Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
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2006
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Kristol De StefaniClaudine Moulin/Damaris Nübling (ed.), Perspektiven einer linguistischen Luxemburgistik. Studien zu Diachronie und Synchronie, Heidelberg (Winter) 2006, viii +356 p.
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2006
Johannes Kramer
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Das Verbum hat durchaus bairisches Gepräge; auffallend ist jedoch die Verallgemeinerung der schwachen PPP-Endung -t, auch bei den starken Verben (z. B. geprocht ‘gebrochen’), nach Meinung des Verfassers nach italienischem Vorbild. Die Nominalflexion entspricht (morphologisch) im großen und ganzen der der anderen bairischen Dialekte, u. a. kein Genitiv, aber -n im Dativ Plural (z. B. khindarn ‘Kindern’), Pluralbildung mit Ø- Morph, mit Umlaut, mit -n und mit -ar, die mit Präposition umschriebenen Ersatzformen sind nach romanischem Vorbild stärker ausgebildet; der Genitiv-Ersatz ist die Präposition vo ‘von’ (z. B. s’ haus vo moin vatar ‘das Haus meines Vaters’). Integrierte Lehnwörter aus dem Romanischen bilden den Plural nach rom. Vorbild, wobei -i zu -e wird (z. B. dar konedjo, di konedje ‘das/ die Kaninchen’, di mosketta, di moskette ‘die Kinnlade(n)’). Feminine und Diminutivbildungen folgen grundsätzlich dem bairischen Muster, auch Lehnwörter können solche Formen bilden (di patrünen ‘die Hausherrin, Patronin’, s’ kharözzle ‘der kleine Wagen’); romanische Vorbilder (wo es kein Neutrum gibt) haben Feminina wie di rössen ‘die Stute (Rössin)’ entstehen lassen. Entlehnte Verben wurden in älterer Zeit nach dem Muster rivan ‘ankommen’ (dial. rivàr), in jüngerer wie partirn ‘abreisen’ (partire) übernommen. Ein bemerkenswertes Lehnpräfix scheint szu sein (lat. ex), z. B. sfortuna ‘Unglück’ (also ähnlich dt. un-), sglesar ‘Glassplitter’ (vom Plural glesar ‘Gläser’). Sehr informativ ist der syntaktische Teil, der eine klare Darstellung des Satzbaues liefert, von den Grundstrukturen bis zu komplexen Sätzen. Auch hier kommen Fragen des Sprachkontakts nicht zu kurz. So entspricht z. B. dar pua hat gelirnt vor di schual ‘der Bub (Junge) hat für die Schule gelernt’ genau dem ital. Modell: il ragazzo ha studiato per la scuola. Hingegen entspricht eine Wortfolge wie dar pua hat gemucht lirnen ‘der Bub hat lernen müssen’ zwar auch der italienischen (il ragazzo ha dovuto studiare), kommt aber auch in anderen bairischen Mundarten vor (z. B. Kärnten). Italienischen Vorbildern folgen Sätze wie disar boi hat nå schopp ‘dieser Wein hat (riecht) nach Korken’, ital. questo vino sa da tappo (eigentlich ein Partitiv). Ein ausführliches Register und eine Bibliographie beschließen die Monographie, die Interessenten an den deutschen Sprachinselmundarten und an deutsch-romanischem Sprachkontakt in gleicher Weise nützliche Dienste leistet und auch für die Sprecher des Luserner Zimbrischen ein wertvoller Ratgeber ist. Der Verfasser beschäftigt sich schon seit 1980 mit dieser Mundart und hat eine Reihe von einschlägigen Publikationen vorgelegt. Das vorliegende Buch ist somit als reifes Werk zu bezeichnen, das mehr als ein Vierteljahrhundert intensiver eigener Forschung zusammenfasst. Heinz Dieter Pohl ★ Claudine Moulin/ Damaris Nübling (ed.), Perspektiven einer linguistischen Luxemburgistik. Studien zu Diachronie und Synchronie, Heidelberg (Winter) 2006, viii + 356 p. Anzuzeigen ist ein Sammelband, der die Beiträge eines Löwener Colloquiums über «Luxemburgisch in Synchronie und Diachronie» vereint, das im August 2001 unter den Auspizien der Societas Linguistica Europaea stattfand. Da das Luxemburgische 1 zur Germania gehört, kommen primär Germanisten zu Wort, aber sowohl wegen der Lage Luxemburgs an der Grenze zur Romania als auch wegen der Phänomene, die beim unlängst erfolgten 149 Besprechungen - Comptes rendus 1 Ob man die deutsche Bezeichnung Luxemburgisch oder die einheimische Bezeichnung Lëtzebuergesch wählt, ist Geschmackssache; im vorliegenden Sammelband kommen, je