eJournals Vox Romanica 55/1

Vox Romanica
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0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
1996
551 Kristol De Stefani

ULRICH HORNKES (ed.), Panorama der Lexikalischen Semantik. Thematische Festschrift aus Anlaß des 60. Geburtstags von Horst Geckeler, Tübingen (Narr) 1995, XXIX + 806 p. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 412)

121
1996
H. Geckeler
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244 Besprechungen - Comptes rendus Dichtung in rein mündlicher Form gelebt hat, bevor sie verschriftet wurde. Bei der kastilischen Lyrik rechnet R. Menendez Pidal mit einem «estado latente» von Jahrhunderten. Die Frage ist deshalb im Zusammenhang mit der hier besprochenen Problematik von besonderem Interesse, weil auch mündliche Traditionen, welche lange dauern, durch Herausbildung anerkannter Formalisierungselemente (Rhythmus, Versmaß, Reim etc.) sowie mehr oder weniger geschlossener Weltvorstellungen zu dem führen, was P. Koch «distance communicative» nennt. Man wartet gespannt auf weitere Ergebnisse der romanistischen Abteilung des Sonderforschungsbereichs «Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit», ganz besonders auf die Publikation des Inventaire systematique des premiers documents des langues romanes, das demnächst in 13 Bänden erscheinen soll 9 • G. Hilty * ULRICH HorNKES (ed.), Panorama der Lexikalischen Semantik. Thematische Festschrift aus Anlaß des 60. Geburtstags von Horst Geckeler, Tübingen (Narr) 1995, xxrx + 806 p. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 412)* Ulrich Hoinkes hat so frühzeitig die Initiative ergriffen, die Arbeiten zu der für meinen 60. Geburtstag geplanten thematisch ausgerichteten Festschrift in die Wege zu leiten, daß sie mir in der Tat an meinem Geburtstag selbst in einem eindrucksvollen akademischen Festakt mit anschließendem zweitägigem Semantik-Kolloquium (die Vorbereitung der Akten zur Veröffentlichung ist im Gange) übergeben werden konnte. Als Thema der Festgabe wurde die lexikalische Semantik, das konstanteste meiner Arbeitsfelder, in ihrer ganzen Breite festgelegt, so daß von dem vorliegenden Werk ein repräsentatives Spektrum dieses höchst aktiven Zweiges der heutigen Sprachwissenschaft erwartet werden darf. Der vom Gunter Narr Verlag vorzüglich ausgestattete Band enthält zu Beginn eine Kohlezeichnung des Geehrten von der bekannten Münsteraner Künstlerin Dore Miething- Buschmann, in der er sich sehr gut getroffen wiederfindet. Nach dem Inhaltsverzeichnis (v-rx) legt Herr Hoinkes im «Vorwort des Herausgebers» (xr-xm) die Zielsetzung und die Entstehungsgeschichte der Festschrift dar. Die «Laudatio auf Horst Geckeler» (xv-xvrn) meines seit über zwanzig Jahren unmittelbaren Fachkollegen am Romanischen Seminar der Universität Münster, Wolf Dietrich, gibt einen schönen, von freundschaftlicher Atmosphäre geprägten Überblick über meinen Werdegang. Mein Schriftenverzeichnis (xrxxxv) und die Tabula gratulatoria (xxvn-xxrx) beschließen den einleitenden Teil. Die Festschrift enthält sehr sinnig konzipiert - 60 Beiträge zu meinem 60. Geburtstag von 61 Beiträgern (ein Aufsatz ist eine Gemeinschaftsarbeit von zwei Autoren) fast aus aller Welt; drei Beiträger durften das Erscheinen des Bandes nicht mehr erleben. Viele der Autoren sind Gestirne erster Größenordnung in unserer Wissenschaft. Die Beiträge betreffen mit zwei Ausnahmen -Themen der lexikalischen Semantik im weitesten Sinne. Die Artikel sind in der Festschrift alphabetisch nach den Namen der Verfasser angeordnet. Nachfolgend versuche ich in dieser Besprechung, die Beiträge thematisch zu gruppieren und sie knapp vorzustellen. Bei manchen Artikeln wäre eine Mehrfacheinordnung 9 Cf. RF 105 (1993): 249 N48. * Die Herausgeber der Vox Romanica haben Horst Geckeler gebeten, in guter alter inzwischen außer Gebrauch gekommener - Manier die ihm gewidmete Festschrift selbst zu besprechen. Wir freuen uns sehr, daß er unserer Bitte nachgekommen ist und diese schwierige und zeitraubende Aufgabe auf sich genommen hat. Besprechungen - Comptes rendus 245 möglich, da ihr Thema verschiedene der hier vorgenommenen Gruppierungen betrifft; ich ordne sie prinzipiell aber nur einer Rubrik zu. Was die Verteilung der Sprachen der Beiträge betrifft, so sind 38 Aufsätze auf deutsch, acht auf französisch, acht auf spanisch, vier auf englisch, einer auf italienisch und einer auf katalanisch verfaßt. 