Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
1999
581
Kristol De StefaniMaría Wenceslada de Diego Lobejón, Los Salmos en la literatura española. Valladolid (Universidad) 1996, 185 p. (Literatura 37)
121
1999
C. Wittlin
vox5810356
zentuierung der betonten Silbe sowie das doppelte b und das th geben der Bibel einen fachsprachlichen Anstrich, gehen aber weit am Wesentlichen vorbei. Die Bedeutung des Losungswortes ist ja gänzlich Nebensache; sie hat in der Geschichte der Bibelexegese nie eine Rolle gespielt. Der Übersetzer in einer Sprache mit phonetischem handicap kann also zwischen drei Lösungen wählen: 1. beide Wörter einfach weglassen; 2. das Losungswort so schreiben, wie seine Sprache es erlaubt, aber dessen Wiederholung auslassen und nur das biblische eadem littera exprimere non valens übersetzen; 3. einen beliebigen graphisch-phonetischen Unterschied zwischen den beiden Wörtern einführen, der zwar historisch ungenau, aber linguistisch plausibel ist, wie zum Beispiel «sibolet/ sivolet» oder «sibolet/ siboret» usw. Meines Erachtens ist davon abzuraten, auf eine in der Zielsprache lebendige Aussprachevariante anzuspielen, wenn diese sprachsoziologisch belastet ist, wie im Falle der Südamerikaner und Andalusier, die nur schwer zwischen ce und se unterscheiden. Wird also « cebada » als Losungswort eingeführt, so muß der Leser entweder sich selbst oder die Kastilier mit den biblischen «Bösewichten» identifizieren. Von der Einführung neuer Losungsworte ist außerdem abzuraten, weil es heute zum kulturellen Grundwissen des Westens gehört, daß das Losungswort am Jordan «schibolet» hieß. Gegenüber der Ablenkung vom raschen Erfassen des Wesentlichen durch pseudowissenschaftliche Transliteration ist es das kleinere Übel, die Form an die Aussprache der Leser anzupassen. Bauskes Aufsatz hat den Rezensenten zu Überlegungen angeregt, die weit über sein Ziel hinaus führten. Anderen Lesern wird es vermutlich ähnlich ergehen, was diese Arbeit umso empfehlenswerter macht. C. Wittlin H María Wenceslada de Diego Lobejón, Los Salmos en la literatura española. Valladolid (Universidad) 1996, 185 p. (Literatura 37) De Diego hat 1993, in der gleichen Serie der Universität Valladolid, die unvollständig erhaltene Psalmenübersetzung von Hermann dem Deutschen herausgegeben. Sie stellt nun diesen neuen Band als «zweiten Teil» jener Arbeit vor und verspricht, darin den Einfluß der Psalmen auf die gesamte spanische Literatur zu studieren («estudiar la repercusión del Libro de los Salmos en la Literatura Española desde . . . el siglo xii hasta nuestros dias», p. 7). Sie nennt dieses Gebiet «prácticamente inexplorado, y totalmente nuevo en lo que corresponde al siglo xx». Leider bietet de Diego bloß eine erste Annäherung an dieses Thema. Ihre Arbeit ist wenig mehr als eine mit Zitaten angereicherte Bibliographie. In chronologischer Reihenfolge erwähnt sie 307 Werke (mit römischen Zahlen numeriert, was rasche Querverweise verunmöglicht) und fügt für jedes eine Fußnote bei, mit Angaben über Verleger, Neuauflagen, Standorte usw. Diese Information wird in der Bibliografía (158-68) in Kurzform wiederholt. Die Autorin hat gewiß möglichst viele der verzeichneten Werke persönlich eingesehen, der Leser weiß aber nie, welche Angaben aus zweiter oder dritter Hand stammen. N189 ist ein gutes Beispiel dafür, wie er oft stutzig werden kann. Als Standort eines Exemplars der zweiten Ausgabe von 1632 der Exposición de los siete Psalmos Penitenciales von Hernando de Jesús wird angegeben: «New York Biblioteca del Senado de EE.UU.: BS/ 1445/ P4/ H55/ 1632 facsím.» Die letzten zwei Elemente in der seltsamen Signatur aus dieser seltsamen Bibliothek beziehen sich vermutlich auf den fotomechanischen Nachdruck der Ausgabe von 1632, die Archer Huntington 1903 in New York anfertigen ließ (und die de Diego offensichtlich entgangen ist). Der Benutzer dieses Buches riskiert häufig, in Sackgassen geführt zu werden. So erfährt