Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
2005
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Kristol De StefaniMichel Roché, La variation non flexionnelle du genre des noms. Diachronie, diatopie, diastratie, Toulouse (Cahiers d’Études Romanes) 1997, 456p
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Goranka Rocco
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dardvarietät z. B. in der Wortbildung als universalisierende Elemente hervorgehoben werden. Der Autor betont auf dieser Basis die komplexe Relation von sprachlicher Variation und Identität. Es bleibt abschließend festzuhalten, dass ein Großteil der Arbeiten recht allgemeiner Natur ist und somit nur in begrenztem Maße wirklich Neues bieten kann. Nicht selten stehen Forschungsberichte und die resümierende Darstellung von Generalitäten im Vordergrund. Belangreicher sind daher einige der an den Beginn des Sammelbandes plazierten Beiträge zu mittelalterlichen Sprachstufen. Eine Anschaffung des Buches rentiert sich letztlich auf dem Hintergrund seines eingeschränkten Neuigkeitswertes nur bei ausgeprägtem Spezialinteresse im Bereich diatopischer Variation. Joachim Lengert ★ Michel Roché, La variation non flexionnelle du genre des noms. Diachronie, diatopie, diastratie, Toulouse (Cahiers d’Études Romanes) 1997, 456p. Das Anliegen der Arbeit ist «d’examiner d’une façon systématique la question de la variation non flexionnelle du genre des noms» (4), im Unterschied zum Genus als «fait de flexion, qui ne concerne vraiment que les adjectifs, les déterminants et les pronoms» (3), d. h. zur kongruenzbedingten Variation bei Wortarten mit variablem Genus. Somit erklärt sich auch der Buchtitel, wobei allerdings eine weniger ambivalente und umständliche, schlechthin auf Genus als inhärente Kategorie des Nomens verweisende Formulierung, etwa Variation du genre nominal, sicher nicht fehl am Platz gewesen wäre. Im ersten, mit Typologie überschriebenen Kapitel (7-32) unterscheidet der Verf. zwischen drei Typen der Genusvariation: à signifiant et signifié constants (z. B. art, dent: afr. und mfr. m. und f.), à signifiant constant et signifié variable (un/ une livre), à signifiant variable et signifié constant (photocopieur/ -euse), wobei er den zweitgenannten Typ ausklammert, den die Grammatiken öfters undifferenziert unter mots à deux genres behandeln bzw. dem Unterschied zwischen Homonymie- und Polysemiefällen und der eigentlichen Genusschwankung ungenügend Rechnung tragen (21p.). Die vorgestellten Typen werden ferner in variations primaires und secondaires unterteilt, d. h. in einerseits dès l’apparition du mot dans la langue (8) und andererseits zu einem späteren Zeitpunkt einsetzende Schwankungen - eine zwar weder risikofreie noch (wie der Verf. selbst einsieht, p. 8) bei allen Belegen problemlos zu treffende Differenzierung, die jedoch als Systematisierungsgrundlage sicher ihre Berechtigung hat. Die einzelnen Typen und Untertypen werden jeweils an mehreren Beispielen veranschaulicht. So illustriert doute, behandelt unter variation à signifiant et signifié constants, variation primaire (12), französische Wortbildungen mit anfänglicher Genusschwankung, zu welchen neben impliziten deverbalen Ableitungen u. a. auch substantivierte Adjektive und auf Eigennamen zurückgehende Bildungen zählen. Diese Beispiele dienen außerdem der Darstellungsökonomie der durchaus informativen tabellarischen Zusammenfassung am Ende des Buchs (Inventaire, 261-342): Hier werden ca. 1650 Nomina im Hinblick auf die Etymologie, Datierung der Schwankungsbelege und das jeweilige Prinzip der Variation systematisiert (Kurzhinweise in Form von Angaben wie doute, die auf entsprechende Textstellen zurückverweisen). Das zweite Kapitel (Les facteurs externes, 33-57) gilt zum Einen den soziolinguistischen Faktoren, unter welchen Zweisprachigkeit, soziales Milieu und Bildungsgrad der Sprecher sowie Gelehrteneinfluss fungieren. So wird z. B. die von Gelehrten und Grammatikschreibern geforderte Rückkehr zu lat. und gr. Etyma, soweit sie den morphonologi- 331 Besprechungen - Comptes rendus schen