ZNT – Zeitschrift für Neues Testament
znt
1435-2249
2941-0924
Francke Verlag Tübingen
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2005
815
Dronsch Strecker VogelJames A. Kelhoffer : Miracle and Mission. The Authentication of Missionaries and Their Message in the Longer Ending of Mark (WUNT Reihe 2, 112). Tübingen: Mohr Siebeck 2000, 530 S., 64,00 Euro, ISBN 3-16-147243-8
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2005
James A. Kelhoffer
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JAMES A. KELHOFFER Miracle and Mission 112 MohrSfobeck James A. Kelhoffer Miracle and Mission. The Authentication of Missionaries and Their Message in the Longer Ending of Mark (WUNT Reihe 2, 112). Tübingen: Mohr Siebeck 2000, 530 S., 64,00 Euro, ISBN 3-16-147243-8 In den meisten einleitungswissenschaftlichen Büchern und Kommentaren zum Markusevangelium wird bei der Betrachtung von Mk 16,9-20 gerne mit der Möglichkeit gerechnet, dass der ursprüngliche Mk-Schluss verloren gegangen ist. In Folge dessen erlangen die Verse 9-20 nur den Stempel »sekundär«, ohne mit weiterem Interesse bedacht zu werden in der neutestamentlichen Forschung. Anders geht Kelhoffer in dem Buch »Miracle and Mission« vor, einer vom Verfasser überarbeiteten Dissertation aus dem Jahr 1998, betreut von Adela Yarbro Collins an der Universität Chicago. Kelhoffer beschränkt sich in seiner Arbeit auf den genannten Abschnitt Mk 16,9-20, der von ihm »Longer Ending« bezeichnet wird. Unbeachtet bleibt bei Kelhoffer der sog. kürzere Schluss (Mk 16,8 conclbrev). Kelhoffers Grundannahme ist es, dass Mk 16,9-20 kein zufälliges Rezeptionsschicksal darstellt, sondern sich einer in diesen Versen selbst angelegten Potenz verdankt. Ausgehend von der Einsicht, dass Mk 16,8 »the ZNT 15 (8. Jg. 2005) earliest recoverable ending« ist, bleiben Fragen nach einem verloren gegangenen ursprünglichen Markusschluss unberücksichtigt. Stattdessen wird auf den folgenden gut 500 Seiten unterteilt in sieben Kapitel - Mk 16,9-20 als ein wichtiges Zeugnis für das Christentum des 2. Jahrhunderts entdeckt. Im ersten Kapitel gibt der Autor einen knapp 50seitigen forschungsgeschichtlichen Überblick der letzten 200 Jahre, in dem das Geschick von Mk 16,9-20 in der exegetischen Forschung sorgfältig dokumentiert und dargestellt wird, eingeteilt in zeitgeschichtliche Phasen. Deutlich wird bei diesem Überblick, dass Mk 16,9ff. häufig vernachlässigt wurde, besonders seit sich in der Forschung mehrheitlich durchgesetzt hat, dass dieser Mk-Schluss als »sekundär« zu betrachten sei. Gleichzeitig stellt Kelhoffer fest, dass unter den gegenwärtigen Arbeiten, die sich mit Mk 16,9- 20 beschäftigen, keinerlei Einigkeit herrscht hinsichtlich der literarischen Abhängigkeit, der Genese, der Form und des Inhaltes dieser Verse (S. 46 ). In Kapitel 2 und Kapitel 3 stehen die literarischen Abhängigkeitsverhältnisse von Mk 16,9ff. im Vordergrund. Minutiös werden in Kapitel 2 diese literarischen Abhängigkeitsverhältnisse von Mk 16, 9ff. zur kanonischen und nichtkanonischen christlichen Literatur untersucht, wobei die Widerlegung der These von Joseph Hug 1 im Mittelpunkt steht, der Mk 16,9ff. als unabhängig von den kanonischen Evangelien ansieht. In Kapitel 3 erfolgt ein Perspektivenwechsel: Während in Kapitel 2 argumentiert wurde, dass der Autor von Mk 16,9ft. in bewusster Imitation des überlieferten Materials von Mt, Mk, Lk und Joh geschrieben hat (S. 65-120), versucht Kelhoffer im folgenden Kapitel zu