Vox Romanica
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2941-0916
Francke Verlag Tübingen
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Kristol De StefaniSusanne M.Cadera, Dargestellte Mündlichkeit in Romanen von Mario Vargas Llosa, Genf (Droz) 2002, 319 p. (Kölner romanistische Arbeiten, Neue Folge, Heft 80)
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A. Schor
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dium von Kapitel 4 könnte er annehmen, daß der sogenannte Quantitätenkollaps in der Öffnung der lateinischen Kurzvokale bestand («[D]ie lateinischen Kurzvokale [wurden] im Zuge des sog. Quantitätenkollapses geöffnet . . . » 43). In Kapitel 5 schließlich kann er lesen, daß die Definitionen von Homophonie und Homonymie letztendlich von der betrachteten Sprache abhängen («Die Definition der Begriffe Homonymie und Homophonie ist von Sprache zu Sprache verschieden.» (77) Hervorh. AL). Bei der Auswahl der erfreulich zahlreichen Beispiele hat Pöll an einer Stelle eine wenig glückliche Hand, nämlich wenn er von der (angeblichen) Homonymie von haya und halla spricht (78). Bekanntermaßen sind diese lexikalischen Einheiten nur in yeísmo-Gebieten homonym, und selbst wenn dies auf den größten Teil der Hispanophonie zutrifft, so verstößt diese Aussprache gegen die nach wie vor im Spanischunterricht an deutschen Schulen und Universitäten gelehrte kastilische Norm. Schlußendlich mißlingt Pöll häufig auch der Spagat zwischen dem, «was banal ist und was als bekannt vorausgesetzt werden darf und was die potentiellen Rezipienten nicht wissen (können)» (5). Einerseits werden einige Termini wie Transposition (32), Lehnübersetzung (48), Isotopie (133) etc. vollkommen unvermittelt und ohne jede Erklärung eingeführt, andererseits fehlen dem Leser häufig Anknüpfungspunkte an «linguistisches Allgemeinwissen», da der Autor - wie bereits ausführlich dargestellt - aus der Tradition des Strukturalismus stammende Termini wie signe linguistique, signifiant, signifié, Lexem, Lexie etc. zwar verwendet, diese aber nicht oder nur unzureichend definiert und sie ganz offensichtlich nicht im eigentlichen strukturalistischen Sinne gebraucht. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Erscheinen eines deutschsprachigen Handbuches zur spanischen Lexikologie uneingeschränkt zu begrüßen ist. Leider wird diese Freude durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen und didaktischen Ungereimtheiten in Pölls Werk getrübt, die seinen Nutzen für den studentischen Rezipienten teilweise empfindlich schmälern. A. Lukoschek H Susanne M. Cadera, Dargestellte Mündlichkeit in Romanen von Mario Vargas Llosa, Genf (Droz) 2002, 319 p. (Kölner romanistische Arbeiten, Neue Folge, Heft 80) In ihrer Dissertation untersucht die Autorin, wie der peruanische Autor Mario Vargas Llosa (*1936) in seinen Romanen mündlichen Ausdruck in literarische Sprache umwandelt. Sie vertritt die These, «dass der Eindruck von Oralität bei Vargas Llosa . . . durch das Zusammenspiel von erzählperspektivischen und -technischen Mitteln und durch die Übernahme spezifischer einzelsprachlicher Merkmale entsteht» (14). Zum Beweis dieser Hypothese analysiert Susanne M. Cadera hauptsächlich zwei Romane von Vargas Llosa: Conversación en La Catedral (1969) und El hablador (1987). Die beiden Werke sind nicht zufällig ausgewählt. Conversación en La Catedral ist ein Roman aus der ersten - experimentalen - Schaffensperiode im Werk des peruanischen Romanciers. Er besteht aus einem Geflecht aus ineinander verschachtelten Dialogen, wobei die Stimme des Erzählers fast ganz abwesend ist. Anhand dieser Gespräche wird die peruanische Gesellschaft zur Zeit der Diktatur Odrías dargestellt. In El hablador versucht Vargas Llosa mit der Figur des indianischen Geschichtenerzählers die Erzählungen einer rein mündlichen Kultur mit Hilfe einer literarischen Sprache wiederzugeben und damit die Umwandlung gesprochener Sprache in schriftliche Literatursprache zu thematisieren. Bevor die Autorin anhand der beiden Romane