eJournals Schmierstoff + Schmierung 2/3

Schmierstoff + Schmierung
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2699-3244
expert verlag Tübingen
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Lost in friction - wie Drop-in-Lösungen den Durchbruch zu einer nachhaltigen Schmierung bedeuten könnten

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Mika Kettunen
Die Hersteller von Basisölen haben enormes Potenzial, mehr für die Nachhaltigkeit von Schmierstoffen zu tun.
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11 Schmierstoff + Schmierung · 2. Jahrgang · 3/ 2021 FacHartiKEl Lost in friction - wie Drop-in- Lösungen den Durchbruch zu einer nachhaltigeren Schmierung bedeuten könnten Mika Kettunen, Neste Die Hersteller von Basisölen haben enormes Potenzial, mehr für die Nachhaltigkeit von Schmierstoffen zu tun. Seit Jahren existieren nachhaltige Lösungen für die Schmierung, aber es ist mehr Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich, um diese umzusetzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass „Drop-in-Lösungen“, also solche, die sich ohne Probleme in bestehender Technik und etablierten Prozessen einsetzen lassen, den Übergang zu Schmierstoffen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe beschleunigen können. In diesem Frühjahr hatte ich die Gelegenheit, an der virtuellen Konferenz der Asian Lubricant Industry Association (ALIA) teilzunehmen. In dieser interaktiven Online-Veranstaltung haben wir diskutiert, wie gut die Schmierstoffindustrie und die Tribologie im Grunde aufgestellt sind, um zu den Nachhaltigkeitszielen der Gesellschaft beizutragen: durch Verlängerung der Lebensdauer, Ressourcenschonung, Verringerung der Reibung und durch Energieeffizienz - und damit verminderter Emissionen, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. (Die Highlights der Kernpunkte sowie die Podiumsdiskussion können der ALIA Aufzeichnung auf YouTube entnommen werden.) Da Schmierstoffe in einer enormen Bandbreite von Anwendungen eingesetzt werden und die dadurch erzielten Einsparungen schon heute größer sind als ihr eigener Fußabdruck, ist das Nachhaltigkeitspotenzial also enorm. Die enormen Auswirkungen der Reibungsreduzierung auf die Nachhaltigkeit Die Vorteile von Schmierstoffen werden traditionell anhand der Kosteneinsparungen durch Kraftstoffverbrauch und vermindertem Wartungsbedarf gemessen. Aber heutzutage gelten neben der Treibhausgasminderung auch die Aspekte Kreislaufwirtschaft und Materialverbrauch als entscheidende Parameter - das hat die Podiumsdiskussion auf der ALIA sehr deutlich gemacht. In seinem Vortrag wies Dr. Mathias Woydt darauf hin, dass eine Senkung der Reibungsverluste um 30 % zu Ressourcen- und Emissionseinsparungen beitragen und die Maschinenlebensdauer erhöhen würde, sodass mittelbis langfristig eine Reduzierung der aktuell 37,9 Gigatonnen CO 2 , um 15- 26 % möglich wäre. Um diese potenziellen 6-10 Gigatonnen CO 2 -Einsparungen in ein Verhältnis zu setzen: Mika Kettunen Technischer Produktmanager, Basisöle, Neste Schmierstoff + Schmierung · 2. Jahrgang · 3/ 2021 12 Fachartikel | Lost in friction Die USA emittierten 2018 etwa 5,4 Gigatonnen CO 2 . Auch wenn es hier noch weiterer Forschung bedarf, zeigt es doch deutlich, dass die Schmierstoffindustrie zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen kann, indem sie Emissionen durch Leistungssteigerung reduziert. Erneuerbare Lösungen für die Schmierung existieren, aber wie kann ihre Einführung beschleunigt werden? Die Bausteine für nachhaltigere Basisöle sind vorhanden, werden aber nach wie vor selten verwendet. Umweltverträgliche Schmierstoffe (Environmentally Acceptable Lubricants, EAL), die biologisch abbaubar und weniger toxisch sind, tauchten erstmals in den frühen 1990er Jahren auf. Sie wurden hauptsächlich für Anwendungen mit erhöhtem