Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
2000
591
Kristol De StefaniHeidi Siller-Runggaldier/Paul Videsott, Rätoromanische Bibliographie 1985-97, Innsbruck (Institut für Romanistik der Leopold-Franzens-Universität) 1998, viii + 150 p. (Romanica Ænipontana 17)
121
2000
Victoria Popovici
vox5910276
Heidi Siller-Runggaldier/ Paul Videsott, Rätoromanische Bibliographie 1985-97, Innsbruck (Institut für Romanistik der Leopold-Franzens-Universität) 1998, viii + 150 p. (Romanica Ænipontana 17) Die vorliegende Bibliographie (=RB.2) setzt die 1985 in derselben Reihe als Nr. 13 erschienene Rätoromanische Bibliographie (=RB.1) von Maria Iliescu und Heidi Siller-Runggaldier fort. Die Grundprinzipien der Gliederung sind bis auf einige Ausnahmen beibehalten worden: die Anordnung der traditionell als rätoromanisch bezeichneten Idiome von Westen nach Osten, die dialektale Untergliederung sowie die thematische Subklassifizierung. Neu ist der Versuch, auf den in der RB.1 explizit selektiven Charakter der Bibliographie zu verzichten; den 1482 in der RB.1 aus einem Jahrhundert Rätoromanistik ausgewählten Titeln entsprechen somit in der RB.2 1407 fortlaufend numerierte Titel 1 . Dennoch hat auch die RB.2 einen partiell selektiven Charakter, da lexikalisch, phraseologisch und sprachpflegerisch ausgerichtete Aufsätze ausgelassen wurden, die zwar in nichtwissenschaftlichen Zeitschriften des Typs Igl Ischi, Calender Romontsch oder Calënder ladin erschienen sind, die aber trotzdem relevante Materialien erbringen. Es wäre daher wünschenswert, daß die Autoren in der Zukunft auch solche in der Regel von den meisten Bibliographen übersehene Publikationen berücksichtigen. Die thematische Klassifizierung ist im Vergleich zur RB.1 durch drei neue Sachbereiche erweitert worden: Gesprochene und geschriebene Sprache, Romania submersa: Relikte im Kontaktgebiet und Räterforschung. In der Rubrik Morphosyntax werden die in der RB.1 separat aufgeführten Sachbereiche Morphologie und Syntax zusammengefaßt. Eine andere terminologische Neuerung ist weniger gelungen. Es handelt sich um die Ersetzung des in der RB.1 eindeutig definierten Sachgebiets 3. Handbücher, wissenschaftliche Grammatiken, Monographien durch den nicht synonymen Terminus Grammatikographie. Hierunter werden in der RB.2 nicht nur explizit grammatikographische Beiträge wie die gleichnamigen Artikel des LRL registriert, sondern auch Linders Grammatische Untersuchungen (Nr. 155), die eindeutig in die Sektion Morphosyntax gehören, oder die Synthese von Haiman/ Benincà The Rhaeto-Romance Languages (Nr. 54), die eine systematische Übersicht der rätoromanischen Dialekte von der Phonologie bis zum Wortschatz gibt (Sachgebiet 3. Handbücher in der RB.1). In derselben Rubrik findet man die kritische Ausgabe der Deütsch-ladinischen Sprachlehre von Nikolaus Bacher (Nr. 555), nicht aber die umfangreiche Präsentation dieser Grammatik durch den Herausgeber, L. Craffonara (Nr. 520), die unter 3.2-2. Allgemeines registriert ist. Die Wiedereinführung des ursprünglichen Titels wäre hier nützlich. Für die Fortsetzung der Bibliographie ist die Einführung einiger neuer Sektionen der Überlegung wert. Die seit der Veröffentlichung der RB.1 zum eigenständigen Idiom gewordene Graubündener Dachsprache Rumantsch Grischun hätte bereits jetzt als Untergruppe des Bündnerromanischen fungieren sollen 2 . In Anbetracht der steigenden Anzahl der Publikationen zum Ladin Dolomitan kann man sich für die Fortsetzung der Bibliographie ebenfalls eine entsprechende Sektion im Kapitel Zentralrätoromanisch vorstellen. 276 Besprechungen - Comptes rendus 1 Die tatsächliche Zahl ist etwas geringer, da manche Beiträge mehrfach zitiert wurden, so der Artikel von H. Schmid, «Zwischen Chur und Chiavenna», der von den engadinisch-mittelbündnerischen Gemeinsamkeiten handelt und deswegen in sechs Rubriken aufgenommen wurde (als Nr. 438, 439 und 440 unter surmeirischer Phonetik, bzw. Morphosyntax und Lexik, als Nr. 476, 468 und 481 unter unterengadinischer Phonetik, Morphosyntax und Lexik). 