nach Autor(in), beide Bezeichnungen vor. Ausbau des kleinen Heimatidioms zur langue nationale auftraten und auftreten, verdienen die Beiträge des Sammelbandes die volle Aufmerksamkeit der Romanistik. Peter Gilles beschäftigt sich mit «Dialektausgleich im Lëtzebuergeschen» (1-27). Er glaubt nicht an die Herausbildung einer Koiné (Entstehung «einer neuen Varietät, die im Unterschied zu den Ausgangsvarietäten durch ‹Vereinfachung› [simplification] gekennzeichnet ist» [6]), sondern an dialektale Advergenz der Mundarten des Südens, Ostens und Nordens an die Sprachform des Zentrums; wenn das richtig ist, dann haben wir es jedenfalls mit einer interessanten Sonderform des horizontalen Dialektausgleiches zu tun. Noch ist allerdings ein Übergangszustand mit Irregularitäten und Variabilitäten festzustellen, aber man kann doch beobachten, dass Eigentümlichkeiten des Zentralluxemburgischen in die lateralen Mundarten ausstrahlen; «umgekehrt werden jedoch keine südlichen, östlichen oder nördlichen Merkmale in das Zentralluxemburgische übernommen» (23). Der zweite Beitrag von Peter Gilles widmet sich einem lautlichen Phänomen des Moselfränkischen, dem «n mobile», das im Luxemburgischen besonders regelhaft auftritt: «Phonologie der n-Tilgung im Moselfränkischen (‹Eifler Regel›). Ein Beitrag zur dialektologischen Prosodieforschung» (29-68). Die Faustregel zum «n mobile» lautet, dass Schlussn nur im absoluten Auslaut oder vor folgendem h, d, t oder ts (orthographisch z) realisiert wird, in allen anderen Fällen jedoch nicht gesprochen wird. Herr Gilles liefert einige Präzisierungen (z. B. Blockierung der n-Tilgung nach Velarvokalen) und beschreibt dann den im Grunde einfachen Tilgungsmechanismus mit einer sehr komplizierten Regel im Rahmen der nicht-linearen CV-Phonologie - angesichts des Aufwandes wächst beim Rezensenten ketzerischerweise das Verständnis dafür, dass generative Ansätze in der Romanistik nie wirklich Anklang gefunden haben. Mit dem «n mobile» in den deutschen Dialekten östlich der Luxemburger Staatsgrenze beschäftigt sich Heiko Girnth in seinem Beitrag «Entwicklungstendenzen der ‹Eifler Regel› im Moselfränkischen» (69-86). Es stellt sich heraus, dass bei der n-Tilgung ein «Zustand der Variabilität» (76) eingetreten ist: Im Dialekt der jüngeren Generation wird abgesehen vom konservativen Grenzstreifen der äußersten Westeifel «das auslautende n nicht mehr regelkonform getilgt» (76). In Luxemburg hingegen herrscht nicht Variabilität, sondern strenge Observanz der Regeln zum «n mobile», so dass «die kontextphonologisch determinierte n-Tilgung bzw. der n-Erhalt zu einem exklusiven Merkmal des Luxemburgischen werden könnte» (77). Eine einheimische Lautregel wird also dort, wo das Deutsche als Dachsprache fungiert, ausgehöhlt, während sie dort, wo man sich von dieser Dachsprache gelöst hat, größere Stringenz bekommt. Die Überschrift des Beitrages von Georg Drenda nimmt bereits das Ergebnis vorweg: «Phonetisch-phonologischer Wandel im Moselfränkischen: Zentralisierungsabbau» (87- 106). Die phonetische Zentralisierung, d. h. die Velarisierung palataler Vokale zu velopalatalen einerseits und die Palatalisierung velarer Vokale zu palatovelaren, ist in moselfränkischen Dialekten Deutschlands - auf Luxemburg geht der Beitrag nicht konkret ein - im Rückgang begriffen. Damaris Nübling stellt Überlegungen «Zur Entstehung und Struktur ungebändigter Allomorphie: Pluralbildungsverfahren im Luxemburgischen» (107-25) an. Im Luxemburgischen gibt es nicht weniger als 12 Grundverfahren der nominalen Pluralbildung, daneben Untergruppen und Ausnahmen (zum Vergleich: im Deutschen gibt es vier Pluralbildungstypen, im Englischen zwei). «Die komplette Erfassung sämtlicher luxemburgischer Pluralbildungsverfahren steht noch aus» (109), aber Frau Nübling zeigt sehr einleuchtend, dass angesichts der stärker als im Deutschen ausgeprägten Homophonie verschiedener Genus- und Numerusformen des bestimmten Artikels «die deutliche Markierung der Kategorie ‹Plural› direkt am bzw. im Substantiv» (123) oberstes Prinzip ist. Aus romanistischer Sicht