eJournals ZNT – Zeitschrift für Neues Testament 9/18

ZNT – Zeitschrift für Neues Testament
znt
1435-2249
2941-0924
Francke Verlag Tübingen
121
2006
918 Dronsch Strecker Vogel

Hans-Josef Klauck: Apokryphe Apostelakten, Eine Einführung. Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2005, 291 S., ISBN 3-460-33023-6, 23,90 €

121
2006
Jürgen Zangenberg
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Hans-Josef Klauck Apokryphe Apostelakten. Eine Einführung Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2005, 291 S., ISBN 3-460-33023-6, 23,90 € Nicht minder reizvoll als der Reiz des Verbotenen ist der Reiz des Verborgenen des Apokryphen. Wenn die Medien von Zeit zu Zeit apokryphe Texte aus biblischer oder nachbiblischer Zeit präsentieren, in denen nun endlich die ganze Wahrheit über Jesus, Maria Magdalena oder, wie jüngst, über Judas enthüllt wird, eine Wahrheit, die zwei Jahrtausende von Wüstensand bedeckt oder in vatikanischen Geheimarchiven unter Verschluss gehalten war, dann ist das journalistisch eigentlich immer eine sichere Sache. Die Aura des Sensationellen lässt sich freilich nur dadurch erzeugen, dass über die seriöse und seit Generationen mit hohem Aufwand betriebene Erforschung dieser Texte in der Regel kaum etwas verlautet. Es ist dem katholischen Neutestamentler Hans-Josef Klauck zu danken, dass er die Ergebnisse dieser Forschung auf dem neuesten Stand erstmals einem breiten Publikum zugänglich macht. Nach dem ersten Band, der den Bereich der apokryphen Evangelien abdeckt (Hans- J osef Klauck, Apokryphe Evangelien. 64 Eine Einführung, Stuttgart 2. Aufl. 2005) folgt nun der hier zu besprechende zweite Band über apokryphe Apostelakten. Beide Bände sind erschwinglich, ihres Preises wert und zusammen mit der zweibändigen Quellensammlung in deutscher Übersetzung von Hennecke und Schneemelcher, die seit einigen Jahren als preiswerte Studienausgabe vorliegt (Wilhelm Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen, 2 Bde., Tübingen 6. Aufl. 1999) gewiss eine lohnende Anschaffung. Sein Hauptaugenmerk richtet Klauck auf die Gruppe der fünf alten Apostelakten aus dem zweiten und dritten Jahrhundert, deren Entstehung er zwischen 150 und 240 n.Chr. ansetzt (10). Es sind dies die Johannesakten (ca. 150-160 n.Chr.), die Paulusakten (ca. 170-180 n.Chr.), die Petrusakten (ca. 190-200 n.Chr.), die Andreasaktcn (ca. 200-210 n.Chr.) und die Thomasaktcn (ca. 220-240 n.Chr.). Hinzu kommen die Pseudoklementinen, deren Grundschrift Klauck zwischen 220 und 250 n.Chr. datiert. Für die Masse der jüngeren Apostelakten des vierten und fünften Jahrhunderts, die anhangsweise in einem eigenen Kapitel vorgestellt werden (239-260), gilt, dass »das Material (... ) mehr und mehr aus[ufert] und (... ) die stets labile Grenze zur reinen Legende und zur Hagiographie [überschreitet]« (239). Auch für diese weniger wichtigen Texte, die zum Teil noch nicht einmal ediert sind, bietet Klauck flächendeckend zuverlässige bibliographische Hinweise auf die vorhandene Literatur. Erst recht geben die Kapitel zu der älteren Fünfergru ppe und den Pseudoclementinen jedwede bibliographische Einstiegshilfe für eine eigene Beschäftigung mit diese Schriften, deren »Bestand (... ) nicht so groß [ist], dass wir uns die Ignorierung auch nur eines Bruchteils von ihnen leisten könnten« (269). Das auf die Einführung (9-21) folgende Literaturverzeichnis (23-28) wird nachfolgend für jedes Segment der mitunter sehr unübersichtlichen Textgeschichte der einzelnen Apostelakten thematisch aufgefächert und um weitere Literatur ergänzt. In einem ersten Abschnitt wird jeweils das