untersuchen »what can be known about the materials this author incorporated into these twelve verses« (S. 121). Methodisch stehen nun Mt, Mk, Lk, Joh und Apg im Mittelpunkt, die hinsichtlich der Stellen untersucht werden, die vom »Longer Ending« vorausgesetzt werden (S. 137-150). Im Rahmen dieses Kapitels kommt Kelhoffer zu der Annahme eines redaktionell auf der Grundlage der Evangelienüberlieferung arbeitenden Autors, der die Verse 9-20 bewusst gestaltet hat. Einschränkend hält Kelhoffer jedoch fest, dass die Kenntnis der Apg durch den Autor von Mk 16,9ft. nicht eindeutig zu belegen sei (S. 146f.) Die Annahme eines redaktionell arbeitenden Autors führt gleichzeitig zu einer gründlichen Widerlegung der These Kösters, der von einer rein mündlichen Tradition der Evangelienrezeption im 2. Jh. ausgeht. Stattdessen betont Kelhoffer: »(A)lthough a number of individual examples suggest that the imitation of oral or written traditions could be possible, the cumulative effect of so many allusions to the same passages makes dependence upon actual copies of the NT gospels the most likely explanation«. (S. 137). Somit ist beim längeren Mk-Schluss ein Schriftstück vorhanden, welches nahe legt, dass im 2. Jh. die einzelnen neutestamentlichen Evangelien durchaus nicht nur als Einzelschriften kursierten, sondern schon eine Vier-Schriftensammlung vorhanden war, die bewusst gesammelt und verglichen wurde. Mk 16,9ff. avanciert in den Ausführungen von Kelhoffer (mit M. Hengel und P. Rohrbach) durch seine bewusste Imitation des Stoffes der vier Evangelien zu einem der ältesten Zeugen der Vierevangeliensammlung. Die Annahme einer Vierevangeliensammlung im Lichte von Mk 16,9ff. hat eine hohe Anschlussfähigkeit an die kurz zuvor veröffentlichte (und von Kelhoffer unberücksichtigte) Arbeit von Heckel, 2 der ebenfalls für eine Vierevangeliensammlung votiert, die schon vor Markion greifbar war. En passant lässt Kelhoffer auch die These H. von Campenhausens fragwüdig werden, dass sich die Entstehung des Kanons der Einzelperson Markion verdankt. Im Kapitel 4 unter der Überschrift »Questions of Origin and Genre: Comparing the Parts and Whole of the Longer Ending with Analogous Literary Forms« (S. 157-244) werden die Fragen der literarischen Einheitlichkeit, der Datierung und der geprägten Formen der Teilstücke von Mk 16, 9-20 behandelt. Bezüglich der literarischen Integrität votiert Kelhoffer für die Einheit der Verse 9-20 (S. 164-169), die in der Forschung aufgrund des häufigen Subjekt- und 69 Themenwechsels des öfteren bestritten wurde (gegen H.B. Swete, E. Helzle, R. Pesch). Besonders der angenommene Bruch zwischen V. 14 und V. 15 ließ die Vermutung entstehen, dass es sich beim längeren Mk- Schluss um einen kompilatorischen Text handelt. Demgegenüber wird festgehalten, dass der Verfasser der V. 9-20 selbst wohl weniger Probleme mit Brüchen dieser Art hatte als die ihm nachfolgenden Ausleger: »It is therefore reasonable to infer that the sudden shift in tone and subject matter between Mark 16,14 und 16,15 is not uncharacteristic of the LE as a whole and, moreover, does not constitute grounds for denying the unity of this passage. The LE should thus be regarded as a single compositional unit which includes appearances (16,9-14) and a commissioning of the disciples before their departure (16,15-20)« (S. 169). Auf der Grundlage der literarischen Einheitlichkeit wendet sich Kelhoffer der Datierung der Verse zu, mit dem Ergebnis, dass der längere