ZNT – Zeitschrift für Neues Testament
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1435-2249
2941-0924
Francke Verlag Tübingen
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Dronsch Strecker VogelFremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L. Welborn
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Stefan Alkier
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48 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Für Horst Heinemann zum 60. Geburtstag Ein Missionar wollte eine Gruppe von Indianern über die Wahrheit seiner Religion belehren. Er erzählte ihnen von der Erschaffung der Erde in sechs Tagen und dem Sündenfall unserer Ureltern, weil sie einen Apfel gegessen hatten. Die höflichen Wilden lauschten aufmerksam, und nachdem sie ihm gedankt hatten, erzählte einer von ihnen eine sehr alte Geschichte vom Ursprung des Mais. Aber der Missionar zeigte nur Unglauben und Widerwillen und sagte unwirsch: »Ich habe euch die heilige Wahrheit gesagt, und ihr erzählt mir Märchen und verlogenes Zeug! « »Mein Bruder«, erwiderte ernst der in dieser Weise beleidigte Indianer, »mir scheint, du bist in den Regeln der Höflichkeit nicht sehr erfahren. Wir haben diese Regeln befolgt und deine Geschichte geglaubt. Warum willst du die unsrige nicht glauben? « 2 Wenn sich Fremde begegnen, treffen Welten aufeinander. Es begegnen sich dabei nicht nur Individuen mit ihren je eigenen - und mitunter recht eigentümlichen - Überzeugungen, Geschichten, Wünschen und Gewohnheiten, wie es ein naiver Subjektivismus gerne sehen möchte. Es treffen vielmehr auch kulturell codierte Wirklichkeitsannahmen, Werte und Verhaltensmuster - patterns of culture - aufeinander, die sich nicht nur in die Köpfe und Herzen, sondern sogar bis in die Körper der Kulturteilnehmer und -nehmerinnen einschreiben. Letzteres wird deutlich an der kulturell verschiedenen Körpersprache und besonders an der kulturell je unterschiedlichen Weise, den eigenen Körper zu bewegen: Auch die Art und Weise zu gehen ist nicht einfach »natürlich«, sondern eben auch kulturabhängig. Menschen verschiedener Kultur gehen aber nicht nur anders, sehen nicht nur anders aus, sondern denken und fühlen auch auf ihre jeweilige kulturell bedingte Art und Weise. Das, was Menschen als Glieder einer Gruppe wieder erkennbar macht, nenne ich die Kultur dieser Gruppe. Diese Kultur ist arbiträr, also keine ontologische Notwendigkeit, aber sie ist auch nicht beliebig austauschbar. Wir fühlen, denken und verhalten uns als Europäer, auch wenn wir uns für andere Kulturen interessieren: Was »typisch deutsch« ist, wird besonders im Ausland deutlich, wenn unsere scheinbar natürlichen und selbstverständlichen Gewohnheiten und Überzeugungen Aufmerksamkeit hervorrufen, weil sie den dort Ansässigen eben gerade nicht natürlich und selbstverständlich, sondern fremd erscheinen. Wie gehen wir mit dem Fremden um? Fremdes kann faszinieren, es kann auch erschrecken, es kann als Bereicherung erlebt, aber auch als Minderwertiges belächelt oder gar verachtet werden. Wie auch immer, wir können uns nicht nicht verhalten, wir beziehen immer Stellung zu dem Anderen durch unser Verhalten. Auch das Ignorieren des Fremden, sei es ein feindliches Nicht-Wahrnehmen-Wollen oder ein freundlich gemeintes Ausblenden der Andersheit des Fremden, ein »Gleichmachen«, sind Verhaltensweisen, die zum Ethos einer Kultur beitragen. Zum Ethos der Indianer, wie sie in der eingangs zitierten Episode konstruiert werden, die von dem Sioux Arzt Charles Eastman 1911 in seinem Buch The Soul of the Indian erzählt wird, gehört es, den religiösen Erzählungen anderer Kulturen mit Höflichkeit zu begegnen, während der Missionar in dieser Geschichte einen aggressiven, eurozentrisch-christlichen Alleinanspruch auf die »heilige Wahrheit« erhebt, die die Erzählungen der anderen nur als »Märchen und verlogenes Zeug« wahrzunehmen vermag. Ich möchte damit nicht einer romantischen Verherrlichung indianischer Kultur und einer undifferenzierten Verurteilung christlicher Mission Vorschub leisten, sondern diese Erzählung als Erzählung nutzen, um die Ausgangsthese einer Ethik der Interpretation zu verdeutlichen: Die Rezeption der Äußerung eines Anderen ist nicht nur ein hermeneutisches, sondern immer auch ein ethisches Problem. Eastmans Erzählung macht augenfällig, dass Hermeneutik und Vermittlung Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn 1 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 48 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 49 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn wir uns in der Rezeption von Äußerungen Anderer diesen Anderen gegenüber verhalten. Biblische Exegese hat es mit der Rezeption der schriftlichen Äußerungen anderer zu tun, die uns fremd sind. Sie teilen nicht unsere Lebens-, Fühl- und Denkgewohnheiten. Sie gehören zu einer Welt, die nicht die unsere ist. Aber wie verhalten wir uns zu diesen Äußerungen? Das Verhalten des beleidigten Missionars kann uns kein Vorbild sein. Aber wie steht es mit der Höflichkeit der Indianer? So mancher Lehrer und so manche Pastorin wäre wohl froh, wenn die Schülerinnen bzw. die Konfirmanden den biblischen Texten zumindest mit der aufmerksamen Höflichkeit der Indianer begegnen würden, von denen Eastman erzählt. Die Sympathielenkung dieser Erzählung will uns auf ihre Haltung einstimmen, aber führt sie nicht in ein gleich-gültiges anything goes, das erst gar nicht bereit ist, sich mit dem Anderen ernsthaft und leidenschaftlich auseinander zu setzen, seine Fremdheit überhaupt erst einmal als solche wahrzunehmen und gelten zu lassen? Die Frage nach dem Umgang mit dem Fremden ist eine der wichtigsten Fragen für unsere plurale Gesellschaft, eine Frage, deren Dringlichkeit durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und deren politische und gesellschaftliche Folgen nochmals gestiegen ist. Laurence L. Welborn hat sich mit der Veränderung der hermeneutischen Situation der Bibelwissenschaften in den USA durch die Ereignisse vom 11.9.2001 im letzten Heft der ZNT eindringlich auseinander gesetzt und wichtige Anstöße für die Bibelwissenschaften gegeben. Ich unterstütze seine Forderung einer ethischen Reflexion der exegetischen Arbeit in der Überzeugung, dass verschiedene Bibelinterpretationen nicht nur auf verschiedenen Hermeneutiken und Interpretationsmethoden beruhen, sondern ebenso auf verschiedenen Lektürehaltungen, die einen jeweils anderen Umgang mit dem Fremden implizieren und