eJournals Tribologie und Schmierungstechnik 66/4-5

Tribologie und Schmierungstechnik
tus
0724-3472
2941-0908
expert verlag Tübingen
91
2019
664-5 Jungk

Festschrift 60 Jahre GfT

91
2019
Christoph Wincierz
tus664-50006
kommunikativen Fähigkeiten gehen wir die Probleme der Gegenwart an der Wurzel an. Heute ist es der Klimawandel, der eine technische Revolution auslöst. Die klimaneutrale Gesellschaft ist eine Menschheitsaufgabe. Die besten technischen Lösungen zu Energieeffizienz und Treibhausgasvermeidung müssen so schnell wie möglich in den Markt gebracht werden - weltweit. Das kann nur erfolgreich gelingen, wenn man den Blick für das Ganze hat und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten optimal ist. Deshalb kann man sicher erwarten, dass den Tribologen auch in den nächsten 60 Jahren die Arbeit nicht ausgehen wird. In diesem Sinne soll diese Festschrift nicht nur einen Rückblick auf die Vergangenheit geben, sondern auch zeigen, wie sich die GfT den aktuellen Herausforderungen stellt und ihren Beitrag an der Gestaltung einer lebenswerten Welt der Zukunft leisten kann. Dr.-ing. Christoph Wincierz, Vorsitzender des Vorstands der GfT 60 Jahre GfT 6 Tribologie + Schmierungstechnik · 66. Jahrgang · 4/ 5/ 2019 Einleitung Die Gründung der „Gesellschaft für Schmiertechnik“, der Vorläuferorganisation der GfT, vor 60 Jahren fällt genau in die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. In der boomenden Wirtschaft der Nachkriegszeit waren sämtliche Produktionsanlagen voll ausgelastet und Ausfälle von Maschinen aufgrund von Verschleiß ein ernstzunehmendes Wachstumshemmnis, weshalb sie mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses rückten. Bald schon zeigte sich jedoch, dass Schmierungstechnik allein die Probleme nicht zu lösen vermochte und das gesamte System betrachtet und verstanden werden musste. Diese Problemstellung war aber nicht nur auf das Deutschland der Wirtschaftswunderjahre begrenzt. Auch in England wurde nur wenig später eine Regierungskommission zur Lösung der verschleißbedingten Probleme eingesetzt. Auch diese erkannte, dass die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen erforderlich war, um wirkliche Fortschritte zu erzielen. Im Zuge dieser Untersuchung prägte Peter Jost, der Leiter der Kommission, den Begriff Tribologie und die Gesellschaft für Schmiertechnik erkannte sofort, dass dieses Wort die eigene Aufgabenstellung viel besser beschreibt, und änderte unmittelbar darauf ihren Namen. Dieser Geist der Interdisziplinarität und Internationalität sowie die holistische Betrachtung zeichnet nach wie vor Tribologen aus. Die Herausforderungen sind universell. Wie kommen Chemiker, Maschinenbauer, Werkstoffwissenschaftler und Physiker zu einem gemeinsamen Verständnis? Wie kann man dieses Verständnis auch über den eigenen Sprachraum hinaus erzielen? In der Nachkriegszeit standen die Zusammenarbeit und das Überwinden von Grenzen auf der Agenda der Völker, in unterschiedlicher Form sicherlich in Ost und West. Gemeinsam war allen Menschen, die die Schrecken zweier Weltkriege erlebt hatten, der Wunsch, nie wieder einen Krieg zu ertragen zu müssen. Verständnis herzustellen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft war der Zeitgeist, den die Tribologen vollständig und in sehr hohem Tempo umsetzten. Auch wenn sich in den letzten Jahren Strömungen in der Politik zeigen, die meinen, dass nationale Gesellschaften sich von den globalen Herausforderungen abkoppeln können, hat sich in der Tribologie bis heute nichts an ihrem Ursprungsgedanken geändert. Mit den uns eigenen Festschrift 60 Jahre GfT Reibung GT TuS_4_5_2019.qxp_T+S_2018 23.08.19 13: 15 Seite 6