eJournals Vox Romanica 66/1

Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
2007
661 Kristol De Stefani

Ermenegildo Bidese/James R.Dow/Thomas Stolz (ed.), Das Zimbrische zwischen Germanisch und Romanisch, Bochum (Brockmeyer) 2005, 240 p. (Diversitas Linguarum 9)

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2007
Roger  Schöntag
vox6610245
Kapitel 5 verfolgt schließlich das Ziel, Verben mit valenzabhängiger komitativer Präpositionalphrase in das in Kapitel 4 erarbeitete Raster einzuordnen. Dabei ist vielleicht zu bedauern, dass die Autorin auf die Erstellung eines eigenen Korpus verzichtet und stattdessen für jede Einzelsprache ein Korpus «zusammenstückelt». Die ausgewählten Beispiele sind aber mit Bedacht gewählt. So ist es zu begrüßen, dass Quellen gesprochen-informellen Charakters ausgeschlossen werden, da «dort Abweichungen im Gebrauch der Präpositionen zu erwarten sind» (184). Die Darstellung der Verben mit komitativer Präpositionalphrase erfolgt sinnvollerweise getrennt nach Sprachen und folgt der Untergliederung nach Subkategorisierungen, Konstruktionstypen und den semantischen Rollen der Mitspieler. Endruschat weist anhand dieser Auflistung nach, dass in allen (untersuchten) romanischen Sprachen die einzelnen Subkategorisierungen durch Verb-Präposition-Verbindungen ausgedrückt werden können, und dass die komitativische Bedeutung der Präposition auch in grammatikalisierten Verwendungen erhalten bleibt. Innerhalb der Subkategorisierungen treten allerdings sprachspezifische Besonderheiten auf; vor allem beim Französischen stellt Endruschat einige Diskrepanzen im Vergleich zu anderen romanischen Sprachen fest. In Kapitel 6 werden die wichtigsten Schlussfolgerungen der Arbeit zusammengetragen und Desiderata für weiterführende Untersuchungen benannt. Die hier besprochene Arbeit leistet insgesamt betrachtet einen wichtigen Beitrag zur semantischen Beschreibung der komitativen Präpositionen und ihren Verwendungen in den romanischen Sprachen. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass die Arbeit gleich an mehreren Problemstellen der aktuellen Forschungslage ansetzt und Lösungsansätze aufzeigt: So wird nicht nur die bislang unbefriedigende Beschreibung des Komitativs thematisiert, sondern u. a. auch die der Wortart Präposition im Allgemeinen zugeschriebenen Funktionen. Hier weist Endruschat ausdrücklich darauf hin, dass Präpositionen nicht entweder lexikalisch oder grammatisch sind, sondern dass sie wahlweise die eine oder andere Funktion übernehmen können. Schließlich gelingt es Endruschat auch und vor allem, mit ihren auf der Basis von Jacobs (1994) durchgeführten Analysen etwas Licht in die unbefriedigende Lage der Valenzdiskussion zu bringen. Durch die systematische Auseinandersetzung mit diesen theoretischen Problemfeldern leistet die Arbeit nicht nur einen bemerkenswerten Beitrag zur Beschreibung valenzgeforderter Präpositionalphrasen, sondern legt auch den Grundstein für zukünftige Beschreibungen komplexerer syntaktischer Verbindungen mit komitativer Bedeutung, die auf die von Endruschat entwickelten Subkategorisierungen zurückgreifen können und sollten. Carolin Patzelt ★ Ermenegildo Bidese/ James R. Dow/ Thomas Stolz (ed.), Das Zimbrische zwischen Germanisch und Romanisch, Bochum (Brockmeyer) 2005, 240 p. (Diversitas Linguarum 9) Der unter der Ägide einer internationalen Herausgebergemeinschaft entstandene Sammelband ist das Ergebnis der am 7. und 8. Januar 2005 in