastwechsel auf zahlreiche Maschinenkomponenten. Gleichzeitig müssen die Anlagen häufig im Dauerbetrieb mit sehr kurzen Zykluszeiten arbeiten. In industriellen Anwendungen können moderne Spritzgießmaschinen mehrere tausend Produktionszyklen pro Tag durchführen. Diese Kombination aus hohen Belastungen und kontinuierlichem Betrieb stellt erhebliche Anforderungen an die tribologischen Systeme innerhalb der Maschine. Während des Einspritzvorgangs wird die plastifizierte Kunststoffschmelze mit hohem Druck in das Werkzeug injiziert. Der Einspritzdruck kann mehrere hundert Megapascal erreichen, während die Schließeinheit Kräfte von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Kilonewton auf bringen muss, um das Werkzeug sicher geschlossen zu halten. Diese Kräfte werden über mechanische Strukturen wie Kniehebelmechaniken, Führungen oder Spindelantriebe übertragen. An den Kontaktflächen dieser Bauteile entstehen hohe Flächenpressungen, die unter ungünstigen Bedingungen zu Misch- oder Grenzreibungszuständen führen können. Zusätzlich treten erhebliche thermische Belastungen auf. Die Kunststoffschmelze erreicht je nach Polymer häufig Temperaturen zwischen 200 und 300 °C. Auch wenn diese Temperaturen nicht unmittelbar auf alle Maschinenkomponenten übertragen werden, entstehen in der Umgebung der Plastifizier- und Einspritzeinheit erhebliche Wärmeeinträge. Reibungsverluste in mechanischen Komponenten sowie hydraulische Verluste im Fluid führen zusätzlich zu lokalen Temperaturerhöhungen. Unter diesen Bedingungen müssen Schmierstoffe eine stabile Schmierfilmbildung gewährleisten, um direkten metallischen Kontakt zwischen den Bauteiloberflächen zu vermeiden. Ein tragfähiger Schmierfilm reduziert nicht nur Reibung, sondern verhindert auch Verschleißmechanismen wie adhäsiven und abrasiven Verschleiß, Mikropitting oder Oberflächenermüdung. Gleichzeitig müssen Schmierstoffe oxidationsstabil sein, thermische Beanspruchung verkraften und gegenüber Prozessmedien sowie Kunststoffadditiven beständig bleiben. Eine sorgfältige Abstimmung zwischen Maschinenkonstruktion, Schmierstoffauswahl und Wartungsstrategie ist daher eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb moderner Spritzgießanlagen. Schmierstellen moderner Spritzgießmaschinen Die tribologischen Systeme innerhalb moderner Spritzgießmaschinen sind vielfältig und umfassen eine große Zahl bewegter Komponenten, die unter sehr unterschiedlichen Betriebsbedingungen arbeiten. Je nach Maschinenkonzept - hydraulisch, elektrisch oder hybrid - variieren Anzahl, Position und Belastung der einzelnen Schmierstellen erheblich. Grundsätzlich lassen sich die Schmierstellen den Bereichen Schließeinheit, Spritzeinheit, Antriebssysteme sowie Werkzeug- und Peripheriesysteme zuordnen. Eine der wichtigsten tribologischen Baugruppen ist die Schließeinheit. Sie sorgt dafür, dass das Spritzgießwerkzeug während des Einspritzvorgangs mit ausreichender Kraft geschlossen bleibt, um dem hohen Druck der Kunststoffschmelze standzuhalten. Abhängig vom Maschinentyp können hier Schließkräfte von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Kilonewton auftreten. Besonders verbreitet sind Kniehebelmechaniken, die hohe Kräfte bei gleichzeitig kompakter Bauweise ermöglichen. Innerhalb dieser Mechanik befinden sich zahlreiche Gelenke, Bolzen, Lagerstellen und Führungen. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 24 Fachartikel | Spritzgießmaschinen im Wandel Während der Produktionszyklen werden diese Komponenten ständig beschleunigt, belastet und wieder entlastet. Die Schmierstoffe müssen daher hohe Druckbelastungen aufnehmen können und gleichzeitig eine zuverlässige Schmierfilmbildung gewährleisten. Häufig kommen hier Hochleistungsschmierfette mit EP-Additivierung und guten Haftungseigenschaften zum Einsatz. Neben den Gelenkstellen der Kniehebelmechanik spielen auch die Linearführungen der Schließeinheit eine zentrale Rolle. Diese Führungen sorgen für eine präzise Bewegung der Werkzeugplatten und müssen gleichzeitig hohe Lasten aufnehmen. Eine gleichmäßige Schmierung ist hier entscheidend, um Stick-Slip- Effekte, erhöhten Reibwiderstand und Verschleiß zu vermeiden. Ein weiterer zentraler tribologischer Bereich befindet sich in der Spritzeinheit. Hier wird das Kunststoffgranulat plastifiziert und anschließend in das Werkzeug eingespritzt. Die Schnecke innerhalb des Plastifizierzylinders ist während des Betriebs hohen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Auch wenn die Schnecke selbst meist nicht direkt geschmiert wird, spielen angrenzende Lager- und Antriebssysteme eine wichtige Rolle für die tribologische Stabilität der Einheit. Mit der zunehmenden Elektrifizierung moderner Spritzgießmaschinen haben sich zusätzliche tribologische Anforderungen ergeben. In vollelektrischen Maschinen werden viele Bewegungen durch Kugelgewindetriebe oder Rollengewindetriebe erzeugt. Diese mechanischen Antriebssysteme ermöglichen hochpräzise Bewegungen der Spritzeinheit und der Werkzeugplatten, arbeiten aber gleichzeitig unter hohen dynamischen Belastungen mit schnellen Beschleunigungs- und Bremsvorgängen. Kugelgewindetriebe benötigen Schmierstoffe mit niedrigen Reibungskoeffizienten, hoher Druckaufnahmefähigkeit und guter Alterungsbeständigkeit. Gleichzeitig muss die Schmierung zuverlässig genug sein, um Verschleiß und Mikropitting an den Kontaktflächen zwischen Kugeln und Lauf bahnen zu verhindern. Ähnliches gilt für Linearführungen elektrischer Maschinen, die eine präzise Positionierung von Werkzeug und Spritzeinheit sicherstellen und gleichzeitig hohe Kräfte aufnehmen müssen. Auch Elektromotoren und Getriebe der Antriebssysteme stellen wichtige tribologische Systeme dar. Lagerstellen innerhalb der Motoren müssen häufig über lange Zeiträume hinweg zuverlässig geschmiert werden. Hier kommen häufig Hochleistungsschmierfette mit hoher thermischer Stabilität und langer Gebrauchsdauer zum Einsatz. Neben den zentralen Maschinenbaugruppen müssen auch zahlreiche Komponenten der Werkzeugmechanik geschmiert werden. Dazu zählen Werkzeugführungen, Auswerfermechanismen sowie bewegliche Elemente innerhalb der Formwerkzeuge. Während des Produktionsprozesses öffnen und schließen sich die Werkzeuge in sehr kurzen Zeitintervallen, wodurch diese Bauteile stark belastet werden. Geeignete Schmierstoffe sorgen dafür, dass diese Bewegungen reibungsarm erfolgen und gleichzeitig ein zuverlässiger Verschleißschutz gewährleistet wird. Ergänzend kommen im Bereich der Werkzeugtechnik häufig spezielle Trenn- und Prozessmedien zum Einsatz, die das Entformen erleichtern, Oberflächen schützen und hohe Schusszahlen unterstützen. Schmierstoffe nach Maschinentyp Die Anforderungen an Schmierstoffe variieren erheblich je nach Maschinentyp und Antriebskonzept. Während hydraulische Maschinen stark auf die Eigenschaften des Hydrauliköls angewiesen sind, benötigen elektrische Maschinen eine Vielzahl mechanischer Schmierstoffe für ihre Antriebssysteme. In hydraulischen Spritzgießmaschinen steht das Hydrauliköl im Mittelpunkt. Es übernimmt gleichzeitig mehrere Funktionen: die Übertragung mechanischer Energie, die Schmierung bewegter Komponenten, die Wärmeabfuhr aus dem System sowie den Schutz vor Korrosion und Verschleiß. Moderne Hydrauliköle müssen daher eine hohe thermische Stabilität besitzen und zugleich stabile Viskositätseigenschaften über einen breiten Temperaturbereich aufweisen. Additivpakete sorgen für Verschleißschutz, Oxidationsstabilität, Korrosionsschutz und gute Luftabscheidung. Gleichzeitig ist eine hohe Filtrierbarkeit entscheidend, um Partikelverunreinigungen aus dem System zu entfernen. Elektrische Spritzgießmaschinen stellen andere Anforderungen. Da hier viele Bewegungen durch mechanische Antriebssysteme erzeugt werden, spielen Schmierfette und Spezialschmierstoffe eine besonders wichtige Rolle. Kugelgewindetriebe, Linearführungen und Lager benötigen Schmierstoffe, die hohe Druckbelastungen aufnehmen können und zugleich geringe Reibwerte ermöglichen. Gleichzeitig müssen diese Schmierstoffe alterungsbeständig sein, da Wartungsintervalle in modernen Produktionsanlagen möglichst lang gehalten werden sollen. Hybridmaschinen kombinieren hydraulische und elektrische Antriebssysteme und vereinen damit die Anforderungen beider Technologien. Neben Hydraulikölen werden hier zahlreiche Schmierfette und Spezialschmierstoffe für mechanische Komponenten eingesetzt. Die tribologischen Systeme solcher Maschinen sind daher besonders komplex und erfordern ein umfassendes Schmierstoffmanagement. Priorisierung der Schmierung in der Wartungsstrategie Von Spritzgussanlagen wird erwartet, dass sie unter extremen Betriebsbedingungen zuverlässig arbeiten. MEDIENTIPP Walter Holweger, Joachim Schulz Wechselwirkung von Additiven mit Metalloberflächen Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 2022, 249 Seiten ISBN print 978-3-8169-3543-8 ISBN eBook 978-3-8169-8543-3 DOI 10.24053/ 9783816985433 Ladenpreis print €[D] 88,00 Ladenpreis eBook €[D] 70,40 + kritische Auswertung vorhandener Literatur und bestehender Modelle + hilft Probleme des Arbeitsalltags besser zu verstehen + Grundlage zu weiteren Arbeiten und Diskussionen In der Ausbildung von Maschinenbauer: innen und Fertigungstechniker: innen wird auf die Schmierstoffe nur so weit eingegangen, als diese existieren und einen Einfluss auf die Tribosysteme haben. Eine tiefergehende Beschäftigung findet mit Hinweis auf die komplexen chemischen Zusammenhänge nicht statt. Das vorliegende Buch bringt Licht in die „dunkle“ Seite der Tribologie und erklärt die Funktion des „Zwischenstoffs“. Dazu wird die bestehende Literatur kritisch ausgewertet. Ergänzend werden Modelle vorgestellt. Die Monografie verhilft den Lesenden zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkungen auf der Metalloberfläche und in der Randschicht von Bauteilen. expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 26 Fachartikel | Spritzgießmaschinen im Wandel Während des Produktionsprozesses wirken hohe mechanische Kräfte, wechselnde Temperaturbedingungen und kurze Zykluszeiten auf die Maschinenkomponenten ein. Gleichzeitig müssen die Anlagen über viele Jahre hinweg zuverlässig produzieren. Unter diesen Bedingungen gewinnt die Priorisierung der Schmierung innerhalb der Wartungsstrategie zunehmend an Bedeutung. Eine gezielte Auswahl und Überwachung von Schmierstoffen kann wesentlich dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit der Maschinen zu erhalten und ungeplante Stillstände zu vermeiden. Durch eine optimierte Schmierstoffstrategie lassen sich mehrere wirtschaftliche Vorteile erzielen. Dazu zählen unter anderem kürzere Anlaufzeiten nach Wartungsarbeiten, geringere Reibungsverluste innerhalb der Maschine sowie optimierte Zykluszeiten im Produktionsprozess. Gleichzeitig können Verschleißprozesse reduziert und Wartungsintervalle verlängert werden. Ein systematisches Schmierstoffmanagement umfasst dabei nicht nur die Auswahl geeigneter Schmierstoffe, sondern auch deren regelmäßige Überwachung sowie eine saubere Handhabung während Wartungsarbeiten. Gerade in hochautomatisierten Produktionsanlagen kann eine konsequente Schmierstrategie entscheidend dazu beitragen, die Gesamtbetriebskosten zu senken und die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen. Fluidmanagement und Ölreinheit Mit steigender Leistungsdichte moderner Spritzgießmaschinen gewinnt ein systematisches Fluidmanagement zunehmend an Bedeutung. Hydrauliksysteme moderner Anlagen arbeiten mit hohen Drücken, engen Spaltmaßen und hohen Dynamiken. Bereits geringste Verunreinigungen oder Veränderungen der Ölqualität können daher erhebliche Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Komponenten haben. Hydrauliköl übernimmt in Spritzgießmaschinen mehrere zentrale Aufgaben gleichzeitig: Es dient als Energieträger zur Übertragung mechanischer Leistung, gewährleistet die Schmierung bewegter Bauteile innerhalb von Pumpen, Ventilen und Zylindern, transportiert Wärme aus dem System und schützt Komponenten vor Korrosion und Verschleiß. Damit ist das Hydrauliköl ein zentrales Funktionsmedium der Maschine, dessen Zustand direkten Einfluss auf Effizienz, Prozessstabilität und Anlagenlebensdauer hat.Ein entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit hydraulischer Systeme ist die Reinheit des Hydrauliköls. Moderne Hydraulikkomponenten verfügen über sehr kleine Toleranzen und empfindliche Steuerkanten. Partikelverunreinigungen können daher bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen zu Schäden führen. Typische Schadensmechanismen sind abrasiver Verschleiß an Pumpenelementen, Erosion von Ventilsteuerkanten oder Blockaden feiner Steuerbohrungen. Besonders kritisch sind metallische Partikel sowie abrasive Feststoffe, die während des Betriebs entstehen oder von außen eingetragen werden können, etwa bei Wartungsarbeiten oder beim Ölwechsel. Um solche Schäden zu vermeiden, ist eine konsequente Filtration des Hydrauliköls erforderlich. Moderne Spritzgießmaschinen werden daher häufig mit mehrstufigen Filtersystemen ausgestattet. Diese bestehen typischerweise aus Druckfiltern, Rücklauffiltern und teilweise zusätzlichen Nebenstromfiltern. Während Druckfilter empfindliche Komponenten wie Ventile oder Servosysteme schützen, sorgen Rücklauffilter dafür, dass Partikel bereits beim Rückfluss des Öls in den Tank entfernt werden. Neben der klassischen Filtration gewinnt auch die Nebenstromfiltration zunehmend an Bedeutung. Dabei wird ein Teilstrom des Hydrauliköls kontinuierlich durch ein hochfeines Filtersystem geleitet. Dieses Verfahren ermöglicht eine besonders effektive Reinigung des Öls und trägt dazu bei, langfristig niedrige Partikelkonzentrationen im System zu gewährleisten. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Fluidmanagements ist die Kontrolle der Luft- und Wasseranteile im Hydrauliköl. Lufteinschlüsse können zu Kavitation in Hydraulikpumpen führen und damit zu erhöhter Geräuschentwicklung, Leistungseinbußen und mechanischen Schäden. Wasser im Hydrauliköl kann dagegen Korrosionsprozesse fördern, die Schmierfähigkeit des Öls reduzieren und die Lebensdauer von Additiven verkürzen. Moderne Hydrauliköle verfügen daher über optimierte Eigenschaften zur schnellen Luftabscheidung sowie zur kontrollierten Wassertrennung. Gleichzeitig ist eine regelmäßige Überwachung des Wassergehalts im Öl Bestandteil eines effektiven Fluidmanagements. Ein weiterer zentraler Bestandteil eines professionellen Fluidmanagements ist die regelmäßige Analyse des Ölzustands. Durch Ölzustandsanalysen lassen sich wichtige Parameter wie Viskosität, Oxidationszustand, Additivabbau, Partikelgehalt und Wasseranteil überwachen. Diese Daten ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Verschleißprozessen oder beginnender Ölalterung. In vielen modernen Produktionsanlagen wird das Fluidmanagement daher zunehmend digital unterstützt. Sensorbasierte Überwachungssysteme können beispielsweise kontinuierlich den Partikelgehalt oder die Feuchtigkeit im Hydrauliköl messen. Solche Systeme ermöglichen eine zustandsbasierte Wartung und tragen dazu bei, ungeplante Maschinenstillstände zu vermeiden. Auch organisatorische Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle für ein erfolgreiches Fluidmanagement. Dazu gehören unter anderem saubere Befüllprozesse, der Einsatz geeigneter Filtereinrichtungen 27 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Fachartikel-|-Spritzgießmaschinen im Wandel beim Ölwechsel sowie eine sorgfältige Lagerung von Schmierstoffen. Selbst kleinste Verunreinigungen, die beim Nachfüllen von Öl in das System gelangen, können langfristig die Lebensdauer empfindlicher Hydraulikkomponenten beeinträchtigen. Ein professionelles Fluidmanagement umfasst daher den gesamten Lebenszyklus des Hydrauliköls - von der Lagerung über die Befüllung und Filtration bis hin zur regelmäßigen Zustandsüberwachung. Durch diese Maßnahmen lassen sich Verschleißprozesse reduzieren, Wartungsintervalle verlängern und die Betriebssicherheit von Spritzgießmaschinen nachhaltig verbessern. Gerade in Produktionsumgebungen mit hohen Maschinenlaufzeiten und kurzen Zykluszeiten trägt ein optimiertes Fluidmanagement entscheidend dazu bei, die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen und die Gesamtbetriebskosten zu senken. Zukunftsperspektiven im Spritzguss Die Zukunft der Spritzgusstechnologie wird durch mehrere Trends geprägt. Dazu zählen insbesondere die zunehmende Elektrifizierung der Maschinen, die Integration digitaler Produktionssysteme sowie neue Werkstoffkonzepte. Auch die Digitalisierung wird die Kunststoffverarbeitung nachhaltig verändern. Sensorbasierte Systeme ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung von Maschinenzuständen und Schmierstoffen. Dadurch werden zustandsorientierte Wartungsstrategien und eine präzisere Prozessführung weiter an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus gewinnen nachhaltige Werkstoffe und Recyclingkunststoffe zunehmend an Bedeutung. Damit steigen auch die Anforderungen an Prozessführung, Materialhandhabung und tribologische Auslegung von Maschinen und Werkzeugen. Zusammenfassung Der Kunststoff-Spritzguss bleibt eines der wichtigsten industriellen Fertigungsverfahren weltweit. Gleichzeitig befindet sich die Branche in einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Elektrische und hybride Maschinenkonzepte, steigende Anforderungen an Energieeffizienz sowie neue Anwendungen in Zukunftsindustrien verändern die technischen Rahmenbedingungen der Kunststoffverarbeitung. Damit steigen auch die Anforderungen an Schmierstoffe. Moderne Schmierstofflösungen müssen heute eine Vielzahl von Eigenschaften gleichzeitig erfüllen. Die Leistungsfähigkeit moderner Spritzgießmaschinen hängt daher nicht nur von mechanischer Konstruktion und Antriebstechnik ab - auch Schmierstoffe sind ein entscheidender Faktor für Effizienz, Prozessstabilität und Anlagenverfügbarkeit. »« Eingangsabbildung: © bird_ saranyoo - stock.adobe.com Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 28 FacHartikEl FacHartikEl Vom Produktschutz zur Produktidentität Ein Fachbeitrag von authentic.network Die wichtigste Frage ist nicht mehr, wie man Schmierstoffe vor Fälschern schützt-- sondern ob man jede einzelne Einheit eindeutig und fälschungssicher wiedererkennt. Weltweit werden jährlich gefälschte Waren im Wert von rund 467 Milliarden US-Dollar gehandelt - etwa 2,3 Prozent des Welthandels, in der EU fast jeder zwanzigste Import (OECD/ EUIPO 2025). Schmierstoffe stehen darin selten im Vordergrund, doch die eigentliche Frage hat sich verschoben: Es geht nicht mehr nur darum, ein Produkt gegen Nachahmung abzusichern, sondern ob ein Hersteller Herkunft, Weg und Echtheit eines einzelnen Gebindes zweifelsfrei nachweisen kann - auch dann, wenn die Ware den eigenen Vertriebskanal längst verlassen hat. Warum klassischer Schutz nicht reicht Hologramme, Sicherheitsetiketten und der aufgedruckte QR-Code erzeugen vor allem ein Gefühl von Sicherheit. Gegen die zwei echten Probleme der Branche helfen sie wenig. Das erste ist die Fälschung: Minderwertige Ware unter bekanntem Namen kann Maschinenschäden verursachen und daraus folgen Garantie-, Haftungs- und Regressfragen, die für die Branche ein erhebliches, oft unterschätztes Kostenrisiko sind. Klären lassen sie sich kaum, solange niemand belegen kann, ob das eingesetzte Produkt überhaupt echt war. Das zweite ist der Graumarkt - Parallelhandel, Re-Importe, Umverpackung: Produkte tauchen in Märkten auf, für die sie nie gedacht waren, und der Hersteller verliert Überblick, Preis- und Rückrufkontrolle. Ein Hologramm lässt sich nachahmen, ein klassischer QR-Code ist auf jeder Einheit gleich und mitdruckbar. Über authentic.network authentic.network schafft Infrastruktur für digitale Produktidentitäten. Wir verbinden physische Produkte mit einer fälschungssicheren digitalen Identität, als gemeinsame Grundlage für Authentifizierung, Rückverfolgbarkeit, Graumarkterkennung und den digitalen Produktpass. Gemeinsam mit Industrie- und Markenherstellern setzen wir Produktidentitäten bis in den globalen Maßstab um. Über die Fragen dieses Beitrags tauschen wir uns gern mit Entscheidern der Schmierstoff branche aus. 29 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Fachartikel-|-Vom Produktschutz zur Produktidentität Keines verrät, welches einzelne Produkt man in der Hand hält. Beide Probleme haben dieselbe Ursache: Die einzelne Einheit ist nicht eindeutig erkennbar. Von der Kennzeichnung zur fälschungssicheren Identität Die Antwort ist eine digitale Identität für jedes einzelne Gebinde: eine eigene Kennung, ein digitaler Fingerabdruck, der ein Produktleben lang bleibt und Charge, Qualitätsnachweise, Echtheitsstatus und Lieferkettenstationen trägt. Entscheidend ist dabei: Identifizieren ist nicht Authentifizieren. Eine eindeutige Nummer kann ein Produkt benennen, beweist aber nicht seine Echtheit - wird sie kopiert, vervielfältigt sich dieselbe Identität. Reine Serialisierung erschwert das Kopieren, verhindert es nicht. Den eigentlichen Schutz liefert eine kryptografisch gesicherte Kennung mit einem fein aufgelösten Sicherheitsmuster im Code, das beim Kopieren oder Nachdrucken zwangsläufig bricht: Eine Kopie verliert es und wird beim Scan sofort erkannt - geprüft in Sekunden, mit jedem Smartphone, ohne App, gegen ein gesichertes Backend. Im Schadens- oder Regressfall liefert das den entscheidenden Beleg, ob ein Produkt tatsächlich vom Hersteller stammt oder eben nicht. Bemerkenswert ist, dass dieser Schutz im normalen Druckprozess entsteht, ohne spezielles Sicherheitsmaterial. Verfahren, die ein physisches Spezialmaterial oder eine eigene App voraussetzen, lassen sich auf hochwertige Einzelprodukte anwenden, über ein Portfolio aus Millionen Einheiten aber selten wirtschaftlich. Print-nativer, appfreier Schutz skaliert dagegen über das gesamte Sortiment. Eine Infrastruktur, kein Einzelprojekt Authentifizierung, Serialisierung, Track & Trace, Connected Packaging und der digitale Produktpass sind keine getrennten Themen. Sie setzen alle auf derselben Schicht auf - einer Infrastruktur für digitale Produktidentitäten, einer Digital Product Identity Infrastructure. Der eigentliche Gegenstand ist dabei nicht die Authentifizierung, sondern die Identität selbst; Echtheitsprüfung, Rückverfolgung und Produktinformationen sind Funktionen, die auf ihr aufbauen. Damit verändert sich auch die Rolle der Verpackung. Jahrzehntelang war sie eine Einbahnstraße. Informationen flossen vom Hersteller zum Markt, dann endete die Spur. Jede Prüfung erzeugt nun einen Datenpunkt: wo Produkte auftauchen, welche Märkte aktiv sind, wie Ware sich bewegt. So wird Graumarktware sichtbar, sobald sich Prüfungen dort häufen, wo nie geliefert wurde und aus Produktauthentifizierung wird Product Intelligence. Der digitale Produktpass - und die richtige Reihenfolge Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) ist seit Juli 2024 in Kraft; ihre Anforderungen entstehen schrittweise. Den Anfang macht der Batteriepass ab Februar 2027, dann folgen Stahl, Textilien, Möbel und Elektronik. Chemische Produkte gehören nicht zur ersten Runde - eine akute Frist für Schmierstoffe gibt es nicht. Entscheidend ist die Reihenfolge: Ein Produktpass setzt eine eindeutige Identität voraus, und diese Identität eine vertrauenswürdige Authentifizierung. Der Pass beginnt deshalb nicht mit Nachhaltigkeitsdaten, sondern mit der Fähigkeit, jedes Produkt eindeutig und fälschungssicher zu identifizieren. Wer diese Basis heute schafft, bringt seine Daten in Ordnung, lange bevor er muss. Was der LIQUI-MOLY-Rollout zeigt Als Hersteller hochwertiger Öle ist LIQUI MOLY weltweit ein beliebtes Ziel für Fälschungen - mit finanziellen Verlusten, untergrabenem Kundenvertrauen, möglichen Motorschäden und im Extremfall Gesundheitsrisiken für die Anwender. Die Antwort darauf war jedoch kein punktuelles Sicherheitsmerkmal, sondern der Auf bau einer durchgehenden digitalen Identitätsschicht für das gesamte globale Portfolio: rund 40 Millionen Produkte in etwa 150 Märkten, jede Einheit eindeutig und fälschungssicher, in Echtzeit per Smartphone prüf bar - als Live-Rollout über das komplette Sortiment, nicht als Pilot. Das gibt Geschäftswie Endkunden Sicherheit beim Kauf, bereitet das Portfolio auf Transparenz-, Compliance- und DPP-Anforderungen vor und zählt zu den größten bekannten Rollouts digitaler Produktidentitäten. Umgesetzt wurde er mit authentic.network. Die Herausforderung bestand nicht darin, einige Millionen Codes zu erzeugen oder einzelne Produkte zu schützen, sondern für jedes Produkt des globalen Portfolios eine dauerhaft nutzbare Identität aufzubauen über alle Verpackungsgrößen, Produktionsprozesse und Vertriebskanäle hinweg, ohne neue Maschinen, RFID oder Spezial-Scanner. Genau an dieser Kombination scheitern viele Alternativen. Solche Projekte sind am Ende keine IT-, sondern Veränderungsprojekte und ihr Ergebnis ist mehr als ein Echtheitsnachweis: