eJournals Vox Romanica 66/1

Vox Romanica
vox
0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
Es handelt sich um einen Open-Access-Artikel, der unter den Bedingungen der Lizenz CC by 4.0 veröffentlicht wurde.http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/121
2007
661 Kristol De Stefani

Marianne Kilani-Schoch/Wolfgang U. Dressler, Morphologie naturelle et flexion du verbe français,Tübingen (Narr) 2005, 243 p. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 488)

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2007
Sabine  Heinemann
vox6610338
Für den Einsatz dieses Buchs in sprachwissenschaftlichen Seminaren und Einführungen spricht auch die konsequente Berücksichtigung terminologischer und definitorischer Divergenzen in der Literatur (vgl. z. B. die Anmerkungen zu «Morphem» und «Monem» auf p. 9, zu «Lexem», «lexikalisches Wort» und «lexikalisches Morphem» auf p. 24, zu den Definitionen von «frei» und «gebunden» auf p. 26). Wünschenswert für die nächste Auflage wären mehr Aufgaben - etwa am Ende jedes der insgesamt zwölf großen Abschnitte -, und mehr Beispiele aus anderen, insbesondere romanischen Sprachen (oder z. B. Verweise auf die Einführung in die Morphologie des Spanischen von Schpak-Dolt), die zu einem vertieften Verständnis der dargestellten Formen und Funktionen und zu einem erweiterten, umfassenden Blick auf viele dargestellte Phänomene (z. B. Allomorphie, Suppletion, Alternation zwischen volkstümlichen und gelehrten Ableitungsformen) führen würden. Dadurch könnte dieses didaktisch-methodisch durchdachte und empfehlenswerte Buch noch mehr zur Herausbildung des sprachanalytischen Vermögens der Studienanfänger beitragen. Goranka Rocco ★ Marianne Kilani-Schoch/ Wolfgang U. Dressler, Morphologie naturelle et flexion du verbe français, Tübingen (Narr) 2005, 243 p. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 488) Die hier zu besprechende Arbeit verknüpft eine Revision der Natürlichkeitstheorie (cf. Kap. I, 17-116) mit deren Anwendung auf die französische Verbalmorphologie (mit dem Schwerpunkt der synchronen Betrachtung, Kap. II, 117-229). Die dem ersten Hauptkapitel vorausgehende Einführung (13-16) betont die Notwendigkeit, psycholinguistische Erkenntnisse in die Entwicklung der Theorie einzubinden, und gibt gleichzeitig einen kurzen Abriss über die Geschichte der Natürlichkeitstheorie. Die auch schon in früheren Arbeiten betonte Dreigliederung in eine universal, eine typologisch und eine einzelsprachlich bezogene Natürlichkeitstheorie ist auch in dieser Fassung dominant - der Begriff der Natürlichkeit wird durch denjenigen der Präferenz z. T. ersetzt (mit Natürlichkeit als primär die einzelsprachliche Ebene betreffend). Der Band schließt mit einer Zusammenfassung (217- 19), einer ausführlichen Bibliographie (221-38) und einem Index (239-43). Aufgrund der nur indirekten Beziehung zwischen kognitiver Basis und (einzel-)sprachlichem Phänomen lässt sich die Struktur des morphologischen Zeichens als über das Konzept der Markiertheit motiviert betrachten. Eine Präzisierung und Gewichtung des Konzepts wird durch die Einbindung unterschiedlicher - weitgehend kognitiv fundierter - Parameter erzielt, die zum größeren Teil bereits in früheren Fassungen der Theorie diskutiert wurden (hier benannt als Prinzipien a) des konstruktionellen Ikonismus, b) der Uniformität und c) der Transparenz (wiederum auf demjenigen der Uniformität basierend), sowie einzelsprachlich bezogen d) der Systemangemessenheit), die hier allerdings ergänzt bzw. genauer, v. a. hinsichtlich der Interdependenzen unterschiedlicher Parameter beleuchtet werden. Für die hier formulierte Theorie werden sieben - weitgehend aus vorherigen Fassungen der Natürlichkeitstheorie bekannte - Parameter formuliert und diskutiert, von denen universelle Präferenzen abgeleitet werden. Die jeweilige Basis ist angelegt in kognitiven Mechanismen der Perzeption und des Gedächtnisses, der neuronalen Organisation der Informationsvermittlung. Die gestaltpsychologischen Größen Figur und Grund etwa werden aufgrund der ihnen inhärenten Kontrastierungsmöglichkeit für die Differenzierung zwischen Basis und Affix als erster