1. Wortfeldstudien, z. T. mit Modifizierungsvorschlägen WOLF DIETRICH, «Das französische Wortfeld savoirlconnaftre in seinem paradigmatischen 'Umfeld'» (141-49): Dieser Beitrag ist eine Wiederaufnahme und Verfeinerung der schon 1977 auf dem Internationalen Romanistenkongreß in Rio de Janeiro vorgetragenen skizzenhaften Analyse des französischen Wortfeldes savoirlconnaftre. Besonders hervorzuheben an dieser Studie ist zum einen die Tatsache, daß ein Vergleich mit der Gliederung des Bedeutungsbereichs von savoir und connaftre in verschiedenen recht unterschiedlichen Sprachen gezogen wird, zum andern, daß eine Einbettung in das «umfassendere Wortfeld der Verben der geistigen Tätigkeit» (146) (schematische Darstellung auf p. 148) vorgenommen wird, wo die beiden Verben der Dimension «presence a l'esprit» zugeordnet werden. - NELSON CARTAGENA, «Acerca de! campo de Ja vivienda en espafiol actual: los establecimientos de hospedaje temporal pagado» (87-100): Der Verfasser untersucht im peninsularen Spanisch aus dem umfangreichen Wortfeld «Wohnung» das Unterfeld «Einrichtungen für zeitlich begrenzte Beherbergung gegen Bezahlung». Für die strukturell-semantische Analyse reduziert er das Lexeminventar schließlich auf folgende 9 Einheiten: hotel, aparthotel, parador, motel, hostal, fonda, pensi6n, hospederia, albergue, die er mit Hilfe von 15 Semen beschreibt (vgl. die Ergebnisse in Matrixform auf p. 98). - HARALD WEYDT/ BRI- GITTE SCHLIEBEN-LANGE, «Hoch tiefniedrig. Primäre und metaphorische Bedeutungen von antonymischen Adjektiven» (715-43): Höchst interessante Beschreibung der primären und metaphorischen Bedeutungen der Dimensionsadjektive des Deutschen auf empirischer Basis (Fragebogenenquete bei Studierenden und Schülern); in die Analyse werden insbesondere folgende Adjektive einbezogen: hoch, tief, niedrig, lang, kurz, breit, schmal, weit, eng, dick, dünn, groß, klein. Als wichtiges Ergebnis wird festgehalten: Die Dreidimensionalität wird aufgelöst entweder in eine Zweidimensionalität + eine weitere Dimension oder in eine Dimension + Zweidimensionalität. - MARIA GRoSSMANN, «Il campo lessicale giovane nuovo vecchio in ungherese» (207-25): Analyse des extrem reichen Wortfeldes «jung neu alt» im Ungarischen. Die Autorin analysiert 177 Lexeme und faßt ihre Ergebnisse in alphabetischer Anordnung der Lexeme in Matrixform (217-24) zusammen. Sehr systematische und konzis durchgeführte Untersuchung schade nur, wenn man des Ungarischen nicht mächtig ist. - LEONHARD LIPKA, «Die Semantik und Pragmatik von speak und talk im heutigen Englisch: Ein kognitiver Versuch» (431-48): Untersuchung der auf speak und talk beschränkten Sprechverben im heutigen Englisch (say, teil, utter, express werden nur gelegentlich herangezogen) unter Rekurs auf «pragmatische Aspekte» und auf eine «kognitive Ebene», mit dem Ziel, dadurch die «Grenzen einer sprachimmanenten Semantik» (431) zu überschreiten. - GuDRUN KRASSIN, «Der Einfluß der Verbvalenz auf die Feldzugehörigkeit» (413-25): Die Verfasserin plädiert für die Einbeziehung der vor allem semantischen Valenzbestimmung nach neueren Ansätzen, um die Leistungsfähigkeit der Wortfeldmethode hinsichtlich des verbalen Wortschatzes zu erhöhen. Frau Krassin hat hier bereits in ihrer unter meiner Betreuung entstandenen Münsteraner Dissertation Das Wortfeld der Fortbewegungsverben im modernen Französisch, Frankfurt a.M. 1984, vorgearbeitet. 2. Grundfragen der strukturellen Semantik und deren Diskussion EuGENIO CosER1U, «Defensa de Ja Lexematica. Lo acertado nes acerca de la semantica estructural en �0pmrn„ lo err6neo en las discusio- Autor greift in überzeu- 246 Besprechungen - Comptes rendus gender Weise klärend in vieldiskutierte Grundfragen der strukturellen Semantik (wie z.B. das Verhältnis von Wortfeld zu lexikalischer Klasse) ein und verweist auf Fortschritte in der Theorie insbesondere im Bereich der «lexematischen Solidaritäten», die dem spanischen Linguisten Gregorio Salvador, dem Begründer der «Escuela de Semantica de la Universidad de La Laguna», zu verdanken sind. - HrLTRAUD DuPUY-ENGELHARDT, «Zur Beschreibung lexikalischer Bedeutung» (151-57): Die Autorin diskutiert Grundelemente der strukturellen Semantik wie Archilexem, Dimension, Sem, Klassem und schlägt Weiterentwicklungen vor, die sie in ihrer Monographie La saisie de l'audible. Etude lexematique de l'allemand, Tübingen 1990, vorbereitet hat. - BERND SPILLNER, «Zum methodischen und terminologischen Standort der Lexikologie» (613-17): Herr Spillner setzt der von ihm konstatierten «terminologischen Verwirrung» in der Lexikologie den Vorschlag einer strengen Unterscheidung «zwischen dem Wortschatz als Menge der einem Sprachteilhaber bzw. einer Sprachgemeinschaft mental präsenten autosemantischen Zeichen, der Lexik als entsprechendem Gegenstandsbereich der theoretisch-linguistischen Deskription und dem Wörterbuch als Resultat der lexikographischen Kodifizierung» (614) entgegen. - HELMUT GrPPER, «Was hat den Vorrang: Wort oder Satz? Zu einem alten, aber entscheidbaren Meinungsstreit» (195-205): Der Autor diskutiert diese alte Streitfrage und begründet die Priorität des Wortes vor dem Satz genetisch am