Markus-Schluss zwischen 120-150 n.Chr. entstanden sei. Hier vermag Kelhoffer überzeugend zu argumentieren, dass Justins erste Apologie, in Apo! I 45,5 (und eingeschränkt Apo! I 35.9, da die Verbindung zwischen Justin und der Zitation von Mk 16,9ff. in den Pilatusakten 14,1 nicht sicher ist), den terminus ante quem darstellt (S. 170-175 ). Den terminus post quem bildet die Abfassung der vier Evangelien. Der größte Teil dieses Kapitels ist der Frage nach den Mikro-Formen der einzelnen Abschnitte sowie der Bestimmung der Makro-Gattung von Mk 16,9ff. gewidmet. Kelhoffer weist mit reichem Vergleichsmaterial darauf hin, dass die Verse 14-18 als eine Erscheinungserzählung angesehen werden können und in V. 176-18 eine Wunderliste vorliegt, die eine große Ähnlichkeit zu anderen antiken Wunderlisten aufweist. Die Besonderheit der Liste des »Longer Ending« liegt in der Formulierung »Schlangen werden sie aufheben und wenn sie etwas Tödliches getrunken haben, wird es ihnen nicht schaden« sowie in der Formulierung von V. 17a, dass die Gläubigen in der Zukunft diese Zeichen vollbringen werden. Eine ähnliche Ausrichtung auf zukünftige Wundertätigkeit findet Kelhoffer nur in Irenäus' Werk »Adversus Haereses« sowie in der gnostischen Schrift 70 »Pistis Sophia«. In V. 20a (Aufbruch der Jünger zur Mission) liegt eine Kombination von Mk 6,12a und Lk 9,66 vor. Die gesamten zwölf Verse weisen nach Kelhoffer die größte literarische Nähe zu Mt 28,8-20 auf, beide Autoren - Matthäus und der Autor von Mk 16,9ff. haben das Ende von Mk 16,8 modifiziert und beide haben die missionarische Verkündigung in die ganze Welt als Schlusspunkt gewählt. Zugleich hat der Autor des längeren Mk-Schlusses in diesen matthäischen Rahmen das Motiv des Unglaubens aus Lk 24 eingebaut. Daneben integriert der Autor des längeren Markus-Schlusses aus Joh 20 die Erscheinung vor Maria Magdalena und den zwei Jüngern sowie das Glaubensmotiv aus Joh 20. Wenn Kelhoffer als Ergebnis zu diesem materialreichen Kapitel festhält, dass Mk 16,9ff. bewusst gestaltet worden ist unter der Aufnahme bekannter literarischer Formen, um das Mk-Evangelium, das mit Mk 16,8 endete, narrativ weiterzuführen, ist das ein wenig enttäuschend für die Leserinnen, weil die Frage nach dem »Warum und Weshalb« dieser Gestaltung nicht explizit gestellt wird. Liegt hier wie M. Hengel vermutet und von Kehlhoffer beiläufig in einer Fußnote erwähnt (S. 239; Anm. 234) eine Evangelienharmonie vor oder dient dieser Markusschluss (unter Aufnahme der literarischen Formen) im wesentlichen dazu, den Hauptakteur Jesus endlich von der Bühne abtreten zu lassen (vgl. V. 19) oder liegt hier ein Text vor, der durch seine intertextuelle Kompetenz nachhaltig zu einem anderen Verstehen des Markusevangeliums auffordern will, indem dieser Text einerseits an dem aus dem Markusevangelium bekannten Thema, die Frohe Botschaft zu verkündigen, und an dem Motiv des Unglaubens anknüpft, andererseits aber entscheidende Neugewichtungen vornimmt? Die übrigen drei Kapitel dieses Buches untersuchen drei Motivkomplexe aus Mk 16, 9ff.: Wunder als Aufweis christlicher Verkündigung, der Umgang mit Schlangen sowie das Trinken von Gift. In diesen drei Motiven sieht Kelhoffer das spezifische Werk des Verfassers der V. 9-20. Im Rahmen dieser drei Motive erweist sich der Autor des »Longer Ending« als Spezialist, der im weitesten Sinn an den religionsgeschichtlichen Arrangements seiner Zeit partizipiert. In Kapitel 5 (S. 245-339) widmet sich Kelhoffer