nötige Einleitungswissen in dankenswerter Knappheit gemeinverständlich referiert. Dann folgt der Mittelteil mit einer ausführlichen Paraphrase des Inhalts, wo nötig aufgegliedert in die inhaltlich zum Teil stark differierenden Stränge der Textüberlieferung. Den Schlussteil jedes Kapitels bildet eine Auswertung, die ergänzend zu den bereits im Mittelteil zahlreich eingeflochtenen Beobachtungen - Überlegungen zur kirchen-, theologie- und religionsgeschichtlichen Bedeutung der Schrift anstellt. Wir stellen nachfolgend vier der fünf alten Apostelakten näher vor. (1) Die fragmentarisch erhaltenen Johannesakten (29-59)den Angaben der Stichometrie des Nikephoros zufolge besitzen wir gut zwei Drittel der Schrift (30) sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Sie dokumentieren eine Benutzung der Synoptiker und des Johannescvangcliums (und der Apostelgeschichte? ), die diese keineswegs als kanonisch rezipiert bzw. als Autorität anerkennt (31). Sodann sind die J ohannesakten ein Beispiel für die notwendige Differenzierung des Gnosisbegriffs. Galten der älteren Forschung »die die fünf alten Akten ausnahmslos als ursprünglich gnostische Werke( ... ), die später einer katholischen Überarbeitung unterzogen wurden«, so hat mittlerweile »eine genauere Analyse der einzelnen Apostelakten [gezeigt], dass sie durchaus unterschiedlich zu dem Stellung beziehen, was man mit der herkömmlichen Bezeichnung ,Gnosis< nennen kann« (14). Im Falle der Johannesakten sind lediglich zwei Stücke als gnostisch einzustufen, von denen aus freilich die ganze Schrift in einen gnostischen Deutungshorizont gerät. Gegenüber der traditionellen Interpolationshypothese gibt Klauck einem anderen Modell den Vorzug: »Es war ein und derselbe Autor, der über Traditionen unterschiedlicher Herkunft verfügte, darunter auch der gnostisch gefärbte Teil, und sie zu einem Gesamtwerk mit einer einheitlichen Botschaft zusammenfügte« (31). Das erste dieser gnostischen Stücke enthält einen Tanzhymnus, den Jesus vorträgt, während seine Jünger im Kreis um ihn herum schreiten. »Die Vermutung hat viel für sich, dass dieses Ritual in einer Gemeinde tatsächlich praktiziert wurde, evtl. sogar anstelle des Herrenmahls« (47). ZNT 18 (9. Jg. 2006) Das zweite Stück ist eine gnostische Gegendarstellung zu den synoptischjohanneischen Passionstraditionen. »Nichts von alldem, was sie über mich sagen, habe ich gelitten«, lässt Jesus Johannes wissen, worauf dieser alles, was man ihm in Jerusalem über die PassionJesu erzählt, mit Gelächter quittiert (50). Kreuz und körperliches Leiden werden aus dem Christusbild der Johannesakten konsequent eliminiert (54). Narrativ breit ausgeführt wird die doketische Vorstellung von der Polymorphie des Erlösers: Was in den neutestamentlichen Evangelien vom Auferstandenen gilt, dass er nämlich seinen Jüngern in unterschiedlicher Gestalt erscheint (vgl. Mk 16,12; Lk 24,15f.; Joh 21,4), wird in den J ohannesakten vom Irdischen erzählt, womit »deutliche Abstriche an der Leiblichkeit und Menschlichkeit des irdischen Jesus vorgenommen werden« (46). Theologiegeschichtlich ermöglichen die Johannesakten Einsichten in den Verlauf des johanneischen Schismas und der Geschichte der johanneischen Gemeinde über das Corpus Johanneum hinaus: Die in lJoh bekämpfte »gegnerische Christologie«, die sich auf das Johannesevangelium beruft, aber schon zum Doketismus neigt, liegt »in den ActJoh in voll entwickelter Gestalt« vor (55). (2) Ein wichtiges Stück Kirchen- und Theologiegeschichte erschließen auch die Paulusakten (61-62). Von dem ursprünglich recht umfangreichen Werk sind drei Teile erhalten, nämlich