Bremen veranstalteten Tagung «Das Zimbrische zwischen Germanisch und Romanisch» des Fachbereiches Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen in Kooperation mit dem korrespondierenden Fachbereich Lingue e Letterature der Università degli Studi von Verona. Äußerst begrüßenswert ist dieser Beitrag nicht nur, weil der letzte Kongress mit dem Schwerpunkt zimbrische Sprache und Kultur bereits 25 Jahre zurückliegt und das wissenschaftliche Schrifttum zu diesem Themenbereich nicht gerade überbordend ist, sondern auch weil dieser Band in fruchtbarer Weise ein Spektrum von Aufsätzen vereint, die sowohl einzelsprachliche Phänomene des Zimbrischen behandeln, als auch größere linguistische 245 Besprechungen - Comptes rendus Zusammenhänge thematisieren, abgerundet durch einige Beiträge zu anderen, kulturwissenschaftlich interessanten Gegebenheiten. Der Sammelband ist zweigeteilt in (I) Sprachwissenschaftliche Themen und (II) Kulturanthropologische Themen, wobei der linguistische Part nochmals in die Bereiche (1) Theoretische Aspekte der Kontaktlinguistik, (2) Empirisches zum Zimbrischen und (3) Parallelen aus der Germania gegliedert wurde. Die erste Sektion, in der die spezifische Sprachinselsituation des Zimbrischen und die daraus resultierenden linguistischen Besonderheiten im Spiegel allgemeiner oder anderer Sprachkontaktphänomene beleuchtet und nutzbar gemacht werden, wird durch den Beitrag Interferenz, Transferenz und Sprachmischung: Prolegomena zu einer konstruktivistischen Theorie des Sprachkontaktes von Klaus Zimmermann eröffnet. Ausgehend von einer neurobiologisch basierten Theorie des Konstruktivismus sucht dieser die zentralen Begriffe des Sprachkontaktes neu zu definieren bzw. die dahinterstehenden sprachlichen und außersprachlichen Phänomene kritisch zu hinterfragen. Die zentrale Rolle der Kognition im Sprachkontakt begründet sich durch die individuelle und spezifische Perzeption des Menschen und die damit zusammenhängende Art des Kommunikationsverhaltens. Angenommen wird, dass die Wahrnehmungswelt eines Individuums immer konstruiert ist, da die zu postulierende Wirklichkeit als physikalische Realität vom menschlichen Gehirn nur in Form von elektrischen Impulsen berührt wird. Diese werden dann mit Hilfe stammesgeschichtlich und erfahrungsbedingt erworbener Regeln zu bedeutungshaften Wahrnehmungsinhalten zusammengesetzt, wobei die entstandene Wahrnehmung hochgradig selektiv ist und von rationalen und emotionalen Faktoren abhängt. Die unterschiedliche Art der Verarbeitung von Daten im Gehirn gebietet eine entsprechende Differenzierung des Sprachkontaktes, je nachdem, in welcher zeitlichen Relation die Konfrontation von Erst- und Zweitsprache abläuft: a) Erlernung von L2 nach L1 (+ Sprechen in L2), b) L1 mit Elementen aus L2, c) L1 + L2 gleichzeitig. Dementsprechend sind dann auch die im Titel thematisierten Begriffe zu definieren: 1) Interferenz: Elemente + Strukturen von L1 in L2 (Basissprache L2), 2) Transferenz: Elemente + Strukturen von L2 in L1 (Basissprache L1), 3) Sprachmischung: Sprechen von 2 Sprachen: a) strukturelle Sprachmischung (z. B. frühkindliches Sprechen mit 2 Sprachen, Language Intertwining), b) kommunikative Sprachmischung (z. B. Code-Switching, Code-Mixing), 4) Neukreation: Sprachkontakt als Auslöser für die Entstehung neuer Sprachen. Wie sehr schließlich die jeweils eigene selektive Wahrnehmung Art und Umfang eines Sprachkontaktes steuert, zeigt die nachgewiesene Relevanz