Spracherlernungsprozeß beim Kind, weist aber darauf hin, daß bereits das erste Wort des Kindes «Aussagecharakter enthält» (204). - RAMON TRUJILLO, «Diccionario y semantica cientifica» (681-96): Diskussion grundsätzlicher Fragen der Semantik wie der des Verhältnisses von einheitlicher Bedeutung und Bedeutungsvarianten (am Beispiel von span. dar und producir) und deren Anwendung in der Lexikographie. Kritische Bewertung der Lexikonartikel agudo und entender des DRAE auf dieser Basis: einerseits die einheitliche Bedeutung des Lexems und andererseits die davon abgeleiteten, durch den sprachlichen Kontext und/ oder die Situation bedingten Bedeutungsvarianten (eine Form von Polysemie). - ULRICH HOINKES, «Immer wieder 'Stuhl' ... Zur Kontinuität eines Beispiels in der Lexikalischen Semantik» (307-28): Die verschiedenen Studien zu den Bezeichnungen der Sitzgelegenheiten von H.Gipper, B.Pottier, M.Faust, W. v.Held, Chr. Schwarze, G.Kleiber werden kritisch kommentiert, und eine eigene Analyse wird auf der Grundlage von drei Dimensionen («physisch», «psychisch», «sozial») angeboten. Der Verfasser betont, daß «eine modern verstandene strukturelle Linguistik durchaus für die Integration ergänzender Beschreibungsmethoden offen ist» (328). - PETER WuNDERLI, «Strukturelle Semantik, Polysemie und Architektur der Sprache. Zu einigen aktuellen Problemen der Bedeutungsanalyse» (791-806): Einer positiven Einschätzung der strukturellen Semantik stellt der Autor das gleichzeitige Aufzeigen von Schwierigkeiten an dieser Methode in der Wortfeldforschung gegenüber: die Frage der Feldgrenzen, die Bewertung der Terminologien (Vorschlag einer skalaren Sichtweise), Polysemie und Feldzugehörigkeit, hierarchische Strukturen, Folgen der sprachlichen Variation für die strukturelle Semantik. Der Verfasser will durch diese Erörterungen der strukturellen Semantik «neue Impulse» (804) geben. - JENS LüDTKE, «Zur Geschichte des spanischen Wortschatzes in Amerika» (449-59): Der Autor macht an gut ausgewählten Wortbeispielen aus der frühen spanischen Kolonialzeit plausibel, daß die Entwicklung des spanischen Wortschatzes in Hispanoamerika «unter fachsprachlichen Bedingungen stattfand» (458). Lüdtkes theoretischer Rahmen ist der der strukturellen Semantik der Tübinger Schule; er zeigt aber, daß diese Prinzipien nur zum Teil auf diese Untersuchung anwendbar sind, da das Spanische Amerikas jener Zeit noch «vor seiner Konsolidierung» (458) stand, also kein homogenes Untersuchungsobjekt darstellt. - BRUNO STAIB, «Speziesnamen - Ein Problem der lexikalischen Semantik» (619-31): Behandlung des Problems der Bezeichnungen der Tierspezies in der strukturellen Semantik, v.a. an den Beispielen frz. cheval, bCEuf und poule unter Rückgriff auf Coserius sehr hilfreiche Klassifizierung der funktionellen sprachlichen Einheiten in die Ebene der Ein- Besprechungen - Comptes rendus 247 heiten, die Ebene der Archieinheiten und die Ebene der Hypoeinheiten (hier erscheinen die Subdistinktionen primärer Einheiten). - HARALD TttuN, «Sekundäre semantische Präsenz in Fixierten Wortgefügen» (667-80): Der Verfasser verfeinert in seinem Beitrag ein Thema aus seiner Doktorarbeit zur Phraseologie (Tübingen 1978). Hier behandelt und klassifiziert er die «sekundäre semantische Präsenz» in fixierten Wortgefügen und kann zeigen, daß die Typen der sekundären semantischen Präsenz eine Reihe bilden, «deren Kennzeichen die zunehmende funktionale Unabhängigkeit der Komponenten ist» (671), dies alles illustriert mit reichem Beispielmaterial aus den romanischen Sprachen. - BER- NARD PoTTIER, «Metaphore abstraite, typicite et pertinence semique» (529-36): Aus diesem Beitrag weisen wir besonders auf zwei Themen hin, die der Autor in der für ihn charakteristischen konzisen Weise behandelt: 1° die abstrakte Metaphorik von span. puente wird als «liaison entre deux supports» (530), die von span. abanico als «extension largement parcourue» (531) bestimmt; 2 ° er verfolgt in drei Fällen (span. acentuar[se}, dejarse + Infinitiv, negativamente) den Weg der Lexeme zu einer «Grammatikalisierung» (acentuar[sej wird mit negativ besetzten Objekten kombiniert, z.B. acentuar + descontento). - HANS-MARTIN GAUGER, «Über eine neue Semantik» (185-93): Gauger entwickelt hier entgegen einer vorschnellen Erwartung keine neue Semantik, sondern geistreich wie immer kommentiert und situiert er aus europäischer Perspektive das Werk von W.FRAWLEY, Linguistic Semantics, Hillsdale/N.J. 1992, und hält den Blick darauf geschärft, wo sich eine ihn besonders interessierende «bewußtseinsorientierte Sicht» (192) in dieser Semantik andeutet. - YosHIHIKO lKEGAMI, «Apresjan's 'Champ semantique structure' and the Iconicity Principle» (373-77): Ikegami diskutiert in seinem Beitrag den Aufsatz «Analyse distributionnelle des significations