eine Identitätsschicht über ein weltweites Portfolio und zugleich die Grundlage für kommende DPP-Anforderungen. Die eigentliche Frage Sie lautet nicht,♥ ob ein Unternehmen Produktidentitäten braucht, sondern wann es beginnt, sie aufzubauen. Die Messlatte liegt höher, als die Schlagworte vermuten lassen: gefragt ist eine Identität, die zu- Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 30 Fachartikel | Vom Produktschutz zur Produktidentität gleich eindeutig, fälschungssicher authentifizierbar, skalierbar, global nutzbar und ohne zusätzliche Hardware integrierbar ist. Dass sich das erfüllen lässt, ist keine Zukunftsmusik. Es wurde bereits über rund 40 Millionen Produkte gelöst. Wer diese Grundlage heute schafft, baut nicht nur Schutzmechanismen auf, sondern eine digitale Identitätsinfrastruktur, die Authentifizierung, Transparenz, Graumarkterkennung und künftige DPP-Anforderungen auf einer technischen Basis zusammenführt - die Grundlage für die nächste Generation industrieller Wertschöpfung. »« Weitere Informationen und Buchung unter: UNITI Services GmbH | Jägerstraße 6 | 10117 Berlin Herr René Löser E-Mail: loeser@uniti.de Tel.: +49 30 755 414 400 Eingangsabbildung: © manassanant - stock.adobe.com 31 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 20 MInuten MIt … Diana Schneider über Lebensmittelschmierstoffe: Wenn Technik unter Produktsicherheitsvorbehalt steht Hydrauliköle, Getriebeöle, Kompressorenöle oder Schmierfette sind in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie unverzichtbare Betriebsmittel. Gleichzeitig stehen sie wie kaum ein anderer Schmierstoff bereich im Spannungsfeld aus technischer Performance, Lebensmittelsicherheit, Auditfähigkeit und internationaler Regulierung. Wir sprechen mit Diana Schneider von ExxonMobil über H1-Schmierstoffe, MOSH/ MOAH, Kosher- und Halal-Anforderungen, Formulierungsgrenzen und die Frage, warum Monitoring in Lebensmittelbetrieben längst zum entscheidenden Sicherheitsfaktor geworden ist. E Götze: Frau Schneider, Hydrauliköle gelten in der Lebensmitteltechnik häufig als „unsichtbarer Risikofaktor“. Warum rücken sie aktuell stärker in den Fokus? D. Schneider: Hydrauliköle gehören in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie zu den unverzichtbaren Betriebsmitteln. Sie übernehmen zentrale Funktionen in Pressen, Formanlagen, Fördertechnik, Abfüllanlagen und Verpackungslinien. Ohne sie wären Präzision, Zuverlässigkeit und Prozesssicherheit in vielen Anlagen kaum denkbar. Gleichzeitig können sie - etwa durch Leckagen, Wartungsfehler oder unsaubere Umfüllprozesse - unbeabsichtigt in Kontakt mit Lebensmitteln oder lebensmittelnahen Bereichen kommen. Gerade offene Produktionsbereiche sind besonders sensibel: Fleisch-, Milch- und Backwarenverarbeitung, Abfülllinien, Verpackungsanlagen oder Anwendungen, bei denen hydraulische Komponenten oberhalb oder in unmittelbarer Nähe des Produkts verbaut sind. Hinzu kommt, dass Lebensmittelbetriebe sehr intensiv reinigen - häufig mit Wasser, Hochdruck, Reinigungschemie und kurzen Stillstandsfenstern. Das ist für Hydrauliksysteme, Dichtungen und Schmierstoffe technisch extrem anspruchsvoll. Der entscheidende Punkt ist: Schmierstoffe und insbesondere Hydrauliköle, Schmierfette etc. dürfen in solchen Umgebungen nicht mehr nur als technisches Betriebsmittel betrachtet werden. Sie sind Teil eines umfassenden Lebensmittelsicherheitskonzepts. Welche regulatorischen Anforderungen sind dafür maßgeblich? Der zentrale internationale Standard bleibt NSF H1. Die National Sanitation Foundation International, kurz: NFS. ist eine unabhängige, weltweit anerkannte Zertifizierungsorganisation, die u. a. Schmierstoffe für den Einsatz in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie bewertet und registriert. H1-Schmierstoffe sind für Anwendungen vorgesehen, bei denen ein gelegentlicher, technisch unvermeidbarer Lebensmittelkontakt nicht ausgeschlossen Diana Schneider Technology Solution Professional - Finished Lubricants Technology | ESSO Deutschland GmbH Elisabeth Götze Elisabeth Götze, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 32 20 Minuten mit … | Diana Schneider über Lebensmittelschmierstoffe werden kann. Wichtig ist aber: H1 bedeutet nicht, dass ein Schmierstoff absichtlich mit Lebensmitteln in Kontakt kommen darf. Ziel ist immer, Kontaminationen zu vermeiden. H1 beschreibt den Sicherheitsrahmen für den Fall, dass es trotz geeigneter Maßnahmen zu einem unbeabsichtigten Kontakt kommt. Die NSF-Registrierung bewertet dabei insbesondere Formulierung und Kennzeichnung eines Produkts. Daneben gibt es weitere Kategorien wie H2, H3 oder 3H, die klar unterschieden werden müssen. H2 betrifft Schmierstoffe ohne Lebensmittelkontakt, H3 wird für bestimmte lösliche Öle verwendet, während 3H-Produkte für direkten Lebensmittelkontakt geeignet sein können. Diese Differenzierung ist in der Praxis sehr wichtig, weil „NSF-registriert“ nicht automatisch „H1“ bedeutet. NSF verweist zudem darauf, dass ISO 21469 über die reine Produktbewertung hinausgeht und Hygieneanforderungen an Formulierung, Herstellung und Verwendung von Schmierstoffen adressiert, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen können. Die Norm ist international anerkannt und laut NSF in Brasilien bereits gesetzlich vorgeschrieben. In Lebensmittelbetrieben bildet das HACCP- Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points) den zentralen Bewertungsrahmen für die Lebensmittelsicherheit. Schmierstoffe - darunter Hydrauliköle, Getriebeöle, Kompressorenöle und Fette - werden im Rahmen der Gefahrenanalyse systematisch als potenzielle chemische Gefahrenquelle eingeordnet, insbesondere bei produktnahen Anwendungen. Entscheidend ist dabei nicht allein die H1-Registrierung eines Schmierstoffs, sondern die ganzheitliche Bewertung seines Einsatzes im Prozess: Anlagenlayout, potenzielle Leckagepfade, Reinigungs- und Wartungsprozesse sowie Kennzeichnung und Dokumentation müssen strukturiert analysiert und kontinuierlich überwacht werden. Abhängig vom jeweiligen Risikoprofil werden Schmierstellen als kritische Kontrollpunkte (CCP) oder operative Lenkungspunkte (OPRP) klassifiziert. Damit wird deutlich: Schmierstoffe sind kein isoliertes Produktmerkmal, sondern integraler Bestandteil eines belastbaren Lebensmittelsicherheits- und HACCP-Systems. Wie hat sich die Praxis in den Betrieben verändert? Deutlich. Früher mussten Anbieter das Thema Lebensmittelschmierstoffe oft aktiv ansprechen. Heute ist es Bestandteil nahezu jedes Audits. Lebensmittelhersteller müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachweisen können, dass Risiken erkannt, bewertet und beherrscht werden - vom Rohstoff über die Verarbeitung bis zu Verpackung, Lagerung und Transport. Das betrifft nicht nur große internationale Marken. Auch kleinere Betriebe, etwa Saftabfüllungen, Bäckereien oder regionale Verarbeiter, stehen zunehmend unter Auditdruck. Gerade dort ist der Beratungsbedarf häufig hoch, weil die Anforderungen komplexer werden und Ressourcen begrenzt sind. Ein aktuelles Reizthema ist MOSH/ MOAH. Wie ordnen Sie die Diskussion ein? MOSH/ MOAH ist fachlich wichtig, aber in der Praxis nicht immer einfach zu bewerten. Zunächst muss man unterscheiden: Die aktuelle Diskussion und Regulierung richtet sich primär auf Lebensmittelbefunde - nicht direkt auf Schmierstoffe. Schmierstoffe können jedoch als mögliche Eintragsquelle betrachtet werden, wenn sie in der Ursachenanalyse identifiziert werden. Wir bevorzugen auch die Einordnung 33 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 20 Minuten mit …-|-Diana Schneider über Lebensmittelschmierstoffe zu MOSH/ MOAH, dass der regulatorische Fokus nicht auf einem pauschalen Verbot MOSH-haltiger Schmierstoffe liegt, sondern auf MOAH-Gehalten, Eintragsrelevanz sowie Lieferketten- und Prozesskontrolle. Für H1-Schmierstoffe bleibt entscheidend: Sie unterliegen bereits strengen Anforderungen an zulässige Grundöle und Additive. Viele moderne H1- Schmierstoffe basieren auf PAO oder hochreinen Weißölen. Bei PAO ist wichtig zu verstehen, dass diese synthetischen Grundöle zwar analytisch im MOSH-Fenster unterhalb des Grenzbereiches erscheinen können, aber strukturell und toxikologisch nicht mit mineralölbasierten MOSH/ MOAH-Fraktionen gleichgesetzt werden sollten. Wir weisen explizit in unseren Unterlagen darauf hin, dass PAO, d. h. synthetische Basisöle keine aromatischen Moleküle enthalten und daher chemisch sowie biologisch von MOAH abzugrenzen sind. Gleichzeitig können PAO in bestehenden Analysen als MOSH detektiert werden. Das ist eine der großen Herausforderungen: Die verfügbaren MOSH/ MOAH-Analysemethoden wurden für Lebensmittel und Lebensmittelkontaktmaterialien entwickelt - nicht für Schmierstoffe als nahezu reine Kohlenwasserstoffmatrix mit Additivierung. Deshalb sind isolierte Zahlenwerte ohne methodische Einordnung problematisch. Für die Praxis heißt das: MOSH/ MOAH-Befunde sollten Auslöser für Ursachenanalyse sein, aber nicht automatisch als Compliance-Verstoß interpretiert werden. Wo liegen die größten Zielkonflikte bei der Formulierung von Lebensmittelschmierstoffen? Die Formulierung ist ein Balanceakt. Auf der einen Seite stehen hohe technische Anforderungen: Verschleißschutz, Oxidationsstabilität, Luftabscheidevermögen, Filterbarkeit, Alterungsbeständigkeit, Dichtungsverträglichkeit und lange Standzeiten. Auf der anderen Seite sind die regulatorisch zulässigen Rohstoffe und Additive enger begrenzt als bei klassischen Industrieschmierstoffen. Ein Beispiel sind Additive, die technisch sehr wirksam sein können, regulatorisch aber zunehmend unter Druck geraten. Wenn ein Stoff aus Konformitätsgründen ersetzt werden muss, lässt sich seine Funktion nicht immer eins zu eins substituieren. Man kann nicht einfach „mehr“ eines anderen Additivs einsetzen. Moderne Formulierung bedeutet vielmehr, Grundölqualität, Additivchemie und Anwendung sehr präzise aufeinander abzustimmen. PAO-basierte Produkte bieten hier viele Vorteile: hohe Oxidationsstabilität, gute Alterungsbeständigkeit, niedrige Flüchtigkeit und oft gute Energieeffizienz. PAG-Produkte können in bestimmten Hochtemperatur- oder Getriebeanwendungen ebenfalls sehr leistungsfähig sein und lange Lebensdauern ermöglichen. Sie stellen aber höhere Anforderungen an Verträglichkeit, Umölung, Dichtungsmaterialien und insbesondere an den Umgang mit Wasser. In Lebensmittelbetrieben, in denen täglich nass gereinigt wird, ist das ein entscheidender Punkt. Auch synthetische Ester sind hervorragende Schmierstoffe, können aber in feucht-warmen Umgebungen hydrolyseempfindlich sein. Genau deshalb muss jede Anwendung technisch und hygienisch sauber bewertet werden. Welche Rolle spielen Kosher und Halal? Eine zunehmend große. Für global agierende Lebensmittelhersteller sind Kosher- und Halal-Zertifizierungen oft nicht mehr optional, sondern Voraussetzung für bestimmte Märkte oder Kundengruppen. Dabei geht es nicht nur um die Formulierung des Schmierstoffs, sondern auch um Rohstoffe, Additive, Produktionsprozesse, Lagerung, Kennzeichnung und Auditierung. Kosher-Zertifizierungen werden beispielsweise durch Rabbiner beziehungsweise entsprechende Zertifizierungsstellen erteilt. Dafür werden Produktion, Lager, Kennzeichnung und eingesetzte Rohstoffe betrachtet. Bei Halal ist die Situation noch komplexer, weil Anforderungen je nach Land und Zertifizierungsstelle unterschiedlich ausgelegt werden können. Malaysia gilt in vielen Bereichen als besonders streng; wer dortige Anforderungen erfüllt, hat häufig eine gute Grundlage für andere Märkte. Das zeigt: Lebensmittelschmierstoffe sind längst ein globales Spezialthema. Es geht nicht nur um Technik, sondern auch um kulturelle, religiöse, regulatorische und lieferkettenbezogene Anforderungen. Wo entstehen in der Praxis die größten Kontaminationsrisiken? Selten ist allein das Produkt das Problem. Häufig entstehen Risiken aus dem System: falsche Schmierstoffauswahl, Mischverwendungen von H1- und Nicht-H1- Produkten, unzureichende Kennzeichnung, alte Anlagen, verschlissene Dichtungen, aggressive Reinigung, unsaubere Umfüllprozesse oder fehlendes Monitoring. Ein Klassiker ist die Reinigung. Lebensmittelbetriebe müssen hygienisch arbeiten, gleichzeitig können Wasser, Reinigungschemie und Hochdruckreinigung Schmierstellen, Dichtungen und Hydraulikkomponenten stark belasten. Wenn dann kein systematisches Monitoring erfolgt, werden Probleme oft erst sichtbar, wenn bereits Leckagen, Schaumbildung, Wassergehalt, Verschleiß oder Funktionsstörungen auftreten. Deshalb ist Ölzustandsüberwachung so wichtig. Sie hilft, Veränderungen früh zu erkennen - etwa Wasser, Partikel, Additivabbau oder Viskositätsänderungen. In Verbindung mit Wartungsplänen, klarer Kennzeichnung, Mitarbeiterschulung und hygienegerechtem Anlagendesign entsteht daraus ein wirksames Kontaminationsmanagement. Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 34 20 Minuten mit … | Diana Schneider über Lebensmittelschmierstoffe Wie wichtig ist Anlagendesign? Sehr wichtig. Moderne Anlagen berücksichtigen hygienegerechtes Design deutlich stärker als früher. Hydraulikkomponenten sollten möglichst nicht direkt über offenen Produkten angeordnet sein. Wo das nicht vermeidbar ist, braucht es technische Schutzmaßnahmen wie Tropfschutz, Abschirmungen, definierte Leckageführung oder gut zugängliche Wartungspunkte. In älteren Anlagen ist das schwieriger. Dort muss man pragmatisch arbeiten: Risikoanalyse, passende Schmierstoffstrategie, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Inspektion. Manchmal kann ein sehr modernes Produkt in einer alten Anlage auch neue Effekte sichtbar machen, weil vorherige Schwächen durch alte Schmierstoffsysteme gewissermaßen „kaschiert“ wurden. Deshalb gehört zur Umstellung immer eine technische Begleitung. Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in diesem Segment? Nachhaltigkeit spielt eine Rolle, aber in der Lebensmittelindustrie steht Produktsicherheit klar an erster Stelle. Ein Schmierstoff kann nur dann nachhaltig sein, wenn er auch sicher, stabil und anwendungsgerecht ist. Biobasierte oder biologisch abbaubare Lösungen sind interessant, aber nicht automatisch die bessere Wahl. Gerade in feuchten, warmen oder reinigungsintensiven Umgebungen müssen Hydrolysestabilität, Korrosionsschutz, Dichtungsverträglichkeit und Lebensdauer sehr genau bewertet werden. Ein wichtiger Nachhaltigkeitshebel liegt deshalb oft in längeren Ölstandzeiten, höherer Anlagenverfügbarkeit, weniger ungeplanten Stillständen und möglicher Energieeffizienz. Hochleistungs-Hydrauliköle oder synthetische Getriebeöle können hier einen Beitrag leisten, wenn sie Reibung reduzieren, Systemwirkungsgrade verbessern und Wartungsintervalle verlängern. Was wird den Markt künftig prägen? Die Anforderungen werden weiter steigen - auch ohne dass immer sofort neue Gesetze hinzukommen. Audits, Kundenanforderungen, internationale Zertifizierungen, MOSH/ MOAH-Diskussionen, Kosher/ Halal, Transparenz entlang der Lieferkette und Dokumentationspflichten verändern den Markt bereits heute. Der größte Handlungsbedarf liegt aus meiner Sicht in drei Bereichen: erstens in klarer technischer Beratung, zweitens in belastbarer Dokumentation und drittens in einer risikobasierten Bewertung statt pauschaler Schwarz-Weiß-Betrachtungen. Nicht jeder Befund ist automatisch ein Risiko, aber jedes Risiko muss verstanden und beherrscht werden. Die größte Chance liegt darin, Schmierstoffe als integralen Bestandteil der Lebensmittelsicherheit zu begreifen. Sie sind nicht nur Hilfsstoffe im Hintergrund, sondern entscheidende Enabler für sichere, stabile und effiziente Produktionsprozesse. Frau Schneider-- Wenn Sie ein Fazit ziehen: Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor für sichere und leistungsfähige Schmierstoffkonzepte in der Lebensmittelindustrie? Lebensmittelschmierstoffe müssen heute mehr leisten als reine Funktion: Sie vereinen technische Performance, regulatorische Konformität, Auditfähigkeit und Produktsicherheit in einem ganzheitlichen System. In der Lebensmitteltechnik stehen sie damit unter besonderem Produktsicherheitsvorbehalt. Zwischen H1, HACCP, ISO 21469, MOSH/ MOAH sowie Kosher- und Halal-Anforderungen wird deutlich: Die Branche braucht mehr Systemverständnis, konsequentes Monitoring und anwendungsnahe Beratung. Denn erst im Zusammenspiel von Produkt, Prozess und Anwendung entsteht echte Lebensmittelsicherheit. »« Eingangsabbildung: © istock.com/ Comeback Images Reibung und Verschleiß • Werkstoffe, Kontaktmechanismen, Oberflächen • Tribometrie • Hydrodynamik und EHD, Minimalmengen- und Trockenschmierung • Tribologie der Maschinenelemente und Baugruppen Tribologie - Forschung im Praxis-Fokus Bereits seit 2011 ist die OilDoc Konferenz die richtungsweisende Veranstaltung in Europa für nachhaltige Schmierung, Wartung und Zustandsüberwachung. Sie ist die internationale Plattform für anerkannte Experten aus Praxis, Forschung & Entwicklung sowie erfahrene Ingenieure. Auf der OilDoc Konferenz präsentieren Branchenprofis ihre neuesten Erkenntnisse, Ergebnisse und Erfolgsgeschichten aus der täglichen Arbeit - und liefern damit wertvolle Impulse für Praktiker. Auch für die kommende OilDoc Konferenz rechnen wir - wie in der Vergangenheit - wieder mit rund 400 Teilnehmern, etwa 50 Ausstellern und mehr als 70 hochkarätigen Fachvorträgen. Organisiert und durchgeführt wird die Veranstaltung von der OilDoc GmbH, dem führenden europäischen Kompetenzzentrum für professionelle Weiterbildung in den Bereichen Schmierung, Ölanalyse und Condition Monitoring. OilDoc sucht engagierte und fachkundige Referentinnen und Referenten, die mit praxisorientierten Fallbeispielen, tiefgehendem Know-how und frischen Impulsen das Konferenzprogramm bereichern. Als Speaker können Sie: Bekanntheit und Image Ihres Unternehmens gezielt steigern zeigen, dass Sie in der Schmierstoff- und Wartungsbranche zu den führenden Playern gehören mit Ihrem Abstract im offiziellen Tagungsband dauerhaft sichtbar sein sich klar als Expertin bzw. Experte in Ihrem Fachgebiet positionieren wertvolle Tipps und Feedback von anderen Teilnehmern und Referenten erhalten Ihre Lösungen mit denen Ihrer Marktbegleiter vergleichen potenzielle Kunden und zukünftige Mitarbeitende gezielt auf sich aufmerksam machen von einer deutlich reduzierten Teilnahmegebühr profitieren CALL FOR PAPERS DEADLINE: 31.10.2026 S c h w e r p u n k t e O i l D o c K o n f e r e n z R e f e r e n t e n g e s u c h t ! Getriebe • Turbinen und Turbo-Maschinen • Motoren • Hydraulikanlagen • Wälz- und Gleitlager • Spezielle Anwendungen Condition Monitoring & Wartung 4.0 Probenentnahme • Ölsensoren • On-Site-Messung • Problemlösung & Praxisberichte • Künstliche Intelligenz & Data Mining Ölüberwachung - Online • On-Site • Offline Neue Analysemethoden für Öle, Schmierfette und Kühlerfrostschutzmittel • Laborautomation • Interpretation von Analyseergebnissen • Künstliche Intelligenz in der Bewertung Labor-Analytik - Methoden, Anwendungsfelder, Automatisierung Grundöle • Additive • Schmierfette, Schmierpasten • Fest-Schmierstoffe • Gleitlacke • Trockenschmierung Schmierstoffe - Aktuelle Entwicklungen Motoren • Deponiegas-, Klärgas-, Biogas- und Holzgasmotoren • Getriebe • Hydraulikanlagen • Lager • Turbinen • Windkraftanlagen • Kompressoren • Energieeffiziente Schmierung • Nachhaltigkeit Schmierstoffe - Design to Application Wässrige und nichtwässrige Flüssigkeiten • Multifunktions-Flüssigkeiten • Minimalmengenschmierung und Trockenbearbeitung • Baukasten-Systeme Schmierung in der Metallverarbeitung Umwelt- und Gesundheitsaspekte • Schmierstoffe für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie • Schwer entflammbare Fluids • Hoch-/ Tief-Temperatur- Anwendungen • Vakuum Schmierung unter besonderen Bedingungen Isolieröle • Wärmeträgerflüssigkeiten • Kühlerfrostschutzmittel • Reiniger • Korrosionsschutzmittel Funktionsflüssigkeiten - Alles außer Schmieren N achhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit • Schmierungs- und Anlagen-Management • Schmierpläne & Schmierungsprogramme • Konzepte zur professionellen Ölpflege • Lagerung, Transport und Handling von Schmierstoffen • Circular Economy und verlängerte Wechselfristen • Schmierverfahren, Schmiergeräte und Schmiersysteme Fluid Management - Innovativ und nachhaltig Schmierstoffe für E-Mobile • Antriebsstrang • Lager • Kühlerfrostschutzmittel • Konzepte & Lösungen • Energieeffizenz Elektromobilität und Schmierung w w w. o i l d o c c o n f e r e n c e . d e Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 36 terMIne datum ort Veranstaltung 08.-12.09.2026 Messe Frankfurt a. M. Automechanika 15.-17.09.2026 Messe Düsseldorf Lubricant Expo 15.-19.09.2026 Messe Stuttgart AMB Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung 06.-07.10.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierfette/ 08.-09.10.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-infrarotspektroskopie/ 18.-19.11.2026 Schwabenlandhalle in Fellbach 33. Kühlschmierstoffforum (KSSF) 24.-26.11.26 OilDoc Akademie Brannenburg oder Live-Video-Stream Grundlagen der Schmierstoffanwendung I (Modul I Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-schmierstoff-experte-modul1/ 30.11.-03.12.26 OilDoc Akademie Brannenburg Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS-Zertifikatskurs https: / / de.oildoc.com/ fortbildungen/ seminar-cls-zertifikat-vorbereitungskurs/ MEDIENTIPP Frank H. Witt Künstliche Intelligenz: Transformation und Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft 1. Auflage 2025, 222 Seiten ISBN print 978-3-381-13071-9 ISBN eBook 978-3-381-13072-6 DOI 10.24053/ 9783381130726 Ladenpreis print €[D] 24,90 Ladenpreis eBook €[D] 19,99 + analysiert die moderne, globale Gegenwartsgesellschaft + berücksichtigt die multiplen Gegenwartskrisen + zeigt Szenarien für eine Krisenbewältigung auf Sicht von einem Jahrzehnt auf Im Buch wird die Frage erörtert, wie sich die moderne, globale Gegenwartsgesellschaft und damit auch das Alltagsleben von Individuen sowie institutionalisierter Politik, Wirtschaft und Bildung bei zunehmender Entkopplung von Intelligenz und individuellem Bewusstsein verändert und weiter verändern wird. Dabei wird die sich beschleunigende technologische Entwicklung nicht einfach nur als Ursache gesehen, sondern es wird der Druck der multiplen Gegenwartskrisen auf soziale Systeme und ihre weitere Entwicklung berücksichtigt. www.uvk.de Anzeige Save the date! Infos & Anmeldung unter register.oildoc.com! Seminare Seminare, die als Zertifikatskurse (z. B. CLS, MLA I & II, MLT), Weiterbildungsreihen, offene und maßgeschneiderte interne Schulungen angeboten werden. Präsentiert von erfahrenen Trainern mit praktischem Know-how und technisch aktuellem Wissen. Online-Trainings Lernen im Virtuellen Klassenzimmer - entweder über einen interaktiven Live-Stream oder als ondemand in Videoaufzeichnungen. Möglich auch als individuelles Coaching. Kostengünstig, bequem und von ausgebildeten Online-Trainern gestaltet. Beratung & Gutachten Individuelle Beratung über Video/ Telefon/ E-Mail oder vor Ort sowie Troubleshooting. Außerdem Erstellung von qualifizierten Gutachten durch Rüdiger Krethe (BDSH-geprüfter Sachverständiger für Schmierstoffe und Schmierstoff-Überwachung). Konferenzen OilDoc organisiert Konferenzen und Symposien für erfahrene Ingenieure, Anwendungsexperten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Die Veranstaltungen sind bekannt für hohen Praxisnutzen, gutes Networking und professionelle Abläufe. Ö l k a n n s p r e c h e n . L ernen Sie s eine S prache. Schwerpunkte: Schmierung · Tribologie · proaktive Wartung · Öl- und Zustandsüberwachung · Verschleißkontrolle · Schadensfrüherkennung · Optimierung von Ölwechselintervallen · Ölanalytik & vieles mehr Alle Fortbildungen als Präsenzseminar in der OilDoc Akademie in Brannenburg oder zum SONDERPREIS als Live-Video-Stream. 30.06.-02.07. Maschinenüberwachung durch Ölanalysen (für Einsteiger) MLA/ MLT I Zertifikatskurs 28.-29.07.26 Schmierung und Ölüberwachung für Wasserkraftwerke 22.-24.09.26 Schmierung und Ölüberwachung für Hydrauliken 29.-30.09.26 Schmierstoffschäden an Lagern, Getrieben und Motoren (Modul IV Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 06.-07.10.26 Schmierfette - Eigenschaften, Auswahl und Überwachung 08.-09.10.26 Infrarot-Spektroskopie in der Praxis - IR-Spektren verstehen & interpretieren 13.10.26 Kühlmittel - das unterschätzte Betriebsfluid 14.-15.10.26 Schmierung und Ölüberwachung für stationäre Gasmotoren 20.-21.10.26 Professionelles Schmierstoff-Management (Modul III Schmierstoff-Experte - Auch einzeln buchbar) 09.-12.11.26 Maschinenüberwachung durch Ölanalysen (für Fortgeschrittene) MLA II Zertifikatskurs 16.