Parameter herangezogen (allerdings auf die Länge der jeweiligen Morphe bezogen). In diesem Kontext wird die Interaktion mit dem Ikonizitätsparameter betont - bei 338 Besprechungen - Comptes rendus Ausblendung desselben ließe sich keine Präferenz für eine bestimmte Abfolge oder die Bestimmung einer langen Basis als Figur und eines kurzen Affixes als Grund vorhersagen; klarer zu fassen scheint die im weiteren propagierte perzeptive Prominenz im Rahmen der Salienz zu sein. Für die morphologische Betrachtung sind offensichtlich eher semantische, nicht so sehr morphologische Fragestellungen (mit Ausnahme der Morphemlänge) ausschlaggebend - daraus ergeben sich wiederum zwangsläufig Schwierigkeiten im Fall der Flexion in den Bereichen der Stammallomorphie und der Suppletion, für die eine Hierarchisierung angenommen wird. Bei Einnehmen einer rein grammatischen Perspektive wird offensichtlich, dass das grammatische Morph als Figur und die lexikalische Basis als Grund fungiert - die unterschiedliche Perspektivierung basiert auf einem Kippeffekt und beruht damit ausschließlich auf der sprecherabhängigen Fokussierung von stärker lexikalischen oder grammatischen Morphemen. Der zweite wesentliche Parameter ist derjenige der Ikonizität mit einer Differenzierung in drei Grade (cf. v. a. konstruktionelle Ikonizität/ Diagrammatizität); die Metapher - der Terminus nimmt hier Bezug auf eine Ähnlichkeitsbeziehung in der Übertragung der Konzeptauf die Ausdrucksseite und ist aufgrund der semantischen Determination ungünstig - ist für grammatische Morphe weniger relevant. Übergangsformen (hier bezeichnet als metaphorische Diagrammatizität) werden ebenfalls angenommen, woraus eine kontinuale Strukturierung erkennbar wird, deren Nutzbarmachung auch für die diachrone Entwicklung von Interesse ist (leider wird die diachrone Perspektive bis auf Einzelfälle ausgeblendet). Flexionsmorphologisch interessant ist die Differenzierung in syntagmatische (Fusionsgrad) und paradigmatische (Alternanz) Diagrammatizität. Als Beispiel wird eine so basierte Differenzierung zwischen schwachen und starken Verben angeführt, die gleichzeitig die Frage nach der Beurteilung der Stammallomorphie auslöst; cf. hierzu auch die syntagmatisch bezogene Wertung der starken Verben im Allgemeinen und der Suppletion als Verfahren im Besonderen: «La suppléance des mots à signification essentiellement grammaticale est la manifestation de la tendance générale à l’expression combinée ou cumulative plutôt que séparée des catégories grammaticales dans les langues flexionnelles» (53); auf der Basis des Vergleichs der suppletiven und der regulären Paradigmen wird die paradigmatische Diagrammatizität sichtbar: «Dans le verbe supplétif sein ‘être’ (sens lexical essentiellement grammatical), la similarité sémantique est moins forte à l’intérieur du paradigme qu’elle ne l’est à l’intérieur du paradigme du verbe régulier lernen (sens lexical spécifique). Ce contraste est reflété par des degrés différentes de similarité formelle dans les deux paradigmes: moindre dans le verbe supplétif, forte dans le verbe régulier» (53). Einerseits wird hier auf die Semantik des Verbs an sich abgehoben - und hier wäre auch die Möglichkeit der Vollverbverwendung einzelner Verben (z. B. avoir, aller) zu berücksichtigen - andererseits auf die innerparadigmatische Semantik: Die angesprochene Ausdifferenzierung bzw. die mehr oder weniger stark ausgeprägte Bedeutungsähnlichkeit wird allerdings nicht weiter erläutert und bleibt damit unklar. Problematisch bleibt in diesem Kontext wiederum die diachrone Perspektive, da eine Grammatikalisierungstendenz einzelner Verben ausgehend vom (V)Lat. in die Fragestellung einzubinden wäre. Als weiterer Parameter wird die Indexikalität angeführt, die auf die bereits angesprochene Salienz und leichtere Perzipierbarkeit verweist. Verf. zufolge lasse sich die Morphologie durchgehend als indexikalisch erfassen, wobei deren Gewinn vornehmlich auf typologischer oder universaler, weniger dagegen auf einzelsprachlicher Ebene angesiedelt sein dürfte. Der Parameter der Transparenz zeigt häufig Interaktionen mit anderen, wobei im Falle morphotaktischer (gegenüber