untersucht, welcher Techniken sich Vargas Llosa bei der Darstellung mündlicher Sprache bedient, setzt sie sich mit den theore- 349 Besprechungen - Comptes rendus tischen Grundlagen zur dargestellten Mündlichkeit auseinander. Bei der Frage der Darstellung gesprochener Sprache stützt sie sich vor allem auf die Arbeiten von L. Söll und F. J. Hausmann 1 einerseits und von P. Koch und W. Oesterreicher 2 andererseits. Die Theorie der Charakteristika primär mündlicher Erzählformen behandelt die Autorin vor allem in Anlehnung an Walter Ong 3 . Die Betrachtung der entsprechenden Theorien führt Susanne M. Caldera zum Schluss, dass bei der Darstellung von Mündlichkeit in narrativen Werken einerseits erzähltechnische und andererseits sprachliche Aspekte untersucht werden müssen. Erstere umfassen «die Übernahme pragmatischer Bedingungen eines oder mehrerer Gespräche, die Herstellung einer oder mehrerer kommunikativer Situationen und die Markierung von Dialog und Figurenrede innerhalb des literarischen Diskurses» (50). Die sprachlichen Aspekte lassen sich unterteilen in die «Übernahme universaler Merkmale gesprochener Sprache» und die «Übernahme einzelsprachlicher Merkmale gesprochener Sprache» (50). In Conversación en la catedral wird mit dem Zusammentreffen von Santiago und Ambrosio, die beschließen, zusammen im Lokal La Catedral ein Bier zu trinken, zwar scheinbar eine pragmatische Erzählsituation geschaffen. Vargas Llosa bedient sich aber im Roman einer von wirklichen Gesprächssituationen weit entfernten Darstellungstechnik: Es handelt sich um eine «eigentümliche Verschachtelung verschiedener Dialoge» (99) auf verschiedenen Ebenen, die nur durch einen Nexus verbunden sind. Um die Fingierung mündlicher Rede zu verstärken, gibt der Romanautor diese Gesprächen in einem peruanisch gefärbten Spanisch mit verschiedenen diastratischen Kennzeichen wieder. Susanne M. Cadera weist zu Recht darauf hin, dass die Peruanismen und Amerikanismen für sich allein der Sprache des Romans noch nicht einen oralen Charakter verleihen, denn es ist normal, dass jeder spanischsprachige Schriftsteller in der Sprachvariante seines Herkunftslands schreibt. Zusammen mit den verschiedenen Formen der Dialoggestaltung und anderen Strategien, sprechsprachliche Elemente in die Schriftsprache zu transponieren, trägt die Verwendung des peruanischen Spanisch aber durchaus zum Eindruck von Oralität bei. Diese ist jedoch lediglich vorgetäuscht: «Der Roman ist nicht oral, sondern schriftlich konzipiert und selbst die Mittel, mit denen versucht wird, einen Eindruck von Mündlichkeit zu erwecken, sind rein schriftsprachlicher Natur und unterliegen einer äußersten Planung und Reflektion durch den Autor» (144). In El hablador will Vargas Llosa einerseits die Sprache des Indianerstamms der Machiguenga und andererseits das primär mündliche Erzählen suggerieren. Letzteres erreicht der Romancier, indem er sich einer Anzahl Mittel bedient, die das ursprüngliche Erzählen charakterisieren (z. B. Redundanz, Formeln und Epitetha usw.). Um die Sprache der Machiguenga-Indianer im Spanischen nachzuahmen, durchsetzt der Schriftsteller die Sprache des Geschichtenerzählers mit Ausdrücken aus der Machiguenga-Sprache, aber auch mit Indianismen aus anderen Eingeborenensprachen. Außerdem vermittelt er mit der Nachahmung syntaktische Eigenarten des von den Indianern gesprochenen Spanisch (z. B. Ersatz der Tempusfunktionen durch das Gerundium, eher Gleichstellung als Unterordnung von Satzgliedern usw.) den Eindruck, dass der hablador die Sprache der Machiguenga spricht. Bei der Darstellung des mündlichen Erzählens in der Machiguenga-Sprache handelt es sich jedoch um eine Fingierung (wie sich auch die Figur des hablador am Ende als fiktive Gestalt erweist). 350 Besprechungen - Comptes rendus 1 L. Söll/ F. J. Hausmann, Gesprochenes und geschriebenes Französisch, Berlin 1985. 2 P. Koch/ W. Oesterreicher, «Sprache der Nähe - Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte», in: Romanistisches Jahrbuch 36 (1985): 15-23. 