-19.11.26 Expertenwissen für Schmierstoff-Profis CLS Zertifikatskurs Alle aktuellen Termine und ausführliche Informationen zu den konkreten Seminarinhalten, den Zielen und Zielgruppen finden Sie unter www.oildoc.de. Gerne können Sie uns auch persönlich kontaktieren unter Tel. +49 8034-9047-700. aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ aktuell ++ Erleben Sie nach dem Seminar die Freitzeitmöglichkeiten im bayerischen Voralpenland! Egal ob Wandern, Therme, Bowling, Gasthaus, Pub, Kino - wir kennen uns hier aus und beraten Sie gern! Sie können nicht zu uns nach Brannenburg kommen? Kein Problem! Sie können trotzdem live beim Seminar dabei sein - auch kurzfristig! Die Kamera läuft die ganze Zeit während des Seminars mit und Sie sind von Ihrem Arbeitsplatz oder Home-Office live dabei! Schwerpunkte: Schmierung · Tribologie · proaktive Wartung · Öl- und Zustandsüberwachung · Verschleiß- Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 38 Termine UNITI Veranstaltungen datum ort Veranstaltung 22.-24.09.2026 im Bantleon-Forum in Ulm Seminar Kühlschmierstoffe 06.10.2026 Webinar Auffrischungskurs REACH, CLP & SDB 07.10.2026 Webinar Refresher Course REACH, CLP & SDS (in englischer Sprache) 07.10.2026 Berlin Tagung UNITI-Mitgliederversammlung energie + MITTEL- STAND | Die Debatte UNITI Sommerfest 13.-15.10.2026 Berlin, 1. Schulungswoche Lehrgang Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie 20.-22.10.2026 Rheine Seminar Schmier- und Betriebsstoffe 27.-29.10.2026 Berlin Seminar Warenkunde für Auszubildende und Junioren der Mineralölbranche 03.-04.11.2026 Webinar Schmierfette 10.-13.11.2026 Berlin, 2. Schulungswoche Lehrgang Zertifizierten Fachkraft für Schmierstofftechnologie 18.-19.11.2026 im Bantleon-Forum in Ulm Seminar Schmierstoffe Kompakt 24.-26.11.2026 Dortmund Lehrgang Technischer Mineralölkaufmann/ Technische Mineralölkauffrau, 3. Modul 18.-19.11.2026 Fellbach Kongress KühlSchmierStoff-Forum 2026 (KSSF) 01.-02.12.2026 Berlin Seminar CLP-Einstufung und Kennzeichnung von Gemischen 09.12.2026 Berlin Seminar Wirtschaftlichkeit und Erfolg im Vertrieb 20.-21.01.2027 Leipzig Kongress nextlub - 3rd International Conference on Tribology and Sustainable Lubrication 20.-21.04.2027 Stuttgart Kongress UNITI Mineralöltechnologie-Forum Änderungen bleiben vorbehalten. Stand: 9. März 2026 39 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 neues aus deM VerBand Weiterentwicklung der Mineralölstatistik - Abstimmung mit BAFA Der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. arbeitet seit Herbst 2025 eng mit dem BAFA und weiteren Stellen zusammen, um die Mineralölstatistik zu verbessern. Ziel ist es, die Daten verständlicher, zuverlässiger und zukunftsfähig zu machen. Auslöser waren Probleme bei neuen Meldeprozessen. Dazu gehören höhere Anforderungen an die Datenqualität, unterschiedliche Auslegungen von Vorgaben und Unklarheiten bei Produktzuordnungen. Für Unternehmen bedeutete das zuletzt mehr Aufwand, etwa durch Rückfragen und Korrekturen. Außerdem konnten die Statistik-Ergebnisse dadurch verzerrt werden. Gemeinsam wurden deshalb verschiedene Maßnahmen gestartet. Dazu zählen: > eine bessere Struktur der Statistik, > klarere Abgrenzungen von Produkten, > die Vermeidung von Doppelzählungen, > die Überprüfung, welche Unternehmen melden müssen. Wichtig ist auch, dass Unternehmensdaten datenschutzkonform verarbeitet werden und einheitliche Definitionen gelten, um Fehler zu vermeiden. UNITI bringt dabei die Erfahrungen aus der Praxis ein. Zusätzlich sind Schulungen und Informationen für Unternehmen geplant, um die Meldungen zu erleichtern. Ziel ist eine transparente, einheitliche und praxistaugliche Statistik, die sowohl den Anforderungen der Politik als auch der Branche entspricht. Über Fortschritte wird weiter informiert. Spezialthema Kühlschmierstoffe Am 18. und 19. November wird das inzwischen 33. Kühlschmierstoffforum (KSSF) in der Schwabenlandhalle in Fellbach bei Stuttgart stattfinden. Die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gange. FUELS|LUBES|ENERGY sprach mit Dr. Stephan Baumgärtel, Leiter Schmierstoffe bei UNI- TI, über das Besondere an der Veranstaltung und darüber, was die Teilnehmer erwarten können. Worum handelt es sich beim Kühlschmierstoffforum und was ist das Besondere daran? In diesem Jahr freuen wir uns bereits auf die 33. Auflage der Spezialveranstaltung. Das KSSF ist also hat also eine jahrzehntelange Tradition. Ins Leben gerufen wurde es ursprünglich vom „Automotive Circle“ mit dem Tagungsort Bad Nauheim und wird seit 2022 vom Verband Schmierstoff-Industrie (VSI) ausgerichtet, der sich seit jeher mit Kühlschierstoffen beschäftigt hat. Das KSSF hat sich als zentrale deutschsprachige Fachveranstaltung für Kühlschmierstoffe etabliert. Durch die Fusion von VSI und UNITI gehört die Konferenz nun zum umfangreichen Schmierstoffprogramm von UNITI. Das Forum wendet sich in erster Linie an Anwender und Formulierer von Kühlschmierstoffen. Sämtliche Aspekte werden beleuchtet von der Anwendungstechnik, Wartung und Formulierung über gesetzliche Auflagen bis zu Fragen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes rund um Kühlschmierstoffe (KSS). Wir wollen die Branchenfachleute zum Stand der Technik informieren und aufzeigen, was heute möglich ist und welche Chancen es in diesem nach wie vor höchst innovativen Markt gibt. Denn in den vergangenen 30 Jahren hat sich in dem Spezialsegment viel getan. Vor einigen Jahrzehnten hatten KSS noch ganz andere technische und toxikologische Eigenschaften. Es gab also wirklich großen Verbesserungsbedarf in alle Richtungen. Die positive Entwicklung bis heute ist sicher auch ein Verdienst des Kühlschmierstoffforums. Moderne KSS sind wesentlich leistungsfähiger und haben gleichzeitig deutlich weniger Gefahrenpotential. Hatte die Wahl des Veranstaltungsortes Fellbach eine besondere Bedeutung? Im Stuttgarter Raum hat die metallverarbeitende Industrie eines ihrer Zentren in Deutschland. Kühlschmierstoffe und die Experten in diesem Bereich sind quasi hier zu Hause. Hier erreichen wir also zahlreiche Anwender und Hersteller. Wie ordnet sich das KSSF in den Reigen der anderen UNITI-Termine zum Thema Schmierstoffe ein? Es passt sehr gut zu den anderen Veranstaltungen, da Kühlschmierstoffe in der Schmierstoffwelt von jeher eine Sonderstellung innehaben und dieser Aspekt bislang in der UNITI unterrepräsentiert war. Denn im Gegensatz zu Motoren-, Getriebe- oder Hydraulikölen handelt es sich hier nicht um Betriebsflüssigkeiten, sondern um Flüssigkeiten, die direkt für die Produktion gebraucht und für den Betrieb der Maschinen eingesetzt werden. Zudem gibt es eine Exposition der Anwender gegenüber diesem Schmierstoff durch die vergleichsweise offene Anwendung. Daher haben wir einen grundsätzlich anderen; sehr speziellen Schmierstofftypen vor uns, der sehr stark von den Betriebsflüssigkeiten abweicht, die normalerweise bei UNITI Veranstaltungen wie etwa dem UNITI Mineralöltechnologie-Forum oder bei der Nextlub, der Internationalen Konferenz über Tribologie und nachhaltige Schmierung, im Mittelpunkt stehen. Deshalb kommen zum KSSF Fachleute, die ganz spezielle Informationen benötigen. So geht es beispielsweise um Themen wie Haltbarkeit, Biozideinsatz, Vermeidung besonderer Inhaltsstoffe, Potenzial für hautschädigende Wirkungen, Entstehung möglicher Reaktionsprodukte, die schädliche Auswirkungen haben können und dergleichen mehr. Insofern ist das eine sehr eigene Welt, die sich deutlich vom restlichen Bereich der Schmierstoffe abhebt - ähnlich übrigens wie Schmierfette. Daher genießt die eigene Veranstaltung zu Kühlschmierstoffen schon so lange ein hohes Ansehen. Gibt es einen Beirat, der die Veranstaltung vorbereitet und welche Rolle spielt UNITI ab diesem Jahr dabei? Ja, der Beirat unterstützt das KSSF kompetent und tatkräftig. Er besteht aus anerkannten Spezialisten von Mitgliedsfirmen, die sich mit Auswahl, Einsatz und Verwendung sowie Entsorgung von KSS hervorragend auskennen. Weiterhin erwarten wir durch die ganzheitliche Betrachtung der KSS als Produktionsflüssigkeit auch ver- Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 40 Neues aus dem Verband stärktes Interesse von Anwenderbetrieben und Händlern. Duch die Fusion mit dem VSI ist die UNITI als große Organisation, in der Hersteller, Anwender und Händler vertreten sind, eine attraktive Plattform. Können Sie schon einen kleinen Ausblick auf konkrete Themen oder Referenten geben? Ja, das Programm ist soweit fertig. Wir haben für den Auftaktvortrag Prof. Dr. André D. Thess gewinnen können. Er ist Professor für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart und Autor des Buches „Sieben Energiewendemärchen? “. Er wird uns einen Einblick zu Status und Perspektiven der Energiewende in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Industriestandortes geben. Auch dieser Einstieg, der uns über den Tellerrand hinauszuschauen lässt und das Schmierstoffthema in einen größeren Rahmen bringt, ist eine Tradition der Tagung, die wir fortführen wollen. Dann haben wir natürlich zahlreiche Vorträge aus allen Anwendungsgebieten der KSS - etwa moderne Formulierungskonzepte, Fragen aus der Anwendungstechnik wie beispielsweise Filtration. Wir haben überdies zwei Podiumsdiskussionen zur Auswahl von KSS und zum Spannungsfeld zwischen Produkt, Arbeitnehmerschutz und optimaler Performance. Bei den Referenten sind wir sehr breit aufgestellt. Sie kommen aus der Industrie, von Herstellern, Berufsgenossenschaften oder Behörden. Inwieweit spielen Themen wie Ökologie und Carbon Footprint eine Rolle? Umwelt spielt eine enorm große Rolle, weil viele dieser Kühlschmierstoffe einerseits mit dem Menschen in Kontakt kommen können, andererseits nach Gebrauch aufgearbeitet werden müssen. So müssen Formulierungen bereits die spätere Entsorgung antizipieren. Es gibt auch besondere Entsorgungskonzepte, weil wir Stoffe verwenden, die in der Metallbearbeitung gebraucht werden, aber nicht ins Abwasser gelangen dürfen. Auch das wird Thema im KSSF sein. Findet die in Deutsch oder Englisch statt? Die Tagung findet - ganz bewusst - in Deutsch statt, weil wir in Deutschland ganz besondere Auflagen und gleichzeitig einen starken Produktionsstandort haben. Und wir wollen Handel und Mittelstand ansprechen und damit sehr nah am Publikum sein. Möglicherweise wird es in nicht allzu ferner Zukunft auch eine Simultanübersetzung für internationale Gäste geben. Ein dicht gedrängtes Programm - gibt es auch eine kleine Fachausstellung? Ja, die gibt es und dazu noch einen gezielten Blick in die Zukunft. Eine Poster-Session von Universitätsinstituten beschäftigt die sich mit Zukunftsfragen rund um den Kühlschmierstoff. Da geht es um Zerspanung, um Chemikalien und Leistungstests. So besteht die Möglichkeit, mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs in Kontakt zu treten und sich über die neusten Entwicklungen auszutauschen. Denn erfahrungsgemäß finden diese Forschungsprojekte anerkannter Hochschulen wie z. B. der RWTH Aachen in einigen Jahren den Weg in die Praxis. Zum KSSF kann man sehen, was in den nächsten Jahren auf uns zu kommt. Wo gibt es weitere Informationen und wo können sich Interessenten anmelden? Das ist ganz einfach: Anmeldeinformationen und alles zum Programm des Kühlschmierstoffforums findet man auf der UNITI-Website (www.uniti.de). Hier finden Sie auch die Möglichkeiten, wie Sie als Sponsor oder Aussteller ganz besonders von der Veranstaltung profitieren können. Außerdem kann jeder selbstverständlich das UNITI- Schmierstoffteam direkt ansprechen, wir geben gern Auskunft. Vielen Dank! Das Gespräch führte Hans-Henning Manz im Rahmen des UNITI Mineralöltechnologie-Forums für FUELS|LUBES|ENERGY. UNITI Lubes & Fuels Glossar: Einheitliche Sprache für eine komplexe Branche Die Anforderungen an eine präzise, konsistente und zugleich verständliche Kommunikation in der Schmierstoff- und Kraftstoff branche nehmen kontinuierlich zu. Technische Entwicklungen, regulatorische Vorgaben sowie steigende Erwartungen von Kunden, Behörden und Öffent- Dr. Stephan Baumgärtel: „Kühlschmierstoffe haben in der Schmierstoffwelt von jeher eine Sonderstellung inne. Genau deshalb gibt es das KSSF als eigene, spezialisierte Veranstaltung.