wieder sehr materialreich der Frage nach der Autorisation der Mission durch Wunderzeichen (Mk 16,17a), welche als ein Spezifikum der frühen christlichen Schriften verstanden wird. Auffällig gegenüber den Apostelakten ist nach Kelhoffer der Verzicht der namentlichen Nennung der Wundertäter, stattdessen sind in Mk 16,17a »die Glaubenden« ohne Einschränkung zu Wunderzeichen befähigt. Mit diesem Verzicht reiht sich Mk 16,9ff. ein in die Schriften des 2. und 3. Jh. von den Apologeten wie Justin der Märtyrer, Theophilos von Antiochien, Irenäus, Tertullian und Origenes, die sich auch auf christliche Wundertäter beziehen ohne diese namentlich zu nennen oder als kirchliche Autoritäten hervorzuheben. Deutlich arbeitet Kelhoffer heraus, dass sich Mk 16,9ff. einer frühchristlichen Enzyklopädie verdankt, die in weitgefächerter Weise Einträge zu dem Komplex » Wunder« bietet und in der die Akzeptanz der Wunder als normal gilt (allerdings nicht die Wunder selbst). Dennoch bleiben nach diesem Kapitel viele Fragen offen, die der Verfasser nicht aufnimmt. Ein einfaches Aufleben der These Harnacks, nach der Wunder ein wichtiges Mittel der Mission und Propaganda waren, greift hier theologisch zu kurz. Es folgt in Kapitel 6 eine religionsgeschichtliche Studie zu dem Motiv des Schlangen-Aufhebens (S. 340- 416), indem aus griechisch-römischen, jüdischen und christlichen Quellen nicht nur das schriftliche Material aufgearbeitet, sondern auch nichtliterarische Phänomene wie Vasenmalerei und Amulette Berücksichtigung finden. Dadurch enthält dieses Kapitel (sowie das folgende) eine große Breite, die aber an manchen Stellen nicht die Relevanz für das behandelte Thema ausreichend darstellt. So ist es nicht wirklich befriedigend, wenn nach gut 60 Seiten dieses Kapitels festgehalten wird: »it is not possible ... to ascertain a direct line of influence from any one of the sources . . . to the exclusion of numerous others« (S. 409). Stattdessen sei das Motiv des Schlangenaufhebens nach Kelhoffer in das größere hellenistische Umfeld einzuordnen, in dem Geschichten vom menschlichen Umgang mit Schlangen dem besonderen Machtaufweis dienten. Wenn dieses Kapitel dann noch mit Berichten zu ZNT 15 (8. Jg. 2005) Schlangenpraktiken im 20. Jh. in den Südstaaten der USA abgeschlossen wird (S. 411-415), die allerdings nicht als Vergleichsmaterial heranzuziehen seien für Mk 16,9-20, da hier ein anderer sozialer Kontext und eine andere Funktion vorliegt, bleibt die Frage, warum nicht am Anfang dieses Kapitels die methodischen Vorklärungen unternommen worden sind zum Umgang mit dem zu untersuchenden Material. Wenn aus der minoischen Kultur Vergleichsmaterial für Mk 16, 18 herangezogen wird (S. 346- 348), dieses doch gewiss auch aus einem anderen sozialen Kontext stammt, wieso scheiden die Berichte von Schlangenpraktiken aus den Südstaaten aus? Das damit abgesteckte Spannungsfeld exponiert aber zugleich die eigentliche theologische Herausforderung im Zusammenhang mit der Wunderfrage bis in unsere Gegenwart. Wenn die Selbstverständlichkeit des Schlangen-Aufhebens für die Vergangenheit begrüßt wird, aber für die Gegenwart abgelehnt wird mittels des Isolationskriteriums »total anders«, dann stimmt etwas nicht im Haushalt exegetischer Theoriebildungen, oder anders gesagt: die neutestamentliche Wissenschaft krankt bis heute am Fehlen einer methodischen Aufarbeitung der Wunderfrage. 