morphosemantischer) Transparenz Konvergenzen mit Diagrammatizität auftreten. Zudem besteht eine Interdependenz zwischen Ikonizität und 339 Besprechungen - Comptes rendus Transparenz; Ikonizität setzt ein gewisses Maß an Transparenz voraus und bleibt bestimmend für die Salienz sprachlicher Strukturen. Die morphosemantische Transparenz ist dabei wesentlich für die innere morphologische Struktur (opake Einheiten sind so als monomorphematisch interpretierbar); im Rahmen der morphotaktischen Transparenz gestaltet sich die Morphemanalyse als schwieriger, da jedwede Modifikation der Basis auch zu einer Veränderung des Signatum führt. Die morphosemantische Änderung wird also parallel durch eine solche auf morphotaktischer Ebene angezeigt. Die Alteration der Basis widerspricht aber dem Anstieg der Transparenz. Als maximal opak erweist sich die Suppletion, deren Irregularität auf morphotaktischer Ebene angesiedelt ist, d. h. die Formen lassen sich nicht über Regelformulierung ermitteln. Die hier erfolgende Differenzierung in statische und dynamische Morphologie wird bedauerlicherweise erst an späterer Stelle eingeführt, wodurch sich die Differenzierung von Allomorphie und Suppletion, wie sie hier vertreten wird, erst nachträglich erschließt. Andererseits bedeutet Regularität von Paradigmen nicht zwangsläufig Transparenz, vielmehr kann sich die Regularität auch auf weniger dominante Regeln gründen, wie z. B. die Apophonie in engl. drink, drank, drunk mit allerdings opaken Ergebnissen (diachron dürften sich die Regeln und Paradigmen als produktiver und durchsichtiger erweisen). Die abschließende Charakterisierung der Suppletivformen: «Les formes supplétives ne permettent pas une description en règles parce qu’elles sont trop dissemblables au niveau morphotactique» (72) führt auf eine klare Differenzierung von Suppletion (cf. in früheren Arbeiten die Begründung einer Suppletionsdomäne) und Allomorphie hin, die sich aber nicht zuletzt in der historischen Entwicklung besser als Punkte auf einem Kontinuum fassen lassen. Und auch Verf. selbst revidieren diese Äußerung zumindest auf den Grad der Suppletion hin (cf. Zahl der modifizierten Segmente, relative Transparenz,Anzahl Lexeme; interessant ist hier der Hinweis auf die Rekurrenz einer Alternanz, was die Erschließung einer Allomorphie-Regel möglich macht, wodurch aber die Abgrenzung von Allomorphie und Suppletion neuerlich sichtbar wird). Auf der Ebene der statischen Morphologie formulieren Verf., dass «toute alternance est une suppléance» (73) - wenn allerdings eine Regelhaftigkeit erkennbar sei, ergebe sich eine Zuordnung zur Allomorphie und damit zur dynamischen Morphologie. Interessant sind diese Hinweise auf die Behandlung der Suppletion v. a. mit Blick auf die Kontroverse zwischen den Vertretern der Natürlichkeit und denjenigen der sprachlichen Ökonomie. Im Rahmen der Natürlichkeitstheorie sei die Suppletion in ihrem spezifischen Bereich (der bereits benannten Suppletionsdomäne) funktional und das Suppletionsprinzip das stärkste Natürlichkeitsprinzip, das einen Abbau nicht systemangemessener suppletiver Paradigmen verhindere. Im Falle token-frequenter Formen seien Idiosynkrasien möglich, ein Anschluss an stabile Flexionsklassen (im Sinne der Systemangemessenheit) eher selten. Mit der Einbindung der tokenneben der type-Frequenz, die vormals hauptsächlich Berücksichtigung fand (unter Vernachlässigung der token-Frequenz, der - wenn überhaupt - lediglich suppletionerhaltende Funktion beigemessen wurde) wird zwar ein wesentlicher Kritikpunkt der Ökonomietheorie aufgegriffen, die Suppletion dennoch separat behandelt. Mit der Verortung der Suppletion in einer ihr eigenen Domäne wird die kontraikonische morphologische Realisierung durch eine Markiertheitsumkehrung aufgefangen, die dem Problem nur begrenzt gerecht wird. Der Zusammenhang zwischen hoher Frequenz und kontraikonischer Symbolisierung wird zwar ansatzweise anerkannt - wenngleich die Entwicklung den als natürlich beschriebenen Prozessen (paradigmatischer Ausgleich, analogische Extension, innermorphologische Neutralisation) zuwiderlaufen kann, da bei derartigen hochfrequenten Formen die Möglichkeit