die Akten der Thekla, ein Briefwechsel zwischen Paulus und den Korinthern, der über den syrischen Kanon als 3. Korintherbrief Eingang in den Schriftenbestand des armenischen Neuen Testaments gefunden hat, sowie das Martyrium des Paulus. Von besonderem Interesse sind die Akten der Thekla, nicht nur, weil sie die einzige antike Personenbeschreibung des Paulus enthalten (»ein Mann, klein an Gestalt mit kahlem Kopf ... «), ein »gemischtes« Portrait mit mehr und weniger schmeichelhaften Zügen, das viel über die Konventionen antiker Physiognomik verrät (65f.), sondern auch und vor allem wegen der Gestalt der Apostelin und Lehrerin Thekla, die sich auf eine Predigt des Paulus hin zum Christentum bekehrt, sich von ihrem Verlobten lossagt und wegen ihres wiederholt erklärten Desinteresses an einem Ehemann zum Feuertod und nach ZNT 18 (9.Jg. 2006) der wunderbaren Errettung aus demselben zum Tierkampf verurteilt wird, die sich in der Arena selbst(! ) tauft und, nachdem sie erneut mit heiler Haut davongekommen ist, von Paulus zur Missionarin von Ikonium ernannt wird. Die Akten der Thekla sind nicht nur der Reflex eines in der Antike überaus lebendigen Thekla- Kults; sie spiegeln auch frühchristliche Strömungen wider, die die Übernahme leitender Ämter und sakramentaler Vollmachten für Frauen beanspruchten. Dass wir uns hierbei keinesfalls nur auf der Ebene der literarischen Fiktion bewegen, verrät die schroffe Reaktion Tertullians: Er wendet sich um 200 n.Chr. gegen das »Recht der Frauen, [nach Theklas Beispiel] zu lehren und zu taufen« (De Baptismo 17,5), hat aber als Argument nur zur Hand, dass es sich bei den Paulusakten um eine pseudepigraphische Schrift handelt (62). (3) Die Textgeschichte der in ihrem ältesten Bestand um 200 n.Chr. entstandenen Petrusakten ist mit besonderen Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten behaftet. Da sich aus den erhaltenen Handschriften kein klar abgrenzbarer Textbestand rekonstruieren lässt, müssen die vorhandenen Manuskripte für sich interpretiert werden. Die Hauptmasse des Textes ist in einem lateinischen Codex aus der Kapitelsbibliothek von Vercelli (Oberitalien) enthalten, der jedoch nicht, wie lange angenommen, »als wortgetreue Übersetzung eines griechischen Originals« gelten kann, sondern »als eigenständiger Neuentwurf aus dem späten 4. Jahrhundert« behandelt werden muss (95). Hinzu kommen das liturgisch verwendete Martyrium des Petrus und die in einem koptischen Papyruskodex enthaltene »Tat des Petrus«, deren ursprüngliche Zugehörigkeit zu den Petrusakten jedoch strittig ist (118f.). Bekannte Stoffe aus den Petrusakten sind die Quo-Vadis-Legende und die umgekehrte Kreuzigung des Petrus, die jedoch »nicht, wie es die landläufige Meinung will, als Demutsgeste« gemeint ist, »weil der Apostel sich nicht für würdig hielte, auf genau die gleiche Art wie sein Herr zu sterben. Die verkehrte Stellung des Petrus symbolisiert vielmehr die gefallene menschliche Natur«, wie der bereits gekreuzigte Petrus in einer wortreichen Rede dartut (115). In auffälliger Häufung begegnet in den Erzählstoffen der Petrusakten das Motiv der Vergebung auch schwerer Sünden bis hin zum Abfall. Dies kann als Stellungnahme zum Problem der lapsi gedeutet werden, derjenigen Christen also, die unter dem Druck von Verfolgungen ihrem Glauben abgeschworen haben, später aber wieder in die Kirche aufgenommen werden wollten (124 ). (4) Die Andreasakten (125-151), die in Hagiographie, Frömmigkeit und Kunst besonders viele Spuren hinterlassen haben und »zeitweilig der populärste Vertreter der Gattung ,Apostelakten< gewesen zu sein [scheinen]« (125), lassen auf einen Verfasser schließen, der eine gewisse rhetorische und philosophische Bildung besaß. Möglicherweise hat er wie Justin über die Philosophie zum Christentum gefunden (127). In der Forschung wurde neuerdings sogar der Versuch unternommen, Homers Odyssee als durchgängig zugrunde liegenden Intertext nachzuweisen, dazu Anklänge an die Ilias und Anleihen bei Euripides und Platon. Unzweifelhaft ist Andreas teilweise der Gestalt des Sokrates nachgebildet, was auf eine klassische Bildung des Verfassers schließen lässt (145). Nun gilt freilich auch für die Andreasakten, dass sie mit vollen Händen aus dem Repertoire des antiken Romans schöpfen, wie denn die Apostelakten überhaupt zur antiken Romanliteratur zu rechnen sind (14-21). Das muss man wissen, damit man sich von diesen Schriften kein falsches Bild macht bzw. keine allzu hohen literarischen und theologischen Ansprüche an sie stellt. Die in doppeltem Wortsinn oft ziemlich abenteuerlichen Erzählungen decken sichtlich auch den Bedarf an populärer Unterhaltungsliteratur, nur eben mit christlichen Heldinnen und Helden. Nicht erst in den späten Philippusakten gibt es Geschichten wie die vom sprechenden Leoparden, der sich mitsamt einem von ihm gerissenen aber wundersam geheilten Zicklein zum Christentum bekehrt und mit erhobenen Ffoten zu Gott betet (245). Schon in den Petrusakten schickt Petrus einen sprechenden Kettenhund ins Rennen, der Simon Magus zum allgemeinen Erstaunen öffentlich zur Rede stellt (101), und in den Paulusakten gibt es einen um die Taufe nachsuchenden Löwen, der nach seiner Taufe eine attraktive Löwin links liegen bzw. stehen lässt (77). Vollends phantastisch wird es in den Texten des 65 vierten und fünften Jahrhunderts, etwa in den »Akten des Andreas und des Matthias«, einer späten Erweiterung der Andreasakten. Hier gerät der Apostel Matthias in das Land der Menschenfresser, wo ihm die Augen ausgestochen werden und man seine Hand mit einem Datumsstempel versieht, um den idealen Zeitpunkt zum Verzehr zu terminieren. Als Matthias nach wunderbarer Wiederherstellung seines Augenlichts weiteren Menschenverzehr vereitelt, wird er von der verärgerten Bevölkerung durch die Straßen geschleift, sodass seine Haut am Pflaster haften bleibt. Aus den Hautfetzen wachsen fruchttragende Bäume hervor - und so weiter (148f.). Ob man solche Lektüre vergnüglich findet, ist, wie Klauck in seinem Schlusswort anmerkt, »nicht zuletzt eine Geschmacksfrage« (269). Theologische bzw. theologiegeschichtliche Substanz haben die Texte häufig aber auch dort, wo man es ihnen beim ersten Lesen nicht ansieht. So haben »die viel belächelten Tierwunder, denen man einen gewissen naiven Charme nicht absprechen kann« (266), häufig eine symbolische Komponente, die beachtet sein will. Der (zunächst) wilde Löwe aus den Paulusakten etwa verkörpert »die ungebändigte Triebkraft der menschlichen Natur« (266) und die Enthaltsamkeit der getauften Raubkatze ist »ein exquisite[s] Beispiel für den Zusammenhang von Taufe und Eheverzicht« (77), der vom Phänomen des altkirchlichen Enkratismus her zu verstehen ist. Weitere thematische Querschnitte nimmt Klauck im Schlusskapitel vor (»Rückblick und Ausblick«, 261-269), nämlich zur Gnosisfrage (262), zu Ehe, Ehelosigkeit und Eheverzicht (263), zur Auseinandersetzung mit der paganen Kultur (265), zur Wunderfrage (266), zur Rolle von Frauen (266) und zum Nachleben der Apostelakten in der Kunstgeschichte (268). So gilt von diesen Texten in vieler Hinsicht, dass sie »[i]nteressant und lehrreich« sind, und das gilt auch von Klaucks Buch. Manuel Vogel 66 Daniel N. Schowalter / Steven J. Friesen (eds.) Urban Religion in Roma Corinth. Interdisciplinary Approaches Cambridge MA (Harvard University Press) 2005 (Harvard Theological Studies 53 ), 553 Seiten, Paperback, 5 Karten am Ende des Bandes und zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen im Text, ISBN 0674016602; 31,50 € Korinth gehört seit jeher zu den besonders bedeutenden Zentren der frühen Christenheit, insofern hat eine Besprechung über ein neues Buch zu dieser Stadt gerade in einer Ausgabe über Apostelgeschichten durchaus ihren Platz. Über keine andere frühchristliche Ortsgemeinde als die korinthische (Rom eventuell ausgenommen) besitzen wir dank der paulinischen Literatur und späterer Schriften derart viele Nachrichten aus erster Hand. Dieser sonst höchst seltene Zustand hat immer wieder dazu eingeladen, die im NT hervortretenden theologischen Themen und sozialgeschichtlichen Eigenheiten der korinthischen Christen mit dem in Beziehung zu setzen, was wir aus der Archäologie über die Lebenswelt der Korinther insgesamt erfahren. Die Aufgabe ist freilich nicht einfach. Abgesehen von den für das NT relevanten Themen wirft die Kulturgeschichte der Stadt Probleme auf, in der sich viele fundamentale Fragen der Erforschung des östlichen Mittelmeerbereichs insgesamt spiegeln: Was wissen wir über das kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Profil der archaischen und klassischen Stadt, die durch die Römer 146 v.Chr. zerstört wurde? Welchen Charakter hatte das gut ein Jahrhundert später von Caesar neu gegründete Korinth, nun eine Veteranenkolonie mit all ihrer kulturellen und sozialen Vielfalt aus römischem Bevölkerungsanteil und orientalischen Elementen? Was wissen wir über die Religiosität, die ethnische oder kulturelle Praxis ihrer Bewohner? Gibt es Verbindungen in die Vergangenheit? Und natürlich: Welchen Platz nahmen die frühen Christen innerhalb dieses komplexen Umfeldes ein? Fragen des wirtschaftlichen Gefüges, der kulturellen Entwicklung zwischen der Romanisierung des Ostens und der Orientalisierung des römischen Reichs können anhand von Korinth diskutiert werden, und es scheint naiv, die neutestamentliche Korintherkorrespondenz des NT ohne die stetige Reflexion über diese fundamentalen Gegebenheiten zu analvsieren, da wir anders die Mensche~ aus dem Blick verlieren, für die und von denen diese Texte geschrieben wurden. Glücklicherweise gehört Korinth seit mehr als 100 Jahren zu den Schwerpunkten amerikanischer Forschungstätigkeit in Griechenland, sodass ein stetiger Dialog zwischen materiellen und literarischen Quellen aus den Blickwinkeln mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen möglich ist. Der vorliegende Band tut genau dies und führt ähnliche Sammelbände über Ephesus und Pergamon fort, die beide noch unter der Ägide und Inspiration von Helmut Koester entstanden sind.' Nun sind Daniel Schowalter (Professor of Religion and Classics, Carthage College, Kenosha WI) und Steven J. Friesen (Professor of Religious Studies, University of Missouri, Columbia MI) für die Fortsetzung der fruchtbaren Arbeit verantwortlich und legen einen Band vor, der als Musterbeispiel dafür gelten kann, was an Erkenntnisgewinn und Innovation erreicht werden kann, wenn man mit »Interdisziplinarität« wirklich ernst macht und das Studium der materiellen Kultur in die Arbeit am NT integriert, als auch Fragestellungen der neutestamentlichen Wissenschaft in den althistorischen Diskurs einspeist. Insgesamt 17 Studien beleuchten die mittlerweile ungeheure Fülle an archäologischem Material und die vielfältigen daraus erwachsenen ZNT 18 (9. Jg. 2006)