einüben. Ich teile mit ihm das Anliegen, die Bibelwissenschaftler und Bibelwissenschaftlerinnen zu konkreterer Wahrnehmung ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung aufzurufen. Seine Kanonkritik und seine Ersetzung christlicher Theologie durch eine historische Religionswissenschaft weise ich bei aller Sympathie für das irenische Ziel eines ökumenischen Dialogs der Religionen zurück. Ich schlage im Folgenden auch andere Kriterien für eine ethisch verantwortete Exegese als Welborn vor, die der semiotischen Theorie Charles Sanders Peirces wesentliche Impulse verdankt, denn ich glaube nicht, dass die Suche nach dem Gemeinsamen aller Religionen die Probleme ihrer koexistenten Wahrheitsansprüche zu lösen vermag, zumal sich die anderen »Religionen» nicht als »Religionen« verstehen, sondern bereits »der Religionsbegriff ein Konstrukt mitteleuropäischer Geistesgeschichte ist, der sich so in anderen ›Religionen‹ nicht »Die Rezeption der Äußerung eines Anderen ist nicht nur ein hermeneutisches, sondern immer auch ein ethisches Problem« Stefan Alkier Prof. Dr. Stefan Alkier, Jahrgang 1961, Studium der Evangelischen Theologie in Münster, Bonn und Hamburg. Promotion 1993 in Bonn, Habilitation 1999 in Hamburg. 1993-1999 Wiss. Assistent für Neues Testament in Hamburg. Von 2000-2001 Vertretungsprofessur für Bibelwissenschaften an der Universität Gesamthochschule Kassel. Seit 2001 Professor für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Wunder, Paulus, Synoptiker, Hermeneutik und Methodologie, Forschungsgeschichte und Rezeption des Neuen Testaments in Videoclips und Film. Weitere Informationen unter: www.evtheol.uni-frankfurt.de. 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 49 50 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Hermeneutik und Vermittlung findet.« 3 Ich behaupte, dass die politische Verantwortung der Bibelwissenschaften zunächst einmal darin besteht, ihr genuines Tun, das heißt, die Lektüre und Interpretation von vorgegebenen Texten auf ihre gesellschaftspolitischen Implikationen und Bedingungen hin zu befragen. Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Tun unter den Bedingungen der pluralistischen Gegenwart ein wegweisendes Potential einer Lebenshaltung steckt, die Fremdes als Fremdes und Anderes wahrzunehmen in der Lage ist, ohne die eigene Identität zu verlieren. Wer den Anderen aber wahrnimmt, wird sich seiner Leiden nicht verschließen können. Wer den Fremden sieht, wird sich auch für ein gerechtes Miteinander einsetzen, ohne die eigenen Überzeugungen vorschnell preiszugeben bzw. ohne den Fremden zu zwingen, Gott und die Welt genauso zu sehen, wie man selbst. Ethisch verantwortetes Lesen ist eine Schule für ein Leben mit der Fremdheit der Anderen. Diese ethische Frage der Bibellektüre als Frage nach dem Verhalten zu der Äußerung eines Anderen möchte ich in dreierlei Hinsichten stellen, die miteinander zusammenhängen und jeweils auch auf die politische Dimension der Bibelwissenschaften verweisen. 1. Ich verhalte mich zum biblischen Text als der Äußerung eines Anderen. 2. Ich verhalte mich zur Interpretation anderer Bibelleserinnen und -leser - z.B. Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Studierende, Gemeindeglieder - als der Äußerung von Anderen. 3. Ich verhalte mich zur Gesellschaft, der ich meine Interpretation als für sie relevanten Beitrag anbiete im Wissen um die Andersheit der Äußerung Anderer über denselben Gegenstand. 1. Ich verhalte mich zum Text als der Äußerung eines Anderen - oder: ethische Probleme der Lektüre biblischer Texte Die Neutestamentlerin Silvia Pellegrini konstatiert in ihrer lehrreichen Dissertation, Elija - Wegbereiter des Gottessohnes. Eine Textsemiotische Untersuchung im Markusevangelium, die Entdeckung des Lesers als neues hermeneutisches Paradigma in mehreren methodischen Neuansätzen, die sie kenntnisreich zu differenzieren vermag. Ihre auf den semiotischen Arbeiten Umberto Ecos basierenden Einsichten kritisieren den Reader Response Criticism, da dieser einseitig die Subjektivität des Lesers berücksichtige, während die Textintention nicht wahrgenommen würde. Sie fordert mit Husserls Begriff der epoché die Einklammerung der Fragen und Interessen der Leser, um deren Wünsche nicht mit der Textintention zu vermischen. 4 Wiederum in Anlehnung an Eco unterscheidet sie Interpretation und Gebrauch von Texten und nimmt für ihren eigenen textsemiotischen Ansatz in Anspruch, ein die Textintentionalität angemessen berücksichtigender Interpretationsansatz zu sein, während Reader Response Criticism den Text nicht interpretiere, sondern gebrauche. Auch die historischkritische Exegese interpretiere den Text nicht, sondern gebrauche ihn als Datenquelle zur Rekonstruktion von etwas, was der Textintention nicht entspreche. Über den Reader Response Criticism weit hinausgehend fordert der New Yorker Neutestamentler Vincent Wimbush, nicht länger den Bibeltext als primären Gegenstand der neutestamentlichen Wissenschaft in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken, sondern seine Lektüren. Wimbush forderte auf einer Tagung in Arnoldshain 5 im Oktober 2001: »Die übergeordnete auslegerische Aufgabe des Bibelwissenschaftlers sollte dann sein, die geschichtlichen gesellschaftlichen Bildungen, gesellschaftlichen Kräfte und ihre Entwicklungen zu erklären [...]. Es muß nicht nur eine Erklärung dafür geben, wie und warum ein Kollektiv mythische Geschichten erfindet oder umarmt und tradiert, die in für heilig gehaltene Texte verwandelt wurden. Es muß auch eine Erklärung für die weitgehend anerkannten, wenn nicht immer offiziell sanktionierten Zugänge zu oder Typen der Beschäftigung mit solchen mythischen Geschichten als Texte geben.