3 W. Ong, Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes, Opladen 1987. Nach der ausführlichen Untersuchung der Darstellung von mündlichem Diskurs in den beiden Romanen, streift Susanne M. Cadera noch einige andere Strategien, die Mario Vargas Llosa vereinzelt in seinen übrigen Romanen angewendet hat, wie z. B. grafische Darstellung von Aussprachevarianten, Wiedergabe regionalsprachlicher Unterschiede. Mit ihrer Arbeit zeigt Susanne M. Cadera auf überzeugende Weise, dass es Vargas Llosa nicht darum geht, in seinen Romanen mündliche Sprache einfach zu transkribieren, sondern dass die Darstellung der Mündlichkeit immer einer wohlüberlegten Strategie gehorcht und zur Aussage der Romane beiträgt. Indem die Autorin das Schwergewicht der Untersuchung auf die Darstellung mündlicher Sprache als erzähltechnisches Mittel legt, siedelt sie ihre Dissertation in der Literaturwissenschaft an. Dabei liegt sie jedoch an der Grenze zur Sprachwissenschaft, denn bei einer Analyse dieses Themas stellt sich unweigerlich ständig die Frage, worin sich denn schriftliche und mündliche Sprache unterscheiden, wo die Grenzen - die sich nicht einfach ziehen lassen - zwischen den beiden Sprachformen verlaufen. Weil Vargas Llosas Romane außerdem in Peru spielen, müssen seine Figuren natürlich peruanisches Spanisch sprechen, wenn die Darstellung von mündlicher Rede glaubwürdig wirken soll. Deshalb kommt die Autorin nicht umhin, sich auch mit dieser Sprachvariante und ihren Eigenarten, die sie vom Standardspanischen unterscheiden, zu befassen. Insofern ist das Ergebnis der Dissertation von Susanne M. Cadera ein gelungener Beweis dafür, wie sich Sprach- und Literaturwissenschaft gegenseitig ergänzen. A. Schor H José Carlos Martín Camacho, El problema lingüístico de los interfijos españoles, Cáceres (Universidad de Extremadura, Servicio de Publicaciones), 2002, 266 p. No existen interfijos en español: «ni el análisis formal ni las pruebas teóricas avalan su existencia» (15). El concepto de interfijo es simplemente una verdadera «entelequia» (221). Ésta es la más significativa conclusión de este extenso libro dedicado, precisamente, a determinar si nuestra lengua presenta afijos que se intercalen entre el radical y otro afijo derivativo en la creación de nuevas palabras. En el Capítulo 1: Fundamentos teóricos (19-46) se traza el marco teórico y conceptual en el que se basa el análisis de la (supuesta) interfijación en español. Fundamentándose en una amplia revisión bibliográfica, se intenta establecer de forma sólida la noción de morfema que va a manejarse en todo el estudio: «para hablar de morfema es necesario que se cumplan dos condiciones: que el morfema exista como tal en la mente del hablante y que, consecuentemente, pueda conceptualizarse como un elemento de la lengua con existencia propia y disponibilidad de empleo para la formación de nuevas palabras» (23-24). Como el propio autor reconoce, la postulación de la primera de esas condiciones - considerada como fundamental - es verdaderamente arriesgada pues parece más que complejo establecer qué hay que entender por ‘existencia en la mente del hablante’ (¿y de qué hablante? ). El problema se agrava porque, en las páginas dedicadas a delimitar la relación entre sincronía y diacronía (37-46), más bien se descalifica - como no científico - el conocimiento intuitivo que los hablantes pueden formarse de los hechos lingüísticos (cf. 42), en lo cual vemos una cierta falta de homogeneidad con lo que antes se había defendido ya que no creemos que, en uno y en otro caso, se haya juzgado con el mismo rasero el posible valor del sentimiento lingüístico de los hablantes. No tenemos nada que objetar, sin embargo, a la postura adoptada por el autor en cuanto al necesario recurso a la perspectiva diacrónica para llegar a analizar algunos hechos sincrónicos (bien entendido que esta perspectiva, en mi opinión, es especialmente fructífera en el caso del análisis de la interfijación; no tanto, creo, en el estu- 351 Besprechungen - Comptes rendus