von Parametern, welche die Einflussbereitschaft bzw. Resistenz gegen Einflüsse von Sprechern kennzeichnen. Parameter wie «individuelle Zielsetzung beim Erlernen» oder «Prestige» sind aber nicht nur individuell determiniert, sondern gehorchen einem (un)bewussten Abgleichen mit den Strategien anderer Sprachteilnehmer, so dass hier durchaus auch (sprach)soziologische Prozesse ablaufen 1 . Inwieweit diese hier geschilderten kognitiven und soziologischen Prozesse nun zur Klärung der zimbrischen Sprachsituation beitragen können, wird von Zimmermann indes leider nicht mehr ausgeführt. Der zweite Beitrag Migration von Sprachen und Kulturen - Überlegungen zur kulturellen Dynamik von symbolischen Formen (besonders im Alpenraum) von Wolfgang Wildgen setzt zur Erklärung der Dynamik von Sprachkontakt und Sprachwechsel bei der Einbettung des Menschen in sein kulturelles und naturgegebenes Umfeld an. Ausgehend von 246 Besprechungen - Comptes rendus 1 Zu möglicherweise weiteren relevanten Parametern bei der Erfassung von verschiedenen Sprachkontaktsituationen cf. auch R. Schöntag, Sprachkontakt: Grammatische Interferenz im Französischen? , München 2003: 61-74. der Tatsache, dass Sprachen eingebunden sind in den gesamtökologischen Komplex von Mensch, Tier, Pflanze und Klima, können Sprachkontakt und Sprachveränderung auch nur im Zuge von größeren Migrationsprozessen und der damit einhergehenden Veränderung bestimmter Faktoren betrachtet werden. Migration betrifft prinzipiell alle Lebewesen, d. h. Pflanzen (im Sinne von Ausbreitung) wie Tiere und damit auch den Menschen, wobei zwischen regelmäßigen Bewegungen (z. B. Jagen, Sammeln), saisonalen Bewegungen (z. B. Transhumanz), Expansionen (Erweiterung eines Lebensraumes) und Völkerwanderungen (z. T. Raubmigration) unterschieden werden kann. Bei jeder räumlichen Verschiebung kommt es unweigerlich auch zur Wanderung von Kulturgütern, Techniken, Innovationen, Sitten und Gebräuchen sowie Sprachen. Indem die biologische Migration, also die demischen Bewegungen, in chronologische Relation zur symbolischen Migration, d. h. der Verbreitung von symbolischen Formen wie Mythen, Kunst, Technik, Religion, Sprache, Ökonomie- und Rechtssystemen gesetzt wird, lassen sich kulturgeschichtliche Veränderungen besser in einen entsprechenden Kausalzusammenhang bringen. Bei der Skizzierung von Wanderungsbewegungen im Verlauf der Menschheitsgeschichte können immer wieder benutzte Haupt- und Nebenrouten ausgemacht werden, die wie ein Netz den gesamten Siedlungsraum der Erde umspannen. Anhand des Verlaufes solcher Migrationswege lassen sich bestimmte Gesetzmäßigkeiten der Besiedlung bestimmen. So sind viele Wanderungsbewegungen entlang von Flussläufen verlaufen und konnten dort mit größerer Geschwindigkeit vonstatten gehen, während sie etwa an Gebirgszügen gebremst wurden. Diese Lenkung von Migration durch natürliche Gegebenheiten hat auch Auswirkungen auf den Kultur- und Sprachkontakt. Für das Zimbrische im Giazza-Tal lässt sich die entstandene Sprachinselsituation gut mit der nach Norden durch hohe Berge und schwierige Übergänge gehemmten Kontaktmöglichkeit zu den benachbarten germanischen Idiomen, und dem zwar offenen, aber durch romanische Dialekte als Sprachbarriere ebenfalls abgetrennten Talzugang nach Süden in Einklang bringen. Im dritten Beitrag der ersten Sektion über die Italianisierung in den alloglotten Sprachen Italiens von Thomas Stolz wird die zimbrische Sprachkontaktsituation in