eJournals Schmierstoff + Schmierung6/4

Schmierstoff + Schmierung
sus
2699-3244
expert verlag Tübingen
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Biostabilität. «Was man darunter versteht und in welchen Produkten sie notwendig ist»

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Volker Westrup
Biostabilität ist die Fähigkeit von chemischen Stoffen, der Zersetzung durch Mikroorganismen zu widerstehen. Diese Kleinstlebewesen übernehmen wichtige Aufgaben im natürlichen Stoffkreislauf. Durch ihre Ernährung recyceln sie die unterschiedlichsten Substanzen und stellen die Bestandteile anderen Lebewesen zur Verfügung. Vermehren sie sich jedoch in Kühlkreisläufen, wasserbasierenden Reinigungsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Prozessflüssigkeiten der Oberflächentechnik, stören sie die technologischen Abläufe.
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Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 22 FacHartikEl FacHartikEl Biostabilität «Was man darunter versteht und in welchen Produkten sie notwendig ist» Volker Westrup, Chemische Werke Kluthe GmbH Biostabilität ist die Fähigkeit von chemischen Stoffen, der Zersetzung durch Mikroorganismen zu widerstehen. Diese Kleinstlebewesen übernehmen wichtige Aufgaben im natürlichen Stoffkreislauf. Durch ihre Ernährung recyceln sie die unterschiedlichsten Substanzen und stellen die Bestandteile anderen Lebewesen zur Verfügung. Vermehren sie sich jedoch in Kühlkreisläufen, wasserbasierenden Reinigungsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Prozessflüssigkeiten der Oberflächentechnik, stören sie die technologischen Abläufe. Wirkung von Mikroorganismen auf Prozesschemikalien der Oberflächentechnik Mikroorganismen sind allgegenwärtig. Sie schweben in der Luft, besiedeln unsere Haut, machen den Erdboden fruchtbar und leben in Gewässern. Die Pilze, Bakterien und Algen vermehren sich durch Zellteilung oder durch Sporen. Die Sporen stellen ein Ruhestadium dar, das lange Zeiträume überdauert und bei günstigen Umgebungsbedingungen zum Leben erwacht. Mit der Luft gelangen die Mikroorganismen oder ihre Sporen auch in die Prozesschemikalien für die Oberflächenbehandlung. Finden sie dort Nahrung und Wärme, vermehren sie sich. Gefährdet sind vor allem wässrige Lösungen und Wasserkreisläufe. Die Mikroorganismen setzen zwangsläufig die Wirksamkeit der eingesetzten Stoffe herab. Außerdem bilden sie Kolonien, die sich auf den Oberflächen ablagern und Rohrleitungen verstopfen können. Maßnahmen zur Verbesserung der Biostabilität sollen das verhindern. Volker Westrup Volker Westrup ist Laborleiter Chemische Werke Kluthe GmbH UNITI Services GmbH Jägerstraße 6 · 10117 Berlin T. +49 (0)30 755 414-400 info@uniti.de UNITI Services GmbH Academy | Events | Media Schwabenlandhalle Fellbach Ausstellung | Postersession | Kongress 18. und 19. November 2026 Bei Interesse an einer Ausstellungsfläche oder eines Sponsorings nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. save the date! © Andrei Zonenko/ Adobe Stock KSSF 2026 33. Kühlschmierstoffforum Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 24 Fachartikel | Biostabilität Maßnahmen zur Verbesserung der Biostabilität Einsatz von Bioziden in der Oberflächentechnik Um den Befall von Reinigungsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Prozesschemikalien durch Mikroorganismen zu verhindern, werden sehr oft Biozide eingesetzt. Diese Stoffe töten Bakterien, Pilze oder Algen ab, bevor sie sich vermehren können. Da von vielen Bioziden Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen ausgehen, unterliegt ihre Verwendung den strengen gesetzlichen Auflagen der Biozid-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 528/ 2012). Sie regelt die Verfahren zur Zulassung und zur Genehmigung von Biozid-Produkten. Außerdem enthält sie Vorgaben zur Verpackung und Kennzeichnung, die beim Handel mit Bioziden zu befolgen sind. In der EU zugelassene Wirkstoffe und Biozid-Produkte sind in einer Liste im Anhang zur Biozid-Verordnung zusammengestellt. Je nach Einsatzbereich und Wirkmechanismen werden verschiedene Gruppen von Biozid- Produkten unterschieden. Die Einteilung umfasst Desinfektionsmittel, Schutzmittel für unterschiedliche Materialien, selektiv wirkende Schädlingsbekämpfungsmittel und sonstige Biozid-Produkte. Die Desinfektion dient der Beseitigung von Krankheitserregern. In der Oberflächentechnik sind vor allem Schutzmittel für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen und Topf- Konservierungsmittel von Bedeutung. Sie wirken gegen Umweltkeime, von denen in der Regel keine Gefahren für die menschliche Gesundheit ausgehen. Mit Schutzmitteln für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen wird unter anderem die Bekämpfung von Mikroorganismen in Reinigern und Kühlschmierstoffen Abb. 1 Topf-Konservierungsmittel machen zum Beispiel Farben, Lacke und Reinigungsmittel