eJournals Schmierstoff + Schmierung7/1

Schmierstoff + Schmierung
sus
2699-3244
expert verlag Tübingen
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2026
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DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung – Technische Normung für Kraftstoffe, Brennstoffe und Schmierstoffe

0427
2026
Elisabeth Götze
sus710020
FacHartikEl DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung - Technische Normung für Kraftstoffe, Brennstoffe und Schmierstoffe Elisabeth Götze Einordnung und Rolle des DIN-FAM Der Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) ist das im Deutschen Institut für Normung (DIN) verankerte Gremium für die nationale, europäische und internationale Normung von flüssigen Energieträgern wie Kraft-, Brenn- und Gaskraftstoffen sowie Schmierstoffen und verantwortet die Entwicklung, Pflege und Weiterentwicklung der zugehörigen Prüf-, Spezifikations- und Terminologiestandards. Normung als technische und regulatorische Schlüsselinstanz Die Leistungsfähigkeit moderner Antriebs- und Energiesysteme ist unmittelbar an die Qualität und Prüfbarkeit der eingesetzten Medien gekoppelt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen aus Gesetzgebung, Umwelt- und Klimapolitik sowie aus der internationalen Harmonisierung technischer Regelwerke. Normung bildet in diesem Kontext die Schnittstelle zwischen technischer Machbarkeit, analytischer Belastbarkeit und regulatorischer Umsetzbarkeit. Verlässliche Normen schaffen reproduzierbare Prüf bedingungen, ermöglichen technische Vergleichbarkeit und sichern die internationale Akzeptanz von Produkten und Verfahren. Struktur, Arbeitsweise und fachliche Verankerung Mit rund 700 Normen und Normentwürfen verantwortet der Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) einen der umfangreichsten Normungsbereiche im DIN. Etwa 45 Prozent der Arbeiten entfallen auf Kraft- und Brennstoffe, weitere 45 Prozent auf Schmierstoffe und rund 10 Prozent auf gasförmige Energieträger. Die Normungsarbeit erfolgt in einem differenzierten Gremiensystem aus Arbeitsausschüssen, Unterausschüssen und Arbeitskreisen, getragen von mehreren hundert Expertinnen und Experten aus Industrie, Verbänden, Behörden, Forschung und Prüflaboren. Ziel ist eine konsensbasierte, technisch fundierte und anwendungsorientierte Normung, die sowohl den Stand der Technik als auch absehbare technologische Entwicklungen abbildet. Technologische Entwicklung als Treiber der Normungsarbeit Inhaltlich spiegelt die Arbeit des Gremiums die tiefgreifenden Veränderungen im Energie- und Antriebsbereich wider. Neben der kontinuierlichen Pflege eta- FacHartikEl Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 20 Elisabeth Götze Elisabeth Götze, 37, ist Regionalleiterin Schmierstoffe bei der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e. V. Sie verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung in der Mineralölbranche mit einem besonderen Fokus auf Industrie- und Spezialschmierstoffe. Zuvor war sie Abteilungsleiterin Schmierstoffe beim VSI Verband Schmierstoff-Industrie e. V., der zum 1. Oktober 2025 im Zuge der Verbandsfusion in die UNITI integriert wurde. Sie absolvierte ihr Bachelorstudium in Vertriebsmanagement und Marketing an der Hochschule Schmalkalden sowie ein weiterführendes Studium zum KorrosionsExpert an der Montanuniversität Leoben, Fakultät Werkstofftechnik und Analytische Chemie. Vor ihrer Tätigkeit im Verband war sie über 15 Jahre bei einem Spezialschmierstoffhersteller in verschiedenen Führungspositionen tätig und erwarb dort umfassende Expertise in den Bereichen Formen- und Trennmittel, Korrosionsschutz und Industrieschmierstoffe. 