verstärkter intraparadigmatischer Irregularisierung bzw. Differenzierung mit gleichzeitiger Tendenz zur Ausdrucksreduktion besteht (cf. auch das im Rahmen der Natürlichkeitstheorie diskutierte Prinzip der Kürze hochfrequenter Einheiten). Auch in der vorliegenden Arbeit bleibt die zu starke System- 340 Besprechungen - Comptes rendus bezogenheit sowie die weitgehende Vernachlässigung der token-Frequenz als strukturbildender Faktor ähnlich anderen, sozialen Faktoren vorherrschend (z. B. Sprach-, Dialektmischung, Entlehnung, Normierung), die auf die Natürlichkeit Einfluss nehmen können (cf. hierzu auch den Vorschlag eines gebrauchsbezogenen, token-frequenzbasierten Modells im Rahmen der Ökonomietheorie). Die Suppletion wird in der vorliegenden Arbeit wie gesehen der statischen Morphologie zugewiesen, d. h. die einzelnen Formen lassen sich nicht regelbasiert ermitteln, sondern werden in toto memoriert. Denkbar ist allerdings eine Analogie zu Fremdparadigmen (wenn auch selten auftretend), die eine generelle Zuweisung der vollständigen Paradigmen zur statischen Morphologie unterbinden kann. In einer diachronen Perspektive können dabei zusätzlich Verschiebungen auftreten (Zugehörigkeit statische vs. dynamischer Morphologie). Zugrunde liegt der strikten Abgrenzung zwischen statischer und dynamischer Morphologie ein Kontinuum, das über die Zuweisung einzelner Verben zu Makro- und Mikroklassen oder im Bereich der Suppletion in der Hierarchisierung sichtbar wird, aber nicht in den Vordergrund rückt, obwohl dessen Relevanz für die sprachliche Entwicklung unmittelbar einsichtig wird (cf. hier z. B. die Veränderungen in der type-Frequenz in ihrer Abhängigkeit von sprachgeschichtlichen Faktoren). Ein weiterer Parameter ist mit der Eineindeutigkeit gegeben, wovon Eindeutigkeit und Ambiguität abgrenzbar sind. Paradigmatisch wird hier die Einheitlichkeit der Darstellung auf Wortebene angesprochen, syntagmatisch die Phrase und hier z. B. die Kongruenz (cf. türk. ev-ler-de mit totaler morphosemantischer Transparenz, paradigmatischer und syntagmatischer Eineindeutigkeit und Diagrammatizität - dies zeigt wiederum die Verflechtung der hier angesprochenen Parameter). Im Gegensatz zu den übrigen bisher erläuterten Parametern ist derjenige der Binarität nicht semiotisch oder psychologisch basiert (z. B. mask. - fem., Sg. - Pl.). In der Formulierung gradueller Oppositionen wird im weiteren eine Gegenüberstellung von grammatischer und außergrammatischer Morphologie geleistet - dabei bezieht sich grammatische Morphologie auf Kategorien, Regeln und Prinzipien, die diese Regeln beherrschen; für die randständige grammatische Morphologie sind die extern und intern angelegten Grenzen bestimmend (z. B. Fehlen morphotaktischer Regeln, cf. Suppletion; Übergänge von der Flexion zur Derivation/ Komposition, die sich wiederum als Pole eines Kontinuums beschreiben lassen). Das zweite Hauptkapitel widmet sich der Anwendung des Modells auf die französische (synchrone) Verbalmorphologie, die zur Definition der Präferenzen einer Einzelsprache beiträgt. Wichtig ist für die Darstellung die bereits angesprochene Differenzierung von dynamischer und statischer Morphologie. Zentral für die dynamische Morphologie ist die Produktivität, während die statische Morphologie die Domäne der im mentalen Lexikon memorierten Flexionsformen darstellt und stärker auf Ähnlichkeiten ausgerichtet ist. Die lexikalistische Komponente nimmt im Rahmen der statischen Morphologie Bezug auf die Speicherung ganzer Flexionsformen. Trotz der Einbindung unproduktiver, aber regulärer Bildungsmuster (cf. oben zur Apophonie) vollziehen Verf. eine Differenzierung von dynamischer und statischer Morphologie, ohne auf den hier möglicherweise hilfreichen Kontinuumsbegriff zurückzugreifen. Der für die Klassifikation relevanten Unterscheidung einer vertikalen und einer horizontalen Organisation (v. a. ausgerichtet auf die Ähnlichkeiten zwischen Paradigmen und die Möglichkeiten der Gruppierung) folgt die Klärung der Begriffe Paradigma, Flexionssystem/ morphologische Kategorie, Klassenhierarchie, bei der Mikroklassen auf der Basis paradigmatischer Ähnlichkeit definiert werden. Die