haltbar. Biozide sind Gifte. Beim Kontakt mit der Haut können sie langfristig zu Allergien und Hautschäden führen. Deshalb soll ihr Einsatz in der Oberflächentechnik nur dort erfolgen, wo sich keine anderen Lösungen anbieten, die Vermehrung von Mikroorganismen zu verhindern. Möglichkeiten, die Biostabilität biozidfrei zu gewährleisten Einige Möglichkeiten, Mikroorganismen abzutöten, orientieren sich an der Haltbarmachung von Lebensmitteln. Dazu zählen das Erhitzen und der Entzug von Wasser aus den Zellen. In Warmwasserkreisläufen hilft das regelmäßige Aufheizen bis auf Temperaturen in der Nähe des Siedepunktes, die Keimzahlen gering zu halten. Der Entzug von Wasser aus den Zellen beruht auf einem Vorgang, der als Osmose bezeichnet wird. Dabei tritt das Wasser aufgrund von Konzentrationsunterschieden durch die Zellwände und führt einen Konzentrationsausgleich herbei. Bei der Konservierung von Lebensmitteln ziehen Salz, Zucker oder Alkohol Wasser aus den Zellen. Moderne Produkte für die industrielle Teilereinigung werden ebenfalls ohne Biozide formuliert. Diese Reiniger weisen - auch bei für Mikroorganismen optimalen Bedingungen - trotzdem eine hohe Biostabilität auf. Ein Beispiel hierfür ist HAKUPUR 740. Dieser Reiniger wurde ohne Biozide formuliert und weist trotzdem eine sehr hohe Biostabilität auf. Wie funktioniert das? Die Zusammensetzung von HAKUPUR 740 ist so konzipiert, dass alle im Produkt enthaltenen Komponenten eine hohe Biostabilität aufweisen. Mikroorganismen finden in der Folge keine Nahrung und werden so daran gehindert, sich zu vermehren. Weitere Eigenschaften von HAKUPUR 740 HAKUPUR 740 ist hochdruckfähiger Mulitimetall-Reiniger.Die möglichen Anwendungstemperaturen liegen zwischen 20 und 60 °C. Der Reiniger ist stark demulgierend. Dadurch schwimmen von den Metallteilen abgewaschene Öle schnell auf der Flüssigkeitsoberfläche auf und können von dort leicht mit Abscheidern aus dem System entfernt werden. Weil der Reiniger nicht zur Schaumentwicklung neigt, lässt er sich in Hochdruck-Verfahren wie beispielsweise dem Wasserstrahlentgraten mit Drücken über 100 bar einsetzen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten von HAKU- PUR 740 sind Niederdruckspritzverfahren und Fluten. HAKUPUR 740 weist eine gute Verträglichkeit für Aluminium und einen sehr guten Korrosionsschutz für Stahl auf. Außerdem eignet es sich als Reiniger für Guss, verzinktes Material, Edelstahl, Buntmetall und Kunststoff. 25 Schmierstoff + Schmierung · 6. Jahrgang · 4/ 2025 Fachartikel-|-Biostabilität Kontrolle der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Gewährleistung der Biostabilität Die Kontrolle der Wirksamkeit der Maßnahmen zur Gewährleistung der Biostabilität erfolgt durch die Keimzahlbestimmung. Dafür stehen Eintauchprobeträger (Dip-Slides) zur Verfügung. Sie bestehen aus einer Trägerplatte, die auf einer Seite mit einem Nährboden für Bakterien und auf der anderen Seite mit einem Nährboden für Pilze ausgestattet sind. An der Trägerplatte ist ein Schraubverschluss angebracht, der einen durchsichtigen Kunststoff behälter aufnimmt. Zur Keimzahlbestimmung wird die Trägerplatte einige Sekunden in den Kühlschmierstoff, die Reinigungsmittel-Lösung oder eine andere zu prüfende Flüssigkeit getaucht. Nachdem die überschüssige Flüssigkeit abgelaufen ist, wird der Kunststoff behälter wieder aufgeschraubt und der Probeträger bei einer Temperatur von 30 °C bebrütet. Jeder Keim auf dem Nährboden vermehrt sich und bildet eine sichtbare Kolonie. Für die Auswertung werden Bilder von unterschiedlich stark besiedelten Nährböden verwendet, die den Dip-Slides beiliegen. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, muss die Gebrauchsanleitung bei der Anwendung der Dip-Slides genau eingehalten werden. Zum Beispiel dürfen die Nährböden nicht mit den Händen berührt oder durch aufschwimmende Öle verunreinigt werden. Die Zeit, in der der Probeträger der Luft ausgesetzt ist, muss möglichst kurz gehalten werden, damit keine zusätzlichen Keime auf die Nährböden gelangen. »« Eingangsabbildung: © Stefan Schurr - stock.adobe.com Abb. 2 Buchtipp expert verlag - Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 \ 72070 Tübingen \ Germany \ Tel. +49 (0)7071 97 97 0 \ info@narr.de \ www.narr.de Das Buch gibt einen Überblick über die metallkundlichen Grundlagen auf dem Gebiet der nichtrostenden Stähle und über das Einsatzverhalten dieser Werkstoffe. Es werden die notwendigen Hinweise für die Konstruktion und Verarbeitung von nichtrostenden Stählen gegeben. Einen Schwerpunkt stellt hierbei das Korrosionsverhalten dieser Werkstoffe dar. Paul Gümpel, Alexandra Bauer, Torsten Bogatzky, Lazar Boskovic, Benedikt Henkel, Arnulf Hörtnagl, Matthias Sorg, Jörg Straub Rostfreie Stähle Grundwissen, Konstruktions- und Verarbeitungshinweise 6., überarbeitete und erweiterte Au age 2025, ca. 342 Seiten €[D] 68,00 ISBN 978-3-8169-3540-7 eISBN 978-3-8169-8540-2 Anzeige