Schmierstoff + Schmierung
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expert verlag Tübingen
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RecondOil: SKF-Technologie hält Industrieöle in der Kreislaufwirtschaft
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Till Gerrit Neumann
„Reuse, refurbish, recycle“ – der klassische Nachhaltigkeits-Dreiklang, heute gelegentlich um die Begriffe „reduce“ und „repair“ ergänzt, steht für den wachsenden Anspruch der Industrie, sparsam mit endlichen Rohstoffen umzugehen. Dahinter stehen handfeste wirtschaftliche Interessen ebenso wie immer bedeutendere Umwelt- und Klimaschutzaspekte.
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Schmierstoff + Schmierung · 3. Jahrgang · 3/ 2022 16 FacHartiKEl FacHartiKEl RecondOil: SKF-Technologie hält Industrieöle in der Kreislaufwirtschaft Till Gerrit Neumann, SKF RecondOil „Reuse, refurbish, recycle“ - der klassische Nachhaltigkeits- Dreiklang, heute gelegentlich um die Begriffe „reduce“ und „repair“ ergänzt, steht für den wachsenden Anspruch der Industrie, sparsam mit endlichen Rohstoffen umzugehen. Dahinter stehen handfeste wirtschaftliche Interessen ebenso wie immer bedeutendere Umwelt- und Klimaschutzaspekte. In der Regel stellt ein gutes Abfallwirtschaftssystem sicher, dass die Prozesse „Wiederauf bereitung“ (refurbish) und „Rückführung in den Ursprungszustand“ (recycle) nach vorheriger Sammlung der genutzten Rohstoffe reibungslos funktionieren. Dies gilt auch für das deutsche Altölaufkommen aus Schmier- und Hydraulikölen, das heute zu knapp 90 Prozent stofflich und nur zu zehn Prozent energetisch verwertet - also verbrannt - wird. Eine Stufe früher - beim „Reuse“ - steigt die neue RecondOil-Technik von SKF ein. Ein neuartiges und patentiertes Verfahren zur Ölreinigung, bei dem mechanische und physikalisch-chemische Prozesse ineinandergreifen („Double Separation Technology“, DST), ermöglicht den wiederholten Einsatz ein und desselben Maschinenöls im immergleichen Prozess. Grundsätzlich gibt es hierfür zwei Einsatzszenarien: die in den Prozess integrierte, quasi kontinuierliche Reinigung des Schmierstoffes oder Hydrauliköls durch eine so genannte „RecondOilBox“, die im Maschinenkreislauf im Bypass eingebracht wird und dort eine Nierenfunktion übernimmt, oder die Rekonditionierung, wie RecondOil das Verfahren nennt, großer Mengen Öls - meist aus Hydrauliksystemen - Till Gerrit Neumann Till Gerrit Neumann ist Technical Sales Manager bei SKF RecondOil und ist in seiner Funktion Ansprechpartner sowohl für Kunden als auch für die SKF-Standorte zum Thema RecondOil. Seit 2017 beschäftigte er sich hauptberuflich mit Schmierstoffen, zunächst als Chemielaborant für Rohstoff- und Produktkontrolle. Von dort entwickelte er sich weiter und übernahm Funktionen im Bereich der Service-Technik, darauffolgend in der Anwendungstechnik für Metallbearbeitungsflüssigkeiten, der Planung und Implementierung von Fluid Managements und zuletzt regionale Vertriebsverantwortung. 17 Schmierstoff + Schmierung · 3. Jahrgang · 3/ 2022 Fachartikel-|-RecondOil: SKF-Technologie hält Industrieöle in der Kreislaufwirtschaft in einer von mittlerweile zwei stationären DST-Anlagen bei SKF. Eine dieser Anlagen steht am weltweit größten SKF-Produktionsstandort in Schweinfurt, eine weitere entstand jüngst im spanischen Tudela und wurde von der Europäischen Kommission mit 1,62 Millionen Euro gefördert. Denn: Das DST-Verfahren von Recond- Oil leistet einen signifikanten Beitrag zur CO 2 -Einsparung in einem bislang wenig beachteten Segment. „Weltweit werden derzeit jährlich rund neunzehn Millionen Tonnen Industrieöle auf Mineralölbasis verbraucht“, nennt Till Neumann, Industrial Sales Manager bei RecondOil, eine überraschende Zahl. Bisher gab es für diese Öle, die im Einsatz schnell verschmutzen, wenn überhaupt ein zweites und drittes Leben nur in