« Wimbush ist ein Hauptvertreter des in den USA weit verbreiteten Ansatzes des Post Colonial Criticism, der sich als eine radikale Überbietung des befreiungstheologischen und feministischen Ansatzes inszeniert. Er übernimmt aus der Befreiungstheologie und der daran orientierten feministischen Exegese die Kritik an jedem Ansatz, der 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 50 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 51 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn die Unparteilichkeit des Wissenschaftlers proklamiert und fordert mit ihnen die Parteilichkeit der Exegese. Der befreiungstheologischfeministischen Exegese wirft er allerdings vor, in Folge ihrer Orientierung am biblischen Text letztlich ein elitäres Spiel zu unterstützen und damit mit den von ihnen kritisierten Ansätzen viel mehr gemein zu haben, als es ihnen bewusst sei. Wirklich gesellschaftsverändernde Kraft, die das Erbe des Kolonialismus überwinde, hätten diese elitär textfetischistischen Ansätze nicht. Auch sie seien wie die traditionelle historische Kritik »in Wirklichkeit [...] Dienstleistung und Unterstützung für die Tagesordnung der dominanten kirchlichen und akademischen Institutionen des Westens [...] mit ihrer gewichtigen Investition in die Interpretation biblischer Texte als Selbstbespiegelung und Selbstrechtfertigung, ja sogar als Vergöttlichung. Bibelwissenschaftler sind über weite Strecken weniger distanzierte objektive Kritiker, was viele von ihnen behaupten, als vielmehr eine bestimmte Unterkategorie von fundamentalistischen Stammestheologen.« Sieht man einmal von der verbalen Polemik Wimbushs ab, so stellt sein radikaler, wissenschaftlich kohärent und argumentativ vorgetragener Post Colonial Criticism eine Frage, deren Beantwortung die ethische Dimension jeder Bibellektüre aufscheinen lässt: Warum soll der Bibeltext um seiner selbst willen wahrgenommen werden? Wimbushs Interesse ist es, die Ressourcen der universitären Bibelwissenschaften nicht länger der Philologie, sondern dem Einsatz für eine gerechtere Welt zur Verfügung zu stellen, die den Kolonialismus nicht nur ideologisch, sondern praktisch und politisch hinter sich gelassen hat. Seine Anfrage stellt die exegetische Zunft vor die Notwendigkeit, ihr Tun ethisch zu reflektieren. Aber auch Pellegrinis Plädoyer für eine Textsemiotik im Gefolge der Semiotik Umberto Ecos arbeitet mit ethischen Überzeugungen, wenn sie feststellt: »Der ›Streit um die Interpretationen‹ besteht darin, ob man einverstanden ist, dass eine Interpretation nach der Intention des Textes streben soll oder nicht. Ich sehe keinen anderen Weg, als die Texte als Zeichen ernst zu nehmen«. 6 »Es ist die Entscheidung, sich auf den Text einzulassen«. 7 Die Entscheidung, sich auf den Text einzulassen, kann letztlich aber nicht methodisch, sondern nur ethisch begründet werden. Die Alternative zur regelgeleiteten Position der Textsemiotik kann mit einem Aphorismus von Novalis benannt werden: »Lesen ist eine freye Operation. Wie ich und was ich lesen soll, kann mir keiner vorschreiben.« 8 Und die ethische Forderung Wimbushs verlangt gerade, sich nicht länger auf den Text, sondern auf die Lebensbedürfnisse, genauer: auf die Überlebensbedürfnisse der unter den Folgen der Kolonialisierung leidenden Menschen einzulassen. Gibt es eine ethische Begründung dafür, sich im Sinne der Textsemiotik auf den Text einzulassen? Ich bejahe diese Frage in Anlehnung an die Unterscheidung zwischen dem unmittelbaren und dem dynamischen Objekt des Zeichenbegriffs Charles Sanders Peirces. 9 Das Zeichen repräsentiert das Objekt in einer Hinsicht. Dieses in der Zeichentriade durch die Auswahl einer Hinsicht repräsentierte Objekt nennt Peirce das unmittelbare Objekt. Das unmittelbare Objekt hat seinen Ort innerhalb der Zeichentriade und zwar nur innerhalb dieser Triade. Das dynamische Objekt hingegen ist das Objekt, das die Erzeugung eines Zeichens motiviert und von dem das unmittelbare Objekt nur eine Hinsicht darstellt. Hin und wieder nennt Peirce es auch das reale Objekt. Dabei versteht er real im Sinne einer Wirkung. Er stellt aber folgendes klar: »[...] das Dynamische oder Echte Objekt. Es ist irreführend, es reales Objekt zu nennen, denn es kann irreal sein. Dies ist das Objekt, das das Zeichen wahrhaft bestimmt. Doch es wäre falsch anzunehmen, ein fiktives Objekt könne keine reale Wirkung hervorrufen.« Die Differenzierung zwischen dem dynamischen und dem unmittelbaren Objekt vermag zum einen die unbegrenzte Hervorbringung neuer Zeichen zu erklären, den Akt unbegrenzter Semiose, zum anderen führt sie aber auch »Die Entscheidung, sich auf den Text einzulassen, kann letztlich aber nicht methodisch, sondern nur ethisch begründet werden« 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 51 52 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Hermeneutik und Vermittlung ein regulatives Prinzip in den Akt der Interpretation ein, da die Motivation aller Interpretation in diesem semiotischen Modell die Idee des dynamischen Objekts ist. Auf diesem Hintergrund formuliere ich ein erstes Kriterium einer Ethik der Interpretation, das ich Realitätskriterium nennen möchte: Eine Interpretation ist gut, wenn sie danach strebt, den Interpretationsgegenstand als real vorgegebenes Anderes, vom Ausleger Unterschiedenes in gewisser Hinsicht darzustellen, und diesem Anderen mit Respekt gegenübertritt. Die von einer textorientierten Bibelexegese angestrebte Lektürehaltung ist der Respekt vor dem anderen, vor der Vorgegebenheit des Anderen. Abgewiesen werden deshalb solche Lektürehaltungen, die dem Fremden mit einer gleichgültigen Beliebigkeit gegenübertreten und damit ihr Desinteresse am Fremden bekunden und ihm eine Absage am gemeinsamen Leben erteilen. Gleichermaßen abgewiesen wird eine Lektürehaltung, die das Fremde des Anderen ausblendet, entweder das Fremde sich so zurechtmacht, dass es zum eigenen wird, oder aber sich selbst so zurecht zu machen versucht, dass es dem Fremden blindlings folgt. Mit diesem Plädoyer für eine textorientierte Bibelexegese ist dem Anliegen des Post Colonial Criticism aber keine generelle Abfuhr zu erteilen. Vielmehr meine ich, dass Wimbush eine unnötige und irreführende Alternative aufbaut. Im Interesse an einer gerechteren Welt ist es förderlich, die Rezeptionsgeschichte heiliger Texte danach zu befragen, welche Interpretationen zu Unterdrückung und Gewalt und welche zur Befreiung davon beigetragen haben. Aber das zu Recht eingeforderte und stark vernachlässigte Wahrnehmen der Rezeptionsgeschichte der Heiligen Schriften verlangt es nicht, sie nicht mehr selbst als real vorgegebenes Anderes in den Blick zu nehmen. Schließlich ist sowohl für die Interpretation der biblischen Texte als auch für die Interpretation ihrer Interpretationen dieselbe Lektürehaltung einzunehmen, die den Respekt vor dem Anderen im Akt der Interpretation einübt und bereits dadurch einen Beitrag zu einer gerechteren Welt leistet. Aber auch die von Eco eingebrachte Unterscheidung zwischen interpretieren und gebrauchen, mit der Pellegrini der historischen Kritik und dem Reader Response Criticism gleichermaßen abspricht, Interpretationen des Textes zu sein, führt in die Irre, denn es gibt keine tragfähigen