Vox Romanica
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0042-899X
2941-0916
Francke Verlag Tübingen
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Kristol De StefaniHelmut Berschin/Julio Fernández-Sevilla/Josef Felixberger, Die spanische Sprache, Hildesheim (Olms) 2012, 383 p.
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Andreas Schor
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ciplinas hispánicas - desde la lingüística a los estudios literarios, pasando por los estudios históricos y culturales -, si bien representa un enorme espacio pluridimensional y pluricéntrico, puede ser también (y este manual contribuye a ello) expresión de una profunda unidad. Felicidades, pues, a los editores de este impresionante volumen por el precioso trabajo de síntesis que se ofrece en su millar de páginas. Johannes Kabatek ★ Helmut Berschin/ Julio Fernández-Sevilla/ Josef Felixberger, Die spanische Sprache, Hildesheim (Olms) 2012, 383 p. Laut den Verfassern ist dieses Buch «eine Gesamtdarstellung des Spanischen, gewissermaßen dessen linguistisches Porträt» (12). Es richtet sich nicht nur an Hispanisten und Romanisten, sondern auch an linguistisch nicht spezialisierte Leserinnen und Leser. Die Idee für die Schaffung dieses Buchs entstand aus der Lehre: Es wurde geschrieben, weil ein forschungskompatibles Hand- und Lehrbuch fehlte. 1987 erschien die erste Auflage, eine zweite, überarbeitete 1995, eine dritte, aktualisierte Auflage 2005. Nun liegt also die vierte Auflage vor. Für diese neue Auflage wurde der Teil «Die spanischsprachige Welt» vollkommen überarbeitet und kartografisch neu gestaltet. Bei den übrigen Teilen drängte sich eine Überarbeitung nicht auf, da sie nach wie vor gültig sind und lediglich aktualisiert werden mussten. Natürlich musste auch die Bibliografie nachgeführt werden. Der Text wurde um fünf kurze Kapitel ergänzt, die aktuelle Themen der Forschung behandeln: Dialektometrische Analyse des [spanischen Sprachatlas] ALPI (verfasst von Hans Goebl), Zur Geschichte des Spanischen im 18.-20. Jahrhundert, Generisches Maskulinum, Zur linguistischen Analyse des gesprochenen Spanisch, Monozentrische und plurizentrische Spanischnorm. Typografisch wurden diese Kapitel aus Kostengründen als Anhang an den Schluss des Buchs gestellt, wobei im «alten» Text mit Zeichen auf die Ergänzungen hingewiesen wird. Der Text gliedert sich in einen Teil A «Die spanischsprachige Welt», in dem die Situation des Spanischen sowohl im Mutterland als auch in den ehemaligen Kolonien und insbesondere auch das Verhältnis zwischen Spanisch und Eingeborenensprachen bzw. im Mutterland zwischen Spanisch und den regional verbreiteten Sprachen Galizisch, Baskisch und Katalanisch dargestellt wird. Im Buch werden diese immer als «Minderheitensprachen» bezeichnet, was zwar stimmt, wenn die Sprachverhältnisse nur auf nationaler Ebene betrachtet werden, aber beispielsweise ist Katalanisch in Katalonien keineswegs eine Minderheitensprache. Teil B ist der Geschichte der spanischen Sprache von der Entstehung des Kastilischen bis zum Neuspanischen gewidmet. Dabei kommt meines Erachtens zu wenig zur Geltung, dass das Kastilische als Sprache eines kleinen Volkes, das die lateinische Sprache mehr schlecht als recht übernommen hat, sich letzten Endes dank der Politik zur dominanten Sprache nicht nur der iberischen Halbinsel, sondern auch fast ganz Süd- und Mittelamerikas entwickelt hat und damit zur am weitesten verbreiteten romanischen Sprache geworden ist. Teil C handelt von Phonologie und Graphie des Spanischen. Der umfangreichste Teil ist D über die Grammatik. In ihm werden die Wortarten Substantiv, Adjektiv, Artikel, Zahlwort, Pronomen, Verb, Adverb und unflektierbare Einheiten behandelt. Dann wird der Satzbau des einfachen Satzes dargestellt, und zum Schluss wird eine Klassifikation der komplexen Sätze angeboten. 