eJournals Tribologie und Schmierungstechnik 65/4

Tribologie und Schmierungstechnik
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expert verlag Tübingen
0801
2018
654 Jungk

Vergleich standardisierter Schmierstoffprüfungen an verschiedenen Tribometern

0801
2018
Jürgen Rigo
Pavel Kovačócy
Prüfgeräten auf dem Markt, für die zahlreiche Prüfprozeduren erschaffen worden sind, speziell DINNormen (national) bzw. auch ISO- und ASTM-Prüfvorschriften (international). Anhand vieler über die Jahre gewonnener Prüfergebnisse konnte festgestellt werden, dass beispielsweise verschiedene Prüfmethoden, welche alle für die Beurteilung der Hochdrucktragfähigkeit von Schmierstoffen herangezogen werden, nicht die gleichen Ergebnisse liefern. Als Beispiel sei hier die Vergleichbarkeit der Schweißkraftbestimmung (DIN 51350 Teil 2) im Vierkugelapparat und der Laststeigerungslauf im Schwingungs-Reibverschleiß-Prüfgerät (SRV®) nach ASTM D7421-10 genannt. Hier können durchaus völlig unterschiedliche Rankings auftreten. Es wird deutlich, dass es nicht egal ist, welche Prüfung zur Charakterisierung verwendet wird. Im Rahmen einzelner interner Projekte sind mehrere Schmierstoffmuster strikt nach Norm in drei verschiedenen Tribometern geprüft worden. Zum Einsatz kamen der Vierkugelapparat (VKA), das SchwingungsReibverschleiß-Prüfgerät (SRV®) und das Schmierstoffprüfgerät nach Brugger. Es sind die gängigen Normen herangezogen worden. Schon diese ersten Ergebnisse weisen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Prüfmethoden auf. Dies ist der Hauptbestandteil des Artikels. Gezielte Änderungen, wie z.B. Variation der EP-/AW-Additive an den Prüfmustern, sind auch vorgenommen worden und werden teilweise präsentiert. Eine Anpassung der Prüfparameter (Hertzsche Pressungen, Temperaturen, Gleitgeschwindigkeiten) folgen in weiteren Schritten und werden zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert. Diese Arbeiten sind Bestandteile des Arbeitskreises Tribometrie, der unter der Leitung des Kompetenzzentrums steht und sich zum Ziel gesetzt hat, diese Problematik näher zu betrachten.
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Zielsetzung Ein wesentlicher Aspekt der Schmierstoffe, Additive und tribologischen Prüftechnik ist die Frage nach den Zusammenhängen und der Vorhersagbarkeit von auftretenden Phänomenen innerhalb der tribologischen Systeme. Zusätzlich zu den komplexen tribologischen Aspekten der Additiv- und Metallchemie sind z. B. die mechanisch-dynamische Modellprüfung dieser Eigenschaften und die Interpretation der Ergebnisse von Bedeutung. Weit verbreitete Prüfapparaturen werden oft verwendet um die Leistungsfähigkeit von Schmierstoffen zu testen. Üblicherweise werden diese Prüfungen häufig mit Standard-Prüfparametern (Normprüfungen) durchgeführt, welche keine gute Korrelation mit den Parametern aus der Praxis haben. Oftmals ist eine falsche Systemanalyse schuld daran. Prüfergebnisse gewonnen aus Tribometerversuchen sollten mit Vorsicht genossen werden und unbedingt mit Feldversuchen abgeglichen werden. Des Weiteren liefern verschiedene Apparaturen komplett verschiedene Ergebnisse, bedingt z. B. durch unterschiedliche Eingriffsverhältnisse, Bewegungsformen, Schmierungszustände, Temperaturen, Belastungen etc. Welchem Ergebnis soll man nun trauen? Spricht beispielsweise die Additivchemie nur in einem Gerät an und hat dies