Risiko von Leckagen in der Umwelt, wie z. B. für Forstmaschinen, hergestellt. Aber 30 Jahre später ist ihre Marktdurchdringung in einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten immer noch gering. Grundöle auf Esterbasis können teurer sein und sind aufgrund ihrer unterschiedlichen chemischen Polarität beispielsweise für den Einsatz in Motorölen nicht optimal geeignet. Die Verwendung von erneuerbaren Schmierstoffen hat sich nicht durch Lösungen verbreitet, die Modifikationen in geschmierten Systemen erfordern, sondern durch Drop-in-Lösungen, die mit bestehenden Anwendungen funktionieren. Dies könnte die Akzeptanz beschleunigen und die Möglichkeiten erweitern, und so einen schnelleren Wechsel zu Basisölen aus nachwachsenden Rohstoffen bewirken. Um breite Anwendung zu finden und eine schnelle Skalierung des Geschäfts zu ermöglichen, dürfen nachhaltigere „Drop-in-Basisöle“ auf Kohlenwasserstoffbasis keine Kompromisse bei der technischen Leistung eingehen. Stattdessen müssen sie Eigenschaften aufweisen, die den aktuellen Lösungen entsprechen oder sogar übertreffen. Der Ersatz von Basisölen auf fossiler Basis ist dennoch eine Möglichkeit, die Emissionen der Schmierstoffindustrie zu reduzieren. „Drop-in-Lösungen“ können den Übergang zu qualitativ besseren Schmierstoffen weiter beschleunigen Steigende Anforderungen an den Kraftstoffverbrauch haben die Automobilhersteller dazu veranlasst, ständig neue Schmierstoffspezifikationen und Leistungsanforderungen zu definieren. Das hat dazu geführt, dass Basisöle dünnflüssiger geworden sind, aber dennoch Verschleißschutz und Leistung unter heißeren Bedingungen liefern müssen. Mit der Umstellung auf Basisöle der hochwertigen Gruppe 3 und darüber hinaus halten diese überlegenen Schmierstoffe jetzt länger, bieten weniger Reibung, schützen Maschinen besser vor Verschleiß und verlängern die Lebensdauer der Anlagen. Das bedeutet, dass weniger Energie und Material für den Bau neuer Maschinen benötigt wird. Dieser Übergang zu leistungsfähigeren Schmierstoffen - zusammen mit der Aussicht auf Umsatzwachstum und Emissionsreduzierungen - macht „Drop-in”-Lösungen zu einer attraktiven Möglichkeit, um die Einführung nachhaltiger, auf erneuerbaren Rohstoffen basierender Schmierstoffe zu beschleunigen. Wir bei Neste entwickeln echte „Drop-in-Lösungen“ auf Basis erneuerbarer Kohlenwasserstoffe. Die neuen Lösungen sollten nachhaltiger und qualitativ hochwertiger sein. Entscheidend ist, dass sie für bestehende und zukünftige Anwendungen geeignet sind. Dies wird nicht nur für die Vermarkter nachhaltigerer Schmierstofflösungen wirtschaftlich sinnvoll sein, sondern auch aus Sicht von Schmierstoffzulassungsprogrammen und Markeninhabern. Chancen mit Schmierstoffen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe Damit die Industrie die breiteren Möglichkeiten von Schmierstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe erkennen kann, ist eine Zusammenarbeit über die gesamte Lieferkette und den Lebenszyklus hinweg erforderlich. Mehr Transparenz ist erforderlich, um die Leistung von Lösungen zu vergleichen und den vollen Nutzen von Schmierstoffen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe zu ermitteln. Die branchenweite Zusammenarbeit bei der Festlegung gemeinsamer Instrumente, Standards, Praktiken und KPIs spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Förderung und Kommerzialisierung der Wirkung nachhaltiger Lösungen. Einfach zu übernehmende, emissionssparende und leistungssteigernde nachhaltige Grundstoffe gibt es bereits. Was hindert die Schmierstoffindustrie daran, die Möglichkeiten nachhaltiger Schmierstoffe zu nutzen und einen äußerst wirkungsvollen Schritt zur Reduzierung von Emissionen zu unternehmen? »« Eingangsabbildung: © simone_n - stock.adobe.com Abb. 1 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Neste)