374 Besprechungen - Comptes rendus Teil E handelt vom Lexikon. Darin werden der Umfang des spanischen Wortschatzes, dessen Herkunft und funktionale Gliederung und schließlich die Mechanismen der Wortbildung im Spanischen erläutert. Insbesondere in den beiden letzteren Teilen wird auch immer mit dem Deutschen verglichen, das namentlich bei der Wortbildung über mehr Möglichkeiten als das Spanische und die romanischen Sprachen im Allgemeinen verfügt. An den Teil E schließt die Bibliografie an, in der sämtliche Standardwerke der spanischen Linguistik zusammen mit einigen Einzeluntersuchungen aufgeführt sind. Unter den Standardwerken fehlt meiner Meinung nach das Manual de gramática histórica española von Menéndez Pidal, mit dem wir als Studenten die historische Grammatik des Spanischen erlernten. Natürlich mussten die Autoren für die Bibliografie eine Auswahl treffen, denn die Auflistung aller Bücher, Beiträge und Artikel zur spanischen Sprache würde den Rahmen dieses Werks bei weitem sprengen und könnte für sich allein eine mehrbändige Ausgabe beanspruchen. Nach einem Personen- und einem Sachregister sowie einem Abkürzungsverzeichnis werden einige nützliche Internet-Adressen angegeben; darauf kann heutzutage, wo das Internet ganz neue Forschungsmöglichkeiten eröffnet, nicht verzichtet werden. An dieser Stelle soll auf einige Forschungsergebnisse, die im Nachtrag vorgestellt werden eingegangen werden. Im bisher einzigen (und ersten Band) des Sprachatlas ALPI werden auf 75 großformatigen Kartenblättern fast nur phonetisch relevante Themen behandelt. Mit Mitteln der Dialektometrie kann die Gesamtmenge der sprachlichen Variationen, die in diesen Karten enthalten sind, erfasst und mit quantitativen Methoden klassifiziert werden. Damit soll dem Betrachter der Einzelkarten gezeigt werden, dass «die dialektale Gliederung Iberiens Ausdruck und Ergebnis einer spezifischen raum-semiotischen Tätigkeit seiner Bewohner ist, die keineswegs ungeordnet, sondern nach bestimmten räumlichen Gesetzmäßigkeiten abläuft» (364). Dem Betrachter der Einzelkarten bleiben diese Gesetzmäßigkeiten verborgen. Im Teil des Nachtrags zum Thema generisches Maskulin wird gezeigt, dass sich im Spanischen anders als im Deutschen die Paarformen (los ministros y las ministras) bis jetzt nicht durchsetzen können und das generische Maskulin (los ministros) bevorzugt wird. Im neuen Kapitel über die linguistische Analyse des gesprochenen Spanisch wird anhand eines transkribierten sprechsprachlichen Textes gezeigt, dass die grammatischen Regeln des Spanischen auch in der gesprochenen Sprache gelten, wenn auch unter anderen Bedingungen, die sich eben aus der mündlichen Kommunikationssituation ergeben. So ist die mündliche Textproduktion durch leere und gefüllte (eh) Pausen, Lautdehnungen, repetitive und korrektive Wiederholungen und Wort- oder Konstruktionsabbruch gekennzeichnet. Die Textkorpora für solche Untersuchungen werden zunehmend digitalisiert. Derzeit wird zudem versucht, Text- und Audiodateien zu verknüpfen und durch eine Suchfunktion zu erschließen. Die Frage der monozentrischen und plurizentrischen Spanischnorm scheint sich in die Richtung zu lösen, dass unter Gebildeten ein panhispanisches Sprachbewusstsein entsteht, so dass es einen Trend zu einer panhispanischen Norm der Hochsprache gibt. Diese Tendenz wird insbesondere von Spanien mit dem Ziel gefördert, einen übernationalen spanischen Sprachraum zu schaffen, was natürlich die Nationalsprache aufwertet und die übrigen Sprachen, die in Spanien gesprochen werden, noch mehr an den Rand drängt. Abschließend kann ich sagen, dass ich mir ein solches Buch auch für weitere Sprachen wünschte. Es ersetzt nicht eine Grammatik für die Lernenden und als Nachschlagewerk, ist aber eine spannende Lektüre für Hispanisten und bestimmt auch für andere sprachlich interessierte Personen. Andreas Schor ★ 375 Besprechungen - Comptes rendus