“ (Foto: UNITI) 41 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Neues aus dem Verband lichkeit führen dazu, dass Fachbegriffe nicht nur korrekt, sondern auch einheitlich verwendet werden müssen. Vor diesem Hintergrund hat die UNITI Service GmbH das Lubes & Fuels Glossar grundlegend überarbeitet und erweitert. Ziel des Glossars ist es, einheitliche und fachlich belastbare Definitionen für zentrale Begriffe der Kraftstoff- und Schmierstoff branche bereitzustellen. Damit schafft es eine wichtige Grundlage für eine vereinfachte, rechtssichere und konsistente Kommunikation - sowohl innerhalb der Unternehmen als auch im Dialog mit externen Stakeholdern. Das Glossar richtet sich an ein breites Spektrum von Anwendern: von Technik und Produktmanagement über Vertrieb und Marketing bis hin zu Schulung, Weiterbildung und Nachwuchsförderung. Gleichzeitig bietet es auch Medien, Behörden und weiteren Interessengruppen eine verlässliche Orientierung in einem zunehmend komplexen Themenfeld. Ein besonderer Mehrwert liegt in der Konsolidierung und Harmonisierung von Begriffen, insbesondere in Bereichen mit hoher regulatorischer Dynamik wie CLP, REACH, Nachhaltigkeit oder Prüfverfahren. Durch klar strukturierte und verständlich auf bereitete Definitionen wird die Vergleichbarkeit von Begriffen und Standards deutlich verbessert und Missverständnissen vorgebeugt. Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer umfassenden Überarbeitung des bisherigen „Schmierstoff- und Mineralöl-ABC“ aus dem Jahr 2017 und wurde sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache neu aufgelegt. Zu den wesentlichen Erweiterungen zählen: > rund 130 neue Begriffserläuterungen zu aktuellen Themenfeldern (insgesamt ca. 950 Begriffe) > Aktualisierung von etwa 160 bestehenden Definitionen > Erweiterung der Testmethoden-Tabellen > Ergänzung von rund 100 neuen Abkürzungen Erarbeitet wurde das Glossar von einem erfahrenen Autorenteam bestehend aus Dipl.-Ing. Edwin Leber, Dr. Bernd Lindstaedt, Dr. Ralf Michael und Dr. Maren Ohnesorge, die ihre langjährige fachliche und regulatorische Expertise in die Inhalte eingebracht haben. Neben dem fachlichen Nutzen bietet das Glossar auch einen praktischen Mehrwert für die Unternehmenskommunikation: Es kann mit UNITI-Logo sowie individuellem Firmeneindruck gestaltet und somit gezielt für Schulungen, Kundenkommunikation und interne Wissensvermittlung eingesetzt werden. Damit unterstützt es Unternehmen nicht nur bei der fachlichen Arbeit, sondern auch bei der Professionalisierung ihrer Außenwirkung. Das UNITI Lubes & Fuels Glossar ist somit weit mehr als ein Nachschlagewerk - es ist ein strategisches Werkzeug für klare Sprache, einheitliches Verständnis und fundierte Kommunikation in einer zunehmend komplexen Branche. Für weitere Informationen sowie Bestellmöglichkeiten finden Sie unter https: / / www.uniti.de/ kommunikation/ publikationen/ lubes-fuels-glossar . TSA Frühjahrssitzung 2026: Regulierung, Rohstoffe und Resilienz der Schmierstoff industrie im Fokus Die TSA-Frühjahrssitzung 2026 des Fachbereiches Schmierstoffe fand Ende April bei der FUCHS LUBRICANTS GER- MANY GmbH in Mannheim statt. Bereits am Vortag erhielten die Teilnehmenden im Rahmen einer Betriebsbesichtigung bei LANXESS praxisnahe Einblicke in moderne Labor-, Prüf- und Entwicklungsprozesse der Additivindustrie. Deutlich wurde dabei einmal mehr: Ohne leistungsfähige Additive wären heutige Anforderungen an Verschleißschutz, thermische Stabilität, Korrosionsschutz und Anlagenlebensdauer in zahlreichen Anwendungen - von Metallbearbeitung über Hydraulik bis hin zur Windenergie - nicht realisierbar. Im Mittelpunkt der Sitzung standen aktuelle wirtschaftliche und regulatorische Entwicklungen mit teils erheblicher Relevanz für die Schmierstoffindustrie. Die Diskussionen verdeutlichten die zunehmenden Belastungen durch volatile Rohstoffmärkte, steigende Energiepreise sowie geopolitische Unsicherheiten entlang globaler Lieferketten. Insbesondere die Abhängigkeit vieler petrochemischer Vorprodukte und Additivkomponenten von internationalen Stoffströmen bleibt ein strategischer Faktor für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Regulatorisch prägten insbesondere PFAS-Beschränkungen, REACH- und CLP-Revisionen sowie die Diskussion um SDPA-Einstufungen die Agenda. Ergänzend wurden aktuelle Entwicklungen zur VVIB-Stoffliste, zur Biozid- Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 42 Neues aus dem Verband produkte-Verordnung sowie zu Mikroplastik und laufenden Stoff bewertungen behandelt. Auch die Auswirkungen von TRGS- und DGUV-Regelwerken auf Formulierung, Anwendung und Arbeitsschutz wurden intensiv diskutiert. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Neben Updates aus der UEIL/ ATIEL- Nachhaltigkeitsinitiative stand insbesondere die zunehmende Bedeutung standardisierter Produktdaten im Fokus. Der Gastvortrag von Authentic.Network zeigte auf, welche Anforderungen sich künftig aus der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) und dem Digital Product Passport (DPP) für Schmierstoffe und Spezialitäten ergeben könnten. Die TSA-Frühjahrssitzung 2026 unterstrich damit erneut die zentrale Rolle des Technischen Sachverständigen-Ausschusses als Plattform für fachlichen Austausch, regulatorische Einordnung und gemeinsame Positionierung einer innovations- und leistungsfähigen Schmierstoffindustrie. UEIL Annual Congress 2026 - Anmeldung geöffnet Vom 30. September bis 2. Oktober 2026 lädt die UEIL zum diesjährigen Branchenhighlight nach Amsterdam ein. Unter dem Leitthema „Formulating the future: Driving innovation for global competitiveness“ diskutieren internationale Entscheider aktuelle Herausforderungen und Zukunftsstrategien der Schmierstoffindustrie - von globalem Wettbewerb über Innovation bis hin zu Nachhaltigkeit und europäischer Regulierung. Der Kongress im NH Barbizon Palace bietet neben einem hochkarätigen Fachprogramm vor allem eine zentrale Plattform für Networking, Wissenstransfer und Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Anmeldungen sind ab sofort möglich, Early-Bird- Tickets bis 30. Juni 2026 verfügbar. Im Ticket enthalten sind u. a. Welcome- und Gala-Dinner sowie das Pre-Congress-Seminar. Zahlreiche Unternehmen - darunter auch viele UNI- TI-Mitglieder - engagieren sich erneut als Sponsoren und unterstreichen damit die Relevanz des Kongresses als europäische Leitveranstaltung der Branche. Starkes Signal für den Fachbereich Schmierstoffe Im Zuge der erfolgreichen Fusion von UNITI mit dem VSI wurden im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Rahmen der UNITI Wintertagung wichtige personelle Weichenstellungen für die zukünftige Ausrichtung des Verbandes vorgenommen. Mit überwältigender Mehrheit wurden Dr. Carsten Mühl, Siegfried Müller und Patrick Bell neu in den UNITI- Vorstand gewählt. Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung wurde zudem dem langjährigen VSI-Vorsitzenden Dr. Peter Seifried zuteil, der unter großem Applaus zum Ehrenvorsitzenden der UNITI ernannt wurde. Premiere für den UNITI-Schmierstofftag Ein weiterer Meilenstein war die erstmalige Durchführung des UNITI-Schmierstofftags am 18. März 2026 in München, unmittelbar im Anschluss an die Wintertagung. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Überblick über die neu strukturierte Organisationslandschaft nach der Fusion sowie über die vielfältigen Aktivitäten innerhalb des Fachbereichs Schmierstoffe. Im Fokus standen dabei insbesondere die zahlreichen Arbeitsgremien, die sich mit technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Fragestellungen befassen. Gleichzeitig wurde der Schmierstofftag als neue Plattform für fachlichen Austausch, Vernetzung und strategische Diskussion etabliert - mit dem Ziel, diese künftig jährlich fortzuführen. Gebündelte Kompetenz für eine komplexe Branche Die Fusion von UNITI, VSI und VEH hat die Kräfte innerhalb der Branche spürbar gebündelt. Mit rund 1.000 Mitgliedsunternehmen, etwa 100.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 95 Milliarden Euro repräsentiert UNITI heute eine der bedeutendsten Branchenorganisationen in Deutschland. Im Schmierstoff bereich deckt der Verband rund 95 Prozent des deutschen Marktes ab - eine Größenordnung, die insbesondere in politischen und regulatorischen Diskussionen erheblich an Gewicht gewinnt. Diese gebündelte Stärke ist von zentraler Bedeutung, da sich die Schmierstoffindustrie zunehmend in einem anspruchsvollen Umfeld bewegt: wirtschaftliche Unsicherheiten, internationale Handelskonflikte, steigende regulatorische Anforderungen sowie strukturelle Veränderungen in wichtigen Abnehmerindustrien wie Automobil, Maschinenbau und Industrieproduktion stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Facharbeit als Schlüssel zum Erfolg Vor diesem Hintergrund kommt der Gremienarbeit innerhalb des Fachbereichs Schmierstoffe eine entscheidende Rolle zu. Ob im Schmierstoffausschuss, im Additivausschuss, in den Technischen Sachverständigen-Ausschüssen (TSA) oder in internationalen Organisationen wie UEIL, ATIEL, DGMK oder dem FAM - hier werden die Grundlagen für die tägliche Praxis gelegt. Die Themen reichen von chemikalienrechtlichen Fragestellungen über Normungsarbeit bis hin zu Forschungsinitiativen und Marktanalysen. Gerade die Möglichkeit, öffentlich geförderte Forschungsprojekte anzustoßen und gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen umzusetzen, bietet insbesondere mittelständischen Unternehmen wertvolle Chancen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die steigende regulatorische Komplexität - etwa im Bereich Chemikalienrecht, Nachhaltigkeit oder Produktanforderungen - einen immer größeren Teil der Ressourcen bindet. Eine praxisgerechte Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen bleibt daher ein zentrales Anliegen der Verbandsarbeit. 43 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 Neues aus dem Verband Ausblick Mit einer klaren organisatorischen Aufstellung und einem starken fachlichen Netzwerk ist der Fachbereich Schmierstoffe gut aufgestellt, um die anstehenden Herausforderungen aktiv zu gestalten. Der kontinuierliche Dialog innerhalb der Branche sowie die enge Zusammenarbeit mit Politik, Wissenschaft und internationalen Partnern bleiben dabei entscheidende Erfolgsfaktoren. PFAS: UNITI beteiligt sich an SEAC-Konsultation Die Diskussion um eine mögliche Beschränkung von PFAS im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung RE- ACH beschäftigt weiterhin zahlreiche Industriebranchen - darunter auch die Schmierstoffindustrie. Vor diesem Hintergrund hat UNITI in den vergangenen Monaten eine verbandsinterne Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Interessen der Branche im Rahmen der aktuellen Konsultation des Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) der European Chemicals Agency (ECHA) zu bündeln und fachlich zu begleiten. In der Arbeitsgruppe engagierten sich Vertreter verschiedener Mitgliedsunternehmen, die ihre praktischen Erfahrungen, Anwendungskenntnisse und Einschätzungen zu verfügbaren Alternativen sowie den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer PFAS-Beschränkung eingebracht haben. Ziel war es, die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen der Schmierstoff branche im Konsultationsverfahren sachgerecht darzustellen. UNITI bedankt sich ausdrücklich bei allen beteiligten Unternehmen für ihre aktive Mitwirkung und ihre wertvollen Beiträge. Diese flossen in die Antworten der Konsultation ein. Die finale Stellungnahme des SEAC wird derzeit für Ende 2026 erwartet und stellt einen wichtigen Meilenstein im weiteren PFAS-Beschränkungsverfahren dar. Auf Basis dieser Stellungnahme wird die EU Kommission darüber entscheiden, ob PFAS beschränkt werden und wie lange die jeweiligen Übergangsfristen sein werden. Viele Fachleute erwarten für den Schmierstoffsektor eine Übergangsfrist von 13,5 Jahren nach Inkrafttreten. Die UNITI hält Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden. Wichtige Impulse aus London Anfang Juni veranstaltete der englische Schmierstoffverband den Lubricant Day 2026 zur Zukunft der Schmierstoffindustrie. UNITI-Vertreter waren vor Ort. Die diesjährige Tagung der United Kingdom Lubricants Association (UKLA) stand ganz im Zeichen der Zukunft der Schmierstoffindustrie - mit Fokus auf Transformation, Digitalisierung, KI, Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung für den Kunden. Branchenexperten diskutierten, wie sich Marktanforderungen, Technologien und Geschäftsmodelle verändern und welche Chancen sich daraus für Hersteller, Lieferanten und Anwender ergeben. Besonders interessant waren die Vorträge und Gespräche zu digitalen Lösungen und KI-Anwendungen in Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Wartung von Schmierstoffen. Weitere Punkte waren die Auswirkungen der Elektrifizierung auf Schmierstoffe und E-Fluid-Technologien, Nachhaltigkeitsanforderungen und Strategien zur Steigerung