begrenzten Einsatzbereichen oder sie wurden unter extrem hohen Energie- und Rohstoffaufwand zweitraffiniert. Jetzt steht mit RecondOil ein neues, sparsames Rekonditionierungs-Verfahren zur Verfügung, bei dem der so genannten Booster - er ist das Geschäftsgeheimnis von SKF - kleinste und nicht filterbare Schmutzpartikel bindet und dadurch größere Teilchen bildet, welche sich dann schonend entfernen lassen. Dabei werden diese immer schwerer und setzen sich nach und nach in einem Sedimentationstank ab. Wenn das Öl anschließend gefiltert und fehlende Additive ergänzt werden, erreicht es laut einer SKF-internen Studie bisweilen einen besseren Reinheitsgrad als das Originalöl. Durch einen höheren Reinheitsgrad hat SKF, ebenfalls in einer Studie bei SKF Judenburg, festgestellt, fällt der Reibwert - somit auch der nachfolgende Verschleiß - deutlich niedriger aus, wenn rekonditioniertes Öl verwendet wurde. Bei einer so genannten RecondOilBox im Maschinenölkreislauf des Kunden ist der ökologische Fuß- Abb. 1: RecondOilBox Nachhaltige Basisöle für I hren Schmierstoff. Besuchen Sie uns auf der Lubricant Expo im September! Stand 729. Anzeige Schmierstoff + Schmierung · 3. Jahrgang · 3/ 2022 18 Fachartikel | RecondOil: SKF-Technologie hält Industrieöle in der Kreislaufwirtschaft abdruck dieses Verfahrens phänomenal niedrig. Im Vergleich zum normalen Schmierstoff-Lebenszyklus, bei dem rund 3,8 Tonnen CO 2 je Kubikmeter Schmieröl die Atmosphäre belasten, landet das vielfach DSTgereinigte Öl bei nur 8,4 Kilogramm CO 2 -Ausstoß. Und selbst die Rekonditionierung in den stationären Anlagen verursacht auch unter Berücksichtigung von Transportfahrten lediglich 154 Kilogramm CO 2 -Ausstoß. Schmier- und Hydrauliköle sind systemkritische Betriebsstoffe. Minderwertige oder falsch zusammengesetzte Öle altern und verschmutzen schneller und führen in Hydrauliksystemen zu vorzeitigem Verschleiß und in Produktionsanlagen schlimmstenfalls zu Maschinenschäden. Deshalb ist Vertrauen die wichtigste Währung auf dem Markt der Industrieöle. Wie sehr SKF dem eigenen Verfahren vertraut, das man seit der Akquise kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert hat, zeigt ein Beispiel aus Schweinfurt. Hier betreibt das Unternehmen den weltweit leistungsfähigsten Prüfstand für Großlager, wie sie zum Beispiel in Offshore-Windturbinen zum Einsatz kommen. In der Vorzeigeanlage - benannt nach dem SKF- Gründer und Erfinder des Pendelkugellagers Sven Wingquist - machen 32.000 Liter Hydrauliköl über Leitungen, Pumpen und Ventile Druck auf die Testlager mit bis zu vier Metern Durchmesser. Normalerweise muss das gealterte Öl alle drei Jahre getauscht werden. Seit am Standort aber die stationäre DST-Anlage installiert wurde, wird das Öl regelmäßig in 4.000-Liter-Chargen aus dem System genommen, regeneriert und dem Kreislauf erneut zugeführt. Und natürlich nutzt SKF das RecondOil- Verfahren auch zur Reinigung seiner Maschinen- Schmieröle und bei Metallbearbeitungsflüssigkeiten wie Honölen, Schleifmedien oder Härteprozessen weltweit. Das spart Betriebsstoffe und CO 2 im eigenen Betrieb. Mittlerweile gibt es zudem namhafte Partner, die auf RecondOil setzen - allen voran Siemens. Der Weltkonzern ließ Anfang 2022 1.200 Liter Hydrauliköl aus seiner in Nürnberg eingesetzten Stanzanlage für Motorbleche in Schweinfurt erfolgreich regenerieren und hat eine RecondOilBox im eigenen Werk im Einsatz. Die Kooperation wurde anlässlich der Hannover Messe 2022 prominent auf der Siemensbühne vorgestellt. „RecondOil gehört die Zukunft, weil das DST-Verfahren ökologische und ökonomische Vorteile vereint“, glaubt Till Neumann fest an den Erfolg der Technik. »« Eingangsabbildung: © Jenny Sturm - stock.adobe.com / Anusorn - stock.adobe.com Abb. 2: Darstellung unterschiedlicher Reibkräfte bei Nutzung DST treated hydraulic oil (blau) vs. Commercial hydraulic oil (schwarz)
