eJournals ZNT – Zeitschrift für Neues Testament 10/19

ZNT – Zeitschrift für Neues Testament
znt
1435-2249
2941-0924
Francke Verlag Tübingen
61
2007
1019 Dronsch Strecker Vogel

Editorial

61
2007
Stefan Alkier
Kristina Dronsch
Ute E. Eisen
znt10190001
ZNT 19 (10. Jg. 2007) 1 Editorial Liebe Leserinnen und Leser, das Themenheft zur Auferstehung greift ein sehr umstrittenes Thema christlicher Theologie auf. Die verschiedenen Beiträge zeigen in ihrer Gesamtheit, dass die Frage nach der Auferstehung der Toten zum Kernbestand christlicher Weltdeutung und zum Grundbestand christlichen Glaubens und Hoffens zählt. Allerdings gibt es keine theologische Einigkeit darüber, wie unter den Bedingungen gegenwärtigen Weltwissens angemessen von der Auferstehung Christi und der Auferstehung der Toten zu reden ist. Die Komplexität und Multiperspektivität der Frage nach der Auferstehung markiert der Beitrag von Eckart Reinmuth in der Rubrik »Neues Testament aktuell«. Er bietet ein knappes Referat wichtiger Beiträge zur Auferstehungsthematik, die nach der Debatte um die Position Gerd Lüdemanns erschienen sind und kommt gerade vermittels der Lektüre des Matthäusevangeliums zu der weitreichenden Forderung, dass auch Exegetinnen und Exegeten um der Sache willen begriffliche Arbeit zu leisten haben. In Abgrenzung zum empiristischen Begriff der Tatsache schlägt er den des Ereignisses als grundlegende Deutekategorie der Auferweckung Jesu vor. Dieter Zeller eröffnet mit einem religionsgeschichtlichen Beitrag die Rubrik »Zum Thema«. Deutlich zeigt er die strukturellen und genetischen Denkvoraussetzungen des christlichen Auferstehungsglaubens in jüdischer Theologie auf und weist die unhintergehbare Verflechtung der christlichen Auferstehungsvorstellungen mit jüdisch-christlichen apokalyptischen Kosmologien auf, die heute aber nicht mehr nachvollziehbar seien. Dennoch endet selbst der skeptische Religionsgeschichtler nicht mit diesem negativen Schluss, sondern wirft seine ganz persönliche Hoffnung in die Waagschale, die aber gerade nicht im Subjekt verhaftet bleibt, sondern alles vom Handeln Gottes erwartet. Wie kontrovers und lebhaft die Debatte in den USA geführt wird, zeigen eindrücklich Richard Hays und Daniel Kirk auf. Zur Grundorientierung strukturieren sie die anglophonen Beiträge zur Auferstehungsproblematik in drei Rubriken: 1. Zur historischen Faktizität der Auferstehung Jesu. 2. historische Studien zum Konzept von Auferstehung in der Antike. 3. theologische Reflexionen neutestamentlicher Auferstehungstexte. Einen interessanten und informativen Streifzug durch den altkirchlichen Auferstehungsdiskurs bietet Ulrich Volp, der unter anderem nochmals auf den engen Zusammenhang von Märtyrertheologie und Auferstehungstheologie in der Alten Kirche aufmerksam macht und darauf hinweist, dass die ältesten archäologischen Stätten des Christentums nicht etwa christliche Kirchen, sondern die Gräber der Märtyrer darstellen. Die Erinnerung an die Auferstehung Jesu war ein Gemeinschaft stiftender Grundbestand liturgischer Praxis. Nicht die neuzeitliche Frage nach der historischen Faktizität der Auferweckung war das große Thema altkirchlicher Theologien bzw. Apologien, sondern die nach der Denkbarkeit der leibhaften Auferstehung. Die von Robert C. Neville und Hans Kessler geführte Kontroverse zum Thema »Auferstehung der Toten - eine individuelle Hoffnung? «, die von Hermann Deuser eingeleitet wird, führt von ihren unterschiedlichen Standpunkten aus genau in die Grundfrage, die auch schon in den Beiträgen vor allem von Reinmuth, Zeller, Hays und Kirk als dringlich zu diskutieren aufgezeigt wurde: Die Frage nach der Denkbarkeit christlicher Auferweckungstheologie unter den Bedingungen gegenwärtigen Weltwissens. So kontrovers und unharmonisierbar die Antworten von Neville und Kessler auch ausfallen, so zeigen sie doch beide in ihren Argumentationen die Notwendigkeit auf, die Metaphysik der Aufklärung auch in der Theologie der