des Kundennutzens und zur Differenzierung im Markt. Dr. Stephan Baumgärtel (Leiter Schmierstoffe bei UNI- TI und Leiter des UEIL HSE Komitees) verdeutlichte in seinem Beitrag, wie stark regulatorische Entwicklungen die Zukunft der Schmierstoff branche prägen. Die zentrale Botschaft: Schmierstoffe bleiben die (leider zu oft unterschätzte) Schlüsseltechnologie für Effizienz, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit industrieller Systeme durch Vermeidung bzw. Verminderung von Reibung, Verschleiß und Korrosion. Gleichzeitig verändern Elektrifizierung, Kreislaufwirtschaft und digitale Transparenz die Anforderungen an Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle grundlegend. Besonders im Fokus des Beitrags standen der europäische Regulierungsrahmen mit der Ökodesignrichtlinie (ESPR), dem digitalen Produktpass (DPP), dem Circular Economy Act, EUDR, REACH und CLP. Damit im Zusammenhang steht die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeitsnachweisen, Product Carbon Footprint und belastbaren Umweltaussagen, welche auch mit diesem Regulierungsrahmen umgesetzt werden. Positiv dabei: Industrie und Verbände konnten in den letzten Jahren deutliche Erleichterungen zu der von der Politik gewünschten Regulierungen erreichen. Und: Aus den Regulierungen erwachsen auch Chancen - z. B. durch neue EV-Kühlflüssigkeiten, verstärkte Kreislaufwirtschaft durch Einsatz von Re-Raffinaten und biobasierten Schmierstoffen sowie datenbasierte Services. Dennoch bleibt die Herausforderung, hohe Umweltstandards mit Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Innovationskraft in Einklang zu bringen. Besonders bemerkenswert war die Einschätzung, dass Europa zwar zunehmend von globalen Wachstumsmärkten entkoppelt erscheint, gleichzeitig aber weiterhin den weltweiten regulatorischen Maßstab setzt. Damit wird Compliance nicht nur zur Pflicht, sondern zu einem strategischen Erfolgsfaktor für die gesamte Wertschöpfungskette, wenn andere Regionen die europäischen Standards übernehmen, was oft der Fall ist. Fazit: Es war insgesamt ein gelungenes Event zu positiven Perspektiven für die globale Schmierstoff branche, deren Zukunft nicht allein durch technische Innovation bestimmt wird. Wer regulatorische Anforderungen frühzeitig versteht und in nachhaltige, digitale Lösungen übersetzt, wird die größten Marktchancen nutzen können. So hat die Londoner Konferenz einmal mehr gezeigt: Die Schmierstoffindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wer Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kundenorientierung erfolgreich verbindet, kann die Zukunft des Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 44 Neues aus dem Verband Marktes aktiv mitgestalten. Ebenfalls wichtig: Solche Veranstaltungen dienen ganz besonders der internationalen Verbandsarbeit, unterstützen Kooperation, Informationsaustausch und gemeinsame Lösungen über Ländergrenzen hinweg in einer globalisierten Welt. UNITI kann sich hier im Interesse ihrer Mitglieder aktiv einbringen. UNITI bei ALIA und ELGI Der UNITI-Fachbereich Schmierstoffe war in der vergangenen Woche erneut international präsent: Dr. Stephan Baumgärtel, Leiter Schmierstoffe bei UNITI, nahm am Annual Meeting der Asian Lubricants Industry Association (ALIA) in Bangkok sowie an der begleitenden F&L Asia Ltd. Week teil. In seinen Vorträgen brachte er die europäische Perspektive aktiv in den internationalen Austausch ein. Im Fokus der Veranstaltung standen die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der globalen Schmierstoffindustrie. Diese befindet sich zunehmend in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, in dem regulatorische Anforderungen, technologische Innovationen und nachhaltige Wertschöpfung immer stärker miteinander verknüpft werden. Themen waren Recycling (Re-Raffinate), Schmierung für Hybridfahrzeuge sowie Kühlflüssigkeiten für Elektromobilität und Rechenzentren. Einige Fachvorträge widmeten sich den Effizienzgewinnen durch eine neue Generation von niedrigviskosen Schmierstoffen. Dazu kamen zahlreiche Beiträge zu alternativen Kraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, aber auch zu synthetischen Energieträgern. Zur Regulatorik waren wir mit Themen zu REACH Review, Neueinstufung wichtiger Komponenten wie SDPA, PFAS und Kupferpassivatoren vertreten und haben die Auswirkungen auf die globalen Lieferketten beleuchtet. Zur 36. Jahrestagung des European Lubricating Grease Institute (ELGI) trafen sich über 300 Fachleuten aus aller Welt vom 11. bis 14. April 2026 in Rom. Die ELGI-Konferenz gilt als eines der wichtigsten europäischen Foren für die Schmierstoffindustrie. Hersteller, Additivlieferanten, Anlagenbauer und Wissenschaftler nutzen die Veranstaltung traditionell für Wissensaustausch und Networking. Thematisch deckt das Treffen ein breites Spektrum ab - von Grundlagenforschung über Nachhaltigkeit bis hin zu regulatorischen Herausforderungen. Auch hier war ein wichtiges Thema die Entwicklung umweltfreundlicher Schmierfette. Beiträge aus den ELGI-Arbeitsgruppen zeigten Fortschritte bei biobasierten Grundölen und neuen Verdickerkonzepten z. B. aus recycelten Textilfasern (PET und Nylon) oder auch Siloxanen. Neue Verdickerkonzepte gewinnen an Bedeutung durch Diskussionen um die Lithiumeinstufung. Auch zum Thema Nachhaltigkeit gab es zahlreiche Beiträge rund um den Product Carbon Footprint & Handprint. Der Handprint misst die Emissionsminderung durch den Einsatz moderner Schmierstoffe und rückt zunehmend in den Blick von Herstellern und Anwendern, lässt sich aber schwieriger quantifizieren als der „klassische“ PCF. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Verbesserung von Prüfmethoden und der rheologischen Charakterisierung von Schmierfetten, insbesondere bei Schmierung im Bereich Elektromobilität, modernisierte Laborverfahren zur Lebensdauerbestimmung und Fortschritte bei der Simulation realer Einsatzbedingungen. Networking und Rahmenprogramm: Neben den Fachvorträgen bot die Konferenz zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch, z. B. in den einschlägigen Arbeitsgruppen zu „Food Grade“, wo ein neues white paper zu H1/ ISO 21469 Schmierstoffen sowie MOSH/ MOAH diskutiert wurde oder auch in den Arbeitsgruppen „Test Methods“ zu PFAS Bestimmung und „Biobased Grease“. »« UNITI Services GmbH Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 · info@uniti.de UNITI Services GmbH Academy | Events | Media 33. Kühl Schmier Stoff Forum Schwabenlandhalle Fellbach Ausstellung | Postersession | Kongress 18. und 19. November 2026 Programm Bei Interesse an einer Ausstellungsfläche oder eines Sponsorings nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. KSSF Kühl Schmier Stoff Forum 8: 00 - 9: 00 Registrierung | Kaffee | Ausstellung | Postersession 9: 00 - 9: 15 Begrüßung Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 09: 15 - 10: 00 Motivations-Gastvortrag Prof. Dr. André Thess | Universität Stuttgart 10: 00 - 10: 25 Zukunftsbild der Industrie Dr. Carsten Mühl | PETROFER Chemie H.R. Fischer GmbH & Co. KG 10: 25 - 10: 45 Wandel Produktionsstandort und Einfluss regulatorischer Rahmenbedingungen | Anpassung an geopolitische Unsicherheiten Simon Kleinhenz | Fraunhofer Institute for Manufacturing Engineering and Automation 10: 45 - 11: 15 Kaffeepause 11: 15 - 11: 45 Trends in den Produktbereichen der KSS (LCA/ Umwelt/ Arbeitssicherheit etc.) Thomas Wochner | ZF Friedrichshafen AG 11: 45 - 12: 15 Chemikalien Gesetzgebung/ Global Compliance vs. Positive Rahmenbedingungen für die Produzierende Industrie Christian Eckert | Oemeta Chemische Werke GmbH 12: 15 - 12: 45 Die neue DGUV-Regel und deren mögliche Auswirkung Dr. rer. nat. Jens Manikowski | BGHM Berufsgenossenschaftt Holz und Metall 12: 45 - 14: 00 Mittagspause | Ausstellung | Postersession 14: 00 - 14: 30 E-Mobilität und Anforderungen an Kühlschmierstoffe | Recent Trends in Metal Working Fluids Marcel Hauf | Fuchs Lubricants Germany GmbH 14: 30 - 15.00 Funktionsadditive für wassermischbare Metallbearbeitungsflüssigkeiten - halogenfreie Demulgatoren und Emulsionspalter mit entschäumender Wirkung, die die Leistung, Prozesssicherheit und Nachhaltigkeit verbessern. Dr. Wolfgang Brüning | Münzing Chemie GmbH 15: 00 - 15: 30 Welchen Stellenwert haben die Verbrennertechnologien inkl. Alternativen heute? Ralf Diemer | eFuel Alliance e. V. 15: 30 - 16: 00 Kaffeepause | Ausstellung | Postersession 16: 00 - 16: 30 Reduction of production costs and environmental impact by a compatible multifunctional oil system in an engine plant - Praxis eines OEM Stefan Joksch | Oemeta Chemische Werke GmbH 16: 30 - 17: 15 Podiumsdiskussion: Nachhaltigkeit vs. Wirtschaftlichkeit vs. Umweltgesetzgebung anhand von Praxisbeispielen; Risikowahrnehmung; Gefährdungsbeurteilung | Mut zur Risikoakzeptanz Christian Eckert | Oemeta Chemische Werke GmbH Thomas Wochner | ZF Friedrichshafen AG Dr. Thomas König | Schaeffler Technologies AG & Co. KG Dr. Jens Manikowski | BGHM Berufsgenossenschaftt Holz und Metall Dr. Sabine Wohlfahrt | KAO Chemicals GmbH Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 17: 15 - 17: 30 Wrap-Up | Abschluss Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 17: 30 - 18: 30 Blaue Stunde in der Ausstellung | Postersession 19: 00 - 22: 00 Abendveranstaltung 1. Tag, 18. November 2026 09: 00 - 9: 15 Begrüßung Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 09: 15 - 9: 45 Werkzeugstandzeit in Abhängigkeit der Kühlschmierstoffkonzentration und der Effekt automatisierter KSS-Versorgungssysteme Philipp Götz | HYDAC FILTER SYSTEMS GMBH 09: 45 - 10: 15 Neuste Entwicklungen in der Mikrobiologie / Biofilm Bildung in Abhängigkeit von Material und Mikroorganismen Dr. Volker Stoldt | BiSafe Microbiolgy and Biological Safety 10: 15 - 10: 45 Filteranlagen - aktuelle Technologien und Trends (VDI 33-97) Lutz Funk-Dinglinger | POLO Filter-Technik Bremen GmbH 10: 45 - 11: 15 Kaffeepause | Ausstellung | Postersession 11: 15 - 11: 45 Kühlschmierstoffe aus Anwendersicht - Online Monitoring bei Schaeffler Michael Galle | Schaeffler Technologies AG & Co. KG 11: 45 - 12: 15 Neuentwicklungen in der Kühlschmierstofffiltration Bernd Röttgers | Heidland GmbH & Co.KG Konfektion technischer Gewebe 12: 15 - 12: 45 Praxiserfahrungen im -Produktionsumfeld und Wartungs- und Servicethemen im Kontext des Kühlschmierstoffes Andreas Schoch & Dr. Ralf Kellner | Festo SE & Co. KG 12: 45 - 13: 45 Mittagspause | Ausstellung | Postersession 13: 45 - 14: 15 Nachhaltigere Kühlschmierstoffe durch gezielte Additivauswahl: Ökologische Bewertung verlängerter KSS-Lebensdauer mittels Life Cycle Assessment (LCA) Dr. Sabine Wohlfahrt | KAO Chemicals GmbH 14: 15 - 14: 45 Entsorgung und Aufbereitung von KSS - Spurenstoffstrategie, UBA-Ansätze, 4. Klärstufe Dr. Frederik Zietzschmann | BWB Berliner Wasserbetriebe 14: 45 - 15: 15 Podiumsdiskussion: Neue DGUV-Regeln & TRGS 611 aus Arbeitnehmer- und Anwendersicht Dr. Jens Manikowski | BGHM Berufsgenossenschaftt Holz und Metall Sergio Cicciari | IG Metall Christian Eckert | Oemeta GmbH Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 15: 15 - 15: 30 Verabschiedung | Coffee-to-go Dr. Stephan Baumgärtel | UNITI e. V. 2. Tag, 19. November 2026 Anmeldung KSSF Kühl Schmier Stoff Forum 33. Kühl Schmier Stoff Forum am 18. und 19. November 2026 in der Schwabenlandhalle in Fellbach Veranstaltungsort: Schwabenlandhalle Fellbach Guntram-Palm-Platz 1 70734 Fellbach Beginn: 18. November 2026, 9: 00 Uhr Ende: 19. November 2026, 14: 30 Uhr Hiermit melde ich mich verbindlich an zum 33. Kühl Schmier Stoff Forum zu einer Gebühr von € 645,- zzgl. 19 % MwSt. für UNITI-Mitglieder € 745,- zzgl. 19 % MwSt. für Nichtmitglieder Ein Tagungsticket berechtigt zur Teilnahme des Forums, umfasst Tagungsgetränke, Mittagessen und Kaffeepausen an beiden Tagen, Tagungsunterlagen sowie das Abendessen am 18. November 2026. Stornierungen in schriftlicher Form sind bis zum 7. Oktober 2026 kostenlos möglich. Danach ist der gesamte Teilnahmebetrag zu zahlen. Unabhängig davon können bereits registrierte Teilnehmer bei Verhinderung ersatzweise eine andere Person benennen. Kann die UNITI Services GmbH auf Grund höherer Gewalt, zu geringer Teilnehmerzahl, Erkrankung eines Referenten oder anderer Umstände, die sie nicht zu vertreten hat, eine Veranstaltung nicht durchführen, kann sie diese absagen. Bereits gezahlte Teilnahmegebühren werden rückerstattet. Ein Anspruch auf Schadenersatz ist ausgeschlossen. Weitere Informationen und Buchung unter: UNITI Services