man zum Beispiel im Eintrag cxxxix: «Fr. Jerónimo Agulló, de la Orden de San Jerónimo, 356 Besprechungen - Comptes rendus escribió una Exposición del salmo ‹Deus, iudicium tuum regi da› (Ps. 71), interpretando la Profecía de Nostradamus», gefolgt von der Anmerkung: «Ms: Monasterio del Vall de Hebrón, con licencias para imprimirse (Cf. F. Torres Amat, Memorias para un diccionario de Escritores Catalanes, Barcelona 1926)». Torres kompilierte seine Bibliographie schon vor 1815, und sie wurde (mit einem längeren Titel, als de Diego angibt) 1836 gedruckt. Auf p. 8 bringt Torres alle von de Diego exzerpierten Angaben. Das Kloster im Vall d’Hebron wurde 1835 aufgelöst. Die Handschrift von Pater Agulló findet sich heute in der Biblioteca de Catalunya. Dies sagt auch de Diego, aber nur in der Bibliografía p. 158: «Agulló, Jerónimo: Exposición del salmo ‹Deus, iudicium tuum regi da› (Ps. 71). Barcelona, B. Central 1362». («Ps. 71» gehört nicht zum Titel. Es fehlen Anführungszeichen am Ende des lateinischen Verses. «Biblioteca Central» war eine Bezeichnung der Franco-Zeit.) Sucht der Leser Agulló zudem noch im Anhang 5.5, «Sobre otros salmos», findet er: «Agulló, Jerónimo . . . ca. 1659». Vom Leser darf gewiß nicht erwartet werden, daß er bei jedem Eintrag nebst der Fußnote immer auch noch zwei Indices konsultiert. Im Text selbst sollten Handschriften und Bücher datiert und beschrieben werden, mit deutlicher Angabe, ob die Autorin sie selbst eingesehen hat. Vor allem sollte erklärt werden, weshalb ein angeführtes Werk, wie z. B. diese Ausdeutung eines Psalmes und einer Prophezeiung des Nostradamus, als Beitrag zur spanischen Literatur einzuschätzen ist. Im Kapitel zum 20. Jahrhundert wird das Durcheinander theologischer Arbeiten und Literatur noch irritierender. P. 152 zum Beispiel finden wir folgende Hinweise (ich zitiere wörtlich, um den in diesem Buch verwendeten «Plauderstil» zu zeigen): ccxcii. Francisco Margallo Bazago escribió Salmos de liberación 387 . ccxciii. En 1978, el Consejo Superior de Investigaciones Científicas publica la obra de José Rámón Busto Saiz: La traduccíon de Símaco en el Libro de los Salmos 388 . ccxciv. La editorial Clíe publica en 1982 Salmo 23: Salmo de Pastor, obra de F. B. Meyer, traducida al castellano por Demetrio Nalda Domínguez. Die Fußnoten sagen folgendes: « 387 Madrid, El autor, 1978. 63 pp.», « 388 Madrid, 1978. 1 vol. 782 pp. Col. Textos y Estudios del Seminario Filológico » . Was diese drei Publikationen zum Thema Los Salmos en la literatura española beitragen, bleibt eine offene Frage. Und so provoziert nahezu jeder Eintrag in dieser Bibliographie, die eine Monographie sein will, eine Kritik. Als Einführung zum Thema «Die Bedeutung der Psalmen in der spanischen Literaturgeschichte» ist dieser Band noch weniger zu empfehlen. Die eingeschobenen Zitate aus Juan de Valdés, Fray Luís de León, San Juan de la Cruz, Quevedo und anderen bringen etwas Trost. C. Wittlin H Kerstin Störl-Stroyny, Die Entwicklung des Ausdrucks von Kausalität im Spanischen. Frankfurt a. M. (Lang) 1997, 699 p. (Studia Romanica et Linguistica 28) Es ist in diesem Rahmen nicht möglich, vollständig der Fülle dieser sehr umfassenden und in einer interdisziplinären Herangehensweise verfaßten Habilitationsschrift über Kausalität Rechnung zu tragen. Wir werden uns deshalb ausschließlich den rein linguistischen Aspekten widmen. Das Ziel der sehr ausführlichen Einleitung, die einen Exkurs zur Erkenntnistheorie und eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Disziplinen aus Natur- und Geisteswissenschaften enthält, besteht darin, die in den meisten Untersuchungen intuitiv angewandten Begriffe wie Kausalität, Ursache, Wirkung, Grund, Folge, Motiv zu definieren. K. Störl-Stroyny grenzt somit die für die Thematik relevanten Begriffe ab, die die Grundlage für die linguistischen Untersuchungen bilden. Sie strebt einen integrativen An- 357 Besprechungen - Comptes rendus