Analogie zu anderen Sprachinselsituationen gesetzt, bei denen das Italienische in seinen verschiedenen Ausprägungen maßgeblichen Einfluss als Dachsprache ausübt. Stolz geht von der Überlegung aus, dass ein plausibler Nachweis für die Entlehnung eines eventuell kontaktinduzierten sprachlichen Phänomens vor allem dann möglich ist, wenn es in vergleichbaren Sprachkontaktsituationen ebenfalls auftritt. Er stellt deshalb das Zimbrische dem Italo- Albanischen, dem Italo-Griechischen, dem Italo-Slavischen und schließlich dem Maltesischen gegenüber. Exemplarisch soll sein Vorgehen anhand der lexikalischen Entlehnung von it. allora in seiner temporalen und kausalen Bedeutung dargelegt werden. Alle aufgeführten Sprachen bzw. Sprachvarietäten haben ohne belegbare strukturelle Not allora aus dem Italienischen übernommen und zwar in der gleichen Funktion wie in der Gebersprache, nämlich als temporal-kausale Partikel zur Diskursgliederung. In dieser Hinsicht sind die alloglotten Sprachen Italiens somit in gewisser Weise «italienischer» geworden. Dies gilt ebenso für die etwas abweichende Kontaktsituation auf Malta, wo das Italienische jedoch den gleichen Mechanismus wie bei den anderen Sprachgemeinschaften in Gang setzte. Auch ein Vergleich mit außereuropäischen Fällen einer derartigen Entlehnung von Diskursmarkern lässt recht zuverlässig darauf schließen, dass sich das Zimbrische zumindest in dieser Hinsicht durchaus «regelkonform» verhält, wenn es als Replikasprache Diskurspartikel der Prestigesprache übernimmt und entsprechend in sein Sprachsystem eingliedert. Im Anschluss an diese ersten drei, hier etwas ausführlicher resümierten Beiträge drängt sich ein allgemeines Desiderat auf, und zwar bezüglich einer gesamtheitlicheren Vorgehensweise bei der Beurteilung von potentiellen Sprachkontaktphänomenen. Jeder der hier referierten Ansätze hat seine begründete Berechtigung, denn sowohl die Einbeziehung von 247 Besprechungen - Comptes rendus kognitiven Prozessen oder kulturellen Dynamiken, als auch die Berücksichtigung von vergleichbaren Situationen bringt Licht in einen sehr komplexen Prozess, sollte jedoch nicht dazu verführen, nur mit einer Theorie oder Methode zu operieren. Die zweite Sektion mit spezifisch zimbrischen Fragestellungen beginnt mit dem Artikel von Ermenegildo Bidese und Alessandra Tomaselli zu den Formen der «Herausstellung» und Verlust der V2-Restriktion in der Geschichte der zimbrischen Sprache, in dem die Entwicklung der Syntax im Kontext der romanischen Einflusssphäre untersucht wird. Mit Hilfe eines Korpus, der Texte und Sprachbeispiele vom ersten zimbrischen Katechismus (1602) bis heute umfasst, wird in diachronischer Betrachtung der langsame Abbau des V2- Phänomens im Zimbrischen analysiert. Dabei lässt sich jedoch aufgrund der bekannten Resistenz grammatischer Strukturen gegen fremdsprachliche Beeinflussung 2 nur partiell und unter gewissen Bedingungen eine Einflussnahme benachbarter italienischer Dialekte postulieren. Die im Zimbrischen wie im Standarddeutschen verankerte Restriktion bezüglich der linearen Wortfolge, dass im Aussagesatz nur eine Konstituente vor dem Verb stehen kann, wird geschwächt, wenn in bestimmten Ausnahmefällen Satzkonstruktionen (z. B. Fokussierung), wohl unter romanischem Einfluss, reanalysiert werden, wobei auch veränderte Satzstellungen zu registrieren sind, die keine Parallele in der romanischen Struktur haben. Teil der zweiten linguistischen Sektion des Sammelbandes