Genuszuweisungskriterien entgegenwirkt, als ein Schwankungen begünstigender Faktor bezeichnet; die Effekte der präskriptiv orientierten Bestrebungen dieser Art führen jedoch eher nur in Ausnahmefällen zur dauerhaften Genusveränderung, und auch Versuche der bedeutungsdifferenzierenden Genuszuweisung, betrachtet der Verf. als eher kurzlebig bzw. selten im vollen Umfang und schichtübergreifend durchsetzungsfähig. Zum Zweiten werden zu den externen Faktoren auch destabilisierende, genusneutralisierende Faktoren wie Abwesenheit von Determinanten (sans encombre, en/ faire relâche, 39), vorherrschender oder ausschließlicher Pluralgebrauch (vivres, auspices, obsèques, 43) und Vokalanlaut gezählt (à l’aise, 42), und zwar mit der Begründung: parce qu’ils sont extérieurs au nom concerné (33). Diese Vorgehensweise wäre, auch wenn die zitierte Rechtfertigungsgrundlage zuträfe (was zumindest bei den zitierten Pluralia Tantum nicht der Fall ist), nicht undiskutabel, sind doch die mitwirkenden lautlichen und morphosyntaktischen Gesetzmäßigkeiten wohl kaum als außersprachlich zu bezeichnen. Die entsprechenden Abschnitte (2.2 und 2.3) bieten aber dennoch eine eingehende Analyse, die zugleich mehreren Faktoren Rechnung trägt. So wird z. B. im Zusammenhang mit dem Vokalanlaut u. a. auf folgende Fragen eingegangen: in welcher Weise und mit welchen Folgen sich die Neutralisierung bei den einzelnen Determinanten und in den verschiedenen Sprachepochen manifestiert (oral vs. écrit, Maskulinisierungsvs. Feminisierungstendenz, Genusschwankung vs. dauerhafter Genuswechsel, [partielle] Homophonie im Bereich des afr. und mfr. unbetonten Artikels) und wie sich die Wechselwirkung zwischen Vokalanlaut, Endsilbe und Genus gestaltet (52s.: Vergleich zwischen feminins à finale féminine/ masculine und masculins à finale féminine/ masculine mit dem Ergebnis, dass die Konfiguration Vokalanlaut + mask. Genus + fem. Endsilbe am häufigsten zum dauerhaften Genuswechsel führt). Das dritte, Les facteurs génétiques betitelte Kapitel (50-87) wendet sich den ererbten, mehr oder minder lange fortwährenden Genusschwankungen (z. B. Schwankung bei lat. serpens, bei lat. Dubletten wie lixivium/ lixivia und Drittspracheneinfluss bei Entlehnung als Quelle der Variation im Französischen) und andererseits den Schwankungen bei französischen Bildungen, die auf Konflikte verschiedener Genuszuweisungskriterien zurückgehen und hier an zahlreichen unterschiedlichen Faktorenkonfigurationen veranschaulicht sind (z. B. Motivationskonflikt zwischen Bedeutung des Ganzen und des Bestandteils bei interface [66], zwischen Toponym und Gattungsbegriff bei Malvoisie [70], zwischen impliziten Determinanten bei (lettres/ caractères) italiques [72], remotivations- und wiederentlehnungsbedingte Schwankungen wie bei calme [77] und appendicule [85]). Dabei stößt man allerdings auf einige nicht ganz einwandfreie Stellen. Erstens: Trotz der zu Recht geäußerten Zweifel an den Auffassungen, die dem Genus der Herkunftssprache eine Schlüsselrolle zuschreiben, zieht der Verf. die Abwesenheit der Genuskategorie im Finnischen als vermutliche Erklärung für Schwankungen bei sauna heran (64). Doch auch wenn das Finnische ein Genus besäße, wäre dessen Markierung angesichts der typologischen Entfernung und geringen Kontakte für die Durchschnittssprecher höchstwahrscheinlich gänzlich undurchsichtig; und auch für die normgebenden Kreise wäre hier die Hartnäckigkeit, mit der zeitweise mehr oder minder erfolgreich am Genus der lat. und gr. Etyma festgehalten wurde, wohl kaum zu erwarten. Zweitens stützen sich die Ausführungen in diesem Kapitel allzu oft auf den eigenen Gebrauch (etwa [68]: «pour abréger République Centrafricaine, on disait plutôt le Centrafrique; or nous avons entendu récemment la Centrafrique»), was ihnen stellenweise intuitiv-spekulativen Charakter verleiht und die Frage aufwirft, ob eine auch nur beschränkte Informantenbefragung oder Presseauswertung nicht angebrachter gewesen wäre. Drittens: Bei der Behandlung der Form und Genus betreffenden Schwankungen bei Instrumentbzw. Werkzeugbezeichnungen ist bedauerlicherweise wenig Bereitschaft zu spüren, den Dingen auf den Grund zu gehen 332 Besprechungen - Comptes rendus und sich mit betreffenden fachspezifischen Verwendungsweisen eingehender auseinanderzusetzen. 