2 Die Lösung der Autoren, die die Publikationen zum Rumantsch Grischun je nach Typus oder Schwerpunkt auf die drei Kapitel Allgemeines, Lexikographie und Soziolinguistik aufteilen, ist unpraktisch. Um dem steigenden Interesse für Phraseologie entgegenzukommen, könnte ein gleichnamiger Sachbereich die Orientierung erleichtern. Die in der RB.2 recht selektiv aufgenommenen Phraseologismen- und Sprichwörtersammlungen wurden, mangels einer entsprechenden Sektion, uneinheitlich klassifiziert: unter Lexik (Nr. 187 Lössi 3 und Nr. 607 ebesta/ Tassoni), Quellen (Nr. 1390 Beltram/ Nazzi Matalon und Nr. 1396 Fort) oder Lexikographie, Wörterbücher (Nr. 1053 Domini/ Fulizio et al., Nr. 1063, 1065 Nazzi/ Ricci). Die Klassifikation der aufgeführten Beiträge ist des öfteren korrekturbedürftig. So gibt es Zuordnungsschwierigkeiten bezüglich der venezianischen und der nichtromanischen Sprachinseln des Friauls. Das bisiacco (bisiàc), Varietät des Veneto, wird mit einer einzigen Ausnahme (Nr. 1354 Zamboni, die unter 4-15. Sprachkontakt steht) als friaulische Varietät zitiert (so Nr. 1053 unter 4-11. friaulische Lexikographie, Nr. 1147 und 1200 unter 4-13. friaulische Ortsdialekte), obwohl Titel wie Nr. 1147 Doria, Friulanismi lessicali nel dialetto bisiacco oder Nr. 1200 Zamboni, Una varietà veneta marginale: il bisiacco eindeutig darauf hinweisen, daß die Autoren den Dialekt als nicht-friaulisch betrachten. Die deutsche Sprachinsel Timau wird viermal unter 4-13. Ortsdialekte zitiert (Nr. 1143, 1148, 1150s.), und nicht, wie zu erwarten, unter 4-15. Sprachkontakt (hierher gehört Nr. 1143 De Franceschi), bzw. 4-16. Soziolinguistik, Bi- und Plurilinguismus (für Nr. 1148, 1150 Francescato und Nr. 1151 Francescato/ Solari Francescato). In derselben Rubrik 4-13. Ortsdialekte wird irrigerweise auch ein Artikel über die Kodifizierung des slowenischen Dialekts von Resia (Nr. 1193 Spiess) aufgeführt. Ziemlich schwankend sind die Untersuchungen zu lexikalischen Entlehnungen klassifiziert: man findet sie entweder unter Lexik, Etymologie (z. B. Nr. 595 Mastrelli) oder unter Sprachkontakt, Entlehnungen (Nr. 676 Kramer), in einzelnen Fällen sogar unter Ortsdialekte (Nr. 1142 Crosilla und 1144 De Sanctis). Weitere Probleme der Zuordnung sind punktuell auch in anderen Teilen der Bibliographie nachzuweisen. Nr. 204 Arquint ist ein engadinischer Grundwortschatz, der unter 2.3- 11. Lexikographie (engadinisch) anstelle von 2-11. Lexikographie (bündnerromanisch) zitiert werden soll. Nr. 270 Cadruvi, Ils prenums da Ruschein bezieht sich auf das Surselvische (richtig: 2.1-13. 1. anstatt 2-13. 1.). Nr. 427 Rinaldi, Bergell ist keine grammatische Studie zum Mittelbündnerischen, wie die Einordnung unter 2.2-3. andeutet, sondern eine vergleichende Untersuchung der Intonation im italienischen Dialekt des Bergells, im Surmeirischen und im Engadinischen (richtig unter 2-15. Sprachkontakt, Sprachvergleich). Die Eingliederung von Nr. 444 Kristol, Bivio unter die surmeirischen Ortsdialekte ist bereits von R. Liver in ihrer Rezension zu RB.1 (cf. ZRPh. 103 [1987]: 598) kritisiert worden; es handelt sich um eine soziolinguistische Studie, die am besten unter 2-16. bündnerromanische Soziolinguistik zitiert werden sollte. Abschließend sei auf einige Titel hingewiesen, die in der RB.2 fehlen: Baur, A. 1997: Viva la Grischa, Frauenfeld; zusätzlich zur Nr. 61 Iliescu, «Der repräsentative Wortschatz» die ursprüngliche rumänische Fassung: Maria Iliescu, «Vocabularul reprezentativ al retoromanei», in: Marius Sala (ed.), Vocabularul reprezentativ al limbilor romanice, Bucure ti 1998: 185-206; Amalia Anderlan-Obletter, La rujeneda dla oma. Gramatica dl ladin de Gherdëina, s. l. 1991; I.De Candido, Dizionario ladino di S. Stefano di Cadore Comelico, Susegana 1991; Carla Marcato, «(Fare) cestìl nel ‹parlare giovane› di Udine», in: C. Lupu/ L. Renzi (ed.), Studi rumeni e romanzi. Omaggio a Florica Dimitrescu e Alexandru Niculescu, vol. 2: Linguistica generale e romanza, Padova 1995: 