sind auch die Beiträge von Adriana Castagna zu den Personalpronomen und Klitika im Zimbrischen mit einer Untersuchung zu den Stellungseigenschaften des Subjektes, der Positionierung von nominalen, pronominalen und klitischen Objekten sowie dem Phänomen des clitic doubling, und von Günther Grewendorf und Cecilia Poletto, die den Dialekt von Ploden (Sappada, auf der Südseite der Karnischen Alpen) mit dem Zimbrischen in Bezug auf einen postulierten Wandel in der Wortstellung analysieren (Von OV zu VO: ein Vergleich zwischen Zimbrisch und Plodarisch). Die dritte sprachwissenschaftliche Sektion Parallelen aus der Germania beginnt mit dem Aufsatz von Christel Stolz Zur Typologie der Genuszuweisung im Standarddeutschen und Zimbrischen, in dem die mögliche Variation im Genus des Substantivs kontrastiv sehr anschaulich aufgezeigt wird. Zur morphosyntaktischen Integration von entlehnten nominalen Lexemen gehört im Deutschen auch die Zuweisung eines Genus, die von der Sprachgemeinschaft intuitiv nach bestimmten Kriterien vorgenommen wird. Der von Stolz hierarchisch gegliederte Katalog von möglichen Faktoren (semantische, morphologische, phonologische, orthographische, sprachexterne), welche die Genuszuweisung beeinflussen können, und die dazu erarbeiteten Beispiele ergeben eine brauchbare Ausgangsbasis zur weiteren Vertiefung dieser Problematik. Welche Kriterien im Einzelfall dominieren, ist oft nur schwer zu entscheiden. Die Gegenüberstellung der Sprachkontaktsituation des Zimbrischen und der des Standarddeutschen ergibt jedoch ein relativ klares Ergebnis. Trotz relativer geographischer Nähe zum deutschen (bairisch-(süd)tirolerischen) Sprachraum sind Kenntnisse des Deutschen bei den Zimbrischsprechern relativ gering (höchstens durch eine gewisse Arbeitsmigration ins Südtirol und die Schweiz), die des Italienischen bzw. seiner Dialekte dagegen sehr groß, sodass eine fast ausschließliche Entlehnung aus dem romanischen Raum nicht erstaunt. Nur durch diese guten Kenntnisse der prestigeträchtigeren und dominierenden Nachbarsprache ist es erklärbar, dass über 80 % (z. T. über 90 %) der Entlehnungen im Zimbrischen mit einer Kopie des quellsprachigen Genus einhergehen. Im Deutschen, wo aufgrund anderer politischer und sprachsoziologischer Determinanten die Sprecher eine (romanische) Gebersprache längst nicht so gut, wenn überhaupt kennen, ist 248 Besprechungen - Comptes rendus 2 Cf. beispielsweise S. G. Thomason, Language Contact, Edinburgh 2001: 63-65. ein dominierender Faktor bei der Genuszuweisung längst nicht so eindeutig auszumachen und auch die Genusschwankungen sind entsprechend höher anzusetzen. Der letzte sprachwissenschaftliche Beitrag hat die naheliegende und sinnvolle Gegenüberstellung von Sprachinselsituationen bei Walsern und Zimbern zum Untersuchungsgegenstand. Agnes Kolmer knüpft in ihrem Aufsatz Subjektklitika als Kongruenzmarker: Ein Vergleich zwischen bairischen und alemannischen Sprachinseldialekten in Norditalien (Zimbrisch und Walserdeutsch) in gewisser Weise an den Beitrag von Bidese/ Tomaselli an und thematisiert kontaktinduzierten Strukturwandel. Neben erwartbaren bzw. bereits bekannten Ähnlichkeiten, z. B. eine dem Standarddeutschen entgegenstehende Stellung des Subjektpronomens in Relation zum finiten Verb, fallen auch Unterschiede auf, die gegebenenfalls Rückschlüsse auf den jeweiligen Status eines Grammatikalisierungsprozesses geben könnten. So differieren beide Sprachvarianten u. a. hinsichtlich