1 Im vierten Kapitel werden les facteurs morphophonologiques (89-120) behandelt. Die Analyse beginnt mit dem -e féminin, dessen Einfluss als alleiniger Faktor der Feminisierung (besonders im Nfr.) relativiert wird, indem Belege für erfolgreiche Gegenwirkung anderer Faktoren (z. B. Schwankungen und schließliche Stabilisierung des maskulinen Genus bei zahlreichen deverbalen Ableitungen des Typs doute) sowie für Genuswechsel dank anderen Feminisierung begünstigenden Faktoren angeführt werden. Es folgt die Analyse der finales masculines wie z. B. -a, -o, -on, in deren Rahmen gleichfalls unterschiedliche Maskulinisierung stützende bzw. verhindernde Faktoren Erwähnung finden, so z. B.: ursprüngliches Genus des Lehnworts, Vokalanlaut, Leitwortprinzip (manzanilla, vespa: Endung -a gestärkt durch Motivierung über generische Begriffe vin bzw. scooter, 96), zunehmende Verbreitung der Kürzungen wie auto(mobile), (machine) dynamo(-électrique) (97), die gegen die Inkompatibilität der o-Endung mit femininem Genus wirkt, Wortpaare wie une blouse/ un blouson, une balle/ un ballon (98), die das maskuline Genus der auf -on auslautenden Nomina stützen. Ferner behandelt dieses Kapitel die Suffixe wie -oir(e), -age und -ige, die sog. finales ambiguës wie -ule (Variation der auf -ulus, -ulum und -ula zurückgehenden Nomina und vergleichsmäßig geringe Gebrauchsfrequenz als destabilisierende Faktoren) und schließlich die Variationen, die zugleich Form und Genus betreffen und jeweils unterschiedliche Erklärungsgrundlagen haben: Aufrechterhaltung vs. Adaptation der Endsilbe (bégonia m. vs. bégonie f., acacia m./ f. und acacie f., span. chocolate bei Erstbelegen als chocolate m., dann formbedingt chocolate f. und schließlich Stabilisierung als chocolat m., 112s.), zögernder Gebrauch zwischen zwei Adaptationen (it. traffico m. fr. trafic m. und traffique f., 116) und zwischen Genitiv- und Nominativform (lat. thorax, acis zeitweise Schwankung zwischen thorace f. und thorax m., 118). Das Kapitel schließt mit der Feststellung, dass die Tendenz zu morphonologischen Adaptationen generell gesehen mit der Zeit abnimmt und der Einfluss der morphonologischen Faktoren zunehmend vor der Wirkung anderer Faktoren zurückweicht. Im Vergleich zur umsichtigen und differenzierten Vorgehensweise des vierten Kapitels sind die Ausführungen im fünften Kapitel, zumindest gemessen an den mit dem Titel (Les facteurs sémantiques et lexicaux) geweckten Erwartungen, weniger gelungen. Angesichts der relativen Kürze des Kapitels (121-39) geraten hier einige für den Beobachtungsgegenstand nicht unbedingt hochrelevante Sachverhalte eindeutig zu ausführlich: So gelten die ersten dreieinhalb Seiten (5.1. Féminin et pluriel, féminin et collectif) der Affinität zwischen Femininum und Plural, obwohl sich der Verf. im Klaren ist, dass « . . . cette affinité a une origine fortuite, qui n’a rien de rien de fondamentalement sémantique» (123). Außerdem ist es auch nicht ganz einsichtig, warum die im letzten Abschnitt u. a. behandelten homonymie-, reim- und graphiebedingten Genusverwechslungen, die in vielen Fällen auch nicht einmal durch Bedeutungsassoziationen gestützt sind (z. B. 136: «Mais d’autres rapprochements reposent uniquement sur une homophonie partielle»), weitere fünf Seiten dieses Kapitels in Anspruch nehmen sollen. In den übrigen zwei Abschnitten werden mehr oder minder homogene semantische Subkategorien (Bäume, Metalle, Messeinheiten, geometrische Körper usw.) untersucht, sowie durch Konflikte zwischen verschiedenen Bedeutungsäquivalenten und zwischen semantischen und anderen Kriterien bedingte Schwankungen. 