et champs semantiques structures» von J. Apresjan aus dem Jahr 1966 und zeigt daran «both the potentiality and limitation of the structuralist methods» (377), wobei zu ergänzen wäre, daß es sich um die Möglichkeiten und Begrenzungen einer bestimmten strukturalistischen Methode, nämlich der von Apresjan, handelt. Unter dem Gesichtspunkt der «potentiality» führt Ikegami an, daß Apresjan bereits ein bestimmtes Prinzip der kognitiven Semantik vorweggenommen habe. - CHRISTIAN RoHRER, «Mehrdeutige Wörter in der maschinellen Übersetzung» (551-65): Der Verfasser bespricht Desambiguierungsverfahren zur Auflösung von lexikalischen Mehrdeutigkeiten verschiedener Schwierigkeitsgrade im Hinblick auf die maschinelle Übersetzung, illustriert an deutschen, französischen und englischen Beispielen. 3. Andere bzw. teilweise andere Ansätze in der Semantik EDDA WEIGAND, «Grundfragen einer lexikalischen Semantik auf handlungstheoretischer Basis» (697-714): Die Autorin ordnet in ihr «Modell für die Beschreibung des Gesamtwortschatzes auf handlungstheoretischer Basis» (697) den Wortschatz als Prädikationsfelder in die propositionale Funktion des Prädizierens ein. Bei den Prädikationsfeldern sieht sie als oberste Unterscheidung die zwischen Veränderung und Eigenschaft/Zustand. Als Aufgabe der lexikalischen Semantik formuliert sie: «Die lexikalische Semantik beschreibt somit einzelsprachliche lexikalische Ausdrücke in ihren Verwendungsweisen für nichteinzelsprachliche Bedeutungspositionen» (711). Die Bedeutungspositionen fungieren als tertium comparationis. - LEOCADIO MARTIN MrNGORANCE, «Lexical logic and structural semantics. Methodological underpinnings in the structuring of a lexical database for natural language processing» (461-74): Der Autor vertritt ein sehr komplexes Dreistufenmodell der lexikalischen Analyse, in welches er E. Coserius Lexematik, S. C. Diks funktionelle Grammatik und die kognitive Linguistik integriert. - GERD WoTJAK, «Microestructuras y medioestructuras semanticas» (779-90): In einem sehr theoretisch gehaltenen Beitrag bestimmt der Verfasser den Standort der strukturellen Semantik im Verhältnis zu seiner eigenen Konzeption der Semantik und zu anderen Ansätzen. Unter Mikrostruktu- 248 Besprechungen - Comptes rendus ren versteht er Sememe, unter Makrostrukturen Wortfelder; seine semantischen Mediostrukturen entsprechen in etwa Baldingers «semasiologischem Feld». 3.1. Mit Bezug auf die Prototypensemantik (vgl. dazu auch die Beiträge von Gauger, Hoinkes, Ikegami, Lipka, Martin Mingorance, Oesterreicher) JöRN ALBRECHT, «Le frani;;ais langue abstraite? Neue Antworten auf eine alte Frage aus der Sicht der Prototypensemantik» (23-40): Der Verfasser nimmt nach 25 Jahren das Thema seiner Dissertation «Le frani;;ais langue abstraite? » wieder auf und will überprüfen, «ob und inwiefern die Prototypensemantik dazu beitragen kann, ein neues Licht auf das hier erörterte Thema [eingeschränkt auf den ,Al! gemeinheitsgrad> der Wörter] zu werfen» (25, 29). Während Albrecht zunächst in der «vertikalen Klassifikation» den «wirklich innovativen Beitrag der Prototypensemantik zur Sprachwissenschaft» (28) sehen will, relativiert er diese vermeintliche Errungenschaft am Ende seines Beitrages wieder. Interessant aus dieser Perspektive ist die Diskussion des Racineschen Wortschatzes in Phedre im Vergleich mit den entsprechenden Übersetzungen. Die These vom «abstrakten» Charakter des Französischen betrifft nach Albrecht «bestenfalls den Stil einiger klassischer französischer Autoren» (38). - GEROLD HILTY, «Die Bedeutung von spanisch silla» (293- 302): Darlegung seiner Auffassung der Wortbedeutung an dem von ihm entwickelten Trapezmodell. Hiltys «syntagmatischen» Ansatz würden wir als semasiologischen bezeichnen, ähnlich den Desambiguierungsarboreszenzen von z.B. Katz/ Fodor. Dieser Ansatz wird aufgezeigt am Beispiel span. silla, mit bewußter Bezugnahme auf Pottiers bzw. Baldingers entsprechende Analysen. Der Autor hebt seine «syntagmatische Analyse» deutlich gegen die Prototypensemantik ab. 4. Zu den Inhaltsrelationen Synonymie MIGUEL CAsAs G6MEZ, «Implicaciones lexicas de los niveles del significar» (101-12): Der Autor diskutiert im Rahmen der strukturellen Semantik der Tübinger Schule und unter Einbeziehung der Semantik von J. Lyons insbesondere die Begriffe Bedeutung/ Bezeichnung/ Sinn sowie Synonymie. Er plädiert für eine Trennung von «designatum» und «denotatum». Absolute Synonymie die er «freie Variation» nennt sieht er in der Terminologie gegeben. - JuRIJ D. APRESJAN, «The Semantics of Hope in Russian: a Group of Synonyms» (41-55): Präsentiert das Modell eines neuen erklärenden Synonymenwörterbuchs des Russischen, illustriert an der Synonymengruppe der russischen Verben des Hoffens. Wenn dieses Projekt, in dem jeder Eintrag in 10 «Zonen» differenziert wird, einmal realisiert sein wird, wird es eine gewaltige Leistung an lexikalischer Analyse des Russischen darstellen. - ANTONI M. BADIA I MARGARIT, «Entorn de les equivalencies sinonimiques en les Regles de esquivar vocables (ca. 1492)» (57-63): Philologisch-linguistische Untersuchung unterschiedlicher Arten von Synonymen einer historischen Sprachstufe des Katalanischen. 