598-606; F. Vicario, «Friularo ‹ta›: al limite di una preposizione», in: ib.: 711-30. Der als Nr. 202 aufgenommene Curs da rumantsch grischun 1, Lecziuns 1-18 von Gieri Menzli ist durch einen zweiten Teil fortgesetzt 277 Besprechungen - Comptes rendus 3 Die Sammlung steht unter Bündnerromanisch und nicht, wie es zutreffender wäre, unter Engadinisch und Münstertalisch. worden: G. Menzli, Curs da rumantsch grischun 2, Lecziuns 1-16, Chur 1989 4 . Das auf Deutsch verfaßte Lehrbuch wurde auch auf Französisch bearbeitet: G. Menzli/ J. Barblan, Curs da rumantsch grischun/ Cours de romanche grison 1, français-romanche, Leçons 1-18, Chur 1990. Die RB.2 ist, von Details abgesehen, eine informative und sorgfältig gemachte 5 Bibliographie; da sie wie ihre Vorgängerin die einzige kompakte Informationsquelle im Bereich des Rätoromanischen ist, kann man sich nur wünschen, daß sie von nun an in regelmäßigen Abständen erscheint. Die Autoren sollten zudem eine digitalisierte Version der gesamten RB ins Auge fassen, für die mit Sicherheit viele (Räto)romanisten dankbar wären. Victoria Popovici H Dictionnaire suisse romand. Particularités lexicales du français contemporain. Une contribution au Trésor des vocabulaires francophones, conçu et rédigé par André Thibault, sous la direction de Pierre Knecht avec la collaboration de Gisèle Boeri et Simone Quenet, Genève (Zoé) 1997, 854 p.* Il y a longtemps qu’un tel ouvrage était attendu, non seulement par le monde scientifique - et plus particulièrement par les spécialistes des variétés régionales du français - mais aussi par le public romand. Preuve en est l’extraordinaire succès de librairie rencontré par le Dictionnaire suisse romand (ci-après DSR) dont les deux premiers tirages se sont épuisés en quelques mois et qui s’est vendu à plus de 20000 exemplaires. C’est dire combien les Romands s’intéressent aux particularités de leur français et combien ce dictionnaire est venu combler un vide. En effet, depuis la parution en 1926 du Dictionnaire historique du parler neuchâtelois et suisse romand de W. Pierrehumbert 1 , la description lexicographique scientifique du français régional de Suisse romande a été assurée exclusivement par le Glossaire des patois de la Suisse romande (ci-après GPSR), dictionnaire dialectal qui prend aussi en compte les régionalismes du français dans la mesure, principalement, où ils procèdent des patois de 278 Besprechungen - Comptes rendus 4 Nach diesem Muster sind folgende, ebenfalls von der Lia Rumantscha in Chur herausgegebene Lehrbücher für die einzelnen Idiome entstanden: G. Menzli/ Marlis Menzli-Staeger, Curs da romontsch sursilvan 1, Lecziuns 1-18, 1988; G. Menzli/ I. Winzap, Curs da romontsch sursilvan 2, Lecziuns 1-16, 1990; G. Menzli/ Pina Augustin, Curs da rumantsch surmiran 1, Lecziuns 1-18, 1988; G. Menzli/ Rita Cadotsch/ Rita Ulber Montigel, Curs da rumantsch surmiran 2, Lecziuns 1-16, 1989; G. Menzli/ Georgina Schaller-Gabriel/ P. Frigg/ B. Tscharner, Curs da rumàntsch sutsilvan 1, Lecziuns 1-18, 1991; G. Menzli/ G. Klainguti, Cuors da rumauntsch ladin (puter) 1, Lecziuns 1- 18, 1988; G. Menzli/ Annetta Ganzoni, Cuors da rumauntsch ladin (puter) 2, Lecziuns 1-16, 1990; G. Menzli/ Alena Plesar Cuors da rumantsch ladin (vallader) 1, Lecziuns 1-18, 1987; G. Menzli/ C. Pitsch/ AnnettaGanzoni, Cuors da rumantsch ladin (vallader) 2, Lecziuns 1-16, 1989. 5 Daß die Bozener Druckerei für ein derartig relevantes Werk minderwertiges Umweltpapier benutzt hat, ist schade. * Par une erreur de la rédaction le Dictionnaire Suisse Romand a été confié à deux auteurs différents pour compte-rendu. Les deux textes qui nous ont été soumis, sont en partie complémentaires. Pour cette raison nous avons décidé de publier les deux comptes rendus l’un après l’autre. (R.L./ P.W.) 1 Cf. P. Knecht «William Pierrehumbert, pionnier exemplaire de la lexicographie du français régional», in: Actes du XXe Congrès international de linguistique et philologie romanes (Zurich 1992), vol. 4, Tübingen/ Bâle 1993: 175-88.