dann eine Korrelation mit der Praxis? Welchen Einfluss hat der Schmierstoff, welchen die Prüfmethode? Wie sind Ergebnisse einzelner Normprüfungen zu deuten? In einigen Projekten hat es sich gezeigt, dass es bei strikter Prüfung nach Norm zu gänzlich unterschiedlichen Rankings kommen kann. So zeigen z. B. Muster, die einer Schweißkraftbestimmung im Vierkugelapparat unterzogen wurden gänzlich unterschiedliche Ergebnisse als diejenigen, welche im SRV ® geprüft worden sind. Dadurch kann es durchaus passieren das geeignete Kandidaten nur aufgrund der gewählten Prüfmethode aussortiert werden. Doch was ist nun die geeignete Prüfmethode? Es gibt schon seit Jahren gewisse Tendenzen wo am besten geprüft wird um die positiven Eigenschaften eines Schmierstoffes bzw. Schmierstoffadditives herauszustellen. Liegt das aber nur am Schmiermittel oder hat die Prüfprozedur den signifikanteren Einfluss? Ziel war es daher einen Arbeitskreis „Schmierstoffe, Additive & Prüftechnik“ (Tribometrie) ins Leben zu rufen, Aus der Praxis für die Praxis 22 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Einleitung Das Kompetenzzentrum Tribologie und das dazugehörige Institut wurden durch eine Firmeninitiative von Schmierstoff- und Additivherstellern, zahlreichen Maschinenbauunternehmen sowie der Industrie- und Handwerkskammer im Jahre 1993 gegründet. Zwischenzeitlich ist das Kompetenzzentrum mit hochmodernen Spezialprüfständen ausgestattet, die weltweit nur an wenigen Instituten vorhanden sind. Alleine mehr als 45 verschiedene tribologische Spezialprüfstände, mit denen unterschiedlichste Beanspruchungskollektive abgebildet werden können, sorgen für eine breite Basis. Ein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Screening-Tests bzw. Kurzzeit- Prüfverfahren zur Simulation realer tribologischer Beanspruchungen. Solche Simulationstests helfen, langwierige Prüfprozeduren in teuren Aggregat-Prüfständen teilweise zu ersetzen, wodurch die Formulierung neuer Schmierstoffe sowie Werkstoff- und Beschichtungskonzepte deutlich beschleunigt werden kann. Diese Tests können Bauteil- und Feldversuche sicher nicht vollständig ersetzen, sie können aber sehr wohl Erkenntnisse über das grundsätzliche Verhalten geben und so die Entwicklung vereinfachen, da Neuerungen schnell und kostengünstig untersucht und mit bereits getesteten Produkten verglichen werden können. Insbesondere für die Vorauswahl von geeigneten Materialkombinationen, Beschichtungen, Zwischenstoffen und Oberflächentopografien haben sich die am Institut vorhandenen Prüfsysteme bestens bewährt. Voraussetzung ist selbstverständlich eine geeignete Modellbildung, d.h. das Beanspruchungskollektiv sowie die Elemente des Tribosystems müssen möglichst praxisnah gewählt werden. Das Zentrum geht daher streng nach dem Grundsatz der tribologischen Systemanalyse (ehemals DIN 50 320, heute GfT-Arbeitsblatt Nr. 7) vor. Vergleich standardisierter Schmierstoffprüfungen an verschiedenen Tribometern J. Rigo, P. Kova č ócy* * Jürgen Rigo, MEng. 1,2 doc. Dr. Ing. Pavel Kovačócy 2 1 Steinbeis Transferzentrum an der Hochschule Mannheim Kompetenzzentrum Tribologie, 68163 Mannheim 2 Slovak University of Technology in Bratislava Faculty of Materials Science and Technology 917 24 Trnava, Slovak Republic T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 22 der sich all diesen so wie auch allgemeinen tribologischen