5. Lexikalische Typologie VLADIMIR GAK, «Typologie des divergences lexicales entre les langues romanes dans l'optique onomasiologique» (175-83): Untersuchung der lexikalischen Divergenzen und Konvergenzen der fünf großen romanischen Sprachen (Frz., Span., Ital., Port., Rum.) auf der Basis von 1000 heute gebräuchlichen Wörterbuchentsprechungen in onomasiologischer Sicht. Die Analyse wurde nach sieben Kategorien mit 52 prinzipiell möglichen Konfigurationen vorgenommen. Die Ergebnisse bestätigen weitgehend die von G. Rohlfs auf andere Weise erzielten Resultate. Die Zuverlässigkeit einer solchen Untersuchung hängt natürlich von der Qualität des zugrundegelegten Wörterbuches ab. Besprechungen - Comptes rendus 249 6. Wortgeschichte, diachrone Semantik und Volksetymologie STEVEN N. DwoRKIN, «Tue Role of Grammatical Category and Semantic Features in Lexical Loss: Old Spanish Primary Adjectives» (159-67): Untersuchung der für den Wortuntergang von 50 altspanischen primären, d.h. nicht-abgeleiteten Adjektiven verantwortlichen Faktoren. Während Malkiel in ähnlichen Studien vor allem die materiellen Faktoren hervorhob, insistiert Dworkin vielmehr auf den semantischen. - MARIUS SALA, «Sprachkontakte und die Umgestaltung semantischer Strukturen» (575-78): Kurze Studie zur diachronen strukturellen Semantik, in der der Autor an ausgewählten romanischen Beispielen «die Auswirkungen des Sprachkontaktes auf die Neuorganisation semantischer Strukturen» (575) aufzeigt. Folgende Möglichkeiten werden behandelt: einfache Ersetzung des signifiant, Entstehung einer neuen Opposition, Bewahrung und Verstärkung einer bestehenden Opposition, Schwund einer Opposition. - CHRISTIAN SCHMITT, «Bedeutungsentwicklung wider besseres Wissen. Wie aus nahrhaftem Obst ungesunde Früchte werden (können)» (579-87): Kulturgeschichtlich-volkskundlich ansetzende Studie, in der zunächst aufgezeigt wird, daß in der Romania (auch in der Romania submersa, nicht aber in Rumänien), ganz im Gegensatz zur Germania, Nuß und Nußbaum im Volksbzw. Aberglauben als schädlich angesehen werden. Der Verfasser führt diesen Volksglauben, der im Widerspruch zur üblichen Verwendung von Nüssen in Backwerk steht, auf die volksetymologische Interpretation des lautlichen Zusammenfalls von lat. NUCEM mit dem Stamm des lat. Verbs NOCERE zurück (so schon bei Isidor von Sevilla) diese Homophonie entstand gerade nicht im Rumänischen. 7. Zur Geschichte der Semantik WERNER HÜLLEN, «Die semantische Komponente der Universalsprache von John Wilkins» (329-45): Der Autor befaßt sich historiographisch und sprachsystematisch mit John Wilkins' An Essay Towards a Real Character, and a Philosophical Language (1668) und hebt dessen Wichtigkeit für das Entwerfen von Universalsprachen sowie dessen bedeutende Rolle für die Lexikographie und die Lexikologie/ Semantik hervor. Wilkins steht historiographisch in der onomasiologischen Tradition. Die «Tables» des Essays können auf der Ebene der «species» geradezu als Wortfelder des Englischen gelesen werden. Einern größeren Publikum bekannt gemacht wurde Wilkins in letzter Zeit auch durch das ihm gewidmete Kapitel 12 in U.Eco, Die Suche nach der vollkommenen Sprache, München 2 1994. - PETER ScHMITTER, «Von der Hermeneutik zur Semasiologie. Aspekte der Entwicklung von semantischen Forschungsprogrammen in der Zeit um 1800» (589-603): Der Verfasser macht in einer sprachwissenschaftsgeschichtlichen Studie plausibel, daß Christian Karl Reisigs Begründung der Semasiologie als eigenständige sprachwissenschaftliche Disziplin (vor 1829) keinen punktuellen Anfang darstellt, sondern daß er sich auf eine entsprechende Arbeit aus dem Jahre 1820 des klassischen Philologen Georg David Koeler aus Detmold hat stützen können. Es wird gezeigt, daß Hermeneutik (bei Koeler und Wolf) als Vorläufer von Semasiologie anzusehen ist. - PIERRE SwIGGERS, «L'enjeu de la semantique chez Michel Breal» (651-65): Sympathetische und doch kritische retrospektivische Betrachtung von MICHEL BREAL, Essai de semantique (Paris 1897), von einem ausgezeichneten Kenner der Geschichte der Sprachwissenschaft. - CLEMENS-PETER HER- BERMANN, «Felder und Wörter» (263-91): Wissenschaftsgeschichtlicher Versuch, in der Geschichte der Wortfeldforschung fünf verschiedene Wortfeldmodelle herauszuarbeiten. Die Differenzierung zwischen den drei ersten Modellen erscheint mir nicht genügend begründet. Sehr überzeugend dagegen das Aufzeigen der Metaphorik des Terminus «Feld» und ihres historischen Kontextes. Bei Lutzeier sieht Herbermann die Auflösung des Feldbegriffs gegeben. 