Gegenwart nicht länger undiskutiert zu wiederholen. Wie ist Realität zu denken, wenn die Rede von der Auferstehung bzw. Auferweckung Sinn macht? Die Kontroverse zeigt deutlich, dass die Ausblendung metaphysischer bzw. ontologischer und kosmologischer Fragestellungen die 006207 ZNT 19 19.03.2007 8: 36 Uhr Seite 1 User: Steffen Hack Lpi: 175 Scale: 100% 2 ZNT 19 (10. Jg. 2007) Editorial christliche Theologie in die Sackgasse des Empirismus getrieben hat, gegen die Neville und Kessler mit verschiedenen philosophischen Konzepten und unterschiedlichen theologischen Ansätzen anschreiben. Zur Kontroverse innerhalb des Herausgebergremiums der ZNT führte der Beitrag in der Rubrik »Hermeneutik und Vermittlung«. Ist es angemessen, den Vergleich zwischen islamischer und christlicher Eschatologie von einem Christen schreiben zu lassen oder wäre dazu nicht gerade eine christlich-islamische Doppelautorenschaft notwendig? Gebhard Löhr eröffnet seinen Beitrag aus christlicher Perspektive mit der Infragestellung der grundsätzlichen Nähe von islamischer und christlicher Eschatologie und bemüht sich dann im weiteren Verlauf seines Aufsatzes um die Begründung der These, die beiden fraglichen Eschatologien seien gerade im Kern grundverschieden. Politische Brisanz wirft seine These auf, es führe ein direkter Weg von islamischen eschatologischen Vorstellungen zu den islamistischen Selbstmordattentätern, ohne soziologische Untersuchungen zum Profil der Selbstmordattentäter berücksichtigt zu haben. Von dieser These distanziert sich die Redaktion ausdrücklich. Mit der aktuellen Diskussion um das angeblich aufgefundene Jesusgrab beschäftigt sich der Beitrag von Peter Lampe in erfrischender und redlicher Art und Weise. Den Abschluss des Heftes gestaltet Stefan Alkier mit seiner kritischen Rezension des Buches »Resurrecting Jesus« von Dale C. Allison. Man spürt der Rezension ab, mit wie viel Gewinn Alkier dieses Buch gelesen hat, obwohl - oder vielleicht auch weil - er grundlegende hermeneutische und ontologische Standpunkte dieses Buches nicht teilt. Die Beiträge dieses Heftes bieten nicht die Lösung der Auferstehungsproblematik, aber sie informieren über die notwendige und unhintergehbare Komplexität der Fragestellung. Sie leisten das wertvollste, was Wissenschaft zu leisten in der Lage ist: zu einem perspektivenreichen, kritischen Denken anzuregen. Wir hoffen, Sie lassen sich davon anstecken. Stefan Alkier, Kristina Dronsch, Ute E.Eisen Stichwort: Fundamentalismus Stichwort: Fundamentalismus Stichwort: Fundamentalismus Stichwort: Fundamentalismus Stichwort: Fundamentalismus Stefan Alkier/ Hermann Deuser/ Gesche Linde (Hg.) R RR RReligiöser F eligiöser F eligiöser F eligiöser F eligiöser Fu uu uund nd nd nd ndament ament ament ament amentali ali ali ali alismu smu smu smu smus ss ss Analysen und Kritiken 2005, VIII, 230 Seiten, [D] 29,90/ SFr 52,20 ISBN 978-3-7720-8099-9 Fundamentalismus ist kein islamisches bzw. arabisches Sonderproblem: Vielmehr finden sich auch in der Begründung US-amerikanischer und europäischer Politik christlich-fundamentalistische Plausibilitätsstrukturen und im Konflikt zwischen Palästina und Israel sind es gerade fundamentalistische Denkweisen, die einen friedlichen Diskurs blockieren. Aber was ist Fundamentalismus? Woher bezieht er seine verführerische Kraft? Diese Frage wird religionsphänomenologisch, soziologisch, philosophisch und politikwissenschaftlich erörtert. Mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Stefan Alkier, Hermann Deuser, Hans-Günter Heimbrock, Hanna Kassis, Klaus Kienzler, Mehmet E. Köktasch, Volkhard Krech, Robert C. Neville, Yossef Schwartz und Bassam Tibi Narr Fr Narr Fr Narr Fr Narr Fr Narr Franc anc anc anc anck kk kke Att e Att e Att e Att e Attempt empt empt empt empto oo oo V VV VVerl erl erl erl erlag ag ag ag ag · Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen 006207 ZNT 19 19.03.2007 8: 36 Uhr Seite 2 User: Steffen Hack Lpi: 175 Scale: 100%