Fragestellungen widmet. Der Arbeitskreis setzt sich überwiegend aus Schmierstoff- und Additivherstellern zusammen. Da sich das Kompetenzzentrum Tribologie weitestgehend auf die Tribometrie fokussiert hat, soll hier auch weiterhin der Schwerpunkt der Institutsarbeit liegen, jedoch soll eine Basis geschaffen werden, um in Zukunft die ermittelten Kennwerte sinnvoll ergänzen und in naher Zukunft noch besser deuten zu können. Dies kann Aus der Praxis für die Praxis 23 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Mittlerweile ist eine Vielzahl von tribologischen Prüfgeräten auf dem Markt, für die zahlreiche Prüfprozeduren erschaffen worden sind, speziell DIN- Normen (national) bzw. auch ISO- und ASTM-Prüfvorschriften (international). Anhand vieler über die Jahre gewonnener Prüfergebnisse konnte festgestellt werden, dass beispielsweise verschiedene Prüfmethoden, welche alle für die Beurteilung der Hochdrucktragfähigkeit von Schmierstoffen herangezogen werden, nicht die gleichen Ergebnisse liefern. Als Beispiel sei hier die Vergleichbarkeit der Schweißkraftbestimmung (DIN 51350 Teil 2) im Vierkugelapparat und der Laststeigerungslauf im Schwingungs-Reibverschleiß-Prüfgerät (SRV®) nach ASTM D7421-10 genannt. Hier können durchaus völlig unterschiedliche Rankings auftreten. Es wird deutlich, dass es nicht egal ist, welche Prüfung zur Charakterisierung verwendet wird. Im Rahmen einzelner interner Projekte sind mehrere Schmierstoffmuster strikt nach Norm in drei verschiedenen Tribometern geprüft worden. Zum Einsatz kamen der Vierkugelapparat (VKA), das Schwingungs- Reibverschleiß-Prüfgerät (SRV ® ) und das Schmierstoffprüfgerät nach Brugger. Es sind die gängigen Normen herangezogen worden. Schon diese ersten Ergebnisse weisen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Prüfmethoden auf. Dies ist der Hauptbestandteil des Artikels. Gezielte Änderungen, wie z. B. Variation der EP-/ AW-Additive an den Prüfmustern, sind auch vorgenommen worden und werden teilweise präsentiert. Eine Anpassung der Prüfparameter (Hertzsche Pressungen, Temperaturen, Gleitgeschwindigkeiten) folgen in weiteren Schritten und werden zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert. Diese Arbeiten sind Bestandteile des Arbeitskreises Tribometrie, der unter der Leitung des Kompetenzzentrums steht und sich zum Ziel gesetzt hat, diese Problematik näher zu betrachten. Schlüsselwörter Schmierstoffprüfung, Tribometrie, Prüfmethodik, Vierkugelapparat, Schwingungs-Reibverschleiß- Prüfgerät (SRV), Brugger, Additive An important aspect of Tribology is the mechanicaldynamic testing of lubricants and materials under stress and the interpretation of the results obtained therefrom. Widely-used test methods are often applied to analyze the performance of, for example, lubricants. However, this testing is often conducted using standard testing parameters with little or no correlation to demands of real life applications. Therefore, test results determined with tribometers or in field tests should be evaluated carefully by considering the entire tribological system. Tribological test benches are suitable to investigate the lubricant formulations, combined with different materials at different moving types, temperatures and loads terms, in their frictional behavior and wear protection. As part of the previously implemented projects numerous testing procedures have