Kriterien dafür, bis wohin etwas als Interpretation und ab wann es als Gebrauch gelten soll. Die Anfrage an jede Interpretation muss lauten, ob sie die Realität des Interpretationsgegenstandes als vorgegebene Realität angemessen und respektvoll in den Blick nimmt und ob der gewählte Aspekt, den die Interpretation herausarbeitet, tatsächlich ein Aspekt des realen Objekts darstellt. Historische Kritik wie auch Reader Response Criticism müssen die Texthaftigkeit der Biblischen Schriften beachten und ihr mit Respekt gegenübertreten, dann können sie im Rahmen ihrer methodischen Ansätze ihren Erkenntnisinteressen nachgehen und sich darum Bemühen, das dynamische Objekt in den von ihrem methodischen Ansatz anvisierten Hinsichten darzustellen. Das Realitätskriterium verlangt jedem methodischen Ansatz ab, sich mit der Realität des Untersuchungsgegenstandes zu befassen, sich respektvoll auf ihn einzulassen und danach zu streben, einen Aspekt des dynamischen Objekts durch die Interpretation darzustellen. Gelingt ihr das, so handelt es sich um eine wahre Interpretation, wohlgemerkt: um EINE wahre Interpretation. Die Unterscheidung zwischen dem dynamischen und dem unmittelbaren Objekt erlaubt es, Wahrheit im Plural zu denken, ohne eine gleich-gültige, subjektivistische Beliebigkeit der Interpretation zu propagieren. 2. Ich verhalte mich zur Interpretation anderer Bibelleserinnen und -leser - oder: ethische Aspekte des Konflikts der Interpretationen Mit der ethischen Entscheidung für eine Text- »Die von einer textorientierten Bibelexegese angestrebte Lektürehaltung ist der Respekt vor dem Anderen, vor der Vorgegebenheit des Anderen« 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 52 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 53 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn theorie, die den Text respektvoll als Äußerung eines Anderen wahrnehmen möchte, ist noch nicht darüber entschieden, wie mit der Vielfalt von Interpretationen umzugehen ist. Die zunehmende Bereitschaft unter den Bibelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern eine Methodenvielfalt zuzulassen, hat zur Konsequenz, die Adäquatheit einer Interpretation an der korrekten Durchführung der methodischen Vorgaben zu messen. Das Bekenntnis zum Pluralismus reicht aber nicht aus. Nicht jede Bibellektüre kann von einer ethisch reflektierten Bibelwissenschaft akzeptiert werden. Ich erinnere noch einmal daran, dass Sklaverei, Apartheid und die Unterdrückung von Frauen mit Hilfe von Bibellektüren ideologisch begründet wurden und werden. Aus textsemiotischer Sicht ist der Sinn eines Textes weder vorgegeben noch beliebig. Er ist ein Produkt der jeweiligen Lektüre, die wiederum eine Interaktion von vorgegebenen Textstrategien und ihrer Aktualisierungen durch konkrete Leser- oder Leserinnen in ihren jeweiligen Kontexten darstellt. Damit ist die Vielfalt möglicher Lektüren durch eine Theorie der Zeichen begründet aber auch eine Kritik an Lektüren möglich, die einen Alleinanspruch für sich erheben oder aber von den Textzeichen so weit abweichen, dass sie nicht mehr als Lektüren eines konkreten Textes sichtbar werden. Ein zweites Kriterium einer Ethik der Interpretation, das ich Sozietätskriterium nennen möchte, kann dabei als Leitfaden für den Umgang mit anderen Interpretationen desselben Gegenstandes dienen: Eine Interpretation ist gut, wenn sie sich als ein Beitrag zu einer gemeinschaftlichen Wahrheitssuche versteht, und andere Interpretationen, auch wenn sie inhaltlich nicht geteilt werden, als Beitrag zu dieser vom dynamischen Objekt motivierten Wahrheitssuche respektiert. Auch hier sei noch einmal betont: Der Plural möglicher, wahrer Interpretationen meint keine gleich-gültige Beliebigkeit. Angestrebt wird im Umgang mit anderen Interpretationen nicht die die gemeinsame Wahrheitssuche unterlaufende Haltung eines »Das ist meine Wahrheit und das eben Deine«. Diese Haltung fördert nicht die gemeinsame Erschließung von Welt, sondern führt konfliktscheu zum vorzeitigen Abbruch eines Dialogs. Sie missachtet nicht nur die reale Vorgegebenheit des Auslegungsgegenstandes, sondern ebenso die von ihm motivierte Wahrheitssuche der anderen Ausleger und Auslegerinnen. Erst der Respekt vor der realen Vorgegebenheit des Interpretationsgegenstandes und der Respekt vor der Wahrheitssuche der Anderen führt zu einem echten Interesse an der Interpretation der Anderen. Dieses Interesse besteht dann nicht mehr darin, die eigene Interpretation als die einzig angemessene, originellste, geistreichste oder politisch korrekteste vor allen anderen zu behaupten. Vielmehr geht es dann darum, die Interpretation des Anderen darauf hin zu befragen, ob hier ein Aspekt des dynamischen Objekts dargestellt werden konnte und dadurch die eigene Interpretation gefördert wird, sei es, dass sie vertieft, erweitert oder auch falsifiziert wird. Gemeinsam lernen. Zu dieser Haltung ruft das Sozietätskriterium auf; und ich meine, dass das ein schützenswerter gemeinsamer Grundgedanke der Institutionen Universität, Kirche und Schule darstellt, mit dem sie unsere Gesellschaft bereichern. Die ethische Frage der Bibelinterpretation stellt sich dabei nicht nur im Umgang mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Exegese, sondern auch im Umgang mit der Lektüre von Gemeindegliedern und im Umgang mit der Lektüre von Schülerinnen und Schülern. Diesen Punkt hebt Daniel Patte in seinem Buch Ethics of Biblical Interpretation hervor. 10 Patte macht darauf aufmerksam, dass die professionelle Bibelwissenschaft die Lektüre von Laien fördern und nicht im Keim ersticken soll. Nur wenn die professionelle Bibellektüre sich nicht hierarchisch über die »Der Plural möglicher, wahrer Interpretationen meint keine gleich-gültige Beliebigkeit. Angestrebt wird im Umgang mit anderen Interpretationen nicht die die gemeinsame Wahrheitssuche unterlaufende Haltung eines ›Das ist meine Wahrheit und das eben Deine‹« 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 53 54 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Hermeneutik und Vermittlung der Laien erhebt, kann sie mit ihren Einsichten deren Lektüre fördern. Das kann aber keine Einbahnstraße sein, denn wenn der Leserpol des rezeptionsästhetischen Interaktionsmodells von Text und Leser angemessen berücksichtigt wird, so wird auch die Lektüre von Laien bei einem professionellen Bibelleser Interesse wecken, da sie aus ihrer je eigenen Perspektive ebenso mögliche Lesarten erzeugen