250 8. Einzelwortstudien 8.1. Synchron-aktuell Besprechungen - Comptes rendus JACQUELINE PrcoCHE, «Porter, verbe de mouvement» (517-28): Die Autorin betont in ihrer detaillierten Analyse des französischen Verbs porter die Priorität der Semantik vor der Syntax im Gegensatz zur Darstellung dieses Verbs in den großen einsprachigen Wörterbüchern des Französischen. Sie konzipierte die vorliegende Beschreibung als einen Modellartikel für das von ihr geplante Dictionnaire des mots de haute frequence. - FRANZ HuNDSNURSCHER, «Das Gebrauchsprofil der Wörter. Überlegungen zur Methodologie der wortsemantischen Beschreibung» (347-60): Der Münsteraner Germanist erstellt ein «Gebrauchsprofil» des deutschen Adjektivs alt auf der Materialbasis von Günter Grass' Die Blechtrommel, von Kleists Dramen und Erzählungen sowie dem Adelungsehen Wörterbuch. Unter «Gebrauchsprofil» versteht er die Darstellung der Gebrauchsweisen eines Wortes (vgl. dazu meinen Beitrag in Der Gebrauch der Sprache. Festschrift für Franz Hundsnurscher zum 60. Geburtstag, Münster 1995, 108-20). -Aoouo ELIZAINCIN, «Sobre la semantica de! lexico bilingüe: el caso de! esp. port. caprichoso» (169-74, mit 2 Karten): Unser Kollege und Freund aus Montevideo untersucht die Verwendung des sowohl spanischen als auch portugiesischen Adjektivs caprichoso (spanisch: 'launisch', portugiesisch: 'akkurat') in der «zona fronteriza» in Uruguay nahe der Grenze zu Brasilien. In dieser zweisprachigen Kontaktzone ist die Kenntnis der jeweiligen Bedeutung dieses Adjektivs unterschiedlich; zweisprachige Sprecher orientieren sich an der Aussprache des Wortes mit [tf] bzw. [f]. Der Verfasser stützt sich auf Materialien aus dem von ihm und H. Thun konzipierten und zum Teil schon realisierten Atlas lingüistico Diat6pico y Diastrdtico del Uruguay. - GEORG KREMNITZ, «Abricot und merle. Strategien von Sprechern zur Bezeichnung neuer Realitäten» (427-30): Der Untertitel des Beitrags gibt die Intention des Beitrags wieder; illustriert werden solche Strategien an den Wortbeispielen abricot und merle in der Sprache der Französischen Antillen. Der Verfasser sieht hier das Prinzip der «signifiance» am Werke. 8.2. Synchron-historisch GrLLES RoQUES, «Une description semantique: le cas de l'adjectif frarn; ais cointe» (567- 74): Der Autor erstellt auf der Basis von mehr als 1000 Belegen «le tableau des emplois» (567) (Franz Hundsnurscher würde «Gebrauchsprofil» sagen) des altfranzösischen Adjektivs cointe, daneben auch jenes des altokzitanischen coinde, jeweils unter Angabe der Quellen. Er spricht von cointe als von einem «mot litteraire», «un de ces termes qui caracterisent la civilisation du Moyen Age» (567). 8.3. Diachron WOLFGANG ScHWEICKARD, «lt. cazzo» (605-12): Der Verfasser legt eine reichdokumentierte Wortmonographie zu italienisch cazza 'membrum virile' vor, fast im Stile eines Wörterbuchartikels aus Max Pfisters Lessico etimologico italiano. - MANFRED HöFLER, «Fr. estudiantin: Entlehnung aus dem Spanischen oder innerfranzösische Wortbildung? » (303-06): Dieser Beitrag stellt eine Klärung der Entstehung des in den historischen Wörterbüchern meist als aus dem Spanischen übernommen angegebenen französischen Adjektivs estudiantin als innerfranzösische Ableitung auf latinisierender Wortbildungsgrundlage zu etudiant dar. Höfler zitiert als Erstdatierung das Jahr 1934. 9. Zur Wortbildung DIETER KASTOVSKY, «Wortbildungssemantik: Ein historischer Lagebericht» (385-98): Kurzer Forschungsbericht zur Wortbildung, wobei als Richtungen hauptsächlich die Ansätze der «beiden Tübinger Schulen» behandelt werden (der Beiträger und der Adressat kom- Besprechungen - Comptes rendus 251 men aus diesen Schulen). Coserius und Marchands Ansätze werden dargestellt und verglichen und mit Ausblicken auf andere Ansätze ergänzt. Als Fazit wird festgehalten: «Syntaktisch-semantische und lexikalisch-semantische Beschreibungen unter Einschluß des pragmatischen Aspekts sind daher keine sich gegenseitig ausschließende Alternativen, sondern komplementäre Beschreibungsebenen oder besser, Beschreibungsdimensionen» (395). -KuRT BALDINGER, «Das Argotsuffix -zingue (von etre dans les brindezingues 'etre ivre' über banquezingue 'banquier' bis zu pompezingue 'pompier', papezingue 'papier' und plumzingue 'plumard')» (65-75): Philologisch-etymologische Studie des Argotsuffixes -zingue, das -wie der Argot allgemein im FEW vernachlässigt wurde. Dieses Wortbildungselement ist meist im Suffixwechsel nachweisbar (z.B. banquier � banquezingue) mit deutlicher Markierung der affektiven Stilebene als Argot. Das reiche Belegmaterial nimmt Baldinger meist aus San Antonio. 