already been developed for each test benches. The main objective of this research is the subsequent analysis of test results using different tribometers. This should lead to better identification and improved understanding of divergent results generated by different testing procedures. Test results will be validated using standardized test systems according to DIN and ASTM, respectively. It was found that different test methods, all of which are used for the evaluation of high pressure carrying capacity of lubricants for example, do not provide the same results. As an example, the comparability of the weld load determination (DIN 51350 Part 2) in the four-ball tester and the standard test method for measuring the extreme pressure properties of lubrication oils in the high frequency, linear oscillation tester (SRV®) according to ASTM D7421-10, should be mentioned. Here quite disparate rankings occur. It is clear that it is not matter which test is used for characterization. The following tribometers come to use: • Four Ball Tester (VKA) • SRV ® Testing Machine • Cross Cylinder Tester (XCT) Several lubricant samples got tested strictly after the standard test methods. Variations of the test parameters and the test samples were also carried out and are partially presented Keywords Lubricants testing, test methodology, four ball tester, SRV, Brugger, additives Kurzfassung Abstract T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 23 der Schweiß- und Gutkraft (DIN 51 350 Teil 2 und 4), sowie verschiedener Reib- und Verschleißkennwerte von Schmierstoffen (DIN 51 350 Teil 3 und 5). In den Teilen 2 bis 5 wird eine rotierende Kugellagerkugel unter Last auf drei gleichartige aber stillstehende Kugeln gepresst. Bei den Versuchen nach Teil 2 bzw. 4 wird die Last so lange erhöht, bis der Schmierstoff Grund- und Gegenkörper nicht mehr trennen kann und es aufgrund hoher örtlicher Temperaturen zu einem Verschweißen der Kugeln kommt. Bei Prüfungen nach Teil 3 bzw. 5 wird die Last relativ niedrig gehalten (in diesem Projekt 300 N), so dass es nicht zu einem Verschweißen kommen kann. Der Verschleiß an den Kugeln wird nach dem Lauf durch optisches Ausmessen der auf den stillstehenden Kugeln entstandenen Kalotten bestimmt. Vorteil dieses Prüfsystems ist, dass aufgrund des kontraformen Kontaktes, Viskositätseinflüsse nahezu unberücksichtigt bleiben. Nur die Wirkung der Additive sowie natürliche Verschleißschutzeigenschaften des Grundöls haben Auswirkungen auf das Prüfergebnis. Der Prüfstand ist vor allem in der Schmierstoffindustrie weit verbreitet und wird dort routinemäßig zur Produktentwicklung und Qualitätskontrolle eingesetzt. Schwingungs-Reibverschleiß-Prüfgerät (SRV ® ) Das in der DIN 51 834 genormte Prüfgerät (Bild 2)wird zur Simulation von oszillierenden Gleitbewegungen, wie z. B. bei der Paarung Kolbenring/ Zylinder, sowie zur Qualitätssicherung eingesetzt. Gegen einen feststehenden Stahlzylinder (oder eine andere ebene Geometrie) wird auf der Stirnseite eine querliegende Stahlzylinderrolle, einen Stahlring oder eine Stahlkugel oszillierend bewegt. Die Schmierstoffe können bei verschiedenen Belastungen bis zum Zusammenbruch des Schmierfilms gefahren werden. Zweck ist die Ermittlung der Wirkung, Belastbarkeit und Lebensdauer von Schmierstoffen und deren Additiven bei Mischreibungs- Aus der Praxis für die Praxis 24 