21 Schmierstoff + Schmierung · 7. Jahrgang · 1/ 2026 Fachartikel-|-DIN-Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung blierter Normen für Ottokraftstoffe, Dieselkraftstoffe und klassische Schmierstoffe rücken alternative und regenerative Energieträger wie Wasserstoff, paraffinische Kraftstoffe, Methanol, DME oder OME zunehmend in den Fokus. Parallel dazu entwickelt sich die Schmierstoffnormung weiter in Richtung neuer Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Materialverträglichkeit, elektrische Eigenschaften sowie analytische Nachweisgrenzen. Die Überarbeitung zentraler Normreihen für Getriebeöle, Hydrauliköle, Schmierfette und die Schmierstoffnomenklatur verdeutlicht den Anspruch, bestehende Regelwerke systematisch an neue technische Rahmenbedingungen anzupassen. Ringversuche als methodische Grundlage belastbarer Normen Ein zentrales Instrument der Normungsarbeit sind Ringversuche, insbesondere in der Kraftstoff- und Schmierstoffanalytik. Ringversuche dienen der experimentellen Ermittlung von Präzisionsdaten, indem identische Proben von einer Vielzahl unabhängiger Labore nach definierten Prüfverfahren analysiert werden. Die statistische Auswertung dieser Ergebnisse ermöglicht Aussagen zur Wiederhol- und Vergleichbarkeit analytischer Methoden und bildet die Grundlage für die Festlegung von Präzisionskennwerten, Grenzwerten und Akzeptanzkriterien. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Normungsarbeit ein. Dabei ist insbesondere die ISO 4259-Reihe von zentraler Bedeutung, die weltweit als Referenz für Präzisionsdaten und Schiedsverfahren in der Mineralöl- und Schmierstoffanalytik herangezogen wird. Ergänzend hierzu wird 2026 ein Workshop zu Grundlagen, Durchführung und statistischer Auswertung von Ringversuchen angeboten. Informationen und Anmeldung sind bis zum 31. Juli 2026 unter https: / / dgmk.de/ Veranstaltungen/ Normung möglich. Von der analytischen Datenerhebung zur normativen Festlegung Im Rahmen von Leistungsüberprüfungen, sogenannter Proficiency Tests, werden repräsentative Proben, beispielsweise aus dem Bereich der Motoren-, Getriebe- oder Hydrauliköle, ausgewählt, homogenisiert und an die teilnehmenden Labore verteilt. Nach Durchführung der Analysen erfolgt eine statistische Auswertung gemäß ISO 4259. Die resultierenden Datensätze werden in den zuständigen Gremien fachlich diskutiert und bewertet. Auf dieser Basis werden Prüfverfahren und Präzisionsangaben validiert oder der Anpassungsbedarf von bestehenden Normen eruiert. Damit bilden Proficiency Tests das Bindeglied zwischen analytischer Praxis und normativer Festschreibung. Mehrwert für Analytik, Industrie und Anwender Für Prüflabore stellen Proficiency Tests ein zentrales Instrument der externen Qualitätssicherung und des analytischen Benchmarkings dar. Abweichungen lassen sich systematisch identifizieren, Messunsicherheiten besser quantifizieren und interne Qualitätsmanagementsysteme gezielt weiterentwickeln. Für produzierende Unternehmen, Additiv- und Basisölhersteller, OEMs und Anwenderindustrien erhöhen belastbare Präzisionsdaten die Planungssicherheit, reduzieren Interpretationsspielräume und stärken das Vertrauen in analytische Ergebnisse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nationale Verantwortung und internationale Harmonisierung Die nationale Normungsarbeit ist eng mit der europäischen und internationalen Normung verzahnt. Zahlreiche Themen werden parallel auf DIN-, CEN- und ISO-Ebene diskutiert, um eine möglichst konsistente und international anschlussfähige Normenlandschaft zu gewährleisten und doppelte Arbeit zu vermeiden. Insbesondere in der Schmierstoffnormung, die überwiegend auf ISO-Ebene angesiedelt ist, ist eine aktive Beteiligung nationaler Expertinnen und Experten entscheidend, um technische Kompetenz, industrielle Praxis und regulatorische Anforderungen wirksam einzubringen. Mitwirkung als Voraussetzung leistungsfähiger Normung Die Qualität und Zukunftsfähigkeit der Normungsarbeit im Fachausschuss Mineralöl- und Brennstoffnormung (FAM) hängt maßgeblich vom kontinuierlichen Engagement der Fachwelt ab. Gesucht werden fortlaufend Obleute, fachliche Expertinnen und Experten sowie Unterstützende für Ringversuche und Proficiency Tests. Ebenso über die ordentliche Mitgliedschaft in der UNITI erhalten Unternehmen der Kraftstoff-, Brennstoff- und Schmierstoffindustrie Zugang zu den relevanten Gremien und können aktiv an der Weiterentwicklung von Normen und Prüfmethoden mitwirken. Normung ist damit kein Selbstzweck, sondern ein kooperativer Prozess, der technische Exzellenz, regulatorische Sicherheit und industrielle Innovationsfähigkeit miteinander verbindet. Weiterführende Informationen finden Sie auch unter www.fam-hamburg.de. »« Eingangsabbildung: © Auraclicks - stock.adobe.com