10. Semantik und Semiotik auf Textebene SoRIN STATI, «Semantique et rhetorique: apropos des röles argumentatifs» (633-40): Der Verfasser entwickelt für die Satz- und Textanalyse eine zu den bekannten obligatorischen Funktionen hinzukommende fakultative Ebene, die er «niveau argumentatif ou rhetorique» nennt. In Erscheinung tritt diese Ebene durch die «röles argumentifs» wie die folgenden: «these, preuve, justification, explication, objection, critique, rectification» u.a. Beispiele dafür gibt Stati aus französischen literarischen Texten. - LISA BLOCK DE BEHAR, «Algunas observaciones sobre signos en mutaci6n y en movimiento» (77-85): Linguistischästhetische Überlegungen zur Vielfalt textlicher Interaktion zwischen Sprache und Bild (z.B. auch im Film). 11. Semantik und Varietätenbzw. Variationslinguistik WuLF ÜESTERREICHER, «Blinde Flecken der historischen Wortforschung oder: Die Angst des Linguisten vor der Sprachvariation. Am Beispiel der Lexik des Spanischen in Amerika (16.Jahrhundert)» (489-516): In einer programmatischen und sehr kritischen Arbeit setzt Oesterreicher der traditionellen historischen Wortforschung, deren «Erkenntnisblockaden» gar zu «Erkenntnisverzicht» führen, eine historische Wortforschung in Gestalt einer historischen Varietätenlinguistik gegenüber, deren Fundament der «Zusammenhang zwischen Varietätenwahl und Diskurstradition, Schreibkompetenz und Textsituierung» (511) darstelle. Der Verfasser veranschaulicht seine Konzeption an kritischen Analysen lexikalischer Beispiele (Wortschatz des «mestizaje») aus hispanoamerikanischen Berichten und Chroniken des 16.Jahrhunderts. - THOMAS STEHL, «Sprachdynamik in Frankreich und Italien: Zur Funktion des Wortschatzes im Konvergenzprozeß» (641-50): Der Autor fordert eine «konstruktive und dynamische Verbindung der strukturellen Semantik mit der Variationslinguistik». Dadurch könnte «die strukturelle Semantik zu einer Vorreiterdisziplin der historischen romanischen Sprachwissenschaft werden» (648). Er bespricht zwei Beispiele für die Möglichkeit einer lexematischen Beschreibung von Interferenzvarietäten der Pluriglossie aus dem südwestlichen Perigord und aus Apulien. 12. Sprachvergleich und Übersetzung KLAUS HEGER, «Zur Klassifizierung von Verben der gerichteten Fortbewegung» (227-44): Der Verfasser zeigt die Möglichkeiten (1080-6480 mögliche Kombinationen) der onomasiologischen Abbildung der Verben der gerichteten Fortbewegung auf noematische tertia comparationis auf (dargestellt anhand der bekannten Hegerschen Aktantenmodell-Notation). Gedacht ist die Unternehmung für den Vergleich verschiedener Einzelsprachen. - ALAIN DELIGNE, «Le concept hegelien d"Aufhebung' en frarn; ais: des dangers de Ja conceptualisation en traduction» (125-39): In einem sehr densen Beitrag behandelt der Autor 252 Besprechungen - Comptes rendus Probleme bei der Übersetznng des Hegelschen Begriffes aufheben bzw. Aufhebung ins Französische, aus übersetzungswissenschaftlicher und philosophischer Sicht. - GERHARD RESSEL, «Deutsche philosophische Literatur in serbokroatischer Übersetzung lexikalische Einflüsse und semantische Probleme» (537-49): Übersetzungskritische Studie auf lexikalisch-semantischer Basis zu neueren Übersetzungen klassischer deutscher philosophischer Texte ins Serbokroatische, konkret aufgezeigt an zwei verschiedenen serbokroatischen Übersetzungen von Kants Kritik der praktischen Vernunft. - RUDOLF WINDISCH, «Die Wiedergabe französischer Partizipialkonstruktionen auf -ant und en -ant im Deutschen» (757-78): Der Verfasser behandelt «participe present» und «gerondif» im Französischen und zeigt dann die Übersetzungsmöglichkeiten dieser beiden französischen Konstruktionen im Deutschen anhand eines Vergleichs von Michel Butors Roman La modification mit der deutschen Übersetzung auf. Der Beitrag fällt etwas aus dem thematischen Rahmen heraus. 13. Fachsprache und Terminologie SrGURD WrcHTER, «Überlegungen zu einer vergleichenden Semantik» (745-55): Der Autor entwirft ein sehr differenziertes Verfahren zum Vergleich von Wissensbeständen aus dem Bereich der «vertikalen Variation» («Variation von Wissen je nach Zugehörigkeit zu einem Niveau auf der Skala zwischen höchstem Expertenniveau und einfachstem Laienniveau», 746), in dem sich eine «vergleichende Semantik» allerdings nicht erschöpfen darf. Diese muß sich auch mit der «Erklärung von Entwicklung, Existenz und Spezifik zu vergleichender Wissensbestände» (752) befassen. Es handelt sich hier um einen komplexen Ansatz für die Untersuchung von Fachsprachen. - GusTAV INEICHEN, «Terminologie und Begrifflichkeit in der Linguistik des sephardischen Spanisch» (379-84): Gut dokumentierter Überblick über die große terminologische Vielfalt der Bezeichnungen des «Judenspanisch» (mit reicher Bibliographie). 