können. Unter diesem Gesichtspunkt kommt dem Anliegen des Post Colonial Criticism, die Lektüren der Unterdrückten wissenschaftlich zu untersuchen, auch aus textsemiotischer Sicht Plausibilität zu, wenn es nicht verabsolutiert wird. 3. Ich verhalte mich zur Gesellschaft - oder: ethische Aspekte der gesellschaftspolitischen Relevanz der Bibelwissenschaften Ergebnisse der Bibelinterpretation dürfen nicht als kontextlose und wertfreie Wahrheit dargestellt und der Öffentlichkeit präsentiert werden, sondern als mögliche, unter hermeneutischen Prämissen und methodischen Vorgaben erarbeitete Beiträge einer gemeinsamen Erschließung von Welt, die als solche in ein Gespräch mit anderen Auslegungen einzutreten in der Lage und willens sind. Darauf zielt mein drittes Kriterium einer ethisch verantworteten Interpretation, das Kontextualitätskriterium: Eine Interpretation ist gut, wenn sie ihre kulturelle und das heißt auch ihre politische Verortung offen legt und sich als ein Beitrag zur kommunikativen Erschließung der Welt präsentiert. Elisabeth Schüssler Fiorenza forderte zu Recht die Bibelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in ihrer 1987 gehaltenen Präsidentschaftsrede der Society of Biblical Literature mit dem Titel The Ethics of Interpretation: De-Centering Biblical Scholarship 11 und dann in ihrer 1999 erschienenen Monographie, The Politics of Biblical Studies, dazu auf, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und zu praktizieren. Für eine Ethik der Bibelwissenschaften von besonderem Interesse ist ihre Forderung, nicht nur die gewählte Hermeneutik und die Methode der Untersuchung offen zu legen, sondern ebenso die Standortgebundenheit des Auslegers bzw. der Auslegerin, also Geschlecht, kulturelle Prägung und soziale Situierung kenntlich zu machen. Insbesondere fordert sie zu Recht, die Absicht der jeweiligen bibelwissenschaftlichen Untersuchung nicht nur im Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand, sondern auch hinsichtlich der gewünschten gesellschaftlichen Wirkung offen zu legen: Was möchte ich bewirken? Den Vertretern und Vertreterinnen einer gewünschten Interesselosigkeit von Wissenschaft, einer für sich selbst reklamierten Unparteilichkeit ist daher entgegenzuhalten: Wer nichts bewirken möchte, will auch nichts ändern und will implizit, das alles bleibt wie es ist. Hinsichtlich der Positionierung des Bibelwissenschaftlers bzw. der Bibelwissenschaftlerin sind veränderbare von unveränderbaren Aspekten zu unterscheiden. Biologische Dispositionen sowie die soziale und kulturelle Herkunft sind nicht veränderbar, Hermeneutik und Methode sowie der Untersuchungsgegenstand und die jeweilige Fragestellung hingegen unterliegen einer Wahl. Während die unveränderbaren Aspekte der Position der Ausleger und Auslegerinnen unter Berücksichtigung der notwendigen Interaktion von Text und Leser die Unhintergehbarkeit einer Vielfalt von Lektüren unterstreicht, verweist die Wahlmöglichkeit auf den ideologischen Aspekt jeder Bibelinterpretation. Ich lese als westeuropäischer Mann, aufgewachsen in einer Zechensiedlung im Ruhrgebiet, aber ich habe als erwachsener, mündiger Mensch die Möglichkeit, andere Kulturen kennen zu lernen, von anderen zu lernen und ich habe die Wahl zwischen verschiedenen Untersuchungsgegenständen, Fragestellungen und Frageabsichten. Da unveränderbare und veränderbare Aspekte die Position des Auslegers gleicher- »Da unveränderbare und veränderbare Aspekte die Position des Auslegers gleichermaßen bedingen, ist hier weder einer Determination der Auslegung noch einer absoluten Autonomie der Forscherinnen und Forscher das Wort zu reden« 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 54 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 55 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn maßen bedingen, ist hier weder einer Determination der Auslegung noch einer absoluten Autonomie der Forscherinnen und Forscher das Wort zu reden. Die unveränderbaren Aspekte machen es zur ethischen Pflicht, die eigene Perspektive als eine unter anderen wahrzunehmen und einzubringen. Die Möglichkeit der Wahl macht es zur Pflicht, die gewählte Hermeneutik, Methodik, Thematik und Fragestellung auf ihre gesellschaftliche Wirkung hin zu befragen. Dabei vermeidet die Rückbindung an das Realitätskriterium, die Bibelinterpretation in political correctness erstarren zu lassen. 4. Konsequenzen für die exegetische Praxis Die Beachtung der drei Kriterien - Realitätskriterium, Sozietätskriterium, Kontextualitätskriterium - führt zu einem ethisch verantworteten Umgang mit Texten. Sie zielen auf eine exegetische Praxis, die sich an der Beschaffenheit ihres Untersuchungsgegenstandes orientiert und die formalen und gesellschaftlichen unhintergehbaren Bedingungen seiner Wahrnehmung berücksichtigt. Welche konkreten Folgen hat das aber für die exegetische Praxis? Ich möchte zumindest drei Konsequenzen benennen, um das bisher Entwickelte zu konkretisieren: 1. Die exegetische Praxis kann nicht länger nach dem einen wahren Textsinn suchen, sondern muss von einer prinzipiellen Pluralität möglicher Textsinne ausgehen. 2. Die exegetische Praxis muss die gesellschaftspolitische Wirkung ihrer gewählten Fragestellung und der verwendeten Formulierungen verantworten. 3. Die exegetische Praxis muss die ideologische Kraft der Texte - die Gewalt der Zeichen - in Rechnung stellen: Es gibt keine unschuldigen Zeichen. Ad 1: Das Realitätskriterium hält dazu an, sich mit der tatsächlichen Beschaffenheit des Untersuchungsgegenstandes zu befassen. Der Untersuchungsgegenstand der Exegese ist ein Text. Texte sind zusammengewobene Zeichenketten. 