333 Besprechungen - Comptes rendus 1 Cf. 74: «La même machine peut être appelée traducteur ou traductrice, alors que pour d’autres emplois seul le masculin traducteur sera possible. De même broyeur et broyeuse, centrifugeur et centrifugeuse, chargeur et chargeuse désignent-ils tantôt des objets différents, tantôt des objets identiques. . . . Il faudrait être plus familier des différentes techniques pour savoir ce qu’il en est de brodeur et brodeuse, calibreur et calibreuse . . . etc.». Das sechste Kapitel (Diachronie, diatopie, diastratie, 141-61), welches teilweise methodischen Problemen gilt, beginnt mit einem Differenzierungsversuch zwischen ce qui est réellement un changement inscrit dans le temps (142), d. h. dem im Laufe der Sprachgeschichte vollzogenen Genuswechsel (z. B. art, ancre), und der Genuszuweisung bei Entlehnungen/ Neubildungen. Anschließend werden die mit der Erfassung der diatopischen Dimension verbundenen Schwierigkeiten diskutiert (Korpuswahlprobleme, definitorische Unklarheiten im Zusammenhang mit dem français régional, relativ geringe Beachtung der Genusfrage in den dialektologischen Arbeiten, schneller Aktualitätsverlust der vorhandenen Korpora usw.) sowie Fälle der Genusvariation, die auf Substrateinflüsse und andere Faktoren zurückzuführen sind. Im nächsten Abschnitt werden einige Stellen der Grammatiken der ersten Hälfte des 20. Jh. untersucht, die auf diastratische Variation hinweisen (z. B. légume, centime: m. bei höheren und f. bei niedrigeren Schichten, 154). Dabei tendiert der Verf. zur Auffassung, dass die meisten dieser Schwankungen im Laufe der Zeit entweder schichtübergreifend vereinheitlicht wurden (alvéole f./ m. f.) oder sich in allen sozialen Milieus fortgesetzt haben (nacre m./ f.), und dass die Schwankungen und Abweichungen vom normativen Gebrauch heutzutage generell gesehen in geringerem Ausmaß die Schichtangehörigkeit spiegeln. Das Kapitel endet mit einigen Überlegungen zur Frage der diaphasischen Dimension der Genusvariation. Im Anschluss an die vorgenommene Differenzierung zwischen situationsbedingter und stilistischer Variation 2 werden hier Beispiele des stilistischen Einsatzes der Genusvariation behandelt, welcher sich insbesondere bei den mots dont le genre n’est pas entièrement fixé (161) anbietet. Das siebte Kapitel (Quel statut pour la variation du genre des non animés, 163-97) gilt der Frage der Norm. Der einführende kurze Überblick reicht von der durch häufige mündliche sowie schriftliche Schwankungen gekennzeichneten Periode vor der Sprachnormierung bis hin zum vergangenen Jahrhundert. Die durch Fortschritte im Bildungs- und Medienbereich begünstigte Generalisierung der Norm fungiert hierbei als Faktor einer gewissen Stabilisierung der Genusvariation, v.a. im Kernwortschatz. Ferner wird der Einfluss von drei garants de la norme (168) - Académie française, Wörterbücher und Grammatiken - untersucht, wobei die faktische Wirkung der Académie française, die «offiziell» über das Genus entscheidet, im Vergleich zu den anderen garants als eingeschränkt und eher mittelbar eingestuft wird (169). In diesem Zusammenhang erfolgt auch ein kritischer Vergleich der von Wörterbuch zu Wörterbuch variierender, mehr oder minder präskriptiven oder willkürlichen lexikographischen Praxis (cf. auch Annexe, 189), sinnvoll ergänzt durch eine tabellarische Darstellung (175s.), die die Ausmaße der Variation an 56 in 11 Wörterbüchern nachgeschlagenen Nomina 3 illustriert. Zum Schluss kommen noch die variations réglementées zur Sprache (181: « . . . les variations récupérées par la norme, ‹justifiées› par une différence de sens ou d’emploi et réglementées»), d. h. die normativen Reglementierungsversuche, die sich nur vereinzelt wie bei mode f./ m. als wirklich durchsetzungsfähig erweisen, und zum Anderen die variations tolérées: Fachtermini, Entlehnungen, Kürzel, nicht lexikalisierte Rekategorisierungsfälle und andere Variationsfälle, die sich jeweils aus unterschiedlichen Gründen dem Normeingriff entziehen. In den ersten beiden Abschnitten des achten und letzten Kapitels (Les noms d’animés, 199-244) wird ausgehend von normativen Empfehlungen, Literatur-, Radio- und Presse- 334 Besprechungen - Comptes rendus 2 Cf. 156: «si l’on définit la diaphasie comme la ‹variation de la langue en fonction de la situation d’énonciation› . . . il n’y a pas de répartition diaphasique du genre pour un même mot . . . En revanche, si l’on associe diaphasie à ‹style›, on peut observer une certaine utilisation stylistique du genre». 