14. Namenforschung DIETER KATTENBUSCH, «Semantische Transparenz von Toponymen: die Seychellen» (399- 411): Ein interessantes Kapitel der Namenforschung aus kolonialer Zeit, am Beispiel der Seychellen. Der Autor plädiert zu Recht für eine stärkere Integration der Onomastik in den universitären Unterricht, da diese im Schnittpunkt verschiedener Wissenschaften steht. - OLGA MoRI, «El lexico en la formaci6n de nombres propios inoficiales» (475-87): Sehr systematische Behandlung der Bildungsmöglichkeiten von Spitznamen (span. apodos) im argentinischen Spanisch auf der Grundlage eines Corpus von ca. 800 Beispielen aus Baradero (Provinz Buenos Aires) mit guten Interpretationen einzelner Spitznamen. 15. Didaktik des Wortschatzes FRITZ ABEL, «L'objet de l'enseignement du vocabulaire dans l'enseignement scolaire du franfais en Allemagne. (Grundkurs Fachdidaktik Französisch I, Chapitre 6)» (1-21): Herr Abel bespricht hier die Wortschatzkomponente des von ihm entworfenen Grundkurses Fachdidaktik Französisch I. Zunächst wird der sehr gut durchdachte komplexe Aufbau des Wortschatzkapitels vorgestellt, danach kommentiert er die wichtigsten Punkte unter Heranziehung einer reichen Literatur. 16. Beiträge aus anderen Bereichen 16.1. Phonik WOLF-DIETER HEIM, «Lesefrüchte. Zu Semantik und Phonologie» (245-62): Der Verfasser untersucht als Linguist aus phonologischer Sicht (mit historischen Implikationen) das Besprechungen - Comptes rendus 253 Reiminventar der Gedichte Verlaines. Aber wo bleibt die Semantik, die der Titel des Beitrags verspricht? 16.2. Syntax KLAUS HuNNIUS, «Lexikalische und grammatische Bedeutung: la construction segmentee (361-71): Kritische und forschungsgeschichtliche Sichtung der Beschreibungsversuche zur «phrase segmentee» im Französischen, die der Verfasser zutreffender als «construction segmentee/ disloquee» bezeichnet. Im Hinblick auf Tesniere spricht Hunnius «vom Erfolg eines problematischen Beschreibungsansatzes» (364). Die Segmentierung wird letztendlich den «Dekumulierungsverfahren» zugerechnet (der Terminus «decumul» sei dem der «Redundanz» vorzuziehen). Über mehrfache Bezugnahme auf die Dissertation meiner Schülerin E.HoNNIGFORT (Der segmentierte Satz, Münster 1993) stellt der Verfasser den Bezug zum Adressaten des Beitrags her. Fazit: Die Vorteile einer thematisch orientierten Festschrift sind offenkundig geworden: Der vorliegende Band stellt in der Tat ein aktuelles internationales Panorama der lexikalischen Semantik in ihrer beeindruckenden Breite dar. Und trotzdem: eine Festgabe darf nicht mit einem systematisch geplanten Handbuch zum selben Thema verwechselt werden. Da gibt es Nachteile, so etwa, daß einige Bereiche unerwähnt bleiben, daß beispielsweise die Inhaltsrelationen nur sehr marginal in der Festschrift in Erscheinung treten. Als Vorteil hingegen darf angesehen werden, daß nicht alle Beiträge einer einzigen Konzeption der lexikalischen Semantik verhaftet sind. In der Tat sind nicht wenige Beiträge von einer synkretistischen Haltung der Autoren bestimmt, was zum wünschenswerten Methodenpluralismus unserer Zeit gut paßt. Es gibt nicht die «herrschende Lehre». So hat dieses donum natalicium etwas vom Charakter eines schönen bunten Blumenstraußes, den man einem Freund zu einem besonderen Anlaß schenkt. Allen, die eine Blume ihrer Wahl in dieses Gebinde eingebracht haben, und denen, die daraus einen Strauß geflochten haben, dankt der Beschenkte, für den diese Gabe eine hohe Ehre ist und dem sie eine große Freude bereitet hat, bei dieser Gelegenheit noch einmal sehr herzlich. H. Geckeler * ANNETTE SABBANICHRISTIAN SCHMITT (ed.), Sprachlicher Alltag. Linguistik - Rhetorik - Literaturwissenschaft. Festschrift für Wolf-Dieter Stempel, Tübingen (Niemeyer) 1994, XX+ 652 p. Conformemente alla vastita dello spettro degli interessi del festeggiato, questa bella Festschrift tocca una tale quantita di campi, spaziando dalla linguistica alla filologia alla stilistica alla semiologia alla critica letteraria all'estetica, ehe, temo, nessun singolo recensore sarebbe in grado di padroneggiare decentemente: ci sara quindi consentito di segnalare qui soltanto i contenuti del volume ehe piu hanno solleticato l'interesse di un lettore linguista. Al di 1a di un effettivo filo comune ehe, nonostante la molteplicita di interessi rappresentati, pur tuttavia si puo nel volume rintracciare, e ehe come e ben colto da! titolo stesso della miscellanea e dato in fondo dalla focalizzazione sulla lingua in uso, come strumento pragmatico plurifunzionale, la linguistica vi fa peraltro la parte de! leone: diciassette dei ventotto contributi sono infatti da ricondurre nell'ambito di questa materia. Troviamo qua anzitutto alcuni impegnati interventi di riflessione teorica su vari temi: come H. H. BAUMANN, «Über die Psychologie der Rede» (1-31), con una reinterpretazione