12 Die Lektüre produziert einen Textsinn, wenn sie den Aufbau der Zeichen als stimmig konstruieren kann (Syntagmatik), die Bedeutung der einzelnen Zeichen diesem Aufbau zuordnen kann (Semantik) und ein Bezug zwischen Text und Leser oder Leserin entsteht (Pragmatik). Die Lektüre produziert jeweils unterschiedliche Sinne, je nachdem, wie sie einen Text gliedert und die einzelnen Zeichen aufeinander bezieht (Syntagmatik), welche Bedeutungseigenschaften eines Zeichens aktualisiert bzw. narkotisiert werden (Semantik) und wie sich die Leser in den Text einschreiben bzw. einschreiben lassen (Pragmatik). Das sind die Grundbedingungen jeder gelingenden Lektüre. Aufgrund dieser formalen Bedingungen schriftlicher Zeichen, sind Texte mehrdeutig. Eine exegetische Praxis, die sich der unhintergehbaren Mehrdeutigkeit von Zeichen bewusst ist, kann nicht mehr in einer Lektürehaltung vollzogen werden, die nach der Eindeutigkeit eines Textes sucht und die Plausibilität der eigenen Interpretation mit dem einen wiedergefundenen wahren Sinn des Textes verwechselt. Die Lektürehaltung der ersehnten Eindeutigkeit führt zu den Unterrichts»gesprächen«, die die Schülerinnnen und Schüler bzw. die Studierenden nicht mehr in den Text schauen lässt und sie als eigene Leser ernst nimmt, sondern sie zum Erraten der Interpretation des Lehrers bzw. der Dozentin degradiert, wie es Hans Magnus Enzensberger so köstlich in seinem Essay »Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie« 13 karikiert hat. Diese Leserbzw. Lehrerhaltung widerspricht auch dem Sozietätskriterium. Entgegen Enzensberger heißt die Alternative »Die exegetische Praxis kann nicht länger nach dem einen wahren Textsinn suchen, sondern muss von einer prinzipiellen Pluralität möglicher Textsinne ausgehen« »Die exegetische Praxis muss die ideologische Kraft der Texte - die Gewalt der Zeichen - in Rechnung stellen: es gibt keine unschuldigen Zeichen« 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 55 56 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Hermeneutik und Vermittlung dazu aber nicht, die Beliebigkeit und völlige Willkür der Lesenden anzustreben, denn auch davor schützt das Realitätskriterium, das ja die Berücksichtigung der realen Vorgegebenheit des Textes und damit die Differenz zwischen dem Gelesenen und dem Leser anmahnt. Die Akzeptanz der Mehrdeutigkeit der Zeichen bei gleichzeitiger Ablehnung einer gleichgültigen Beliebigkeit fördert die Lektüre- und Lebenshaltung eines qualifizierten Pluralismus. Damit wird zugleich jeder Fundamentalismus begründet abgelehnt. Die Wahrheit auch der heiligen Texte besteht nicht in ihrer Eindeutigkeit. Die Texte sind reicher als nur eine ihrer Lesarten. Ein qualifizierter Pluralismus des Sinns eröffnet Lese- und Lebensräume, in der vieles, aber nicht alles Platz findet. Das hat auch didaktische Konsequenzen. In der Unterrichtssituation muss ich damit rechnen, dass die von mir eingebrachte Interpretation nicht die einzig mögliche ist. Andere Lesarten können eine andere Plausibilität entfalten, die ebenso - aber auf andere Weise - die reale Vorgegebenheit der Textzeichen zu berücksichtigen wissen. Aber nicht jeder Interpretation kommt gleichermaßen Plausibilität zu. Die Interpretation muss in sich stimmig sein und in der Interaktion mit dem auszulegenden Text ein kohärentes Gebilde ergeben. Je stärker die syntagmatischen, die semantischen und die pragmatischen Zeichenbeziehungen ineinander greifen, desto plausibler wird eine Interpretation. Ich kann also nicht mehr nur darauf achten, ob meine Interpretation von den Beiträgen der Schülerinnen oder Seminarteilnehmer getroffen wird, sondern ich muss darauf achten lernen, ob die Argumentation der Anderen schlüssig ist. Ich weiß auch nicht, wie viele mögliche Interpretationen es von einem Text gibt, aber es ist sicher mehr als eine und es sind sicher weniger als alle. Die Lesenden lernen in der Einübung einer Lektürehaltung des qualifizierten Pluralismus, entsprechend dem Realitätskriterium die reale Vorgegebenheit des Textes und seiner vielfältigen Möglichkeiten wahrzunehmen und gemäß dem Sozietätskriterium sich selbst und auch die Anderen als Leser wertzuschätzen, Differenzen, Widersprüche und Spannungen fragend und suchend auszuhalten und im Dialog die Tragfähigkeit des selbst Gedachten kritisch am Text und durch die Äußerungen der Anderen zu überprüfen. Diese Lektürehaltung übt die Akzeptanz und das Aushalten verschiedener Plausibilitätsstrukturen innerhalb einer Gesellschaft zur gleichen Zeit ein, ohne den eigenen Standpunkt vorschnell aufzugeben und erfüllt damit auch das dritte Kriterium, nämlich das Kontextualitätskriterium. Sie führt zudem zu einem echten Interesse am Anderen, denn seine Äußerungen könnten meine Sicht bereichern, unterstützen oder falsifizieren. Diese Lesehaltung als Lebenshaltung führt zu einem echten Dialog der verschiedenen Sichtweisen, in dem es wirklich um etwas geht, weil sein Ausgang wahrhaft offen ist. Ad 2: Die Wahl des Themas der exegetischen Untersuchung und ihre Formulierungen müssen im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Wirkungen erarbeitet werden. Dazu hält vor allem das Kontextualitätskriterium, aber auch das Sozietätskriterium an. Um Missverständnissen vorzubeugen schicke ich gleich vorweg, dass die Themenwahl der Exegese sich nicht allein aus der Tagespolitik, den kirchlichen oder schulischen Erfordernissen ergeben kann, wenn sie diese Bedürfnisse auch stärker als bisher berücksichtigen sollte. Grundlagenforschung ist selten direkt »verwendbar«, aber unumgänglich, wenn eine Wissenschaft nachhaltige Forschungsergebnisse anstrebt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Textkritik, eine Spezialwissenschaft, die in jahrhundertelanger Forschung eines der nachhaltigsten Ergebnisse erreicht hat, die in den letzten Jahrzehnten auch einen ökumenischen Erfolg von kaum zu überschätzender Bedeutung erzielt hat: Aus der Vielzahl der Textzeugen wurde für das Neue Testament ein griechischer Text konstruiert, den nun nahezu alle christlichen Kirchen ihren Übersetzungen gleichermaßen zugrundelegen, nämlich der Nestle-Aland bzw. das Greek New Testament. Für das Alte Testament wird mit weiter Übereinstimmung die von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgegebene Biblia Hebraica Stuttgartensia zur Grundlage der Übersetzung empfohlen. 