3 Z. B. acmé: f. in PR, DHLF, Ac92, m. in GLLF, Lexis, GLE, GDEL, m./ f. in TLF, GRLF, NPR und PLI. beispielen auf die Kontroverse um Genus und Sexus, und im dritten auf das Genus der Tierbezeichnungen eingegangen. Die Feminisierung von Personen-, Amts- und Berufsbezeichnungen wird hier zwar auf eine umsichtige und facettenreiche Weise diskutiert, unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte der Fragestellung (Disponibilität, Generalisierungsgrad und Akzeptanz verschiedener morphologischer und lexikalischer Feminisierungsverfahren, soziale und politische Gebrauchsimplikationen, unterschiedliche Verwendungen in Abhängigkeit des Registers, Prestiges, beruflichen und sozio-kulturellen Kontexts und der Position in der beruflichen Hierarchie) und mit Blick auf die verschiedenen Sprachepochen und die Entwicklungen in anderen Sprachen und Französischvarianten. Das sich im Wesentlichen auf la multiplication des variations sowie la multiplication des incohérences et des inconséquances (227) belaufende Resümee zeigt aber leider nur zu deutlich, dass das Thema mittlerweile nur noch unter Einschränkung auf eine bestimmte Varietät bzw. auf genau umrissene sprach-soziale Konstellationen und auf der Grundlage detaillierter Analysen und eines präzise festgelegten Instrumentariums zu neuen Ergebnissen führen kann. Die Conclusion (245-59) fasst die wichtigsten Fragestellungen und Schwierigkeiten der Genusforschung zusammen, betont nochmals die bei der Genuszuweisung zu berücksichtigenden causalités multiples (21), die mit der Erfassung der diachronen und diatopischen Variation verbundenen Probleme, das Gewicht der Sprachnormierung und die Tendenz zum generischen Maskulinum bei Personen- und Berufsbezeichnungen. Abschließend seien noch zwei nicht ganz unproblematische Vorgehensweisen erwähnt. Als Analysegrundlage dienen überwiegend normative Quellen (Grammatiken, Wörterbücher, Le bon usage), deren beschränkten Aussagewert und nicht zuletzt vorrangig epilinguistischen Charakter der Verf. stellenweise aus den Augen zu verlieren scheint, so dass einige Beispiele künstlich, schulisch oder einfach marginal wirken und nicht gerade den sinnvollsten Beitrag zur Erklärung der Genusvariation leisten. Zweitens: Die eingangs angesprochene und im Titel nicht ganz geschickt angekündigte Ausklammerung der Kongruenzphänoneme führt zur Vernachlässigung sämtlicher Aspekte, die mit der Frage der Genusfunktion, etwa mit den syntaktischen, disambiguierenden, textverweisenden und kohärenzstiftenden Leistungen des Genus zusammenhängen. Die beiden Entscheidungen und die Abwesenheit der allgemeinlinguistisch und universalistisch orientierten Forschungsergebnisse verleihen der Arbeit einen etwas traditionalistischen Charakter und führen nicht zuletzt dazu, dass einige längst festgestellte sprachübergreifende Tendenzen (wie z. B. die Genusneutralisierung im Plural) zu viel Platz einnehmen. Dies schmälert jedoch nur bedingt den Wert dieser interessanten, detailreichen und dank konsequenter Berücksichtigung unterschiedlicher Genuszuweisungsfaktoren und ihrer sprachgeschichtlich bedingten Reichweite durchaus lesenswerten Studie. Goranka Rocco ★ Michaela Krell, L’imparfait qui commente.Analyse d’un corpus journalistique (Le Monde sur CD-ROM),Wien (Edition Praesens) 2001, 308 p. (Salzburger Beiträge zur Sprach- und Kulturwissenschaft 1) Avec son étude sur l’imparfait de commentaire, Michaela Krell introduit un type d’imparfait en contraste avec les fonctions temporelles et aspectuelles qui lui sont attribuées. La recherche se base principalement sur des données empiriques, avec une analyse d’un vaste corpus (Le Monde sur CD-ROM). Au moyen d’un tour d’horizon des recherches récemment entreprises, l’auteur établit dans le chapitre 2 (cf. notamment 2.3. Fondement théorique) les bases théoriques, en introduisant et en expliquant les catégories de l’aspect (per- 335 Besprechungen - Comptes rendus