ist interessant, dass auch die französischen Lehnwörter - einschließlich der jüngsten - an 150 Besprechungen - Comptes rendus den verschiedenen Pluralbildungsarten des Luxemburgischen teilhaben (Apport - Apporen, Biffdeck - Biffdecker), auch an seltenen und komplizierten (Coup - Ki, Tirang - Tiräng, Club - Clibb) (119). Die Pluralbildung östlich der Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland untersucht Heiko Girnth, «Arealität und Grammatikalisierung. Zur Dynamik der Pluralkodierung in den moselfränkischen Dialekten des Deutschen» (127-37). Im Vergleich zum Luxemburgischen zeigt sich «ein Abbau des additiven und subtraktiven Typs zugunsten des stärker grammatikalisierten modulatorischen Typs und seiner Kombination bzw. des Null-Typs» (134), wobei die Entwicklung keineswegs in Richtung der Angleichung an die deutsche Standardsprache verläuft; vielmehr bilden sich großflächige Regionaldialekte heraus. «Präteritopräsentia im Luxemburgischen - Eigenwege einer verbalflexivischen Sonderklasse» stellt Antje Dammel vor (139-69). Innerhalb dieser hochfrequenten Gruppe von Wörtern - abgesehen von wissen ausschließlich Modalverben - bilden sich Kleingruppen heraus, wobei «die Morphologie des Deutschen eher aktiv ordnend eingreift . . ., während die des Luxemburgischen dem phonologischen Wandel freien Lauf lässt» (165). In ihrem Beitrag «Auf Umwegen zum Passivauxiliar. Die Grammatikalisierungspfade von geben, werden, kommen und bleiben im Luxemburgischen, Deutschen und Schwedischen» (171-201) stellt Damaris Nübling die These auf, «dass Vollverben nicht direkt zu Passivauxiliarien grammatikalisieren, sondern dass dieser Pfad über die Inchoativkopula verläuft» (197). Im Luxemburgischen wird gin ‘geben’ zunächst zur Inchoativkopula (ech gi krank ‘ich werde krank’), bevor es zum Ausdruck des Passivs wird: ech gi gesinn ‘ich werde gesehen’. Parellele Vorgänge bei deutsch werden, süddeutsch kommen, schwedisch bli ‘bleiben’ unterstützen die überzeugende These. Es wäre interessant, den Ansatz in der Romania auf die Probe zu stellen: surselvisch vegnir und rumänisch a fi bieten sich an. François Schanen liefert einen detaillierten Beitrag zu «Kréien (+ Partizip II) im Lëtzebuergeschen» (203-25). Das Verb kréien (formal, aber nicht funktional deutsch kriegen entsprechend) kann als Vollverb, prädikatsattribuierende Kopula, Passivauxiliar und Ingressivauxiliar auftreten: «Kréien kann . . . subjektgerichtet oder objektorientiert sein: Seine Bedeutung reicht, je nach kontextuellen Bedingungen, vom passivischen ‘kriegen, bekommen, in Besitz nehmen’ zum agentiven ‘erhalten, ergreifen, hinkriegen’. In dieser seiner semantischen Flexibilität liegt . . . der Grund für den so breiten Gebrauch des luxemburgischen kréien» (224). Elvira Glaser liefert Bemerkungen «Zur Syntax des Lëtzebuergeschen: Skizze und Forschungsprogramm» (227-46). Sie arbeitet bezüglich der Positionierung der luxemburgischen Syntax im Rahmen der deutschen Dialekte heraus, «dass Luxemburg von drei für den deutschsprachigen Dialektraum maßgeblichen grammatischen Isoglossen durchschnitten wird: die Setzung des Artikels bei Personennamen, die Verwendung einer synthetischen Präteritalform sowie die Verwendung der wo-Partikel zur Bildung von Relativsätzen» (240- 41). Die Dialekte Luxemburgs bilden also in der Syntax keine Einheit, sondern sie zerfallen ganz grob in einen nördlichen und in einen südlichen Block, wobei es interessant sein wird, in welche Richtung sich die Nationalsprache in statu nascendi weiterentwickeln wird, «südliche» Tendenzen der Hauptstadt oder Ausgleich. Leider hat Frau Glaser, wie es traditionellerweise in der germanistischen Dialektologie üblich ist, das Luxemburgische alleine im Rahmen des Gefüges der deutschen Mundarten ohne Berücksichtigung des romanischen Sub- und Adstrates behandelt, was ja gerade bei syntaktischen Fragestellungen problematisch sein kann, denn die ständige Präsenz des Französischen kann gerade in der Morphosyntax neue Strukturen hervorbringen (z. B. die Generalisierung der analytischen Steigerung vom Typ méi grouss = plus grand) oder vorhandene Stärken (z. B. die Stellung flektiertes Hilfsverb + Ersatzinfinitiv + Vollverbinfinitiv: ech hu misse kräischen = j’ai du crier). Für die Frage, warum gerade das Luxemburgische und das Schweizerdeutsche «zu 151 Besprechungen - Comptes rendus den wenigen deutschen Dialekten» zu stellen sind, «die keine w-Pronomina in indefiniter Funktion kennen» (233) (also: deutsch das ist was gegen lux. dat as eppes Aneschtes) sollte man jedenfalls wenigstens die Überlegung anstellen, ob das etwas mit französischen Ausdrucksweisen (ça c’est quelque chose) zu tun haben könnte. Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn man in der Germanistik der Rolle der Interferenz in der Sprachgeschichte die Aufmerksamkeit schenken würde, die sie in der Romanistik von jeher hat - man denke beispielsweise an die Forschungen von Heinrich Schmid oder Heinrich Kuen, um nur zwei große Namen zu nennen. Natalia Filatkina stellt «Vorüberlegungen zu einem phraseologischen Wörterbuch des Lëtzebuergeschen» an (247-77). Nach einem Überblick über den Forschungsstand skizziert sie das ihr vorschwebende «möglichst umfangreiche, synchrone, sich auf aktive Sprachproduktion sowie Sprachrezeption beziehende Bedeutungswörterbuch . . ., dessen Makrostruktur sich in zwei Teile gliedern würde: einen alphabetischen und einen zusätzlichen onomasiologisch geordneten Teil» (254). Vier Probeartikel (261; 263; 269; 271) illustrieren die Vorgehensweise. Das Projekt sieht sehr vielversprechend aus und würde das Luxemburgische im Kreise der linguae minores zu einem der im Bereich der Phraseologie bestdokumentierten Idiome machen; gerade angesichts der Ambitioniertheit des Unternehmens wäre es zu überlegen, ob man nicht noch den letzten Baustein hinzufügen sollte, der am monumentum aere perennius fehlen würde. Frau Filatkina plant lediglich ein «aktives» Korpus von bei Gewährsleuten zu erhebenden «mental präsenten Phraseologismen» (257), aber angesichts des doch relativ geringen Umfangs der schriftlichen Tradition der luxemburgischen Sprache wäre es doch ein ziemlich kleiner zusätzlicher Aufwand, gleichzeitig ein «passives» Korpus literarischer und semi-literarischer Belege zu sammeln und so einen echten Thesaurus Phraseologiae Luxemburgenis zu erstellen 2 . Andrea Rapp behandelt «Frühe moselfränkische Urkunden in Luxemburg. Der Beitrag der Urkundensprache zur Erforschung der moselfränkischen Sprachgeschichte» (279-303). Sie betont, dass Urkunden im Gegensatz zu literarischen Handschriften meist datiert und gut lokalisierbar sind, dass aber bei jeder Urkunde die spezifischen Erstellungsbedingungen (Realgeschichte, Ausbildung des Schreibers, mundartnahe oder entregionalisierte Skripta) zu berücksichtigen sind, bevor man dialektologische Aussagen machen kann, denn «die diatopische Differenzierung . . . greift als monokausales Erklärungsmuster zu kurz. Diastratische, diaphasische und diatextuelle Modelle sind zu berücksichtigen» (297). Den Prozessen, die beim Ausbau des Luxemburgischen zu einer Nationalsprache mit standardisierten Merkmalen ablaufen, widmet sich Claudine Moulin in ihrem Aufsatz «Grammatisierung und Standardisierung des Luxemburgischen. Eine grammatikographisch-sprachhistorische Annäherung» (305-39). Der historische Ablauf der Grammatisierung, d. h. «der Ausbildung einer kodifikatorischen grammatischen und lexikographischen Literatur» (315), wird von Frau Moulin in seinen entscheidenden Etappen vom Beginn in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts an beschrieben und verglichen mit parallelen, meist früher einsetzenden und früher abgeschlossenen Vorgängen in anderen europäischen Sprachen. Mit seinem Beitrag «Abschied vom Dialekt. Zur lëtzebuergeschsprachigen belletristischen Gegenwartsliteratur» (241-56) rundet Guy Berg den Sammelband ab. Er unterscheidet zu Recht eine gattungs- und themenmäßig in den Rahmen der Dialektschriftstellerei zu stellende Epoche von 1829 bis etwa 1970 und einen Neuansatz, der «mit dem Anspruch auf- 152 Besprechungen - Comptes rendus 2 Den Reichtum der luxemburgischen