14 Die überwiegende Menge an Einzeluntersuchungen, die zu diesem herausragenden praxisrele- 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 56 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 57 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn vanten Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit führte, ist für Laien nicht lesbar und selbst für Exegeten, die nicht selbst textkritisch forschen, oft schwere Kost. Das heißt, weder »Allgemeinverständlichkeit« noch »direkte Verwertbarkeit« kann ein ausschließliches Kriterium für die Themenwahl und die Darstellung wissenschaftlicher Exegese sein. Vielmehr muss die Frage lauten: Worauf zielt die Einzelforschung? Was soll gesellschaftlich erreicht werden? Wie soll sich die Welt verhalten, wenn die Forschungsergebnisse zustimmend rezipiert werden? Aber nicht nur das Thema und die Ergebnisse der Forschung, sondern auch ihre Darstellung ist ethisch relevant. Wenn vor noch gar nicht so langer Zeit die Forschung mit Blick auf die Untersuchung des Judentums zur Zeit Jesu vom »Spätjudentum« sprach, so war mit dieser Terminologie nicht nur ein Untersuchungsgegenstand markiert, sondern dem Judentum bzw. den Judentümern der Gegenwart wurde mit dieser Formulierung ihre Existenzberechtigung abgesprochen, ob das die einzelnen Forscher intendierten oder nicht! Worte und Redewendungen setzen Assoziationen frei und bewirken etwas. Im politischen Diskurs unserer Gegenwart können Formulierungen berechtigterweise zu Rücktrittsforderungen führen, wie es z.B. einst Bundestagspräsident Jenninger und jüngst die Justizministerin Däubler-Gmelin zu spüren bekamen. Es ist gleichermaßen gesellschaftlich nicht egal, wie die Wissenschaft ihre Ergebnisse formuliert. Wer einmal exegetische Arbeiten aus der Zeit des Nationalsozialismus selbst heute noch unverzichtbarer Werke liest, und allein darauf achtet, wie der Terminus »Jude« bzw. »das Judentum« gebraucht wird, dem steigt zuweilen die Schamesröte über die eigene Zunft ins Gesicht. Seit dem 11.9.2001 stehen wir in der besonderen Pflicht darauf verstärkt zu achten, wie wir und wie in unseren Kirchen, Schulen, Vereinen, Stammtischen, Ladentheken etc. von »dem Islam« gesprochen wird! Aber nicht nur das Kontextualitätskriterium, sondern auch das Sozietätskriterium muss mit Blick auf die Darstellung in Forschung und Lehre beachtet werden. Eine Polemik in der Sache kann durch Zuspitzung Positionen klären. Sie darf aber nicht die Integrität des Anderen gefährden. Wissenschaftliche Diskussionen können so zum Vorbild für eine qualifizierte Streitkultur werden, die in der Sache klar und zuweilen auch scharf zu formulieren weiß, aber darum bemüht ist, nicht nur das eigene Gesicht, sondern auch das Antlitz des Anderen zu bewahren. Aber nicht nur die Terminologie und einzelne Redewendungen gilt es zu berücksichtigen. Vielmehr muss eine Schreibweise angestrebt werden, die der Differenziertheit und Mehrdeutigkeit des Untersuchungsgegenstandes angemessen ist. Auch in der Schreibweise gilt es, das Realitätskriterium zu beachten. Konkret: Weder in elementarisierenden Lehrbüchern dürfen Hypothesen als gesicherte Fakten verkauft werden noch in Feuilletons, Fernsehinterviews und Regenbogenpresse dürfen sich Bibelwissenschaftler dazu hergeben, den gesellschaftlich produzierten Bedürfnissen nach Simplifizierung und unsachgemäßer Ein- Deutigkeit nachzugeben. Und genauso wenig darf in der Schule und in der Gemeinde unter dem Stichwort »Elementarisierung« eine die Komplexität verfälschende Simplifizierung stattfinden. Kinder und Erwachsene müssen in unserer Gesellschaft lernen, mit Uneindeutigkeiten, Spannungen und Widersprüchen qualifiziert, kritisch und konstruktiv umzugehen, denn das Leben des Einzelnen wie das gesellschaftliche Leben im Ganzen sind davon durchzogen. Es ist niemandem damit geholfen, untragbare Eindeutigkeiten zu behaupten, die im Konfliktfall dann zu Ein- und Zusammenbrüchen führen. Das ist schwierig, aber möglich und vor allem realistisch und tragfähig! Gelingt es, die Komplexität der Forschung wie des Lebens auszuhalten, so führt das nicht nur zu einem realistischen Erkenntnisgewinn, sondern auch zur lustvollen und lebensqualitätssteigernden Bereicherung der eigenen Welt. Wir müssen in Forschung, Lehre und Alltagsleben mehr darauf achten, wie wir kommunizieren. Ad 3: Auch heilige Texte sind keine unschuldigen Zeichen. Sie bergen die Möglichkeit, mit ihrer Verwendung anderen Gewalt anzutun. Die katholische Kirche verwehrt bis auf den heutigen Tag unter Bezug auf biblische Texte Frauen den Zugang zum Priesteramt - ein 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 57 58 ZNT 11 (6. Jg. 2003) Hermeneutik und Vermittlung skandalöser Beitrag zum theologischen Sexismus. Und auch in den protestantischen Landeskirchen fiel die letzte Bastion dieser gewaltvollen Bibelverwendung erst in jüngster Zeit. Mit Hilfe biblischer Texte werden Menschen, die einen anderen Menschen des gleichen Geschlechts lieben, bis auf den heutigen Tag diffamiert. Die blutige Geschichte der christlichen Judenverfolgung ist immer auch eine Geschichte der Rezeption biblischer Texte gewesen. Das Apartheidsregime Südafrikas legitimierte den Herrschaftsanspruch der »Weißen« über die »Schwarzen« unter Bezugnahme auf biblische Texte. Die Terroranschläge vom 11.9.2001 verdanken sich auch aus einer bestimmten Rezeption des Korans. Aber nicht nur diese offensichtliche Gewalt wird mit der Lektüre Heiliger Texte begründet. Vielfältige religiöse Psychosen werden durch die Lektüre Heiliger Texte erzeugt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Satz »Dein Glaube hat dir geholfen«, der im Zusammenhang neutestamentlicher Wundergeschichten begegnet, löst bei einem fundamentalistischen Frömmigkeitstyp nicht selten erhebliche psychische Konflikte aus, wenn schwere Krankheiten oder schwierige familiäre oder berufliche Probleme nicht gelöst werden. Zum Kummer der unheilbaren Krankheit kommt die selbstzerfleischende Angst hinzu, nicht »richtig« geglaubt zu haben und deswegen nicht gesund zu werden. Nicht selten wird in fundamentalistischen Gemeinschaften diese Angst sogar noch gefördert. Sicherlich wird man schnell dazu neigen, hier vom Missbrauch biblischer Texte zu reden. Aber die Möglichkeit solchen Missbrauchs verweist auf ein tieferliegendes semiotisches Problem: Jede Zeichenverwendung ist ideologisch, denn die Zeichen bewirken etwas, machen etwas mit dem Rezipienten. Der Zeichenverwender ist nicht einfach »Herr« über die Zeichen, er macht nicht nur etwas mit den Zeichen, sondern die Zeichen machen auch etwas mit ihm. Er ist auch subiectum im Sinne mittelalterlicher Grammatiktheorien, nämlichen den Zeichen unterworfen. Was für unsere Mediengesellschaft gilt, dass nämlich Meinungen, Stimmungen, Realitäten durch die Medien erzeugt werden, das gilt prinzipiell für alle Zeichen. Auch biblische Texte erzeugen Stimmungen, Meinungen und Realitäten. Gerade der Anspruch von Texten, »heilig« zu sein, ruft dazu auf, ihnen und ihrer Sicht von Gott und der Welt zuzustimmen und demgemäß zu leben und die Welt zu gestalten. Das ist der berechtigte Hintergrund von Welborns Kanonkritik, aber seine Kritik greift zu kurz, denn dieses ideologische Machtpotential kommt allen Texten zu. Der Kanon bietet gerade weil er selbst ein plurales Gebilde und voller Widersprüche ist, die Chance, mit Hilfe des kanonisierten Plurals, das ideologische Gewaltpotential