der Distribution der Subjektklitika, und zwar insofern, als das Zimbrische in seinem grammatischen Subjektkongruenzsystem mit dem deutschen Standard geht, während die walserischen Dialekte eher dem ambigen Kongruenzsystem des Italienischen zuneigen. Die Abteilung Kulturanthropologische Themen besteht aus vier sehr unterschiedlichen Artikeln und gibt einen stichpunktartigen Einblick in extra-linguistisch Bemerkenswertes zur zimbrischen Situation. James R. Dow nimmt sich in Bruno Schweizer’s «Gesamtgrammatik» as a product of the «Kulturkommission» der heiklen Aufgabe an, die Arbeit Schweizers zu beleuchten, die u. a. in der heute noch wichtigen, in den Jahren zwischen 1941 und 1953 entstandenen Gesamtgrammtik der Zimbrischen Sprache. Vergleichende Darstellung der zimbrischen Dialekte, inklusive einem Band Zimbrischer Sprachatlas besteht, sowie einen Fundus an Schallplattenaufnahmen mit originalen Sprecherzeugnissen der Zeit umfasst. Obwohl Schweizer selbst ohne NSDAP-Mitgliedschaft blieb und seine universitäre Karriere aufgrund seiner opponenten Einstellung zurückstellen musste (die Universität München hat diesbezüglich wohl weder vor, noch nach dem Krieg rühmlich agiert), bleibt sein Werk, das einer strengen wissenschaftlichen Arbeitsweise verpflichtet ist und auf selbst durchgeführten Feldstudien beruht, insofern problematisch, als der Auftraggeber die nazionalsozialistische Kulturkomission, eine Unterabteilung von Himmlers Institution SS Ahnenerbe, war und damit natürlich eine gewisse tendenziöse Erwartungshaltung seitens der Auftraggeber einherging. Wie sich das Leben der Menschen und die sie umgebende Naturlandschaft in ihren Bauten widerspiegelt, zeigt Joachim Moroder in seinem Aufsatz Formenreichtum und Werkqualität der Steinbaustrukturen in den Lessinischen Alpen. Die schon fast untergegangene Kultur der zimbrischen Architektur, die mit den verfügbaren Materialien aus der Umgegend Zeugnis ablegt von der Arbeits- und Lebensweise der (einstmaligen) Bewohner und die im Gegensatz zu modernen Siedlungs- und Baukonzeptionen den Einklang mit der Landschaft sucht, zeigt trotz (oder gerade wegen) ihrer Schlichtheit, wie nah sie an den modernen Grundsätzen eines konstruktions- und materialgerechten Bauens ist. Im einzigen auf Zimbrisch verfassten Artikel von Remìgio Geiser, Vomme Gatòttareche dar Paurn zomme Hòolighen Gaprèchte - asò òch dorrètat-sich de Zimbrische Zunga, wird herausgearbeitet, wie das Zimbrische, als einstige Alltags- und Umgangssprache, in seiner Verwendungsweise sich immer mehr auf Domänen mit festlichem, sakralem Charakter oder einer sonstigen Spezifik zurückgezogen hat, wie es aber auch durch entsprechende Aktivitäten neue Impulse erhält und z. B. schon seit 1999 im Internet vertreten ist. Im abschließenden Beitrag von Giovanni Molinari wird die Frage nach Globalisierung und Zimbertum: endgültiger Untergang oder Wiederbelebungschance? aufgeworfen und eindeutig damit beantwortet, dass eine engere Verflechtung von Kulturen und Sprachen nicht zu einer unbeschränkten Vereinheitlichung und Vereinnahmung führen darf, da das Ziel einer sich befruchtenden Pluralität menschlichen Schaffens nicht eine Monokultur, sondern 249 Besprechungen - Comptes rendus der Austausch der Kulturen sein sollte. In diesem Sinne ist auch die Arbeit zur Erhaltung und Dokumentation verschiedener zimbrischer Kulturvereine (z. B. Curatorium Cimbricum Veronese) und deren Aktivitäten zu verstehen, die auch