GmbH · Herr René Löser · Jägerstraße 6 · 10117 Berlin · T. +49 30 755 414 400 · loeser@uniti.de Name, Vorname, Titel Rechnungsanschrift / Firma Straße Telefon Datum PLZ / Ort E-Mail Unterschrift 49 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 neues aus der Branche Ressourcenschonend und vorbildlich: Rückgewinnung von Lösungsmitteln im Oelcheck Labor Bis zu 2000 Öl- und Schmierstoffproben treffen täglich im OELCHECK-Labor in Brannenburg zur Untersuchung ein und werden innerhalb von 24 Stunden professionell analysiert und bewertet. Bei vielen Untersuchungsmethoden werden dabei Lösungsmittel als Hilfsstoffe benötigt. Nach ihrer Verwendung sind sie mit Schmierölen oder -fetten vermischt. In der Vergangenheit wurde ein Großteil des Lösungsmittelabfalls von Entsorgungsunternehmen der thermischen Verwertung zugeführt. Um aber Abfälle möglichst zu vermeiden und ressourcenschonend zu arbeiten, gewinnt OELCHECK das Lösungsmittel Heptan schon seit 2008 mit einer eigenen Destille zurück. Nun ist eine zweite Destille für Kerosin hinzugekommen. Dadurch schont das Labor die Ressourcen, reduziert die Abhängigkeit von der Versorgung mit Kerosin und verbessert so ganz nebenbei auch noch seinen CO 2 -Fußabdruck. Heptan und Kerosin im Labor Heptan ist eine klare, farblose Flüssigkeit und gehört zur Gruppe der aliphatischen Kohlenwasserstoffe. Im OEL- CHECK Labor wird es überwiegend als Lösungsmittel zur Reinigung der Viskosimeter und Infrarot-Spektrometer verwendet. Kerosin ist eine Fraktion aus dem leichten Mitteldestillat, das in der Erdöl-Raffinerie neben weiteren Kraftstoffen gewonnen wird. Mit 150 bis 280 °C hat es einen höheren Siedepunkt als herkömmliches Benzin. Kerosin wird zur Verdünnung der Proben bei der Untersuchung der in ihnen enthaltenen Elemente mit den ICP-Spektrometern und zur Spülung der Geräte für die Optische Partikel Analyse eingesetzt. Destillieren und Rückgewinnen Jährlich werden im OELCHECK Labor etwa 10.000 l Kerosin und 10.000 l Heptan benötigt. Nach Gebrauch werden die mit Schmierstoffresten vermischten Mengen vor Ort destilliert. Ein Heidolph Großrotationsverdampfer ist dazu bereits für Heptan im Einsatz. Für Kerosin wurde ein zweites Gerät installiert. Die Verdampfer zeichnen sich durch ihr hohes Maß an Sicherheit und Bedienkomfort aus. Der Destilliervorgang läuft vollautomatisch in sich wiederholenden Zyklen ab. Dank der Automatisierung ist das Gerät besonders leistungsfähig. Eine vergleichbare Anlage ohne Vollautomatisierung müsste fünfmal größer ausgelegt werden. Bei ihrer Auf bereitung werden die voneinander separierten Kerosinbzw. Heptanabfälle destilliert und damit wieder in Öl und in Kerosin bzw. Heptan aufgetrennt. Die Ölreste werden als Altöl gesammelt und von einem spezifizierten Unternehmen entsorgt. Die rückgewonnen Lösungsmittel kommen dagegen im OELCHECK Labor gleich wieder zum Einsatz. Dank der Destillation der gebrauchten Lösungsmittel vor Ort benötigt OELCHECK wesentlich geringere Mengen an frischen Produkten, schont die Ressourcen und senkt seine CO 2 -Emissionen jährlich um mindestens 20 t »« neues aus der Branche MEDIENTIPP Werner Gooss Turbinenöle im Kraftwerksbetrieb Tribologie - Schmierung, Reibung, Verschleiß 1. Auflage 2025, 192 Seiten ISBN print 978-3-8169-3542-1 ISBN eBook 978-3-8169-8542-6 DOI 10.24053/ 9783816985426 Ladenpreis print €[D] 149,00 Ladenpreis eBook €[D] 119,99 + umfasst die Turbinenöle in ihrer Komplexität + will Denkanstöße zu Klimaschutz und weiteren Forschungsansätzen geben Dieses Buch bietet einen Überblick über das Thema Mineralöle und speziell über Qualität und Einsatz von Turbinenölen. Die Turbinenöle werden in ihrer Komplexität erfasst - von den Herstellungsverfahren, Qualitätsanforderungen, analytischen Untersuchungsmethoden bis hin zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften, den wichtigsten Bewertungskriterien, Grenzwerten im Betrieb und der Altölentsorgung. Die Öloxidation wird ausführlich behandelt. Verknüpft wird das Thema mit einer Darstellung der alternativen Möglichkeiten der Stromerzeugung und Anstößen zum Klimaschutz. Das Buch soll als Anregung zu Forschungsprojekten bezüglich neuer, rapider Methoden zur Qualitätsbewertung der Turbinenöle, Erstellung neuer Korrelationsmethoden und möglichen Verlängerungen der Öleinsatzzeiten im Betrieb dienen und somit einerseits zur Wirtschaftlichkeitserhöhung beitragen und andererseits zu einem nachhaltigen Einsatz der Öl-Ressourcen anregen. expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de 51 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 neues aus der norMung Zusammenarbeit mit DIN - FAM (Fachausschuss für Mineralöl- und Brennstoffnormung) Update zu Normung, Schmierfetttagung und Ringversuche Die jüngste Schmierfetttagung hat erneut unterstrichen, welche zentrale Rolle Normung als verbindendes Element entlang der gesamten Wertschöpfungskette einnimmt. Im Fokus stand dabei insbesondere der enge Schulterschluss zwischen Herstellern, Anwendern und Forschung, um auf die zunehmende Dynamik regulatorischer und technologischer Entwicklungen adäquat reagieren zu können. Deutlich wurde einmal mehr: Belastbare Standards schaffen die Grundlage für Qualität, Vergleichbarkeit und Innovation - und sind damit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Ein wichtiger Baustein dieser Qualitätssicherung sind Leistungsüberprüfungen (Proficiency Tests). Der zuletzt durchgeführte Proficiency Test im Bereich Schmierfette hat erneut gezeigt, wie essenziell der strukturierte Vergleich von Prüfergebnissen für die Sicherstellung belastbarer Analytik ist. Mit Beteiligung zahlreicher Labore aus Industrie und Forschung leisten diese Proficiency Tests einen entscheidenden Beitrag zur externen Qualitätssicherung und zur Harmonisierung von Prüfmethoden. In diesem Zusammenhang sei auch auf den kommenden Ringversuchs- Workshop am 25. November 2026 in Hamburg hingewiesen, der sich den Grundlagen und der statistischen Auswertung von Ringversuchen und Proficiency Tests widmet und insbesondere für Fachleute aus Labor, Entwicklung und Qualitätssicherung von hoher Relevanz ist. Anmeldung ist bei Frau Kunckel (birgit.kunckel@fam-hamburg.de) bis 31. Juli 2026 möglich. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für den nächsten Proficiency Test im Bereich Schmieröle. Auch hier steht die Sicherstellung vergleichbarer und belastbarer Prüfergebnisse im Mittelpunkt. Für einzelne Produktgruppen werden derzeit noch Unterstützer gesucht, um die Durchführung wie gewohnt auf einem hohen fachlichen Niveau sicherzustellen. Darüber hinaus schreitet die Normungsarbeit im Schmierstoff bereich kontinuierlich voran. Zahlreiche Normen und Norm-Entwürfe werden aktuell überarbeitet oder neu gefasst, um den gestiegenen Anforderungen aus Praxis, Regulierung und Innovation gerecht zu werden. Ziel ist es, bestehende Regelwerke weiter zu harmonisieren, neue technische Entwicklungen abzubilden und die Anwendbarkeit in der Praxis zu stärken - ohne dabei die notwendige Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit zu verlieren. Normung lebt dabei vom aktiven Engagement der Branche. In mehreren Ausschüssen und Arbeitskreisen werden aktuell Obleute gesucht, die die fachliche Arbeit koordinieren und weiterentwickeln. Die Mitwirkung bietet die Möglichkeit, den Stand der Technik aktiv mitzugestalten und frühzeitig Einblicke in regulatorische und technologische Entwicklungen zu erhalten. Bei Interesse an einer Mitarbeit oder weiterführenden Informationen wenden Sie sich bitte an die Ansprechpartner des FAM: Dr. Richard Wicht (richard.wicht@fam-hamburg.de) Birgit Kunckel (Birgit.Kunckel@fam-hamburg.de). neues aus der norMung Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 2/ 2026 52 Neues aus der Normung In 2026 herausgegebene Normen und Norm-Entwürfe Norm Ausgabe (vorgesehen) als Ersatz für Titel DIN EN 14078 2026-02 DIN EN 14078: 2014-09 Flüssige Mineralölerzeugnisse-- Bestimmung des Gehaltes an Fettsäuremethylester (FAME) in Mitteldestillaten-- Infrarotspektrometrisches Verfahren; Deutsche Fassung EN 14078: 2025 DIN CEN/ TS 18227: 2026-02 2026-02 Kraftstoffe - E20-Ottokraftstoff - Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung CEN/ TS 18227: 2025 DIN 51502-1 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe-- Klassifizierung von Schmierstoffen-- Teil 1: Allgemeine Angaben DIN 51502-2 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe-- Klassifizierung von Schmierstoffen-- Teil 2: Schmieröle, die überwiegend im Industriebereich eingesetzt werden DIN 51502-3 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe-- Klassifizierung von Schmierstoffen-- Teil 3: Schmieröle, die überwiegend im Automotivbereich eingesetzt werden DIN 51502-4 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe-- Klassifizierung von Schmierstoffen-- Teil 4: Schmierfette und Pasten DIN 51502-5 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe — Klassifizierung von Schmierstoffen Teil 5: Bearbeitungsmedien DIN 51502-6 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe — Klassifizierung von Schmierstoffen Teil 6: Druckflüssigkeiten DIN 51502-7 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe — Klassifizierung von Schmierstoffen Teil 7: Sonstige Medien DIN 51502-8 2026-03 DIN 51502: 1990-08 Schmierstoffe und verwandte Stoffe — Klassifizierung von Schmierstoffen Teil 8: Schmierstoffeinsatztabelle (SET) - Mindestanforderungen zum Aufbau und Inhalt einer Schmierstoffeinsatztabelle E DIN EN 15199-1 2026-03 DIN EN 15199-1: 2021-02 DIN EN 15199-1 Mineralölerzeugnisse-- Gaschromatographische Bestimmung des Siedeverlaufes-- Teil 1: Mitteldestillate und Grundöle; Deutsche und Englische Fassung prEN 15199-1: 2026 E DIN EN 15199-2 2026-03 DIN EN 15199-2: 2021-02 DIN EN 15199-2 Mineralölerzeugnisse-- Gaschromatographische Bestimmung des Siedeverlaufes-- Teil 2: Schweröle und Rückstandsöle; Deutsche und Englische Fassung prEN 15199-2: 2026 E DIN EN ISO 3924 2026-03 DIN EN ISO 3924: 2019-12 Mineralölerzeugnisse-- Bestimmung des Siedeverlaufs-- Gaschromatographisches Verfahren (ISO/ DIS 3924: 2026); Deutsche und Englische Fassung prEN ISO 3924: 2026 DIN EN ISO 2719 2026-03 DIN EN ISO 2719: 2021-06 Bestimmung des Flammpunktes-- Verfahren nach Pensky-Martens mit geschlossenem Tiegel - (ISO 2719: 2025); Deutsche Fassung EN ISO 2719: 2025 DIN 51802 2026-03 DIN 51802: 2017-10 Prüfung von Schmierstoffen-- Prüfung von Schmierfetten auf korrosionsverhindernde Eigenschaften im Wälzlager E DIN EN 16734 2026-04 2022-09 Kraftstoffe für Kraftfahrzeuge - B10-Dieselkraftstoff Anforderungen und Prüfverfahren Deutsche und Englische Fassung prEN 16734: 2026 Tribologie und Schmierungstechnik Tribology—Lubrication Friction Wear The scientific journal Tribologie und Schmierungstechnik (TuS) is one of the leading publications for tribological research in Germany, Austria and Switzerland. As the official journal of the Society for Tribology (GfT) in Germany, the Austrian Tribological Society (ÖTG) and Swiss Tribology, the issues provide information on research from industry and science, current events and developments in the specialist community. Subscription service: phone: +49 (0)89 85 85 38 81 eMail: abo-service@narr.de Further information on the journal and publication: www.narr.digital/ journal/ tus 2 starke Komponenten für die Tribologie Damit alles läuft, wie geschmiert! Die Zeitschrift SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG bietet einen umfassenden Überblick über alle Themen der Schmierstoffbranche. Dabei werden neueste Trends und Technologien ebenso behandelt, wie grundlegendes Basiswissen und wirtschaftliche Entwicklungen. SCHMIERSTOFF + SCHMIERUNG richtet sich insbesondere an Leser: innen aus der Praxis. Anwender von Schmierstoffen und Hersteller von Schmiermitteln erhalten durch unsere Zeitschrift ebenso fundierte Fachinformationen wie Dienstleister im Bereich Öl sowie jene, die in Schmierstofflaboren und Industrieservice-Unternehmen tätig sind. Auch Tätige des Handels und des Außendienstes in der Schmierstoffbranche finden hier eine aufschlussreiche Lektüre. Hier können Sie die Zeitschrift kostenlos abonnieren: www.sus.expert SCHMIERSTOFF SCHMIERUNG Ein Fachmagazin des NICHT JEDE ERFOLGSGESCHICHTE ENDET BEI IHNEN. Manche endet beim Fälscher. authentic.network macht sichtbar, was mit Ihren Produkten passiert. www.authentic.network Fälschungsschutz Graumarkterkennung Track & Trace SDS / MSDS Integration LUBRICANTS PRO JAHR DIGITAL ABGESICHERT 100+ MIO.