einzelner Texte zu dekonstruieren. Der Kanon schützt die Christenheit vor gewaltvoller Eindeutigkeit, indem er den Plural der Texte und ihre Differenzen als unverzichtbare Grundlage des Glaubens bewahrt! Diese Pluralität des Kanons gilt es bei jeder Textauswahl zu berücksichtigen. Sie schützt vor ideologischer Ausschlachtung des Kanons, einer dogmatischen Belegstellenexegese, die einzelne Texte oder Textstellen zur Begründung der eigenen eindeutigen Position heranzieht. Die Pluralität des Kanons verpflichtet zur Sachkritik der einzelnen Texte und Textabschnitte! Sie erfordert die grundsätzliche Ablehnung ausschließlich identifikatorischer Lektürehaltungen. Ein Einverständnis mit dem Text kann es ethisch und kanontheologisch verantwortet nur nach einer kritischen, prüfenden Auslegung geben. Die Frage dabei muss lauten: Wie sieht Gott und die Welt aus, wenn ich ja zu diesem Text sage? Wie muss ich mich in der Welt und Anderen gegenüber verhalten, wenn ich ihm zustimme? Diese kritische Lektürehaltung kann sich ein paulinisches Motto zueigen machen: »Prüft Alles, behaltet das Gute! « l Anmerkungen 1 L.L. Welborn, Vom Unterrichten der Bibel im »Ausnahmezustand«. Reflexionen über die hermeneutische Aufgabe eines neutestamentlichen Historikers nach dem 11. September 2001, ZNT 10 (2002), 2-12. Meine Ausführungen gehen auf zwei Vorträge zurück. Den einen habe ich im Oktober 2001 an der Gesamthochschule Universität Kassel gehalten. Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals für die freundliche Einladung. Der andere Vortrag ist meine Antrittsvorlesung in Frankfurt 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 58 ZNT 11 (6. Jg. 2003) 59 Stefan Alkier Fremdes Verstehen - Überlegungen auf dem Weg zu einer Ethik der Interpretation biblischer Schriften. Eine Antwort an Laurence L.Welborn über das Thema »Ethik der Interpretation«, die ich am 18.4.2002 gehalten habe. Sie wird abgedruckt in dem Sammelband M.Witte (Hg.), Der eine Gott und die Welt der Religionen. Die semiotischen Termini, auf die ich weiter unten nicht verzichten konnte, ohne sie aber weiter zu thematisieren, habe ich in meiner oben genannten Antrittsvorlesung sowie in meiner Habilitationsschrift, Wunder und Wirklichkeit in den Briefen des Apostels Paulus. Ein Beitrag zu einem Wunderverständnis jenseits von Entmythologisierung und Rehistorisierung, WUNT 134, Tübingen 2001, erläutert. 2 Ch. Eastman, The Soul of the Indian, Houghton Mifflin 1911, 119f., zitiert nach V. Deloria Jr., Gott ist Rot. Eine indianische Provokation, München 1984, i.O., New York 1973. 3 Chr. Grundmann, Interreligiöser Dialog und Neues Testament - Eine Orientierung, ZNT 5 (Themenheft Interreligiöser Dialog) 2000, 5. 4 S. Pellegrini, Elija - Wegbereiter des Gottessohnes. Eine textsemiotische Untersuchung im Markusevangelium, Herders Biblische Studien 26, Freiburg u.a. 2000, 72f.: »Interpretieren bedeutet für den Ausleger, sich vom Text führen zu lassen [...]. Der Text hat seine ›Fragen‹ in sich (d.h. ungeklärte Punkte), aber der Leser auch seine ›Fragen‹, die sein ›Interesse‹ darstellen. In Anlehnung an Husserls Sprache könnte man sagen, dass der Leser eine ›Epoche‹ braucht, indem er seinen eigenen Fragen nicht nachgeht, sondern sie einklammert, und die Kooperationserwartung schrittweise erfüllt, die der MA (Modellautor, S.A.) mit seinem Text verband. Diese Intention ist zuerst eine orientierende Hypothese, ein pragmatisches Postulat, anhand dessen jemand akzeptiert, die Rolle des Lesers zu übernehmen. Es ist die Entscheidung, sich auf den Text einzulassen, aufgrund der ein Leser eine Hypothese über die Weltstrukturen (›congettura‹) wagt.« 5 »Schriftauslegung als gesellschaftsverändernde Kraft - Interpretation of Scriptures as Force of Social Change: Balance and Perspectives«. Internationales Symposion vom 19-21.10.2001 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain organisiert von Dieter Georgi, in Zusammenarbeit mit Lukas Bormann, Hermann Düringer, Angela Standhartinger. Die Zitate von Wimbush folgen einem Handout zu seinem Vortrag, das von Dieter Georgi übersetzt worden ist. Mittlerweile liegt von Lukas Bormann ein Aufsatz mit seinen Eindrücken zu dieser Konferenz vor: ders., Bibelauslegung als Kraft gesellschaftlicher Änderung, Informationes Theologiae Europae - Internationales ökumenisches Jahrbuch für Theologie 11 (2002), 159-169. 6 Pellegrini, a.a.O., 68. 7 Ebd., 73. 8 Novalis, Schriften 2. Das philosophische Werk I, hg. v. R. Samuel in Zusammenarbeit mit H.-J. Mähl und G. Schulz, 3., nach den Handschriften erg., erw. u. verb. Aufl., Darmstadt 1981, 609. 9 Seine dreistellige Zeichenrelation hat Peirce in verschiedener Hinsicht und unter Anwendung seiner Kategorienlehre ausdifferenziert. Vgl. dazu J.J. Liszka, A General Introduction to the Semeiotic of Charles Sanders Peirce, Bloomington 1996. 10 Vgl. dazu J.J. Liszka, a.a.O., 22 und die dazugehörige Anm. 8, 118f. 11 C.S. Peirce, Semiotische Schriften 3, hg. u. übers. v. C. Kloesel u. H. Pape, Frankfurt a.M. 1993, 218. Vgl. ebd., 359. 12 »Critical interpretation is a praxis that is intrinsically ethical, because from its starting point to its concluding point it is structured by concerns for others (and the Other). Consequently […] the otherness of ordinary readers and of their interpretations is not viewed as opposed to critical readings, and the relationship between critical and ordinary readers is no longer hierarchical.«, D. Patte, Ethics of Biblical Interpretation. A Reevaluation, Louisville, Kentucky 1995, 2. 13 JBL 107 (1988), 3-17. 14 Vgl. U. Eco, Lector in Fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten, München / Wien 1987; S. Alkier, Hinrichtungen und Befreiungen: Wahn - Vision - Wirklichkeit in Apg 12. Skizzen eines semiotischen Lektüreverfahrens und seiner theoretischen Grundlagen, in: ders., Ralph Brucker (Hg.), Exegese und Methodendiskussion, TANZ 23, Tübingen / Basel 1998, 111- 133; S. Alkier, Wunder und Wirklichkeit in den Briefen des Apostels Paulus. Ein Beitrag zu einem Wunderverständnis jenseits von Entmythologisierung und Rehistorisierung, WUNT 134, Tübingen 2001. 15 In: ders., Mittelmaß und Wahn, Frankfurt a.M. 1988, 23-41. 16 Vgl. dazu S. Meurer (Hg.), Die Apokryphenfrage im ökumenischen Horizont, Bibel im Gespräch 3, 2.Aufl., Stuttgart 1993, 7f.. Darin abgedruckt: Richtlinien für die interkonfessionelle Zusammenarbeit bei der Bibelübersetzung, 149-159. 011603 ZNT 11 - Inhalt 31.03.2003 15: 02 Uhr Seite 59