Gliederung in Mikro- und Makroklassen bildet das Ordnungsraster für die Darstellung der Verbalmorphologie. Hinsichtlich der Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Paradigmen wird der Begriff der Familienähnlichkeit, wie er von Wittgenstein eingeführt wurde, nutzbar gemacht. Für die Paradigmenfamilie stehen Ähnlichkeiten im Vordergrund, die sich als graduell 341 Besprechungen - Comptes rendus einordnen lassen (primär auf lautlicher und morphotaktischer Ebene, seltener semantisch motiviert). Wie bereits angeführt, werden in der statischen Morphologie alle Alternanzen als suppletiv gewertet, Regeln - darunter auch Allomorphie- und morphonologische Regeln - dagegen als Mechanismus der dynamischen Morphologie. Ein wichtiger Parameter stellt für die einzelsprachliche Betrachtung v. a. die Produktivität dar; die grammatische Produktivität ist auf der Ebene des potentiellen Systems der Sprache angesiedelt und steht damit im Gegensatz zu den reellen Normen. Gleichzeitig sagt sie aber nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, mit der eine Form gebildet wird und sich durchsetzt. Im weiteren ist eine Abgrenzung zur Frequenz notwendig, die der Bildung der Form nachgeordnet ist. Neben der Beleuchtung der Relevanz der einzelnen vorgestellten Parameter werden typologische Fragestellungen kurz angesprochen - das Französische zeigt so Veränderungen hin zum isolierenden Typ: «le type isolant ne maintient principalement que l’iconicité des catégories les plus pertinentes pour le verbe» (150). Wenngleich nicht im Vordergrund stehend, lassen sich einige parameterbasierte Aussagen für die Diachronie fruchtbar machen. So wird auf Schwankungen im Hinblick auf die Paradigmenstabilität aufmerksam gemacht, sowie die Tatsache, dass eine höhere Frequenz nicht vor Ausgleichstendenzen schützt (cf. Präsens, Futur; und dazu die Diskussion der Problematik suppletiver Paradigmen). Gleichzeitig sind neben den Interdependenzen und Interaktionen einzelner Parameter auch Konflikte z. B. zwischen Ikonizität und Systemadäquatheit zu berücksichtigen (cf. im Fall der Dubletten bei -ir-Verben - mit und ohne Stammerweiterung, u. U. mit semantischer Ausdifferenzierung). Wie verschiedentlich in der mehr oder minder starken Ausprägung einiger Parameter (bzw. in der entsprechenden Charakterisierung einzelner Formen) sichtbar geworden ist, lassen sich Kontinua bezüglich der Präferenzen ermitteln und daraus universelle und typologische Vorhersagen treffen. Diese gründen auf den Kontinua für die Indexikalität, die Transparenz und auf der Interaktion einzelner Parameter (morphologische Prozesse, Länge des präferierten Wortes und der präferierten Basis). Für das Französische ist die Asymmetrie zwischen statischer und dynamischer Morphologie bezeichnend. In dem einzelsprachlich ausgerichteten Kapitel werden die Parameter in die Darstellung eingebunden, so v. a. die Ikonizität sowie das Kontinuum morphotaktischer Transparenz und Einheitlichkeit der Basen (eine ausführlichere Darstellung wäre wünschenswert gewesen, zumal die Parameter ausführlich im ersten Hauptkapitel diskutiert werden). Die Autoren verweisen selbst darauf, dass wichtige Aspekte wie Morphonologie (v. a. liaison), die im français régional vorliegenden Verhältnisse, darüber hinaus die Nominalflexion, Derivation, Komposition, sowie die typologische Perspektive vernachlässigt wurden. Denkbar wäre schließlich eine Überprüfung der Operationalisierbarkeit der einzelnen Parameter auch für eine diachrone Analyse, die leider unterbleibt, aber möglicherweise die Rechtfertigung bezüglich der Gewichtung und Interdependenz der Parameter aufzeigt. Sabine Heinemann ★ Martin-D. Glessgen/ André Thibault (ed.), La lexicographie différentielle du français et le «Dictionnaire des régionalismes de France». Actes du Colloque en l’honneur de Pierre Rézeau, Strasbourg (PUS) 2005, 314 p. Très attendu, ce recueil de communications présentées en l’honneur du soixante-cinquième anniversaire de Pierre Rézeau est annoncé par les éditeurs comme suit: «l’idée directrice des études réunies dans ce volume a été de montrer les perspectives qu’apporte la 342 Besprechungen - Comptes rendus