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 nur durch eine fruchtbare Zusammenarbeit aller beteiligten Seiten möglich werden, wenn fernab von Verkaufszahlen ohne Zwang diskutiert werden kann. Häufige und allseits bekannte Probleme, die bei „Normprüfungen“ auftreten sind folgende:  Standard Testparameter und Prüfmethoden für alle erdenklichen Formulierungen  Vergleich von „Kennwerten“ unterschiedlichster Herkunft  Verschiedene Rankings bei Testserien auf unterschiedlichen Tribometern  Falsche Festlegung, welche Eigenschaft untersucht werden soll  Mangelhafte Systemanalyse  Unüberlegte Auswahl einer geeigneten Prüfmaschine  Festlegung ungeeigneter Prüfparameter  Unsachgemäße Versuchsdurchführung  Lückenhafte Auswertung Die im Projekt eingesetzten Modellprüfstände sind seit Jahren im Einsatz und bekannt, auf den folgenden Seiten werden Sie nochmals vorgestellt. Eingesetzte Prüfgeräte Vierkugelapparat (VKA) Der Shell-Vierkugel-Apparat (Bild 1) ist ein in DIN 51 350 Teil 1 genormtes Prüfgerät zur Bestimmung von u. a. Bild 1: Vierkugelapparat und Probekörper T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 24 bedingungen. Vorteilhaft ist, dass für die Versuche nur sehr kleine Proben und geringste Schmierstoffmengen benötigt werden und das Beanspruchungskollektiv vielfältig einstellbar ist. Cross-Cylinder Tester (XCT) Der am Kompetenzzentrum Tribologie in Kooperation mit der Firma Fuchs Schmierstoffe AG entwickelte Cross-Cylinder-Tester (XCT) (Bild 13)kombiniert die Reichert-Reibverschleißwaage (RVW) und den Brugger- Tester und dient der Untersuchung und Simulation von Reibungs- und Verschleißvorgängen unter kontinuierlicher Gleitbeanspruchung bei Festkörper-, Grenz- und Mischreibung. Unter Zuhilfenahme geeigneter Adapter können auf diesem Modellprüfstand sowohl Versuche nach Brugger (DIN 51347) wie auch nach der Prüfmethode nach Reichert durchgeführt werden. Es sind Variationen der Drehzahlen und Laufzeiten möglich, dadurch kann je nach Anwendung die Prüfmethodik abgeändert werden. Zur Untersuchung von Block-on-Ring- Prüfungen oder Untersuchungen von Gleitlagern kann der Prüfstand durch entsprechende Adapter erweitert werden. Die Gleitgeschwindigkeit kann im Lauf dynamisch verändert werden. Die für das tribologische Verhalten entscheidenden Faktoren wie Reibpartner, Oberflächenrauheit, Normalkraft, Gleitgeschwindigkeit, Gleitweg, Flächenpressung und Zwischenstoff können an diesem Prüfstand in weiten Grenzen variiert und kontrolliert werden. Folgende Tabelle 1 gibt eine Übersicht der durchgeführten Prüfungen und zeigt außerdem die wichtigsten Kenndaten der einzelnen Methoden. Wie bereits in der Einleitung erwähnt sind in der ersten Phase des Projektes bewusst nur die gängigen Prüfparameter eingestellt worden. Weitere nötige und auch sinnvolle Änderungen der Versuchsbedingungen folgen in weiteren Projektabschnitten. Aus der Praxis für die Praxis 25 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Bild 3: XCT und gängige Probekörper Bild 2: SRV ® und gängige Probekörper T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 25 Aus der Praxis für die Praxis 26 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Tabelle 1: Übersicht Prüfbedingungen Prüfgerät Probekörperanordnung Norm Gleitgeschwindigkeit [m/ s] Prüflast [N] Hertzsche Pressung [MPa] VKA DIN 51350 Teil 2 und 3 0,56 m/ s 300 N p max = 3147 MPa SRV DIN 51834 Teil 2 und