medial zur interkulturellen Verständigung beitragen wollen (z. B. Zeitschrift Tzimbar-Cimbri, Lehrbuch Bar lirnan Tauc, Homepage www.cimbri.it, Radio Cimbri-Lessinia). Insgesamt stellt der 2005 erschienene Sammelband zweifellos eine Bereicherung dar und verdient nicht nur von einem engen Kreis von Adepten des Zimbrischen rezipiert zu werden, sondern von all denjenigen, die sich für Sprach- und Kulturkontakt interessieren, auch um aus einem kleinen Einzelfall Erkenntnisse für allgemeingültige Prinzipien gewinnen zu können. Obwohl es nicht zu den eigentlichen Aufgaben einer wissenschaftlichen Beitragssammlung gehört, wäre es in diesem Fall im Hinblick auf einen weiteren Leserkreis doch wünschenswert gewesen, wenn in einem etwas umfangreicheren Vorwort die Sprachsituation der Zimbern dem aktuellen Stand entsprechend resümiert worden wäre. Roger Schöntag ★ Colette Feuillard (ed.), Créoles - Langages et Politiques linguistiques.Actes du XXVI e Colloque International de Linguistique Fonctionnelle, 30 septembre-7 octobre 2002 à Gosier (Guadeloupe), Berne (Peter Lang) 2004, 358 p. Le recueil dont il est question ici réunit les actes du Congrès international de la SILF (Société internationale de linguistique fonctionnelle) qui a eu lieu à la Guadeloupe en automne 2002. Selon l’Avant-propos (xi-xii), plus de quatre-vingts participants, originaires de vingt-trois pays, ont participé au colloque. Cependant, seules cinquante-six contributions écrites par cinquante-sept auteurs figurent dans les actes. Comme l’annonce le titre du recueil, les langues créoles et la politique linguistique en milieu créolophone ont constitué la thématique centrale du colloque, ce que justifiait également l’endroit où celui-ci s’est déroulé. En réalité, seule la première partie du volume (Partie I. Les Créoles) est consacrée aux langues créoles. Celle-ci est divisée en I.1. Conférences inaugurales, I.2. Structure et diversité et I.3. Créoles, bilinguisme et enseignement. La deuxième partie du recueil traite du langage dans toutes ses dimensions: la partie II. intitulée Langages est divisée en II.1 Généralités, II.2 Phonétique/ phonologie, II.3 Morphologie et syntaxe, II.4. Lexique et sémantique, II.5 Synthématique, II.6 Stylistique, II.7 Langue et santé et II.8. Sémiologie. La troisième partie est consacrée à l’enseignement et aux politiques linguistiques (cf. «Table des matières», v-ix). Vu le grand nombre de contributions, il nous est impossible de les présenter toutes dans le cadre de ce compte rendu. Nous accorderons donc la priorité aux contributions consacrées aux langues créoles qui figurent dans la première partie des actes, et ne présenterons qu’une petite sélection des travaux de la deuxième. Auparavant, il y a pourtant quelques observations préliminaires qui s’imposent. La politique éditoriale adoptée par la SILF pour ses actes de colloque - qui est de publier indifféremment toutes les communications soumises à temps et d’en limiter la longueur à quelques pages seulement - en rend la lecture du volume désagréable, et pénible le travail d’en rendre compte. Les auteurs ont été obligés de réduire leurs contributions le plus possible, ce qui explique, par exemple, que l’on trouve des travaux sans références bibliographiques et/ ou sans exemples linguistiques. À partir d’une présentation qui est alors souvent hyper-généralisée, le lecteur a du mal à se faire une idée concrète de l’étude qui est (es- 250 Besprechungen - Comptes rendus