Phraseologie kann man aus dem reichen Beispielmaterial erschließen, das in der soeben veröffentlichten Dissertation von Frau Filatkina geboten wird: Phraseologie des Lëtzebuergeschen, Heidelberg 2005. tritt, zeitgemäße Themen literarisch zu verarbeiten und damit moderne Literatur vorzulegen, die bereit ist, auf jeglichen Dialektbonus zu verzichten und sich als eigenständige Literatur zu behaupten» (346). Der Beitrag von Herrn Berg vermittelt freilich nur ein fragmentarisches Bild der Literaturszene Luxemburgs, denn sie wird nicht nur von Werken in luxemburgischer Sprache, sondern mindestens in demselben Maße von Werken in französischer 3 , deutscher und inzwischen auch portugiesischer und italienischer Sprache 4 geprägt. Der vorliegende Sammelband illustriert am Beispiel des Luxemburgischen, welche Vorgänge bei der Herausbildung einer neuen Schriftsprache, die dem Anspruch, Nationalsprache zu sein, gerecht werden möchte, auftreten können. Das luxemburgische Beispiel verdient Beachtung durch alle, die mit ähnlichen Vorgängen in der Romania, von den Pyrenäen über die Alpen bis zum Grammos, zu tun haben. Das hier besprochene Buch sollte folglich in keiner romanistischen Bibliothek fehlen. Johannes Kramer ★ Norbert Dittmar, Transkription. Ein Leitfaden mit Aufgaben für Studenten, Forscher und Laien, 2. Auflage, Wiesbaden (VS Verlag) 2004, 256 p. (Qualitative Sozialforschung 10) Que tout un ouvrage soit consacré au thème de la transcription montre à quel point les approches de la réalité sociale à partir de données audio/ video authentiques transcrites occupent une place toujours plus importante dans les sciences sociales: pragmatique, analyse conversationnelle, linguistique interactionniste, sociolinguistique qualitative, par exemple. Or, la vitalité de ces champs d’études qui, tout en générant une grande diversité de résultats, a comme pendant une forte hétérogénéité des systèmes de transcription, hétérogénéité qui renvoie à la multiplicité des objectifs que se fixent les différentes approches et aux méthodes spécifiques des chercheurs. Le livre de N. Dittmar vient donc à point pour faire découvrir cette diversité à un public relativement large à qui il permet d’appréhender certains des enjeux méthodologiques et analytiques liés à la transcription. Le temps semble en effet venu de reconnaître que la transcription ne sert pas seulement de préalable à l’analyse ni de simple illustration des résultats, mais qu’elle est la partie centrale du processus de production scientifique des approches qui s’en servent. De la sorte, la transcription n’est pas un lieu neutre: les choix qui y sont faits ont des conséquences sur l’observabilité et le traitement des données. Le transfert de l’enregistrement vers sa représentation écrite ne va pas sans poser de nombreux problèmes, que les conventions de transcriptions, qui se trouvent en général en annexe des ouvrages, thématisent plus ou moins explicitement et règlent avec plus ou moins de bonheur. Dans le présent ouvrage, ces éléments alimentent l’entier de la réflexion de l’auteur, ce qui permet de les aborder et de les traiter, pour une fois, de manière centrale et unique. Comme le relevait déjà Harvey Sacks, la transcription offre un avantage considérable en termes de transparence des analyses, du fait que «the reader has as much information as the author and can reproduce the analysis . . . I’m showing my materials and others can analyze them as well» (H. Sacks, Lectures on Conversation 1992: 27). La transcription est ainsi conçue comme un outil permettant une conception renouvelée de la science quant à son rapport aux données et à l’analyse. Malheureusement, la transparence a un prix. Celui-ci ré- 153 Besprechungen - Comptes rendus 3 Vgl. Rosemarie Kiefer, Littérature luxembourgeoise de langue française, Sherbrooke 1980. 4 Vgl. dazu jetzt Jos Boggiani/ Maria Luisa Caldognetto/ Claudio Cicotti/ Antoinette Reuter (ed.), Paroles et images de l’immigration. Langue, Littérature et Cinéma: temoins de la présence italienne au Luxembourg et dans la Grande Région, Luxembourg 2006.