ASTM D7421-11 0,1 m/ s 50 - 300 N bzw. 50 - 2000 N p max = 1727/ 3139 MPa XCT DIN 51347 Teil 2 1,26 m/ s 400 N p max = 2098 MPa Prüfgerät Probekörperanordnung Norm Prüftemperatur Auswertung VKA DIN 51350 Teil 2 und 3 RT (25°C) zu Beginn Schweißkraft in N / Verschleißkalottendurchmesser in mm SRV DIN 51834 Teil 2 und ASTM D7421-11 50°C und 80°C Reibwerte, Verschleißkalotte Kugel in mm, Verschleißvolumen / Gutlaststufe XCT DIN 51347 Teil 2 RT (25 °C) zu Beginn Verschleißkalotte Zylinderrolle, Quotient Prüflast/ Kalottenfläche („Belastbarkeit nach Brugger“) T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 26 Eingesetzte Schmierstoffe Tabelle 2 gibt eine Übersicht über die eingesetzten Schmierstoffe. Aufgrund der hohen Anzahl an Auswahlmöglichkeiten und der begrenzten Prüfkapazitäten können natürlich nicht alle erdenklichen Formulierungen getestet werden. Hier dargestellt ist auch nur ein kleiner Auszug. Aus der Praxis für die Praxis 27 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Bezeichnung Zusammensetzung Additive Mineralöl 1 (M1) Paraffinbasisch ---------- Mineralöl 2 Naphthenbasisch ---------- Ester 1 Phosphorsäureester ---------- Ester 2 Hochraffiniertes Sonnenblumenöl ---------- UMF Umformöl Additivpaket HLP 46 Hydrauliköl Additivpaket M 1 + 0,5 % P M1 + 0,5 Gew.-% Phosphor Additiv Phosphor M 1 + 2 % P M1 + 2 Gew.-% Phosphor Additiv M 1 + 0,5 % S M1 + 0,5 Gew.-% Schwefel Additiv Schwefel M 1 + 2 % S M1 + 2 Gew.-% Schwefel Additiv Tabelle 2: Übersicht der Versuchsmuster Bezeichnung Zusammensetzung Additive Mineralöl 1 (M1) Paraffinbasisch ---------- Mineralöl 2 Naphthenbasisch ---------- Ester 1 Phosphorsäureester ---------- Ester 2 Hochraffiniertes Sonnenblumenöl ---------- UMF Umformöl Additivpaket HLP 46 Hydrauliköl Additivpaket M 1 + 0,5 % P M1 + 0,5 Gew.-% Phosphor Additiv Phosphor M 1 + 2 % P M1 + 2 Gew.-% Phosphor Additiv M 1 + 0,5 % S M1 + 0,5 Gew.-% Schwefel Additiv Schwefel M 1 + 2 % S M1 + 2 Gew.-% Schwefel Additiv Tabelle 3: Teilauszug Ergebnisse Position Prüfgerät und Methode VKA Brugger SRV DIN 51350 Teil 2 DIN 51350 Teil 3 DIN 51347 Teil 2 DIN 51834 Teil 2 ASTM D7421-11 1 UMF M 1 + 0,5 % P UMF M 1 + 2 % P HLP 46 2 M 1 + 2 % S M 1 + 2 % P M 1 + 2 % S M 1 + 0,5 % P Ester I 3 M 1 + 0,5 % S HLP 46 M 1 + 0,5 % S HLP 46 Ester II 4 Group II Basisöl Ester I Mineralöl 1 Mineralöl 1 UMF 5 Ester II Ester II Ester II Ester II Mineralöl 2 6 HLP 46 M 1 + 0,5 % S HLP 46 MWF M 1 + 0,5 % P 7 M 1 + 0 ,5 % P Mineralöl 1 M 1 + 0,5 % P M 1 + 2 % S M 1 + 2 % P 8 M 1 + 2 % P M 1 + 2 % S M 1 + 2 % P M 1 + 0,5 % S M 1 + 0,5 % S 9 Ester I Mineralöl 2 Ester I Ester I M 1 + 2 % S 10 Mineralöl 2 UMF Mineralöl 2 Mineralöl 2 Mineralöl 1 Tabelle 4: Rankings nach den verschiedenen Prüfungen Erste Ergebnisse T+S_4_2018.qxp_T+S_2018 05.06.18 11: 15 Seite 27 Betrachtet man die Energieeinträge innerhalb der jeweiligen Testmethoden wird ersichtlich, dass diese durch deutlich voneinander abweichende Parameter stark variieren. Vor allem die Versuchszeit ist hier ein maßgeblicher Faktor, der in diese Betrachtung mit einfließt. Die Schmierungszustände der einzelnen Versuche sind ebenso ein weiterer Faktor, der das Verhalten deutlich beeinflussen kann. Zur besseren Vergleichbarkeit und Interpretation der bisherigen Ergebnisse wird im Folgenden versucht, möglichst viele Parameter der unterschiedlichen Testmethoden aneinander anzugleichen. Dazu