3 Als letztes Motiv wird das Gift- Trinken ohne Vergiftungserscheinungen untersucht (S. 417-472). Auch hier liegen keine direkten neutestamentlichen Parallelen vor, die den Vers 186 beeinflusst haben könnten. Kontrastierend dazu ist in der hellenistischen-jüdischen Umwelt auch nicht nur eine Quelle auszumachen, der Mk 16,186 zuzurechnen ist, sondern es liegt wiederum ein religionsgeschichtliches Arrangement von Schriften vor, an denen der längere Markusschluss partizipiert. »Whether such depictions ultimately stem from Elijah in Hebrew Bible, the Odyssey, the Testament of Joseph or Papias concerning Justus Barsabbas is anyone's guess. With the notable exceptions of the three writings about the apostle John's drinking poison, such sparse interest in Mark 16,186 by other Christian writers highlights not only the peculiarity of this promise in the LE, but also the difficulty sensed by those who interpreted the legacy left by this second-century appendix to the Gospel of Mark«. (S. 470) Abgerundet wird die Arbeit durch eine in verschiedene Rubriken unterteilte Bibliographie (S. 481-504), sowie ein Autoren-, Stellen- und Sachregister. Insgesamt liegt hier ein materialreiches Werk vor, welches sich durch eine kompetente Kenntnis der Quellen auszeichnet. Für alle, die sich mit Mk 16,9-20 beschäftigen, dürfte es ein unverzichtbares Werk werden. Inhaltlich gelingt es dem Verfasser überzeugend, für Mk 16, 9ff. die Frage nach um Kelhoffers Untertitel aufzunehmen der »Authentication« eines planvollen, nicht zufällig rezipierten Schriftstücks zu stellen. Für die Frage nach der »Authentication« der Wunder hat das Buch eine sehr gute Materialbasis geschaffen, die hinlänglich das Spektrum dessen absteckt und ausweitet, was nach Mk 16,9ff. unter den Begriff Wunder zu fassen ist, damit ist aber die Frage nach dem methodischen Umgang mit dem Wunderbaren des Wunders keineswegs beantwortet. Kristina Dronsch Anmerkungen 1 Hug hat eine großangelegten Studie zu Mk 16,9-20 mit dem Titel »La finale de l'evangile de Marc: Mc 16,9-20« im Jahr 1978 vorgelegt. 2 Vgl. Th.K. Hecke! , Vom Evangelium des Markus zum viergestaltigen Evangelium (WUNT 120), Tübingen 1999 und die Rezension zu diesem Buch von G. Röhser in ZNT 12 (2003), 77-79. Während Hecke! und Kelhoffer zwar in der Annahme einer Vierevangeliensammlung übereinstimmen, differieren sie in der Bewertung von Joh 21. ' Anders aber S. Alkier, Wunder und Wirklichkeit in den Briefen des Apostels Paulus. Ein exegetischer Beitrag zu einem Wunderverständnis jenseits von Entmythologisierung und Rehistorisierung (WUNT 134), Tübingen 2001, der sich explizit der Frage nach dem methodischen Umgang widmet. Mainzer Hymnologische Studien Andrea Neuhaus Das geistliche Lied in der Jugendbewegung Zur literarischen Sakralität um 1900 Mainzer Hymnologische Studien 16, 2005, 234 Seiten,€ 59,-/ SFr 100,- ISBN 3-7720-8074-X Was faszinierte moderne Großstadt-Jugendliche um 1900 ausgerechnet an geistlichen Liedern? Fromm und kirchentreu waren die Anhänger der Wandervogelbewegung nicht. Sie hofften auf Erlö- ZNT 15 (8. Jg. 2005) sung von Entfremdung, Fortschritt und Zersplitterung der Lebenswelten. Spuren der Transzendenz entdeckten sie in der Natur, aber auch im Erbe der Vergangenheit: Alte geistliche Volkslieder, gotische Bauwerke sowie Texte mittelalterlicher Mystiker wurden zu Wegmarken auf der Suche nach einem modernen Heilsziel. Die Arbeit untersucht aus literarhistorischer Perspektive das Zusammenspiel von religiöser und ästhetischer Erfahrung um die Jahrhundertwende. A. Francke Verlag Tübingen 71