gehören folgende Änderungen der DIN-Parameter: • Hertzsche Pressungen zur Versuchsbeginn • Gleitgeschwindigkeit • Schmierungszustand • Gleitweg • Prüftemperatur • Prüfzeiten D. h. es werden alle Versuche mit den gleichen Anfangsbedingungen gestartet. Diese Prüfserien sind im Moment in Arbeit und werden Bestandteil weiterer Arbeiten in der nahen Zukunft sein. Literatur [Müller16] C. Müller, J.Rigo, P. Feinle: Tribometrie, Studienarbeit am Kompetenzzentrum Tribologie, Sommersemester 2016 [GFT7] GfT-Arbeitsblatt Nr. 7: Tribologie Definitionen, Begriffe, Prüfung; Ausgabe 8/ 2002, Gesellschaft für Tribologie, Moers [Grebe16] M. Grebe: Tribometrie - eine unterschätzte Wissenschaft, GFT-Tagung 2016, Göttingen [Schu11] Schulz J.; Feinle, P.; Hirdt, A.; Rigo, J.; Pfeiffer, G.; Seyfert, C.: Möglichkeiten der Entwicklung von Umformprodukten auf Basis von Prüfmaschinenwerten (GfT-Tagung 2011, Göttingen) [CZHA2010] H. Czichos; K.-H. Habig: .“Tribologie Handbuch“; Vieweg-Verlag, 2010 Aus der Praxis für die Praxis 28 Tribologie + Schmierungstechnik · 65. Jahrgang · 4/ 2018 Fazit und Ausblick Tabelle 4 zeigt ein Ranking der Versuchsmuster nach den jeweiligen Prüfungen. Hieraus wird ersichtlich, dass bei den nur kurze Zeit dauernden Versuchen nach Brugger und der VKA Schweißkraftbestimmung vor allem die Gruppe der additivierten, schwefelhaltigen Öle sehr gut abschneidet. Es ist allerdings auffällig, dass gerade diese Öle bei länger andauernden Versuchen, wie z. B. bei der Verschleißkennwertbestimmung im VKA, recht schlechte Ergebnisse aufzeigen. Diese Erkenntnis ist im Wesentlichen nicht neu, es stellt sich aber durchaus die Frage warum gerade zum Beispiel die Prüfung des Lasttragevermögens im SRV (ASTM D7421) überhaupt nicht mit der Schweißkraftbestimmung im Vierkugelapparat korreliert, obwohl ja gerade auch mit diesem Prüfverfahren die gleichen Eigenschaften abgeprüft werden sollen. Die konkrete Bewertung für die Leistungsfähigkeit eines Schmierstoffes anhand nur einer Prüfmethode fällt somit schwer bzw. kann sich unbewusst in eine ganz andere Richtung entwickeln als gedacht. Hätte man das Muster M1+2%S nur nach ASTM im SRV geprüft wäre es bereits durchs Raster gefallen. Die Rankings von Schmierstoffen werden so nicht klar definierbar und können gezielt, durch die Wahl eines geeigneten Prüfverfahrens, auf- oder abgewertet werden. Bei Prüfungen mit dem SRV fallen, wie bereits erwähnt, generell die mit Schwefel versetzten Schmierstoffe frühzeitig aus. Verschiedene Variationen (Schwefelgehalt) und Konzentrationen der Schwefelträger bestätigten diese Beobachtungen. Auch eine umfangreiche Prüfparametervariation hat dies bestätigt. Da es eine Vielzahl von Größen gibt, welche das Gesamtsystem beeinflussen, wird in Zukunft immer nur eine Variable geändert. D. h. wird zunächst ein Grundöl mit verschiedenen Additiven (immer nur einzeln zugefügt, um Wechselwirkungen zu unterdrücken) unter den Standardbedingungen geprüft. Danach werden die Bedingungen angepasst und die Muster bleiben unverändert. Umfangreiche Oberflächenanalysen der Reibpartner folgen, um auch hier detailliertere Aussagen zu erhalten. Änderungen der Viskosität der Versuchsmuster haben über das gesamte untersuchte Spektrum keinen signifikanten Einfluss gezeigt, daher wird diese in weiteren Untersuchungen nicht mehr variiert. 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